Batman Adventures 1

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Kaum habe ich die ersten Seiten von „Batman Adventures 1“ (Panini Comics) aufgeschlagen, schoß die Nostalgie durch meinen Kopf. Wie so viele andere Fans des dunklen Ritters meiner Generation, verfolgte ich seine Abenteuer jeden Samstag morgen auf einem uns heute immer noch geläufigen Privatsender. Bruce Timm und Paul Dini haben Jahrzehnte nach der 60er-Jahre-Serie mit Adam West eine neue Ikone der Fernsehunterhaltung aus der Taufe gehoben.

Mit „Batman“ (im Original „Batman – The Animated Series“) wurde eine Trickfilmserie umgesetzt, die sowohl jung und alt begeistern konnte und zeitgleich neue Wege beschritt. Die Film-Noir-Ästhetik, der hohe Wiedererkennungswert, die uvergleichliche Musik des Danny Elfman – Eine Kombination, die vielleicht nur noch bei den Simpsons auf ernsthafte Konkurrenz innerhalb des Mediums stößt. In dem Zusammenhang ist es eigentlich eine Schande, dass es nie zu einer Heimkino-Veröffentlichung in Deutschland kam. Natürlich kann man sich die vier Staffeln ohne großen Aufwand aus England bestellen, die Erinnerungen hängen aber natürlich an der deutschen Synchronisation.

Um zumnindest teilweise die alten Zeiten aufleben zu lassen, ist nun endlich der erste Band der „Batman Adventures“ erschienen. In den USA sind die Fans nämlich schon 2003 in den Genuss der Reihe gekommen, während auf dieser Seite des Teichs die Leser mal wieder in die Röhre gucken durften. Vielleicht werden nun die ersten Schritte unternommen diese Version von Batman sichtbarer zu machen und irgendwann die Fernsehserie folgen zu lassen? Wer weiß. Mit dem vorliegenden Band wird die Sehnsucht zumindest etwas gestillt.

Hier finden wir uns in altbekannten Gefilden wieder und begegnen lieb gewonnenen Charakteren in der visuellen Gestaltung, die sie zu Ikonen der Popkultur werden ließ. Allen voran Harley Quinn, die ihren ersten Auftritt sogar tatsächlich im Fernsehen und nicht im Comic hatte. Inhaltlich werden drei Story-Stränge serviert, die sich mit dem Pinguin als neuen Bürgermeister Gothams, Ras al Guls Feldzug gegen die Schurken der Stadt und Black Masks mafiöse Machenschaften beschäftigen. Alle bringen wieder das vertraute Gefühl zum Vorschein, welches man als Fan lange vermisst hat. Im Grunde also eine Art Fortführung, die man gerne in bewegter Form gesehen hätte. Bis dahin ist „Batman Adventures 1“ aber alles andere als ein Lückenfüller, sondern eine tolle Ergänzung für jeden, der mit dieser Fassung der Figuren aufgewachsen ist. Daher eine klare Empfehlung meinerseits!

 

TASCHEN – Neuer Flagshipstore mit Star-Gast & Gewinnspiel

Ihr wisst inzwischen, dass ich ein riesiger Fan des TASCHEN-Verlags bin, der gefühlt jeden Geschmack in allen Bereichen der Kunst- und Popkultur streift. Ob Filme, Comics, Geschichte, Fotografie, Malerei oder Erotik: Hier findet man alles was das Herz begehrt und das ist unter anderem der Grund, warum ich so gerne Titel aus diesem Haus rezensiere.

Was vielleicht doch nicht allzu viele Leute mitbekommen haben ist, dass es neben der Website auch Flagshipstores von TASCHEN gibt. Insgesamt kann man sich bis dato weltweit in 11 Läden die schönen und teils extrem limitierten Exemplare zu Gemüte führen. In Deutschland haben bis jetzt die Leser in Köln und Hamburg das Glück einen der Stores in der Nähe zu haben. Nun kann sich endlich eine weitere Stadt darüber freuen Heimat für den Verlag zu werden: Berlin!

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am 03. Dezember öffnet in der Schlüterstraße 39 der neueste Zuwachs seine Pforten und weiß den Anlass ordentlich zu zelebrieren! Niemand Geringeres als Peter Lindbergh, seines Zeichens Legende im Bereich der Mode-Fotografie, gibt sich die Ehre und wird am Eröffnungstag von 16 bis 18 Uhr für Autogramme zur Verfügung stehen. Hier könnt ihr euch vorab anmelden!

Zum Beispiel kann man sich vor Ort das neueste Buch „Peter Lindbergh. A Different Vision on Fashion Photography“ von ihm persönlich signieren lassen und ein Stück Mode-Geschichte mit nach Hause nehmen.

