[Rezension] Bountilus: Der Calamari Cult – Teil 1 von 2 (Kult Comics)

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Das Team aus dem Künstler Andi Papelitzky und dem Autor/Musiker Andreas „Medusa“ Kuhn, sowie Sänger Marco Klingel hat sich erneut daran gewagt Musik und das Medium Comic verschmelzen zu lassen und diesmal sogar in einem richtigen Crossover. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass beide zusammenarbeiten, da Papelitzky schon Artwork und Comics zu vorangegangenen Releases von Kuhns Band apRon beigesteuert hat. Jedoch finden im vorliegenden Band zum ersten Mal zwei getrennt voneinander kreierte Konzepte zusammen und harmonieren dabei erstaunlich gut.

Zum einen haben wir die Crew der Bountilus, die auch den Titel des vorliegenden Comics vorgibt und aus dem ungewöhnlichen Duo Captain Nihil und dem Tentakel-Alien Quattro besteht. Deren erstes Abenteuer durften wir schon in einem durch eine Startnext-Kampagne finanzierten Band bestaunen. Auf der anderen Seite haben wir die Bandmitglieder von apRon, die gemäß dem Thema ihrer Alben Alter Egos zulegen, die in diesem Fall ein Haufen Cowboys und ein Indianer sind. Das sich das schnell wieder ändern kann, wird am Untertitel des im Vergleich zum Vorgänger recht dicken Bandes deutlich: „Der Calamari Cult„. Ein Name, der nicht nur einen Hinweis zum Inhalt des Comics, sondern auch den offiziellen Titel des am kommenden am Freitag (13.12.2019) erscheinenden apRon-Albums vorgibt. Man sieht also schon deutlich, dass nach „Der Punch“ und „Auf dem Ponyhof“ der Trend immer noch gen Konzeptalbum tendiert.

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©Andi Papelitzky

Inhaltlich werden gleich zu Beginn beide Welten verschmolzen, als die Bountilus eine Bruchlandung hinlegt und kurz darauf als eine Art Space-Uber-Taxi die an der Absturzstelle wartende Band aufliest, die im Comic natürlich nicht primär als Gruppe an Musikern, sondern rechtschaffenen Abenteurern präsentiert wird, die erst vor kurzem Frieden „Auf dem Ponyhof“ gestiftet und sich in dem Zuge mit einem Einhorn angefreundet haben. Es darf zumindest verraten werden, dass der Spaß mit dem behörnten Klepper nur temporärer Natur ist.

So wird das Quartett nach einer ungewöhnlichen Zusammenführung zu einem intergalaktischen Konzil geflogen, bei dem es die Zusammensetzung des ihnen bis dato nur grob bekannten Universums in Erfahrung bringt. Ihm wohnt nämlich eine gewisse Ordnung inne, die nun aufgrund eines „Zwischenfalls“ so gestört ist, dass die Helden Till, Medusa, Sebi und Marvin beauftragt werden müssen, die Galaxie zu retten. Dies ist jedoch nur möglich, indem sie als Herren über Leben und Tod, das Schicksal eines von ihnen gewählten Planeten bestimmen. Sich zu entscheiden ist aber nachvollziehbar schwer. Daher kutschieren Captain Nihil und Lieutenant Quattro die Gruppe von Himmelskörper zu Himmelskörper, auf denen apRon sich über die Bewohner informieren kann. Dabei stoßen sie nicht nur auf allerlei lustige und interessante Gestalten, sondern kommen sogar einem Geheimnis auf die Spur, dass der Leser mit den Charakteren erst erkunden muss…

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©Andi Papelitzky

Zwar ist der Plot schon zu Anfang der Geschichte relativ schnell erklärt, aber das tut dem Lesespaß keinen Abbruch, denn dafür sind die 140 Seiten mit genug Gags vollgepackt, die in aller Regelmäßigkeit zünden. Auch Fans der Band kommen auf ihre Kosten, die immer mal wieder kleine Querverweise auf die Historie von apRon serviert bekommen, die in Teilen auch weiter zurück reichen, als man zunächst vermuten würde. Dabei wird nicht nur auf die schon genannten Alben, sondern auch auf die frühen Tage der Musiker Bezug genommen.

Und wie es sich für einen Comic, der sich außerhalb des Mainstreams bewegt gehört, wird gerne hier und da auch mal ein sozialkritischer Seitenhieb ausgepackt, der sich nicht nur gegen bestimmte politische Strömungen, sondern auch gegen ganz konkrete Vertreter der besagten Geisteshaltung richtet. Schön erfrischend und ehrlich, aber ohne zu einem kompletten Bruch mit der eigentlichen Story zu führen. In dem Kontext tatsächlich ein kleines Kunststück, da der Comic zwar eigenständig, aber zeitgleich ein Promoinstrument zum aktuellen apRon-Album ist. Diese Kombination funktioniert erstaunlich gut, ohne wie eine mit Buzzwords gefüllte, stupide Auftragsarbeit zu wirken. Mir scheint, dass sich das beteiligte Team sich über die Jahre in ihrer Arbeitsweise so gut kennen gelernt hat, dass genau der richtige Zeitpunkt für einen Release abgepasst wurde.

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©Andi Papelitzky

Auch visuell macht es Spaß dem Strich von Andi Papelitzky über den für einen Independent-Release sehr üppigen Band zu folgen. Sein grober Stil in Kombination mit häufig reduzierten Panels lässt den Fokus auf den dargestellten Figuren ruhen, die in ihrer Art einen unverkennbaren Stil in sich tragen. Im Zusammenspiel mit der überdrehten Geschichte ergibt sich daher ein Mix, der sich in einer kurzweiligen Unterhaltung manifestiert, die zum einen Lust darauf macht zu erfahren, wohin es die Helden der Geschichte als nächstes verschlagen und wie sich das auf das Konzept und die Live-Shows der Band ausschlagen wird. Zu beiden Projekten findet ihr im folgenden ein paar Infos:

Bountilus: Der Calamari Kult - Teil 1 von 2 
Verlag: Kult Comics
Autor: Andreas "Medusa" Kuhn
Zeichner: Andi Papelitzky
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR
apRon
Aktueller Release: Der Calamari Kult (13.12.2019
Live: Punchfest 2019 - apRon + Password Monkey, 
This is not an Elephant & Safran Jacket

 

Ist Hören das neue Lesen? – Audiobooks und Podcasts auf dem Vormarsch

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Ein immer häufigeres Bild: Das Buch oder E-Book wird zur Seite gelegt und trotzdem verpasst man keine gute Geschichte.

Ich weiß nicht wie es euch geht, wenn es um das Lesen geht, aber ich gehöre in der Regel zu denjenigen, die sich am Anblick gefüllter Bücherregale ergötzen und nicht genug vom Geruch frisch aufgeschlagener Seiten kriegen können. Doch gehöre ich mit meinen vollen Schränken und dicken Schinken zu einer aussterbenden Art? Als zum Beispiel E-Books nicht nur als reines Luxusgut empfunden wurden und die Anbieter sich in einer Preisschlacht um die Kunden rissen, konnte man eine Ahnung davon bekommen, dass die Welt der Leser sich im Umbruch befindet.

Ich muss gestehen, dass ich als jemand, der sich schon seit jeher physischen Medien verschrieben hat (CDs, Vinyls und natürlich Bücher) ein mulmiges Gefühl bekommen habe, während diese Entwicklung in meiner unmittelbaren Umgebung stattfand. Doch je mehr ich mich mit dem neuen Status Quo beschäftigt habe, desto mehr begriff ich, warum so viele Leute sich anfingen umzuorientieren. Zeitgleich verstand ich, dass ich wohl ein Idealist bin, denn die Freude an einer Geschichte oder einem Musikstück ändert sich nicht durch die Art des Konsums, solange man sich auf das jeweilige Werk wirklich einlässt.

Eine weitere Entwicklung, die ich nicht kommen sah und die eigentlich sehr offensichtlich vor meinen Augen vollzogen wurde, war die des Hörbuch-Revivals. Während meine Klassenkameraden in der Grundschule gerne zu Kassetten (ja, die wurden in meiner Jugend auch noch benutzt) und CDs bekannter Kinder-Formate oder sündhaft teuerer Jugend-Romane wie Harry Potter griffen, stromerte ich immer noch im lokalen Buchladen herum. Eine andere Zielgruppe kam mir nie in den Sinn. Wer sah schon Erwachsene mit einem CD-Player oder Walkman auf der Straße die neuesten Bestseller genießen?

Und wie schon zuvor wurde ich Jahre später eines Besseren belehrt. Kaum begann die Game of Thrones-TV-Serie an Fahrt aufzunehmen, interessierten sich plötzlich, wie schon bei so vielen anderen Adaptionen, die Leute für das Ursprungsmaterial. Doch etwas war nun anders. Saßen früher einem die Menschen mit einem Buch gegenüber, haben sie heute ausnahmslos Kopfhörer im Ohr, aus denen nicht nur Musik läuft. So war ich erstaunt, als ein Arbeitskollege ein Buch nach dem andern verschlang, während ich mich im öffentlichen Nahverkehr und den seltenen Abenden mit einem freien Kopf in die Welt der sieben Königreiche stürzte. Wohlgemerkt nachdem ich mich entweder in der Uni über zahlreiche Bücher gebeugt oder im Job vor dem Bildschirm gesessen habe. Ihr könnt euch meine durchgehende Erschöpfung wahrscheinlich gut vorstellen. Als mir dann besagter Kollege nebenbei erzählte, dass er auf dem Weg zur Arbeit, beim Fitness und beim Haushalt ein Kapitel nach dem anderen abarbeitete, wurde mir dann plötzlich alles klar.

Es dauerte zwar noch ein wenig, bis ich mich selbst von alten Mustern lösen konnte (Musik-Streaming war bis vor nicht allzu langer Zeit in meinen Augen ebenfalls Teufelswerk), doch irgendwann lachte mich ein Audiobook zu Stephen Kings Dr. Sleep an (übrigens demnächst im Kino!) und meine zweigleisige Reise begann. Sammelte ich zwar nach wie vor schöne Kunstbände, die neuesten Veröffentlichungen meiner Lieblings-Autoren und so manch faden Klassiker durch die verpflichtende Uni-Lektüre, drangen nun immer mehr Geschichten an mein Ohr, die ich aufgrund meines vollen Alltags niemals hätte lesen können. Eine endgültige Erkenntnis dieses zeitsparenden Vorteils kam über mich, als ich gegen Ende meines längeren USA-Aufenthaltes Ende September die Nachricht bekam, dass ich gleich vier Bücher aus dem Bereich der Belletristik mit dem Thema Kannibalismus zu lesen hätte. Ein recht schwieriges Unterfangen, wenn der Kurs nur wenige Wochen entfernt ist und das eigene Zeitmanagement nicht auf solche Fälle ausgerichtet ist. Was also tun? Las und hörte ich bis dato nur zum reinen Vergnügen, kam es mir zunächst nichtmal in den Sinn zum Beispiel bei den bekannten Anbietern zu stöbern. Doch eine Freundin, die offensichtlich weitsichtiger ist, als ich es in solchen Situationen jemals sein könnte (danke, Isabell!), nahm mich an die Hand, um mir die Möglichkeit aufzuzeigen, die erwähnten Schmöker in kürzester Zeit durchzukriegen. Gesagt, getan. Und nun konnte ich mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich es zu Beginn des Semesters geschafft hatte vier Klassiker der Weltliteratur, von denen Life of Pi jedoch nur exklusiv auf audible zur Verfügung stand, in extrem kurzer Zeit „gelesen“ zu haben (die anderen waren übrigens Robinson Crusoe, Heart of Darkness und The Narrative of Arthur Gordon Pym).

Übrigens habe ich mich nach meinem Umstieg auf Musik-Streaming umfassend über die Folgen für den Abverkauf von CDs und Vinyls informiert, was es für den Konsumenten und den Markt bedeuten würde und vieles mehr. Aus irgendeinem Grund war dies im Bereich der Literatur jedoch nicht der Fall. Vielleicht wieder mein altes Festhalten an Gewohnheiten?

