[Rezension] Rem Koolhaas. Elements of Architecture (TASCHEN Verlag)

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Üblicherweise passiert es selten, dass ich ein Buch in den Händen halte und mich erstmal darin „zurechtfinden“ muss. Selbst bei den größten Schmökern stellt sich nach kurzer Zeit ein fast schon heimisches Gefühl ein. Doch es gibt offensichtlich auch Veröffentlichungen, die geradezu darauf ausgelegt sind, dass der Leser sich nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch mit dem Design und der Haptik beschäftigt. Ein gutes Beispiel dafür ist „Rem Koolhaas. Elements of Architecture„, dass mit seinen sage und schreibe 2.528 Seiten in seinem Umfang fast an ein Telefonbuch erinnert und mit seiner auffälligen Farbgebung an Seitenrändern und Cover sofort ins Auge fällt. Dabei handelt es sich aber keineswegs um das Gesamtwerk eines bestimmten Künstlers, sondern quasi um die „Bibel der Architektur„!

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Genau genommen ist es die Zusammenfassung der vielfach gelobten Ausstellung von Rem Koolhaas während der Architektur-Biennale 2014. Auf dieser thematisierte er die Grundlagen des Bauens, der von Laien eher unbeachteten Elementen wie Türen, Fenster, Treppen, Decken, Wänden, Kaminen oder Balkonen. Zusammengetragen wurden die dafür nötigen Informationen unter der Mithilfe zweier Studios der Harvard Graduate School of Design. Zusätzlich abgerundet wird das Ganze durch informative Essays von Koolhaas selbst, Stephan Trüby, Manfredo di Robilant und Jeffrey Inaba, sowie Interviews mit Werner Sobek und Tony Fadell. Darüber hinaus findet man einen exklusiven Fotoessay von Wolfgang Tillmans. Allein diese Aufzählung sollte einen Vorgeschmack auf den Umfang des Bandes geben, für den der Drucker des Verlags tatsächlich seine Buchbindemaschine umgebaut hat, um einen maßgefertigten Einband mit zweigeteiltem Buchrücken herstellen zu können. Dieser ist ganze acht Centimeter lang und in seiner Form auch nötig, damit man diesen Wälzer wirklich lesen kann.

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Auch wenn man das Buch aufschlägt, hört das Staunen noch nicht auf. Mit Irma Boom als Grafikerin wurde nämlich nicht irgendwer verpflichtet. So hat sie nicht nur für Unternehmen und Institutionen wie Chanel, die Vereinten Nationen, OMA/Rem Koolhaas, die Fondazione Prada, Pirelli und das Rijksmuseum Amsterdam gearbeitet, sondern ist auch unter anderem Trägerin von Auszeichnungen wie des Gutenberg-Preises oder des Johannes-Vermeer-Preises. Ihre Arbeiten sind Teil der ständigen Sammlung der Abteilung für Design und Architektur des New Yorker Museum of Modern Art. Darüber hinaus ist Sie seit 1992 als “Senior Critic” an der amerikanischen Yale-Universität auch akademisch tätig.

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Durch diese Kombination aus einzigartiger Gestaltung (Index in der Buchmitte, wo sich das Buch dank seiner Buchrückenkonstruktion automatisch aufschlägt, gedruckt auf 50g/m2-Opakalpapier, durchscheinende Overlays, usw.) und komprimiertem Wissen, beginnt man als Leser seine Reise bei der Geschichte des Bodens, wandert weiter zu Decke, Dach, Fenster, Türe, Toilette, Aufzug und noch so viel mehr und wird dabei nicht nur mit aktuellsten Erkenntnissen und modernen Vorstößen, sondern mit dem historischen Hintergrund der einzelnen Elemente konfrontiert. In der Mitte befindet sich das erwähnte Inhaltsverzeichnis, sowie auch Essays und dazu Fotos von der Ausstellung aus Venedig. Sich aber allein bis zu diesem Punkt vorzuarbeiten gleicht einer Herkulesaufgabe, die zwar Spaß macht, aber auch die eigenen Grenzen aufzeigt.

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Man merkt, dass allein schon aufgrund der in Masse vorhandenen Informationen, die durchgehende Lektüre des Bandes schlicht nicht möglich ist. Das Werk muss viel eher als Nachschlagewerk für Interessierte und Kenner des Fachs betrachtet werden, dass zielgerichtet konsultiert werden sollte, um es wirklich genießen zu können. Daher ist es auch kein Buch, dass man nach einmaligem durchblättern auf ewig im Regal verstauben lässt, sondern gerne wieder zu Hand nimmt, wenn es einem unter den Nägeln brennt herauszufinden, wie sich die architektonischen Elemente unserer Umgebung zusammensetzen und funktionieren. Das wiederum entmystifiziert nicht die Realität, sondern trägt nur weiter zur Faszination bei, dass Menschen zu solchen Wundern fähig sind, die man oft nur auf dem zweiten Blick als solche erkennt.

In diesem Sinne eine absolute Empfehlung für all jene, die sich für Architektur begeistern und mit „Rem Koolhaas. Elements of Architecture“ im wahrsten Sinne des Wortes Zugriff auf ihre Basics bekommen.

Rem Koolhaas. Elements of Architecture* 
Verlag: TASCHEN 
Autoren: Rem Koolhaas, Harvard Graduate School of Design, Stephan Trüby, 
James Westcott, Stephan Petermann
Design: Irma Boom, Wolfgang Tillmans
Sprache: Englisch
Format: Hardcover, 20 x 25,5 cm
Seitenzahl: 2528
Preis: 100 EUR

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[Rezension] Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York (Panini Comics)

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Crossover haben sich vor ein paar Jahren größter Beliebtheit erfreut, während heutzutage die Welten von Superhelden sowieso miteinander verschmolzen sind und sich selten jemand über Begegnungen der Cape-Träger wundert. Daher muss man schon ganz andere Geschütze auffahren, um die Aufmerksamkeit der Fans auf sich zu ziehen.

Genau das haben James Tynion IV als Autor und Freddie E. Williams II als Zeichner vor fast zwei Jahren geschafft, als sie zum ersten Mal die Teenage Mutant Ninja Turtles und den dunklen Ritter persönlich aufeinander treffen ließen und dadurch ein besonderes Wechselspiel zwischen düsterer Atmosphäre und humoristischen Einlagen schufen.

Nachdem sich diese Combo so großer Beliebtheit erfreut hat, wird es einen nicht wundern, dass eine offizielle Fortsetzung bei Panini Comics erschienen ist. Hier setzt man gleich nach den Ereignissen ein, die Shredder als Erzfeind der Turtles hinter Gittern brachten und damit nun einen Kampf um die Vorherrschaft in der Unterwelt New Yorks losgetreten haben. Dabei geben sich die vier Schildkröten die größte Mühe das Chaos im Schach zu halten, doch Donatello scheint dem Druck physisch nicht ganz gewachsen zu sein. Deprimiert und von Selbstzweifeln zerfressen, versucht er erneut mit Batman in seiner Welt in Kontakt zu treten, um sich von ihm beraten zu lassen. Dabei geht jedoch einiges schief und niemand Geringeres als Bane höchstpersönlich taucht in der Ostküsten-Metropole auf. In Kraft und Intellekt sowohl dem Foot-Clan als auch den ikonischen Schurken Bebop und Rocksteady haushoch überlegen, ergreift er in kurzer Zeit die Macht und schmiedet Pläne, seine neu rekrutierte Armee mit einer neuen Version des Venom zu versorgen. Eine Droge, die ihm übermenschliche Kräfte verleiht, aber in dieser für ihn neuen Welt erst erfunden werden muss. Diesem Aufgebot nicht gewachsen, müssen die Turtles nun auf Hilfe hoffen, die sie selbstverständlich auch bekommen: Batman schlägt sich zu ihnen durch und muss nun mit vereinten Kräften seiner alten Nemesis entgegentreten, um einmal mehr eine Stadt vor dem Untergang zu bewahren. Selbstverständlich wird dabei das ungleiche Team durch weitere Verbündete wie Nightwing, Batgirl, April, Casey und Meister Splinter unterstützt.

Das ganze Spektakel riecht dabei durchwegs nach den 90ern im besten Sinne: Überproportionale Muskelmassen und leicht seltsame Sprüche sorgen für eine sehr unterhaltsame Stimmung, die vor allem mit viel Action aufgepeppt wird. In diesem Sinne gibt es keinen wirklichen Tiefgang, was man beim Aufeinandertreffen der Charaktere aber wohl auch nicht erwarten würde.

Visuell wird die Story erneut durch Freddie E. Williams II in Szene gesetzt, der seinem bekannten Stil durchwegs treu bleibt. Er neigt zwar an gewissen Stellen zur Übertreibung, fällt damit aber zu keinem Zeitpunkt negativ auf, weil die entsprechenden Passagen oft an sich schon so surreal sind, dass sich ein dazu anschließendes Panel geradezu anbietet. Auch der leicht ans malerische erinnernde Strich passt ungemein zu den beiden hier vertreten Welten und sollte keine Fanbase vor den Kopf stoßen. Es werden sogar die alten Hasen zustimmend nicken, wenn sie hier und da einen kleinen Querverweis auf die frühen Tage der dargestellten Helden entdecken.

Daher ist „Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York“ definitiv ein Lesevergnügen, dass zwar nicht in die legendären Annalen der Comic-Geschichte eingehen wird, aber durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß. Wer genau nach so einer Art von Spaß sucht, wird hier definitiv bedient!

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.09.2018 
Autor: James Tynion IV
Zeichner: Freddie E. Williams II
Format: Softcover  
Seitenzahl: 148
Preis: 16,99 EUR

 

[Ankündigung] Ausstellung und Signieraktion in Hamburg: Es wird Nacht im Berlin der wilden Zwanziger

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Ich habe schon vor längerer Zeit über die großartige Veröffentlichung „Es wird Nacht im Berlin der wilden Zwanziger“ (Link führt zur Rezension) aus der Feder des Illustrators Robert Nippoldt und des Schriftstellers Boris Pofalla berichtet.

In diesem Band geht es um das überbrodelnde Leben in einer Stadt die nie schläft, bevor sie, wie der Rest der Republik, in den Albtraum des Faschismus stürzte. Hierbei setzt Nippoldt mit seinen akribisch ausgearbeitete Illustrationen sowohl die damalige Prominenz aus Kultur und Politik, als auch bedeutende Personen aus der Wissenschaft in Szene, die das Leben in Berlin und darüber hinaus geprägt haben. Ergänzt wird das Ganze durch Übersichtsseiten, die Menschen und Ereignisse in einen Kontext setzen und den Leser ausführlich informieren. Als Sahnehäubchen dieser Reise auf dem Weg zum Ende der Weimarer Republik, liegt dem Buch sogar eine CD mit seltenen Schlager-Aufnahmen aus den Zwanzigern bei, um die Stimmung noch greifbarer zu machen.

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Nun gibt es nach den Ausstellungen zum Band in Berlin und Köln, auch die Möglichkeit sich dieses Werk in Hamburg persönlich von Robert Nippoldt signieren zu lassen und seine Bilder im Original zu betrachten. Das Ganze findet am 08.11.2018 im TASCHEN-Store Hamburg (Bleichenbrücke 1-7, 20354 Hamburg) statt. Von 15 bis 19 Uhr können sich Besucher dabei ganz der Atmosphäre der „Roaring Twenties“ hingeben und sich selbst mit einer persönlichen Widmung des anwesenden Künstlers eine Freude machen.

Datum: 08.11.2018 
Ort: TASCHEN Store, Bleichenbrücke 1-7, 20354 Hamburg
Uhrzeit: 15 - 19 Uhr

[Rezension] Harley Quinn: Haley liebt den Joker (Panini Comics)

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Viele Neueinsteiger, die Batman erst vor kurzem für sich entdeckt haben, können sich vermutlich garnicht vorstellen, dass eine Figur wie Harley Quinn zu den neueren Zugängen an Figuren gehört. Erst Anfang der 90er erschien sie auf der Bildfläche. Zunächst sogar exklusiv auf dem heimischen Fernsehbildschirm als Sidekick des Jokers in der preisgekrönten Trickfilmserie „Batman: The Animated Series„. Erst später fand sie auch Eingang in den regulären Comic-Kanon und avancierte in nur wenigen Jahren zum Publikumsliebling und Teil der Standardbesetzung an Widersachern aus Gotham City.

Dementsprechend ist es auch kein Wunder, dass sie schon mit mehreren Solo-Veröffentlichungen und Mini-Serien geehrt wurde, von denen „Mad Love“ wohl die bekannteste sein sollte. Dabei wurden sowohl ihre Beweggründe, ihre Beziehung zum Joker, als auch ihr Look immer wieder Veränderungen unterzogen, während ihr ikonischer Harleqin-Einteiler und das ursprünglich kindisch-psychotische Verhalten einen besonderen Platz im Herzen der Fans beibehielten. Daher wird sie nach wie vor primär mit ihrem Erfinder Paul Dini assoziiert, der sowohl für die erwähnte Animationsserie, als auch ihre beliebtesten Abenteuer verantwortlich war. Deswegen wird man natürlich schnell hellhörig, wenn bekannt wird, dass der Altmeister erneut an seiner bekanntesten Figur arbeiten möchte. Das Ergebnis kann man hierzulande an der bei Panini Comics erschienenen Serie „Harley Quinn: Harley liebt den Joker“ (bestehend aus 9 regulären Teilen der Harley-Serie und zwei eigenständigen Heften) sehen.

Passend zum ausgehenden Jahr, steigt man in der Weihnachtszeit in die Geschichte ein. Der Joker freut sich schon auf einen Überfall, nur um festzustellen, dass ihm jemand zuvor gekommen ist und ihm dadurch das betonierte Grinsen schnell aus dem Gesicht wischt. Dieser Umstand ist natürlich auch alles andere als optimal für die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Harley und dem Joker. Daher versucht unsere Hauptprotagonistin alles mögliche um ihrem „Mr. J.“ wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das was ihn aufheitert ist jedoch nicht seine aufreizende Freundin, sondern die Idee an Silvester einen Raubüberfall zu verüben. Der geht sogar tatsächlich gut aus, doch nur kurze Zeit später taucht Batman in ihrem Geheimversteck auf und macht alles zunichte. Wie konnte das passieren? Man sollte wohl nicht überall seine Adresse drauf schreiben…wie Harley zum Beispiel auf ihren am Ort des Überfalls zurückgelassenen Mantel.

Nun steht das Verbrecherpärchen ohne Dach über dem Kopf da und muss sich zwischenzeitlich mit einem abgeranzten Motel zufriedengeben. Von Gewissensbissen zerfressen, möchte Harley ihr Missgeschick jedoch ungeschehen machen und entwickelt deswegen einen Plan, wie sie sich und ihrem „Pupsie“ einen noch größeren Unterschlupf besorgen kann, als den zuvor. Damit beginnt eine irrwitzige Odyssee für die Clownprinzessin, bei der sie zum einen versucht genug Kohle für die neue Bleibe zu organisieren und zum anderen gegen eine neue Widersacherin anzukämpfen, die ihren liebsten Clown des Verbrechens streitig machen möchte. Aufgepeppt wird das Ganze mit kleinen Einblicken in Harleys Vergangenheit, die die Figur etwas tiefer gestalten und Aufschluss über ihren Kampf mit sich selbst geben. Das ist auch Sinne nötig, da sie in dieser Geschichte ganz der Charakteristik aus der Zeichentrickserie entspricht und dementsprechend durch ihre Liebe kaum die grausamen Züge des Jokers erkennt oder zumindest nicht erkennen will.

Dabei geht die Erzählung erstaunlich schnell voran und auch der Bruch zu den letzten zwei Kapiteln (da es Einzelhefte außerhalb der regulären Serie waren) ist faktisch nicht zu spüren. Hierbei erkennt man Dinis unvergleichliche Stärke im Bereich Storytelling, die wir von ihm gewohnt sind. Zeitgleich schafft er es das Feeling alter Tage hervorzuholen und im hier und jetzt zu platzieren. Dadurch wirkt das Gesamtwerk weder altbacken, noch der genutzte Humor unpassend. In diesem Sinne ein Paket für Nostalgiker und Neueinsteiger.

Das spiegelt sich auch in den Zeichnungen von Bret Blevins wieder, der komplett auf den ikonischen Look der Fernsehversion setzt und damit dem Band eine schöne Authentizität verleiht, die ohne Experimente auskommt, aber trotzdem noch frisch erscheint. Aufgepeppt durch Alex Sinclairs Farben, die wiederum auf einen modernen Touch setzen, verhält es sich wie mit der Story: Das beste von früher und heute, gemeinsam auf einem Blatt.

Daher kann man „Harley Quinn: Harley liebt den Joker“ ohne schlechtes Gewissen den alteingesessenen Fans und auch all denjenigen empfehlen, die Harley vielleicht nur aus den aktuellen Verfilmungen kennen. Zufrieden werden beide Gruppen sein! In diesem Sinne: Ab zum nächsten Comic-Shop und viel Spaß beim lesen!

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Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 02.10.2018 
Autor: Paul Dini, Jimmy Palmiotti
Zeichner: Bret Blevins
Format: Softcover  
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR

 

[Rezension] Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe (TASCHEN Verlag)

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Wenn man die Deutschen nach ihrem Traumland befragen würde, wäre die überwiegend häufigste Antwort wohl Italien. Wie bei so vielen Reisezielen, ist dabei jedoch die idealisierte Vorstellung das erste Bild, dass einem in den Sinn kommt und nicht die Realität, die häufig so schnöde ist, wie das eigene Zuhause. Doch warum haben sich bei uns gewisse Klischees über Land und Leute eingebrannt, selbst wenn wir persönlich vielleicht nie vor Ort gewesen sind?

Die simple Antwort lautet: Postkarten und Abbildungen, die nichts anderes tun sollten, als eben dieses bis heute omnipräsente Gefühl einzufangen, dass man mit den dargestellten Ländern verbindet. Genaugenommen reden wir von Photochromdrucken, die Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden und dem Betrachter die Illusion der Realität in Form von Farbfotografien zu präsentieren. Eigentlich handelt es sich dabei um durch spezielle Techniken eingefärbte Schwarzweiß-Negative, die abhängig vom Können der Ersteller, abstrakter oder greifbarer wirken können. Die Klischees, die wir uns in dem Kontext einprägen, entstehen dadurch, dass die Bilder Momente aufgreifen, die zumindest oberflächlich eine Unschuld in sich tragen, die sie nur wenige Jahrzehnte später durch die beiden Weltkriege verlieren sollten. Natürlich gab es auch vor dem Umbruch des 20. Jahrhunderts Konflikte, soziale Spannungen und Ängste, doch diese sind weder im kollektiven Gedächtnis präsent, noch stößt man auf sie bei der Betrachtung der genannten Bilder.

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Venedig, Canal Grande mit Rialtobrücke; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Genaugenommen glänzen Photochrome oft (aber nicht immer) durch die Abwesenheit von Menschen und einen Fokus auf die Umgebung. Dadurch erscheinen uns geläufige Plätze plötzlich idyllisch, während sie heutzutage von Touristen überrannt werden. So sah man es schon in den TASCHEN-Veröffentlichungen „Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe“ und „An American Odyssey„, die das beschriebene Konzept genauso in sich trugen, wie der neueste Release „Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe„. Hier trug der Sammler Marc Walter die schönsten Darstellungen von den Alpen bis Sizilien zusammen, die im XL-Format nur als opulent zu bezeichnen sind.

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Gardone Riviera am Gardasee, um 1900; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Wenn man es genau nimmt, handelt es sich um eine Art Bilderbuch, dass die Version eines Landes zeigen möchte, dass es in diesem makellosen Zustand wohl nie gegeben hat, aber Sehnsüchte weckt, den fast schon spürbaren Flair von Markusplatz und Gardasee persönlich zu erleben. Wie in einer Filmkulisse bewegt man sich als Zuschauer zwischen Händlern, ikonischen Bauwerken und leergefegten Straßen, die komprimiert die Essenz der sogenannten „Belle Époque“ repräsentieren. Die Moderne scheint noch weit entfernt und nur in ihren Anfängen erkennbar, während Tradition und Folklore ein Idealbild zeichnen, dass sich aus Marktgassen, Zitronenhainen und verträumten Panorama-Aufnahmen speist. Im Endeffekt genau das Italien, von dem Goethe schwärmte und damit die Deutschen mit seiner Lust an dem Sehnsuchtsort im Süden ansteckte.

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Turin, Piazza Vittorio Emanuele I; Copyright: Marc Walter Collection, Paris

Diesem Gefühl kann man nun auch als Leser des Prachtbands mit einem Glas Wein und genügend Platz auf dem Tisch (der Band kommt im typischen TASCHEN-XL-Format) nachgeben und sich in längst vergangene Zeiten entführen lassen.

Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe*
Verlag: TASCHEN
Herausgeber: Marc Walter, Sabine Arqué
Autor: Giovanni Fanelli
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch 
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm
Seitenzahl: 580
Preis: 150 EUR
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[Comic Review] Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights – Spider-Man (Panini Comics)

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Fleißige Leser meines Blogs und Fans des Tausendsassas Mark Millar werden sich bei der folgenden Rezension vermutlich kaum über die Interpretation von Spider-Man in dem neuesten Band der „Mark Millar Collection“ wundern, doch auch in der achten Ausgabe der Reihe, die den Schotten ehren soll, gibt es mehr als genug überraschende Elemente, die eine genauere Betrachtung verdienen.

So kann man sagen, dass der Rahmen der Geschichte eigentlich alles beinhaltet, was man sich von einem klassischen Auftritt des Wandkrabblers wünschen könnte. Peter Parker ist so gut wie pleite, die Beziehung zu Mary Jane durch sein Alter Ego unter keinem guten Stern und die Sorgen um Tante May quasi omnipräsent. Auch das Design der Figuren bleibt den ikonischen Mustern treu, die bis heute dafür sorgen, dass Fans Helden und Antagonisten sofort benennen können.

Der (in meinen Augen) angenehme Bruch mit Gewohnheiten erfolgt durch die Tatsache, dass die Geschichte ursprünglich im „Marvel Knights„-Imprint erschienen ist, der sich explizit an ein erwachseneres Publikum richtete und in dem Zuge den beteiligten Künstlern Freiheiten ließ, die sie bei einem normalen Run niemals genoßen hätten. Unter anderem erschienen neben der vorliegenden Story auch „Punisher“ von Garth Ennis, „Daredevil“ von Kevin Smith oder auch „Black Panther“ von Christopher Priest. Wie man an den Namen erkennen kann, sind all diese Herren nicht unbedingt für sanfte Handlungsstränge bekannt und auch Mark Millars Geschichte stellt keine Ausnahme dar, denn die vorliegende Erzählung ist härter, krasser und brutaler als so gut wie alles, was ihr zuvor mit Spidey im Programm gesehen habt und dabei nicht Deadpool beinhaltete.

Und wenn man mit dem Humor und den Zutaten Millars vertraut ist, erkennt man diese in den ständigen Grenzüberschreitungen wieder, die das Ganze zu so einem Lesevergnügen machen. So strotzen die Seiten nur vor selbstreferentiellen Verweisen und wenig subtiler Kritik an typischen Superhelden-Geschichten. Zum Beispiel kann man nicht anders, als laut aufzulachen, wenn Spider-Man sich nicht weiter zu helfen weiß, um den Grünen Kobold aufzuhalten und daher zu einem Briefkasten greift und…naja…eine Gehirnerschütterung wäre zumindest eine optimistische Diagnose.

Auch die fein eingestreuten Kommentare von umstehenden Personen und namenlosen Nebencharakteren tragen zu einer angenehmen Würze bei, die man in regulären Storys um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schmerzlich vermisst, wenn man als erwachsener Leser eine spannende Geschichte lesen möchte, aber auf die unschuldigen Aspekte gut verzichten kann. So wird gut und gern geflucht, sich über Charakterentwicklungen offen lustig gemacht und das ganze Genre genüßlich durch den Kakao gezogen, ohne respektlos vor der Materie zu erscheinen. Im Endeffekt genau die richtige Balance um alte Leser, die etwas Zynismus brauchen, zu bedienen, als auch Neueinsteiger zu überzeugen, die Comics immer noch als Kinderkram begreifen. In diesem Sinne ist es schade, dass Marvel diese Reihe seit einigen Jahren ruhen lässt, während DC Comics nun zum ersten Mal mit ihrem „Black Label“ versucht einen Fuß in die Tür einer (vordergründig) neuen Zielgruppe zu kriegen.

Daher ist weniger die erzählte Geschichte das revolutionäre an diesem Sammelband (der im Übrigen zum ersten Mal die Handlung an einem Stück auf deutsch beinhaltet), sondern mehr die Erzählweise und der spürbare Spaß an der Provokation. Denn eine Entführung von Tante May und die Bedrohung von Mary Jane durch eine Vielzahl an klassischen Bösewichten und Auftritte der X-Men und Avengers sind in dem Sinne nichts neues, der Umgang der Protagonisten mit der gegebenen Situation jedoch sehr wohl. Daher ist der Fortgang der Geschichte auch alles andere als vorhersehbar und damit eine spannende Lektüre, die ihre Stärke aus dem schon erwähnten Verzicht auf Konventionen und zeitgleicher Rückbesinnung auf geliebte Elemente zieht. Ein ungewöhnlicher Cocktail, der jedoch blendend funktioniert!

Auch visuell kommt man auf seine Kosten, da man Terry und Rachel Dodsons (Spider-Man/Black Cat, Harley Quinn), sowie Frank Chos (Hulk) gemeinsames Werk hier an einem Stück genießen kann. Dabei schaffen sie den Spagat zwischen realistisch, überspitzt und sexy zu schlagen, ohne dabei in Klischees zu verfallen, die der Geschichte nicht zuträglich wären. Es ist eben genau die beschriebene Mischung, die einem als Leser die Sicherheit gibt, einen Superhelden-Comic vor sich zu haben, aber zeitgleich das Augenzwinkern zu erkennen, dass das „Millar„-Feeling perfekt zu transportieren weiß.

Und wem das nicht reicht, der sollte sich in Erinnerung rufen, dass es sich um einen Band der „Mark Millar Collection“ handelt und dementsprechend einiges mehr zu finden  ist, als nur die beschriebene Geschichte. Unter anderem dürfen sich Leser über einen schönen Bonusteil mit Skizzen aus dem Entstehungsprozess, sowie ein launiges Vorwort von niemand geringerem als Stan Lee persönlich freuen!

In diesem Sinne ist dieser Band der Reihe nicht nur eine Empfehlung für Sammler und Fans des Millar-Outputs, sondern explizit auch für Leser der regulären Spidey-Geschichten, denn wenn ihr die ursprüngliche Heftreihe nicht besitzt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ihr diese großartige Story schon mal gelesen habt. Daher nichts wie los zum Comic-Shop eures Vertrauens!

Mark Millar Collection Bd. 8: Marvel Knights - Spider-Man 
Verlag: Panini Comics 
Erscheint am: 23.10.2018 
Autor: Mark Millar
Zeichner: Terry Dodson, Rachel Dodson (nur Tusche), Frank Cho
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 316
Preis: 39 EUR

[Comic Review] Venom: Dark Origins (Panini Comics)

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Kaum kommt ein neuer Film in die Kinos, der eine Figur aus dem Marvel-Universum zum Thema hat, darf man sicher davon ausgehen, dass zeitgleich ein ganzer Haufen an Neuauflagen in die Läden gespült wird. Wie man an Venom sieht, macht dieses Konzept auch vor Antihelden nicht halt und beschert uns neben den wahrlich „klassischen“ Auftritten des Symbionten mit Aggressionsproblemen, auch eine modernere Geschichte wie „Dark Origin“ von Autor Zeb Wells und Zeichner Angel Medina. Insbesondere der zweite Name hat mich aufhorchen lassen, da ich mit dem Künstler die „Spawn„-Reihe entdeckt habe, die mir eine dunklere Ecke des Mediums Comic eröffnet hat. Wenn man nun bedenkt, dass sein Stil sich sehr eindeutig an Todd McFarlane orientiert, der als Co-Erfinder von Venom gilt, dann darf man sich durchaus auf gewaltiges Bildmaterial einstellen.

Inhaltlich nimmt der Titel schon die Basis der Geschichte voraus. Wir sehen nämlich eine klassische Ursprungs-Geschichte, die aber erstmals schon in der Kindheit des Hauptprotagonisten ansetzt und dem Leser gleich vor Augen führt, dass Eddie Brock, der spätere Wirt des Alien-Symbionten, schon sehr früh seine, sagen wir mal „besondere“ Art entwickelt hat. Das sind vor allem die Momente, in denen die subtilen Horror-Elementen aus Medinas Feder besonders zur Geltung kommen und der Wells-Geschichte einen für Marvel-Verhältnisse ungewöhnlichen Spin geben. Nicht nur einmal hat man das Gefühl, dass jeden Moment etwas unsagbar verstörendes passieren wird.

Das zieht sich auch bis ins Erwachsenenalter von Eddie, der gefühlt jeden Aspekt seines Lebens auf Lügen aufbaut und dabei fast durchgehend am Abgrund entlang balanciert. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen seinem Privat- und Berufsleben, denn seine Sucht nach Anerkennung, die man auch in Spider-Man-Heften zu Genüge sehen konnte, kennt nur ein Ziel, für dessen Erreichung ihm jedes Mittel recht zu sein scheint.

So stößt er als Laufbursche einer Zeitungsredaktion zufällig auf einen Mann, der sich als gesuchter Serienkiller ausgibt. Brock nutzt diese Chance, um selbst als Reporter aktiv werden zu können und schlachtet die Geschichte schamlos aus, ohne die Opfer der Morde nur einen Moment in sein Blickfeld zu rücken. Nur dumm, dass sich die Story doch etwas anders darstellt, als er sich das Ganze vorgestellt hat. Dabei gibt er niemand geringerem als der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft die Schuld an seiner neuen Misere, die den Verlust seiner fast gesamten Existenz mit einschließt. Und so wie es der Zufall will, ist am untersten Ende seines Seins  der Symbiont zur Stelle, um aus seinem Hass auf die Welt und sich selbst die Kraft zu schöpfen, die es braucht, um sich an der Welt und an all denen zu rächen, die in seinen Augen für seine Situation verantwortlich sind…

Dieser Aufbau macht die Geschichte im Allgemeinen sicherlich nicht zu etwas, dass als zukünftiger Klassiker durchgeht, aber der Unterhaltungswert bleibt konstant so hoch, dass man einer Achterbahnfahrt gleich, von der ersten bis zur letzten Seite am Band klebt und sich an den meisterhaft gestalteten Panels von Medina ergötzt. Deswegen ärgere ich mich umso mehr, mir bei Release nicht die Hardcover-Version von „Dark Origin“ geholt zu haben, die sich auch als Hingucker in meinem Regal gemacht hätte. In der Kombination mit dem mehr als fairen Preis von 12,99€ für eine in sich abgeschlossene Geschichte, kann ich den Band daher jedem Neueinsteiger, langjährigen Fan und denen, die es nach einem Besuch des passenden Filmes werden, von ganzem Herzen empfehlen.

Venom: Dark Origin 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 04.09.2018 
Autor: Zeb Wells 
Zeichner: Angel Medina 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 142 
Preis: 12,99 EUR

Batman vs. Aliens

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Crossover sind so eine Sache. Einerseits führen sie manchmal zu interessanten Paarungen, die sich Fans und Kritiker schon lange wünschen, aber mindestens genauso oft ist die Idee aus einer Lizenz schnell Geld zu machen fast schon greifbar. Das ist meistens der Fall, wenn man aus einer Zusammenarbeit nicht richtig schlau wird. Ein Beispiel findet man unter anderem beim neuesten Sammelband von Panini Comics mit dem inhaltlich vorausgreifenden Titel „Batman vs. Aliens„, der in den USA aus der Kooperation zwischen Dark Horse und DC entstanden ist.

Wie man als langjähriger Comic-Fan richtig vermutet, handelt es sich nicht um aktuelle Story-Lines, die im Windschatten der Neuverfilmungen entstanden sind, sondern um typische 90er- und 2000er Werke, die mit genau den Elementen hantieren, die man erwarten würde. Die erste Geschichte „Batman/Aliens“ stammt aus dem Jahr 1997 und sollte ziemlich offensichtlich vom damals neuen Streifen „Alien – Die Wiedergeburt“ profitieren. Das merkt man der von Ron Marz und Bernie Wrigthson erstellen Mini-Serie vor allem durch die hanebüchene und im Umkehrschluss wohl hastig erstellte Handlung an. So verschlägt es den dunklen Ritter in einen südamerikanischen Dschungel, wo er auf eine Söldnertruppe trifft, mit der er nach einem verschwundenen Mitarbeiter von Wayne Enterprises sucht.

Dort trifft Batman dann, wie man sich schon denken kann, auf die alptraumhaften Wesen von H.R. Giger, die aufgrund der Farbgebung aber leider nicht so furchteinflößend schwarz, sondern eher bräunlich wirken und damit etwas an mutierte Insekten erinnern. Trotzdem kommt Laune auf, wenn cheesy Dialoge aneinandergereiht werden und man sich an trashige B-Movies erinnert fühlt, die man gerne mit einem kühlen Bier und Freunden genießt. Daher kann man nicht wirklich von „Horror“, als mehr von einem kurzweiligen Action-Abenteuer sprechen.

Die Fortsetzung „Batman/Aliens II“ (2002/2003) von Ian Edginton und Staz Johnson versetzt die Aliens dann direkt nach Gotham City und damit in Batmans Revier. Die Story selbst ist etwas an den Haaren herbeigezogen, bleibt damit aber dem ungelenken Charme des Vorgängers treu. So bringt ein Wissenschaftler einige Alien-Eier nach Gotham, diese werden bei Bauarbeiten entdeckt und es kommt wie es kommen musste.

In der abschließenden Geschichte „Superman & Batman vs. Aliens & Predator“ (2007) von Autor Mark Schultz und Zeichner Ariel Olivetti finden wir die genannten Charaktere auf den Weg zu einem Vulkan wieder, der jederzeit ausbrechen kann. Genaugenommen stoßen Supes und Bats mit ein paar Bergsteigern dort auf eine Gruppe Predators, die bereit sind alles zu jagen, was sich bewegt. Damit der Titel dieser Story auch wirklich stimmt, finden unsere Helden natürlich auch Aliens vor Ort und der zunächst ungleich erscheinende Kampf kann beginnen.

Visuell sticht die abschließende Serie besonders heraus, da sie in einem plastischeren, sowie bunteren Stil gehalten ist und damit deutlich moderner rüber kommt, als die Geschichten zuvor, denen man den Zeitraum ihrer Entstehung deutlich ansieht. Dadurch verliert sich das erwähnte B-Movie-Feeling ein wenig, ändert aber nichts am kurzweiligen Spaß, den die Lektüre unter Garantie bietet.

Alles in allem kann man daher sagen, dass sich die Anschaffung von „Batman vs. Aliens“ durchaus für Fans der letzteren Charaktere lohnt, während Batman-Jünger eher noch einen Blick hineinwerfen sollten, bevor sie sich für den Kauf entscheiden. Wobei man bei üppigen 364 Seiten für 32 EUR auch bei einem Blindkauf nicht meckern kann. Ich für meinen Teil wurde ganz gut unterhalten, kann aber nur jedem empfehlen sich ein eigenes Bild, auf Basis der jeweiligen Erwartungen zu machen.

Batman vs. Aliens 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 08.05.2018 
Autoren: Ron Marz, Ian Edginton, Mark Schultz          
Zeichner: Bernie Wrightson, Staz Johnson, Ariel Olivetti
Format: Softcover 
Seitenzahl: 364
Preis: 32 EUR

 

 

 

 

 

 

 

 

Pieter Bruegel. Das vollständige Werk

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Der niederländische Maler Pieter Bruegel der Ältere (1525/1530-1569) ist vielleicht nicht jedem Laien ein Begriff, aber seine Werke sind derart präsent, dass man früher oder später auf einige der 39 Gemälde, 65 Zeichnungen oder 89 Radierungen stößt. Insbesondere „Die Bauernhochzeit“ oder „Jäger im Schnee“ haben im Laufe der Jahrhunderte einen ikonischen Status erreicht, der sogar bis in die abwegigsten Winkel des Internets strahlt, wo sie als sogenannte Memes einer eher untypischen Zielgruppe präsentiert werden. Das liegt vor allem an dem oftmals überzeichneten Stil, der dadurch nicht selten an eine Art Cartoon erinnert.

Trotzdem gab es bis dato tatsächlich noch keine monographische Ausstellung, um den Künstler zu ehren. Das wird nun aber 2019 in Wien zum 450. Todestag Bruegels nachgeholt, wenn im Kunsthistorischen Museum der Stadt sein Werk in all seiner Pracht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Der Kampf zwischen Fasching und Faste

Anlässlich dieses Ereignisses bringt der TASCHEN-Verlag nun, in einem dem Inhalt angemessenen XL-Format, das vollständige Werk des Malers auf den Markt. Der Band beginnt dabei, wie üblich für Veröffentlichungen dieser Art, mit einer ausführlichen Biographie des Mannes, dessen Lebenswerk auf den Folgeseiten ausgebreitet wird. Dabei stellt man schnell fest, dass leider nicht wirklich viel Handfestes über ihn bekannt ist. Zwar erschien schon Anfang des 17. Jahrhunderts eine Biografie, die nur unterstreicht, dass Bruegel schon zu Lebzeiten ein gefragter Künstler war, diese enthält aber, wie auch andere Berichte, primär nur Anekdoten, die ihn als zu derben Scherzen aufgelegten Zeitgenossen darstellen. So machte er sich zum Beispiel einen Spaß daraus, anderen Künstlern zotige Kleinigkeiten mit auf die Leinwand zu malen und sich darüber köstlich zu amüsieren.

Dem folgt auch schon der Tauchgang in seine berühmten „Wimmelbilder“, deren Details ihresgleichen suchen. Während man sich bei einer Komplettansicht, teilweise sogar zum ausklappen, schnell verliert, zeigen großformatige Bildausschnitte akribisch komponierte Darstellungen, die man zunächst glatt für ein eigens für sich stehendes Bild halten könnte. Wenn man sich die Arbeiten anschaut, könnte man darüber hinaus, wie die frühere Forschung, dem Trugschluss aufsitzen, dass der zunächst volkstümlich erscheinende Charakter seiner Darstellungen genau auf dieser Ebene stehen bleibt. Inzwischen ist man sich jedoch einig, dass es eher um eine Kaschierung der, bei näherer Betrachtung offen zutage tretenden, politischen und religiösen Ansichten des Künstlers handelt. Diese bemerkt man vor allem in den besonders harmlos erscheinenden Szenen seiner Bilder, die beim Eintreten der Erkenntnis um ihre reale Bedeutung, noch eindrucksvoller sind.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Bauerntanz (auch: Kirchweih)

Dabei ist es kein Wunder, dass Bruegel den Drang verspürte, sich in seiner Kunst als Reaktion auf die Ereignisse seiner Gegenwart auszudrücken. In seine Lebensjahre fallen nämlich unter anderem die Konfessionskriege, der damit zusammenhängende Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche, der Beginn der grausamen Herrschaft des Herzogs von Alba als Statthalter der Spanischen Niederlande und die Gräuel der Inquisition. Vor diesem Hintergrund entfalten die Darstellungen von Tugenden und Lastern, Bauernfesten, sowie Landschaftspanoramen eine ungemein intensive Wirkung, die sich in der subtilen Bildsprache des Malers wiederfindet. Genau deswegen ist es sogar recht erstaunlich, dass seine Zeitgenossen ihm seine Intention entweder nicht nachweisen konnten oder sie im Stillen teilten.

Im Zuge dieser Akzeptanz erarbeitete er sich schon zu Lebzeiten einen derart unumstößlichen Status innerhalb der Elite Antwerpens und Brüssels, dass er zwar primär als Auftragsmaler arbeitete, die Motive seiner Werke aber gänzlich in seiner eigenen Hand lagen und es schon im 16. Jahrhundert als schick galt, einen „echten Bruegel“ zu besitzen. In diesem Sinne war der Niederländer ein echter Star seiner Zeit, dessen Ruhm noch bis in die Gegenwart strahlt.

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© Kunsthistorisches Museum, Wien, Photo: Luciano Romano
Jäger im Schnee

Deswegen wurden auch keine Mühen gescheut, um ihm ein gedrucktes Denkmal zu setzen, indem eine eigens für diese Monografie durchgeführte Fotokampagne einen so detaillierten Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers ermöglicht, wie man es nie zuvor erlebt hat. Um das Dargestellte dabei überhaupt korrekt in den Entstehungszeitraum einordnen zu können, wurden für die Begleittexte, wie bei Releases des TASCHEN-Verlags üblich, namhafte Experten herangezogen, um Bruegel dem Leser verständlich näher zu bringen. Zum einen Jürgen Müller, der den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Technischen Universität in Dresden inne hat und immer wieder Aufsätze und Bücher zu kunst- und filmgeschichtlichen Themen veröffentlicht. Wie aufmerksame Leser meines Blogs darüber hinaus richtig mitbekommen haben, ist er auch Herausgeber der Dekaden-Filmbuchreihe bei TASCHEN. Als zweiter Autor ist Thomas Schauerte dabei. Er leitet das Albrecht-Dürer-Haus, das Stadtmuseum und die Kunstsammlungen bei den Museen der Stadt Nürnberg. Er ist Grafik-Spezialist und hat Lehraufträge an den Universitäten Erlangen und Regensburg.

Bei dem gegebenen Inhalt und der Expertise der Macher ist es daher nicht vermessen zu sagen, dass es sich bei „Pieter Bruegel. Das vollständige Werk“ um nicht weniger als DAS Werk zu dem Künstler handelt, dass jeder interessierte Leser über kurz oder lang in seinem Regal stehen haben sollte. Bei der Größe und Aufmachung ist auch der Preis mehr als gerechtfertigt. Bei eventuellen Zweifeln sei ein Besuch des nächsten Buchladens zu empfehlen, um sich selbst ein Bild dieses großartigen Bandes zu machen.

Pieter Bruegel. Das vollständige Werk* 
Verlag: TASCHEN 
Autoren: Jürgen Müller, Thomas Schauerte 
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm 
Seitenzahl: 492 
Preis: 150 EUR
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Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt

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Wer schon einmal eine ältere Bibliothek von innen gesehen hat und sich selbst als leidenschaftlicher Leser bezeichnen würde, kennt das überwältigende Gefühl, dass sich beim ersten Blick auf meterhohe Schränke, gefüllt mit zahllosen Geschichten und Informationen einstellt. Eine Mischung aus Erstaunen, Ehrfurcht und Freude, die sich in dem stillen Raum in Ruhe ausbreitet und nur durch einen Griff in eines der Regale übertroffen werden kann.

Genau diesen Moment wollte wohl der italienische Fotograf Massimo Listri einfangen, als er beschloss, die in seinen Augen schönsten Bibliotheken der Welt, im gleichnamigen XL-Band vom TASCHEN-Verlag, für die Ewigkeit festzuhalten. Dabei ist der Begriff Bibliothek fast schon vermessen, wenn man all die Fresken, vergoldeten Regale, Statuen und jahrhundertealten Werke sieht, die mehr an eine Kathedrale als an etwa anderes erinnern. Auf der Reise, an der Listri den Leser teilhaben lässt, durchstreift man diese ‚Schatzkammern aller Reichtümer des menschlichen Geistes‘ in aller Herren Länder. So ist der Band in die geographisch unterschiedlichen Bereiche Europas, sowie des amerikanischen Kontinents unterteilt und zeigt dadurch über die Büchersammlungen hinaus, auch die architektonischen Eigenarten der präsentierten Länder, die einen Besuch der gezeigten Bibliotheken zu einer wahrlich kulturhistorischen Wallfahrt werden lassen.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Biblioteca Statale Oratoriana dei Girolamini, Neapel, Italien

Auch sind die Hintergründe der Entstehung der einzelnen Sammlungen interessant, die wiederum die Zusammenstellung der Bücher und die visuelle Aufbereitung der Räume erklären. So sieht man ehemalige Bibliotheken untergegangener oder aktuell immer noch waltender Monarchien. Darüber hinaus gewährt uns Listri Einblicke in Privatbibliotheken, wie die der Medici, die von niemand anderem als Michelangelo persönlich entworfen wurde, Klosterbibliotheken oder die Vatikanische Apostolische Bibliothek, die eine der wertvollsten Sammlungen der Welt beherbergt. Dabei sind das nur einige von vielen Beispielen, die das Gefühl verstärken Geschichte geradezu einatmen zu können, wenn man die entsprechenden Räume und Hallen betritt. Ein krasser und doch angenehmer Kontrast zum Alltag des 21. Jahrhunderts, dem man hier entfliehen kann. Während all unsere Fotos und Texte irgendwann, allein schon aufgrund von ständig wechselnden Datenformaten, das digitale Zeitliche segnen, überdauern klassische Bücher über Jahrhunderte und bleiben damit ein konstanter Übermittler von Wissen, der unabhängig von Zeitgeist und technischer Entwicklung Bestand hat.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Stiftsbibliothek Sankt Gallen, St. Gallen, Schweiz

Um dabei das Gezeigte überhaupt korrekt einordnen zu können, findet man neben den großartigen Fotografien, die dazu passenden, sowie detaillierten Texte. Diese sind zum einen in längerer Form zwischen den geographisch aufgeteilten Kapiteln, aber auch als ergänzende Stichpunkte zu den wertvollsten Besitztümern, Baujahren und weiteren interessanten Fakten zu finden. So kann man nicht nur die Aufmachung der palastartigen Bauten genießen, sondern sich aktiv über sie informieren und sich damit vielleicht Inspiration für die nächste Urlaubsreise holen. Ich für meinen Teil habe mir zumindest schon die ein oder andere Notiz dazu gemacht.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Stiftsbibliothek Kremsmünster, Kremsmünster, Österreich

Zusammengetragen wurden diese Informationen dabei nicht von einem anonymen Redakteur, sondern durch die Experten Georg Ruppelt und Elisabth Sladek. Ersterer leitete nach seiner Promovierung und anfänglicher Laufbahn als Bibliothekar, als stellvertretender Direktor die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und von 2002 bis 2016 als Direktor die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. Währenddessen hat er schon mehr als 400 Aufsätze und 40 Monographien über das Buch- und Bibliothekswesen verfasst. Bei so einer Biografie kann man sich getrost die Frage stellen, ob es tatsächlich noch andere Menschen auf der Welt gibt, die sich in einem Leben so viel theoretisches, als praktisches Wissen um dieses Thema aneignen konnten. Zumindest in ähnliche Sphären stößt Elisabeth Sladek vor, die in Wien Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Judaistik studierte. Daraufhin spezialisierte sie sich auf die Kunst- und Architekturgeschichte des Barock und ist in Forschung und Lehre tätig, unter anderem in Wien, Rom und Zürich. Zu diesen Themen publiziert sie regelmäßig. In diesem Sinne ein Team, dessen Expertise nicht nur bei Betrachtung ihres Lebenswegs, sondern auch sofort beim Blick in Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt* offenbart wird.

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©Massimo Listri / TASCHEN
Biblioteca do Convento de Mafra, Mafra, Portugal

In dieser Kombination bietet der vorgestellte Prachtband nicht weniger, als die konzentrierte Essenz dessen, was man als bibliophile und wissensdurstige Person geradezu als magisch bezeichnen würde. Gewissermaßen ein Spaziergang durch die ältesten und schönsten Oasen des Wissens, dessen Genuss man nach der Lektüre nur noch durch den realen Besuch dieser altehrwürdigen Orte steigern kann.

Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt*
Verlag: TASCHEN  
Fotograf: Massimo Listri 
Autoren: Georg Ruppelt, Elisabth Sladek 
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch  
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm
Seitenzahl: 560
Preis: 150 EUR


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