Solltet ihr vorhaben anwesend zu sein, habt ihr aber auch hier die Möglichkeit diese neue Veröffentlichung zu sichern und perfekt vorbereitet anzureisen! Wie das geht? Ganz einfach:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Teilt genau diesen Beitrag ÖFFENTLICH

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf, den ich ganz old-school wie einer Tombola mit Zettelchen befüllen werde, um danach den glücklichen Gewinner zu ziehen.

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Ich wünsche euch Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim Besuch des neuen Berliner Flagshipstores von TASCHEN!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 28.11.2016 um 23:59.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.wordpress.com und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

 

New Fashion Nudes

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Vor geraumer Zeit habe ich über „Goliath“ berichtet. Ein Verlag, der mit seinen hochwertigen Veröffentlichungen im Bereich der Photographie versucht den Begriff der Erotik in einem zeitgenössischen Rahmen zu präsentieren. So kommen für den Mainstream ungewöhnliche Bände wie „Tattoo Super Models“ zustande, die ein Publikum ansprechen, welches im Zeitalter der Digitalisierung schon alles gesehen zu haben scheint. Mit diesem Konzept schlagen die Macher eine neue Richtung ein, die konstant fortgeführt wird. Ein gutes Beispiel wäre der aktuellste Release mit dem einprägenden Titel „New Fashion Nudes„.

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Auch hier wird ein erfrischender Weg beschritten und ein Spiegel des vorherrschenden Zeitgeists erzeugt. Der Band repräsentiert mit den Produkten verschiedenster Fotografen aus aller Welt, die erotische Form des „Arty Snapshot“. Dahinter steckt die Definition der Ästhetik, die uns seit dem Boom der Social Networks tagtäglich begegnet. Augenscheinlich ungestellt und zufällig entstandene Momente, die zeitgleich sowohl Natürlichkeit, als auch inszenierte Schönheit ausstrahlen. Untermalt durch gelegentliche Farbstiche, Unschärfen oder einer betont unvollkommener Beleuchtung, sehen wir auf Facebook oder Instagram ständig junge Frauen, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihren Alltag lenken wollen, der aber mit einem Arrangement repräsentiert wird.

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Genau diesem Look widmet sich das 272 Seiten starke Buch, dass mit 240 Abbildungen all die Facetten darstellen möchte, die mit den genannten Kriterien einhergehen. So sehen wir neben verträumten Begegnungen in der Natur, urbane Direktheit und subkulturelle Anstriche in Form von Piercings, Tattoos oder alternativen Kleidungsstilen. Bedenkt man den internationalen Ansatz der zahlreichen Photographen wird darüber hinaus der globalisierte Blickwinkel der Jugend auf ihre eigene Generation umso deutlicher wiedergegeben. Frauen von verschiedenen Kontinenten spinnen durch ihre digitale Vernetzung ein einheitliches Bild der Schönheit, dass nur durch den kulturellen Background in seinen Nuancen variiert. Genau aus diesem Grund wirkt der Inhalt von „New Fashion Nudes“ durchgehend homogen und anziehend. Kein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium, sondern eine gekonnt zusammengestellte Galerie moderner Erotik.

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Mark Millar Collection 1: WANTED

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Ich weiß nicht ob es gesund ist zu sagen, dass WANTED von Mark Millar genau meinem Geschmack entspricht. Und damit meine ich nicht den Film mit Angelina Jolie, der zwar offiziell auf dem vorliegenden Band basiert, aber nicht mehr als die Grundidee und den Namen mit ihm gemein hat.

Gewalt, Perversion, Humor und das Hamsterrad-Leben von Mittzwanzigern waren schon immer ein Cocktail der funktioniert hat und rund 13 Jahre nach dem ersten Release entsprechend schmeckt. Der schottische Autor, dem mit der „Mark Millar Collection“ ein Meilenstein bei Panini Comics gesetzt wird, weiß all die erwähnten Zutaten perfekt zu kombinieren und damit auch außerhalb des Kenner-Kreises Aufsehen zu erregen. Für diejenigen, die aus unerfindlichen Gründen trotzdem noch nie von diesem modernen Klassiker gehört haben, möchte ich hier eine kleine Einführung geben:

