[Rezension] Batman: Der weiße Ritter (Panini Comics)

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Als Batman-Fan wird man über Jahre hinweg mit unzähligen Storys überhäuft, die aufgrund der Wichtigkeit der Figur durchwegs gut sind und nur wenige negative Ausfälle beinhalten. Doch genauso selten wie wirklich schlechte Geschichten, gibt es leider auch nur in sehr großen Abständen so großartige Erzählungen, dass man sie den modernen Klassikern zuordnen könnte. Nun ist es aber endlich wieder soweit und eine der besten Veröffentlichungen um den dunklen Ritter erscheint unter dem sogenannten „Black Label“ erstmals auf deutsch: Der weiße Ritter!

Die im Jahr 2017 in den USA erschienene achtteilige Mini-Serie von Autor und Zeichner Sean Murphy flog zunächst unter meinem Radar, bis sie als Paperback rückwirkend das eben erwähnte „Black Label“ verpasst bekommen hat und als erster Release des neuen Sub-Labels für erwachsene DC-Leser erschien. Interessiert bestellte ich mir den Band um mir ein Bild von der Geschichte zu machen, deren Inhalt mir nur grob bekannt war und war schier fassungslos, wie mir eine wahre Comic-Perle so durch die Finger gleiten konnte. Da sie nun auf deutsch erschienen ist, kann ich euch endlich erzählen, warum es eure Pflicht ist, sich dieses Werk ins Regal zu stellen.

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©Panini Comics

Inhaltlich steigen wir Jahre nach Batmans erstem Erscheinen in Gotham City ein. Inzwischen ist der dunkle Ritter quasi alleine für die Bekämpfung von Schurken der Größenordnung eines Killer Croc, Mister Freeze und Co. zuständig, da die reguläre Polizei der Stadt durch fehlende Mittel, Korruption und Inkompetenz de facto tatenlos zusehen muss. Während der besagten Kämpfe geht wie in so vielen anderen Storys um die Figur, so einiges zu Bruch, Umstehende werden verletzt, Menschen geraten in Panik und trotzdem werden die Umstände akzeptiert, solange die Superschurken hinter Schloss und Riegel landen. Doch im Laufe der Zeit schleichen sich auch bei den Verbündeten des Mitternachtsdetektivs Zweifel ein, ob die brachiale Herangehensweise tatsächlich die beste Lösung für die Verbrechensbekämpfung ist.

Diese Zweifel mehren sich erst recht, als eines Tages der Joker, hier bürgerlich Jack Napier genannt (Querverweis auf Jack Nicholsons Interpretation der Figur in Tim Burtons Film von 1989), auf der spielerischen Flucht vor Batman aufzeigt, dass diesem eigentlich egal ist was um ihn herum passiert, solange er sein Ziel erreicht. Um das zu beweisen, lockt der Clownprinz des Verbrechens seinen Verfolger in eine geheime Lagerhalle, die offensichtlich bis obenhin mit semi-offiziellen Pharmazeutika vollgestopft ist, deren Wirkung weder dem Leser, noch Batman bekannt ist. Nichtsdestotrotz schafft es der Joker seine Nemesis so sehr zu provozieren, dass er hierfür vor laufender Kamera zu Brei geschlagen und mit den rumliegenden Pillen „zwangsernährt“ wird.

Genau das scheint der Plan des Jokers gewesen zu sein, denn die ihm verabreichte Medizin ist nichts anderes als ein Gegenmittel für die Geisteskrankheit des Verbrechers, der nun geheilt von seinen bösen Geistern der Welt demonstrieren kann, dass Batman nicht einfach ein Verbrechensbekämpfer, sondern eine reale Gefahr für die Allgemeinheit ist. Vollkommen klar und rational, schafft es nun der inhaftierte Jack Napier Polizei und Justiz davon zu überzeugen ihn gehen zu lassen, um der Stadt den Beschützer zu geben, den sie verdient, aber nie bekommen hat: einen weißen Ritter!

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©Panini Comics

Mehr soll hier inhaltlich nicht verraten werden, denn die Handlung lebt von überraschenden Wendungen, Erklärungen lange offener Fragen und der Infragestellung von Batman als Vigilanten, ohne die Figur zu demontieren.

Es sei nur bezüglich der wichtigsten Details und dem Rahmen der Geschichte erwähnt, dass sich das Ganze außerhalb der Kontinuität abspielt, ohne zu sehr in eine „Elseworld“-Story abzudriften. Das funktioniert dadurch, dass Sean Murphy sich, wie für solche Releases üblich, alle Freiheiten dafür nimmt seine Vision in die Tat umzusetzen, zeitgleich jedoch unzählige Referenzen einbaut, die sich nicht nur direkt auf die laufende Comic-Reihe, sondern auf das gesamte Franchise um die Figur beziehen. Das fängt bei der Ausstattung der Zelle des Jokers an, die vor Batman-Merchandise überquillt, über einen kompletten Fuhrpark an Batmobilen aus jeder(!) Epoche des dunklen Ritters, bis hin zur tatsächlich nachvollziehbaren Erklärung des Look-Wechsels von Harley Quinn. Solche Sachen gehen üblicherweise nur als „Fanpleaser“ durch, funktionieren hier aber sehr organisch und verzahnt mit der Handlung, sodass nie der Eindruck entsteht, sich mit billigen Tricks die Zustimmung der Fans verdienen zu wollen.

Vor allem liegt es an dem unfassbar gut ausgeklügelten Kniff, den Selbstjustiz-Ansatz von Frank Miller, der sich seit den 80ern durch alle Reihen und One-Shots zieht, dadurch infrage zu stellen, indem mit dem geheilten Joker ein Gegenentwurf eingeführt und die Handlungsweise von Batman so der Realität entgegengestellt wird. Diese beinhaltet dabei nicht nur zwei Antagonisten, sondern eine lebendige Stadt, samt einer Zivilbevölkerung, die unter den Kämpfen zu leiden hat. Damit schafft es Murphy sogar das Gesamtkonzept des maskierten Vigilanten zu dekonstruieren, ohne es zu zerstören. Hinzu kommen die Motive von Batman und Joker, die nicht nur wie üblich auf das Ying und Yang-Prinzip reduziert, sondern fast schon tiefenpsychologisch erörtert werden.

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©Panini Comics

Mit diesem Cocktail schafft es der Autor und Zeichner eine unfassbar dichte Atmosphäre und Tiefe zu erzeugen, die man so in einem Superheldencomic Jahre nicht gesehen hat. Unterstrichen wird das Ganze mit einer unglaublich schönen Visualisierung, die sehr individuell erscheint, jedoch genug Platz für klassische Erkennungsmerkmale einer Batman-Geschichte zulässt. Was durchgehend bleibt, ist das sehr düstere und bisweilen rohe Setting der Panels, die insbesondere bei den brutalen Momenten der Geschichte eine solche Intensität erreichen, dass einem schier der Atem stockt.

Diese nahezu perfekte Kombination aus Erzählung und Bebilderung ist in der Quintessenz nicht weniger als ein Pflichtkauf für alle Batman-Fans und all jene, die mit Cape tragenden Figuren etwas anfangen können. Ihr werdet es nicht bereuen und falls ihr danach, wie ich, nicht genug haben solltet, sei euch gesagt, dass Sean Murphy für dieses Jahr schon eine Fortsetzung von „Batman: Der weiße Ritter“ angekündigt hat!

Batman: Der weiße Ritter
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Sean Murphy
Zeichner: Sean Murphy
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Softcover 
 
Seitenzahl: 220
Preis: 22 EUR

[Rezension] Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1) (Panini Comics)

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Als ich vor einiger Zeit die Panini Vorschau aufgeschlagen habe, fiel mir recht schnell ein ungewöhnliches Cover ins Auge, dass im ersten Moment garnicht zum üblichen Portfolio des Verlags passen wollte. Ein Wikinger mit einer Axt im Nacken, stilisiert vor einem weißen Hintergrund. Üblicherweise findet man so eine Bildsprache bei Mitbewerbern mit einem Augenmerk auf Abenteuer und Fantasy. Daher wurde mein Interesse geweckt und erst mit der Ankunft des Bandes bei mir daheim befriedigt.

Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz von Brian Wood (Northlanders) und Garry Brown ist als überformatige Hardcover-Ausgabe im Handel erhältlich und ist der erste Part eines in sich abgeschlossenen Zweiteilers, der ziemlich genau das abliefert, was man sich verspricht. Grimmige Nordmänner, raue Landschaften und viel Gewalt zu Zeiten der Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Magnus der Schwarze. Ein Wikinger wie er im Buche steht: groß gewachsen, mürrisch und als Söldner keinem Kampf abgeneigt. Die alten Tage, in denen das Leben hart und einfach war, scheinen sich aber langsam auf das Ende hin zu bewegen, da Römer mit ihren Mönchen den christlichen Glauben verbreiten und damit die hiesige Bevölkerung in innere und äußere Konflkte stürzen.

Genau diesen Strömungen versucht Magnus jedoch bewusst aus dem Weg zu gehen, bis er eines Tages den Auftrag erhält einen Geistlichen aus Rom über die Schwarze Straße zu einem weit entfernten Ziel im Norden zu eskortieren. Der dem Band den Namen gebende Weg gestaltet sich im Übrigen genauso, wie er sich anhört: bedrohlich und voller unvorhersehbarer Gefahren.

