[Rezension] Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe (TASCHEN Verlag)

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Wenn man die Deutschen nach ihrem Traumland befragen würde, wäre die überwiegend häufigste Antwort wohl Italien. Wie bei so vielen Reisezielen, ist dabei jedoch die idealisierte Vorstellung das erste Bild, dass einem in den Sinn kommt und nicht die Realität, die häufig so schnöde ist, wie das eigene Zuhause. Doch warum haben sich bei uns gewisse Klischees über Land und Leute eingebrannt, selbst wenn wir persönlich vielleicht nie vor Ort gewesen sind?

Die simple Antwort lautet: Postkarten und Abbildungen, die nichts anderes tun sollten, als eben dieses bis heute omnipräsente Gefühl einzufangen, dass man mit den dargestellten Ländern verbindet. Genaugenommen reden wir von Photochromdrucken, die Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden und dem Betrachter die Illusion der Realität in Form von Farbfotografien zu präsentieren. Eigentlich handelt es sich dabei um durch spezielle Techniken eingefärbte Schwarzweiß-Negative, die abhängig vom Können der Ersteller, abstrakter oder greifbarer wirken können. Die Klischees, die wir uns in dem Kontext einprägen, entstehen dadurch, dass die Bilder Momente aufgreifen, die zumindest oberflächlich eine Unschuld in sich tragen, die sie nur wenige Jahrzehnte später durch die beiden Weltkriege verlieren sollten. Natürlich gab es auch vor dem Umbruch des 20. Jahrhunderts Konflikte, soziale Spannungen und Ängste, doch diese sind weder im kollektiven Gedächtnis präsent, noch stößt man auf sie bei der Betrachtung der genannten Bilder.

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Venedig, Canal Grande mit Rialtobrücke; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Genaugenommen glänzen Photochrome oft (aber nicht immer) durch die Abwesenheit von Menschen und einen Fokus auf die Umgebung. Dadurch erscheinen uns geläufige Plätze plötzlich idyllisch, während sie heutzutage von Touristen überrannt werden. So sah man es schon in den TASCHEN-Veröffentlichungen „Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe“ und „An American Odyssey„, die das beschriebene Konzept genauso in sich trugen, wie der neueste Release „Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe„. Hier trug der Sammler Marc Walter die schönsten Darstellungen von den Alpen bis Sizilien zusammen, die im XL-Format nur als opulent zu bezeichnen sind.

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Gardone Riviera am Gardasee, um 1900; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Wenn man es genau nimmt, handelt es sich um eine Art Bilderbuch, dass die Version eines Landes zeigen möchte, dass es in diesem makellosen Zustand wohl nie gegeben hat, aber Sehnsüchte weckt, den fast schon spürbaren Flair von Markusplatz und Gardasee persönlich zu erleben. Wie in einer Filmkulisse bewegt man sich als Zuschauer zwischen Händlern, ikonischen Bauwerken und leergefegten Straßen, die komprimiert die Essenz der sogenannten „Belle Époque“ repräsentieren. Die Moderne scheint noch weit entfernt und nur in ihren Anfängen erkennbar, während Tradition und Folklore ein Idealbild zeichnen, dass sich aus Marktgassen, Zitronenhainen und verträumten Panorama-Aufnahmen speist. Im Endeffekt genau das Italien, von dem Goethe schwärmte und damit die Deutschen mit seiner Lust an dem Sehnsuchtsort im Süden ansteckte.

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Turin, Piazza Vittorio Emanuele I; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Diesem Gefühl kann man nun auch als Leser des Prachtbands mit einem Glas Wein und genügend Platz auf dem Tisch (der Band kommt im typischen TASCHEN-XL-Format) nachgeben und sich in längst vergangene Zeiten entführen lassen.

Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe*
Verlag: TASCHEN
Herausgeber: Marc Walter, Sabine Arqué
Autor: Giovanni Fanelli
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch 
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm
Seitenzahl: 580
Preis: 150 EUR
*Affiliate Link

[Comic Review] Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights – Spider-Man (Panini Comics)

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Fleißige Leser meines Blogs und Fans des Tausendsassas Mark Millar werden sich bei der folgenden Rezension vermutlich kaum über die Interpretation von Spider-Man in dem neuesten Band der „Mark Millar Collection“ wundern, doch auch in der achten Ausgabe der Reihe, die den Schotten ehren soll, gibt es mehr als genug überraschende Elemente, die eine genauere Betrachtung verdienen.

So kann man sagen, dass der Rahmen der Geschichte eigentlich alles beinhaltet, was man sich von einem klassischen Auftritt des Wandkrabblers wünschen könnte. Peter Parker ist so gut wie pleite, die Beziehung zu Mary Jane durch sein Alter Ego unter keinem guten Stern und die Sorgen um Tante May quasi omnipräsent. Auch das Design der Figuren bleibt den ikonischen Mustern treu, die bis heute dafür sorgen, dass Fans Helden und Antagonisten sofort benennen können.

Der (in meinen Augen) angenehme Bruch mit Gewohnheiten erfolgt durch die Tatsache, dass die Geschichte ursprünglich im „Marvel Knights„-Imprint erschienen ist, der sich explizit an ein erwachseneres Publikum richtete und in dem Zuge den beteiligten Künstlern Freiheiten ließ, die sie bei einem normalen Run niemals genoßen hätten. Unter anderem erschienen neben der vorliegenden Story auch „Punisher“ von Garth Ennis, „Daredevil“ von Kevin Smith oder auch „Black Panther“ von Christopher Priest. Wie man an den Namen erkennen kann, sind all diese Herren nicht unbedingt für sanfte Handlungsstränge bekannt und auch Mark Millars Geschichte stellt keine Ausnahme dar, denn die vorliegende Erzählung ist härter, krasser und brutaler als so gut wie alles, was ihr zuvor mit Spidey im Programm gesehen habt und dabei nicht Deadpool beinhaltete.

Und wenn man mit dem Humor und den Zutaten Millars vertraut ist, erkennt man diese in den ständigen Grenzüberschreitungen wieder, die das Ganze zu so einem Lesevergnügen machen. So strotzen die Seiten nur vor selbstreferentiellen Verweisen und wenig subtiler Kritik an typischen Superhelden-Geschichten. Zum Beispiel kann man nicht anders, als laut aufzulachen, wenn Spider-Man sich nicht weiter zu helfen weiß, um den Grünen Kobold aufzuhalten und daher zu einem Briefkasten greift und…naja…eine Gehirnerschütterung wäre zumindest eine optimistische Diagnose.