Mit der Hauptfigur Wesley Gibson lernen wir den Typus Großstadtbewohner kennen, wie ihn schon der namenlose Protagonist aus „Fight Club“ verkörpert. Eingezwängt in ein Großraumbüro, erniedrigt durch seine Chefin, emotional misshandelt von seiner nymphomanischen Freundin und die einzig positive Konstante in seinem Leben ist das mittägliche Sandwich. Also ein Leben in der Anonymität, welches getränkt in Resignation in einem schmucklosen Grab zu Ende gehen könnte. Und genau hier setzt die kompromisslose Handlung zu WANTED ein. So wird Wesleys Vater (den er nie kennen lernen konnte) auf brutalste Weise ermordet und damit der Weg für unsere Hauptfigur in eine geheime Welt hinter der uns bekannten Fassade geebnet. Daddy war nämlich niemand geringeres als der beste Killer der Welt, der diese Bezeichnung sogar als Namen trug. Nun ist seine Stelle vakant und sein Vermögen von 50 Millionen Dollar auf der Suche nach einem neuen Besitzer. Um beides unterzukriegen, taucht wie aus dem nichts die schöne aber ebenso gefährliche Fox auf, die dem Verbrechersyndikat untersteht, dem Wesleys Vater entsprang. Sie weiht den ungläubigen Nachwuchs in die Machenschaften der Gruppierung ein, die die Welt aus dem Untergrund heraus beherrscht und offenbart ihm die Voraussetzungen für den Eintritt und das damit einhergehende Erbe: Er muss den Platz seines Vaters einnehmen und selbst zum besten und gnadenlosesten Killer aller Zeiten werden oder es ablehnen und in sein jämmerliches Leben zurück kehren. So weit, so Spoiler-frei.

Nun beginnt seine Ausbildung und damit nichts für Leser mit ausgeprägtem Moral-Bewusstsein. Wahlloser Mord, Vergewaltigungen und Praktiken, die nicht näher ausgeführt werden sollen, werden so nebenläufig erläutert, dass man fast glauben möchte, dass es der Normalität entspricht. Man kann nur sagen, dass Wesley sich ganz gut an den neu gefundenen Lifestyle anpasst. Den Rest müsst ihr schon selber heraus finden!

Neben der eigentlichen Handlung strotzt das Werk nur so von popkulturellen Referenzen und Seitenhieben auf die Comic-Industrie. So gut wie jeder große Superheld kriegt sein Fett weg, ohne ihn namentlich zu erwähnen. Wem neben den gängigen Heftchen auch Namen wie Adam West oder Christopher Reeves etwas sagen, wird hier seine diebische Freude haben. Des Weiteren merkt man schon an der Gestaltung der Figuren, dass die Story ein Produkt ihrer Zeit war und ist. Kein Wunder, dass die Hauptfigur dem Rapper Eminem, dem Bad-Boy der beginnenden 00er-Jahre, mehr als nur ähnlich sieht. Als Sahnehäubchen wird auch der geneigte Leser nicht verschont.

Verantwortlich für die visuelle Umsetzung der auf Bildern festgehaltenen Anarchie ist J.G. Jones, den manche als Zeichner hinter „Wonder Woman“, „Black Widow“ oder „Before Watchmen: Comedian“ kennen könnten. Sein bodenständiger Stil passt perfekt um einen Kontrast zur abgedrehten Handlung zu liefern, die in ihrer Intensität dadurch noch weiter unterstrichen wird. Wenn man den Weg zum fertigen Produkt darüber hinaus verfolgen möchte, spendiert Panini im letzten Teil der Ausgabe einige Seiten an Figurenentwürfen. Davor entdeckt man zusätzlich eine wunderschöne Cover-Galerie und ein Dossier über die markantesten Charaktere der Geschichte, die von Gastkünstlern wie John Romina Jr. oder Frank Quitely als eigene Version gestaltet wurden.

Man sieht also, dass neben der Story an sich, die ein Must-Have für jeden Comic-Leser darstellt, ein ordentliches Paket geschnürt wurde, dass sogar als edle Hardcover-Variante ausgeliefert wird. Ich freue mich in jedem Fall auf die nachfolgenden Bände, die in ihrer Qualität dem Ruf des Autors mehr als gerecht werden!

Lula & Yankee, Band 01: Frühstücksbier & Mixtape

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Langsam aber sicher nimmt die Gesamtausgabe des Ausnahmekünstlers Timo Wuerz auch im Schrank Gestalt an. Nachdem die Reihe in umgekehrter Reihenfolge mit dem neuesten Werk „Ghost Realm“ eröffnet wurde, schloss sich nicht lange danach der Erstling des Zeichners um die abstrakte Killer-Geschichte „Aaron und Baruch“ an. Schon hier konnte man feststellten, dass sein Stil extrem wandelbar, aber konstant im Bereich der Malerei zu verorten ist. Wie der hier zu besprechende Band jedoch zeigt, kann er auch ganz anders an seine Arbeit herangehen.

Bei POPCOM ist nämlich eine der wohl ungewöhnlichsten Veröffentlichungen erschienen, die man so auf den ersten Blick kaum dem eben erwähnten Künstler zuordnen könnte. Und doch handelt es sich sogar um das selbe Team, welches „Aaron und Baruch“ heraus brachte und mit Asp Spreng (Ja, der Sänger der gleichnamigen Band!) um einen weiteren Autoren erweitert wurde.