Das Land hat sich verändert in den letzten Jahren, denn mit dem Einzug der Christen in die Welt der Heiden holte die kampferprobten Nordmänner und -frauen nicht der Fortschritt der römischen Kultur ein, sondern auch ein Glaubenskonflikt, der Blut, Leid und Schmerz hervorbringen sollte. Hierbei spielt der angesproche Konflikt zwischen Heiden und Christen eine entscheidende Rolle, denn willkommen sind die Betbrüder aus fernen Landen defintiv nicht. Daher ist Magnus als Beschützer gerade willkommen, wenn Horden an Wikingern seinem Kunden an den Kragen wollen.

Dabei klingt die Geschichte auf einer rein deskriptiven Ebene vielleicht ein wenig nach klassicher Abenteuer-Kost, schlägt aber schon nach kurzer Zeit eine überraschende Richtung ein, die sich wohl am besten als Krimi bezeichnen lässt. Das besondere hierbei ist verständlicherweise das Setting, dass allein schon durch ungewöhnliche Orte und Charaktere auffällt und dadurch frischen Wind in das Genre bringt. So hat man selten bis nie das Gefühl erahnen zu können, was als nächstes passiert, während gut platzierte Twists die Spannung aufrecht erhalten.

Doch auch auf visueller Ebene wird einiges aufgefahren. Passend zum Setting des Geschehens sind die Zeichnungen von Garry Brown schön rau, während die zurückgefahrene Farbpalette die Panels in eine kühle Atmosphäre taucht, die dem Storytelling durchgehend dienlich ist und die Stimmung beim lesen in die passende Richtung rückt.

Alles in allem liegt mit diesem Band ein spannender Auftakt vor, dessen Abschluss ich schon jetzt entgegenfiebere. Wenn man bedenkt, dass die Aufmachung der Geschichte eher weniger meinem Schema entspricht, wurde ich freudig überrascht und kann daher jedem empfehlen es mir gleich zu tun und sich auf Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz einzulassen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Black Road - Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 

Autor: Brian Wood
Zeichner: Garry Brown
 
Erschienen am: 22.01.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR

 

[Rezension] Captain Marvel: Die ganze Geschichte (Panini Comics)

Wenn es aktuell eine Superheldenverfilmung gibt, die in aller Munde ist, dann ist es Captain Marvel. Ein Streifen, der nicht nur Rekorde bricht (erfolgreichster Start eines Films mit einer weiblichen Hauptfigur), sondern für ein Umdenken sorgt, wenn es um die Darstellung von Frauen im Comic-Universum geht. Entgegen der Behauptung toxischer Gruppierungen wie Comicgate wurde weder im letzten großen Marvel-Blockbuster Black Panther, noch im aktuellsten Streich aus dem „Haus der Ideen“ eine Story zurechtgebogen, um angeblich der sogenannten Political Correctness genüge zu tun. Es wurden schlicht und ergreifend unterhalsame Veröffentlichungen auf die Fans losgelassen, die mit ihrer Diversität eher der Realität der vieler Fans entsprechen. Ein Umstand, den auch Leute die sich an überholten Mustern festkrallen nicht ändern können.

Um der zu erwartenden Nachfrage gerecht zu werden, haben Marvel bzw. Panini Comics selbstverständlich reagiert und eine Auswahl an passenden Titeln veröffentlicht. Darunter befindet sich auch das einsteigerfreundliche Captain Marvel: Die ganze Geschichte, welches auf eine ausgewogene Mischung aus Action und Drama setzt und dadurch die Tiefe generiert, die nötig ist, um Leser längerfristig zu binden.

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Im Detail steigt man zunächst unter der Voraussetzung ein, dass man zumindest weiß wer Captain Marvel ist. Sie ist eine übermächtige Superheldin, die mit sogenannten Kree-Kräften (eine Alien-Rasse) ausgestattet, regelmäßig im Universum unterwegs ist, um Gutes zu tun. Das tut sie auch am Anfang der Geschichte in Zusammenarbeit mit den Avengers, bis sie mitten im Kampf Erinnerungen an ihre von häuslicher Gewalt geprägten Jugend einholen, die sich in zügelloser Wut gegen ihre Gegner manifestieren. Vollkommen entfesselt, muss sie daher von Iron Man aka Tony Stark zur Räson gebracht werden, der ihr empfiehlt auf Heimaturlaub zu gehen, um wieder zu sich selbst zu kommen.

