Fight Club 3 – Bücher 1 und 2

Die erste Regel des „Fight Club“ lautet, man spricht nicht über den „Fight Club„. Das ist jedoch schwieriger umzusetzen, als man zunächst glauben mag. Sowohl das Buch, der darauf basierende Film, als auch die Comic-Fortsetzung, die 2015 über den Splitter Verlag ihren Weg nach Deutschland gefunden hat, sind allesamt von so hoher Qualität und Aussagekraft, dass man als Cineast und Comic-Geek nicht um eine angeregte Diskussion herum kommt.

Dieser wird nun noch mehr Zunder gegeben, denn nun steht das große Finale aus der Feder des Kult-Autors Chuck Palahniuk in den Regalen und Fans stellen sich die berechtigte Frage ob das sozialkritische Gesamtkunstwerk zu einem würdigen Abschluss gebracht werden konnte oder nicht. Wie schon bei „Fight Club 2“ entschied sich Splitter dazu die US-Heftserie in zwei Sammelbänden zu veröffentlichen. Der erste erschien schon im letzten Dezember, der zweite Anfang Juli. Beide sollen nun, da sie eine erzählerische Einheit bilden, im Folgenden besprochen werden.

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Darüber hinaus möchte ich, bevor es in die eigentliche Rezension geht, auf den Zeichner Cameron Stewart zu sprechen kommen, dem kurz vor der Veröffentlichung des finalen Bandes öffentlich von Künstlerinnen vorgeworfen wurde, dass er sie verführen wollte, als diese noch sehr jung und bisweilen sogar minderjährig waren. Das Ganze ist auch als „grooming“ bekannt: Ein älterer (in der Regel) Mann, macht sich an eine deutlich jüngere Frau oder sogar ein Mädchen heran, um diese in der Folge zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Nach und nach fühlten sich mehr Frauen aus der Szene ermutigt ihre Geschichte zu den Geschehnissen darzulegen und so setzte sich das Bild eines Mannes zusammen, mit dem andere Kreative und in der Folge ganze Verlage nicht mehr arbeiten wollten. So wurde ein unbenanntes Projekt von DC eingestampft und andere Künstler und Autoren verzichteten auf von Cameron beigesteuerte Variant-Cover.

Es ist mir persönlich wichtig zu betonen, dass ich jede Handlung Stewarts aus dieser Richtung verabscheue und verurteile und sollte seine Schuld darüber hinaus juristisch festgestellt werden, auch keine Probleme damit habe, wenn er trotz seines offensichtlichen Talents keinen Job mehr in der Branche bekommt. Solches Verhalten darf nicht toleriert und muss offen angesprochen werden. Eventuell folgt in absehbarer Zeit auch hier ein Artikel zu dem Thema, welches seit kurzem auch die deutsche Comic-Szene beschäftigt.

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Da nun der „Elephant in the room“ benannt wurde, kann nun zum eigentlichen Thema des Artikels zurückgekehrt und das Hauptaugenmerk auf die Geschichte Palahniuks gerichtet werden, die inhaltlich nicht mit den Taten Stewarts belastet werden sollte.

Wie wir alle wissen (sonst würde man nicht zur Fortsetzung greifen), hat der „Held“ unserer Geschichte keinen festgelegten Namen, sondern wechselt ihn bisweilen öfter als die eigene Unterwäsche. Hier wird er uns als Balthazar vorgestellt, was bei den vielen Meta-Ebenen, die der Autor auftischt sicherlich kein Zufall ist. Die ursprüngliche Bedeutung wäre „Gott, Schütze den König“ und dieser ist im Kontext von „Fight Club“ unmissverständlich als Tyler Durden auszumachen, der durch die konsumfreundliche, bürgerliche Fassade vor der Entdeckung bewahrt wird.

Nach den Ereignissen des Vorgänger-Bandes sehen wir Balthazar, seinen Sohn und die nun hochschwangere Marla (wie wir zuvor erfahren haben, ist es Tylers Nachwuchs) ihr Dasein in einem heruntergewirtschafteten Motel fristen, während sie aus unterschiedlichsten Gründen mit der Gesamtsituation unzufrieden sind. Balthazar macht sich Sorgen um das ungeborene Kind, Marla will es in erster Linie nichtmal bekommen und der Junge sieht sich dem dysfunktionalen Clusterfuck eines Elternhauses ausgesetzt, welches das Wort Trauma gefühlt zum Motto auserkoren hat. Nun könnte die Situation mit dem Zugrabe getragenem „Projekt Chaos“ noch als friedfertig betitelt werden, doch plötzlich taucht ein neue Organisation aus dem Nichts auf und möchte ähnlich Tylers Vorstellungen die Welt zugunsten einer als wertvoll erachteten Elite umgestalten, die nichts als verbrannte Erde hinterlässt. Das Werkzeug der Wahl ist aber, passend zum aktuellen Jahr 2020, eine tödliche Pandemie, die nur durch eine sehr „spezielle“ Herangehensweise aus der Welt geschafft werden kann.

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Wie schon zuvor ist die zentrale Handlung, abzüglich der zahllosen Meta-Ebenen und absurden Neuerzählungen historischer Ereignisse, schnell beschrieben. Das wovon das „Fight Club„-Franchise jedoch primär lebt sind die bitterbösen Kommentare auf unsere Konsumgesellschaft, popkulturelle Querverweise und die nicht wenigen Streifschüsse auf den imaginierten Leser, die zur Reflexion anregen sollen. Dabei werden, wie in Buch, Film und dem Comic-Vorgänger, die Grenzen zwischen Medium und Realität quasi durchgehend verwischt. Dadurch wird nicht nur ein für die Reihe typisches Element der Eliminierung der vierten Wand ausgespielt, sondern der Comic als eigenständiges Produkt der Kunst identifiziert, welches sowohl im Hinblick auf die Erzählung, als auch die in die Handlung greifende visuelle Ebene in ihrer Einzigartigkeit präsentiert wird. So ist ein Comic kein mit Bildern aufbereitetes Buch, keine durchwegs bildende Kunst aber eben auch kein Hybrid. Offensichtlich hat Palahniuk die Definition „Comics sind Comics“ nach dem Medien- und Kulturwissenschaftler Martin Barker zu Herzen genommen und sich deswegen für die unausweichliche Option einer Comic-Fortsetzung entschieden, die den Kern von „Fight Club“ mit am besten repräsentiert.

Hinzu kommen geradezu kompromisslose Szenen, die bezüglich des Gewaltgrades und anderer expliziter Darstellungen entweder nichts der Fantasie überlassen oder so konzipiert sind, dass man das schelmische Grinsen der Macher geradezu durch die Seiten sehen kann. Auch zeitgenössische Diskussionen um Politik, Geschlechterrollen, sexuelle Befreiung und der quasi fehlende Filter für sozial akzeptables Verhalten werden mit Genuss aufgegriffen, in Worte und Bilder verpackt und mit einer solchen Wucht entgegen geschleudert, dass ein unbedarfter Leser definitiv länger an dem Gesamtpaket zu kauen hat. Und ist es nicht genau das, was wir von „Fight Club“ erwarten? Zwar scheint der Autor diesmal temporär in zu fantasievolle Sphären abzutauchen und damit das realistisch Rohe etwas in den Hintergrund zu rücken, was sicherlich einigen Fans auffallen wird, aber der Umstand ist in Anbetracht der durchgehend auf höchstem Niveau gehaltenen Qualität jederzeit zu verschmerzen.

