[Rezension] Batman Noir: Gotham By Gaslight (Panini Comics)

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Die US-Leser unter euch kennen sicherlich schon seit längerer Zeit die Strategie der großen Superhelden-Verlage Klassiker oder besonders beliebte Geschichten in schwarz/weiß auf den Markt zu bringen. Der Hintergrund, neben der offensichtlichen Möglichkeit des Abverkaufs schon erschienener Bände, ist die so besonders nah an der Vorstellung der Zeichner gelegene Vision betroffener Geschichten. Selbstverständlich sind Koloristen ein essenzieller Bestandteil des Produkts „Comic“ und bringen nicht selten eine Ebene mit ein, ohne die eine bestimmte Stimmung nicht mal im Ansatz transportiert werden könnte. Trotzdem sind vor allem Handlungen, die primär durch die eigentliche Geschichte und nicht nur Action getragen werden, geradezu prädestiniert dafür sich den typischen Graphic Novel-Look anzueignen.

Das haben auch Panini Comics in Deutschland erkannt und folgen nun dem Lizenzgeber DC mit zwei großformatigen Hardcovern, von denen ich hier den Titel „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ besprechen möchte. Dieser versammelt zum ersten Mal die beiden Elseworld-Geschichten „Blutige Schatten der Vergangenheit“ (1989) und „Der Herr der Zukunft“ (1991).

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© Panini Comics

Beide Storys entstammen der Feder des Autoren Brian Augustyn, während sich mit  Eduardo Barreto und Mike Mignola zwei unterschiedliche Zeichner für die beiden Projekte zur Verfügung gestellt haben. Insbesondere Mignola sei hier gesondert erwähnt, den die meisten vermutlich aufgrund seiner Arbeit an Hellboy kennen sollten und dessen Werk vom legendären Alan Moore als Mischung aus Jack Kirby und dem deutschen Expressionismus bezeichnet wurde.

Inhaltlich steigt der Leser zum Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Schiff ein, dass bald von London aus in Gotham einlaufen soll. Darauf befindet sich unter anderem Bruce Wayne, der zuvor unter den Fittichen von Sigmund Freud die Psychoanalyse in Wien studiert hat. Zeitlich passend hat kurz zuvor Jack the Ripper seine Mordserie in Whitechapel begangen und mit einem der Handlung vorangestellten fiktiven Brief von eben jenem Mörder darf man sich darauf einstellen, dass Gotham der nächste „Spielplatz“ seiner Wahl werden wird. Doch Jack hat in diese Rechnung Batman nicht einkalkuliert, der mit der Rückkehr Waynes natürlich ebenfalls sein wachsames Auge auf die Straßen der Metropole wirft. Was der dunkle Ritter jedoch selbst nicht erwartet, ist es mit seiner bürgerliche Fassade selbst in den Kreis der Verdächtigen zu geraten, was den Ursprung der blutigen Spur von der Themse bis zur Ostküste der USA anbelangt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Jagd nach dem Ripper aufzumachen, um den Namen der Familie Wayne rein zu waschen. Zeitgleich entdeckt er allerhand weitere Geheimnisse, die sogar den Mord an seinen Eltern mit einschließen.

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© Panini Comics

Wie nebenbei lässt der Autor dabei zahlreiche Referenzen mit einfließen, die zum Beispiel den Ursprung bestimmter Bösewichte im Kontext der beschriebenen Zeit beinhalten, selbst wenn diese in „Blutige Schatten der Vergangenheit“ keine tragende Rolle spielen. Darunter zum Beispiel der Joker, dessen kurz zu sehendes Bild als eindeutiger Verweis auf die reale Inspiration durch den Stummfilm „Der Mann, der lacht“ (1928) zu verstehen ist. Hinzu kommen auch kleine Anspielungen für die im Comic-Bereich historisch interessierten Leser, die unter anderem eine Zeichnung von Bob Kane wiedererkennen sollten. Ganz generell sorgen Mignolas Zeichnungen in schwarz-weiß für eine Atmosphäre, die nicht nur aufgrund des teils deckungsgleichen Themas aus „From Hell“ (1989-1996) für schaurig-schöne Momente sorgt. Man darf darüber hinaus davon ausgehen, dass der Release beider Titel nicht ohne Grund auf das Jahr 1989 fiel, da die Morde sich erst im Jahr zuvor zum hundertsten Mal jährten und damit der Öffentlichkeit besonders präsent waren.

In der zweiten Geschichte „Der Herr der Zukunft“ wird wie schon erwähnt mit Augustyn der Autor beibehalten, während mit Eduardo Barreto ein anderer Künstler zum Zeichenstift greift. Wir befinden uns immer noch am Ende des 19. Jahrhunderts und Gotham City ist im Begriff die Weltausstellung vorzubereiten, die in der Realität um den gleichen Zeitraum in Chicago stattfand. Insbesondere der Bürgermeister, sowie eine Vielzahl an Bürgern sind Feuer und Flamme für die Idee eine so prestigeträchtige Veranstaltung auszurichten, während Bruce Wayne sich primär Gedanken darum macht seinen Umhang an den Nagel zu hängen. Doch es kommt natürlich anders als erwartet, als mit dem geheimnisvollen Alexandre LeRoi ein Mann eine Veranstaltung stürmt, die zur Planung der besagten Ausstellung einberufen wurde. Hier verlangt er unter einem zivilisationskritischen Pathos, den man durch den Besitz eines Luftschiffs und eines Roboters durchaus in Zweifel ziehen kann, die Absage der Weltausstellung. Sollte man seinem Befehl nicht Folge leisten, würde er die Stadt in Schutt und Asche legen. Wie nicht anders zu erwarten, sieht sich nun Bruce Wayne erneut in der Pflicht die Fledermaus-Haube überzuziehen und der plötzlichen Bedrohung auf den Grund zu gehen. Alles in allem eine runde Abenteuergeschichte mit Steam Punk-Flair und daher lesenswert, jedoch nicht auf dem selben Niveau wie der Vorgänger, was neben der tiefergehenden Handlung auch am Strich Mignolas liegt, der im Gegensatz zum ebenfalls großartigen Eduardo Barreto eine deutlich individuellere Note mit sich bringt.

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© Panini Comics

Das Gesamtpaket in Form des Sammelbands „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ ist in diesem Sinne definitiv eine Anschaffung wert. Insbesondere wenn man die Geschichten noch nicht im eigenen Bücherregal stehen hat und sich für den Graphic Novel-Vibe einer schwarz/weißen Batman-Geschichte begeistern kann. Man darf gespannt sein, was Panini nach dem vorliegenden Band und „Der Tod der Familie“ als nächstes in das „Noir„-Programm aufnimmt.

Batman Noir: Gotham by Gaslight 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Augustyn
Zeichner: Mike Mignola, Eduardo Barreto
Erschienen am: 12.05.2020 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 124
Preis: 23 EUR

 

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