Hit-Girl in Kolumbien

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Leser von ZOMBIAC wissen schon seit geraumer Zeit, dass ich ein großer Fan von Mark Millar und seinem anarchischen Output bin. Allem voran ist den meisten wohl das „Kick-Ass„-Universum bekannt, dass vor einiger Zeit inhaltlich einen neuen Anstrich bekommen hat, während das Kreativ-Team aus Millar und John Romita Jr. beibehalten wurde. Auch ein eigenes „Hit-Girl„-Spin-Off im gleichen Stil ist vor einigen Jahren erschienen, doch auch hier wurde die Story nicht weitergegeben. Nun ist es aber endlich soweit und Mindy, so der bürgerliche Name des „Hit-Girls„, ist zurück und wird diesmal visuell Ricardo Lopez Ortiz in Szene gesetzt und von Millar inhaltlich nach Kolumbien geschickt.

Hier schließt sich die neue Story direkt an die vorangegangene Handlung des Originals an. Von ihrem Vater zur brutalen Rächerin und regelrechten Kampfmaschine erzogen, sucht Mindy nach einem neuen Sidekick, nachdem „Kick-Ass“ das Superheldendasein hinter sich gelassen hat. Diesen hat sie, zumindest laut eigener Ansicht, in „Mano“ gefunden. Der junge Mann ist als bester Killer eines kolumbianischen Kartells bekannt, dessen Fähigkeiten Mindy zu imponieren scheinen. Daher wählt sie ihn aus und zwingt ihn mit ein wenig „explosivem“ Nachdruck, mit ihr gemeinsam seine ehemaligen „Kollegen“ zu eliminieren…

Wie man sieht, bleibt die Serie ihrer verrückten Basis treu, doch durch den neuen Zeichner Ricardo Lopez Ortiz bekommt das Ganze einen erfrischenden Spin.  Die fast schon an abgedrehte Anime-Filme erinnernden Splatter-Szenen und die übertriebene Mimik der Figuren entfesseln eine Dynamik, die man in der Form bei „Kick-Ass“ noch nicht gesehen hat. Selbst in Bezug auf Gewalt scheint man hier eine Schippe drauf gelegt zu haben. Das Blut und die Gedärme spritzen, als wollte man sich selbst beweisen, dass man 2018 noch schockieren kann.

Und trotz des neuen visuellen Ansatzes in diesem Sammelband, kommt auf jeder Seite das von den Fans geliebte, völlig absurde Feeling auf, dass der Reihe seit jeher eigen ist. Dabei ist „Hit-Girl in Kolumbien“ nur der erste Auftakt zu vielen weiteren weltweiten Ausflügen, bei denen die Figur in die Hände komplett neuer Kreativ-Teams übergeben wird. Als nächstes verschlägt es Mindy zum Beispiel nach Kanada und wie der Zufall es so will, nimmt der kanadische Superstar Jeff Lemire auf dem Autorenstuhl Platz und der nicht minder legendäre Eduardo Risso (im Übrigen Gast des kommenden Comicfestivals München) schwingt den Zeichenstift, um unsere Heldin(?) auf ihren nächsten Kreuzzug gegen böse Jungs zu schicken.

Bis dahin kann ich jedoch jedem empfehlen sich auf ihre nächsten Abenteuer mit dem aktuellsten Streich von Mark Millar einzustimmen.

Hit-Girl in Kolumbien
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.12.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR

Green Lantern – Erde Eins (Bd. 1)

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Die „Erde Eins„-Bände von Panini Comics bzw. DC sind schon seit längerer Zeit ein Garant für herausragende Geschichten, bei denen sich Künstler und Autoren austoben können, ohne auf die Kontinuität der nebenher erscheinenden Heft-Serien zu achten. Der Grund dafür liegt im Konzept des Multiversums, welches sich beide großen Superheldenverlage angeeignet haben. Daher ist der Nebentitel „Erde Eins„, der schon Geschichten von Batman, Superman und Wonder Woman zierte, wörtlich zu nehmen. Die Handlung spielt sich bei all diesen Charakteren auf dem uns bekannten Planeten ab, jedoch haben viele Biographien anders begonnen und damit auch eine andere Zukunft, als die uns schon seit Jahren bekannten Versionen.

Nachdem also die schon erwähnte „Dreifaltigkeit“ der Superhelden-Riege ihre eigenen Bände spendiert bekommen hat, ist es nun an der Zeit Green Lantern neu interpretiert zu sehen. Diesmal ist dafür das Ehepaar Corinna Bechko und Gabriel Hardman verantwortlich, welches Hal Jordan statt in die Uniform eines Air Force Piloten, in die eines Astronauten packt, der seine Brötchen damit verdient, auf unterschiedlichsten Himmelskörpern nach Bodenschätzen zu suchen, die auf der Erde gebraucht werden.

Als Jordan auf einer seiner Missionen auf einem Asteroiden landet, um auch diesen zu plündern, stößt er nichtsahnend auf das Wrack eines Raumschiffs, dass sogar noch die Leiche des Piloten beinhaltet. Das ist natürlich nicht alles, denn hier folgt schon eine kleine Parallele zur „original“ Geschichte. Der verendete Außerirdische hat nämlich einen grünen Ring bei sich, der sich als mit seltsamen Kräften ausgestattet erweist, nachdem ein aus dem nichts auftauchender Roboter von ihm spektakulär abgewehrt wird. Damit fängt die Beziehung zwischen Ring und Träger und damit auch die eigentliche Story von Green Lantern an.

In diesem Sinne garnicht mal so weit entfernt von der ursprünglichen Vorlage und damit auch tonangebend für den Rest des Bandes. Zwar ist die düstere Visualisierung von Hardman eine wahre Augenweide, aber inhaltlich wird man leider nur oberflächlich unterhalten. Das wäre zwar im Vergleich zu anderen Releases immer noch nicht schlecht, aber im Rahmen der „Erde Eins„-Veröffentlichungen siedelt sich Green Lantern etwas weiter unten an. Das liegt primär an der Austauschbarkeit und den fehlenden Überraschungsmomenten innerhalb der Handlung, als auch an den etwas blassen Charakteren. Zwar ergibt sich eine schöne Science-Fiction-Story mit Superhelden-Einschlag, aber bei weitem nicht das, was man bei der gegebenen Freiheit erwarten würde.

Daher würde ich sagen, dass „Green Lantern: Erde Eins“ für Sammler definitiv eine Anschaffung wert ist. Auch Leser, die ungezwungener Unterhaltung nicht abgeneigt sind, würden bei einem Kauf keinen Fehler machen. Diejenigen aber, die mit hohen Erwartungen an die Sache herangehen, sollten zumindest vor dem Kauf ein paar Seiten durchblättern. In jedem Fall erwartet alle Interessenten eine solide Geschichte, die auch nicht mehr als das sein möchte.

Green Lantern - Erde Eins (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 16.10.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 148 
Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Weihnachtsgeschichten bei Panini Comics

Die besinnliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange. Die Straßen der Städte sind geschmückt, die ersten Weihnachtsbäume sind aufgestellt und der Glühwein auf den Christkindlmärkten fließt in Strömen. Natürlich ziehen thematisch passend auch einige Verlage mit und bringen Veröffentlichungen auf den Markt, die dann zeitnah unter den Christbaum gelegt werden sollen.

Panini Comics ist tatsächlich erst im zweiten Jahr dabei, nachdem sie schon Ende 2017 mit „Weihnachten mit den DC Superhelden“ bei den Fans vorgefühlt hatten. Der Erfolg bestätigte die Vermutung um eine Nachfrage nach genau solchen Titeln und der Weg für weitere Releases wurde schließlich frei. Diesmal beschränkte man sich sogar nicht nur auf den dunklen Ritter und seine mit Superkräften ausgestatteten Kompagnons, sondern spendierte auch der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, samt den Avengers einen eigenen Band.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten

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Beim DC-Ableger umrahmt schon wie beim letztjährigen Vorgänger eine Story die zahlreichen Geschichten, die sich diesmal fast komplett aus den „DC Holiday Specials“ aus den Jahren 2009 und 2017 speisen. Nachdem Harley letztes Mal den Leser als Ankerpunkt zu Anfang begrüßte und zum Schluss verabschiedete, ist diesmal Superman an der Reihe, der als Clark Kent in einer Bar eine Diskussion mit dem grimmigen John Constantine führt. In dieser zweifelt der Mann aus Stahl daran, die Welt wirklich vom Übel befreien zu können, bis der Barkeeper des Etablissements in das Gespräch einschreitet und damit die Vorlage für die kommenden 11 Storys bietet, die sich allesamt um das Fest der Liebe drehen, aber immer einen anderen Charakter zum Träger der jeweiligen Geschichte haben. Darunter befindet sich natürlich die Crème de la Crème des DC Universums wie Batman, Flash oder Wonder Woman. Doch auch die Helden aus deer zweiten Reihe wie Huntress, die Doom Patrol oder die Teen Titans können sich präsentieren und damit unter einem gemeinsamen Thema die gesamte Bandbreite des Verlags darstellen. Alles in allem handelt es sich also um ein ähnlich leichtes Stück grafische Literatur, wie letztes Mal und damit ein schönes Geschenk für Fans, die eh schon alles haben und für Einsteiger, die die Figuren erstmal kennenlernen wollen.

Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten

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Bei der Marvel-Version findet man zwar ein ähnliches Konzept im Sinne des Themas, der Aufbau ist jedoch ein etwas anderer. im Gegensatz zu DC findet man zum Beispiel nur drei Geschichten, von denen nur die erste dem „Marvel Holiday Special 2005“ entnommen wurde und sich um eine Weihnachtsfeier bei Dr. Strange dreht, bei der das „who is who“ der Superheldenriege aufschlägt. Die besinnliche Atmosphäre wird jedoch recht bald von einem etwas seltsamen Santa Claus gestört.

Mit „Harte Zeiten in Forest Hills“ bekommt der Leser sogar einen richtigen Klassiker serviert, der im Jahr 1989 vom legendären Todd McFarlane gestaltet wurde. Hier werden Peter aka Spider-Man und Mary Jane am Vorweihnachtsabend aus ihrer Wohnung geworfen und müssen  sich um eine neue Bleibe kümmern, während der Netzschwinger parallel ein paar böse Jungs zur Strecke bringen muss.

Den Abschluss bildet „Weihnachtliches Remmidemmi“ von Darwyn Cooke und Jay Bone, dass ein zuckersüß bebildertes Abenteuer in der Nacht vor Weihnachten darstellt, in dem nicht nur der Wandkrabbler, sondern auch die Fantastic Four involviert sind.

Auch hier wird vom Leser kein Vorwissen um Handlung und Figuren verlangt. Daher macht man definitiv nichts falsch, wenn man auch diesen Band seinen Nächsten unter den Baum legt oder den Nachwuchs mit ein paar Superhelden-Geschichten überrascht, die entgegen dem Zeitgeist auch ohne explizite Gewalt auskommen, aber mit ganz viel Herz.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR
Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR

[Rezension] Walt Disneys Mickey Mouse: Die ultimative Chronik (TASCHEN)

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Wie Bob Iger, seines Zeichens CEO bei Disney, es treffend formuliert hat, gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die von sich behaupten können, dass sie in eine Welt ohne Mickey Mouse hineingeboren wurden. Das ist keine übertriebene Aussage, sondern Fakt, wenn man bedenkt, dass der berühmteste Nager der Welt inzwischen 90 Jahre alt ist. Während dieser unglaublich langen Zeitspanne ist so einiges passiert. So hat sich nicht nur die visuelle Aufmachung der Figur, sondern auch ihr Verhalten grundsätzlich verändert, während im Hintergrund die Entertainment-Maschinerie um Disney zu einem Konzern mutierte, dessen Output jedermann bekannt ist. Kein Wunder, dass es Erhebungen gibt, nach denen Mickey Mouse in manchen Teilen der Welt berühmter ist, als der Weihnachtsmann.

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Daher ist es nur Folgerichtig dieses Jubiläum zu nutzen und eine Rückschau der gesamten Geschichte dieser Figur zu präsentieren. Und welche Verlag eignet sich dafür besser, als TASCHEN? Das Haus, welches uns schon seit Dekaden mit Kunstbänden in jeder Größenordnung und Preisklasse, bei gleichbleibend hoher Qualität versorgt und dabei thematisch keine Grenzen kennt, hat mit „Walt Disneys Mickey Mouse: Die Ultimative Chronik“ die Messlatte schon im Titel vorweggenommen. Auf sage und schreibe 496 Seiten im riesigen XXL-Format, wird der Leser mit einer Fülle an Informationen versorgt, die es so noch nicht gegeben hat.

Aufgeteilt in drei Entwicklungsphasen wird die Geschichte zunächst eng an der Biografie Walt Disneys orientiert, der mit einer anderen Tierfigur (Oswald the Lucky Rabbit) an seinem Durchbruch feilte, diese jedoch über Verwerfungen verlor und mit Mickey Mouse zunächst nur an eine Notlösung geriet, die sich jedoch in kürzester Zeit als wahrer Glücksgriff erwies. Nach einer relativ kurzen Orientierungsphase, in der der Charakter Form und Innenleben entwickelte, platzte mit „Steamboat Willie“ (1928) als erster vertonter Trickfilm eine popkulturelle Bombe, die bis heute nachhallt und seit geraumer Zeit sogar im Vorspann von Disney-Produktionen angeteasert wird (das berühmte Pfeifen der Melodie).

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Wie besonders die Einführung der Mickey Mouse war, zeigt sich schon in den ersten Jahren nach ihrer Entstehung. Eine heißlaufende Merchandise-Produktion, eine weltweite Expansion und Ehrungen, die man einer fiktiven Figur nie zuvor zugestanden hatte (sogar mit einer Figur im Wachsfigurenkabinett von Madame Tusseauds) wären nur als einige der Auswirkungen zu nennen. Diese machten es absehbar, dass Disney nicht nur einen kurzlebigen Geistesblitz hervorgebracht, sondern den Kulturbetrieb als solchen nachhaltig verändert hat.

Selbst als die klassischen Trickfilme in Spielfilmlänge die kurzen Abenteuer der Disney-Aushängeschilder wie Mickey und Donald in den Kinosälen ablösten, blieb die Maus gleichsam ein Synonym für ihren Erfinder. Nun war auch der Zeitpunkt dafür gekommen andere Medien in Beschlag zu nehmen, die heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. Dazu gehören selbstverständlich die allseits bekannten Comicabenteuer, die sogar eigene Blüten im Ausland trieben und dort teilweise sogar erfolgreicher waren, als in den USA. Allen voran natürlich Italien mit seiner lebendigen Kultur der neunten Kunst und Deutschland mit seinem bis heute beliebten Output des „Micky Maus„-Magazins.

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Hierbei kommt neben der Masse an Informationen eine gewaltige Menge an Bildmaterial und Dokumenten zusammen. Diese haben die zwei Autoren David Gerstein, seines Zeichens Animations- und Comichistoriker, sowie der Filmhistoriker J.B. Kaufmann aus den Disney-Archiven, sowie privaten Sammlungen zusammengetragen und damit die wohl umfangreichste Aufbereitung der Geschichte von Mickey Mouse kreiert, die es bis dato gab. Ganze 1.200 Illustrationen, Animationszeichnungen, Storyboards, Hintergründe, Plakate und Fotografien werden dabei, in Teilen zum ersten Mal, dem geneigten Leser präsentiert.

Wem das nicht reicht, hat darüber hinaus die Möglichkeit sich über den Einfluss der Figur auf Politik, Gesellschaft und Kultur zu informieren. Dabei wird man feststellen, dass auch Themengebiete wie Krieg, Kommerz und zeitgenössische Kunst nicht ohne den Nager auskommen und dadurch die Relevanz dieser fiktiven Figur unterstreichen.

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Wenn man nun auf diese erstaunliche Geschichte zurückblickt, fragt man sich unwillkürlich, worin die Anziehungskraft von Mickey Mouse lag und immer noch liegt. Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten und letztlich auch nicht abschließend zu klären, denn nicht umsonst treibt sie seit 1928 Experten und Laien um. Vielleicht ist es auch dieses Mysterium, dass manche mit einer persönlichen Identifikation und andere mit einer stilisierten Projektionsfläche verbinden, dass den Erfolg anhaltend und rückwirkend fast schon fantastisch erscheinen lässt. In jedem Fall wird nach der Lektüre klar, dass die vergangenen 90 Jahre keinen Zweifel an einer Erfolgsgeschichte lassen, die auch die nächsten Generationen überdauern wird. Möchte man sie verstehen, führt wohl kein Weg an dieser wahrlich „ultimativen Chronik“ vorbei.

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Walt Disneys Mickey Mouse: Die ultimative Chronik* 
Verlag: TASCHEN 
Autoren: David Gerstein, J. B. Kaufman
Herausgeber: Daniel Kothenschulte 
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover mit Leseband in Kartonverpackung 
mit Tragegriff , 29 x 39,5 cm 
Seitenzahl: 496
Preis: 150 EUR

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[Rezension] Kick-Ass: Frauenpower (Panini Comics)

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Kick-Ass“ sollte inzwischen jedem Comic- und Film-Fan ein Begriff sein. Mark Millars anarchische Kreation, die das Superheldengenre und seine Fans ordentlich durch den Kakao gezogen hat, ist inzwischen längst Teil des Kanons, den man im Regal stehen haben muss. Nun könnte man, wenn man in Millars Schuhen stecken würde, es sich einfach machen und die ursprüngliche Story kontinuierlich weiter spinnen, doch der schottische Tausendsassa wäre nicht er selbst, wenn er ganz andere Ansätze verfolgen würde.

So ist in der neuen Erzählung der Grad an Gewalt und derbem Humor der gleiche (und damit auf einem hohen Niveau) geblieben, aber der Titel nimmt schon voraus, dass man hier mit etwas grundlegend Neuem rechnen muss. „Frauenpower“ stellt nach „Hit-Girl“ nicht die erste starke Frauenfigur im vorliegenden Comic-Universum dar, dafür aber die erste, die titelgebend (ja, richtig gehört) für die berühmte Serie ist. Und nicht nur das! Während in der ursprünglichen Geschichte sich mit Dave Lizewski ein Nerd wie aus dem Bilderbuch die berühmte grüne Neoprenmaske, samt passendem Anzug überstreifte, ist diesmal mit der Afroamerikanerin Patience Lee eine hochdekorierte Soldatin an der Reihe. Das bedeutet zum ersten Mal auf körperlicher Ebene dominierte Kämpfe und ein um ein vielfaches brutaleres Vorgehen. Eine Aussage, die im Zusammenhang mit dem Titel „Kick-Ass“ zunächst verwundern mag, aber vollkommen zutrifft. Doch eins nach dem anderen. Wie kommt es eigentlich dazu?

Patience kehrt nach einem Auslandseinsatz zurück, nur um festzustellen, dass sie ihr (pseudo-)ambitionierter Autor von Ehemann sang- und klanglos verlassen hat. Nun steht sie als alleinerziehende Mutter da und muss sich mit Jobs im Niedriglohnsektor über Wasser halten. Ein nach ihren für das Heimatland erbrachten Opfern, fast schon schändlicher Status Quo, der nur als Sozialkritik am Umgang der USA mit den eigenen Veteranen gelesen werden kann. Nachvollziehbar frustriert durch ihre finanzielle und soziale Situation, sowie dem in weite Ferne gerückten Traum sich mit einem Studium hochzuarbeiten, beschließt sie einen lokalen Verbrecher in Albuquerque um sein Beute zu erleichtern. Diese möchte sie, ganz moralisch geschulte Patriotin, nicht nur für sich selbst beanspruchen, sondern in Teilen spenden. Mit einem einzigen Raubzug lässt sich jedoch nicht auf Dauer ein Leben finanzieren und so folgt ein maskierter Coup nach dem nächsten, bis sie sich mit dem Falschen anlegt. Und auch hier bohrt Millar mit Genuss im „American Dream“, indem er den Bösewicht der Story als eine pervertierte Kombination aus Mark Zuckerberg und Steve Jobs präsentiert, der seine verbrecherischen Pläne mit dem Zeitgeist des Silicon Valley  vermischt. Eine Rundumschlag, der sich diesmal weniger mit selbstreferentiellen Themen des Mediums Comic, als mit realen Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt.

In diesem Sinne, trotz leicht anderen Schwerpunkten, immer noch ein typischer Millar-Cocktail aus Gewalt, Humor und Kritik, der den selben Geist zu atmen scheint, wie zehn Jahre zuvor. Unterstützt wird der Autor dabei am Zeichenbrett erneut vom legendären John Romita Jr., der es wie kein zweiter schafft einen unverkennbaren Stil aufs Blatt zu zaubern, dabei aber die Handlung auf visueller Ebene nicht durch allzu gewagte Experimente zu begraben. Farben, Figurendesign und Dynamik geben sich geradezu fließend die Klinke in die Hand und schaffen damit ein Gesamtbild, dass sowohl mit bekannten Versatzstücken, als auch einer deutlich erkennbaren Entwicklung überzeugt.

Alles in allem ist „Kick-Ass: Frauenpower“ daher nicht nur eine unausweichliche Erweiterung bestehender Millar-Sammlungen, sondern eine Pflichtanschaffung für jeden, der Comics nicht als oberflächliche Unterhaltung, sondern als eine seriöse Erzählform zu schätzen weiß.

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Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 23.10.2018 
Autor: Mark Millar
Zeichner: John Romita Jr.
Format: Softcover / Variant Softcover (lim. 333 Ex.)
Seitenzahl: 164
Preis: 20 EUR / 25 EUR

[Rezension] Hard Boiled (Cross Cult)

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Frank Miller ist ein Name, den man nicht nur als versierter Kenner der Comic-Branche, sondern auch als Laie kennt. Vor allem dank seiner legendären Arbeiten an Batman („The Dark Knight Returns„, „Batman: Year One„) und eigenständigen Kreationen wie „300“ oder „Sin City„, ist er über den Fan-Kreis der bunten Heftchen auch im Mainstream durchaus ein Begriff.

Was dabei jedoch im Schatten seiner größten Werke schnell in Vergessenheit gerät, sind seine Arbeiten, die noch kompromissloser sind als man es ohnehin von ihm gewohnt ist und damit sogar vom Feuilleton links liegen gelassen werden (oder in diesem Fall „wurden“). Damit sind Erzählungen gemeint, die mehr an die anarchistischen Anfänge der Underground-Comix erinnern, als an die stilisierten Klassiker, die üblicherweise den Namen „Miller“ als Aushängeschild nutzen.

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©Cross Cult

Dazu gehört definitiv die dreiteilige, mit dem Eisner-Award ausgezeichnete MiniserieHard Boiled„, die zwischen 1990 und 1992 bei Dark Horse Comics erschien und schon damals durch Sozialkritik und schlicht unzählige Details auffiel. Es wäre in dem Zusammenhang auf visueller Ebene nicht übertrieben diese Geschichte als eine Art „Wo ist Walter“ ab 18 zu bezeichnen. Nun ist der Band in neu kolorierter Fassung bei Cross Cult erschienen.

Die Rahmenhandlung ist, wenn man sie losgelöst von den unfassbar ausgetüftelten Zeichnungen von Geof Darrow löst, fast schon Nebensache. In dieser ist Hauptfigur Nixon vordergründig ein Steuerfahnder, der seine Ziele auf brutale Art und Weise verfolgt und schließlich findet. Wäre da nicht der Umstand, dass er dabei unzählige Zivilisten in den Tod reißt und es dabei nichtmal wirklich merkt. Warum? Nun, Nixon ist ein Cyborg, der nur glaubt einem Job nachzugehen, während seine gesamte Existenz in Wirklichkeit ein einziger Amoklauf ist. Oder ist das Ganze vielleicht nur ein Traum? Hier vermischen sich Realität und Fiktion in einem blutigen Cocktail, der den Leser ebenso überrascht wie schockiert.

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©Cross Cult

Der eigentliche Inhalt versteckt sich aber in den erwähnten Zeichnungen, die teilweise mit einem Panel eine ganze Seite füllen und mit einem Vorschlaghammer an Eindrücken eine Sozialkritik par excellence bieten. In dieser Welt leben zwar Menschen Seite an Seite, doch ignorieren sie gefühlt ihre komplette Umgebung. Ob ein Mann seine Frau an der Supermarkt-Kasse verprügelt, Fetischisten ihrem Trieb in der Öffentlichkeit nachgeben oder Nixon sie niedermäht – es scheint ihnen egal zu sein. Man sieht nur gleichgültige Gesichter, die höchstens im Angesicht des Todes den Anflug einer Überraschung zu verspüren scheinen, aber hauptsächlich in einer auf reinen Konsum orientierten Welt ersticken. Anders kann man die mit Unrat übersäten Straßen und bizarr vergrößerten Lebensmittel in Auslagen nicht interpretieren. Wem das noch nicht offensichtlich genug erscheint, dem reicht in Blick auf eine bezeichnende Seite, auf der der Bösewicht der Geschichte intravenös mit Cola, Burgern und Co. vollgepumpt wird. Eine bitterböse Parodie des „American Way of Life“ in Reinform.

Wie zeitgemäß diese nun fast 30 Jahre alte Geschichte ist, lässt sich schon aus den vorangegangenen Zeilen gut ablesen, aber durch die neue Kolorierung von Dave Stewart („Hellboy„) könnte man ohne Vorwissen ohne weiteres denken, dass es sich bei „Hard Boiled“ um eine Neuerscheinung handelt. Mit den neuen Farben, die die ursprünglich schier nach 80ern schreienden Facetten restlos beseitigt haben, wirken die Details verstörender, die Umgebung brutaler und die pervertierte Form der US-Gesellschaft noch trostloser, als es bei der ursprünglichen Veröffentlichung der Fall war. Mit welchem Können hier die Macher herangegangen sind, wird allein schon durch den Umstand deutlich, dass ich erst auf den zweiten Blick verstanden habe, einen Klassiker aus Millers Feder (obwohl er frei nach der Handlung des „Blade Runner„-Regisseurs Philip K. Dick erzählt) in den Händen zu halten.

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©Cross Cult

In diesem Sinne ein wahres Meisterwerk, dass zu Unrecht vom Mainstream vergessen wurde und nun einer Leserschaft vorgestellt wird, die die Thematik neu auffassen und lieben lernen kann. Es ist ein Band, der darüber hinaus die Eigenständigkeit des Mediums Comic betont und damit klar macht, dass auch mit Bildsequenzen gesellschaftsrelevante Statements gesetzt werden können. Eine klare Empfehlung für jeden mit einem starken Magen, Miller-Fans (was es vermutlich voraussetzt) und Enthusiasten, die mehr aus einem Comic ziehen können, als eine oberflächlich seichte Unterhaltung.

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Verlag: Cross Cult
Erschienen am: 12.09.2018 
Autor: Frank Miller
Zeichner: Geof Darrow
Kolorist: Dave Stewart
Format: Hardcover  
Seitenzahl: 128 
Preis: 30 EUR

 

[Rezension] The Stan Lee Story (TASCHEN Verlag)

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Es gibt Personen der Öffentlichkeit, die uns schon so lange begleiten, dass wir oft zu vergessen scheinen, dass sie eines Tages nicht mehr unter uns weilen könnten und in dem Moment, in dem sie von uns gehen, eine so große Lücke hinterlassen, dass niemand genau weiß, wie man damit umgehen soll. 

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Hierzu gehört auch ein Mann wie Stan Lee. Als sich die Nachricht von seinem Tod am 12.11.2018 verbreitete, schien die Welt still zu stehen und nicht nur die Comic-Branche die Luft anzuhalten. Trotz seines hohen Alters von 95 Jahren konnte man sich kaum vorstellen, wie jemand, der nicht nur durch seine Co-Kreationen für das Marvel-Universum Berühmtheit erlangte, sondern ganze Generationen an Fans und Künstlern inspirierte, nicht mehr da sein sollte. Die Timelines der Social Media-Seiten und Nachrichtenportale aus aller Herren Länder wurden auf einen Schlag vom Ableben Lees dominiert. Ein Umstand, der mit Nachdruck zu verdeutlichen schien, dass nicht einfach ein Autor mit reger Fantasie, sondern ein Mensch der unter anderem das was wir unter Popkultur verstehen definiert hat, verstorben ist.

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Um dieser Legende ein Denkmal zu setzen, machten sich der ehemalige Marvel-Chefredakteur Roy Thomas („75 Years of DC Comics„) mit dem TASCHEN-Verlag vor rund zehn Jahren daran die Geschichte von Stan Lee, angefangen bei seinen Anfangstagen als Laufbursche bei „Timely Comics“ (aus denen später „Marvel Comics“ hervorgehen sollte), bis hin zu seinen sage und schreibe 57 Cameo-Auftritten, die ihn einem Publikum außerhalb der Comic-Leserschaft bekannt machten, in Buch-Form zu bringen und im standesgemäßen Überformat herauszubringen. Nur zehn Tage vor seinem Tod konnte Lee das fertige Werk aus den Händen des TASCHEN-Verlegers Benedikt Taschen empfangen und in seiner gewohnt verschmitzten Art kommentieren („Ich bin da sicherlich voreingenommen“, sagte Lee, „aber das ist das schönste Buch, das ich je gesehen habe.“).

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Dieser Band wird dabei den Erwartungen mehr als gerecht und ist definitiv keine Art Sekundärliteratur, die man schon seit vielen Jahren im Zusammenhang mit Stan Lee kennt. Auf ganzen 444 Seiten wird jeder Lebensabschnitt des Mannes in aller Ausführlichkeit beleuchtet und mit zahlreichen, in Teilen bislang unveröffentlichten, Fotografien unterstrichen. Dabei wird erfreulicherweise auch genug Raum für seine Anfänge als Schreiber gelassen, in denen Figuren wie „Spider-Man„, die „Avengers“ oder die „X-Men“ nicht mal im Ansatz denkbar waren. Dadurch wird einem deutlich vor Augen geführt, dass die unfassbare Karriere von Stan Lee kein plötzlicher Selbstläufer, sondern das Produkt einer über Dekaden verlaufenden harten Arbeit war, dass in Kombination mit einer ordentlichen Portion Charme und leichter Selbstüberschätzung zu dem wurde, was uns als Leser seit seinem Tod als Erinnerung bleibt.

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Die informativen Texte zu seinen Arbeiten werden darüber hinaus nicht nur mit den vielen ikonischen Covern der Serien bebildert, die unter seiner Führung entstanden sind, sondern auch mit einigen auf Archivpapier gedruckten Original Tusche-Zeichnungen. Damit wird nicht nur ein Einblick in die Biografie eines bedeutenden Mannes, sondern in die Historie eines ganzen Mediums gewährt, dass durch Lee wie kaum einen anderen geprägt wurde.

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Um dabei das Sammler-Herz zu erfreuen, dass insbesondere in Comic-Enthusiasten zu schlummern scheint, erscheint „The Stan Lee Story“ nicht nur als informative Lektüre, sondern bietet darüber hinaus viele weitere Anreize für einen Kauf, die auch den größten Skeptiker überzeugen sollten. So bekommt man diesen Prachtband nicht nur in einem edlen Acrylschuber, sondern inklusive Faksimiles mit Lees bedeutendsten Geschichten geliefert, die man in Original-Format genießen kann. Das was posthum wohl den bedeutendsten Aspekt dieses Sammlerstücks darstellt, ist die Tatsache, dass die auf 1000 Stück limitierte Ausgabe von Stan Lee persönlich unterschrieben und damit zu einem echten Stück Comic-Geschichte gemacht wurde. Natürlich hat diese Exklusivität ihren Preis, den sich mit 1250€ nicht jeder leisten kann und will. Nichtsdestotrotz gibt es es durch die angesprochenen Punkte, genug Argumente sich als Liebhaber für eine Anschaffung zu entscheiden. Darüber hinaus ist man auch als Fan mit kleinem Budget gut beraten sich diesen Titel zu notieren, denn bei der zu erwartenden Nachfrage, ist es gesetzt, dass eine reguläre Ausgabe folgen wird, die zwar sicherlich nicht mit den zahlreichen Extras der Luxus-Version aufwarten, inhaltlich dem Original aber in nichts nachstehen wird.

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Daher wäre es nicht übertrieben von „The Stan Lee Story“ als Denkmal zu sprechen, dass in der einen oder anderen Fassung in jedes Regal eines Lesers gehört, der sich nicht nur für die Geschichten, sondern für das Medium an sich zu begeistern weiß. Dieses wird zurecht auf ewig mit dem Namen Stan Lee verbunden bleiben.

The Stan Lee Story (Affiliate Link)
Verlag: TASCHEN
Autor: Roy Thomas
Sprache: Englisch
Format: Hardcover im Acrylschuber 31,5 x 47 cm
Seitenzahl: 444
Preis: 1250 EUR

[Rezension] Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York (Panini Comics)

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Crossover haben sich vor ein paar Jahren größter Beliebtheit erfreut, während heutzutage die Welten von Superhelden sowieso miteinander verschmolzen sind und sich selten jemand über Begegnungen der Cape-Träger wundert. Daher muss man schon ganz andere Geschütze auffahren, um die Aufmerksamkeit der Fans auf sich zu ziehen.

Genau das haben James Tynion IV als Autor und Freddie E. Williams II als Zeichner vor fast zwei Jahren geschafft, als sie zum ersten Mal die Teenage Mutant Ninja Turtles und den dunklen Ritter persönlich aufeinander treffen ließen und dadurch ein besonderes Wechselspiel zwischen düsterer Atmosphäre und humoristischen Einlagen schufen.

Nachdem sich diese Combo so großer Beliebtheit erfreut hat, wird es einen nicht wundern, dass eine offizielle Fortsetzung bei Panini Comics erschienen ist. Hier setzt man gleich nach den Ereignissen ein, die Shredder als Erzfeind der Turtles hinter Gittern brachten und damit nun einen Kampf um die Vorherrschaft in der Unterwelt New Yorks losgetreten haben. Dabei geben sich die vier Schildkröten die größte Mühe das Chaos im Schach zu halten, doch Donatello scheint dem Druck physisch nicht ganz gewachsen zu sein. Deprimiert und von Selbstzweifeln zerfressen, versucht er erneut mit Batman in seiner Welt in Kontakt zu treten, um sich von ihm beraten zu lassen. Dabei geht jedoch einiges schief und niemand Geringeres als Bane höchstpersönlich taucht in der Ostküsten-Metropole auf. In Kraft und Intellekt sowohl dem Foot-Clan als auch den ikonischen Schurken Bebop und Rocksteady haushoch überlegen, ergreift er in kurzer Zeit die Macht und schmiedet Pläne, seine neu rekrutierte Armee mit einer neuen Version des Venom zu versorgen. Eine Droge, die ihm übermenschliche Kräfte verleiht, aber in dieser für ihn neuen Welt erst erfunden werden muss. Diesem Aufgebot nicht gewachsen, müssen die Turtles nun auf Hilfe hoffen, die sie selbstverständlich auch bekommen: Batman schlägt sich zu ihnen durch und muss nun mit vereinten Kräften seiner alten Nemesis entgegentreten, um einmal mehr eine Stadt vor dem Untergang zu bewahren. Selbstverständlich wird dabei das ungleiche Team durch weitere Verbündete wie Nightwing, Batgirl, April, Casey und Meister Splinter unterstützt.

Das ganze Spektakel riecht dabei durchwegs nach den 90ern im besten Sinne: Überproportionale Muskelmassen und leicht seltsame Sprüche sorgen für eine sehr unterhaltsame Stimmung, die vor allem mit viel Action aufgepeppt wird. In diesem Sinne gibt es keinen wirklichen Tiefgang, was man beim Aufeinandertreffen der Charaktere aber wohl auch nicht erwarten würde.

Visuell wird die Story erneut durch Freddie E. Williams II in Szene gesetzt, der seinem bekannten Stil durchwegs treu bleibt. Er neigt zwar an gewissen Stellen zur Übertreibung, fällt damit aber zu keinem Zeitpunkt negativ auf, weil die entsprechenden Passagen oft an sich schon so surreal sind, dass sich ein dazu anschließendes Panel geradezu anbietet. Auch der leicht ans malerische erinnernde Strich passt ungemein zu den beiden hier vertreten Welten und sollte keine Fanbase vor den Kopf stoßen. Es werden sogar die alten Hasen zustimmend nicken, wenn sie hier und da einen kleinen Querverweis auf die frühen Tage der dargestellten Helden entdecken.

Daher ist „Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York“ definitiv ein Lesevergnügen, dass zwar nicht in die legendären Annalen der Comic-Geschichte eingehen wird, aber durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß. Wer genau nach so einer Art von Spaß sucht, wird hier definitiv bedient!

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.09.2018 
Autor: James Tynion IV
Zeichner: Freddie E. Williams II
Format: Softcover  
Seitenzahl: 148
Preis: 16,99 EUR

 

[Rezension] Harley Quinn: Haley liebt den Joker (Panini Comics)

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Viele Neueinsteiger, die Batman erst vor kurzem für sich entdeckt haben, können sich vermutlich garnicht vorstellen, dass eine Figur wie Harley Quinn zu den neueren Zugängen an Figuren gehört. Erst Anfang der 90er erschien sie auf der Bildfläche. Zunächst sogar exklusiv auf dem heimischen Fernsehbildschirm als Sidekick des Jokers in der preisgekrönten Trickfilmserie „Batman: The Animated Series„. Erst später fand sie auch Eingang in den regulären Comic-Kanon und avancierte in nur wenigen Jahren zum Publikumsliebling und Teil der Standardbesetzung an Widersachern aus Gotham City.

Dementsprechend ist es auch kein Wunder, dass sie schon mit mehreren Solo-Veröffentlichungen und Mini-Serien geehrt wurde, von denen „Mad Love“ wohl die bekannteste sein sollte. Dabei wurden sowohl ihre Beweggründe, ihre Beziehung zum Joker, als auch ihr Look immer wieder Veränderungen unterzogen, während ihr ikonischer Harleqin-Einteiler und das ursprünglich kindisch-psychotische Verhalten einen besonderen Platz im Herzen der Fans beibehielten. Daher wird sie nach wie vor primär mit ihrem Erfinder Paul Dini assoziiert, der sowohl für die erwähnte Animationsserie, als auch ihre beliebtesten Abenteuer verantwortlich war. Deswegen wird man natürlich schnell hellhörig, wenn bekannt wird, dass der Altmeister erneut an seiner bekanntesten Figur arbeiten möchte. Das Ergebnis kann man hierzulande an der bei Panini Comics erschienenen Serie „Harley Quinn: Harley liebt den Joker“ (bestehend aus 9 regulären Teilen der Harley-Serie und zwei eigenständigen Heften) sehen.

Passend zum ausgehenden Jahr, steigt man in der Weihnachtszeit in die Geschichte ein. Der Joker freut sich schon auf einen Überfall, nur um festzustellen, dass ihm jemand zuvor gekommen ist und ihm dadurch das betonierte Grinsen schnell aus dem Gesicht wischt. Dieser Umstand ist natürlich auch alles andere als optimal für die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Harley und dem Joker. Daher versucht unsere Hauptprotagonistin alles mögliche um ihrem „Mr. J.“ wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das was ihn aufheitert ist jedoch nicht seine aufreizende Freundin, sondern die Idee an Silvester einen Raubüberfall zu verüben. Der geht sogar tatsächlich gut aus, doch nur kurze Zeit später taucht Batman in ihrem Geheimversteck auf und macht alles zunichte. Wie konnte das passieren? Man sollte wohl nicht überall seine Adresse drauf schreiben…wie Harley zum Beispiel auf ihren am Ort des Überfalls zurückgelassenen Mantel.

Nun steht das Verbrecherpärchen ohne Dach über dem Kopf da und muss sich zwischenzeitlich mit einem abgeranzten Motel zufriedengeben. Von Gewissensbissen zerfressen, möchte Harley ihr Missgeschick jedoch ungeschehen machen und entwickelt deswegen einen Plan, wie sie sich und ihrem „Pupsie“ einen noch größeren Unterschlupf besorgen kann, als den zuvor. Damit beginnt eine irrwitzige Odyssee für die Clownprinzessin, bei der sie zum einen versucht genug Kohle für die neue Bleibe zu organisieren und zum anderen gegen eine neue Widersacherin anzukämpfen, die ihren liebsten Clown des Verbrechens streitig machen möchte. Aufgepeppt wird das Ganze mit kleinen Einblicken in Harleys Vergangenheit, die die Figur etwas tiefer gestalten und Aufschluss über ihren Kampf mit sich selbst geben. Das ist auch Sinne nötig, da sie in dieser Geschichte ganz der Charakteristik aus der Zeichentrickserie entspricht und dementsprechend durch ihre Liebe kaum die grausamen Züge des Jokers erkennt oder zumindest nicht erkennen will.

Dabei geht die Erzählung erstaunlich schnell voran und auch der Bruch zu den letzten zwei Kapiteln (da es Einzelhefte außerhalb der regulären Serie waren) ist faktisch nicht zu spüren. Hierbei erkennt man Dinis unvergleichliche Stärke im Bereich Storytelling, die wir von ihm gewohnt sind. Zeitgleich schafft er es das Feeling alter Tage hervorzuholen und im hier und jetzt zu platzieren. Dadurch wirkt das Gesamtwerk weder altbacken, noch der genutzte Humor unpassend. In diesem Sinne ein Paket für Nostalgiker und Neueinsteiger.

Das spiegelt sich auch in den Zeichnungen von Bret Blevins wieder, der komplett auf den ikonischen Look der Fernsehversion setzt und damit dem Band eine schöne Authentizität verleiht, die ohne Experimente auskommt, aber trotzdem noch frisch erscheint. Aufgepeppt durch Alex Sinclairs Farben, die wiederum auf einen modernen Touch setzen, verhält es sich wie mit der Story: Das beste von früher und heute, gemeinsam auf einem Blatt.

Daher kann man „Harley Quinn: Harley liebt den Joker“ ohne schlechtes Gewissen den alteingesessenen Fans und auch all denjenigen empfehlen, die Harley vielleicht nur aus den aktuellen Verfilmungen kennen. Zufrieden werden beide Gruppen sein! In diesem Sinne: Ab zum nächsten Comic-Shop und viel Spaß beim lesen!

Harley Quinn: Haley liebt den Joker 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 02.10.2018 
Autor: Paul Dini, Jimmy Palmiotti
Zeichner: Bret Blevins
Format: Softcover  
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR

 

[Comic Review] Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights – Spider-Man (Panini Comics)

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Fleißige Leser meines Blogs und Fans des Tausendsassas Mark Millar werden sich bei der folgenden Rezension vermutlich kaum über die Interpretation von Spider-Man in dem neuesten Band der „Mark Millar Collection“ wundern, doch auch in der achten Ausgabe der Reihe, die den Schotten ehren soll, gibt es mehr als genug überraschende Elemente, die eine genauere Betrachtung verdienen.

So kann man sagen, dass der Rahmen der Geschichte eigentlich alles beinhaltet, was man sich von einem klassischen Auftritt des Wandkrabblers wünschen könnte. Peter Parker ist so gut wie pleite, die Beziehung zu Mary Jane durch sein Alter Ego unter keinem guten Stern und die Sorgen um Tante May quasi omnipräsent. Auch das Design der Figuren bleibt den ikonischen Mustern treu, die bis heute dafür sorgen, dass Fans Helden und Antagonisten sofort benennen können.

Der (in meinen Augen) angenehme Bruch mit Gewohnheiten erfolgt durch die Tatsache, dass die Geschichte ursprünglich im „Marvel Knights„-Imprint erschienen ist, der sich explizit an ein erwachseneres Publikum richtete und in dem Zuge den beteiligten Künstlern Freiheiten ließ, die sie bei einem normalen Run niemals genoßen hätten. Unter anderem erschienen neben der vorliegenden Story auch „Punisher“ von Garth Ennis, „Daredevil“ von Kevin Smith oder auch „Black Panther“ von Christopher Priest. Wie man an den Namen erkennen kann, sind all diese Herren nicht unbedingt für sanfte Handlungsstränge bekannt und auch Mark Millars Geschichte stellt keine Ausnahme dar, denn die vorliegende Erzählung ist härter, krasser und brutaler als so gut wie alles, was ihr zuvor mit Spidey im Programm gesehen habt und dabei nicht Deadpool beinhaltete.

Und wenn man mit dem Humor und den Zutaten Millars vertraut ist, erkennt man diese in den ständigen Grenzüberschreitungen wieder, die das Ganze zu so einem Lesevergnügen machen. So strotzen die Seiten nur vor selbstreferentiellen Verweisen und wenig subtiler Kritik an typischen Superhelden-Geschichten. Zum Beispiel kann man nicht anders, als laut aufzulachen, wenn Spider-Man sich nicht weiter zu helfen weiß, um den Grünen Kobold aufzuhalten und daher zu einem Briefkasten greift und…naja…eine Gehirnerschütterung wäre zumindest eine optimistische Diagnose.

Auch die fein eingestreuten Kommentare von umstehenden Personen und namenlosen Nebencharakteren tragen zu einer angenehmen Würze bei, die man in regulären Storys um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schmerzlich vermisst, wenn man als erwachsener Leser eine spannende Geschichte lesen möchte, aber auf die unschuldigen Aspekte gut verzichten kann. So wird gut und gern geflucht, sich über Charakterentwicklungen offen lustig gemacht und das ganze Genre genüßlich durch den Kakao gezogen, ohne respektlos vor der Materie zu erscheinen. Im Endeffekt genau die richtige Balance um alte Leser, die etwas Zynismus brauchen, zu bedienen, als auch Neueinsteiger zu überzeugen, die Comics immer noch als Kinderkram begreifen. In diesem Sinne ist es schade, dass Marvel diese Reihe seit einigen Jahren ruhen lässt, während DC Comics nun zum ersten Mal mit ihrem „Black Label“ versucht einen Fuß in die Tür einer (vordergründig) neuen Zielgruppe zu kriegen.

Daher ist weniger die erzählte Geschichte das revolutionäre an diesem Sammelband (der im Übrigen zum ersten Mal die Handlung an einem Stück auf deutsch beinhaltet), sondern mehr die Erzählweise und der spürbare Spaß an der Provokation. Denn eine Entführung von Tante May und die Bedrohung von Mary Jane durch eine Vielzahl an klassischen Bösewichten und Auftritte der X-Men und Avengers sind in dem Sinne nichts neues, der Umgang der Protagonisten mit der gegebenen Situation jedoch sehr wohl. Daher ist der Fortgang der Geschichte auch alles andere als vorhersehbar und damit eine spannende Lektüre, die ihre Stärke aus dem schon erwähnten Verzicht auf Konventionen und zeitgleicher Rückbesinnung auf geliebte Elemente zieht. Ein ungewöhnlicher Cocktail, der jedoch blendend funktioniert!

Auch visuell kommt man auf seine Kosten, da man Terry und Rachel Dodsons (Spider-Man/Black Cat, Harley Quinn), sowie Frank Chos (Hulk) gemeinsames Werk hier an einem Stück genießen kann. Dabei schaffen sie den Spagat zwischen realistisch, überspitzt und sexy zu schlagen, ohne dabei in Klischees zu verfallen, die der Geschichte nicht zuträglich wären. Es ist eben genau die beschriebene Mischung, die einem als Leser die Sicherheit gibt, einen Superhelden-Comic vor sich zu haben, aber zeitgleich das Augenzwinkern zu erkennen, dass das „Millar„-Feeling perfekt zu transportieren weiß.

Und wem das nicht reicht, der sollte sich in Erinnerung rufen, dass es sich um einen Band der „Mark Millar Collection“ handelt und dementsprechend einiges mehr zu finden  ist, als nur die beschriebene Geschichte. Unter anderem dürfen sich Leser über einen schönen Bonusteil mit Skizzen aus dem Entstehungsprozess, sowie ein launiges Vorwort von niemand geringerem als Stan Lee persönlich freuen!

In diesem Sinne ist dieser Band der Reihe nicht nur eine Empfehlung für Sammler und Fans des Millar-Outputs, sondern explizit auch für Leser der regulären Spidey-Geschichten, denn wenn ihr die ursprüngliche Heftreihe nicht besitzt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ihr diese großartige Story schon mal gelesen habt. Daher nichts wie los zum Comic-Shop eures Vertrauens!

Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights - Spider-Man 
Verlag: Panini Comics 
Erscheint am: 23.10.2018 
Autor: Mark Millar
Zeichner: Terry Dodson, Rachel Dodson (nur Tusche), Frank Cho
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 316
Preis: 39 EUR