Zunächst aber mal zur Story und dem Hintergrund der Geschichte. „Lula & Yankee“ erschien ursprünglich Mitte der 90er Jahre und behandelt den Alltag der in einer Rock-Band spielenden Lula und ihres Freundes Yankee. Die beiden führen eine glückliche Beziehung, die natürlich nicht arm an kleineren und größeren Eskapaden ist. Das Ganze reicht dabei von sinnieren über das gemeinsame Leben, Besuche bei den Schwiegereltern, Partys mit den gemeinsamen Freunden, bis hin zu einem Ausflug nach Paris. Die hierbei auftretenden Schwierigkeiten meistern die beiden mit eher ungewöhnlichen und bisweilen urkomischen Methoden, die aber (gefühlsmäßig) so nah an der Realität sind, dass man immer wieder wissend in sich hinein schmunzeln muss. Ob die auf jeweils wenigen Seiten dargestellten Ereignisse einen wahren Kern haben, kann ich natürlich nicht beantworten, aber wenn man selber schon einige Beziehungen hinter sich gebracht hat (oder in einer steckt), sollte einem so einiges vertraut vorkommen. Trotzdem schaffen es die beiden Autoren in ihren Storys den Kitsch außen vor zu lassen und damit die Geschehnisse selbst in den absurdesten Situationen greifbar zu machen. Das wirkt sehr sympathisch und nutzt sich glücklicherweise auch nicht ab. Vor allem die immer wieder textlich eingestreuten Passagen aus Rock-Songs der 80er und 90er Jahre geben dem Ganzen eine schöne Note, wenn sich der Soundtrack beim lesen im Kopf abspielt.

Um dieser Sammlung des täglich Wahnsinns unter Liebenden einen Rahmen zu verpassen, haben sich Asp und Timo erneut zusammen getan um einen Prolog  zu spinnen, der alles was diesem folgt als wortwörtlich schöne Erinnerung darstellt. Eine nette Idee, die nicht nur kurz abgehandelt wird, sondern mit Liebe zum Detail an den Leser herangeführt wird. Ein Kniff, der mich schon zur visuellen Aufmachung des Buches führt, verdeutlicht zudem den zeitlichen Abstand zwischen Neuveröffentlichung und Original. Der neue Handlungsstrang spielt in der Gegenwart, ist komplett in Farbe gehalten und leitet als Übergang in die schwarz-weiße Welt der ursprünglichen Geschichten ein.

Und hier kommen wir schon zu dem Punkt, der wohl jeden erstaunen sollte, der Timo bei der Arbeit auf Comic-Veranstaltungen oder zum Beispiel seine fertigen Produkte in Form von CD-Covern gesehen hat. „Lula & Yankee“ ist nur gezeichnet/getuscht und verzichtet wie eben angedeutet auf Farben und die Darstellung der Figuren ist beinahe cartoonesk. Wer die teils extrem realistischen Charaktere in „Ghost Realm“ bewundern konnte, wird von der erstaunlichen Bandbreite überrascht sein. Trotz des ungewohnten Anblicks, passt dieser bodenständige Stil ungemein gut zur Handlung der kleinen Geschichten und verleiht dem Ganzen einen Hauch von Underground und damit einen Charme, der diesem Band ein Alleinstellungsmerkmal verpasst.

Ich für meinen Teil habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und freue mich schon auf die Fortsetzung, die ebenfalls für diese Reihe angekündigt wurde!

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Old Man Logan – 1

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Ich bin wieder da! Nach all den großen Pausen zwischen den Beiträgen, habe ich schon langsam an mir selbst gezweifelt, werde aber von nun an versuchen wieder öfter zu schreiben. Die Unterbrechungen sind definitiv nicht aufgrund von Schreibblockaden oder fehlender Lust passiert, sondern wegen einer Summe an privaten Schwierigkeiten entstanden. Eine Trennung, die diffuse Angst in dem Zusammenhang die eigene Wohnung zu verlieren, Arbeit und Studium weiterhin unter einen Hut kriegen…Ihr seht, es gibt durchaus Dinge, die meine Leidenschaft für Comics, Kunst und Literatur in den Hintergrund rücken lassen.

Nun, gut. Ich möchte euch nicht mit privaten Storys langweilen, sondern euch gleich mal auf eine neue Comic-Reihe aufmerksam machen, die mit einem One-Shot vor acht Monaten ihren Einstand feierte: Old Man Logan!

Wir setzen ziemlich genau da ein, wo wir mit der abgeschlossenen Geschichte aufgehört haben. Logan aka Wolverine landet nackt im New York des heutigen Marvel-Universums. Wie einige von euch wissen könnten, existieren mehrere Versionen davon parallel um verschiedene Erzählstränge zu legitimieren und diese bei Bedarf (wie hier) überschneiden zu lassen. Logan stammt ursprünglich aus seiner eigenen Geschichte von Mark Millar, in der er 50 Jahre in der Zukunft zurückgezogen auf einer Farm mit Frau und Kind lebt, während die Welt von Bösewichten beherrscht wird. Nachdem seine Familie von der Hulk-Gang (die Sprösslinge des irre gewordenen Bruce Banner) ermordet wurde, macht er sich auf um Gerechtigkeit zu üben…

Hier möchte ich ungern auf Details eingehen um Lesern, die das erste Mal mit der Story in Berührung kommen, den Spaß nicht zu verderben. Im schon angesprochenen One-Shot befinden wir uns in den Nachwehen des „Secret War“. Das Multiversum wurde zerstört und nur ein Planet blieb übrig, der eine Art Patch-Work der vielen Welten repräsentiert. Logan verschlägt es hierbei in mehrere Fassungen seiner eigenen Realität, bis er auf den letzten Seiten am Times Square landet und uns in die erste Ausgabe seiner eigenen Reihe entführt.

Da er zunächst nicht versteht, dass es sich nicht um die Vergangenheit handelt (Helden am leben, Gebäude intakt), sondern um eine gänzlich andere Welt, sinnt er darauf seine eigene Zukunft zu verändern, in dem er alle Personen umbringt, die seine Familie und ihn selbst bedroht oder schlussendlich getötet haben. Erst Stück für Stück kommt er dahinter, dass es ein sinnloses Unterfangen ist. Bis dahin begegnet er einem Großteil der Riege aus der neuen Marvel-Generation. Darunter dem neuen Hulk, der jungen Hawkeye oder dem alten Steve Rogers (Captain America). Wie das Ganze von statten geht, möchte ich hier aufgrund von Spoiler-Gefahr nicht erörtern und gehe nun auf die Macher des Werkes ein.

Im Gegensatz zum Einstieg am Anfang des Jahres, übernimmt hier nicht Brian Michael Bendis das texten, sondern Jeff Lemire. Ihr könntet ihn als Autoren hinter „Sweet Tooth“, „Justice League Dark“ und vielen weiteren Veröffentlichungen kennen, da er durchaus umtriebig ist. Es erfolgt jedoch kein wirklicher Bruch was den Schreibstil anbelangt. Sollte man den Vorgänger zuvor gelesen haben und nicht auf die Namen der Macher achten, sollte es ein smoother Übergang sein. Die Stimmung ist immer noch düster, brutal und trotzdem versehen mit dem gewohnten Feeling des Verlags. Das könnte aber auch zu großen Teilen am Zeichner Andrea Sorrentino liegen, der im Gegensatz zum Autoren bei der Figur geblieben ist. Und eins ist sicher: wir können ihm dafür nur dankbar sein! Ich habe zwar schon von Leuten gehört, die mit seinem abstrakten Stil nicht viel anfangen können und eher zu „klassischer“ Kost in Bezug auf die visuelle Umsetzung greifen. Trotzdem kann ich mir kaum eine bessere Fassung für den rachedurstigen Mutanten vorstellen, als die hier vorliegende. Malerisch springt Sorrentino von üblichen Panel-Abfolgen zu ganze Seiten sprengenden Szenen, die oftmals sogar Geräusche als füllendes Stil-Element aufweisen. Schwer zu erklären, aber wunderschön anzusehen.

Ich bin nach der Lektüre auf jeden Fall hungrig auf das was noch kommen mag und kann jedem, der den Vorgänger gelesen hat oder zumindest das Original von Mark Millar sein eigen nennt empfehlen, sich schleunigst auf den Weg ins nächste Comic-Geschäft zu machen oder gleich bei Panini zu bestellen. Ich bleibe Logan auf jeden Fall treu!

Mark Ryden. Pinxit

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Solltet ihr meine Beiträge schon länger verfolgen, dann werdet ihr mitbekommen haben, dass ich ein gewisses Faible für bizarre Themen habe. Ob diese sich dabei in Comics, Büchern, Musik oder Bildern widerspiegeln ist nebensächlich, solange sie für sich selbst stehen können und dabei spannend bleiben.

Nun habe ich vor kurzem einen Künstler entdeckt, der in einen Rundumschlag Popkultur und Surrealismus streift und zeitgleich die Meister klassischer Malerei zitiert. Die Rede ist von Mark Ryden, der das erste Mal in den 90er Jahren aufsehen erregt hat und sich mit der Gestaltung einiger Album-Cover (Michael Jackson – Dangerous, Red Hot Chili Peppers – One Hot Minute uvm.) außerhalb der Kunst-Szene einen Namen machen konnte.