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Auf der visuellen Ebene bleibt sich Stewart weiterhin treu und arbeitet neben Elementen, wie den Brüchen von Panels und der Umfunktionierung des Formats (Stichwort „Wandkalender“) auch mit Collage-Anleihen. Diese wilde Mischung passt wie die Faust aufs Auge, wenn man das Chaos in der Geschichte betrachtet. Man merkt geradezu die Ambition den Leser am Geschehen teilhaben zu lassen. Dabei spielt er in seinem Stil geradezu Mustergültig mit den drei wichtigsten Merkmalen des Comics in Form von Bild, Text und Symbol, bringt sie durcheinander, entzerrt sie erneut und springt dabei durchgehend von klassischem Aufbau zu avantgardistischem Level und zurück. Dabei erdrückt er nicht die Handlung, sondern treibt sie Hand in Hand voran. In Anbetracht dessen, was wir hier als anarchistischen Cocktail serviert bekommen, ist das durchaus als große Leistung zu betiteln.

Deswegen kann man die Zusammenarbeit zwischen Autor und Künstler nicht nur als fruchtbar, sondern durchwegs geglückt definieren. Das kann man leider nicht immer von Fortsetzungen in Film und (graphischer) Literatur behaupten, doch mit „Fight Club 3“ ist ein „Full Circle“ publiziert worden, der zwar ab und zu, sogar für die Verhältnisse der vorliegenden Geschichte, ins Absurde ausschert, dabei aber nie die Geschichte aus den Augen verliert. Daher kann ich den Fans der Reihe diesen Abschluss in zwei Teilen nur ans Herz legen und allen die bis dato eventuell nur das Buch gelesen oder den Film gesehen haben, dazu raten sich an diese gelungene Fortsetzung zu wagen.

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Fight Club 3 - Buch 1|2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 13.12.2019
Autor: Chuck Palahniuk
Zeichner: Cameron Stewart
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 168
Preis: 24 EUR
Fight Club 3 - Buch 2|2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 03.07.2020
Autor: Chuck Palahniuk
Zeichner: Cameron Stewart
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 176
Preis: 25 EUR

[Rezension] Batman Noir: Gotham By Gaslight (Panini Comics)

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Die US-Leser unter euch kennen sicherlich schon seit längerer Zeit die Strategie der großen Superhelden-Verlage Klassiker oder besonders beliebte Geschichten in schwarz/weiß auf den Markt zu bringen. Der Hintergrund, neben der offensichtlichen Möglichkeit des Abverkaufs schon erschienener Bände, ist die so besonders nah an der Vorstellung der Zeichner gelegene Vision betroffener Geschichten. Selbstverständlich sind Koloristen ein essenzieller Bestandteil des Produkts „Comic“ und bringen nicht selten eine Ebene mit ein, ohne die eine bestimmte Stimmung nicht mal im Ansatz transportiert werden könnte. Trotzdem sind vor allem Handlungen, die primär durch die eigentliche Geschichte und nicht nur Action getragen werden, geradezu prädestiniert dafür sich den typischen Graphic Novel-Look anzueignen.

Das haben auch Panini Comics in Deutschland erkannt und folgen nun dem Lizenzgeber DC mit zwei großformatigen Hardcovern, von denen ich hier den Titel „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ besprechen möchte. Dieser versammelt zum ersten Mal die beiden Elseworld-Geschichten „Blutige Schatten der Vergangenheit“ (1989) und „Der Herr der Zukunft“ (1991).

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© Panini Comics

Beide Storys entstammen der Feder des Autoren Brian Augustyn, während sich mit  Eduardo Barreto und Mike Mignola zwei unterschiedliche Zeichner für die beiden Projekte zur Verfügung gestellt haben. Insbesondere Mignola sei hier gesondert erwähnt, den die meisten vermutlich aufgrund seiner Arbeit an Hellboy kennen sollten und dessen Werk vom legendären Alan Moore als Mischung aus Jack Kirby und dem deutschen Expressionismus bezeichnet wurde.

Inhaltlich steigt der Leser zum Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Schiff ein, dass bald von London aus in Gotham einlaufen soll. Darauf befindet sich unter anderem Bruce Wayne, der zuvor unter den Fittichen von Sigmund Freud die Psychoanalyse in Wien studiert hat. Zeitlich passend hat kurz zuvor Jack the Ripper seine Mordserie in Whitechapel begangen und mit einem der Handlung vorangestellten fiktiven Brief von eben jenem Mörder darf man sich darauf einstellen, dass Gotham der nächste „Spielplatz“ seiner Wahl werden wird. Doch Jack hat in diese Rechnung Batman nicht einkalkuliert, der mit der Rückkehr Waynes natürlich ebenfalls sein wachsames Auge auf die Straßen der Metropole wirft. Was der dunkle Ritter jedoch selbst nicht erwartet, ist es mit seiner bürgerliche Fassade selbst in den Kreis der Verdächtigen zu geraten, was den Ursprung der blutigen Spur von der Themse bis zur Ostküste der USA anbelangt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Jagd nach dem Ripper aufzumachen, um den Namen der Familie Wayne rein zu waschen. Zeitgleich entdeckt er allerhand weitere Geheimnisse, die sogar den Mord an seinen Eltern mit einschließen.

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© Panini Comics

Wie nebenbei lässt der Autor dabei zahlreiche Referenzen mit einfließen, die zum Beispiel den Ursprung bestimmter Bösewichte im Kontext der beschriebenen Zeit beinhalten, selbst wenn diese in „Blutige Schatten der Vergangenheit“ keine tragende Rolle spielen. Darunter zum Beispiel der Joker, dessen kurz zu sehendes Bild als eindeutiger Verweis auf die reale Inspiration durch den Stummfilm „Der Mann, der lacht“ (1928) zu verstehen ist. Hinzu kommen auch kleine Anspielungen für die im Comic-Bereich historisch interessierten Leser, die unter anderem eine Zeichnung von Bob Kane wiedererkennen sollten. Ganz generell sorgen Mignolas Zeichnungen in schwarz-weiß für eine Atmosphäre, die nicht nur aufgrund des teils deckungsgleichen Themas aus „From Hell“ (1989-1996) für schaurig-schöne Momente sorgt. Man darf darüber hinaus davon ausgehen, dass der Release beider Titel nicht ohne Grund auf das Jahr 1989 fiel, da die Morde sich erst im Jahr zuvor zum hundertsten Mal jährten und damit der Öffentlichkeit besonders präsent waren.

In der zweiten Geschichte „Der Herr der Zukunft“ wird wie schon erwähnt mit Augustyn der Autor beibehalten, während mit Eduardo Barreto ein anderer Künstler zum Zeichenstift greift. Wir befinden uns immer noch am Ende des 19. Jahrhunderts und Gotham City ist im Begriff die Weltausstellung vorzubereiten, die in der Realität um den gleichen Zeitraum in Chicago stattfand. Insbesondere der Bürgermeister, sowie eine Vielzahl an Bürgern sind Feuer und Flamme für die Idee eine so prestigeträchtige Veranstaltung auszurichten, während Bruce Wayne sich primär Gedanken darum macht seinen Umhang an den Nagel zu hängen. Doch es kommt natürlich anders als erwartet, als mit dem geheimnisvollen Alexandre LeRoi ein Mann eine Veranstaltung stürmt, die zur Planung der besagten Ausstellung einberufen wurde. Hier verlangt er unter einem zivilisationskritischen Pathos, den man durch den Besitz eines Luftschiffs und eines Roboters durchaus in Zweifel ziehen kann, die Absage der Weltausstellung. Sollte man seinem Befehl nicht Folge leisten, würde er die Stadt in Schutt und Asche legen. Wie nicht anders zu erwarten, sieht sich nun Bruce Wayne erneut in der Pflicht die Fledermaus-Haube überzuziehen und der plötzlichen Bedrohung auf den Grund zu gehen. Alles in allem eine runde Abenteuergeschichte mit Steam Punk-Flair und daher lesenswert, jedoch nicht auf dem selben Niveau wie der Vorgänger, was neben der tiefergehenden Handlung auch am Strich Mignolas liegt, der im Gegensatz zum ebenfalls großartigen Eduardo Barreto eine deutlich individuellere Note mit sich bringt.

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Das Gesamtpaket in Form des Sammelbands „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ ist in diesem Sinne definitiv eine Anschaffung wert. Insbesondere wenn man die Geschichten noch nicht im eigenen Bücherregal stehen hat und sich für den Graphic Novel-Vibe einer schwarz/weißen Batman-Geschichte begeistern kann. Man darf gespannt sein, was Panini nach dem vorliegenden Band und „Der Tod der Familie“ als nächstes in das „Noir„-Programm aufnimmt.

Batman Noir: Gotham by Gaslight 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Augustyn
Zeichner: Mike Mignola, Eduardo Barreto
Erschienen am: 12.05.2020 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 124
Preis: 23 EUR

 

[Rezension] Black Hammer ’45 (Splitter)

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Schon wieder und sicherlich nicht zum letzten Mal steht uns ein Spin-Off der beliebten Black Hammer-Reihe beim Splitter Verlag ins Haus. Diesmal bewegen wir uns jedoch nicht in der geschlossenen Gruppe an Helden der Hauptreihe und ihrer Antagonisten, sondern im Goldenen Zeitalter der Superhelden und damit in den 1940er Jahren. Zwar tauchen auch hier Abraham Slam und Golden Gail, sowie andere bekannte Figuren auf, aber den Mittelpunkt des Geschehens bildet eine Eliteeinheit der Air Force, die für spezielle Missionen ausgebildet wurde, um den Achsenmächten zu schaden. Und wie sollte es auch anders sein. Der Name des Titels ist Programm, denn die Gruppe der waghalsigen Militärs aus Afroamerikanern, Latinos und Asiaten nennt sich Die Black-Hammer-Schwadron. Vor diesem Hintergrund ist es wohl als Verweis auf die real existierenden Harlem Hellfighters zu verstehen, die im ersten und zweiten Weltkrieg ein rein afroamerikanisches Regiment stellten.

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Und so speziell wie diese Truppe ist, ist auch ihr Auftrag. Sie müssen nämlich eine  Familie an Wissenschaftlern aus den Fängen der Nazis befreien. Was zunächst wie der Plot eines üblichen Weltkriegs-Action-Dramas daherkommt, wird aber schon bald aufgebrochen, wenn sich zu den Faschisten plötzlich Fliegerasse mit dem Namen „Ghost Hunter“, nach dem Vorbild des roten Barons, Werwölfe, Okkultisten und sowjetische Riesen-Roboter gesellen. In diesem Sinne die gewohnt abgedrehte Mischung, die man von Lemire kennt, der sich diesmal jedoch mit seinem kanadischen Kollegen Ray Fawkes an den Autoren-Tisch gesetzt hat. Doch eine Geschichte aus dem Black Hammer-Universum wäre niemals komplett, wenn der nur oberflächlich existierende Trash nicht von einer emotionalen Komponente untermauert wird, die das vorliegende Universum so unvergleichlich und darum auch so erfolgreich werden lässt.

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Das ursprünglich in vier US-Heften veröffentliche Spin-Off ist dabei aber noch eine Stufe experimentierfreudiger unterwegs, als so manch andere unter dem gleichen Label veröffentlichte Mini-Serie. So verzichten die Macher abseits von Gastauftritten der uns schon bekannten Helden aus der Hauptreihe, auf Verflechtungen mit dem zentralen Handlungsbogen und geben sich damit selbst die Freiheit außerhalb festgelegter Strukturen zu agieren. Das gilt in dem Sinne auch für den Zeichner Matt Kindts, der mit seinem extrem groben Stil Superhelden-Puristen recht sicher zur Weißglut bringt und offenere Leser zum Entdeckten einlädt. Ich persönlich musste mich durchaus auch erst an den Strich und die Farbgebung gewöhnen, doch nach ein paar Seiten Einlesezeit spürt man recht schnell die Kunst und die Handlung ineinandergreifen und versteht, warum Lemire und Fawkes sich zu dieser Zusammenarbeit entschieden haben. Es bleibt durchaus Geschmacksache, aber es sei hiermit unterstrichen, dass man sich von einem ersten Blick in den Band nicht abschrecken lassen sollte.

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Alles in allem handelt es sich bei Black Hammer ’45 wohl um das wohl kurzweiligste Spin-Off der Serie in vier Akten, dass durchaus überzeugt, aber nicht ganz an die anderen Geschichten heranreicht. Bei der immer noch extrem hoch angesetzten Qualität von Black Hammer ist eine Anschaffung jedoch auf keinen Fall ein Fehler und man erhält einen Band, der zwar eine der weniger relevanten Storys aus der Feder von Lemire und Fawkes beinhaltet, damit aber immer noch über vielem schwebt, was man als gut bewerten würde.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

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Verlag: Splitter 
Erschienen am: 24.01.2020  
Autor: Jeff Lemire, Ray Fawkes 
Zeichner: Matt Kindt
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 120
Preis: 22 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 4: Age of Doom – Buch 2 (Splitter)

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Langsam aber sicher nehme ich hier wieder an Fahrt auf und kann euch heute einen weiteren Band aus Jeff Lemires und Dean Ormstons Black Hammer-Reihe präsentieren. Für diejenigen, die meine bis dato ausnahmslos vor Lob überschäumenden Beiträge zu den Vorgänger-Bänden gelesen haben, stellt sich natürlich die Frage, ob die unbestrittene Qualität auch in der Fortsetzung, die in Deutschland die US-Hefte 6 bis 12 der Age of Doom-Saga zusammenfasst, gehalten werden kann. So viel sei vorweggenommen: Die ganze 192 Seiten dicke Veröffentlichung sollte nur wenige Wünsche offen lassen.

Die treuen Leser unter euch werden sich erinnern, dass Buch 1 endlich Erklärungen dafür lieferte, warum die Helden-Gruppe aus Spiral City über viele Jahre hinweg auf einer Farm an einem unbekannten Ort ihr Dasein fristen musste und sowohl Umgebung als auch Personen, denen sie begegneten sie an ihren Sinnen zweifeln ließen. Als nun das große Geheimnis offenbart wurde, schloß der Band mit einem Cliffhanger, der einem die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ. Obwohl sie nun erfahren haben, dass ihr Leben auf der Farm nicht der Realität entsprach und es eine Möglichkeit gibt zurück in ihre Heimat zu reisen, wussten sie nun auch um die gefährlichen Konsequenzen, die aus einer Rückkehr folgen würde. Der Anti-Gott und damit das Wesen, dass ursprünglich mit dem Verschwinden der Helden zusammenhing, würde erneut erscheinen und die Welt in den Abgrund stürzen. Bevor jedoch eine endgültige Entscheidung getroffen werden konnte, wurde der Leser mit einem großen Fragezeichen in eine Wartepause bis zum nächsten Band entlassen.

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Nun setzt die Fortsetzung mit „Age of Doom – Buch 2“ zunächst genauso irritierend ein und lässt einen gemeinsam mit den Protagonisten langsam die Rätsel lösen, die nun in noch größerer Zahl vor einem liegen. Denn offensichtlich haben es Abraham Slam, Barbalien, Golden GailMadame Dragonfly und Lucy es tatsächlich geschafft nachhause zurück zu kehren, doch etwas scheint nicht zu stimmen. Unsere Helden sind nämlich über die Welt und mit Barbalien auch auf einem anderen Planeten verstreut und in einem vermeintlich früheren Leben angekommen. Das größte Problem hierbei ist jedoch nicht, dass die Protagonisten nicht wissen wo, sondern wer die anderen sind. Keiner kann sich an die jeweils eigene Vergangenheit als Held und Heldin erinnern und jeder geht dem jeweiligen Alltag nach. Eine Ausnahme bildet hierbei jedoch Black Hammers Tochter Lucy, die langsam realisiert, dass doch nicht alles so ist, wie es scheint. Als sie endgültig versteht was passiert ist, macht sie sich daran die anderen Helden aus ihrer augenscheinlichen Realität zu befreien, um sich gemeinsam gegen eine drohende Gefahr zu wappnen.

Dabei setzt sich das Kreativ-Team um Jeff Lemire und Dean Ormston erneut keine visuellen und erzählerischen Grenzen. Während die soeben beschriebene Haupthandlung zum Beispiel voranschreitet, scheuen sie sich erneut nicht davor große Werke des Superhelden-Genres zu zitieren, das Medium an sich um eine Meta-Ebene zu erweitern und dabei trotzdem großen Respekt walten zu lassen. Nutzen andere Autoren und Künstler das weitreichende Angebot an Cape-Trägern, um einen zynischen Blick auf das System „Superheld“ zu werfen, spricht aus den Panels von Black Hammer zwar immer ein Bewusstsein dafür, dass bestimmte Elemente eines Aufbaus in typischen Genre-Perlen geradezu in grotesker Häufigkeit bespielt werden, aber deren Zitate werden vielmehr in einer Hommage als Kritik an die Leser herangetragen.

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Einer dieser Punkte wäre der sogenannte Reboot. Wie langjährige Fans von DC und Marvel wissen, wird dieses Tool immer wieder gerne genutzt, um neue Leser an sich zu binden und alte Hasen mit frischen Twists, bei einer eindeutigen Verankerung im Ursprungsmaterial, bei der Stange zu halten. Lemire nutzt bewusst dieses inzwischen zur Erwartungshaltung angewachsene Element, um es auf seine eigene Art in das Black Hammer-Universum zu integrieren. Dieses ist nämlich in einer vergleichsweise kurzen Zeit zu einer stattlichen Größe angewachsen und kann dementsprechend langsam so gehandhabt werden, wie es bei den beiden großen Verlagen schon seit Dekaden üblich ist. Man bedenke allein die zahlreichen Spin-Offs, die nach wie vor in hoher Frequenz ihren Weg in die Buchregale finden.

So arbeitet er sich auf Basis der bereits bekannten Figuren und Umstände zu einem Punkt vor, an dem er losgelöst von den ab dem ersten Heft eingeführten Handlungssträngen, neue Wege beschreiten kann, ohne immer wieder Rückgriffe auf alte Storyelemente tätigen zu müssen. Das besondere an dieser Heranführung an einen neuen Startpunkt ist dabei die emotional reife Basis der Figuren, die einen mitfiebern, wüten und weinen lässt. Man erinnere sich nur an die Geschichten des Doctor Star oder Sherlock Fankenstein. Beides Namen, die zunächst an eine trashige Verbeugung vor dem Comic-Ursprungsmaterial aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts denken lassen, die aber in einer so emotionalen Tiefe aufgehen, dass einem der Atem stockt. Allein der Kontrast aus offensichtlich abstrusen Charakteren und menschlichen Tragödien, wie der Kampf mit der eigenen Sexualität oder der Verlust eines geliebten Menschen, geben diesem Universum eine Ebene, die bei den Mitbewerbern deutlich seltener in einer so reifen Form präsentiert wird.

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Gleichzeitig schafft es Lemire dieser Komplexität aus erwachsenem Storytelling, Superhelden-Bombast und einer ordentlichen Ladung an Selbstreferenz so perfekt ineinander greifen zu lassen, dass man trotz all der benannten und im Kern doch sehr unterschiedlichen Aspekte, ein Gefühl für Authentizität und eine Planungssicherheit des Autoren bekommt. Und allein dieses Gemisch sorgt dafür, dass man nach den letzten Seiten mit einer großen Zufriedenheit und starken Vorfreude auf die sichere Fortsetzung der Reihe entlassen wird.

Ich für meinen Teil freue mich auf das was kommt und kann jetzt schon ankündigen, dass zeitnah die Rezension zu „Black Hammer ’45“ auf ZOMBIAC.blog veröffentlicht wird.

Hier geht es übrigens zu den Besprechungen zu:

Black Hammer – Band 2: Das Ereignis, Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels, Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung, sowie Black Hammer – Band 3: Age of Doom.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

Black Hammer Bd. 4: Age of Doom - Buch 2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 22.11.2019  
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston, Rich Tommaso
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 192
Preis: 24 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 6 (Cross Cult)

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© Cross Cult

Wer mich und meine Rezensionen zu den Paper Girls (Cross Cult) kennt, der weiß wie begeistert ich von Brian K. Vaughns, Cliff Chiangs und Matt Wilsons Arbeit an dem Projekt bin. Dabei ist es nicht nur eine persönliche Affinität zu den abgedrehten Abenteuern der Mädchen-Gang aus Erin, Mac, Tiffany und KJ, sondern die nicht bestreitbare Qualität der Reihe, die Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Eisner-Awards und eine in in der Produktion befindliche TV Serie sprechend dabei Bände.

Was neben dem fortlaufend guten Storytelling und einer visuell ansprechenden Präsentation ebenfalls für eine Geschichte auf hohem Niveau spricht, ist der richtige Zeitpunkt diese zu beenden. Genau das haben die Macher mit der Ausgabe 30 im letzten Jahr gemacht und damit das Abenteuer der Paper Girls zu einem runden Abschluss gebracht. In Deutschland ist das mit Band 6 geschehen, der die letzten Hefte, wie bei all den zuvor erschienenen Ausgaben, in einem attraktiven Hardcover bündelt.

Waren von Anfang an viele Mosaik-Steine bewusst lose gesetzt und zahlreiche Interpretationen der Ereignisse den Lesern überlassen, läuft Vaughn auf der Zielgeraden zur Höchstform auf, indem er all die Elemente, die einen zuvor eventuell irritiert haben zu einem Gesamtbild verknüpft. Nach wie vor springen die vier Heldinnen durch die Zeit, um endlich in ihre alte Heimat der verschlafenen Vorstadt Stoney Steam des Jahres 1988 zu gelangen. Das gestaltet sich jedoch wie in all ihren Erlebnissen zuvor als nicht einfach. In der Folge ihrer Handlungen in den verschiedenen Zeitebenen haben sie nämlich einiges durcheinander gebracht, sich in wortwörtlich alle Himmelsrichtungen und Zeiten verstreut, ihre nach wie vor mysteriösen Verfolger aus der Zukunft aber nicht abgehängt. Vor diesem Hintergrund scheint zunächst ein Happy End und eine finale Zusammenkunft der Mädchen immer unwahrscheinlicher, doch genau diese Zersplitterung der Handlung, die sich ab einem bestimmten Punkt in vier parallele Stränge verzweigt, sorgt dafür, dass sowohl die Protagonisten, als auch Leser zu einem Verständnis der Ereignisse gelangen, die in einer so schön in sich geschlossenen Geschichte münden, dass man direkt Lust bekommt nochmal von vorne zu beginnen. Wie dieser Abschluss nun aussieht sollte man aber am besten für sich selbst herausfinden. Twists und ungewöhnliche Ereignisse sind nach wie vor die Stärken von Paper Girls und sollten in dem Sinne für sich selber sprechen.

Auf dem Weg dorthin werden darüber hinaus erneut zahllose Referenzen auf die Popkultur ausgepackt, die nie deplatziert wirken, sondern zur Unterstreichung der jeweiligen Epoche dienen. Ob nun Film, Musik oder der generelle Zeitgeist – der ganz besondere Vibe, von dem auch Serien-Produktionen wie Stranger Things leben, sorgt für immer wieder angenehme Nostalgie-Momente, durch die Erin, Mac, Tiffany und KJ sogar noch mehr Tiefe verliehen bekommen. Sie wirken zu keinem Zeitpunkt konstruiert, um vier unterschiedliche Projektionsflächen abzubilden, sondern wie authentische Personen, denen man ihre Gefühle und Gedanken, sowie zwangsläufige Entwicklung im Windschatten der beschriebenen Ereignisse jederzeit abnimmt und daher ohne zu überlegen mitfiebert.

Auch auf visueller Ebene leisten Zeichner Cliff Chiang und Kolorist Matt Wilson nach wie vor ganze Arbeit und vermitteln durch ihre Komposition ein ganzes Arsenal an Emotionen und spannungsgeladenen Momenten, die sowohl Dialoge und generelle verbale Interaktionen unterstreichen, aber auch ohne Worte so viel rüber bringen, dass eine Stimmigkeit, die seit dem ersten Heft spürbar ist, auch auf den letzten Metern bewahrt bleibt.

Alles in allem, kann ich den abschließenden Band 6 genauso empfehlen wie die Vorgänger zuvor. Mit Paper Girls schafft man sich nämlich nicht einfach eine solide Comic-Geschichte, sondern eine der besten und außergewöhnlichsten Reihen an, die in den letzten Jahren erschienen sind und in einem überschaubaren Umfang gerne zum erneuten Griff ins Bücherregal einladen.

Hier geht es zu den Rezensionen der Bände 1, 2, 3, 4 und 5.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

Paper Girls - Band 6 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn 
Zeichner: Cliff Chiang 
Kolorist: Matt Wilson
Erschienen am: 26.11.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 128
Preis: 22 EUR

[Rezension] Bountilus: Der Calamari Cult – Teil 1 von 2 (Kult Comics)

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Das Team aus dem Künstler Andi Papelitzky und dem Autor/Musiker Andreas „Medusa“ Kuhn, sowie Sänger Marco Klingel hat sich erneut daran gewagt Musik und das Medium Comic verschmelzen zu lassen und diesmal sogar in einem richtigen Crossover. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass beide zusammenarbeiten, da Papelitzky schon Artwork und Comics zu vorangegangenen Releases von Kuhns Band apRon beigesteuert hat. Jedoch finden im vorliegenden Band zum ersten Mal zwei getrennt voneinander kreierte Konzepte zusammen und harmonieren dabei erstaunlich gut.

Zum einen haben wir die Crew der Bountilus, die auch den Titel des vorliegenden Comics vorgibt und aus dem ungewöhnlichen Duo Captain Nihil und dem Tentakel-Alien Quattro besteht. Deren erstes Abenteuer durften wir schon in einem durch eine Startnext-Kampagne finanzierten Band bestaunen. Auf der anderen Seite haben wir die Bandmitglieder von apRon, die gemäß dem Thema ihrer Alben Alter Egos zulegen, die in diesem Fall ein Haufen Cowboys und ein Indianer sind. Das sich das schnell wieder ändern kann, wird am Untertitel des im Vergleich zum Vorgänger recht dicken Bandes deutlich: „Der Calamari Cult„. Ein Name, der nicht nur einen Hinweis zum Inhalt des Comics, sondern auch den offiziellen Titel des am kommenden am Freitag (13.12.2019) erscheinenden apRon-Albums vorgibt. Man sieht also schon deutlich, dass nach „Der Punch“ und „Auf dem Ponyhof“ der Trend immer noch gen Konzeptalbum tendiert.

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©Andi Papelitzky

Inhaltlich werden gleich zu Beginn beide Welten verschmolzen, als die Bountilus eine Bruchlandung hinlegt und kurz darauf als eine Art Space-Uber-Taxi die an der Absturzstelle wartende Band aufliest, die im Comic natürlich nicht primär als Gruppe an Musikern, sondern rechtschaffenen Abenteurern präsentiert wird, die erst vor kurzem Frieden „Auf dem Ponyhof“ gestiftet und sich in dem Zuge mit einem Einhorn angefreundet haben. Es darf zumindest verraten werden, dass der Spaß mit dem behörnten Klepper nur temporärer Natur ist.

So wird das Quartett nach einer ungewöhnlichen Zusammenführung zu einem intergalaktischen Konzil geflogen, bei dem es die Zusammensetzung des ihnen bis dato nur grob bekannten Universums in Erfahrung bringt. Ihm wohnt nämlich eine gewisse Ordnung inne, die nun aufgrund eines „Zwischenfalls“ so gestört ist, dass die Helden Till, Medusa, Sebi und Marvin beauftragt werden müssen, die Galaxie zu retten. Dies ist jedoch nur möglich, indem sie als Herren über Leben und Tod, das Schicksal eines von ihnen gewählten Planeten bestimmen. Sich zu entscheiden ist aber nachvollziehbar schwer. Daher kutschieren Captain Nihil und Lieutenant Quattro die Gruppe von Himmelskörper zu Himmelskörper, auf denen apRon sich über die Bewohner informieren kann. Dabei stoßen sie nicht nur auf allerlei lustige und interessante Gestalten, sondern kommen sogar einem Geheimnis auf die Spur, dass der Leser mit den Charakteren erst erkunden muss…

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©Andi Papelitzky

Zwar ist der Plot schon zu Anfang der Geschichte relativ schnell erklärt, aber das tut dem Lesespaß keinen Abbruch, denn dafür sind die 140 Seiten mit genug Gags vollgepackt, die in aller Regelmäßigkeit zünden. Auch Fans der Band kommen auf ihre Kosten, die immer mal wieder kleine Querverweise auf die Historie von apRon serviert bekommen, die in Teilen auch weiter zurück reichen, als man zunächst vermuten würde. Dabei wird nicht nur auf die schon genannten Alben, sondern auch auf die frühen Tage der Musiker Bezug genommen.

Und wie es sich für einen Comic, der sich außerhalb des Mainstreams bewegt gehört, wird gerne hier und da auch mal ein sozialkritischer Seitenhieb ausgepackt, der sich nicht nur gegen bestimmte politische Strömungen, sondern auch gegen ganz konkrete Vertreter der besagten Geisteshaltung richtet. Schön erfrischend und ehrlich, aber ohne zu einem kompletten Bruch mit der eigentlichen Story zu führen. In dem Kontext tatsächlich ein kleines Kunststück, da der Comic zwar eigenständig, aber zeitgleich ein Promoinstrument zum aktuellen apRon-Album ist. Diese Kombination funktioniert erstaunlich gut, ohne wie eine mit Buzzwords gefüllte, stupide Auftragsarbeit zu wirken. Mir scheint, dass sich das beteiligte Team sich über die Jahre in ihrer Arbeitsweise so gut kennen gelernt hat, dass genau der richtige Zeitpunkt für einen Release abgepasst wurde.

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©Andi Papelitzky

Auch visuell macht es Spaß dem Strich von Andi Papelitzky über den für einen Independent-Release sehr üppigen Band zu folgen. Sein grober Stil in Kombination mit häufig reduzierten Panels lässt den Fokus auf den dargestellten Figuren ruhen, die in ihrer Art einen unverkennbaren Stil in sich tragen. Im Zusammenspiel mit der überdrehten Geschichte ergibt sich daher ein Mix, der sich in einer kurzweiligen Unterhaltung manifestiert, die zum einen Lust darauf macht zu erfahren, wohin es die Helden der Geschichte als nächstes verschlagen und wie sich das auf das Konzept und die Live-Shows der Band ausschlagen wird. Zu beiden Projekten findet ihr im folgenden ein paar Infos:

Bountilus: Der Calamari Kult - Teil 1 von 2 
Verlag: Kult Comics
Autor: Andreas "Medusa" Kuhn
Zeichner: Andi Papelitzky
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR
apRon
Aktueller Release: Der Calamari Kult (13.12.2019
Live: Punchfest 2019 - apRon + Password Monkey, 
This is not an Elephant & Safran Jacket

 

[Rezension] Paper Girls – Band 5 (Cross Cult)

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Man hat lange nichts mehr von mir im Zusammenhang mit ZOMBIAC gehört und das hat tatsächlich gute Gründe, die keineswegs mit fehlender Lust am Schreiben oder geringerem Interesse an Comics zu tun haben. Tatsächlich war ich selten so sehr im Kontext des zweiten Themas eingespannt, wie in den letzten Wochen und Monaten.
Als Teil des Orga-Teams um das Comicfestival München, habe ich unter anderem für den reibungslosen Ablauf der Signierstunden, der Kommunikation mit den Verlagen, Künstlern usw. gesorgt. Da dieser Job jedoch neben Studium, Arbeit und Kind zu erledigen war, könnt ihr euch vorstellen, das gewisse Dinge mit einer geringeren Priorität auf der Strecke geblieben sind.  Dazu gehört traurigerweise auch dieser Blog, der natürlich weiterhin betrieben und befüllt werden soll.

Das wird in den nächsten Wochen aber ebenfalls im vorhandenen, aber nur geringem Maße erfolgen, da mir das Glück zuteil wurde die nächsten zwei Monate bis Ende September in New York City verbringen zu dürfen. Hintergrund ist dabei mein Englisch-Studium, dass einen entsprechend langen Aufenthalt in einem englischsprachigen Land als Mindesvoraussetzung für meinen Abschluss beinhaltet.

Nun jedoch genug von Erklärungen, die für die Zukunft eh nichts zur Sache tun und rein in die seit langem erste Rezension: Den fünften Band zu den großartigen „Paper Girls“ von Cross Cult! (Hier geht es zu den Rezensionen zu den Bänden 1, 2, 3 und 4)

Dabei schreiten wir als Leser langsam aber sicher auf das Ende der Geschichte von Brian K. Vaughn und Cliff Chiang um die lieb gewonnene Girl-Gang zu. Deren Abenteuer wurden in den USA nämlich nach 30 Ausgaben zu einem Ende gebracht, was uns deutschen Leser mit dem vorliegenden Sammelband den vorletzten Release in diesen Breitengraden beschert.

Während wir den inzwischen fleißig zeitreisenden Erin, Max, Tiffany und K.J. schon in den 80ern mit passenden „Stranger Things„-Vibes über die Schultern schauen, in der Steinzeit mitfiebern und im Jahr 2000 auf die auch popkulturell aufbereitete Endzeitstimmung dieser besonderen Zeit blicken durften, verschlägt es die Protagonistinnen diesmal ins 22. Jahrhundert. Nun sind die Mädels jedoch mehr als froh in der Zukunft und nicht in der heimischen Version von Stoney Steam gelandet zu sein, denn die üblicherweise zynisch aufgelegte Mac darf sich Hoffnungen machen ihre Leukämie zu besiegen, bevor sie diese überhaupt bekommt, da sie von ihrer tödlichen Krankheit schon in der Vergangenheit erfahren hat. Doch nicht nur auf physischer Ebene werden Veränderungen durchgemacht, denn der immer wieder präsente Coming-of-Age Teil der Geschichte kommt erneut und ohne jede peinliche Note zum Vorschein, als K.J. sich offen zu ihrer Homosexualität und zeitgleich ihren Gefühlen für Mac bekennt. Eine wilde Mischung, die aber zu jeder Zeit authentisch und emotional nachvollziehbar erzählt wird.

Dabei wird die Sache für unsere Heldinnen nicht weniger kompliziert, als ihnen die seit dem ersten Band auf den Fersen haftende Gruppe um einen geheimnisvollen Anführer in wechselnden Band-Shirts aus der Hip-Hop-Ära der 80er, näher kommt als je zuvor. In diesem Kontext wird auch endlich der zu Anfang von Band 1 gespannte Bogen langsam aber deutlich sichtbar, was wiederum auf das absehbare Ende hinweist, dass hoffentlich so grandios zum Abschluss geführt wird, wie es die bisherige Story vermuten lässt.

Auch auf visueller Ebene bekommt man erneut Kost auf dem hohen Niveau serviert, dass man sich nicht nur wünscht, sondern zum aktuellen Zeitpunkt regelrecht erwartet. Jedes Panel und jede Mimik durch Cliff Chiang, sowie die großartige Kolorierung von Matt Wilson scheinen mindestens so präzise und spannend aufeinander eingespielt zu sein, wie die erzählerische Meisterleistung von Vaughn. Ein kreativer Cocktail, der nicht ohne Grund von Amazon zu einer TV-Version adaptiert werden soll.

In diesem Sinne macht man als potentieller Käufer des fünften „Paper Girls„-Bandes nicht nur wenig falsch, sondern ist eigentlich dazu verpflichtet seine Sammlung zu vervollständigen und mit den vielen anderen Fans auf das große Finale in diesem Herbst hinzufiebern.

Paper Girls - Band 5 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn
Zeichner: Cliff Chiang
Erschienen am: 17.04.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 152
Preis: 22 EUR

[Rezension] Doomsday Clock Bd. 1 (Panini Comics)

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Ich gehöre zu den Leuten, die sich intensiv mit Comics beschäftigen. Trotzdem würde ich mich niemals als Puristen bezeichnen. Daher kann ich mich auch unvoreingenommen über Spin-Offs, Pre- und Sequels freuen, wenn bei diesen mit fast schon legendären Stoffen hantiert wird. Dazu gehört definitiv das epochale „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons. Eine Geschichte, die erzählerisch neue Maßstäbe gesetzt hat und nach Jahrzehnten immer noch begeisterte Leser findet. Eine für dieses Jahr angekündigte HBO-Produktion, die als Fortsetzung angelegt ist, unterstreicht nochmal die Relevanz dieser Veröffentlichung.

Auch im Bereich der Comics traute sich DC schon vor einigen Jahren, die Story um eine Gruppe von Superhelden, die nicht unbedingt den moralischen Kompass der üblichen Verdächtigen wie Batman und Co. besitzen, um einige in sich abgeschlossene Mini-Serien zu ergänzen. Diese erzählten, immer von einem anderen Kreativ-Team gestaltet, die Geschichten von Rorschach, Nite Owl oder Dr. Manhatten, die vor der eigentlichen „Watchmen„-Handlung angesetzt wurden. Auch dieser Vorstoß wurde von vielen Lesern skeptisch betrachtet und von manchen geradezu als Beleidigung gegenüber den ursprünglichen Machern ausgelegt. Nichtsdestotrotz fand auch dieser Stoff begeisterte Leser, die in Teilen dadurch das erste Mal mit den Figuren in Berührung kamen. Dabei orientierte man sich immer noch streng an dem, was die Vorlage an Informationen zur Verfügung stellte und nutzte es primär als Basis für die Erweiterung des bis dato bekannten Universums.

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©Panini Comics

Nun sind einige Jahre ins Land gezogen und DC Comics hat sich dazu entschieden ein weiteres Kapitel zum Franchise hinzuzufügen, dass diesmal jedoch durchaus weitere Kreise ziehen dürfte, als die für sich stehenden Prequels. Mit „Doomsday Clock“ läutet der Verlag nämlich nichts Geringeres als die Verschmelzung des uns bekannten Comic-Reigen aus Batman, Superman und Co. mit dem ursprünglich für sich stehenden „Watchmen„-Universum ein.

Ein durchaus mutiges Unterfangen, dass einige Stolperfallen bereit hält. Selbst wenn Geoff Johns als Autor die Zügel in der Hand hält und nicht unbedingt für Fehlgriffe bekannt ist, hätte dieses Experiment auch schnell an seiner Stellung innerhalb der Szene kratzen können. Es sei jedoch vorweg zu nehmen, dass diese Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben. Warum das so ist, erfahrt ihr hier:

Wir steigen in das Jahr 1992 ein und damit gut sieben Jahre nach den Geschehnissen aus dem Original-Werk. Ozymandias, der zunächst als Held eingeführt wurde, sich im laufe der Handlung aber als Bösewicht herausgestellt hat, initiierte eine angebliche Alien-Invasion mit dem Ziel die Kämpfe zwischen den verfeindeten Blockstaaten zu beenden und damit den von ihm befürchteten Weltuntergang zu verhindern. Diejenigen, die die letzte Seite von „Watchmen“ in Erinnerung haben, wissen jedoch, dass Rorschachs Tagebuch seinen Weg an die Presse fand. Daher ist die Welt trotz der (im wahrsten Sinne des Wortes) monströsen Anstrengung von Ozymandias, der nun zum meistgesuchten Mann der Welt avanciert ist, erneut am Abgrund von dem sie sich kurzzeitig entfernt hatte.

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©Panini Comics

Genaugenommen steuern die Weltmächte mit so großen Schritten auf einen dritten Weltkrieg zu, wie nie zuvor. Insbesondere als Russland in Polen einmarschiert, scheint eine Grenze überschritten worden zu sein, denn die USA setzen Russland mit einem Ultimatum massiv unter Druck. Sollte Moskau dieses nicht erfüllen, droht Washington in der Folge mit einem atomaren Erstschlag und damit dem Szenario, dass Ozymandias ursprünglich verhindern wollte. Es scheint so gut wie keine Möglichkeit zu geben den atomaren Alptraum verhindern zu können und doch besinnen sich einige wenige auf jemanden, der die Macht haben könnte die Weltuntergangsuhr zurück zu drehen. Auf jemanden, der einem Gott gleich Raum und Zeit zu verändern vermag. Auf jemanden wie Dr. Manhatten. Dieser ist bekanntlich verschwunden und die Suche beginnt.

Und insbesondere an diesem Punkt merkt man den Versuch, an „Watchmen“ direkt anzuknüpfen. Dabei darf man jedoch nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass es sich hierbei um eine Kopie der Erzählweise bzw. Stimmung handelt, denn beides ist in seiner Genialität wohl von niemandem zu erreichen. Das wird auch der Grund dafür sein, dass sowohl Geoff Johns als Autor und Gary Frank als Zeichner ihren eigenen Weg gehen, jedoch genug vom Original durchscheinen lassen, um einen sauberen Anschluss herzustellen. Das passiert primär durch dem Leser bekannte Versatzstücke wie die Erzählung aus der Sicht bestimmter Figuren, die grimmige Stimmung, die die Superhelden in ein raues bis realistisches Licht rückt, sowie offensichtlich platzierte Easter Eggs.

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus in diesem ersten von vier Sammelbänden zunächst einmal auf dem Aufbau eines Gerüsts, an dem sich die Handlung in den darauf folgenden Releases entlang hangeln kann. Dazu gehört natürlich die Zusammenkunft der Figuren aus den beiden schon erwähnten Comic-Universen, wobei sich diese im vorliegenden Band auf eher kurze Episoden beschränken und sicherlich in Zukunft noch in epischer Breite aufgegriffen werden. Trotzdem ist der beschriebene Weg derart spannend gestaltet, dass man nach den letzten Seiten fast schon frustriert die Lektüre aus der Hand legt, weil man unbedingt wissen möchte, wie es nun weiter geht. Zwar wird der Unterhaltungswert im Gegensatz zu „Watchmen“ nicht so sehr aus selbstreferentiellen Aspekten und politischen Seitenhieben gezogen, doch er besticht unbestreitbar durch eine durchdachten Handlungsbogen, der auch bei Puristen einiges wett machen könnte.

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©Panini Comics

Auch auf visueller Ebene wird von Gary Frank eine eigene Schiene gefahren, die sich zwar im Realismus von Dave Gibbons bewegt, jedoch eindeutig die individuelle Handschrift des aktuellen Künstlers trägt. Doch auch hier gibt es Querverweise, die man als Fan des ursprünglichen Stoffes zu schätzen weiß. So wird selbstverständlich mit dem neunteiligen Panel-Aufbau gearbeitet, der das Original schon hervorstechen ließ und heute noch eindeutige Assoziationen weckt.

Alles in allem ist „Doomsday Clock Bd. 1“ daher in meinen Augen nicht einfach ein „Fanpleaser“, der die richtigen Trigger setzt, sondern ein eigenständiges Werk, dass zwar keinen neuen Epos für die Ewigkeit darstellt, jedoch die Tür für viele weitere spannende Geschichten aufstößt, die ohne diesen Release nicht möglich wären.

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Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Geoff Johns 
Zeichner: Gary Frank

Erschienen am: 02.04.2019 
 
Format: Softcover
 
Seitenzahl: 108
Preis: 13,99 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1 (Splitter)

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Schon seit der Ankündigung des neuen Black Hammer-Bands „Age of Doom – Buch 1„, habe ich dem Tag der Veröffentlichung entgegen gefiebert, denn kaum eine Comic-Reihe hat es geschafft mich so sehr in ihren Bahn zu ziehen wie der ungewöhnliche Superhelden-Epos von Jeff Lemire.

Diesmal steigen wir sofort nach den Ereignissen des Vorgänger-Bands „Das Ereignis“ ein. Lucy, die Tochter von Black Hammer, ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater und seinem Team aus Superhelden, die nach einem Kampf gegen den sogenannten Anti-Gott in ihrer Heimatstadt Spiral City wie vom Erdboden verschluckt sind. Von der Welt für tot gehalten, in Wirklichkeit jedoch in einer geheimnisvollen Kleinstadt gefangen, fristen die Überlebenden der Schlacht nun ihr Dasein, in der Hoffnung eines Tages ihre alte Heimat wiedersehen zu können. Als Lucy eines Tages den Hammer ihres Vaters findet, der auch namensgebend für sein Alter Ego ist, teleportiert sie dieser zur geheimnisvollen Farm, an der sie den erstaunten Abraham Slam, Barbalien, Golden Gail und Madame Dragonfly begegnet. Doch als sie nach einer plötzlichen Erkenntnis der Gruppe eröffnen will, warum sie alle hier gelandet sind, verschwindet sie so schnell wie sie aufgetaucht ist.

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©Splitter

Dabei hat es sie nicht einfach wieder zurück in ihre eigene Welt, sondern in eine seltsame Absteige verschlagen, die scheinbar als Drehscheibe für allerlei bizarre Gestalten aus den unterschiedlichsten Realitäten fungiert. Von hier aus versucht sich Lucy durch verschiedenste Welten durchzuschlagen, die mal die wortwörtliche Hölle, eine Zombie-Stadt oder einfach unbeschreiblich obskure Gestalten beheimaten, um die Freunde ihres Vaters zu retten. Der Weg dorthin ist jedoch mit Gefahren und Geheimnissen gespickt, die erst überwunden werden müssen.

In der Zwischenzeit geschehen in der Kleinstadt in der Nähe der gestrandeten Helden lauter unerklärliche Dinge, wie die Rückkehr totgeglaubter Einwohner, die Erwiderung zunächst abgelehnter Liebe und so manch andere seltsame Ereignisse, die einen Teil der Gruppe ihre Situation plötzlich akzeptieren lassen, während ein anderer die neuen Umstände skeptisch beäugt. Eines ist jedoch klar: Mit rechten Dingen scheint es nicht zuzugehen und nicht alle Helden scheinen so unwissend zu sein, wie sie vorgeben…

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©Splitter

Wie schon bei den Vorgänger-Bänden wird die auf der deskriptiven Ebene simpel erzählte Geschichte beim Lesen zu einem modernen Superhelden-Epos, der seine Stärke aus intelligent verbauten Plot-Twists und glaubhaften Charakteren zieht. Die entsprechende Tiefe kriegen sie dabei aus genial konstruierten, sowie natürlichen Dialogen, die nur ein Autor wie Jeff Lemire (Descender, Der Unterwasser-Schweißer, Essex County) seinen Figuren so in den Mund legen kann. Zeitgleich schafft er es erneut mit einer Vielzahl an Anspielungen und offensichtlichen Verneigungen vor den großen Namen der Comic-Industrie einen Spagat zwischen Mainstream und Insider-Kost zu schlagen, der auch der Grund dafür ist, dass die Black Hammer-Reihe sowohl bei Puristen, als auch Gelegenheitslesern auf Anklang stößt.

Erneut dabei ist der Zeichner Dean Ormston (Sandman, Lucifer), der mit seinem sehr individuellen Stil der bizarren Welt von Lemire eine passende visuelle Ebene verpasst, die irgendwo zwischen vertraut und doch distanziert wandert und damit den besonderen Status der Geschichte quasi wortwörtlich zu unterstreichen weiß. Dabei driftet er trotzt einiger augenzwinkernder Momente nie in eine Parodie ab. So schafft er es eine geniale Mixtur aus Ernst und humoristischen Elementen zu kreieren, die in ihrer Gesamtheit wie die Faust aufs Auge der Geschichte passt und damit die Hoffnung schürt, dieses Kreativ-Team noch lange in dieser Form sehen zu können.

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Alles in allem wird hier erneut eine Veröffentlichung präsentiert, die ohne abzusetzen auf einem extrem hohen Niveau bleibt und damit die Hoffnungen vieler Fans nicht nur erfüllt, sondern in Teilen sogar übertrifft. Insbesondere die Tatsache, dass nun Fahrt aufkommt und Stück für Stück die Geheimnisse der Serie gelüftete werden, macht Lust auf mehr. So wie alle anderen Black Hammer-Bände zuvor, handelt es sich bei „Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1“ um eine Empfehlung, die in keinem Regal eines Comic-Enthusiasten fehlen darf. Ich für meinen Teil kann es jetzt schon kaum erwarten herauszufinden, wie sich das Universum von Jeff Lemire entwickelt.

Black Hammer Bd. 3: Age of Doom - Buch 1 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 19.03.2019 
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 136
Preis: 19,80 EUR

[Rezension] Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1) (Panini Comics)

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Als ich vor einiger Zeit die Panini Vorschau aufgeschlagen habe, fiel mir recht schnell ein ungewöhnliches Cover ins Auge, dass im ersten Moment garnicht zum üblichen Portfolio des Verlags passen wollte. Ein Wikinger mit einer Axt im Nacken, stilisiert vor einem weißen Hintergrund. Üblicherweise findet man so eine Bildsprache bei Mitbewerbern mit einem Augenmerk auf Abenteuer und Fantasy. Daher wurde mein Interesse geweckt und erst mit der Ankunft des Bandes bei mir daheim befriedigt.

Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz von Brian Wood (Northlanders) und Garry Brown ist als überformatige Hardcover-Ausgabe im Handel erhältlich und ist der erste Part eines in sich abgeschlossenen Zweiteilers, der ziemlich genau das abliefert, was man sich verspricht. Grimmige Nordmänner, raue Landschaften und viel Gewalt zu Zeiten der Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Magnus der Schwarze. Ein Wikinger wie er im Buche steht: groß gewachsen, mürrisch und als Söldner keinem Kampf abgeneigt. Die alten Tage, in denen das Leben hart und einfach war, scheinen sich aber langsam auf das Ende hin zu bewegen, da Römer mit ihren Mönchen den christlichen Glauben verbreiten und damit die hiesige Bevölkerung in innere und äußere Konflkte stürzen.

Genau diesen Strömungen versucht Magnus jedoch bewusst aus dem Weg zu gehen, bis er eines Tages den Auftrag erhält einen Geistlichen aus Rom über die Schwarze Straße zu einem weit entfernten Ziel im Norden zu eskortieren. Der dem Band den Namen gebende Weg gestaltet sich im Übrigen genauso, wie er sich anhört: bedrohlich und voller unvorhersehbarer Gefahren.

Das Land hat sich verändert in den letzten Jahren, denn mit dem Einzug der Christen in die Welt der Heiden holte die kampferprobten Nordmänner und -frauen nicht der Fortschritt der römischen Kultur ein, sondern auch ein Glaubenskonflikt, der Blut, Leid und Schmerz hervorbringen sollte. Hierbei spielt der angesproche Konflikt zwischen Heiden und Christen eine entscheidende Rolle, denn willkommen sind die Betbrüder aus fernen Landen defintiv nicht. Daher ist Magnus als Beschützer gerade willkommen, wenn Horden an Wikingern seinem Kunden an den Kragen wollen.

Dabei klingt die Geschichte auf einer rein deskriptiven Ebene vielleicht ein wenig nach klassicher Abenteuer-Kost, schlägt aber schon nach kurzer Zeit eine überraschende Richtung ein, die sich wohl am besten als Krimi bezeichnen lässt. Das besondere hierbei ist verständlicherweise das Setting, dass allein schon durch ungewöhnliche Orte und Charaktere auffällt und dadurch frischen Wind in das Genre bringt. So hat man selten bis nie das Gefühl erahnen zu können, was als nächstes passiert, während gut platzierte Twists die Spannung aufrecht erhalten.

Doch auch auf visueller Ebene wird einiges aufgefahren. Passend zum Setting des Geschehens sind die Zeichnungen von Garry Brown schön rau, während die zurückgefahrene Farbpalette die Panels in eine kühle Atmosphäre taucht, die dem Storytelling durchgehend dienlich ist und die Stimmung beim lesen in die passende Richtung rückt.

Alles in allem liegt mit diesem Band ein spannender Auftakt vor, dessen Abschluss ich schon jetzt entgegenfiebere. Wenn man bedenkt, dass die Aufmachung der Geschichte eher weniger meinem Schema entspricht, wurde ich freudig überrascht und kann daher jedem empfehlen es mir gleich zu tun und sich auf Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz einzulassen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Black Road - Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 

Autor: Brian Wood
Zeichner: Garry Brown
 
Erschienen am: 22.01.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR