Gung Ho – Band 3: Sexy Beast

Gung Ho Sexy Beast Cover

Wie wir wissen, ist Deutschland „Export-Weltmeister“. Wenn es jedoch um das Medium Comic geht, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Zwar existiert hierzulande eine rege Szene und über zu wenige Veröffentlichungen muss man sich auch nicht beschweren, aber eine internationale Bühne ist nur den wenigsten Zeichnern und Autoren vorbehalten. Zu den wenigen Auserwählten gehören zum Beispiel Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg.

Die beiden Münchner sind in den hiesigen Breitengraden ein Begriff und werden auf Festivals zu recht am entsprechenden Verlagsstand belagert. In Frankreich sind sie jedoch nicht einfach „erfolgreich“, sondern geradezu Superstars. Das wiederum führt zur seltenen Situation, dass ihre aktuelle Reihe Gung Ho zuerst bei unseren Nachbarn erscheint und erst später ihren Weg in die heimischen Regale findet.

309987-20170503150030

©Cross Cult

Selbiger Umstand gilt auch für den dritten Band der angesprochenen Serie, der den klingenden Namen Sexy Beast trägt und eindrucksvoll unter Beweis stellt, warum sich in kürzester Zeit eine ganze Fan-Gemeinde etablieren konnte.

Inhaltlich befinden wir uns, wie schon in Schwarze Schafe und Ohne Rücksicht auf Verluste, in einer postapokalyptischen Welt, deren Leben sich primär hinter Mauern von rar gesäten Dörfern und Städten abspielt, da die Außenwelt eine Vielzahl an unkalkulierbaren Gefahren birgt. Das gilt natürlich auch für die Hauptlocation der Story in Form von Fort Apache. Dort leben die uns schon bekannten Figuren, die sich im Zuge der vergangenen Events immer weiter voneinander entfernen, wobei die Trennlinie primär zwischen den Teenagern und Erwachsenen der Siedlung gezogen wird. Hierbei sind, wie schon zuvor, die Brüder Zack und Archer Goodwoody der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Während der jüngere Zack langsam in die Gemeinschaft integriert wird, stellt sich Archer immer wieder quer zu den auferlegten Regeln. So dauert es zum Beispiel nicht lange, bis für die Versorgung zuständige Beamte Bangster, aufgrund von Abhängigkeiten, jegliche Grenzen der Moral überschreitet und die Führer der Ortschaft ihn trotzdem gewähren lassen. Das kann Archer nicht auf sich sitzen lassen und greift zu drastischen Mitteln, die am Ende aber kombiniert mit Intrigen, seinen Rauswurf aus der Gemeinschaft zur Folge haben, der mehr Konsequenzen nach sich zieht, als es zunächst den Anschein macht…

309987-20170503150045

©Cross Cult

Visuell bleibt Thomas von Kummant seinem Stil treu und lässt den Leser dadurch erneut in eine Mischwelt aus Animationsfilm und Mad Max-Dystopie (mit weit mehr Grünzeug) eintauchen, die in malerischer Schönheit auf jeder Seite zur Entdeckungsreise einlädt. Genau diese individuelle Art hebt die Reihe vom Rest der deutschen Releases ab und lässt sie folgerichtig auf einer internationalen Ebene landen. Zwar bewegt sich das ganze stilistisch etwas weiter weg vom „klassichen“ Comic-Ambiente, aber genau dieser Umstand hält die Fans wohl, neben der sehr unterhaltsamen Story, schon seit geraumer Zeit bei Laune.

Hinzu kommt die Tatsache, dass schon bekannt ist, dass Gung Ho in insgesamt fünf Bänden abgeschlossen sein wird (Das Skript war schon vor dem ersten Pinselstrich fertig). Dadurch wird zumindest mir die Entscheidung erleichtert, ob ich zugreifen soll, da man sich nicht auf eine Endlosschleife à la The Walking Dead einlassen muss.

309987-20170503150050

©Cross Cult

Dementsprechend kann ich jedem nur ans Herz legen, sich Sexy Beast zuzulegen und falls man noch nicht das Vergnügen mit den Vorgängerbänden hatte, einen Blick hinein zu werfen und sich überzeugen zu lassen.

Paper Girls – 1

9783959811415

Wenn ihr Comic-Fans seid, wundert ihr euch wahrscheinlich, warum die erste Ausgabe von Paper Girls (Cross Cult) erst jetzt ihren Weg zu einer Rezension auf ZOMBIAC gefunden hat. Wißt ihr was? Ich kann euch diese Frage nicht beantworten und schäme mich fast schon dafür, meine Leser nicht früher über diese großartige Geschichte informiert zu haben.

Nun habe ich aber endlich die Gelegenheit und möchte sie gleich nutzen, um in eine Story einzutauchen, die ihresgleichen sucht. Wir befinden uns in Stony Steam, einem Vorort von Cleveland am Morgen nach Halloween 1988. In der Morgendämmerung macht sich das zwölfjährige Mädchen Erin Tieng an ihre Arbeit als fahrradfahrende Zeitungsausträgerin, als sie Mac und ihrer Entourage aus Tiffany und K.J. über den Weg läuft, die ebenfalls in Erins Alter sind und mit dem selben Job im kleinen Ort ihr Taschengeld aufbessern. So weit, so üblich. Als jedoch plötzlich seltsame Gestalten auftauchen, die trotz Halloween-Settings nicht ganz in die Szenerie reinpassen wollen, geraten immer mehr mysteriöse Dinge in Bewegung, die die Augen des Lesers geradezu an die Seiten nageln.

Brian K. Vaughan: Paper Girls 1

©Cross Cult

Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die trotzdem den dazu passenden Charme transportiert. Wenn uns eine alkoholkranke Mutter über den Weg läuft und mit Waffen hantiert wird, merkt man recht schnell, dass diese Lektüre trotz des jungen Alters der Protagonistinnen, alles andere als für ein gleichaltriges Publikum konzipiert wurde.

Neben der eigentlichen Story beglückt uns der Ausnahmeautor Brian K. Vaughan (Y: The Last Man, Saga) mit einer gewaltigen Ladung an popkulturellen Referenzen, die nicht nur Kinder der 80er verstehen sollten. Ob Musik, Technik oder einfach der Zeitgeist – so gekonnt platziert habe ich solche Anleihen höchstens in gut gemachten TV-Serien gesehen. Das Ganze wird zum Glück nicht einfach als Futter für die Fanboys à la „Ha! Kenn ich!„-Effekt verkauft, sondern immer mit einem leichten Augenzwinkern in die Geschichte verbaut.

Brian K. Vaughan: Paper Girls 1

©Cross Cult

Hinzu kommt das wunderschöne Artwork von Cliff Chiang, welches die Atmosphäre gekonnt einfängt und eine Welle der Nostalgie über die Leser schwappen lässt, ohne diese altbacken wirken zu lassen. Man bedenke: Ich bin ein Kind der 90er und fühle mich bei der Lektüre wie in eine fiktive Vergangenheit zurück versetzt. Jede der Figuren, ob Randerscheinung oder Träger der Geschichte, strotzt nur so vor individuellen Charakterzügen und baut damit auch umso leichter eine emotionale Brücke auf. Ich für meinen Teil, würde mich zumindest nicht wundern, wenn man Paper Girls sowohl bezüglich der Story als auch der visuellen Umsetzung als Blaupause für das nächste große Serien-Projekt aufzieht. Das gilt auch für die Farbgebung durch Matt Wilson, welche mit einer reduzierten Palette auskommt und trotzdem nichts zu wünschen übrig lässt. Diese trägt nämlich ungemein zur Atmosphäre bei, die Chiangs Zeichnungen die Facette gibt, die den Touch der 80er erst in ihrer ganze Fülle transportiert.

Alles in allem ist dieser Band das, als was er von Seiten des Verlags (ohne zu übertreiben) beworben wird: „Das wohl Heißeste und Abgefahrenste, was der US-Comicmarkt derzeit zu bieten hat.“  Ich wurde auf jeden Fall so extrem und vor allem positiv überrascht, dass ich jedem, der sich nur im Ansatz als Comic-Leser bezeichnet, Paper Girls ans Herz lege.

Brian K. Vaughan: Paper Girls 1

©Cross Cult

Band 1 ist schon im Handel erhältlich! Der zweite Band erscheint am 31.07. und der dritte am 18.12.2017!

Batman: Auf dem Weg ins Niemandsland – Band 2

Batman Auf dem Weg ins Niemandsland 2

Wenn ihr ZOMBIAC schon einige Zeit folgt, werdet ihr meine Abneigung gegen einen großen Teil der 90er-Releases im Superheldenbereich kennen. Zu viel künstlicher Pathos, seltsame Dialoge und ein Artwork, dessen Charme sich mir komplett entzieht. Vielleicht bin ich auch zu verwöhnt von den Auswüchsen des neuen Jahrtausends, welche sich durch mehr Experimentierfreude und teilweise ganz dem „klassischen“ Comic fremde Elemente hervortun.

Nach wie vor bin ich aber offen für schöne Gegenbeispiele und Erklärungen, die diese Dekade in einem potentiell anderen Licht erstrahlen lassen könnten. Leider ist es bis dato niemandem so recht gelungen, wobei der vorliegende Band, der die Ausläufer der 90er markiert, in eine Richtung tendiert, die mein Interesse an der großen Niemandsland-Saga geweckt hat. Noch ist es nicht soweit, aber mit dem zweiten Teil der Auf dem Weg ins Niemandsland-Storyline steht der große Umbruch neben den Ereignissen um Knightfall kurz vor seinem Beginn.

Nun aber zur vorliegenden Geschichte, die ihren Ausgangspunkt beim Kampf von Bruce Wayne gegen die US-amerikanischen Behörden hat, die das durch ein verheerendes Erdbeben zerstörte Gotham aufgeben wollen. Richtig gehört: Der dunkle Ritter ist in diesem fast 400-Seitigen Schmöker fast schon eine Nebenfigur. Die Action-Szenen werden aber immer noch von einer illustren Runde aus der Bat-Familie bestritten. Dazu gehört neben den üblichen Verdächtigen wie Robin oder Nightwing auch Azrael, der sich primär durch seine skrupellose Gewaltanwendung in der Vergangenheit einen Namen gemacht hat und nun gegen einen mächtigen Feind zu Felde ziehen muss, der nichts weniger als das endgültige Ende Gothams samt aller „erforderlichen Verluste“ zum Ziel hat.

Ungefähr zeitgleich schmiedet der Joker im von der Versorgung abgeschnittenen Arkham Asylum Pläne für den Ausbruch mit den uns bekannten Antagonisten wie Killer Croc, Poison Ivy oder dem Riddler. Wie für den Clownprinzen des Verbrechens typisch, beinhalten seine Ausführungen nichts weniger als pure Anarchie, garniert mit einem Witz, der im Hals stecken zu bleiben droht. Der einzige der sich ihm dabei versucht in den Weg zu stellen, aber am Ende nicht mehr als ein Zuarbeiter für seine verrückten Ideen ist, ist der Leiter der Anstalt Jeremiah Arkham, dessen Mitarbeiter von Tag zu Tag sowohl durch Flucht aus der Anstalt oder Mord durch die Insassen dezimiert werden. Eine scheinbar ausweglose Situation, die in einer fatalen Entscheidung mündet…

Insbesondere der zweite Teil der Geschichte hat es mir angetan. Wie schon zuvor wird die dünne Handlung nicht durch künstlich aufgetragene Tiefe kaschiert, sondern präsentiert sich als das was sie ist: Eine volle Ladung an actiongeladenem Entertainment, die kurzweilige Unterhaltung bietet und dabei alle Elemente einer klassischen Batman-Story ausspielt. Dementsprechend musste ich mich nicht wie bei den Vorgänger-Bänden durch die kolossale Masse an Papier ackern, sondern habe die Story sogar sehr genossen.

Auf visueller Ebene wird man mich aber, Legende hin oder her, nicht vor den Ofen hervorlocken können. Mir ist vollkommen bewusst, dass Männer wie Jim Aparo oder Mark Buckingham großes für die Figur geleistet haben, aber grobschlächtige bis emotionslose Art der Federführung will sich bei mir einfach nicht als „schön“ etablieren. Dabei ist es nicht mal eine Art von altbacken, die mir sauer aufstößt. Die Werke des Golden und Silver Age haben mich auch nachhaltig beeindruckt, aber das? Nun ja, Geschmacksache würde ich sagen…

In jedem Fall lässt sich darüber hinwegsehen, wenn die Story stimmt und das tut sie in diesem Fall tatsächlich! Keine bitterböse Frank-Miller-Dystopie oder modernes Scott Snyder-Drama, sondern das was man sich von den 90ern erwartet: Action, Spaß und das Fünkchen Irrsinn, das die Fans von den Hatern trennt. Wenn ihr euch nicht sicher seid, zu welcher Seite ihr gehört, solltet ihr den nächsten Comic-Shop aufsuchen und euch selbst ein Bild von Auf dem Weg ins Niemandsland – Band 2 machen!

 

TASCHEN Warehouse Sale + Gewinnspiel

Bildschirmfoto 2017-06-15 um 18.29.58

Zwei Mal im Jahr dürfen sich Fans von Design, Film, Malerei, Comics und anderen Kunst-Formen ganz besonders freuen: Der TASCHEN-Sale findet statt und bietet auch Fans mit kleinerem Geldbeutel die Möglichkeit, sich ein paar richtige Schmuckstücke ins Regal zu stellen.

Vom 22. bis 25. Juni können sich Besucher von TASCHEN.com mit Rabatten von 30-75%(!) eindecken und dabei aus der ganzen Bandbreite des Verlags schöpfen (bis zum 24. Juni in den Flagshipstores). Wenn ihr euch nicht sicher bezüglich einer Anschaffung seid, könnt ihr gerne durch meine Rezensionen stöbern. Einfach den Namen des Verlags in die Suchleiste eingeben und los geht’s!

Zur Feier dieses Events gibt es auch wieder eine feine Verlosung, die wohl den Großteil meiner Leser ansprechen sollte:

75_years_dc_comics_fp_gb_3d_04812_1703091950_id_1117787

75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen als Neuausgabe! Diese ist inhaltlich mit der gigantischen (mit dem Eisner-Award ausgezeichneten) Fassung für 150€ identisch, ist aber im neuen Format besonders lesefreundlich gestaltet und kann bald euch gehören! Was ihr dafür tun müsst? Euch bis zum 21.06. (23:59 Uhr) beeilen und folgendes durchführen:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Markiert einen Freund unter dem eben genannten Beitrag

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf aus dem ich danach den glücklichen Gewinner ziehen werde.

Ich wünsche euch viel Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim schmökern!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 21.06.2017 um 23:59 Uhr.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.blog und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

Old Man Logan – Band 3

Old Man Logan 3 Softcover

Vor kurzem habe ich über den großartigen „Der Unterwasser-Schweisser“ von Jeff Lemire berichtet, für den er nicht nur die Geschichte geschrieben, sondern auch den Zeichenstift geschwungen hat. Ein berührendes Drama über Verlust und Liebe im Familiengefüge.

In diesem Zusammenhang werden sich die wenigsten Leser (mit Ausnahme der Kenner) vorstellen können, dass der selbe Mann auch für die extrem brutale „Old Man Logan„-Reihe verantwortlich sein könnte. Klar, versuchen sich einige Autoren und Zeichner auch in anderen Bereichen des Mediums Comic, aber einen so standardisiert durchgeführten Bruch zwischen zwei Welten gibt es selten.

In der neuesten Ausgabe finden wir Logan nach den traumatisierenden Ereignissen des letzten Bands in Killhorn Falls, auf der Jagd nach Lady Deathstrike, die ihn in das entfernte Japan führt. Dort angekommen, findet er sich gleich in der Falle der sogenannten Silent Order wieder, die er schon aus seiner alternativen Vergangenheit kennt und ihn zu Handlungen zwingen möchte, denen Wolverine schon vor langer Zeit abgeschworen hat…

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn es handelt sich nicht nur um eine eigenständig tolle Story, sondern auch um eine gelungene Vertiefung der legendären Geschichte unter Mark Millars Federführung. Nicht nur einmal wird sich auf den postapokalyptischen Plot bezogen und damit eine Vertiefung der bekannten Ereignisse vorangetrieben.

Hinzu kommen die gewohnt großartigen Panels von Andrea Sorrentino, die das uns bekannte Spektrum der graphischen Erzählung regelmäßig (im wahrsten Sinne des Wortes) sprengen. Es ist schier unglaublich mit welchem Einfallsreichtum auch Szenen mit wenig Dialog, nur mit gekonntem Einsatz von Geräuschen, Gedankenströmen oder visuell umgesetzten Bewusstseinszuständen fortgeführt werden. Allein schon für das Artwork, welches seinesgleichen sucht, sollte man einen Blick in die „Old Man Logan„-Reihe wagen. Puristen könnte der Ansatz vielleicht aufstoßen, aber aufgeschlossene Leser finden hier eine spannende Lektüre, die mit ihrer Optik zeitlos zu bestechen weiß.

Auch bezüglich Band 3 müsste ich Kritikpunkte mit der Lupe suchen. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Story für die Ewigkeit, aber definitiv um einen der Höhepunkte im Bereich der Fortsetzungsgeschichten, den in den meisten Fällen nach einiger Zeit die Luft aus geht. Hier braucht man diesbezüglich keine Angst zu haben.

Von mir gibt es, mit einer riesigen Vorfreude auf Band 4, eine klare Empfehlung!

Howard the Duck – Sein schwerster Fall

Howard the Duck

Ich wär ’ne gute Tierärztin!

Waak! Dann bürste mir den Bürzel!

Wenn ich eine Rezension so beginne, sollte eigentlich schon jeder wissen um wen oder was es geht: Howard the Duck! Genau genommen um sein letztes Abenteuer unter dem Kreativ-Gespann Chip Zdarsky (Sex Criminals) und Joe Quinones (Amazing Spider-Man) mit dem Titel „Sein schwerster Fall„.

Nach den letzten beiden Ausgaben (Ein Erpel für alle Fälle und Im Weltraum hört dich niemand quaken) befällt mich geradezu eine Art Schwermut eine finale Rezension zur extraterrestrischen Ente zu verfassen, die mit ihrer trockenen Art inmitten eines anarchischen Settings, die ein oder andere Lachträne aus mir gepresst hat und nun ihr letztes Abenteuer erlebt.

Auch in diesem Fall ist es nicht anders und dementsprechend schwer zu beschreiben um was es eigentlich geht. Bevor die eigentliche Story beginnt, reist Howard mit seiner mit Skrull-Kräften ausgestatteten Assistentin Tara in das sogenannte Wilde Land, in dessen „Savage Park“ ihm ein Haufen Dinosaurier begegnet, die unter der mentalen Kontrolle eines ansässigen Mitarbeiters stehen. Im Gepäck hat er dabei niemand geringeren als Spider-Man, Steve Rogers aka Captain America („Nenn mich einfach Steve!“ „Ok, Captain Steve!„), Daredevil und She-Hulk. Diese begleiten ihn aufgrund eines Falls von Steuerbetrug. Ja, das steht da wirklich.

Nachdem dieses Abenteuer als „bestanden“ abgehakt wurde, schließt der Band an die letzte Veröffentlichung an und beginnt mit der Wiederbegegnung mit Howards Ex Beverly Switzler. Um dem Ganzen eine größere Schippe Irrsinn drauf zu legen, steht irgendwann auch noch Lea Thompson als seine neue Klientin vor der Tür (kleiner Reminder: Er ist Privatdetektiv). Dabei ist sie niemand geringeres als die Schauspielerin, die in der Howard-Verfilmung von 1986 seine Freundin gemimt hat. Als dann noch die beiden Macher der Reihe als sie selbst in Aliengestalt samt Kontrolle über Howards Leben auftauchen, ist die wirrste Mixtur die man sich vorstellen kann perfekt.

Dabei folgt die Handlung tatsächlich einem roten Faden, der sich auch den ein oder anderen Rückgriff auf vergangene Ereignisse erlaubt und damit einen größeren Bogen spannt, als man zunächst denken könnte. Dazwischen werden wie gewohnt Gags mit Seitenhieben auf bestimmte Figuren, die Comic-Industrie an sich, oder auch den Arbeitsalltag der Kreativbranche abgefeuert. Man merkt förmlich den diebischen Spaß, sich außerhalb der stringenten Ordnung des Marvel-Universums auszutoben und den Fans zu zeigen, dass man nicht viel anders ist, als sie selbst.

Visuell bleibt auch kein Wunsch unerfüllt. Durch die für Superhelden-Geschichten typische Optik, wirken die absurdesten Momente noch intensiver und dadurch eine ganze Ecke lustiger, als Produkte der Mitbewerber im „Funny-Style“.

Ich für meinen Teil kann euch nur ans Herz legen, alle drei Bände zu besorgen, die sich nicht nur schön im Regal machen, sondern es wert sind, sie mehrmals in die Hand zu nehmen und sich an ihnen zu erfreuen. Bei knapp 15€ pro Ausgabe, ist es eine wirklich lohnende Investition. Ich hoffe in jedem Fall, dass die Figur nicht irgendwann in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, sondern ein Ventil für mutige Autoren und Künstler und eine schöne Abwechslung für Leser bleibt.

Wonder Woman – Das erste Jahr

Wonder Woman Das erste Jahr Softcover

Der Hype greift aktuell um sich und die positiven Film-Kritiken tun ihr Übriges um eine ganze Generation an Fans heran zu züchten: Die Rede ist selbstverständlich von Wonder Woman!

Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass eine weibliche Hauptfigur sich im Cineversum der Cape-Träger etablieren, geschweige denn dieses dominieren könnte? Nach den bisher qualitativ eher durchwachsenen DC-Auskopplungen wurde es zwar vielleicht langsam Zeit, aber wer hätte bei den ersten Ankündigungen erwartet, dass dieses Franchise dermaßen einschlägt? Ich für meinen Teil bin positiv überrascht und erhoffe mir mehr weiblichen Anteil in den bis dato von Testosteron beherrschten Gefilden.

Nun ist es nicht weiter verwunderlich, dass zeitgleich zum Filmstart eine ganze Reihe an Comics veröffentlicht wird, damit die Leser in die Kinosäle und die Zuschauer in die Comic-Shops gespült werden. Darunter befinden sich neben Wiederveröffentlichungen (z.B. Heketeia) auch richtig frische Storys wie „Das erste Jahr„. Ein Titel, der seit der gleichnamigen Batman-Geschichte aus den 80er zur eigenen Institution geworden ist und oftmals eine ganze Ära einleitete. Selbiges gilt nun auch für Wonder Woman, die damit eine Origin-Story im Rebirth-Universum erhält.

In dieser lebt Prinzessin Diana (ihr Spitzname wird ihr erst später verliehen) mit ihren Amazonen-Schwestern gänzlich isoliert auf der paradiesähnlichen Insel Themyscira mit einer seltsamen Mischung aus archaischen Strukturen und fortschrittlichem Wissen im Bereich der Medizin und Forschung im Allgemeinen.

Eines Tages wird diese Idylle plötzlich durch den Absturz eines Militärflugzeugs erschüttert, welcher nur einen Überlebenden in Form des Soldaten Steve Trevor zurück lässt und damit das Leben Dianas für immer verändert.

Klingt im ersten Moment vielleicht etwas schwach auf der Brust, entfaltet aber durch das Storytelling-Talent von Greg Rucka (z.B. Gotham Central) einen einnehmenden Charme, der zwischen naiv, mysteriös und knallhart pendelt. Bezeichnungen, die nicht immer zu kombinieren sind, hier aber aufeinander abgestimmt harmonieren. Zusätzlich bleibt die Handlung durch das fantasievolle Setting durchgehend spannend und nur schwer vorherzusehen. Dadurch kommt man gerne auf eine Reise mit, die einen schön runden Abschluss und damit Ausgangspunkt für den Rebirth-Strang der Figur bildet.

Visuell aufbereitet wurde das Ganze durch Nicola Scott (z.B. Erde Zwei), die trotz zahlreicher Action-Szenen, die weibliche Hauptfigur, sowie die Umgebung fast schon „zart“ darstellt, ohne in eine für Jungs „abschreckende“ Richtung abzurutschen. Gleichzeitig vermeidet sie gekonnt eine Übersexualisierung, die man als Leser von Superhelden-Stoffen wohl zu Genüge kennt. Wonder Woman bekommt dadurch eine Aura, die weder den Beschützer-Instinkt weckt, noch „erregend“ wirkt. Alles in allem also eine Darstellung, die vollkommen auf die Reduzierung oder Ansprache des Geschlechts verzichtet und dadurch eine breitere Leserschaft erschließt.

In Kombination mit der gelungenen Geschichte, stellt „Wonder Woman – Das erste Jahr“ dadurch sowohl einen perfekten Einstieg für neue Fans, als auch eine schöne Ergänzung für die Sammlung langjähriger Fans dar. Möchte man sich sogar die edlere Hardcover-Version gönnen wollen, so ist diese sogar noch erhältlich! Ich für meinen Teil kann nur eine Empfehlung aussprechen, egal für welche Fassung ihr euch entscheiden solltet!

 

Marvel Klassiker: Spider-Man

Marvel Klassiker Spider-Man

Wenn ich Sätze wie „Einige der prägendsten SpideyStorys aller Zeiten in einem Band“ lese, bin ich aus Erfahrung recht skeptisch geworden. Viele Sammelbände wie der nun vorliegende Marvel Klassiker: Spider-Man (den Helden könnt ihr beliebig ersetzen), zeichneten sich leider viel zu oft dadurch aus, dass zwar wichtige Momente in der Geschichte der jeweiligen Figur geliefert wurden, die einschneidensten Erlebnisse aber Einzelausgaben vorbehalten wurden, um (nachvollziehbar) Kapital aus entsprechend legendären Story-Strängen zu schlagen.

Hier wird uns jedoch tatsächlich ein Positivbeispiel geliefert, welches der vollmundigen Ankündigung gerecht wird. Angefangen beim Urknall in Form des ersten Auftritts in Amazing Fanatsy #15, über Kämpfe gegen den Geier, den Kobold, Kingpin und viele weitere ikonische Feinde, bis hin zu persönlichen Tragödien (todkranke Tante May, Gwen Stacy *snap*) wird wirklich alles bedient, was in den späten 60ern und im Laufe der 70er relevant war.

Dabei sollten Nostalgiker und die, die es noch werden wollen nicht vergessen, dass es sich Zeitgleich um die Ära von Lee und Ditko handelt, welche uns die ikonische Optik der einzelnen Figuren beschert hat, die bis heute trotz unzähliger Neuauflagen in den Köpfen der Fans überdauert.

Hinzu kommt der unverkennbare Charme der Anfangstage, die ungewollt komischen Szenen und die teils sehr limitierten Panels, welche in Kombination genau das ausmachen, was der geneigte Leser erwartet.

Es wirkt nichts aufgesetzt, geschweige denn von künstlichem Pathos getragen (die 90er lassen grüßen). Daher wird man angenehm kurzweilig unterhalten, ohne das Gefühl zu haben, etwas aus rein historischen Beweggründen konsumieren zu müssen. Solche Neuauflagen sind sehr oft Geschmackssache. Hier wird in meinen Augen aber sowohl der langjährige Leser als auch der Neueinsteiger vollends bedient.

Ich für meinen Teil habe die Lektüre sehr genossen und hoffe, dass Panini bei diesem Konzept bleibt, damit ich auch bei Folgebänden ohne Bedenken zugreifen kann!

Marvel Klassiker: Spider-Man erscheint am 13.06.2017