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Innerhalb von zwei Jahrzehnten erarbeitete sich Ryden sowohl in der Kunst-Elite als auch beim „einfachen“ Liebhaber kreativer Ausdrucksweisen einen Namen, der immer noch Bedeutung hat. Daher hat ihm der TASCHEN-Verlag eine imposante Werkschau mit dem Namen „Pinxit“ gewidmet. Allein schon der Titel deutet den Spagat an, den der Mann zwischen perfektionistischem Handwerk der alten Schule und der Bilderflut der Moderne vollbringt. So wurde der Begriff gerne von Renaissance-Malern hinter ihre Signatur gesetzt und wird hier als Anspielung verwendet.

Im Detail findet man die wichtigsten Produktionen aus Reihen wie „The Meat Show“, „Bunnies & Bees“, „Blood“ oder „The Tree Show“ die mit einleitenden Essays des Künstlers Yoshitomo Nara, sowie der Kulturkritiker Carlo McCormick und Kristine McKenna garniert werden. Hier werden durchgehend zwei Gedankenwelten zusammengeführt, die in ihrer Kombination eine Mischung zwischen Entzückung und morbidem Grusel hinterlassen. Wir sehen filigrane Mädchen, die irgendwo zwischen niedlich und seltsam erotisch schweben, während Fleisch, okkulte Symbole, popkulturelle Anleihen und bizarre Tiere eine Ergänzung bieten. Zeitgleich schleicht sich der prototypische Repräsentant des „alten Amerikas“ in Form von Abraham Lincoln immer wieder ins Bild. Es ist oftmals der gleiche Baukasten aus dem sich Ryden bedient, aber durch eine neue Anordnung der Elemente den Inhalt spannend hält. Einen nicht minder großen Anteil an der Wirkung des Gezeigten haben die verwendeten Farben und die Technik mit der sie aufgetragen wurden. Viele rosa- und blau-Töne, sowie generell helle Akzente erinnern an Kinderbücher, die jedoch mit einem fast schon unnatürlichem Perfektionismus in Szene gesetzt werden, der eine Rückbesinnung des 19. Jahrhunderts zitiert, zu der der Künstler offen steht.

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Darin eingebettet sind jedoch seelische Abgründe, die nicht nur mit dem abwesenden Blick der Figuren, sondern mit Elementen wie rohem Fleisch, Blut und Tod unterstrichen werden. Um dem Werk eine zusätzliche Schwere zu verleihen, die den Kontrast noch weiter in die Höhe treibt, wird der Großteil der Bilder in massive, detailliert ausgearbeitete Rahmen gelegt, die individuell für jedes einzelne Motiv angefertigt wurden.

Kindlicher Unschuld wird damit die brutale Moderne mit ihren surrealistischen Auswüchsen entgegen gesetzt, nach der die Gesellschaft auch außerhalb des eingeweihten Zyklus der Kunst-Kritiker giert. Dementsprechend ist der Erfolg Mark Rydens nicht verwunderlich und ein Ende der Popularität noch lange nicht in Sicht. Sein Balanceakt zwischen high- und low-art steht für eine Kunst, die Handwerk in seiner Bedeutung mit der Kreativität gleich setzt und damit auch das ungeübte Auge begeistern kann.

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Damit auch Interessenten außerhalb einer bestimmten Gehaltsklasse in den Genuss von „Pinxit“ kommen können, hat TASCHEN nun endlich für 29,99€ eine preiswerte Version des Buchs veröffentlicht. Zuvor gab es wie üblich limitierte Auflagen in einem Wert von 750€-6000€. Inhaltlich steht die neue Fassung den „großen Brüdern“ in nichts nach. Daher kann ich „Mark Ryden. Pinxit“ jedem, angefangen beim Laien bis zum Experten, uneingeschränkt empfehlen. Ihr werdet garantiert euren Spaß haben, während ihr Seite für Seite tiefer in diese seltsame Welt eintaucht.

Spawn Origins Collection – Band 8

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Inzwischen läuft die „Spawn Origins Collection“ seit gut drei Jahren und schlägt sich hierzulande sowohl bei Neueinsteigern als auch alten Fans ganz gut durch. In den USA hingegen wurde die Reihe leider schon nach der Nummer 9 und damit mitten in einem Story-Strang abgewürgt. Ob es an schwindenden Verkaufszahlen oder einer unternehmenspolitischen Entscheidung lag, kann wohl niemand beantworten. In Deutschland spekuliert Panini Comics im Gegensatz dazu öffentlich über eine eigene Fortführung der Geschichte um Al Simmons und seinem Kampf zwischen Himmel und Hölle.

Warum das eine gute Idee ist, beweist die aktuellste Veröffentlichung, die mit den Heften 88 bis 100 aufwartet. In diesen erwartet uns wieder die gewohnte Mischung aus Gewalt, Pathos und einem Schuss Selbstironie. Wobei man durchaus merkt, dass sich der Stil der 90er weitesgehend zurückgezogen und damit Platz für den düster-seriösen Anstrich gemacht hat, der noch heute vorherrscht. Das sieht man vor allem an den in sich geschlossenen Storys, die den Anfang des Sammelbands bilden. Es werden zwar immer wieder Verweise auf die Kontinuität eingeworfen, der Genuss der einzelnen Handlungen kann aber für sich selbst erfolgen.

Zum Beispiel gibt es die schöne „Verhör-Situation“ eines Verbrecher-Trios durch Spawn, welches die Weltanschauung Todd McFarlanes (der geistige Vater der Figur) verdeutlicht und zeitgleich makaber zu unterhalten weiß. Das selbe gilt für ein immer wieder aufgegriffenes Thema: Den Kindesmissbrauch. Man spürt förmlich den Hass des Autoren auf die Monster, die diese unbeschreiblichen Verbrechen begehen und mit dem Medium Comic hat er ein Ventil gefunden, mit dem er sich ganz explizit damit auseinandersetzen kann.

Trotz dieser kleinen Ausflüge läuft die Hauptgeschichte unaufhörlich weiter. Der Kampf zwischen Himmel und Hölle steht unmittelbar bevor und so gut wie alle Akteure der bis dato stattgefundenen Geschehnisse sind wieder an Bord. Angela, Cogliostro, Sam, Twitch und viele mehr. Da Spawn sich von beiden Seiten emanzipiert hat und sein Erschaffer Malebolgia in der Verwirrung um die Zugehörigkeit des Geschöpfs die Macht der Hölle an sich reißen möchte, um die Apokalypse auszulösen, ist das Chaos so gut wie unausweichlich. Dafür lässt er mit Hilfe zweier Helfer einen Dämon auferstehen, der das Ende der Welt bedeuten kann. Damit fängt die Schlacht aller Schlachten an, in dessen Verlauf einige Überraschungen zutage gefördert werden.

Das alles kommt glücklicherweise, wie schon mal erwähnt, mit immer weniger Pathos aus. Dadurch kann man sich ganz auf den Inhalt konzentrieren, der sich nicht hinter hohlen Phrasen zu verstecken braucht. Natürlich reden wir immer noch von einer der erfolgreichsten Indie-Reihen aller Zeiten, aber gewisse Regeln des Mainstream-Story-Tellings werden trotzdem eingehalten und heben „Spawn“ aus der blutigen Masse des Trash hervor. Hinzu kommen die gewohnt großartigen Zeichnungen von Greg Capullo, der sich im letzten Batman-Run ausleben und sich über die letzten zwei Dekaden als feste Größe in der Szene etabliert konnte. Plastisch, düster und doch mit einem gewissen Augenzwinkern, ist sein Stil unverkennbar und trägt als wichtiger Pfeiler den Erfolg der Reihe mit.

Wenn man die „Spawn Origins Collection“ von Anfang an verfolgt hat, wird man sowohl visuell als auch inhaltlich einen kontinuierlichen Anstieg der Qualität feststellen. Während zu Anfang das Konzept auf größtmögliche Provokation abzielte, die die ehemaligen Marvel-Mitarbeiter erstmals ausleben konnten, fokussiert sich das Kreativ-Team über die Jahre hinweg mehr auf die Tiefe der Charaktere, den Feinschliff des Looks und einen epischen Bogen, den es in solchen Releases selten zu schlagen gilt.

In diesem Sinne ist der achte Teil keinesfalls nur eine Ergänzung (die sich tatsächlich schön im Regal präsentieren lässt), sondern in meinen Augen der Höhepunkt, der bis dahin erzählten Geschichte um Spawn. Ich freue mich dementsprechend jetzt schon auf die weitere Fortsetzung und hoffe, dass Panini Comics ihre Spekulationen diesbezüglich in die Tat umsetzt!

Fight Club 2 – Buch 2|2

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Was hat es lange gedauert, aber nun ist es endlich soweit: Nachdem mich schon der erste Band der offiziellen „Fight Club“-Fortsetzung umgehauen hat, findet die geniale Story ihren Abschluss in der finalen Ausgabe beim Splitter Verlag.

Um diejenigen nicht zu verwirren, die das erste mal davon hören, dass es eine Fortsetzung um Tyler Durden gibt, hole ich etwas aus. 16 Jahre nach der bahnbrechenden Verfilmung und 20 Jahre nach dem Release des ursprünglichen Romans, erschien 2015 die lang ersehnte Fortführung von Chuck Palahniuk, der sich auch für das Erstlingswerk verantwortlich zeigte. Auf die Idee seine ursprünglichen Visionen weiter laufen zu lassen kam er, als er realisierte, dass die Gegenwart bezüglich ihrer fast schon dystopischen Entwicklung, die Realität seiner Figuren zu unterbieten schien. Das konnte er natürlich nicht umkommentiert lassen und griff auf eines seiner Lieblingsmedien zurück – den Comic. Dafür holte er sich den Eisner-Award-Gewinner Cameron Stewart ins Team und legte los.

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©Splitter

Zehn Jahre nachdem Tylers „Projekt Chaos“ gescheitert ist, lebt der ehemals namenlose Mann hinter dem Soziopathen als Sebastian ein fast normales Leben. Pillen und medizinisches Marihuana ermöglichen es ihm einen Alltag zu bestreiten, der eine Zeit lang als unmöglich galt. Diesen teilt er sich mit der uns bekannten Marla Singer, deren Charakter immer noch durch Zigaretten und Zynismus geformt wird, die jedoch inzwischen mit ihrem Mann einen neunjährigen Sohn großzieht. So wie wir Marla jedoch kennen, wird ihr diese Konstellation auf lange Sicht zu langweilig und sie beginnt Sebastians Medizin zu präparieren, bis ihr psychopathischer Sex-Gott Tyler Stück für Stück aus der geistigen Versenkung empor steigt.

So kommt es wie es kommen muss und das „Projekt Chaos“ wird erneut aus der Taufe gehoben, während die immer noch aktiven Fight Clubs tatkräftige Unterstützung leisten und uns dabei bekannte Charaktere wie Angel Face oder Robert Paulson über den Weg laufen. Die ohnehin schon prekäre Situation erreicht ihren Höhepunkt als der gemeinsame Sohn von Marla und Sebastian von Mr. Durden entführt wird. Da beide Persönlichkeiten streng von einander getrennt sind, weiß niemand außer unser hauptberufliche Tunichtgut wo der Nachwuchs festgehalten wird. Nun bleibt nichts anderes übrig als nach dem Kind zu suchen und genau hier setzt die Handlung des Abschluss-Bandes ein, in dem Marla mit einem Haufen todkranker Kinder und jenen, die so tun als ob, die Gegend absucht und Sebastian versucht mit seinem Therapeuten seinen dunkle Seite zu unterdrücken.

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Dabei spielt Palahniuk wieder gekonnt mit dem ihm zur Verfügung stehenden Medium. Wie ein in die Tastatur gehämmerter Mittelfinger nimmt er die Erwartungen der Leser und spuckt sie ihnen vor die Füße. Man weiß nie was auf der nächsten Seite passiert und das ist gut so. Es ist selten, dass man einen Comic in die Hand bekommt, der so gekonnt mit Selbstreferenzen umgeht und die vierte Wand durchbricht ohne dieses Stilmittel zur reinen Zierde verkommen zu lassen. So nimmt er zum Beispiel immer wieder den popkulturellen Fußabdruck des Titels und richtet ihn gegen die damit einhergehenden Konventionen. Er feiert sozusagen einen Anti-Kult des eigenen Werkes, welches trotzdem durch seinen Hauptcharakter funktioniert. Am faszinierendsten bleibt die immer deutlicher zutage tretende Aussage, dass der Schöpfer sowohl in Bezug auf die Fans seiner Arbeit als auch auf das Werk selbst, jegliche Kontrolle verloren hat. Damit gelingt es dem Autoren sowohl inhaltlich als auch vom Feeling her, eine funktionierende Fortsetzung seines wohl größten Erfolgs weiter zu spinnen aber auch eine parallele Aussage zu seiner Schöpfung auf den Punkt zu bringen, die größer geworden ist als er selbst.

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©Splitter

Dabei spielt Cameron Stewart keine unwichtige Rolle. Er schafft es nämlich nicht nur die komplexe Gedankenwelt Palahniuks in Panels zu pressen, sondern nimmt sich die Freiheit diese regelmäßig zu sprengen und auch im visuellen Bereich selbstreflektiert zu agieren. Schuss- und Explosions-Geräusche werden so integriert, dass sie Einfluss auf das Verständnis des Gesagten haben und die Psychosen der Hauptfigur werden mit über die Seiten verteilten Gegenständen fast schon greifbar. Kurzum technisch auf höchstem Niveau.

Dieses wird wie beschrieben über alle Ebenen auch im letzten Band gehalten und bildet den in meinen Augen perfekten Abschluss, aus dem sich der Autor kein Hintertürchen gelassen hat und damit die Punkrock-Attitüde des Gesamtwerkes zu unterstreichen weiß. Dementsprechend gilt auch hier: Pflichtkauf!