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Das Jahr 2019: Noch nie gab es so viele Möglichkeiten ein Buch zu genießen. Immer mehr Menschen greifen dabei zu Smartphone und Kopfhörer.

Nun bin ich aber über diesen Artikel des audible magazins gestoßen, der bewies, dass ich in meiner Entwicklung nicht alleine dastehe und meine Vermutungen bezüglich der Marktentwicklung in großen Teilen der Wahrheit ziemlich nahe kommen. Aus der im Beitrag behandelten Hörkompass-Studie 2019, die das Hörverhalten der Deutschen in Bezug auf Hörbücher, Hörspiele und Podcasts untersucht, lässt sich herauslesen, dass es dieses Jahr sage und schreibe 23 Millionen(!!!) Hörer in Deutschland gibt, von denen knapp 8 Millionen täglich in Geschichten und Diskussionen abtauchen. Dabei ist nicht nur die überraschend große Anzahl an Konsumenten interessant, sondern vor allem die Entwicklung seit dem letzten Jahr. Dabei stellt man fest, dass es neben der zusätzlichen Million an Hörern seit 2018 (inklusive mir), nun doppelt so viele tägliche Konsumenten gibt.

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen, die Teils in direktem Zusammenhang zueinander stehen. So passiert aktuell das gleiche, wie vor ein paar Jahren in der Musikindustrie. Immer mehr jüngere Hörer steigen auf digitale Angebote um und lassen „alte“ Datenträger hinter sich. Neben breit gestreuten Kampagnen im Bereich der Display- und Print-Werbung treiben auch Personen des öffentlichen Lebens immer mehr Menschen zu Anbietern, die exklusiv digitale Angebote wie Podcasts, Hörbücher oder Hörspiele im Sortiment haben. Der wichtigste und auch für mich persönlich relevanteste Punkt war jedoch die Tatsache, dass ich mein Smartphone immer dabei habe, was zwangsläufig dazu führt, dass die Hemmschwelle der Wahrnehmung eines Angebots niedrig angesetzt ist.  Durch diese Entwicklung war es nur eine Frage der Zeit, bis die CD, als das bis dato üblich genutzte Medium, abgelöst werden würde. 2019 ist es nun erstmal soweit und der Trend hat seit 2016 eine gefühlte 180° Drehung gemacht. Während vor drei Jahren noch fast 60% der Hörer zu CDs und nur knapp über 30% zu Smartphone und Tablet griffen, verhält es sich in diesem Jahr exakt andersrum.

Ein weiterer Vorteil bezieht sich auf mein zuvor erwähntes Problem der Erschöpfung. Mit der doppelten Belastung meiner Augen durch Arbeit und Studium, stelle ich vielleicht ein Extrembeispiel dar, doch eine gesteigerte Nutzung von Smartphones und Tablets führt zwangsläufig zu einem schnelleren geistigen und körperlichen Erschöpfungszustand. Ein direkter Vergleich aus meinem Leben: Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich einen anderen Literaturkurs, für den ich ebenfalls vier Bücher vorzubereiten hatte. Damals noch gänzlich dem Papier verfallen, habe ich es gerade so geschafft zweieinhalb Werke zu lesen, wenig von ihnen zu merken und in der Folge einen der sinnlosesten Lehrveranstaltungen meiner Uni-Laufbahn besucht zu haben. Ganz zu schweigen vom Stress, der damit einherging. Ein Jahr später mache ich Fitness, räume auf und fahre Bahn, ohne mein Smartphone eines Blickes zu würdigen. Zeitgleich läuft darüber die ein oder andere Geschichte oder ein interessantes Gespräch in einem Podcast. In dem Sinne eine Art „Digital Detox„, ohne es als solches wahrzunehmen. Bezüglich der erwähnten Orte befinde ich mich übrigens erneut in bester Gesellschaft: 76% der unter 40jährigen hören am liebsten in Bus, Bahn und Flugzeug. Es macht ja auch durchaus Sinn sich einem spannenden Thema zu widmen, statt zu versuchen dem Blick des Vordermanns auszuweichen und stoisch aus dem Fenster in einen dunklen Tunnel zu starren.

Und auch der letzte Punkt der Studie scheint wie nach meinem Leben geformt zu sein. Der typische Hörbuch-Hörer ist demnach jung und überdurchschnittlich gebildet. Diese Gruppe verfügt im Schnitt auch über ein hohes Einkommen. Dazu zähle ich aktuell definitiv nicht, aber dafür stimmt wieder ein anderer Punkt. So besorgen sich gut 79% der regelmäßigen Hörer nach wie vor mindestens ein klassisch gedrucktes Buch pro Jahr und damit rund 8% mehr als der Schnitt der Gesamtbevölkerung. Nun ist die Frage ob das Medium sich an seine potentiellen Nutzer angepasst hat oder ob die dafür genutzte Technik endlich reif genug ist, um von mehr Leuten genutzt zu werden. Ich tippe auf letzteres, denn wie schon beim Musik-Streaming ist es nicht ein Album, dass den Hörer dazu bewegt sich nach Alternativen zu CDs umzusehen, sondern die unmittelbare Verfügbarkeit. Zumindest war das ein für mich persönlich ausschlaggebendes Argument.

Wie sieht es dahingehend bei euch aus? Seid ihr ebenfalls „Misch-User“ wie ich oder habt ihr euch einer bestimmten Art von Medium verschrieben? Oder überlegt ihr euch aktuell umzusteigen? Lasst mir gerne hierzu einen Kommentar hier oder auf meinen Social Media Profilen da!

[Rezension] Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse (Cross Cult)

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Das Comicfestival München liegt schon eine Weile hinter uns, doch der anwesende Stargast Eduardo Risso ist immer noch Teil des Comic-Diskurses 2019. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Zeichner hinter Titeln wie „100 Bullets“ oder „Batman: Kaputte Stadt“ sich erneut mit dem Autoren Brian Azzarello („Joker„, „Batman: Damned„) zusammengetan hat, um den Lesern einen angenehmen Schauer über den Rücken zu jagen.

Wenn man es genau nimmt, stimmt das jedoch aktuell einzig und allein für die deutschen Leser, die erst diesen Sommer in den Genuss kamen den ersten Band von „Moonshine“ mit dem Titel „Familiengeheimnisse“ in den Händen zu halten, nachdem US-amerikanische Fans vor drei Jahren(!) die Möglichkeit hatten in den Horror-Gangster-Mix einzutauchen. Dafür müssen hiesige Käufer auch nicht allzu lange auf die Fortsetzung „Zug ins Unglück“ zu warten, welche passend nur zwei Wochen nach Halloween ihren Weg in die Bücherregale finden wird.

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©Cross Cult

Doch worum geht es eigentlich in „Moonshine„? Wir befinden uns im Jahr 1920 in den USA und damit mitten in der sogenannten Prohibition. Die Regierung verbietet die Herstellung und den Verkauf von Alkohol und bietet damit zwielichtigen Gestalten die Möglichkeit sich illegal ein goldenes Näschen zu verdienen. Dazu gehört auch die New Yorker Unterwelt, die den Kleinganoven Lou Pirlo in die Appalachen schickt, um mit dem dort ansässigen Schwarzbrenner Hiram Holt einen Deal bezüglich einer neuen Handelsroute auszuhandeln.

Das gestaltet sich doch bei weitem schwieriger, als Lou es sich vorgestellt hat, denn Hiram will seine Brennerei geheim halten und schon bald wird klar, dass ihm dafür jedes Mittel recht ist. Zu allem Unglück wird auch ersichtlich, dass auch der Staat das Gebiet im Blick hat und der umliegende Wald ebenfalls Geheimnisse in sich trägt, die besser verborgen geblieben wären.

Einen Hinweis dazu bietet der Titel des Comics, der gleich zwei Themenbereiche der Geschichte abdeckt. Zum einen wissen Western-Fans, Red Dead Redemption-Spieler und Alkohol-Kenner, dass es die umgangssprachliche Bezeichnung für schwarzgebrannten Schnaps ist. Zum anderen können sich Horror-Enthusiasten denken, in welchem Kontext der Mond gerne eingeordnet wird.

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©Cross Cult

Dabei funktioniert diese Mixtur von Brian Azzarello, die meines Wissens noch nie im Medium Comic aufgegriffen wurde, überraschend gut und wirkt trotz ihrer offensichtlichen Besonderheit nicht aufgesetzt, sondern ab der ersten Seite spannend und atmosphärisch. Zwar bleibt die Entwicklung der Figuren und die Erklärung ihrer Handlungsweisen recht vorhersehbar, da sie oftmals einem Abziehbild aus dem Genre-verwandten Film Noir entsprechen, aber durch den Blick über den Tellerrand wird man nicht gelangweilt und möchte wissen, welche Überraschung auf der nächsten Seite lauert.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat der Argentinier Eduardo Risso, der es mit seinen vielen Schwarzflächen, dem dynamischen Panel-Aufbau und seinem charakteristischen Strich (der in Teilen an einen Frank Miller erinnert) schafft ein so bedrohliches Setting zu kreieren, dass selbst die erwähnten Stereotype des Noir-Genres in einem neuen Licht gesehen werden können.

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©Cross Cult

Durch die Zusammenarbeit dieser beiden Stars und Eisner Award-Preisträger ergibt sich ein Werk, dass durch bekannte Versatzstücke keine Probleme beim Einstieg bereitet und durch die Kombination mit neuen Elementen einen frischen Eindruck vermittelt, der fesselt und Lust auf  mehr macht.

Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.06.2019  
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Eduardo Risso 
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 144 
Preis: 22 EUR

[Rezension] Batman: Damned – Bd. 2 (Panini Comics)

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Ihr könnt euch noch an den kleinen Skandal um Batmans bestes Stück im Kontext der Veröffentlichung des DC Black Label-Titels „Damned“ erinnern? Die künstliche Empörung (und damit auch der Preis für die unzensierte Ausgabe) ist glücklicherweise abgefallen und gibt nun endlich den Blick auf die erzählerische und künstlerische Qaulität der Reihe frei, die bei Panini Comics endlich in die zweite Runde geht.

Wie schon beim Erstling, wird dem Leser recht schnell bewusst gemacht, dass es sich nicht um eine übliche Batman-Erzählung handelt. So war schon der Beginn mit Jokers Ermordung(?) ein spannender und außergewöhnlicher Einstieg, der mit okkulten Elementen, basierend auf Figuren wie John Constantine und Deadman, in eine Handlung floß, die man sich mit Konzentration, aber mit viel Spaß erschließen musste. Letzterer fußte aber primär nicht auf der schwer zu greifenden Handlung, sondern dem schier unfassbar guten Artwork von Lee Bermejo („Joker„, „Luther„, „Batman: Nöel„). Dieses bewegt sich de facto auf einem für sich stehenden Level, welches im Hinblick auf den malerischen, bisweilen ultrarealistischen Stil nur von Kollegen wie Alex Ross geteilt wird. Eins kann man in dem Zusammenhang schonmal vorweg nehmen: auf der visuellen Seite wird dieses Niveau gehalten und in Teilen sogar übertroffen. Hier saß wahrlich ein Meister seines Fachs am Zeichentisch.

Inhaltlich schließt Band 2 nahtlos an den Vorgänger an. Batman versucht Licht in den Fall des ermordeten Jokers zu bringen, stößt dabei auf Hinweise, die ihn als Mörder ausweisen und wittert darauf basierend eine Verschwörung gegen ihn, der er aus nachvollziehbaren Gründen auf den Grund gehen möchte.

Dafür muss er sich in die düstersten Ecken Gothams bewegen und seine Detektivfähigkeiten ausspielen, die jedoch nicht immer zum Erfolg führen. So trifft er zum Beispiel in einem Nachtclub auf den Dämon Etrigan aka Jason Blood, der in der Fassung von Brian Azzarello wie das Original in Reimen spricht, aber in einem Twist des Autoren passend zu einem Underground-Rapper umgestaltet wird. Ein netter Gag für Comic-Enthusiasten, aber für Batman selbst keine Hilfe, da der Laden im Verlauf der Konforntation mitsamt den Hoffnungen des dunklen Ritters in Flammen aufgeht.

