[Rezension] Batman: Damned – Bd. 2 (Panini Comics)

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Ihr könnt euch noch an den kleinen Skandal um Batmans bestes Stück im Kontext der Veröffentlichung des DC Black Label-Titels „Damned“ erinnern? Die künstliche Empörung (und damit auch der Preis für die unzensierte Ausgabe) ist glücklicherweise abgefallen und gibt nun endlich den Blick auf die erzählerische und künstlerische Qaulität der Reihe frei, die bei Panini Comics endlich in die zweite Runde geht.

Wie schon beim Erstling, wird dem Leser recht schnell bewusst gemacht, dass es sich nicht um eine übliche Batman-Erzählung handelt. So war schon der Beginn mit Jokers Ermordung(?) ein spannender und außergewöhnlicher Einstieg, der mit okkulten Elementen, basierend auf Figuren wie John Constantine und Deadman, in eine Handlung floß, die man sich mit Konzentration, aber mit viel Spaß erschließen musste. Letzterer fußte aber primär nicht auf der schwer zu greifenden Handlung, sondern dem schier unfassbar guten Artwork von Lee Bermejo („Joker„, „Luther„, „Batman: Nöel„). Dieses bewegt sich de facto auf einem für sich stehenden Level, welches im Hinblick auf den malerischen, bisweilen ultrarealistischen Stil nur von Kollegen wie Alex Ross geteilt wird. Eins kann man in dem Zusammenhang schonmal vorweg nehmen: auf der visuellen Seite wird dieses Niveau gehalten und in Teilen sogar übertroffen. Hier saß wahrlich ein Meister seines Fachs am Zeichentisch.

Inhaltlich schließt Band 2 nahtlos an den Vorgänger an. Batman versucht Licht in den Fall des ermordeten Jokers zu bringen, stößt dabei auf Hinweise, die ihn als Mörder ausweisen und wittert darauf basierend eine Verschwörung gegen ihn, der er aus nachvollziehbaren Gründen auf den Grund gehen möchte.

Dafür muss er sich in die düstersten Ecken Gothams bewegen und seine Detektivfähigkeiten ausspielen, die jedoch nicht immer zum Erfolg führen. So trifft er zum Beispiel in einem Nachtclub auf den Dämon Etrigan aka Jason Blood, der in der Fassung von Brian Azzarello wie das Original in Reimen spricht, aber in einem Twist des Autoren passend zu einem Underground-Rapper umgestaltet wird. Ein netter Gag für Comic-Enthusiasten, aber für Batman selbst keine Hilfe, da der Laden im Verlauf der Konforntation mitsamt den Hoffnungen des dunklen Ritters in Flammen aufgeht.

Neben dieser Suche erfährt der Leser durch Rückblenden auch Stück für Stück ein wenig mehr über die Vergangenheit von Bruce Wayne und seine Eltern. Diese ist dabei bei weitem nicht die harmonische Beziehung, die wir aus den üblichen Origin-Geschichten kennen, sondern in ihrem Kern, zumindest zwischen Thomas und Martha, so disfunktional, wie es leider zu oft in der Realität anzutreffen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Bruce versucht hat über Jahre hinweg familiäre Probleme zu verdrängen oder ob das Trauma der Ermordung seiner Eltern diese einfach überschrieben hat und zu einer Überhöhung des Bildes geführt hat, dass er seit dem in sich trägt.

Leider wären das schon im Kern alle greifbaren Story-Elemente, neben denen wenige verquere Stränge auftauchen, die sich wahrscheinlich erst im großen Bogen der drei Teile der Geschichte zusammenführen lassen.  Wäre da nicht Bermejos umwerfende Arbeit, würde Azzarellos Geschichte realistisch Gefahr laufen recht blass auszusehen. Da es jedoch offensichtlich nicht der Fall ist, trägt dieses Team „Batman: Damned“ auch im zweiten Teil gut über die Ziellinie. Zwar deutet die Story aufgrund der genannten Elemente eine reale Tiefe über gewisse Strecken nur an, aber eine düster-stimmige Atosphäre wird trotz allem über alle Seiten hinweg erzeugt und hält damit den Leser ohne Probleme bei der Stange.

Selbst wenn die Handlung nicht jeden vollends überzeugen sollte, lohnt sich der Griff in das Regal des Comicladens eures Vertrauens, allein schon wegen des opulenten Artworks. Dieses für sich steigert schon die Vorfreude und Neugier auf den bald erscheinenden Abschluss der Story im Dezember.

Batman: Damned - Bd. 2 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Lee Bermejo 
Erschienen am: 11.06.2019 
 
Format: Hardcover

Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR

[Signieraktion] Christo in München

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Als Münchner fühlte ich mich lange Zeit benachteiligt, wenn es um die beliebten Signieraktionen aus dem Hause TASCHEN ging. Üblicherweise gaben sich zeitgenössische Künstler nur in den Flagshipstores in Hamburg, Berlin und Köln gegenseitig die Klinke in die Hand, während andere Städte neidisch in die genannten Ecken Deutschlands blicken mussten.

Nun ist es aber endlich soweit und niemand Geringeres als Christo wird sich die Ehre in der bayerischen Landeshauptstadt geben. Wie schon angeklungen ist, wird er dabei nicht in einem TASCHEN-Store, sondern in der Hugendubel-Filiale Fünf Höfe (Theatinerstraße 11, 80333 München) signieren. Den Anlass bietet dabei die aktualisierte Neu-Veröffentlichung von Christo and Jeanne-Claude, die zuvor nur als limitierte, von Christo selbst entworfene, sowie signierte und damit auch bezüglich des Preises nur einem bestimmten Klientel zugänglichen Version verfügbar war.

Inhaltlich gibt der XXL-Band den bis dato umfassendsten Überblick über das Schaffen von Christo und Jean-Claude (†2009), welches mit hunderten von Skizzen und Fotografien nachgezeichnet wird. Dazu gehören nicht nur weltbekannte Projekte wie Verhüllter Reichstag oder The Floating Piers, sondern auch nie abgeschlossene Werke wie The Mastaba of Abu Dhabi und L’Arc de Triomphe Wrapped, Paris.

Neben dem eigentlichen Inhalt gibt es dazu eine aktualisierten Einleitung vom mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Architekturkritiker Paul Goldberger und ein ausführliches Gespräch zwischen den Künstlern und dem Autor, in dem sich Jeanne-Claude kurz vor ihrem Tod Ende 2009 noch einmal öffentlich über die gemeinsame Arbeit äußert. So stellt dieser Band eine letztgültige Hommage an Jeanne-Claude und eine Würdigung des Werks zweier Künstler dar, deren Ideen den Blick auf Landschaften und Gebäude weltweit für immer verändert haben.

Wer nun die Möglichkeit nutzen möchte Christo persönlich zu erleben und den neuen Band von ihm signieren zu lassen, hat am Montag, dem 21.10.2019 (17-18 Uhr) die einzigartige und in München zum ersten Mal gegebene Chance dazu.

Hier wären alle Details zur Signierstunde und dem Band:

Künstler: Christo
Ort: Hugendubel Fünf Höfe (Theatinerstraße 11, 80333 München) 
Datum: Montag, 21.10.2019 
Uhrzeit: 17 bis 18 Uhr
Christo and Jeanne-Claude. Updated Edition
Verlag: TASCHEN 
Autor: Paul Goldberger
Fotograf: Wolfgang Volz
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch 
Format: Hardcover, 29,2 x 39 cm
Seitenzahl: 616
Preis: 150 EUR

 

[Ausstellungseröffnung] Ai Weiwei. The Papercut Portfolio (TASCHEN)

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Gerade noch eine Signieraktion angekündigt, die im TASCHEN-Flagshipstore in Berlin stattfindet und schon steht die nächste Aktion in den selben Räumen an. Am Freitag, dem 27.09.2019, wird Interessenten nämlich die einzigartige Möglichkeit gegeben, von 18 bis 21 Uhr das limitierte Scherenschnitt-Portfolio von Ai Weiwei zu bestaunen. Jedes der acht großformatigen Blätter ist aus hochwertigem, rot eingefärbtem Fine-Art-Papier gefertigt und behandelt entscheidende Stationen aus Ai Weiweis Biografie. Von seiner Zeit in New York in den 80er Jahren über seine Auseinandersetzung mit chinesischem Kunsthandwerk in Peking in den 90ern bis hin zum politischen Aktivismus in den jüngsten Arbeiten – The Papercut Portfolio präsentiert Ai Weiweis ganz persönlichen Rückblick in einem außergewöhnlichen Format.

Der Künstler, geboren 1957 in Peking, gilt als einer der bekanntesten und wichtigsten Akteure seiner Zunft. Dies hat neben der Tatsache, dass seine Werke für sich stehend Inspirationsquellen sind auch mit seinen klaren künstlerischen Aussagen zu drängenden geopolitischen Fragen unserer Zeit zu tun. Von Skulpturen und Installationen über Architektur bis hin zu Dokumentationen und Social Media nutzt er eine Vielzahl von Medien, um die Gesellschaft und ihre Werte auf immer neue Weise zu hinterfragen. Wenn man sich im Detail mit seinem Werk und Werdegang beschäftigen möchte, kann ich persönlich jedem die bei TASCHEN erschienene Monografie über den Künstler ans Herz legen, die vor längerer Zeit auch auf ZOMBIAC besprochen wurde. Hier geht es zur Rezension.

Er ist Träger des von Amnesty International vergebenen Ambassador of Conscience Awards 2015 und des Václav-Havel-Preises für kreativen Dissens der Human Rights Foundation 2012. Ais abendfüllender Dokumentarfilm Human Flow feierte Premiere im Wettbewerb der 74. Filmfestspiele in Venedig. Derzeit lebt und arbeitet er in Berlin.

Wer nun persönlich die Scherenschnitte betrachten möchte, sollte sich den kommenden Freitag frei halten. Für all jene, die sich ernsthaft mit dem Sammeln von Kunst beschäftigen, wäre ein Blick auf die Internet-Präsenz des Verlags zu empfehlen. Dort kann man sich bei einem entsprechenden Budget selbst eins der auf 250 Stück limitierten Portfolios sichern, deren Blätter allesamt von Ai Weiwei persönlich signiert wurden. Für alle anderen wären hier die Details zu der kommenden Veranstaltung:

Ausstellungseröffnung: Ai Weiwei. The Papercut Portfolio
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin) 
Datum: Freitag, 27.09.2019 
Uhrzeit: 18 bis 21 Uhr

 

TASCHEN-Signieraktion: History of Information Graphics

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TASCHEN lädt erneut zu einem Event in den Berliner Flagshipstore (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin). Niemand Geringeres als Infografik-Experten Sandra Rendgen, Michael Stoll und Julius Wiedemann werden am 20. September von 18 bis 20 Uhr erstmalig ihr  Buch History of Information Graphics vorstellen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit es sich signieren zu lassen. 

Inhaltlich dreht sich alles, wie man es dem Titel entnehmen kann, um Infografiken, die insbesondere in Zeiten einer Informationsflut immer mehr an Beliebtheit gewinnen. So nutzen sie unter anderem Kartografen, Journalisten, Designer, Statistiker und Wissenschaftler um komplexe Sachverhalte übersichtlich und pointiert darzustellen. Doch dieses Vorgehen ist nicht neu – die Geschichte der Informationsgrafik reicht Jahrhunderte zurück.

Der in Berlin vorgestellte Band bietet mit über 400 Karten, Diagrammen und Zeichnungen einen überwältigenden Querschnitt durch die visuelle Wissensvermittlung und erstreckt sich über viele Länder, Medien und Epochen – von mittelalterlichen Manuskripten bis zu farbigen Druckgrafiken, von Pergamentrollen bis zu Prachtatlanten, von handgemalten Diagrammen bis zu digitalen Datenkarten. Neben Meisterwerken wie der Weltkarte von Martin Waldseemüller, den Naturstudien Erich Haeckels und dem Netzplan der New Yorker U-Bahn von Massimo Vignelli und Bob Noorda birgt die von Sandra Rendgen kuratierte Auswahl viele unbekannte Schätze.

Wenn ihr euch die neueste Veröffentlichung aus dem Hause TASCHEN von den Machern signieren lassen wollt, habt ihr am kommenden Freitag die Möglichkeit dazu. Hier wären nochmal alle wichtigen Details:

Signieraktion: History of Information Graphics
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin 
(Schlüterstraße 39, 10629 Berlin)
Datum: 20.09.2019
Uhrzeit: 18 bis 20 Uhr

 

 

 

[Rezension] George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944 (TASCHEN)

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Man ist es von TASCHEN eigentlich schon gewohnt, dass XL-Ausgaben in einem so großen Format veröffentlicht werden, dass man das eigene Regal ruhig um mehrere Stufen verstellen kann, damit die wunderschönen Bände auch aus dem Schrank heraus ihre Wirkung entfalten können. Mit dem hier zu besprechenden Release legt der Verlag sogar einen drauf, sodass noch ein paar Centimeter dazu gekommen sind, die mit der Schutzverpackung den schon vorhandenen Platz sprengen. Doch wer beschwert sich schon über die Größe eines Bandes, der eine legendäre Zeitungsstrip-Reihe zum Inhalt hat?

In diesem Fall geht es um George Herrimans Krazy Kat. Eine 1913 gestartete Erfolgsgeschichte in schwarz-weiß, die ab 1935 bis zum Tod des Künstlers 1944 auch in Farbe erschien. Eben dieser zweite Zeitraum soll mit dem vorliegenden Band von Alexander Braun, seines Zeichens bildender Künstler und Kurator comicbezogener Ausstellungen, beleuchtet und erklärt werden. Das ist auch insoweit nötig, um zu verstehen, warum nicht nur einfache Zeitungsleser, sondern auch historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel Pablo Picasso, James Joyce, Woodrow Willson oder Charlie Chaplin bekennende Fans waren, obwohl sie nicht zwangsläufig dem typischen Comicleser-Klientel zuzurechnen sind. Doch nicht nur diese illustre Runde, sondern auch der Medien-Tycoon William Randolph Hearst konnte nicht genug von Krazy Kat kriegen. Das ist insoweit wichtig, da er als Fan Herriman die einzigartige Möglichkeit bot, sich kreativ in seinen Veröffentlichungen mit den Figuren auszutoben und dabei das Medium Comic nach belieben den eigenen Wünschen und Vorstellungen anzupassen.

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Dazu gehörte neben visuellen Spielereien, wie surreale Darstellungen, auch die Dehnung des Sprachgebrauchs, der von Slang bis hin zu Neologismen einzigartige Elemente seiner Zeit bot und mit diffusen Geschlechterrollen fast schon revolutionäre Aspekte in sein Werk einbrachte.

Dabei entwickelte sich die Katz-und-Maus-Konstellation erst im Laufe der Zeit heraus und wurde dadurch im Endeffekt von einem Zufall zu einem Erfolg. Zunächst bildete nämliche George Herrimans The Dingbat Family die Basis für Krazy Kat. Die titelgebende Familie war zuerst nur ein Teil eines Gesamtkonstrukts, dass im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelte und schlussendlich zum Comicstrip wurde, der ab 1913 seinen Siegeszug antreten sollte.

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Dabei ist die Beliebtheit der Sonntagsseiten durchaus als erstaunlich zu bezeichnen, denn die schon weiter oben beschriebene, in Teilen recht unorthodoxe Herangehensweise an das Medium Comic, ist selbstverständlich risikobehaftet, aber offensichtlich funktionstüchtig. Zwar ist die wiederkehrende Grundsituation einfach zu erklären: Schwarze Katze liebt durchtriebene weiße Maus, die ihr immerzu Ziegelsteine an den Kopf wirft, was wiederum Hundepolizist Offissa Pupp, verliebt in die Katze, zu verhindern sucht. Doch durch die teils sehr avantgardistischen Elemente wird das Dargestellte auf eine höhere Ebene gehoben, die auch erklärt, warum Personen ein Herz für Krazy Kat hatten, die nicht dafür bekannt sind die bunten Heftchen regelmäßig zu konsumieren. In diesem Sinne ist dem Künstler der Spagat zwischen Mainstream und höheren Anspruch gelungen, der es mehr als nur rechtfertigt alle bunten Versionen der Geschichten nun gesammelt in einem Band abzudrucken. Um den Hintergrund der Entstehung und die damit zusammenhängende Biografie Herrimans bei der Lektüre einordnen zu können, hilft ein deutschsprachiger Begleittext den Lesern, die sich zuvor eventuell nicht aktiv mit comichistorischen Themen befasst haben, in der Materie einzufinden und die kompletten farbigen Veröffentlichungen von Krazy Kat aus dem Zeitraum 1935 bis 1944 zu genießen. Wie schon bei anderen Releases, wie zum Beispiel Winsor McCays Little Nemo, werden bei einer Anschaffung nicht nur themenaffine Freunde des Mediums Comic auf ihre Kosten kommen.

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George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944  
Verlag: TASCHEN 
Autor: Alexander Braun 
Sprache: Deutsch 
Format: Hardcover, In Leinen gebunden, 30 x 44 cm
Seitenzahl: 634
Preis: 150 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 5 (Cross Cult)

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Man hat lange nichts mehr von mir im Zusammenhang mit ZOMBIAC gehört und das hat tatsächlich gute Gründe, die keineswegs mit fehlender Lust am Schreiben oder geringerem Interesse an Comics zu tun haben. Tatsächlich war ich selten so sehr im Kontext des zweiten Themas eingespannt, wie in den letzten Wochen und Monaten.
Als Teil des Orga-Teams um das Comicfestival München, habe ich unter anderem für den reibungslosen Ablauf der Signierstunden, der Kommunikation mit den Verlagen, Künstlern usw. gesorgt. Da dieser Job jedoch neben Studium, Arbeit und Kind zu erledigen war, könnt ihr euch vorstellen, das gewisse Dinge mit einer geringeren Priorität auf der Strecke geblieben sind.  Dazu gehört traurigerweise auch dieser Blog, der natürlich weiterhin betrieben und befüllt werden soll.

Das wird in den nächsten Wochen aber ebenfalls im vorhandenen, aber nur geringem Maße erfolgen, da mir das Glück zuteil wurde die nächsten zwei Monate bis Ende September in New York City verbringen zu dürfen. Hintergrund ist dabei mein Englisch-Studium, dass einen entsprechend langen Aufenthalt in einem englischsprachigen Land als Mindesvoraussetzung für meinen Abschluss beinhaltet.

Nun jedoch genug von Erklärungen, die für die Zukunft eh nichts zur Sache tun und rein in die seit langem erste Rezension: Den fünften Band zu den großartigen „Paper Girls“ von Cross Cult! (Hier geht es zu den Rezensionen zu den Bänden 1, 2, 3 und 4)

Dabei schreiten wir als Leser langsam aber sicher auf das Ende der Geschichte von Brian K. Vaughn und Cliff Chiang um die lieb gewonnene Girl-Gang zu. Deren Abenteuer wurden in den USA nämlich nach 30 Ausgaben zu einem Ende gebracht, was uns deutschen Leser mit dem vorliegenden Sammelband den vorletzten Release in diesen Breitengraden beschert.

Während wir den inzwischen fleißig zeitreisenden Erin, Max, Tiffany und K.J. schon in den 80ern mit passenden „Stranger Things„-Vibes über die Schultern schauen, in der Steinzeit mitfiebern und im Jahr 2000 auf die auch popkulturell aufbereitete Endzeitstimmung dieser besonderen Zeit blicken durften, verschlägt es die Protagonistinnen diesmal ins 22. Jahrhundert. Nun sind die Mädels jedoch mehr als froh in der Zukunft und nicht in der heimischen Version von Stoney Steam gelandet zu sein, denn die üblicherweise zynisch aufgelegte Mac darf sich Hoffnungen machen ihre Leukämie zu besiegen, bevor sie diese überhaupt bekommt, da sie von ihrer tödlichen Krankheit schon in der Vergangenheit erfahren hat. Doch nicht nur auf physischer Ebene werden Veränderungen durchgemacht, denn der immer wieder präsente Coming-of-Age Teil der Geschichte kommt erneut und ohne jede peinliche Note zum Vorschein, als K.J. sich offen zu ihrer Homosexualität und zeitgleich ihren Gefühlen für Mac bekennt. Eine wilde Mischung, die aber zu jeder Zeit authentisch und emotional nachvollziehbar erzählt wird.

Dabei wird die Sache für unsere Heldinnen nicht weniger kompliziert, als ihnen die seit dem ersten Band auf den Fersen haftende Gruppe um einen geheimnisvollen Anführer in wechselnden Band-Shirts aus der Hip-Hop-Ära der 80er, näher kommt als je zuvor. In diesem Kontext wird auch endlich der zu Anfang von Band 1 gespannte Bogen langsam aber deutlich sichtbar, was wiederum auf das absehbare Ende hinweist, dass hoffentlich so grandios zum Abschluss geführt wird, wie es die bisherige Story vermuten lässt.

Auch auf visueller Ebene bekommt man erneut Kost auf dem hohen Niveau serviert, dass man sich nicht nur wünscht, sondern zum aktuellen Zeitpunkt regelrecht erwartet. Jedes Panel und jede Mimik durch Cliff Chiang, sowie die großartige Kolorierung von Matt Wilson scheinen mindestens so präzise und spannend aufeinander eingespielt zu sein, wie die erzählerische Meisterleistung von Vaughn. Ein kreativer Cocktail, der nicht ohne Grund von Amazon zu einer TV-Version adaptiert werden soll.

In diesem Sinne macht man als potentieller Käufer des fünften „Paper Girls„-Bandes nicht nur wenig falsch, sondern ist eigentlich dazu verpflichtet seine Sammlung zu vervollständigen und mit den vielen anderen Fans auf das große Finale in diesem Herbst hinzufiebern.

Paper Girls - Band 5 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn
Zeichner: Cliff Chiang
Erschienen am: 17.04.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 152
Preis: 22 EUR

TASCHEN SALE und GEWINNSPIEL

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Es ist wieder soweit und der TASCHEN-Verlag startet erneut den beliebten Sale! Nur vom 27. bis zum 29. Juni 2019 könnt ihr euch endlich einige der hier öfter besprochenen Bände zu einem Preis besorgen, der nicht gleich das Konto sprengt.

Dabei könnt ihr euch aussuchen, ob ihr einen Abstecher in einen Flagship-Store in Berlin, Hamburg oder Köln (jeweils von 10-20 Uhr) macht oder gemütlich von zuhause aus von der Website des Unternehmens ordern wollt, um bis zu 75% auf Display- und Mängelexemplare zu sparen.

Wenn man sich dabei die Auswahl der angebotenen Bände der letzten Sales zu Gemüte führt, wird einem klar, dass eigentlich jeder Geschmack bedient sein dürfte, solange man sich generell für bildende Künste interessiert. Ob es nun Comics, Architektur, Film, Fotografie oder einfach wunderschöne Faksimiles sind – es ist für jeden etwas dabei.

Ich für meinen Teil werde definitiv einen Blick auf die Angebote werfen und vielleicht das ein oder andere Prachtexemplar in meine Sammlung aufnehmen.

Bis dahin habt ihr die Möglichkeit euch in eine aktuelle Veröffentlichung des Verlags vertiefen zu können, ohne dafür die Kreditkarte zücken zu müssen, denn wie schon einige Male zuvor, veranstalte ich in Zusammenarbeit mit TASCHEN ein Gewinnspiel, bei dem ihr die Möglichkeit habt, den folgenden Band euer Eigen nennen zu können:

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Er gilt als der wichtigste historische Augenblick des 20. Jahrhunderts: Am 20. Juli 1969 lösten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins ein Versprechen ein, das John F. Kennedy 1961 vor dem Kongress in Washington abgegeben hatte – noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner auf dem Mond landen zu lassen. Jahre fieberhafter Arbeit, ein Stab von 400.000 Ingenieuren und Wissenschaftlern, ein Etat von 24 Milliarden Dollar und die gewaltigste Rakete, die je auf Erden gezündet worden war, ermöglichten schließlich ein noch nie da gewesenes Schauspiel, das von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gebannt verfolgt wurde. Und niemand erzählte dieses spektakuläre Abenteuer besser als Norman Mailer.

Als Großmeister der literarischen Reportage war Norman Mailer von der Zeitschrift LIFE beauftragt worden, über den Flug zum Mond in einer dreiteiligen Essayserie zu berichten – für ein dem Anlass angemessen fürstliches Honorar. Mailer, der über einen elektronischen Schaltkreis genauso packend schreiben konnte wie über die gesellschaftlichen Hintergründe eines Ereignisses und die Psychologie der beteiligten Akteure (die eigenen Befindlichkeiten stets eingeschlossen), gelang mit Auf dem Mond ein Feuer ein furioses Meisterwerk, das brillante Porträt einer Epoche, ihrer Obsessionen und ihres größten Spektakels.

Illustriert wird diese Jubiläumsausgabe von Moonfire mit Hunderten von Fotografien und Plänen aus dem Fundus der NASA, aus Zeitschriftenarchiven und Privatsammlungen. Das Vorwort schrieb der Schriftsteller Colum McCann, führende Apollo-11-Experten steuerten die Bildlegenden bei, die die Geschichten hinter den Bildern erzählen und technische Details erläutern.

Wer diesen Band haben möchte, muss nichts weiteres tun, als einem (oder mehreren) meiner Social Media-Kanäle zu folgen, ein Like unter dem entsprechenden Beitrag zu hinterlassen. Hier die Details:

Der Beitrag auf Facebook, Twitter und Instagram.

Teilnahmebedingungen

  1. Teilnahmeberechtigte

Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.

Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.

  1. Teilnahmemöglichkeiten

Eine Teilnahme ist nur über Facebook, Twitter und Instagram möglich, indem die jeweilige Seite mit einem Like versehen wird und ein Kommentar mit der Beantwortung der im Text angegebenen Frage erfolgt. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook, Twitter oder Instagram.

  1. Teilnahmeschluss

Teilnahmeschluss ist der 30.06.2019 um 18:59 Uhr.

  1. Gewinnermittlung

Der Gewinner wird per Los ermittelt.

  1. Art der Gewinnbenachrichtigung

Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Nachricht schriftlich kontaktiert.

  1. Veröffentlichung der Gewinner

Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form veröffentlicht.

  1. Der Rechtsweg

Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg

 

 

 

Ausstellungseröffnung in Berlin: 20 Jahre Helmut Newton SUMO

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Ein weiteres Event steht im Hause TASCHEN an. Diesmal feiert der Verlag das 20. Jubiläum ihrer ersten SUMO-Ausgabe (70×50 cm): Helmut Newton SUMO

Noch in diesem Monat erscheint passend zu diesem Ereignis eine erweiterte, von June Newton überarbeitete und zu einem demokratischen Preis zu erstehende Neuausgabe. Ursprünglich erschien der Band in einer limitierten Auflage von 10.000 signierten und nummerierten Exemplaren, die bald nach der Veröffentlichung ausverkauft waren und schnell ihren Wert vervielfachten. Als Sensation auf dem Buchmarkt in aller Welt ist die Publikation heute in zahlreichen bedeutenden Sammlungen zu finden, darunter dem Museum of Modern Art in New York.

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Und nicht nur das. Das legendäre SUMO-Exemplar Nummer eins, handsigniert von über 100 der in dem Buch abgebildeten berühmten Persönlichkeiten, brach den Rekord für das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts: Bei einer Auktion in Berlin am 6. April 2000 kam es für damals 620 000 DM unter den Hammer.

Des Weiteren wird der legendäre Fotograf (*31.10.1920 – †23.01.2004) am 06.06.2019 (20-22 Uhr) mit einer Ausstellung der Helmut Newton Stiftung Berlin gewürdigt. Hierbei können geneigte Besucher die im Buch abgebildeten Fotografien der abgedruckten Reihenfolge nach betrachten. Hierbei begegnet man auch Newtons berühmten Big Nudes, Sie Kommen, weiteren Aktaufnahmen und unzähligen Modebildern, die man bisweilen aus Zeitschriften wie der Vogue, Queen, Elle oder Vanity Fair kennt. Hinzu kommen Porträts berühmter SchauspielerInnen oder Künstlern wie Liz Taylor, Salvador Dalí und Andy Warhol.

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©Alice Springs; Helmut Newton, Benedikt Taschen und SUMO auf dem dafür entworfenen Tisch von Philippe Starck, Köln, 07.07.1999.

Hier wären alle Details zur kommenden Ausstellung:

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Datum: Donnerstag, 06.06.2019
Uhrzeit: 20-22 Uhr
Adresse: 
Helmut Newton Stiftung Museum für Fotografie
Jebenstrasse 2, 10623 Berlin-Charlottenburg

 

[Rezension] Doomsday Clock Bd. 1 (Panini Comics)

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Ich gehöre zu den Leuten, die sich intensiv mit Comics beschäftigen. Trotzdem würde ich mich niemals als Puristen bezeichnen. Daher kann ich mich auch unvoreingenommen über Spin-Offs, Pre- und Sequels freuen, wenn bei diesen mit fast schon legendären Stoffen hantiert wird. Dazu gehört definitiv das epochale „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons. Eine Geschichte, die erzählerisch neue Maßstäbe gesetzt hat und nach Jahrzehnten immer noch begeisterte Leser findet. Eine für dieses Jahr angekündigte HBO-Produktion, die als Fortsetzung angelegt ist, unterstreicht nochmal die Relevanz dieser Veröffentlichung.

Auch im Bereich der Comics traute sich DC schon vor einigen Jahren, die Story um eine Gruppe von Superhelden, die nicht unbedingt den moralischen Kompass der üblichen Verdächtigen wie Batman und Co. besitzen, um einige in sich abgeschlossene Mini-Serien zu ergänzen. Diese erzählten, immer von einem anderen Kreativ-Team gestaltet, die Geschichten von Rorschach, Nite Owl oder Dr. Manhatten, die vor der eigentlichen „Watchmen„-Handlung angesetzt wurden. Auch dieser Vorstoß wurde von vielen Lesern skeptisch betrachtet und von manchen geradezu als Beleidigung gegenüber den ursprünglichen Machern ausgelegt. Nichtsdestotrotz fand auch dieser Stoff begeisterte Leser, die in Teilen dadurch das erste Mal mit den Figuren in Berührung kamen. Dabei orientierte man sich immer noch streng an dem, was die Vorlage an Informationen zur Verfügung stellte und nutzte es primär als Basis für die Erweiterung des bis dato bekannten Universums.

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©Panini Comics

Nun sind einige Jahre ins Land gezogen und DC Comics hat sich dazu entschieden ein weiteres Kapitel zum Franchise hinzuzufügen, dass diesmal jedoch durchaus weitere Kreise ziehen dürfte, als die für sich stehenden Prequels. Mit „Doomsday Clock“ läutet der Verlag nämlich nichts Geringeres als die Verschmelzung des uns bekannten Comic-Reigen aus Batman, Superman und Co. mit dem ursprünglich für sich stehenden „Watchmen„-Universum ein.

Ein durchaus mutiges Unterfangen, dass einige Stolperfallen bereit hält. Selbst wenn Geoff Johns als Autor die Zügel in der Hand hält und nicht unbedingt für Fehlgriffe bekannt ist, hätte dieses Experiment auch schnell an seiner Stellung innerhalb der Szene kratzen können. Es sei jedoch vorweg zu nehmen, dass diese Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben. Warum das so ist, erfahrt ihr hier:

Wir steigen in das Jahr 1992 ein und damit gut sieben Jahre nach den Geschehnissen aus dem Original-Werk. Ozymandias, der zunächst als Held eingeführt wurde, sich im laufe der Handlung aber als Bösewicht herausgestellt hat, initiierte eine angebliche Alien-Invasion mit dem Ziel die Kämpfe zwischen den verfeindeten Blockstaaten zu beenden und damit den von ihm befürchteten Weltuntergang zu verhindern. Diejenigen, die die letzte Seite von „Watchmen“ in Erinnerung haben, wissen jedoch, dass Rorschachs Tagebuch seinen Weg an die Presse fand. Daher ist die Welt trotz der (im wahrsten Sinne des Wortes) monströsen Anstrengung von Ozymandias, der nun zum meistgesuchten Mann der Welt avanciert ist, erneut am Abgrund von dem sie sich kurzzeitig entfernt hatte.

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©Panini Comics

Genaugenommen steuern die Weltmächte mit so großen Schritten auf einen dritten Weltkrieg zu, wie nie zuvor. Insbesondere als Russland in Polen einmarschiert, scheint eine Grenze überschritten worden zu sein, denn die USA setzen Russland mit einem Ultimatum massiv unter Druck. Sollte Moskau dieses nicht erfüllen, droht Washington in der Folge mit einem atomaren Erstschlag und damit dem Szenario, dass Ozymandias ursprünglich verhindern wollte. Es scheint so gut wie keine Möglichkeit zu geben den atomaren Alptraum verhindern zu können und doch besinnen sich einige wenige auf jemanden, der die Macht haben könnte die Weltuntergangsuhr zurück zu drehen. Auf jemanden, der einem Gott gleich Raum und Zeit zu verändern vermag. Auf jemanden wie Dr. Manhatten. Dieser ist bekanntlich verschwunden und die Suche beginnt.

Und insbesondere an diesem Punkt merkt man den Versuch, an „Watchmen“ direkt anzuknüpfen. Dabei darf man jedoch nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass es sich hierbei um eine Kopie der Erzählweise bzw. Stimmung handelt, denn beides ist in seiner Genialität wohl von niemandem zu erreichen. Das wird auch der Grund dafür sein, dass sowohl Geoff Johns als Autor und Gary Frank als Zeichner ihren eigenen Weg gehen, jedoch genug vom Original durchscheinen lassen, um einen sauberen Anschluss herzustellen. Das passiert primär durch dem Leser bekannte Versatzstücke wie die Erzählung aus der Sicht bestimmter Figuren, die grimmige Stimmung, die die Superhelden in ein raues bis realistisches Licht rückt, sowie offensichtlich platzierte Easter Eggs.

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus in diesem ersten von vier Sammelbänden zunächst einmal auf dem Aufbau eines Gerüsts, an dem sich die Handlung in den darauf folgenden Releases entlang hangeln kann. Dazu gehört natürlich die Zusammenkunft der Figuren aus den beiden schon erwähnten Comic-Universen, wobei sich diese im vorliegenden Band auf eher kurze Episoden beschränken und sicherlich in Zukunft noch in epischer Breite aufgegriffen werden. Trotzdem ist der beschriebene Weg derart spannend gestaltet, dass man nach den letzten Seiten fast schon frustriert die Lektüre aus der Hand legt, weil man unbedingt wissen möchte, wie es nun weiter geht. Zwar wird der Unterhaltungswert im Gegensatz zu „Watchmen“ nicht so sehr aus selbstreferentiellen Aspekten und politischen Seitenhieben gezogen, doch er besticht unbestreitbar durch eine durchdachten Handlungsbogen, der auch bei Puristen einiges wett machen könnte.

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©Panini Comics

Auch auf visueller Ebene wird von Gary Frank eine eigene Schiene gefahren, die sich zwar im Realismus von Dave Gibbons bewegt, jedoch eindeutig die individuelle Handschrift des aktuellen Künstlers trägt. Doch auch hier gibt es Querverweise, die man als Fan des ursprünglichen Stoffes zu schätzen weiß. So wird selbstverständlich mit dem neunteiligen Panel-Aufbau gearbeitet, der das Original schon hervorstechen ließ und heute noch eindeutige Assoziationen weckt.

Alles in allem ist „Doomsday Clock Bd. 1“ daher in meinen Augen nicht einfach ein „Fanpleaser“, der die richtigen Trigger setzt, sondern ein eigenständiges Werk, dass zwar keinen neuen Epos für die Ewigkeit darstellt, jedoch die Tür für viele weitere spannende Geschichten aufstößt, die ohne diesen Release nicht möglich wären.

Doomsday Clock Bd.1 (von 4) 
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Geoff Johns 
Zeichner: Gary Frank

Erschienen am: 02.04.2019 
 
Format: Softcover
 
Seitenzahl: 108
Preis: 13,99 EUR

[Rezension] The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite (Cross Cult)

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Und wieder ist eine Comic-Veröffentlichung auf meinem Tisch gelandet, die viele Leser als Indie-Klassiker betiteln, auf meinem Radar jedoch erst beim Re-Release aufgetaucht ist. Diesmal handelt es sich um den Band „The Umbrella Academy: Weltuntergangs-Suite„, der im Windschatten der Serien-Adaption von Netflix, nun eine Neuauflage bei Cross Cult erfährt.

Zu meiner Verteidigung sei zu sagen, dass ich vor ungefähr 10 Jahren, als die Serie das erste mal auf den Markt kam, zwar regelmäßig Comics gelesen, jedoch in meinem Horizont durchaus eingeschränkt war. So wie den meisten Leuten im Mainstream, war mir das DC- und Marvel-Portfolio, die frankobelgischen Perlen, die Disney-Produktionen und die ein oder andere Vorlage für Kinofilme wie „Sin City“ oder „V wie Vendetta“ bekannt. Mehr gab es aber für mich nicht und daher rutschten dann etwas speziellere Indie-Projekte in meiner Wahrnehmung schnell durch. In dem Kontext des hier zu besprechenden Bands kann man zusätzlich anführen, dass ich eine ziemliche Aversion gegenüber Emo-Musik und damit zwangsläufig ihren prominentesten Vertretern „My Chemical Romance“ hatte. Daher fiel mir konsequenterweise auch nicht auf, dass Gerard Way, der Sänger der Band, als ausgewiesener Comic-Enthusiast sich als Autor der Reihe betätigte und offensichtlich damit dem Titel einen zusätzlichen Popularitätsschub verpasste.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Zum einen sollte zunächst festgestellt werden, dass die Welt in der wir uns befinden eine Art Hybrid zwischen alternativer Realität und abgedrehter Trash-Fantasie ist und als diese schon auf den ersten Seiten vorgestellt wird. So gibt es gleich zu Beginn einen Kampf zwischen einem Wrestler und einem Tentakel-Mosnter, der Eiffeltum von einer Zombie-Version seines Architekten gesteuert und eine Horde maskierter Kinder wird gegen ihn in die Schlacht geschickt. Klingt verwirrend? Ist es auch, unterhält aber schon ab dem ersten Panel.

Woher die erwähnten Kinder stammen wird zumindest recht schnell geklärt. So gebaren aus unerfindlichen Gründen weltweit zur gleichen Zeit 43 Frauen die jeweils gleiche Anzahl an Kindern, die die Aufmerksamkeit des exzentrischen Abenteuerers und Unternehmers Sir Reginald Hargreeves auf sich zogen. Aus dieser Gruppe adoptierte er die in seinen Augen vielversprechendsten sieben Individuen, die er ab dem Zeitpunkt nicht nur aufzieht, sondern für seine geheimnisvollen Zwecke einsetzen will.

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©Cross Cult

Das passiert, indem er sie de facto zu Superhelden ausbildet, die dazu passende Namen wie Space Boy oder Séance tragen. Gemeinsam bilden sie somit die titelgebende Umbrella Academy, die Heimat und Trainingsort in einem ist, jedoch keine Familie ersetzen kann, die den Mitglieder quasi verwehrt wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zwangsgemeinschaft im Laufe der Zeit auseinanderbricht und erst wieder zueinander findet, als sie die Nachricht über den Tod ihres Ziehvaters erreicht. Ab diesem Zeitpunkt geht die eigentliche Geschichte über Vernachlässigung, Verrat und Liebe erst richtig los, über die ich jedoch nichts weiter erzählen möchte, da sonst die Spannung, die zwischen den bizarren Figuren, Orten und Handlungssträngen stetig nach oben geschraubt wird einen Dämpfer bekommen würde. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich überall Details einschleichen, die erst im Laufe der Handlung an größerer Bedeutung gewinnen und damit zu einer erzählerischen Dichte beitragen, die man nur in ausführlicher der Breite erklären kann.

Zu diesem detailversessenen Spektakel passt auch der cartooneske Zeichenstil von Gabriel Bá. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, dass mir der teils grob übertriebene Strich des Brasilianers zunächst nicht wirklich zugesagt hat, mir doch von Seite zu Seite mehr ans Herz wuchs, da dieser wunderbar dann doch wie die Faust aufs Auge der Geschichte von Gerard Way passt.

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©Cross Cult

Alles in allem ist „The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite“ eine wikrlich unterhaltsame Indie-Perle, die schon um ihren ursprünglichen Erscheinungszeitraum verdient mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award prämiert wurde. Zwar denke ich, dass man als ungeübter Comic-Leser oder zumindest als jemand, der primär in der Mainstream-Sphäre unterwegs ist, zunächst einen Einstieg finden muss, doch sobald dieser gelungen ist, geht man mit den liebevoll ausgefeilten Figuren voll auf und kann sich auf die beiden Fortsetzungs-Bände „Dallas“ (der auch bald besprochen wird) und „Hotel Oblivion“ freuen.

The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.02.2019  
Autor: Gerard Way 
Zeichner: Gabriel Bá 
Kolorist: Dave Stewart 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 192 
Preis: 22 EUR