Auch die fein eingestreuten Kommentare von umstehenden Personen und namenlosen Nebencharakteren tragen zu einer angenehmen Würze bei, die man in regulären Storys um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schmerzlich vermisst, wenn man als erwachsener Leser eine spannende Geschichte lesen möchte, aber auf die unschuldigen Aspekte gut verzichten kann. So wird gut und gern geflucht, sich über Charakterentwicklungen offen lustig gemacht und das ganze Genre genüßlich durch den Kakao gezogen, ohne respektlos vor der Materie zu erscheinen. Im Endeffekt genau die richtige Balance um alte Leser, die etwas Zynismus brauchen, zu bedienen, als auch Neueinsteiger zu überzeugen, die Comics immer noch als Kinderkram begreifen. In diesem Sinne ist es schade, dass Marvel diese Reihe seit einigen Jahren ruhen lässt, während DC Comics nun zum ersten Mal mit ihrem „Black Label“ versucht einen Fuß in die Tür einer (vordergründig) neuen Zielgruppe zu kriegen.

Daher ist weniger die erzählte Geschichte das revolutionäre an diesem Sammelband (der im Übrigen zum ersten Mal die Handlung an einem Stück auf deutsch beinhaltet), sondern mehr die Erzählweise und der spürbare Spaß an der Provokation. Denn eine Entführung von Tante May und die Bedrohung von Mary Jane durch eine Vielzahl an klassischen Bösewichten und Auftritte der X-Men und Avengers sind in dem Sinne nichts neues, der Umgang der Protagonisten mit der gegebenen Situation jedoch sehr wohl. Daher ist der Fortgang der Geschichte auch alles andere als vorhersehbar und damit eine spannende Lektüre, die ihre Stärke aus dem schon erwähnten Verzicht auf Konventionen und zeitgleicher Rückbesinnung auf geliebte Elemente zieht. Ein ungewöhnlicher Cocktail, der jedoch blendend funktioniert!

Auch visuell kommt man auf seine Kosten, da man Terry und Rachel Dodsons (Spider-Man/Black Cat, Harley Quinn), sowie Frank Chos (Hulk) gemeinsames Werk hier an einem Stück genießen kann. Dabei schaffen sie den Spagat zwischen realistisch, überspitzt und sexy zu schlagen, ohne dabei in Klischees zu verfallen, die der Geschichte nicht zuträglich wären. Es ist eben genau die beschriebene Mischung, die einem als Leser die Sicherheit gibt, einen Superhelden-Comic vor sich zu haben, aber zeitgleich das Augenzwinkern zu erkennen, dass das „Millar„-Feeling perfekt zu transportieren weiß.

Und wem das nicht reicht, der sollte sich in Erinnerung rufen, dass es sich um einen Band der „Mark Millar Collection“ handelt und dementsprechend einiges mehr zu finden  ist, als nur die beschriebene Geschichte. Unter anderem dürfen sich Leser über einen schönen Bonusteil mit Skizzen aus dem Entstehungsprozess, sowie ein launiges Vorwort von niemand geringerem als Stan Lee persönlich freuen!

In diesem Sinne ist dieser Band der Reihe nicht nur eine Empfehlung für Sammler und Fans des Millar-Outputs, sondern explizit auch für Leser der regulären Spidey-Geschichten, denn wenn ihr die ursprüngliche Heftreihe nicht besitzt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ihr diese großartige Story schon mal gelesen habt. Daher nichts wie los zum Comic-Shop eures Vertrauens!

Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights - Spider-Man 
Verlag: Panini Comics 
Erscheint am: 23.10.2018 
Autor: Mark Millar
Zeichner: Terry Dodson, Rachel Dodson (nur Tusche), Frank Cho
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 316
Preis: 39 EUR

[Comic Review] Venom: Dark Origins (Panini Comics)

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Kaum kommt ein neuer Film in die Kinos, der eine Figur aus dem Marvel-Universum zum Thema hat, darf man sicher davon ausgehen, dass zeitgleich ein ganzer Haufen an Neuauflagen in die Läden gespült wird. Wie man an Venom sieht, macht dieses Konzept auch vor Antihelden nicht halt und beschert uns neben den wahrlich „klassischen“ Auftritten des Symbionten mit Aggressionsproblemen, auch eine modernere Geschichte wie „Dark Origin“ von Autor Zeb Wells und Zeichner Angel Medina. Insbesondere der zweite Name hat mich aufhorchen lassen, da ich mit dem Künstler die „Spawn„-Reihe entdeckt habe, die mir eine dunklere Ecke des Mediums Comic eröffnet hat. Wenn man nun bedenkt, dass sein Stil sich sehr eindeutig an Todd McFarlane orientiert, der als Co-Erfinder von Venom gilt, dann darf man sich durchaus auf gewaltiges Bildmaterial einstellen.

Inhaltlich nimmt der Titel schon die Basis der Geschichte voraus. Wir sehen nämlich eine klassische Ursprungs-Geschichte, die aber erstmals schon in der Kindheit des Hauptprotagonisten ansetzt und dem Leser gleich vor Augen führt, dass Eddie Brock, der spätere Wirt des Alien-Symbionten, schon sehr früh seine, sagen wir mal „besondere“ Art entwickelt hat. Das sind vor allem die Momente, in denen die subtilen Horror-Elementen aus Medinas Feder besonders zur Geltung kommen und der Wells-Geschichte einen für Marvel-Verhältnisse ungewöhnlichen Spin geben. Nicht nur einmal hat man das Gefühl, dass jeden Moment etwas unsagbar verstörendes passieren wird.

Das zieht sich auch bis ins Erwachsenenalter von Eddie, der gefühlt jeden Aspekt seines Lebens auf Lügen aufbaut und dabei fast durchgehend am Abgrund entlang balanciert. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen seinem Privat- und Berufsleben, denn seine Sucht nach Anerkennung, die man auch in Spider-Man-Heften zu Genüge sehen konnte, kennt nur ein Ziel, für dessen Erreichung ihm jedes Mittel recht zu sein scheint.

So stößt er als Laufbursche einer Zeitungsredaktion zufällig auf einen Mann, der sich als gesuchter Serienkiller ausgibt. Brock nutzt diese Chance, um selbst als Reporter aktiv werden zu können und schlachtet die Geschichte schamlos aus, ohne die Opfer der Morde nur einen Moment in sein Blickfeld zu rücken. Nur dumm, dass sich die Story doch etwas anders darstellt, als er sich das Ganze vorgestellt hat. Dabei gibt er niemand geringerem als der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft die Schuld an seiner neuen Misere, die den Verlust seiner fast gesamten Existenz mit einschließt. Und so wie es der Zufall will, ist am untersten Ende seines Seins  der Symbiont zur Stelle, um aus seinem Hass auf die Welt und sich selbst die Kraft zu schöpfen, die es braucht, um sich an der Welt und an all denen zu rächen, die in seinen Augen für seine Situation verantwortlich sind…

Dieser Aufbau macht die Geschichte im Allgemeinen sicherlich nicht zu etwas, dass als zukünftiger Klassiker durchgeht, aber der Unterhaltungswert bleibt konstant so hoch, dass man einer Achterbahnfahrt gleich, von der ersten bis zur letzten Seite am Band klebt und sich an den meisterhaft gestalteten Panels von Medina ergötzt. Deswegen ärgere ich mich umso mehr, mir bei Release nicht die Hardcover-Version von „Dark Origin“ geholt zu haben, die sich auch als Hingucker in meinem Regal gemacht hätte. In der Kombination mit dem mehr als fairen Preis von 12,99€ für eine in sich abgeschlossene Geschichte, kann ich den Band daher jedem Neueinsteiger, langjährigen Fan und denen, die es nach einem Besuch des passenden Filmes werden, von ganzem Herzen empfehlen.

Venom: Dark Origin 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 04.09.2018 
Autor: Zeb Wells 
Zeichner: Angel Medina 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 142 
Preis: 12,99 EUR

Batman vs. Aliens

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Crossover sind so eine Sache. Einerseits führen sie manchmal zu interessanten Paarungen, die sich Fans und Kritiker schon lange wünschen, aber mindestens genauso oft ist die Idee aus einer Lizenz schnell Geld zu machen fast schon greifbar. Das ist meistens der Fall, wenn man aus einer Zusammenarbeit nicht richtig schlau wird. Ein Beispiel findet man unter anderem beim neuesten Sammelband von Panini Comics mit dem inhaltlich vorausgreifenden Titel „Batman vs. Aliens„, der in den USA aus der Kooperation zwischen Dark Horse und DC entstanden ist.

Wie man als langjähriger Comic-Fan richtig vermutet, handelt es sich nicht um aktuelle Story-Lines, die im Windschatten der Neuverfilmungen entstanden sind, sondern um typische 90er- und 2000er Werke, die mit genau den Elementen hantieren, die man erwarten würde. Die erste Geschichte „Batman/Aliens“ stammt aus dem Jahr 1997 und sollte ziemlich offensichtlich vom damals neuen Streifen „Alien – Die Wiedergeburt“ profitieren. Das merkt man der von Ron Marz und Bernie Wrigthson erstellen Mini-Serie vor allem durch die hanebüchene und im Umkehrschluss wohl hastig erstellte Handlung an. So verschlägt es den dunklen Ritter in einen südamerikanischen Dschungel, wo er auf eine Söldnertruppe trifft, mit der er nach einem verschwundenen Mitarbeiter von Wayne Enterprises sucht.

Dort trifft Batman dann, wie man sich schon denken kann, auf die alptraumhaften Wesen von H.R. Giger, die aufgrund der Farbgebung aber leider nicht so furchteinflößend schwarz, sondern eher bräunlich wirken und damit etwas an mutierte Insekten erinnern. Trotzdem kommt Laune auf, wenn cheesy Dialoge aneinandergereiht werden und man sich an trashige B-Movies erinnert fühlt, die man gerne mit einem kühlen Bier und Freunden genießt. Daher kann man nicht wirklich von „Horror“, als mehr von einem kurzweiligen Action-Abenteuer sprechen.

Die Fortsetzung „Batman/Aliens II“ (2002/2003) von Ian Edginton und Staz Johnson versetzt die Aliens dann direkt nach Gotham City und damit in Batmans Revier. Die Story selbst ist etwas an den Haaren herbeigezogen, bleibt damit aber dem ungelenken Charme des Vorgängers treu. So bringt ein Wissenschaftler einige Alien-Eier nach Gotham, diese werden bei Bauarbeiten entdeckt und es kommt wie es kommen musste.

In der abschließenden Geschichte „Superman & Batman vs. Aliens & Predator“ (2007) von Autor Mark Schultz und Zeichner Ariel Olivetti finden wir die genannten Charaktere auf den Weg zu einem Vulkan wieder, der jederzeit ausbrechen kann. Genaugenommen stoßen Supes und Bats mit ein paar Bergsteigern dort auf eine Gruppe Predators, die bereit sind alles zu jagen, was sich bewegt. Damit der Titel dieser Story auch wirklich stimmt, finden unsere Helden natürlich auch Aliens vor Ort und der zunächst ungleich erscheinende Kampf kann beginnen.

Visuell sticht die abschließende Serie besonders heraus, da sie in einem plastischeren, sowie bunteren Stil gehalten ist und damit deutlich moderner rüber kommt, als die Geschichten zuvor, denen man den Zeitraum ihrer Entstehung deutlich ansieht. Dadurch verliert sich das erwähnte B-Movie-Feeling ein wenig, ändert aber nichts am kurzweiligen Spaß, den die Lektüre unter Garantie bietet.

Alles in allem kann man daher sagen, dass sich die Anschaffung von „Batman vs. Aliens“ durchaus für Fans der letzteren Charaktere lohnt, während Batman-Jünger eher noch einen Blick hineinwerfen sollten, bevor sie sich für den Kauf entscheiden. Wobei man bei üppigen 364 Seiten für 32 EUR auch bei einem Blindkauf nicht meckern kann. Ich für meinen Teil wurde ganz gut unterhalten, kann aber nur jedem empfehlen sich ein eigenes Bild, auf Basis der jeweiligen Erwartungen zu machen.

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Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 08.05.2018 
Autoren: Ron Marz, Ian Edginton, Mark Schultz          
Zeichner: Bernie Wrightson, Staz Johnson, Ariel Olivetti
Format: Softcover 
Seitenzahl: 364
Preis: 32 EUR

 

 

 

 

 

 

 

 

Pieter Bruegel. Das vollständige Werk

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Der niederländische Maler Pieter Bruegel der Ältere (1525/1530-1569) ist vielleicht nicht jedem Laien ein Begriff, aber seine Werke sind derart präsent, dass man früher oder später auf einige der 39 Gemälde, 65 Zeichnungen oder 89 Radierungen stößt. Insbesondere „Die Bauernhochzeit“ oder „Jäger im Schnee“ haben im Laufe der Jahrhunderte einen ikonischen Status erreicht, der sogar bis in die abwegigsten Winkel des Internets strahlt, wo sie als sogenannte Memes einer eher untypischen Zielgruppe präsentiert werden. Das liegt vor allem an dem oftmals überzeichneten Stil, der dadurch nicht selten an eine Art Cartoon erinnert.

Trotzdem gab es bis dato tatsächlich noch keine monographische Ausstellung, um den Künstler zu ehren. Das wird nun aber 2019 in Wien zum 450. Todestag Bruegels nachgeholt, wenn im Kunsthistorischen Museum der Stadt sein Werk in all seiner Pracht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Der Kampf zwischen Fasching und Faste

Anlässlich dieses Ereignisses bringt der TASCHEN-Verlag nun, in einem dem Inhalt angemessenen XL-Format, das vollständige Werk des Malers auf den Markt. Der Band beginnt dabei, wie üblich für Veröffentlichungen dieser Art, mit einer ausführlichen Biographie des Mannes, dessen Lebenswerk auf den Folgeseiten ausgebreitet wird. Dabei stellt man schnell fest, dass leider nicht wirklich viel Handfestes über ihn bekannt ist. Zwar erschien schon Anfang des 17. Jahrhunderts eine Biografie, die nur unterstreicht, dass Bruegel schon zu Lebzeiten ein gefragter Künstler war, diese enthält aber, wie auch andere Berichte, primär nur Anekdoten, die ihn als zu derben Scherzen aufgelegten Zeitgenossen darstellen. So machte er sich zum Beispiel einen Spaß daraus, anderen Künstlern zotige Kleinigkeiten mit auf die Leinwand zu malen und sich darüber köstlich zu amüsieren.

Dem folgt auch schon der Tauchgang in seine berühmten „Wimmelbilder“, deren Details ihresgleichen suchen. Während man sich bei einer Komplettansicht, teilweise sogar zum ausklappen, schnell verliert, zeigen großformatige Bildausschnitte akribisch komponierte Darstellungen, die man zunächst glatt für ein eigens für sich stehendes Bild halten könnte. Wenn man sich die Arbeiten anschaut, könnte man darüber hinaus, wie die frühere Forschung, dem Trugschluss aufsitzen, dass der zunächst volkstümlich erscheinende Charakter seiner Darstellungen genau auf dieser Ebene stehen bleibt. Inzwischen ist man sich jedoch einig, dass es eher um eine Kaschierung der, bei näherer Betrachtung offen zutage tretenden, politischen und religiösen Ansichten des Künstlers handelt. Diese bemerkt man vor allem in den besonders harmlos erscheinenden Szenen seiner Bilder, die beim Eintreten der Erkenntnis um ihre reale Bedeutung, noch eindrucksvoller sind.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Bauerntanz (auch: Kirchweih)

Dabei ist es kein Wunder, dass Bruegel den Drang verspürte, sich in seiner Kunst als Reaktion auf die Ereignisse seiner Gegenwart auszudrücken. In seine Lebensjahre fallen nämlich unter anderem die Konfessionskriege, der damit zusammenhängende Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche, der Beginn der grausamen Herrschaft des Herzogs von Alba als Statthalter der Spanischen Niederlande und die Gräuel der Inquisition. Vor diesem Hintergrund entfalten die Darstellungen von Tugenden und Lastern, Bauernfesten, sowie Landschaftspanoramen eine ungemein intensive Wirkung, die sich in der subtilen Bildsprache des Malers wiederfindet. Genau deswegen ist es sogar recht erstaunlich, dass seine Zeitgenossen ihm seine Intention entweder nicht nachweisen konnten oder sie im Stillen teilten.

Im Zuge dieser Akzeptanz erarbeitete er sich schon zu Lebzeiten einen derart unumstößlichen Status innerhalb der Elite Antwerpens und Brüssels, dass er zwar primär als Auftragsmaler arbeitete, die Motive seiner Werke aber gänzlich in seiner eigenen Hand lagen und es schon im 16. Jahrhundert als schick galt, einen „echten Bruegel“ zu besitzen. In diesem Sinne war der Niederländer ein echter Star seiner Zeit, dessen Ruhm noch bis in die Gegenwart strahlt.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Jäger im Schnee

Deswegen wurden auch keine Mühen gescheut, um ihm ein gedrucktes Denkmal zu setzen, indem eine eigens für diese Monografie durchgeführte Fotokampagne einen so detaillierten Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers ermöglicht, wie man es nie zuvor erlebt hat. Um das Dargestellte dabei überhaupt korrekt in den Entstehungszeitraum einordnen zu können, wurden für die Begleittexte, wie bei Releases des TASCHEN-Verlags üblich, namhafte Experten herangezogen, um Bruegel dem Leser verständlich näher zu bringen. Zum einen Jürgen Müller, der den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Technischen Universität in Dresden inne hat und immer wieder Aufsätze und Bücher zu kunst- und filmgeschichtlichen Themen veröffentlicht. Wie aufmerksame Leser meines Blogs darüber hinaus richtig mitbekommen haben, ist er auch Herausgeber der Dekaden-Filmbuchreihe bei TASCHEN. Als zweiter Autor ist Thomas Schauerte dabei. Er leitet das Albrecht-Dürer-Haus, das Stadtmuseum und die Kunstsammlungen bei den Museen der Stadt Nürnberg. Er ist Grafik-Spezialist und hat Lehraufträge an den Universitäten Erlangen und Regensburg.

Bei dem gegebenen Inhalt und der Expertise der Macher ist es daher nicht vermessen zu sagen, dass es sich bei „Pieter Bruegel. Das vollständige Werk“ um nicht weniger als DAS Werk zu dem Künstler handelt, dass jeder interessierte Leser über kurz oder lang in seinem Regal stehen haben sollte. Bei der Größe und Aufmachung ist auch der Preis mehr als gerechtfertigt. Bei eventuellen Zweifeln sei ein Besuch des nächsten Buchladens zu empfehlen, um sich selbst ein Bild dieses großartigen Bandes zu machen.

Pieter Bruegel. Das vollständige Werk* 
Verlag: TASCHEN 
Autoren: Jürgen Müller, Thomas Schauerte 
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm 
Seitenzahl: 492 
Preis: 150 EUR
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Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt

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Wer schon einmal eine ältere Bibliothek von innen gesehen hat und sich selbst als leidenschaftlicher Leser bezeichnen würde, kennt das überwältigende Gefühl, dass sich beim ersten Blick auf meterhohe Schränke, gefüllt mit zahllosen Geschichten und Informationen einstellt. Eine Mischung aus Erstaunen, Ehrfurcht und Freude, die sich in dem stillen Raum in Ruhe ausbreitet und nur durch einen Griff in eines der Regale übertroffen werden kann.

Genau diesen Moment wollte wohl der italienische Fotograf Massimo Listri einfangen, als er beschloss, die in seinen Augen schönsten Bibliotheken der Welt, im gleichnamigen XL-Band vom TASCHEN-Verlag, für die Ewigkeit festzuhalten. Dabei ist der Begriff Bibliothek fast schon vermessen, wenn man all die Fresken, vergoldeten Regale, Statuen und jahrhundertealten Werke sieht, die mehr an eine Kathedrale als an etwa anderes erinnern. Auf der Reise, an der Listri den Leser teilhaben lässt, durchstreift man diese ‚Schatzkammern aller Reichtümer des menschlichen Geistes‘ in aller Herren Länder. So ist der Band in die geographisch unterschiedlichen Bereiche Europas, sowie des amerikanischen Kontinents unterteilt und zeigt dadurch über die Büchersammlungen hinaus, auch die architektonischen Eigenarten der präsentierten Länder, die einen Besuch der gezeigten Bibliotheken zu einer wahrlich kulturhistorischen Wallfahrt werden lassen.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Biblioteca Statale Oratoriana dei Girolamini, Neapel, Italien

Auch sind die Hintergründe der Entstehung der einzelnen Sammlungen interessant, die wiederum die Zusammenstellung der Bücher und die visuelle Aufbereitung der Räume erklären. So sieht man ehemalige Bibliotheken untergegangener oder aktuell immer noch waltender Monarchien. Darüber hinaus gewährt uns Listri Einblicke in Privatbibliotheken, wie die der Medici, die von niemand anderem als Michelangelo persönlich entworfen wurde, Klosterbibliotheken oder die Vatikanische Apostolische Bibliothek, die eine der wertvollsten Sammlungen der Welt beherbergt. Dabei sind das nur einige von vielen Beispielen, die das Gefühl verstärken Geschichte geradezu einatmen zu können, wenn man die entsprechenden Räume und Hallen betritt. Ein krasser und doch angenehmer Kontrast zum Alltag des 21. Jahrhunderts, dem man hier entfliehen kann. Während all unsere Fotos und Texte irgendwann, allein schon aufgrund von ständig wechselnden Datenformaten, das digitale Zeitliche segnen, überdauern klassische Bücher über Jahrhunderte und bleiben damit ein konstanter Übermittler von Wissen, der unabhängig von Zeitgeist und technischer Entwicklung Bestand hat.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Stiftsbibliothek Sankt Gallen, St. Gallen, Schweiz

Um dabei das Gezeigte überhaupt korrekt einordnen zu können, findet man neben den großartigen Fotografien, die dazu passenden, sowie detaillierten Texte. Diese sind zum einen in längerer Form zwischen den geographisch aufgeteilten Kapiteln, aber auch als ergänzende Stichpunkte zu den wertvollsten Besitztümern, Baujahren und weiteren interessanten Fakten zu finden. So kann man nicht nur die Aufmachung der palastartigen Bauten genießen, sondern sich aktiv über sie informieren und sich damit vielleicht Inspiration für die nächste Urlaubsreise holen. Ich für meinen Teil habe mir zumindest schon die ein oder andere Notiz dazu gemacht.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Stiftsbibliothek Kremsmünster, Kremsmünster, Österreich

Zusammengetragen wurden diese Informationen dabei nicht von einem anonymen Redakteur, sondern durch die Experten Georg Ruppelt und Elisabth Sladek. Ersterer leitete nach seiner Promovierung und anfänglicher Laufbahn als Bibliothekar, als stellvertretender Direktor die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und von 2002 bis 2016 als Direktor die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. Währenddessen hat er schon mehr als 400 Aufsätze und 40 Monographien über das Buch- und Bibliothekswesen verfasst. Bei so einer Biografie kann man sich getrost die Frage stellen, ob es tatsächlich noch andere Menschen auf der Welt gibt, die sich in einem Leben so viel theoretisches, als praktisches Wissen um dieses Thema aneignen konnten. Zumindest in ähnliche Sphären stößt Elisabeth Sladek vor, die in Wien Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Judaistik studierte. Daraufhin spezialisierte sie sich auf die Kunst- und Architekturgeschichte des Barock und ist in Forschung und Lehre tätig, unter anderem in Wien, Rom und Zürich. Zu diesen Themen publiziert sie regelmäßig. In diesem Sinne ein Team, dessen Expertise nicht nur bei Betrachtung ihres Lebenswegs, sondern auch sofort beim Blick in Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt* offenbart wird.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Biblioteca do Convento de Mafra, Mafra, Portugal

In dieser Kombination bietet der vorgestellte Prachtband nicht weniger, als die konzentrierte Essenz dessen, was man als bibliophile und wissensdurstige Person geradezu als magisch bezeichnen würde. Gewissermaßen ein Spaziergang durch die ältesten und schönsten Oasen des Wissens, dessen Genuss man nach der Lektüre nur noch durch den realen Besuch dieser altehrwürdigen Orte steigern kann.

Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt*
Verlag: TASCHEN  
Fotograf: Massimo Listri 
Autoren: Georg Ruppelt, Elisabth Sladek 
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch  
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm
Seitenzahl: 560
Preis: 150 EUR


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Mark Millar Collection Bd. 7 – Kingsman: The Secret Service

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Ich konnte es wie so viele andere Fans kaum erwarten, bis Panini Comics mit dem nächsten Band der Mark Millar Collection um die Ecke kommt, aber endlich ist es soweit. Mit Kingsman: The Secret Service hat inzwischen der siebte aber zum Glück nicht letzte Band der Reihe seinen Weg in die Regale der hiesigen Geschäfte gefunden.

Nicht wenige von euch werden den Titel als Verfilmung aus dem Jahr 2015 kennen, deren Vorlage die nur zwei Jahre zuvor erschienene Mini-Serie darstellt, die ich hier als Re-Release bespreche. Es sei in dem Zusammenhang verraten, dass zwar die Kino-Version durchaus auf der gezeichneten Fassung beruht, aber viele Story-Elemente derart verändert wurden, dass sich die Anschaffung des Bandes allein schon durch ein etwas anderes bis im Kontrast überraschendes Leseerlebnis lohnt.

Es beginnt alles damit, dass der Leser einer Szene in einem verschneiten Gebirge beiwohnt, in der niemand geringeres als Mark Hamill von mehreren schwerbewaffneten Männern bewacht wird, die sich im Verlauf des Gesprächs zwischen Opfer und Entführer als Fanboys des alternden Star Wars-Recken herausstellen. Solche popkulturellen Referenzen sind wie man sich vielleicht schon denken kann, ein Kernelement, dass man so gut wie in jeder größeren Veröffentlichung von Mark Millar wiederentdeckt. Dabei werden sie nie langweilig und sind, wie in diesem Fall, durchaus relevant für die Handlung. Warum? Nun, hier macht sich schon der erste große Unterschied zwischen Film und Comic bemerkbar. Während auf der Leinwand in erster Linie Wissenschaftler und Politiker entführt werden, sind es hier vor allem Filmemacher und Schauspieler, die sich besonders durch Werke einen Namen gemacht haben, die sich in Nerd-Kreisen einer großen Beliebtheit erfreuen.

Doch auch hier eilt ein Held in Form eines Geheimagenten zur Hilfe, der ganz in klassischer James Bond-Manier die bösen Buben einer akuten Bleivergiftung zuführt und  zur Rettung ansetzt die, so viel sei vorausgenommen, nicht ganz so abläuft, wie er sich das vorgestellt hat. Damit wird zeitgleich der Geheimdienst Kingsman präsentiert, der die Frage beantwortet, wie denn Agenten die wir aus dem Fernsehen und Kino kennen, eigentlich ausgebildet werden. Natürlich mit einem für Millar typischen Augenzwinkern, dass irgendwo zwischen Verneigung und Provokation anzusiedeln ist. Hier arbeitet auch der Onkel der Hauptfigur Eggsy. Der Junge lebt im ärmlichen Süden Londons mit seinem kleinen Bruder, seiner Mutter und ihrem gewalttätigen Freund. Diese prekäre Hölle scheint für den Teenager ausweglos. Daher verbringt er seine Tage meistens mit seinen, ebenso mit einem Fuß im Knast stehenden, Kumpels auf der Straße. Daher muss John, der Bruder von Eggsys verstorbenem Vater, der ebenfalls Agent war, immer wieder mit speziellen Befugnissen eingreifen, damit sein Neffe nicht für eine ungewisse Zeit ins Kittchen wandert. Doch eines Tages beschließt John seinem Bauchgefühl zu folgen und seinem Neffen die Möglichkeit zu geben etwas aus sich zu machen, statt mit Kontakten und gelegentlichen Geldzahlungen nur die Symptome eines verkorksten Lebens zu lindern. Das geht in seinen Augen am besten, indem Eggsy in die Fußstapfen seines alten Herrn tritt und die Welt als eine Art 007 vor allerlei bösen Buben rettet. Allem voran vor den schon erwähnten Entführern rund um einen jungen Tech-Milliardär, der die Welt offensichtlich durch einen Völkermord vor sich selbst retten, aber zeitgleich seine liebsten Prominenten verschonen möchte. Ein schöner Seitenhieb auf bekannte Player im Silicon Valley, die einem Messias gleich, mit ihren Erfindungen unsere Gesellschaft optimieren wollen.

Dafür soll er ein hartes Training bei Kingsman durchlaufen, dass ihn jedoch schon gleich zu Beginn von den anderen Anwärtern separiert, die allesamt aus gutem Hause stammen, jedoch nicht mit dem Instinkt der Straße gesegnet sind, der Eggsy eher unkonventionell Vorteile verschafft. So arbeitet er sich Stück für Stück in die Rolle eines vollwertigen Agenten ein, vergisst aber nie woher er ursprünglich kommt, was ein recht erfrischender Plot ist, wenn man bedenkt, dass die Macher von Geheimdienst-Geschichten besonders viel Wert auf Glamour legen und selbst das berühmteste Franchise um James Bond erst mit Daniel Craig einen raueren Anstrich bekommen hat.

Genau diese Reihe, beziehungsweise ihre filmische Entstehungsgeschichte, hat als eine der größten Inspirationsquellen für die Handlung von Kingsman: The Secret Service gedient. So stammt Sean Connery, der für viele Fans als bester Darsteller von 007 gilt, ebenfalls aus einfachen Verhältnissen und wurde wie Eggsy erst im Laufe eines Prozesses mit den Umgangsformen und dem Stil der High Society vertraut gemacht, behielt aber den kantigen Charme seiner Herkunft aus der Arbeiterklasse. Genau das sind die Details der Popkultur, deren Geschichten Gold wert sind, aber nur von den wenigen Genies wie Millar in ihrem Wert erkannt werden.

Für die visuelle Umsetzung seiner Story holte er sich entsprechend seiner visionären Herangehensweise eine lebende Legende der Comic-Industire an Bord. Niemand geringeres als der Watchmen-Zeichner Dave Gibbons setzte sich ans Zeichenbrett und lieferte den Lesern genau die Mischung aus Realismus und überzeichneten Comic-Chic, den sie erwartet haben. Dabei ist der Hintergrund der Zusammenarbeit fast noch interessanter, als das Ergebnis selbst. So hat Millar im zarten Alter von 16 Jahren einen Brief an Gibbons verfasst, in dem er dem Künstler eine Zusammenarbeit bei einer Shazam-Geschichte anbot, die er gerade schrieb. Informell, wie die 80er in der Branche eben waren, bekam der Junge der später selbst zur Legende werden sollte, sogar eine Antwort. Zwar wurde das Angebot freundlich abgelehnt, aber wie wir nun alle wissen, kam die Kollaboration schlussendlich bei der hier besprochenen Serie doch zustande.

Das Ergebnis ist, wie weiter oben schon angeschnitten, eine erzähltechnische Naturgewalt, die mit einem zynischen Lächeln auf den Lippen der Leserschaft den Spiegel vor die Nerd-Nase hält, dabei aber durchwegs zu verstehen gibt, dass das Wissen um die eigene Merkwürdigkeit darauf beruht, dass der Autor der Geschichte ein Stück seines eigenen Charakters einbringt. In diesem Sinne handelt es sich bei Kingsman: The Secret Service zwar um eine eigenständige Story, die aber immer klar stellt, wer hinter ihr steht. Daher ist die Anschaffung des siebten Bands der Mark Millar Collection (samt Interviews, ersten Entwürfen usw.) nicht nur obligatorisch für bisherige Sammler, sondern eine Empfehlung für all die Leser, die eine verdammt gute Geschichte im Regal stehen haben möchten.

Mark Millar Collection Bd. 7 - Kingsman: The Secret Service 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 26.06.2018 
Autor: Mark Millar 
Zeichner: Dave Gibbons 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 180 
Preis: 26 EUR

Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels

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Wie schon so viele andere Comic-Leser zuvor, bin auch ich ab dem ersten Band der „Black Hammer„-Reihe in den Bann der von Jeff Lemire geschaffenen Welt gezogen worden und kann mich immer noch nicht von ihr lösen.

Selten hat man ein so geniales Storytelling gesehen, dass sich zwar offen an Versatzstücken der Superhelden-Geschichten aus den letzten 80 Jahren orientiert, aber trotzdem eine eigene Note beibehält, die nur wenige Reihen für sich beanspruchen können. Ähnlich wie bei „Watchmen„, könnte man durch eine explizit zur Schau gestellte Meta-Ebene eine unterschwellige Kritik an der Maschinerie hineininterpretieren, die uns seit Dekaden mit Helden in Unterwäsche versorgt. Hier verhält es sich jedoch anders. Inzwischen sind sich die Leser, genauso wie die Künstler und Autoren, durchaus der Geschichte des Mediums und ihrer Umbrüche bewusst. Daher ist die Story um eine Gruppe gestrandeter Superhelden, die allesamt jeweils einen Archetypen repräsentieren, eher als eine nostalgische Geste zu betrachten, die als Rahmen für eine spannende Handlung mit fast greifbarer Tiefe dient. Das diese entsteht, ist kein Wunder, wenn man die Pläne für die Erweiterung des „Black Hammer„-Universums betrachtet. Lemire sieht in diesem Projekt die Möglichkeit ein nach seinen Regeln gestaltetes Werk zu erschaffen, dass sowohl seine Liebe zu Superhelden, als auch klassischem Drama vereint und sich über einen unbestimmten Zeitraum ausdehnt. In diesem Sinne ist „Black Hammer“ nicht weniger als sein Magnus Opus.

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©Splitter Verlag

Daher scheint es fast schon natürlich, dass nach zwei Haupt-Bänden, nun ein erstes Spin-Off ins Haus steht. Mit dem Titel „Sherlock Frankenstein und die Legion des Todes“ folgt der Autor seiner selbst gewählten Tradition und legt mit ihr (und dem dazu passenden Cover) eine falsche Fährte, die den Leser zunächst an trashige Zeiten des Comics erinnern soll, aber inhaltlich einen ganz anderen Weg einschlägt.

Wie schon bei „Vergessene Helden“ und „Das Ereignis“ wird Action mehr angedeutet, als präsentiert, während persönliche Tragödien und bizarre Alltagssituationen im Mittelpunkt stehen. So merkt man recht schnell, dass es sich nicht um eine eigenständige Geschichte über den titelgebenden Antagonisten handelt, sondern um die Suche von Black Hammers Tochter Lucy nach ihrem Vater und damit die Erklärung, wie sie auf der abgelegenen Farm bei seinen verschwundenen Helden-Kollegen landen konnte. Sherlock Frankenstein spielt dabei zwar eine Schlüsselrolle, doch wie diese genau aussieht, kann schon im Rahmen von Spoiler-Gefahren nicht genauer definiert werden. Es sei nur so viel verraten: Wie schon bei so gut wie allen Figuren, denen man bei der Lektüre dieser Reihe begegnet, liegen die Dinge nicht immer so, wie man sie zunächst erwartet.

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©Splitter Verlag

Bis man jedoch an diesen Punkt gelangt, begleitet man Lucy auf der Suche nach Antworten durch das berüchtigte Sanatorium von Spiral City, der Heimatstadt der verschwundenen Helden und ihres Vaters. Dort sind die gefährlichsten Schurken des Ortes untergebracht, die ihr helfen sollen, dass Puzzle Stück für Stück zu vervollständigen. Dabei erfährt sie nicht nur immer mehr über Sherlock Frankenstein und was genau beim finalen Kampf gegen „Anti-Gott“ passiert ist (der Punkt des Verschwindens), sondern auch etwas mehr über die Bewohner dieser Welt, die zum einen die Umgebung wirklich lebendig werden lassen und zum anderen auch immer wieder humoristische Elemente preisgeben, die klar machen, dass neben der voranschreitenden Handlung auch die Hommage an Comics nicht zu kurz kommen soll. Eine Figur mit dem Namen „Cthu-Lou„, die eine Mischung zwischen Klempner und kettenrauchenden Version des von H.P. Lovecraft erdachten Monstrums darstellt, sollte in der Hinsicht alles sagen. Doch auch hier werden Klischees und Querverweise an die Popkultur mit einem Twist versehen, der einem das Lachen schnell im Hals stecken bleiben lässt und den Leser daran erinnert, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Eine in diesem Sinne tiefsinnige Geschichte, die Elemente verwendet, die zunächst nicht darauf schließen lassen. Ein cleverer Zug von Jeff Lemire, der damit die Qualität seiner Kreation zu unterstreichen weiß.

Was die gegebene Klasse anbelangt, steht auch der Mann am Zeichenbrett dem Autoren in nichts nach. Schon bei einem kleinen Tie-In im zweiten Band, konnte man David Rubíns Können mit Staunen betrachten, während er im Vorliegenden Spin-Off den gesamten Band zeichnen und kolorieren durfte. Dabei schafft er fast schon spielerisch die eigenartige Atmosphäre der Geschichte einzufangen, indem er einen Stil-Mix präsentiert, den ich in der Form noch nie gesehen habe. Eine Mischung aus klassischer Superhelden-Kost, angereichert mit cartoonesken Einschüben, die den benötigten Ernst mit einer Prise Humor versehen. Dadurch schafft Rubín einen Balanceakt, der die Story vorantreibt, den Leser aber immer wieder verweilen lässt, um sich an den meisterhaft arrangierten Bildern zu erfreuen.

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©Splitter Verlag

In dieser Kombination lässt sich nur feststellen, dass „Black Hammer“ sowohl als eigenständige Geschichte, als auch als Spin-Off-Material eine so hohe Qualität beibehält, dass man nicht umhin kommt festzustellen, dass man einer wahren Legendenbildung beiwohnt. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass man diese Reihe in wenigen Jahren zu dem klassischen Kanon zählen wird, die man als Comic-Leser im Regal stehen haben muss.

Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels 
Verlag: Splitter Verlag
Erschienen am: 20.08.2018 
Autor: Jeff Lemire
Zeichner: David Rubín
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 152
Preis: 19,80 EUR

Batman – Der dunkle Prinz (Band 2 von 2)

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Der Name Enrico Marini sollte inzwischen nicht nur Freunden von Comic-Erzeugnissen frankobelgischen Stils, sondern auch Fans der Superhelden-Sparte ein Begriff sein. Mit „Batman: Der dunkle Prinz“ und damit seinem Einstieg in die Welt der Cape-Träger ist seine Marke geradezu explodiert. Lange Schlangen auf Conventions, Shout-Outs von Kollegen und die Diskussion des unbestrittenen technischen Könnens des Künstlers sind nun an der Tagesordnung.

Kein Wunder also, dass Leser rund um den Globus dem Release des zweiten und damit finalen Teils der Geschichte um den dunklen Ritter und seiner ewigen Nemesis in der Person des Jokers entgegen gefiebert haben. Man kann sagen, dass die Geduld mehr als belohnt wurde, doch dazu gleich mehr.

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©Panini Comics

Inhaltlich schließt der Band nahtlos an den ersten an (was im Übrigen zu einem noch dieses Jahr erscheinenden Sammelband führt) und reißt den Leser sofort in eine Verfolgungsjagd, in der Batman den Schergen des Clownprinzen des Verbrechens auf der Spur ist. Die Zeit eilt nämlich, da die vermeintliche Tochter von Bruce Wayne entführt wurde und ihr Leben nun am seidenen Faden hängt, wenn Batman es nicht schafft dem Joker einen Diamanten im Wert von 50 Millionen Dollar zu besorgen, der wie der Zufall es will auf einer Versteigerung in Gotham angeboten wird. Dabei hat Bruce aber nicht mit Catwoman gerechnet, die das Schmuckstück, passenderweise auf den Namen „Blue Cat“ getauft, auch gerne ihrer Kollektion an Diebesgut zukommen lassen möchte. Ohne Wissen um den ernst der Lage, muss sie sich im Kampf mit dem Mitternachtsdetektiv messen, der diesmal keine Gefangenen macht. Ob er es rechtzeitig schafft, das Mädchen aus den Klauen des Jokers zu befreien und was es wirklich mit ihrer Vergangenheit auf sich hat, muss der Leser jedoch selbst herausfinden. Eins sei zumindest schonmal gesagt. Nicht alles ist so, wie es zunächst den Anschein hat…

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©Panini Comics

Visuell nimmt Marini, neben dem Text auch für die Bilder verantwortlich, den Leser erneut auf eine Sinnesreise mit, die ihresgleichen sucht. Wie schon auf seinen zahlreichen Videos auf Instagram zu sehen, legt der Künstler sowohl beim zeichnen als auch kolorieren selbst Hand an und lässt Fans wie Kollegen regelmäßig staunen, mit welcher Präzision jeder Pinselstrich gesetzt wird. Dadurch kommen eine Farbpalette und ein Stil zum Einsatz, die man so bei keiner anderen Veröffentlichung aus dem Hause DC gesehen hat. Nicht zu vergessen sei auch das Album-Format, dass auf die künstlerische Freiheit schließen lässt, die der legendäre Verlag zum ersten Mal einem Europäer in diesem Umfang zugesteht. Das gilt auch für das Design und das Verhalten klassischer Charaktere, die losgelöst vom Kontinuum laufender Serien erstellt wurden. Ein Joker, der seit langem mehr an einen sinistren Clown und weniger an einen sadistischen Psychopathen erinnert, eine Harley Quinn, die quasi neu erfunden wurde und eine Catwoman, die in ihren Grundzügen an selige Zeiten der Comic-Branche erinnert.

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©Panini Comics

Alles in allem also eine Mischung, die man so nie gesehen hat und damit eine Pflichtanschaffung für jeden Fan darstellen sollte. Ist man darüber hinaus ein Sammler, hat man darüber hinaus die Wahl sich auch eine auf 444 Stück limitierte Version zu besorgen!

Batman – Der dunkle Prinz (Band 2 von 2) 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 17.07.2018 
Autor und Zeichner: Enrico Marini
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 76
Preis: 16,99 EUR

Françoise Gilot. Three Travel Sketchbooks: Venice, India, Senegal

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Es gibt Menschen, die der Öffentlichkeit erst ein Begriff sind, wenn sie im Zusammenhang mit jemand anderem genannt werden. Ein Beispiel könnte die heute 96-jährige Malerin Françoise Gilot sein, die von 1943 bis 1953 mit Pablo Picasso eine Beziehung führte, aus der zwei Kinder hervorgingen. Das wäre jedoch, trotz der Omnipräsenz des Themas bei Erwähnung des Namens Gilot, etwas zu kurz gedacht.

Die in New York lebende französische Künstlerin war sowohl davor, währenddessen, als nach dieser Zeit in ihrem Metier aktiv. Zwar wird sie dem Laien primär durch ein Foto mit dem spanischen Exzentriker am Strand der Côte d’Azur und durch ihre Autobiographie „Leben mit Picasso“ (1964) bekannt sein, doch ihre in internationalen Galerien und Museen hängenden Bilder sprechen seit nun mehreren Dekaden für sich selbst und ließen sie zu einer Ikone unserer Zeit werden. Auszeichnungen wie der Ordre des Arts et Lettres und die Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion sind dabei nur Beispiele zahlloser Ehrungen, die die Wichtigkeit ihrer Person zu unterstreichen wissen.

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Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis TASCHEN sich einem Denkmal für Françoise Gilot annehmen würde. Und da das Verlagshaus dafür bekannt ist, nicht einfach nur Bücher, sondern wahre Schätze für bibliophile Leser zu produzieren, ist es nicht überraschend, dass mit „Françoise Gilot. Three Travel Sketchbooks: Venice, India, Senegal„* eine wahre Perle ihre Veröffentlichung feiert.

Ähnlich dem Prinzip von „Andy Warhol. Seven Illustrated Books 1952-1959“ liegen dem XL-Paket nicht weniger als drei wunderschöne Faksimiles von Skizzenbüchern bei, die auf den Reisen der Künstlerin nach Venedig (1974), Indien (1979) und in den Senegal (1981) entstanden sind. Im Originalformat versprühen die Ausgaben den Charme vergangener Zeiten, während der Inhalt die Kreativität und Vielseitigkeit von Gilots Œuvre spiegelt.

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Venedig (1974) ©TASCHEN

Der erste Band ist dabei der einzige, der sowohl Worte bzw. Gedichte neben einer dezenten Farbpalette um die Schattierungen eines wässrigen Blaus aufweist, die den Geist der Lagunenstadt einzufangen wissen. Eine Symbiose die, der Künstlerin nach, für ein „Klangbild“ wichtig ist, dass man insbesondere durch die Vokale spüren soll. Darüber hinaus erweist Gilot mit Verweisen auf berühmte Werke, den venezianischen Großmeistern der Malerei ihren Respekt und lässt immer wieder ihre Liebe für eine Stadt durchscheinen, mit der sie schon seit Kindheitstagen verbunden ist.

Der Band zur Reise nach Indien, den sie wie die anderen Skizzenbücher in den Flugzeugen und Hotels der jeweiligen Destinationen gefüllt hat, kommt nur mit den Farben Blau und Schwarz aus und hat größtenteils in Saris (traditionelles indisches Kleidungsstück) gehüllte Frauen zum Gegenstand, die in der Realität jedoch eine vielgepriesene Farbpalette aufweisen. Daneben dominieren Straßenszenen, Märkte und Tiere die Seiten des kleinsten der drei Faksimiles.

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Indien (1979) ©TASCHEN

In der letzten Ausgabe dokumentiert Françoise Gilot ihre 1981 erfolgte Reise in den Senegal, die wieder bunter daherkommt und erneut die Menschen vor Ort in den Fokus nimmt, die sie laut eigener Aussage durch ihren Anmut und ihre Schönheit fasziniert haben. Doch auch hier findet die Umgebung in Form von Flora und Fauna Einzug.

Die entsprechende Einordnung kann man machen, wenn man in das mitgelieferte Beiheft blickt, dass neben einer mit historischen Fotografien bebilderten Einführung durch Hans Werner Holzwarth, seines Zeichens Buchdesigner und Herausgeber, auch ein interessantes Gespräch zwischen der Künstlerin und Thérèse Crémieux beinhaltet. Die Schauspielerin und Dramatikerin entlockt dabei ihrer Gesprächspartnerin allerlei Anekdoten aus ihrem bewegten Leben und lässt den Leser am Entstehungsprozess der drei Skizzenbücher teilhaben.

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Senegal (1981) ©TASCHEN

Dementsprechend ist dieses Gesamtpaket nicht nur eine wahre Sinnesreise, sondern ein informatives Stück zeitgenössische Kunstgeschichte, die in jedes gut sortierte Regal gehört. Insbesondere Sammler sollten bei dieser Veröffentlichung aufhorchen. Es existieren nämlich weltweit nur 5.000 Stück dieser Version, wobei man mit einem größeren Budget auch auf drei verschiedene Art Editions von jeweils 60 Exemplaren zurückgreifen kann. Diese werden jeweils mit einer signierten Farblithographie geliefert, die Gilot speziell für diesen Release geschaffen hat. Ein Prachtstück, dass ich jedem Liebhaber authentischer Kunst ans Herz legen möchte.

Françoise Gilot. Three Travel Sketchbooks: Venice, India, Senegal* 
Verlag: TASCHEN
Format: 3 Hardcover-Faksimiles mit Begleitheft in Portfoliomappe
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
Seiten: 364
Preis: 
150 EUR - Edition von 5.000 Exemplaren
2.000 EUR - Art Editions Nr. 1-180

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