Neben dieser Suche erfährt der Leser durch Rückblenden auch Stück für Stück ein wenig mehr über die Vergangenheit von Bruce Wayne und seine Eltern. Diese ist dabei bei weitem nicht die harmonische Beziehung, die wir aus den üblichen Origin-Geschichten kennen, sondern in ihrem Kern, zumindest zwischen Thomas und Martha, so disfunktional, wie es leider zu oft in der Realität anzutreffen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Bruce versucht hat über Jahre hinweg familiäre Probleme zu verdrängen oder ob das Trauma der Ermordung seiner Eltern diese einfach überschrieben hat und zu einer Überhöhung des Bildes geführt hat, dass er seit dem in sich trägt.

Leider wären das schon im Kern alle greifbaren Story-Elemente, neben denen wenige verquere Stränge auftauchen, die sich wahrscheinlich erst im großen Bogen der drei Teile der Geschichte zusammenführen lassen.  Wäre da nicht Bermejos umwerfende Arbeit, würde Azzarellos Geschichte realistisch Gefahr laufen recht blass auszusehen. Da es jedoch offensichtlich nicht der Fall ist, trägt dieses Team „Batman: Damned“ auch im zweiten Teil gut über die Ziellinie. Zwar deutet die Story aufgrund der genannten Elemente eine reale Tiefe über gewisse Strecken nur an, aber eine düster-stimmige Atosphäre wird trotz allem über alle Seiten hinweg erzeugt und hält damit den Leser ohne Probleme bei der Stange.

Selbst wenn die Handlung nicht jeden vollends überzeugen sollte, lohnt sich der Griff in das Regal des Comicladens eures Vertrauens, allein schon wegen des opulenten Artworks. Dieses für sich steigert schon die Vorfreude und Neugier auf den bald erscheinenden Abschluss der Story im Dezember.

Batman: Damned - Bd. 2 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Lee Bermejo 
Erschienen am: 11.06.2019 
 
Format: Hardcover

Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR

[Signieraktion] Christo in München

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Als Münchner fühlte ich mich lange Zeit benachteiligt, wenn es um die beliebten Signieraktionen aus dem Hause TASCHEN ging. Üblicherweise gaben sich zeitgenössische Künstler nur in den Flagshipstores in Hamburg, Berlin und Köln gegenseitig die Klinke in die Hand, während andere Städte neidisch in die genannten Ecken Deutschlands blicken mussten.

Nun ist es aber endlich soweit und niemand Geringeres als Christo wird sich die Ehre in der bayerischen Landeshauptstadt geben. Wie schon angeklungen ist, wird er dabei nicht in einem TASCHEN-Store, sondern in der Hugendubel-Filiale Fünf Höfe (Theatinerstraße 11, 80333 München) signieren. Den Anlass bietet dabei die aktualisierte Neu-Veröffentlichung von Christo and Jeanne-Claude, die zuvor nur als limitierte, von Christo selbst entworfene, sowie signierte und damit auch bezüglich des Preises nur einem bestimmten Klientel zugänglichen Version verfügbar war.

Inhaltlich gibt der XXL-Band den bis dato umfassendsten Überblick über das Schaffen von Christo und Jean-Claude (†2009), welches mit hunderten von Skizzen und Fotografien nachgezeichnet wird. Dazu gehören nicht nur weltbekannte Projekte wie Verhüllter Reichstag oder The Floating Piers, sondern auch nie abgeschlossene Werke wie The Mastaba of Abu Dhabi und L’Arc de Triomphe Wrapped, Paris.

Neben dem eigentlichen Inhalt gibt es dazu eine aktualisierten Einleitung vom mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Architekturkritiker Paul Goldberger und ein ausführliches Gespräch zwischen den Künstlern und dem Autor, in dem sich Jeanne-Claude kurz vor ihrem Tod Ende 2009 noch einmal öffentlich über die gemeinsame Arbeit äußert. So stellt dieser Band eine letztgültige Hommage an Jeanne-Claude und eine Würdigung des Werks zweier Künstler dar, deren Ideen den Blick auf Landschaften und Gebäude weltweit für immer verändert haben.

Wer nun die Möglichkeit nutzen möchte Christo persönlich zu erleben und den neuen Band von ihm signieren zu lassen, hat am Montag, dem 21.10.2019 (17-18 Uhr) die einzigartige und in München zum ersten Mal gegebene Chance dazu.

Hier wären alle Details zur Signierstunde und dem Band:

Künstler: Christo
Ort: Hugendubel Fünf Höfe (Theatinerstraße 11, 80333 München) 
Datum: Montag, 21.10.2019 
Uhrzeit: 17 bis 18 Uhr
Christo and Jeanne-Claude. Updated Edition
Verlag: TASCHEN 
Autor: Paul Goldberger
Fotograf: Wolfgang Volz
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch 
Format: Hardcover, 29,2 x 39 cm
Seitenzahl: 616
Preis: 150 EUR

 

[Ausstellungseröffnung] Ai Weiwei. The Papercut Portfolio (TASCHEN)

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Gerade noch eine Signieraktion angekündigt, die im TASCHEN-Flagshipstore in Berlin stattfindet und schon steht die nächste Aktion in den selben Räumen an. Am Freitag, dem 27.09.2019, wird Interessenten nämlich die einzigartige Möglichkeit gegeben, von 18 bis 21 Uhr das limitierte Scherenschnitt-Portfolio von Ai Weiwei zu bestaunen. Jedes der acht großformatigen Blätter ist aus hochwertigem, rot eingefärbtem Fine-Art-Papier gefertigt und behandelt entscheidende Stationen aus Ai Weiweis Biografie. Von seiner Zeit in New York in den 80er Jahren über seine Auseinandersetzung mit chinesischem Kunsthandwerk in Peking in den 90ern bis hin zum politischen Aktivismus in den jüngsten Arbeiten – The Papercut Portfolio präsentiert Ai Weiweis ganz persönlichen Rückblick in einem außergewöhnlichen Format.

Der Künstler, geboren 1957 in Peking, gilt als einer der bekanntesten und wichtigsten Akteure seiner Zunft. Dies hat neben der Tatsache, dass seine Werke für sich stehend Inspirationsquellen sind auch mit seinen klaren künstlerischen Aussagen zu drängenden geopolitischen Fragen unserer Zeit zu tun. Von Skulpturen und Installationen über Architektur bis hin zu Dokumentationen und Social Media nutzt er eine Vielzahl von Medien, um die Gesellschaft und ihre Werte auf immer neue Weise zu hinterfragen. Wenn man sich im Detail mit seinem Werk und Werdegang beschäftigen möchte, kann ich persönlich jedem die bei TASCHEN erschienene Monografie über den Künstler ans Herz legen, die vor längerer Zeit auch auf ZOMBIAC besprochen wurde. Hier geht es zur Rezension.

Er ist Träger des von Amnesty International vergebenen Ambassador of Conscience Awards 2015 und des Václav-Havel-Preises für kreativen Dissens der Human Rights Foundation 2012. Ais abendfüllender Dokumentarfilm Human Flow feierte Premiere im Wettbewerb der 74. Filmfestspiele in Venedig. Derzeit lebt und arbeitet er in Berlin.

Wer nun persönlich die Scherenschnitte betrachten möchte, sollte sich den kommenden Freitag frei halten. Für all jene, die sich ernsthaft mit dem Sammeln von Kunst beschäftigen, wäre ein Blick auf die Internet-Präsenz des Verlags zu empfehlen. Dort kann man sich bei einem entsprechenden Budget selbst eins der auf 250 Stück limitierten Portfolios sichern, deren Blätter allesamt von Ai Weiwei persönlich signiert wurden. Für alle anderen wären hier die Details zu der kommenden Veranstaltung:

Ausstellungseröffnung: Ai Weiwei. The Papercut Portfolio
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin) 
Datum: Freitag, 27.09.2019 
Uhrzeit: 18 bis 21 Uhr

 

TASCHEN-Signieraktion: History of Information Graphics

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TASCHEN lädt erneut zu einem Event in den Berliner Flagshipstore (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin). Niemand Geringeres als Infografik-Experten Sandra Rendgen, Michael Stoll und Julius Wiedemann werden am 20. September von 18 bis 20 Uhr erstmalig ihr  Buch History of Information Graphics vorstellen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit es sich signieren zu lassen. 

Inhaltlich dreht sich alles, wie man es dem Titel entnehmen kann, um Infografiken, die insbesondere in Zeiten einer Informationsflut immer mehr an Beliebtheit gewinnen. So nutzen sie unter anderem Kartografen, Journalisten, Designer, Statistiker und Wissenschaftler um komplexe Sachverhalte übersichtlich und pointiert darzustellen. Doch dieses Vorgehen ist nicht neu – die Geschichte der Informationsgrafik reicht Jahrhunderte zurück.

Der in Berlin vorgestellte Band bietet mit über 400 Karten, Diagrammen und Zeichnungen einen überwältigenden Querschnitt durch die visuelle Wissensvermittlung und erstreckt sich über viele Länder, Medien und Epochen – von mittelalterlichen Manuskripten bis zu farbigen Druckgrafiken, von Pergamentrollen bis zu Prachtatlanten, von handgemalten Diagrammen bis zu digitalen Datenkarten. Neben Meisterwerken wie der Weltkarte von Martin Waldseemüller, den Naturstudien Erich Haeckels und dem Netzplan der New Yorker U-Bahn von Massimo Vignelli und Bob Noorda birgt die von Sandra Rendgen kuratierte Auswahl viele unbekannte Schätze.

Wenn ihr euch die neueste Veröffentlichung aus dem Hause TASCHEN von den Machern signieren lassen wollt, habt ihr am kommenden Freitag die Möglichkeit dazu. Hier wären nochmal alle wichtigen Details:

Signieraktion: History of Information Graphics
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin 
(Schlüterstraße 39, 10629 Berlin)
Datum: 20.09.2019
Uhrzeit: 18 bis 20 Uhr

 

 

 

[Rezension] George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944 (TASCHEN)

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Man ist es von TASCHEN eigentlich schon gewohnt, dass XL-Ausgaben in einem so großen Format veröffentlicht werden, dass man das eigene Regal ruhig um mehrere Stufen verstellen kann, damit die wunderschönen Bände auch aus dem Schrank heraus ihre Wirkung entfalten können. Mit dem hier zu besprechenden Release legt der Verlag sogar einen drauf, sodass noch ein paar Centimeter dazu gekommen sind, die mit der Schutzverpackung den schon vorhandenen Platz sprengen. Doch wer beschwert sich schon über die Größe eines Bandes, der eine legendäre Zeitungsstrip-Reihe zum Inhalt hat?

In diesem Fall geht es um George Herrimans Krazy Kat. Eine 1913 gestartete Erfolgsgeschichte in schwarz-weiß, die ab 1935 bis zum Tod des Künstlers 1944 auch in Farbe erschien. Eben dieser zweite Zeitraum soll mit dem vorliegenden Band von Alexander Braun, seines Zeichens bildender Künstler und Kurator comicbezogener Ausstellungen, beleuchtet und erklärt werden. Das ist auch insoweit nötig, um zu verstehen, warum nicht nur einfache Zeitungsleser, sondern auch historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel Pablo Picasso, James Joyce, Woodrow Willson oder Charlie Chaplin bekennende Fans waren, obwohl sie nicht zwangsläufig dem typischen Comicleser-Klientel zuzurechnen sind. Doch nicht nur diese illustre Runde, sondern auch der Medien-Tycoon William Randolph Hearst konnte nicht genug von Krazy Kat kriegen. Das ist insoweit wichtig, da er als Fan Herriman die einzigartige Möglichkeit bot, sich kreativ in seinen Veröffentlichungen mit den Figuren auszutoben und dabei das Medium Comic nach belieben den eigenen Wünschen und Vorstellungen anzupassen.

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Dazu gehörte neben visuellen Spielereien, wie surreale Darstellungen, auch die Dehnung des Sprachgebrauchs, der von Slang bis hin zu Neologismen einzigartige Elemente seiner Zeit bot und mit diffusen Geschlechterrollen fast schon revolutionäre Aspekte in sein Werk einbrachte.

Dabei entwickelte sich die Katz-und-Maus-Konstellation erst im Laufe der Zeit heraus und wurde dadurch im Endeffekt von einem Zufall zu einem Erfolg. Zunächst bildete nämliche George Herrimans The Dingbat Family die Basis für Krazy Kat. Die titelgebende Familie war zuerst nur ein Teil eines Gesamtkonstrukts, dass im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelte und schlussendlich zum Comicstrip wurde, der ab 1913 seinen Siegeszug antreten sollte.

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Dabei ist die Beliebtheit der Sonntagsseiten durchaus als erstaunlich zu bezeichnen, denn die schon weiter oben beschriebene, in Teilen recht unorthodoxe Herangehensweise an das Medium Comic, ist selbstverständlich risikobehaftet, aber offensichtlich funktionstüchtig. Zwar ist die wiederkehrende Grundsituation einfach zu erklären: Schwarze Katze liebt durchtriebene weiße Maus, die ihr immerzu Ziegelsteine an den Kopf wirft, was wiederum Hundepolizist Offissa Pupp, verliebt in die Katze, zu verhindern sucht. Doch durch die teils sehr avantgardistischen Elemente wird das Dargestellte auf eine höhere Ebene gehoben, die auch erklärt, warum Personen ein Herz für Krazy Kat hatten, die nicht dafür bekannt sind die bunten Heftchen regelmäßig zu konsumieren. In diesem Sinne ist dem Künstler der Spagat zwischen Mainstream und höheren Anspruch gelungen, der es mehr als nur rechtfertigt alle bunten Versionen der Geschichten nun gesammelt in einem Band abzudrucken. Um den Hintergrund der Entstehung und die damit zusammenhängende Biografie Herrimans bei der Lektüre einordnen zu können, hilft ein deutschsprachiger Begleittext den Lesern, die sich zuvor eventuell nicht aktiv mit comichistorischen Themen befasst haben, in der Materie einzufinden und die kompletten farbigen Veröffentlichungen von Krazy Kat aus dem Zeitraum 1935 bis 1944 zu genießen. Wie schon bei anderen Releases, wie zum Beispiel Winsor McCays Little Nemo, werden bei einer Anschaffung nicht nur themenaffine Freunde des Mediums Comic auf ihre Kosten kommen.

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George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944  
Verlag: TASCHEN 
Autor: Alexander Braun 
Sprache: Deutsch 
Format: Hardcover, In Leinen gebunden, 30 x 44 cm
Seitenzahl: 634
Preis: 150 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 5 (Cross Cult)

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Man hat lange nichts mehr von mir im Zusammenhang mit ZOMBIAC gehört und das hat tatsächlich gute Gründe, die keineswegs mit fehlender Lust am Schreiben oder geringerem Interesse an Comics zu tun haben. Tatsächlich war ich selten so sehr im Kontext des zweiten Themas eingespannt, wie in den letzten Wochen und Monaten.
Als Teil des Orga-Teams um das Comicfestival München, habe ich unter anderem für den reibungslosen Ablauf der Signierstunden, der Kommunikation mit den Verlagen, Künstlern usw. gesorgt. Da dieser Job jedoch neben Studium, Arbeit und Kind zu erledigen war, könnt ihr euch vorstellen, das gewisse Dinge mit einer geringeren Priorität auf der Strecke geblieben sind.  Dazu gehört traurigerweise auch dieser Blog, der natürlich weiterhin betrieben und befüllt werden soll.

Das wird in den nächsten Wochen aber ebenfalls im vorhandenen, aber nur geringem Maße erfolgen, da mir das Glück zuteil wurde die nächsten zwei Monate bis Ende September in New York City verbringen zu dürfen. Hintergrund ist dabei mein Englisch-Studium, dass einen entsprechend langen Aufenthalt in einem englischsprachigen Land als Mindesvoraussetzung für meinen Abschluss beinhaltet.

Nun jedoch genug von Erklärungen, die für die Zukunft eh nichts zur Sache tun und rein in die seit langem erste Rezension: Den fünften Band zu den großartigen „Paper Girls“ von Cross Cult! (Hier geht es zu den Rezensionen zu den Bänden 1, 2, 3 und 4)

Dabei schreiten wir als Leser langsam aber sicher auf das Ende der Geschichte von Brian K. Vaughn und Cliff Chiang um die lieb gewonnene Girl-Gang zu. Deren Abenteuer wurden in den USA nämlich nach 30 Ausgaben zu einem Ende gebracht, was uns deutschen Leser mit dem vorliegenden Sammelband den vorletzten Release in diesen Breitengraden beschert.

Während wir den inzwischen fleißig zeitreisenden Erin, Max, Tiffany und K.J. schon in den 80ern mit passenden „Stranger Things„-Vibes über die Schultern schauen, in der Steinzeit mitfiebern und im Jahr 2000 auf die auch popkulturell aufbereitete Endzeitstimmung dieser besonderen Zeit blicken durften, verschlägt es die Protagonistinnen diesmal ins 22. Jahrhundert. Nun sind die Mädels jedoch mehr als froh in der Zukunft und nicht in der heimischen Version von Stoney Steam gelandet zu sein, denn die üblicherweise zynisch aufgelegte Mac darf sich Hoffnungen machen ihre Leukämie zu besiegen, bevor sie diese überhaupt bekommt, da sie von ihrer tödlichen Krankheit schon in der Vergangenheit erfahren hat. Doch nicht nur auf physischer Ebene werden Veränderungen durchgemacht, denn der immer wieder präsente Coming-of-Age Teil der Geschichte kommt erneut und ohne jede peinliche Note zum Vorschein, als K.J. sich offen zu ihrer Homosexualität und zeitgleich ihren Gefühlen für Mac bekennt. Eine wilde Mischung, die aber zu jeder Zeit authentisch und emotional nachvollziehbar erzählt wird.

Dabei wird die Sache für unsere Heldinnen nicht weniger kompliziert, als ihnen die seit dem ersten Band auf den Fersen haftende Gruppe um einen geheimnisvollen Anführer in wechselnden Band-Shirts aus der Hip-Hop-Ära der 80er, näher kommt als je zuvor. In diesem Kontext wird auch endlich der zu Anfang von Band 1 gespannte Bogen langsam aber deutlich sichtbar, was wiederum auf das absehbare Ende hinweist, dass hoffentlich so grandios zum Abschluss geführt wird, wie es die bisherige Story vermuten lässt.

Auch auf visueller Ebene bekommt man erneut Kost auf dem hohen Niveau serviert, dass man sich nicht nur wünscht, sondern zum aktuellen Zeitpunkt regelrecht erwartet. Jedes Panel und jede Mimik durch Cliff Chiang, sowie die großartige Kolorierung von Matt Wilson scheinen mindestens so präzise und spannend aufeinander eingespielt zu sein, wie die erzählerische Meisterleistung von Vaughn. Ein kreativer Cocktail, der nicht ohne Grund von Amazon zu einer TV-Version adaptiert werden soll.

In diesem Sinne macht man als potentieller Käufer des fünften „Paper Girls„-Bandes nicht nur wenig falsch, sondern ist eigentlich dazu verpflichtet seine Sammlung zu vervollständigen und mit den vielen anderen Fans auf das große Finale in diesem Herbst hinzufiebern.

Paper Girls - Band 5 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn
Zeichner: Cliff Chiang
Erschienen am: 17.04.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 152
Preis: 22 EUR

TASCHEN SALE und GEWINNSPIEL

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Es ist wieder soweit und der TASCHEN-Verlag startet erneut den beliebten Sale! Nur vom 27. bis zum 29. Juni 2019 könnt ihr euch endlich einige der hier öfter besprochenen Bände zu einem Preis besorgen, der nicht gleich das Konto sprengt.

Dabei könnt ihr euch aussuchen, ob ihr einen Abstecher in einen Flagship-Store in Berlin, Hamburg oder Köln (jeweils von 10-20 Uhr) macht oder gemütlich von zuhause aus von der Website des Unternehmens ordern wollt, um bis zu 75% auf Display- und Mängelexemplare zu sparen.

Wenn man sich dabei die Auswahl der angebotenen Bände der letzten Sales zu Gemüte führt, wird einem klar, dass eigentlich jeder Geschmack bedient sein dürfte, solange man sich generell für bildende Künste interessiert. Ob es nun Comics, Architektur, Film, Fotografie oder einfach wunderschöne Faksimiles sind – es ist für jeden etwas dabei.

Ich für meinen Teil werde definitiv einen Blick auf die Angebote werfen und vielleicht das ein oder andere Prachtexemplar in meine Sammlung aufnehmen.

Bis dahin habt ihr die Möglichkeit euch in eine aktuelle Veröffentlichung des Verlags vertiefen zu können, ohne dafür die Kreditkarte zücken zu müssen, denn wie schon einige Male zuvor, veranstalte ich in Zusammenarbeit mit TASCHEN ein Gewinnspiel, bei dem ihr die Möglichkeit habt, den folgenden Band euer Eigen nennen zu können:

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Er gilt als der wichtigste historische Augenblick des 20. Jahrhunderts: Am 20. Juli 1969 lösten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins ein Versprechen ein, das John F. Kennedy 1961 vor dem Kongress in Washington abgegeben hatte – noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner auf dem Mond landen zu lassen. Jahre fieberhafter Arbeit, ein Stab von 400.000 Ingenieuren und Wissenschaftlern, ein Etat von 24 Milliarden Dollar und die gewaltigste Rakete, die je auf Erden gezündet worden war, ermöglichten schließlich ein noch nie da gewesenes Schauspiel, das von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gebannt verfolgt wurde. Und niemand erzählte dieses spektakuläre Abenteuer besser als Norman Mailer.

Als Großmeister der literarischen Reportage war Norman Mailer von der Zeitschrift LIFE beauftragt worden, über den Flug zum Mond in einer dreiteiligen Essayserie zu berichten – für ein dem Anlass angemessen fürstliches Honorar. Mailer, der über einen elektronischen Schaltkreis genauso packend schreiben konnte wie über die gesellschaftlichen Hintergründe eines Ereignisses und die Psychologie der beteiligten Akteure (die eigenen Befindlichkeiten stets eingeschlossen), gelang mit Auf dem Mond ein Feuer ein furioses Meisterwerk, das brillante Porträt einer Epoche, ihrer Obsessionen und ihres größten Spektakels.

Illustriert wird diese Jubiläumsausgabe von Moonfire mit Hunderten von Fotografien und Plänen aus dem Fundus der NASA, aus Zeitschriftenarchiven und Privatsammlungen. Das Vorwort schrieb der Schriftsteller Colum McCann, führende Apollo-11-Experten steuerten die Bildlegenden bei, die die Geschichten hinter den Bildern erzählen und technische Details erläutern.

Wer diesen Band haben möchte, muss nichts weiteres tun, als einem (oder mehreren) meiner Social Media-Kanäle zu folgen, ein Like unter dem entsprechenden Beitrag zu hinterlassen. Hier die Details:

Der Beitrag auf Facebook, Twitter und Instagram.

Teilnahmebedingungen

  1. Teilnahmeberechtigte

Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.

Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.

  1. Teilnahmemöglichkeiten

Eine Teilnahme ist nur über Facebook, Twitter und Instagram möglich, indem die jeweilige Seite mit einem Like versehen wird und ein Kommentar mit der Beantwortung der im Text angegebenen Frage erfolgt. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook, Twitter oder Instagram.

  1. Teilnahmeschluss

Teilnahmeschluss ist der 30.06.2019 um 18:59 Uhr.

  1. Gewinnermittlung

Der Gewinner wird per Los ermittelt.

  1. Art der Gewinnbenachrichtigung

Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Nachricht schriftlich kontaktiert.

  1. Veröffentlichung der Gewinner

Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form veröffentlicht.

  1. Der Rechtsweg

Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg