SPIDER-MAN PAPERBACK 2: VON SHANGHAI BIS PARIS

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Ich persönlich gehöre noch zu der Generation an Spidey-Fans, die dermaßen mit der immer wieder aufgewärmten Rahmenhandlung um den Netzschwinger verschmolzen sind, dass alles jenseits von „bettelarmer Peter Parker„, „naiv-schrullige Tante May“ und „keifender J. Jonah Jameson“ schier abwegig erscheint. Selbiges gilt für Schurken, die sich nicht aus dem klassischen Kanon bis in die 90er speisen.

Nun ist mir der neueste Spider-Man-Run in Form des aktuellsten Trade-Paperbacks mit dem Namen „Von Shanghai bis Paris“ in die Hände gefallen, welches wohl Puristen und Leute, die sich länger nicht mehr mit der Figur beschäftigt haben, verdammt verwundern sollte, was wiederum nicht über die Qualität des Werks aussagt. Aber eins nach dem anderen.

Wir befinden uns hier schon beim zweiten Sammelband und damit mitten im Geschehen. Peter ist schon seit geraumer Zeit kein am Hungertuch knabbernder Fotograf, sondern Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens, welches natürlich „Parker Industries“ heißt. Mit diesem versucht er mit modernster Technik die Welt zu einem besseren Ort zu machen und unterstützt dabei sogar ganz offiziell seinen Alter Ego Spider-Man bei der Verbrechensbekämpfung.

Diese Hilfe kann unser Wandkrabbler in diesem Abenteuer auch dringend gebrauchen, wenn er gegen die Zodiac-Organisation in den Ring steigt, die wie der Name andeutet ihre Outfits und bisweilen Kräfte auf Basis von Sternzeichen fußen lässt. Dabei ist diese Bande unter der Führung von Zodiac (ja, der Anführer wollte wohl seine Duftmarke auch in Bezug auf den Gruppen-Namen setzen) auf der Suche nach einer geheimnissvollen Macht, die ihr nicht nur unermesslichen Reichtum, sondern auch Wissen zur Verfügung stellen soll, welches für unseren Helden auf persönlicher Ebene gefährlich werden könnte. Daher scheut Spidey auch keinen Weltraumausflug mit Nick Fury, um schlimmeres zu verhindern, aber mehr soll aufgrund von Spoiler-Freiheit nicht verraten werden.

Dafür gibt es Infos zur zweiten Storyline, die Mr. Negative in den Mittelpunkt stellt. Dieser chinesische Bösewicht hat die Macht, alle die ihn berühren unter seine Kontrolle zu bringen. Leider gehören dazu auch Cloak und Dagger, die unerbittlich gegen alle Feinde des Superschurken vorgehen. Dabei machen sie auch keine Ausnahmen für die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, die für die Rettung ihrer Freunde auch mal ans andere Ende der Welt reist. Die beiden kriegen im Übrigen demnächst ihre eigene TV-Serie spendiert, also haltet Ausschau! 😉

Geschrieben wurden beide Geschichten von Dan Slott, der geschickt einen kurzweiligen Plot zu spinnen weiß (pun intended), in dem Spider-Man auch in einem neuen Setting funktioniert. Für die uns altbekannte Stimmung sind aber natürlich nicht nur Autoren, sondern auch talentierte Zeichner verantwortlich. Hier wären es Matteo Buffagni und Giuseppe Camuncoli, die beide die für eine solche Geschichte nötige Dynamik in die Panels zaubern. Ohne sie würden wir uns als Leser nicht wie mitten in einem Daumenkino fühlen, welches uns in atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Häuserschluchten über die Seiten treibt. Genau so muss sich Spider-Man anfühlen und zwar egal in welcher Ära die Story angesiedelt ist.

Alles in allem ist damit ein Cocktail gemixt worden, der sowohl die eingangs erwähnten Zweifler als auch Neueinsteiger zufrieden stellen sollte. Das altbekannte Feeling wird wie in einem maßgeschneidert neuem Gewand auf den Leser losgelassen und funktioniert dementsprechend einwandfrei! Ich für meinen Teil habe nach der Lektüre wirklich Lust die Abenteuer von Spider-Man auch im Jahr 2017 weiter zu verfolgen!

 

 

Batman – Niemandsland: Band 1

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Mir persönlich will quantitativ keine größere Batman-Storyline einfallen, als die um das verheerende Beben, welches Gotham City in Anarchie gestürzt hat. Die Frage bezüglich der Qualität ist dabei erstaunlicherweise von Band zu Band schwankend zu beantworten. In welche Richtung das Pendel bei der Ankunft im Niemandsland ausschlägt, erfahrt ihr hier.

Nachdem schon Das Beben und der Weg ins Niemandsland ausführlich besprochen wurden, hat sich der Staub in der Stadt des dunklen Ritters langsam gelegt und aus dem Chaos erwächst eine brutale Struktur aus verfeindeten Territorien und einigen wenigen, die so etwas wie Ordnung wieder herstellen wollen.

Auf über 300 Seiten werden mehr oder weniger abgeschlossene Geschichten erzählt, die die allgemeine Entwicklung der Machtstrukturen beleuchten. Besonders deutlich wird es gleich in der ersten Story „(Un)recht und (Un)ordnung“, die die verbliebene Polizei in der von der Welt abgeschnittenen Stadt in den Mittelpunkt rückt, die ihr Gebiet Stück für Stück auszubauen versucht und dabei inzwischen auch nicht vor moralisch fragwürdigen Methoden zurückschreckt. Gar nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Gesetzeshüter einer Überzahl von kleinkriminellen Banden und organisierten Verbrecher-Organisationen gegenüber stehen.

Selbst der nach monatelanger Abwesenheit zurückgekehrte Batman muss sich erst noch an die neuen Spielregeln gewöhnen, die eine weibliche Version der Fledermaus, nach dem Verschwinden des Originals, schon seit geraumer Zeit in der Stadt durchzusetzen versucht und damit dem dunklen Ritter quasi seinen Platz vorwärmt. Wer die geheimnisvolle Rächerin ist, erfahren wir aber wohl erst im abschließenden Band.

Als weitere Geschichte gesellt sich beim Kauf dieser Ausgabe sogar eine deutsche Erstveröffentlichung hinzu, die sich um den ehemaligen Teilzeit-Batman Azrael dreht, der sich zurück nach Gotham kämpfen will, während sich ihm der aus dem letzten Band bekannte Nicholas Scratch und seine Entourage in den Weg stellen. Eine nette Geschichte, die aber den von mir schon öfter kritisierten Pathos-Kitsch der 90er inne hat, den manche als nostalgisch, ich aber als trashig bezeichnen würde.

Dem folgt mit „Vertrauenskrise“ ein Kampf zwischen Huntress und Scarecrow, der sich in der Kirche eines gutgläubigen Priesters eingenistet hat und während einer gespielten Läuterung seine Gönner im Dienste der Angst zu hintergehen versucht. Hier spielt das Storytelling glücklicherweise wieder seine Stärken aus und bleibt mit der darauf folgenden Handlung auf einem ähnlich hohen Niveau.

„Brot & Spiele“ dreht sich um die finale Rückkehr Batmans an die Öffentlichkeit, die er in einer gewollten Konfrontation mit dem Pinguin sucht, der wie zu erwarten sein eigenes kleines Imperium aus Tauschhandel, Erpressung und Unterhaltung für die Massen aufgebaut hat. Fans der Arkham-Spielreihe werden das Konzept der von Gangstern geleiteten Viertel sofort wieder erkennen und dürfen sich über die Liebe der Macher zum Ursprungs-Stoff freuen.

Alles in allem weiß die gesamte dicke Ausgabe zu überzeugen. Zwar stolpert man gelegentlich über Stellen, an denen sich einem die Nackenhaare vor Fremdscham sträuben (wie gesagt ein Phänomen des Jahrzehnts der Original-Veröffentlichung), aber der Großteil der Geschichten liest sich flüssig und unterhält auf eine ungezwungene Art und Weise. Damit werden zwar inhaltlich keine Berge versetzt und zeichnerisch alles andere als heutige Standards erfüllt, aber einem gewissen Charme kann man sich definitiv nicht entziehen. Vor allem möchte man nach der Lektüre der inzwischen vielen Schinken im Regal doch gerne wissen, wie alles ausgeht, wenn man nicht ohnehin die Originale im Regal stehen hat. Ich freue mich auf jeden Fall über den baldigen Abschluss der Reihe und bin dankbar, dass sich Panini Comics immer wieder auf nostalgische Experimente einlässt.

 

Deadpool – Back in Black

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Und die nächste Ladung Deadpool-Wahnsinn steht ins Haus: Wie schon so oft, nutzen die Macher hinter der Figur Freiheiten, die mit der Arbeit an ihr fast automatisch einhergehen. Dabei geht es nicht darum, das schon aktuelle Marvel-Universum unsicher zu machen und selbstreferenziell auch mal Kritik am Medium selbst zu üben, sondern auch mal als festgelegt geltende Ereignisse durch den Kakao zu ziehen. So sind wir mit dem Söldner mit der großen Klappe schon mal im Spidey-Run der 60er/70er gelandet und konnten uns köstlich über seine Kommentare zum Look und Feel der damaligen Zeit amüsieren.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die vorliegende Geschichte „Back in Black„, die sich das ikonische Todd McFarlane-Zeitalter um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft vorknöpft. Genaugenommen steigen wir genau dort ein, wo Spidey sich vom Alien-Symbionten trennt, der sich später mit Eddie Brock verbinden und diesen schlussendlich zu Venom machen wird.

Exakt hier spielt sich der Cut ab, der dieser Handlung (geschrieben von Cullen Bunn) den Deadpool-Twist verpasst, den man als Leser erwartet: Der Symbiont hat sich nämlich zunächst gar nicht wie erwartet den späteren Bösewicht, sondern unser allseits beliebtes Großmaul mit den fehlenden Tassen im Schrank geschnappt! Dabei ist er gar nicht abgeneigt sich in die Abgründe des extraterrestrischen Schleims fallen zu lassen, wobei dieser nicht erwartet hat einen sagen wir mal „etwas anderen“ Wirt zu befallen.

In ständiger Diskussion mit seinem neuen Anzug verfangen, schwanken Deadpools Gefühle für den früheren Wirt Spider-Man zwischen Vernarrtheit und Mordlust, während er sich ganz im Stil seines Vorgängers durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt(!). Dabei laufen ihm zum einen für das Franchise typische Alien-Bösewichter über den Weg, als auch Spideys Freunde und Feinde, die sich entweder mit seiner Haut schmücken wollen (Kraven der Jäger) oder sich an diese gerne schmiegen würden (Black Cat). Hierbei wird immer wieder damit gespielt, dass Deadpool und der Netzschwinger nicht nur gerne von Lesern verwechselt werden. Aberwitzige Situationen sind damit faktisch vorprogrammiert!

Die Story macht dementsprechend sehr viel Spaß, aber vom vollmundig angekündigten 80s-Feeling habe ich soweit nichts mitbekommen. Das liegt primär am sehr modernen Zeichenstil von Salva Espin, der zeitgeistig daherkommt und damit in logischer Konsequenz keine Nostalgie erzeugen kann. Es ändert zwar nichts an der Tatsache, dass „Back in Black“ sehr unterhaltsam ist, aber ohne den passenden Kontrast fühlt sich die Handlung nach etwas sehr aktuellem an und wird damit dem angedachten Ziel nicht gerecht.

Man kann zwar ruhig zugreifen, wenn man auf den debil-derben Humor von Deadpool steht, aber eine versprochene Zeitreise bleibt uns der Titel schuldig.

Deadpool – X für ein U

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Es ist schon etwas länger her, seit ich ein Abenteuer des Söldners mit der großen Klappe rezensiert habe und freue mich umso mehr, die abgeschlossene Storyline „X für ein U“ präsentieren zu können.

Wie der Titel und das Cover schon deutlich vorweg nehmen, sind die X-Men das tragende Element dieser Geschichte bzw. Deadpools nimmermüdes Verlangen ein Teil der Mutanten-Truppe zu werden. Bevor es jedoch dazu kommt, möchte sich Wade Wilson, wie unsere Hauptfigur mit bürgerlichen Namen heißt, einen lange gehegten Traum erfüllen und Pirat werden. Ja, richtig gehört und keiner, der Deadpools Eskapaden verfolgt kann mir erzählen, er oder sie wäre überrascht.

 

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©Panini Comics

Auf jeden Fall schwimmt unser irrer Freund aufgrund vorangegangener Ereignisse geradezu in Geld (es sei nur so viel verraten: der Preis dafür ist, dass er unter dem Radar bleibt) und was wäre am naheliegendsten als sich seine geheimen Träume einfach zu erkaufen? Dafür scheint es nicht mehr zu brauchen als einen unterwürfigen Sidekick, der sich als Papagei verkleiden und auch so sprechen muss, eine blinde Navigatorin, sowie einen gewaltigen Knacks, der zu allerlei halsbrecherischen Entscheidungen führt. Im Endeffekt das uns bekannte und lieb gewonnene Schema, dass wir erwarten, wenn wir eine Ausgabe mit dem Namen Deadpool im Titel in den Händen halten.

Wie zu Anfang angesprochen ist die Hauptgeschichte eine andere und damit das Ende des Söldners als Freibeuter auf offener See beschlossene Sache. Nach dem Ausflug in eher „klassisch“ kriminelle Gefilde, möchte Wade nämlich bei den X-Men einsteigen, die mit Cyclops an der Spitze eine Inselzuflucht für Mutanten errichtet haben. Doch schon bald merkt Deadpool, dass es offensichtlich nicht reicht auf enges Leder zu stehen, um sich dieser Gang der Guten anzuschließen. Daher versucht er auf seine ganz eigene Art die Leute von sich zu überzeugen, was im Umkehrschluss den altbekannten Cocktail aus dicken Wummen, mit Leichen gepflasterten Straßen und einer dicken Lippe ergibt. Doch ist es nicht genau das, was wir als Leser erwarten? Ich für meinen Teil kriege gar nicht genug von der respektlosen Art, die solche Veröffentlichung unter Garantie mitbringen.

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©Panini Comics

Für diesen Mix zeigt sich Daniel Way als Autor verantwortlich, der mit dem zweiten Run der Figur von 2008 bis 2013 eine Art Wiedergeburt einleitete, die das Franchise weltweit einschlagen ließ, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dadurch ist Deadpool neben Spidey und den allgegenwärtigen Avengers zu einem brandneuen Aushängeschild avanciert, welches in logischer Konsequenz einen Film spendiert bekommen hat, der wiederum eine neue Art des Humors in die Marvel-Welt trug, der bis heute Bestand hat. Mit den in „X für ein U“ vorliegenden Heften 13 bis 18 befinden wir uns mitten in seinem Run, der sowohl Lust auf das macht, was noch kommen wird, als auch das was zuvor erschien.

Die witzigste Geschichte ist im Medium Comic aber nur halb so viel wert, wenn sie nicht von einem Künstler in Panels gepresst wird, der die Figur, die Handlung und das gewisse Etwas einverleibt hat, um alles authentisch präsentieren zu können. Zum Glück ist mit Shawn Crystal (Guardians of the Galaxy) bei der Piraten-Geschichte und Paco Medina (Star-Lord) jeweils der perfekte Mann am Zeichentisch gesessen und hat die Gabe auch ohne viele Worte einen Brüller nach dem anderen hervorzubringen oder einzelne (Selbst)Gespräche umso lustiger zu gestalten. Beide balancieren auf einem schmalen Grad zwischen cartoonesk und klassisch, wobei Medina eher zum zweiten tendiert. Genau diese Mischung macht die Reihe und damit den Erfolg aus, der sich bis heute immer wieder selbst bestätigt.

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©Panini Comics

In diesem Sinne gibt es nichts anderes als eine Kaufempfehlung für alle vorhandenen Deadpool-Fans und die, die es noch werden wollen. Klar, gibt es Elemente, die ohne Vorwissen nur halb so lustig sind, aber als Ganzes funktioniert „X für ein U“ auch für Neueinsteiger und ist damit jedem ans Herz gelegt, der etwas mit derben Humor im Superhelden-Setting anfangen kann.

Paper Girls – Band 2

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Wie ich schon bei der Review zum ersten Band von Paper Girls zugeben musste, ist mir der Release im Gegensatz zum Rest der Welt reichlich spät aufgefallen. Eine wahre Schande, die mit einem verdienten Eisner-Award als „beste neue Serie“ umso größer auf mich zurück fällt. Ich rede mich hier mal im Hinblick auf privates Chaos raus und bin zumindest froh die Fortsetzung von Erfolgsautor Brian K. Vaughn (Y: The Last Man, Saga, We Stand on Guard) rechtzeitig am Horizont erblickt zu haben.

Diese steht nämlich dem Erstling in nichts nach und das ist schon mal eine Ansage, wenn man bedenkt welche Schnappatmung der Beginn des Abenteuers von Erin, Mac, Tiffany und KJ sowohl bei Fans als auch Rezensenten (inklusive mir) ausgelöst hat. Spielte die Handlung zunächst im Jahr 1988, was mit den Fahrrad fahrenden Heldinnen sofort Assoziationen zu der Netflix-Serie Stranger Things ausgelöst hat, befinden wir uns mit 3/4 der ursprünglichen Mädchen-Gang durch die Zeit katapultiert im Jahr 2016 und auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin KJ.

Die Handlung setzt nahtlos in dem Moment ein, mit dem der letzte Band ein Ende gefunden hat: Der Begegnung mit Erins zukünftigem ich. Dieses ist entgegen der Erwartungen der Mädchen, der Inbegriff einer fertigen Mittdreißigerin ohne Partner, mit miesen Job und Angstzuständen. Kein Wunder, dass beide Seiten erstmal eine ganze Menge Fragen haben. Trotz anfänglicher Skepsis schließt sich das seltsame Team zusammen um gemeinsam nach der vermissten Freundin zu suchen. Die aber ohnehin schon verwirrende Situation wird für alle nur noch irritierender, als plötzlich eine Art Klon der jüngeren Erin erscheint und mit ihr nicht weniger als Hochhaus-große Bärtierchen, die sich einen Kampf ganz im Stile eines Godzilla/King Kong/Jedes japanischen Monsterfilms liefern und damit die Umgebung in Schutt und Asche legen.

Klingt überdreht und ist es auch. Trotzdem schafft es Vaughn die Handlung extrem flüssig und kohärent zu gestalten. Bei all den eingeführten Elementen keine Selbstverständlichkeit und doch wie spielerisch umgesetzt. Daher ist der schon bei der letzten Rezension angeführte Vergleich mit einer guten, sowie modernen TV-Serie erneut angebracht. So detailverliebt und gleichzeitig frei beim Umgang mit popkulturellen Referenzen und Sozialkritik sieht man nur wenige Comic-Publikation auf dem Markt und noch viel weniger, die eine solch hohe Qualität über einen längeren Zeitraum halten können. In diesem Sinne habe ich fast schon Angst vor einem Finale wie bei LOST, welches gefühlt die ganzen sechs Staffeln zunichte gemacht hat. Bis jetzt besteht aber kein Grund zur Sorge, da von der ersten bis zur letzten Seiten Unterhaltung auf einem Niveau geboten wird, das seinesgleichen sucht.

Auch visuell bleibt die Latte oben liegen. Cliff Chiang ist mit seinem Stil nicht einfach nur der Handwerker, der Vaughns Geschichte Leben einhaucht, sondern mit seiner Arbeit einen mindestens gleichwertig wichtigen Teil zur Atmosphäre beiträgt und mit dem Koloristen Matt Wilson an seiner Seite ein Produkt erschafft, auf das Comic-Fans noch in Jahren zurückblicken werden.

Man kommt nicht umhin, zu sagen, dass es sich auch bei Paper Girls – Band 2 um einen Pflichtkauf handelt. Ich verspreche euch, dass ihr es bitter bereuen werdet, wenn die Hardcover-Ausgabe vergriffen ist! Also nichts wie hin in den nächsten Comicladen, mit dem Kauf die Szene unterstützen und sich selbst ein Geschenk bereiten, zu welchem man immer wieder gerne greifen möchte.

Spider-Man: Erstaunliche Abenteuer – Die Spider-Man Anthologie

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Inzwischen kann ich glaub ich nicht mehr mitzählen, wie viele Bände Panini Comics neu aufgelegt hat, um entweder eine bestimmte Ära oder die gesamte Entwicklung eines Charakters nachzuzeichnen. So finden wir neben den Marvel Klassikern auch zahlreiche Anthologien, die sich zwar in der DCSparte öfter lokalisieren lassen, der aber mit Deadpool auch in der Heimat der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft ein Einstand gelungen ist.

Nun ist eben Spider-Man an der Reihe, dessen ikonenhafte Stellung zum einen keine andere Wahl zulässt, als seine Abenteuer Revue passieren zu lassen und zum anderen mit dem neuesten Kino-Hit Spider-Man: Homecoming eine perfekte Gelegenheit gekommen ist, eine neue Generation an Fans an die Figur heranzuführen. Mit Spider-Man: Erstaunliche Abenteuer – Die Spider-Man Anthologie verzichtet der Verlag dabei glücklicherweise auf einen unnötigen Aufguss von alten Geschichten, die nur aufgrund ihres Alters repräsentativ für ein Jahrzehnt sind, sondern bietet primär neuen Lesern einschneidende Storys, die das Franchise real vorangetrieben haben und zeitgleich einen guten Überblick bezüglich des veränderten Erzählstils und der verschiedenen Zeichner verschaffen.

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©Panini Comics

Wie zu erwarten, beginnt die Sammlung mit Spideys erstem Auftritt in Amazing Fantasy #15 aus dem Jahre 1962 und bewegt sich in schnellen Schritten durch die Jahrzehnte bis in die Gegenwart. Dabei gibt es einen Rundumschlag in Sachen „legendäre Gegenspieler“. Gleich in Amazing Spider-Man #2 gibt es eine erste Begegnung mit dem Geier, dessen Neu-Interpretation aktuell die Kino-Leinwände unsicher macht. Nicht fehlen dürfen auch Feinde wie der grüne Kobold, der Vampir Morbius oder Venom, die allesamt im klassischen Look über die Seiten wüten und dabei ein wohlig nostalgisches Gefühl nach sich ziehen.

Auch bezüglich Ereignisse, die die Welt von Peter Parker aka Spider-Man nachhaltig auf den Kopf stellten, wird geklotzt. So finden wir Spideys Abkehr vom Superhelden-Geschäft und allem was damit zusammenhängt, die Hefte, in denen er mit sechs Armen seinem Namensvetter noch ähnlicher wird oder die Hochzeit mit seiner Langzeit-Liebe Mary-Jane.

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©Panini Comics

Eine besondere Perle, deren Veröffentlichung in dem Band mich besonders freut, ist die Geschichte „Das lange Gespräch„, welche nur aus einem Dialog zwischen Peter und seiner Tante May besteht, die sein Geheimnis herausgefunden hat. Eine Erzählung, die einfühlsam, emotional und erstaunlich reif daher kommt und damit gleichzeitig unter Beweis stellt, dass Figuren wie Spider-Man auch ohne Action funktionieren und ihre über Dekaden anhaltende Popularität auf einer soliden Basis und keinem Trend beruht.

In diesem Sinne schließt sich auch der Kreis dieses „Best-Of„, welches sich zwar wie schon erwähnt primär an Einsteiger richtet, aber durchaus eine Investition für Fans sein kann, wenn sie die erwähnten Hefte nicht schon längst im Regal stehen haben. Ich für meinen Teil war von der Zusammenstellung positiv überrascht und habe mich neben den eigentlichen Geschichten, auch über die einleitenden Worte gefreut, die jeder Story voraus gehen und diese entsprechend historisch als auch erzählerisch einordnen. Daher kann ich als jemand, der solchen Kollektionen eher skeptisch gegenüber steht, auch ohne schlechtes Gewissen eine klare Empfehlung aussprechen.

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Mark Millar Collection (Bd. 3) – Kick-Ass: Runde 1

 

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Wer wollte nicht schon immer mal ein Superheld sein? Genau diese Frage stellte sich wohl Comic-Wunderkind und Erfolgsautor Mark Millar, als er die Idee zu Kick-Ass entwarf und zwischen 2008 und 2009 auf die Welt losließ. Was danach geschah ist vermutlich schon allgemein bekannt: Hollywood klopfte an, das Franchise explodierte, zog mehrere Fortsetzungen nach sich und etablierte sich endgültig im Bereich der Popkultur.

Warum ich darüber gut 8 Jahre später schreibe? Weil Mark Millar sich über die Zeit hinweg einen solch unumstößlichen Status als Genie der Branche erarbeitet hat, dass sich Panini Comics kurzerhand entschlossen hat eine eigene Reihe mit seinem Gesamtwerk im edlen Hardcover-Format heraus zu bringen. Nachdem WANTED und Wolverine – Staatsfeind die Regale der Comicshops als Neuauflage erobert haben, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Kick-Ass sich in all seiner Pracht hinzugesellen würde.

Hier hat sich Millar nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem nicht minder legendären John Romita Jr. (am eben erwähnten Wolverine-Band) erneut dazu entschlossen den Zeichner mit an Bord zu holen und das überragende Ergebnis spricht für sich.

Aber lasst uns erstmal die Story begutachten, die die Comic-Gemeinde in beinharte Fans und Hater gespalten hat: Dave Lizevski stellt wohl so etwas wie den Prototypen des Typs dar, in dem sich die Leser solcher Geschichten schnell wiederfinden. Er ist ein Junge im Teenager-Alter, der von seinem alleinerziehenden Vater großgezogen wird, seine Freizeit mit Comics lesen verbringt und ein für ihn unerreichbares Mädchen aus seiner Klasse anhimmelt, für die er sogar den schwulen besten Freund mimt, nur um ihr nahe zu sein.

In Folge dieser vorgezogenen Midlife-Crisis möchte er seinem trostlosen Leben einen Sinn geben und was liegt da näher, als sich einen grünen Neopren-Anzug bei eBay zu besorgen und auf reale Vebrecherjagd zu gehen? Richtig. Wie zu erwarten geht sein erster Einsatz in den Straßen New Yorks ordentlich schief und die Quittung erfolgt durch einen ausgedehnten Krankenhausaufenthalt in Folge einer ordentlichen Tracht Prügel samt einem Frontalzusammenstoß mit einem Auto. Doch dadurch lässt sich unser Held nicht entmutigen und nimmt seine Patrouille in den düsteren Straßen der Ostküsten-Metropole wieder auf.

Natürlich dauert es nicht lange, bis die erste Konfrontation ins Haus steht. Diesmal ist Dave jedoch besser vorbereitet und zeigt keine Skrupel beim Einsatz seiner zwei Knüppel, die ihr Ziel primär im Gesicht ihrer Gegner suchen. Da wir uns in der Gegenwart befinden, dauert es auch nicht lange bis der Einsatz auf YouTube landet und Kick-Ass über Nacht zum Star einer wirren Szene aus Hobby-Superhelden avanciert. Solche Aktionen rufen wie zu erwarten auch Schurken auf den Plan, sowie weitere Vigilanten, die sich wie die von ihrem Vater trainierte Mindy McReady (ja, so heißt sie) aka Hit-Girl mit deutlich brachialeren  Mitteln eine Stimme verschafft. Letztere in der Folge sogar so erfolgreich, dass sie mit einer eigenen Geschichte bedacht wurde, die jedoch nicht in der vorliegenden Collection zu finden ist. Dafür können sich Fans über die Tatsache freuen, dass sich in diesem Band zusätzlich Kick-Ass 2 finden lässt, dass fast nahtlos an die Geschehnisse im Vorgänger anschließt.

Visuell spendiert uns John Romita Jr. die unverkennbar mit ihm assoziierte Kost, die Fans von seinen anderen Veröffentlichungen, wie The Amazing Spider-Man oder All-Star Batman zu genüge kennen sollten. Teils simpel, mit gelungenem Einsatz von Schraffur und mit einem extrem guten Gefühl für Bewegung und Dynamik scheint die Story wie für ihn geschaffen zu sein.

Nun könnte man denken, dass es sich bei der vorliegenden Geschichte um typische Superhelden-Kost mit einem leicht anderen Twist handelt, aber weit gefehlt. Die Spirale an physischer Gewaltdarstellungen wird hier so weit gedreht, wie es bei einem Comic, der sich noch verkaufen will, überhaupt möglich ist: Abgetrennte Gliedmaßen, Enthauptungen, Kopfschüsse, Folterszenen und alles was einem Sadisten in seinen feuchtesten Träumen einfallen könnte, findet hier Verwendung. Zusätzlich wird das Slasher-Szenario mit einer Vielzahl an popkulturellen Referenzen und Andeutungen auf Meta-Ebene aufgepeppt und in eine dem Zeitgeist entsprechend zynische Richtung gelenkt. Genau mit dieser Kombination scheinen einige Kritiker nicht umgehen zu können und schlucken das Ganze, als wäre es ein unnötiges Feigenblatt auf einer dünnen Erzählung.

Hierbei liegen sie genauso falsch, wie die nimmermüden Tarantino-Hasser, die nicht verstehen wollen, dass Gewalt, schwarzer Humor und die Durchdringung der vierten Wand Stilmittel sind, die nicht nur eine optionale Ergänzung, sondern ein wichtiger Teil bei der Kreation einer Atmosphäre sind, die in ihrer Kombination wohl näher an die rohe Realität rückt, als so manch leisetretender Feuilleton-Liebling.

Dabei kommen die Leser nicht nur Dank der verdammt guten Handlung auf ihre Kosten, sondern auch durch das schöne Bonusmaterial in Form eines Vorworts des Deadpool-Erfinders Rob Liefeld, einer Reihe von Variant-Covern und einem Nachwort des A-Team-Regisseurs Joe Carnahan, mit dessen Worten so ziemlich alles gesagt sein sollte, wenn man sich für die Anschaffung der Mark Millar Collection (Bd. 3) – Kick Ass: Runde 1 entschieden sollte:

So, der Appetit ist geweckt und die Hand geölt, also lehnt euch zurück und amüsiert euch, Leute. Was nun folgt, ist ein albtraumhafter, thermonuklearer Trip, den euch Mark Millar und John Romita Jr. in ihrer gemeinsamen geistigen Drogenküche gebrodelt haben. Viel Spaß…Sackratten!

ALIENS Classic Omnibus

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1979: Das Jahr in dem Ridley Scott der Welt ein Stück immerwährende Popkultur schenkte und mit dem Großmeister H.R. Giger Alpträume erschuf, die auch fast 40 Jahre später Relevanz haben. Natürlich spreche ich von der legendären ALIEN-Reihe, die zum einen bis heute auf der Kinoleinwand existiert und zum anderen auch andere, vor allem visuelle Medien, immer noch in Beschlag nimmt. Dazu zählen selbstverständlich Comics, die neben Filmen wohl die logischste Form darstellen, wenn es um die Vermittlung des visuellen Schreckens der Xenomorphe geht.

In ihrer minimalistischen Farbgebung und fast schon eleganten Formen liegt es nahe, dass sie in einer schwarz-weißen Umgebung um einiges bedrohlicher wirken, als in „klassisch bunten“ Bildchen. Diesen Gedanken fassten wohl auch vor 10 Jahren die Leute von Cross Cult um die „nur“ getuschten Versionen großartiger Geschichten unters Volk zu bringen, die allesamt während der 90er ihren ursprünglichen Release feierten. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, welcher Zeitgeist in Popkultur und Medien herrschte und dabei natürlich Comics nicht außen vor ließ.

2007 und 2008 noch in drei Teilen veröffentlicht, beschenkt uns der Verlag diesmal mit einem Omnibus in Übergröße und Limitierung auf 999 Stück. Dieses edel designte Buch, dass wohl den Schrank eines jeden Minimalisten Platz finden würde, ist hierbei nicht nur eine schöne Ergänzung für Fans des kultigen Franchise, sondern auch für Kenner der Comic-Szene ein Must-Have. Hier gibt sich nämlich das „Who-is-Who“ der Zeichner und Autoren die Klinke in die Hand und beglückt damit das Nerd-Herz.

Man kann getrost von Legenden sprechen, wenn Leute wie Mike Mignola (Hellboy), David Lloyd (V for Vendetta), Eduardo Risso (100 Bullets), Kelley Jones (Sandman) oder Richard Corben (Underground-Veteran) den Zeichenstift schwingen und dabei mit ihren Trademarks nicht hinterm Berg halten. Jede, der von ihnen realisierten Storys bekommt den Stempel verpasst, der sie wiederum sofort an ihren Schöpfer bindet. Daher ermüdet das Auge bei der 500 Seiten starken Lektüre nicht so schnell, wie man bei ihrem Design zunächst denken könnte. Man entdeckt dadurch sogar einzelne Aspekte, die bei einer „Farbkur“ wohl untergegangen wären.

Inhaltlich gibt es bezüglich der Geschichten natürlich auch genug zu entdecken. Mal finden wir uns in einem bitterernsten Szenario wieder, dass an die bedrückende Atmosphäre der Filme erinnert, mal klingt so etwas wie zynischer Humor durch die Panels, um dann in vollkommen übertriebenem Splatter aufzugehen. Damit wird jede Spielart des Horrors bedient und genau solche Attribute erwartet man, wenn man zu einer Veröffentlichung dieser Art greift. Beim Kauf des ALIENS Classic Omnibus findet der Leser die Essenz der Reihe, die ohne zu übertreiben in jedes Regal eines Fans gehört, wenn dieser sich selbst für einen hält.

Spawn Origins Collection – Band 9

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Auf diesen Band der Spawn Origins Collection habe ich mich schon seit der ersten Ausgabe gefreut und wurde nicht enttäuscht. Zunächst war noch nicht wirklich klar, ob Panini Comics Deutschland den Alleingang wagen und die hiesige Fassung der Spawn-Historie auf eigene Faust fortführen würde. Nun ist es aber endlich soweit und die Fortsetzung, die sogar einen persönliche Bedeutung für mich hat, kann im Comic-Shop eures Vertrauens abgeholt oder zu euch nach Hause geliefert werden.

Der Grund, warum dieser Band einen persönlichen Touch für mich hat, liegt schon verdammt lange zurück, denn mein erster Kontakt zu dem wohl erfolgreichsten Antihelden der Comic-Geschichte ist schon ganze 15 Jahre her! Damals fiel mir das deutsche Heft mit der Nummer 52 in die Hände und läutete damit eine bis heute andauernde Leidenschaft für Todd McFarlanes Kreation ein.

Schon damals stach mir der extrem detaillierte Zeichenstil von Angel Medina ins Auge, der zwar auf seinen Vorgängern Greg Capullo und eben McFarlane basiert, aber in seiner Extreme in Bezug auf Einzelheiten und Dramaturgie noch einen drauf setzt. Jeder Blutspritzer, jede Falte und jedes noch so kleine Staubkorn kommen in den überbrodelnden Panels zum Vorschein und fesseln den Leser bis zur letzten Seite.

Mit Band 9, in dem auch das eben erwähnte Heft zu finden ist, wird die Ära Medina gebührlich mit drei Kurzgeschichten eingeleitet, die in ihrem bitteren Zynismus sofort die Essenz der Hauptfigur zu transportieren weiß und dabei eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass Spawn nicht nur in den Gassen New Yorks oder übernatürlichen Umgebungen funktioniert, sondern auch im klassisch anmutenden Horrorambiente (gruselige kleine Kinder), sowie echten Alpträumen (Konzentrationslager) einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen kann.

Dem schließt sich die reguläre Geschichte des Hellspawns an, welcher nach dem Sieg über Malebolgia seine Wut auf alte Erzfeinde konzentriert, die in Form des altbekannten Jason Wynn, sowie des noch nie in solcher Pracht dargestellten Overtkill daherkommen. Ungebunden und mit neuer Macht ausgestattet, dauert es nicht lange, bis der wandelnde Tote sich siegreich vom Schlachtfeld entfernt.

Doch schon kurz darauf merkt Spawn erneut, dass die Kategorien „gut“ und „böse“ in seiner Welt nicht ausreichen, als die scheinbar religiöse Sekte das Himmelreich über New York herfällt und dabei sogar den ältesten Sohn von Detective Twitch fast ins Verderben reißt…

Man kann durchaus sagen, dass sich die Figur und mit ihr zwangsläufig die Reihe kontinuierlich positiv entwickelt hat und mit dem hier präsentierten Band einen erzählerischen Höhepunkt an die Leserschaft heranträgt. Wie schon oft bei anderen Rezensionen von mir angemerkt wurde, kränkelten Serien der 90er fast durchgehend an vollkommen übertriebenem Pathos und damit einhergehend peinlichen Dialogen und Handlungssträngen. Spawn bildete zwar diesbezüglich keine wirkliche Ausnahme, aber durch die generelle Zuspitzung von Gewalt und sensiblen Themen, fiel es nicht ganz so sehr ins Gewicht, wie bei Batman und Co..

Mit der Überschreitung der Jahrtausendwende zog die Ernsthaftigkeit und neu entdeckte Selbstreflexion ins Medium Comic ein und zeigte, dass die Macher mit mehr Finesse an Projekte herangehen konnten, ohne bisherige Leser vor den Kopf zu stoßen. Natürlich gehört eine Art „trashiger“ Charakter zu blutgetränkten Reihen, aber diesmal muss einem nicht stellvertretend die Schamesröte ins Gesicht steigen. Da ich auch spätere Hefte mein Eigen nennen darf, kann ich schon mal voraus schicken, dass die ohnehin schon zu diesem Zeitpunkt hohe handwerkliche und erzählerische Qualität  gesteigert wird und man sich ohne Zweifel auf den hoffentlich schon geplanten Band 10 der Spawn Origins Collection freuen darf!

 

75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen

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Als ich im Jahr 2011 das Comicfestival München besucht habe, war ich schon ein großer Fan der dort präsentierten Kunstform. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber leider noch kaum mit der Szene vernetzt, geschweige denn über den Output der relevanten Verlage informiert.

Dazu gehört aufgrund von entsprechenden Releases natürlich auch der TASCHEN-Verlag, der mir das erste Mal auf der eben erwähnten Veranstaltung durch den damals frisch auf den Markt geworfenen Band 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen aufgefallen ist. Zu übersehen war das Werk auf jeden Fall nicht. In den typisch gigantischen Maßen (nur die SUMO-Ausgaben sind größer) und leuchtenden Farben zog es mich in seinen Bann und wäre ich nicht noch Schüler mit entsprechend geringem Einkommen gewesen, hätte ich mir schon damals dieses Buch zugelegt.

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Neben den offensichtlich quantitativen Merkmalen, war schon damals bekannt, welch unvergleichlicher Inhalt mit diesem Prachtband geliefert wird. Nicht umsonst wurde dieser im selben Jahr mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award als bestes Buch mit Comic-Bezug ausgezeichnet. So ging ich auf die Suche nach einer gebrauchten Version, um auch in den Genuss dieses Must-Haves zu kommen, ohne gefühlt mein halbes Konto plündern zu müssen und fand schlussendlich eine reduzierte Fassung, die seitdem ein prominenten Platz in meinem Bücherschrank für sich eingenommen hat. Jahre später können neue Fans und diejenigen, die sich die XXL-Fassung nicht leisten konnten, endlich aufatmen und sich für nur ein Drittel des ursprünglichen Preises, eine bezüglich der Größe kleinere aber inhaltlich identische Version von 75 Jahre DC Comics besorgen.

Falls es tatsächlich jemanden geben sollte, an dem dieses Juwel zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung vorbei gegangen sein sollte, möchte ich im Detail darauf eingehen, was den Käufer erwartet:

Auf stolzen 720 Seiten präsentiert uns der Herausgeber Paul Levitz, seines Zeichens ehemaliger Geschäftsleiter des legendären DC-Verlags, sowohl die Geschichte des im Titel prangenden Hauses, als auch die inhaltliche Ausrichtung einzelner Reihen im Laufe von fast acht Dekaden. In dieser Zeit begegnen uns mehr als hundert Mitarbeiter, die sich in den verschiedensten Arbeitsbereichen des Unternehmens eingebracht und dabei unzählige Charaktere erarbeitet haben, die zum großen Teil noch heute fester Bestandteil der Popkultur sind.

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Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, teilt sich das Buch entsprechend der bekannten Zeitalter der Comic-Geschichte (Golden Age, Silver Age, etc.) in mehrere Kapitel ein, die für sich einen schönen Überblick zu den Ereignissen der jeweiligen Epoche bieten. Wie es sich für eine Veröffentlichung bezüglich dieses Themas gehört, wird mit den bunten Bildchen nicht gespart und der geneigte Leser damit fast (im positiven Sinne) erschlagen. Diesbezüglich handelt es sich nicht nur um die Cover der wichtigsten Geschichten des Verlags, sondern auch um Schätze für Kenner, Ausflüge in bestimmte Subgenres des Mediums und zahlreiche Archiv-Fotos, die teils zum ersten Mal und exklusiv Eingang in ein Buch fanden.

Wem das nicht reicht, findet zusätzlich Passagen, die den Einfluss der DC-Releases auf die Popkultur beleuchten. In diesem Zusammenhang werden nicht nur offensichtliche Ereignisse wie die Adam West-Batman-Serie erwähnt, sondern auch moderne Verfilmungen, die insbesondere seit der Jahrtausendwende im Aufwind sind. Abgeschlossen wird der Band kurz vor Beginn der New 52-Reihe, die ohnehin einen nicht zu vergleichenden Einschnitt in das Kontinuum der uns bekannten Geschichten darstellt, welcher erst mit dem Rebirth-Reboot Rückgängig gemacht wurde.

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Sollten Leser darüber hinaus Interesse an der Geschichte des Verlags haben, aber der englischen Sprache nicht mächtig sein (in der standardmäßig bei TASCHEN veröffentlicht wird), gibt es ein schön übersetztes Beiheft, welches man sich nach der Bilderflut des Hauptbuches zu Gemüte führen kann.

Alles in allem stellt 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen nicht einfach nur eine gute Informationsquelle in Bezug auf die Historie eines der relevantesten Comic-Verlage aller Zeiten dar, sondern kann, ohne zu übertreiben, als Standardwerk bezeichnet werden, welches man sich ohne irgendwelche Zweifel ins Regal stellen kann. Insbesondere durch die nun günstige Neufassung des Werks, kann es eigentlich keine Ausreden mehr geben. Also nichts wie hin zum nächsten Comic-Shop oder Bücherladen und ab in den Einkaufswagen damit!