Deswegen kehrt Carol Danvers, so der bürgerliche Name der Heldin, in ihre alte Heimat in Form eines kleinen Küstenstädtchens zurück, in dem noch alte Bekannte und der Rest ihrer Familie in Form ihrer Mutter und ihres Bruders wohnen. Dort entdeckt sie jedoch nicht nur etwas nötige Ruhe, sondern auch einige dunkle Geheimnisse ihrer Familie, sowie Spuren zum Ursprung ihrer Superkräfte, der nicht ganz der bis dato bekannten Kontinuität entspricht. Hinzu kommt die Bewältigung ihrer Kindheitserinnnerungen, die zwischen idyllisch und brutal schwankt. In diesem Sinne eine eher ungewöhnliche Basis, die zwar mit der Konfrontation mit einer auf tödlicher Mission befindlichen Kriegerin der Kree gewohnte Zutaten bereit hält, aber nicht dem Fehler aufsitzt Action mit einer hanebüchenen Handlung zu rechtfertigen. Den Kern macht immer noch Carols familiäre Tragödie aus, deren überraschende Wendungen das sind, was den Leser antreibt die spannende Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Ich für meinen Teil bin mit Captain Marvel: Die ganze Geschichte tatsächlich das erste Mal über die Figur gestolpert und kann sagen, dass ich Augen und Ohren nun etwas weiter aufsperren werde, um solche Perlen wie diesen  Sammelband (im Original: The Life of Captain Marvel #1-#5) nicht zu verpassen.

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Wenn man sich die Macher hinter dem Projekt anschaut, verwundert es jedoch nicht, eine qualitativ so hervorstechende Geschichte vor sich liegen zu haben. Niemand Geringeres als die Autorin Margaret Stohl, bekannt für die Fantasy-Reihe Sixteen Moons, sowie Videospiele wie Command & Conquer oder Destiny hat Carols Werdegang so sensibel wie intensiv zu Papier gebracht. Visualisiert wurde das Ganze ebenfalls von keinem Leichtgewicht. Carlos Pacheco, als Zeichner für Avengers: Age of Ultron bekannt, schafft es mit seinem dynamischen Stil sowohl intime Momente, als auch Panel sprengende Action-Sequenzen gleichermaßen meisterhaft in Szene zu setzen. Hinzu kommen Rückblenden, die in einem schönen Kontrast durch Marguerite Sauvage visualisiert wurden. Alles in allem also eine Kombination, die fast schon symbiotisch ineinander greift und damit Lesespaß von der ersten bis zur letzten Seite garantiert.

Was man ebenfalls nach dem Ende der Story versteht, ist die Bewerbung von Captain Marvel als feministische Ikone des Verlags. Hier wird entgegen der fehlgeleiteten Vorstellung mancher Gegner des Begriffs, eine weibliche Superheldin präsentiert, die einen ambivalenten Charakter aufweist, der nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden kann, Tiefe besitzt und eine unangenehme Übersexualisierung vermeidet. In diesem Sinne eine Figur mit Vorbildcharakter für Leserinnen, sowie eine schlicht und ergreifend spannende Heldin, die durch ihre Abenteuer alle Geschlechter gleichermaßen ansprechen sollte.

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In diesem Sinne ist Captain Marvel: Die ganze Geschichte nicht nur eine reguläre Empfehlung, sondern ein Tipp sich mit einem Charakter auseinanderzusetzen, den der Mainstream nicht auf dem Schirm hatte, nun aber den längst überfälligen Push bekommt.

Captain Marvel: Die ganze Geschichte 

Verlag: Panini Comics 

Autorin: Margaret Stohl 

Zeichner: Carlos Pacheco, Marguerite Sauvage

Erschienen am: 19.02.2018 

Format: Softcover 

Seitenzahl: 148

Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Secret Empire Paperback (Panini Comics)

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Wenn man den Sammelband des Marvel-Megaevents „Secret Empire“ in den Händen hält, ist jedes Superlativ für seine Beschreibung mehr als angebracht. Auf über 400 Seiten wird die auf 11 Hefte aufgeteilte Mini-Serie in einen Fluss gebracht und Lesern wie mir, die die stückweise Veröffentlichung an sich vorbeiziehen haben lassen, in einem Aufguss serviert. Doch ganz ohne Vorbereitung kann mich sich tatsächlich nicht in die Handlung stürzen, denn es wird ein gewisser Grad an Vorwissen aus den Ongoing-Series erwartet, um die vorliegenden Ereignisse zu verstehen. Dafür musste ich mir im Netz als jemand, der selten zu Marvel-Heften greift, einiges anlesen, um einen Durchblick zu bekommen, den man dringend braucht, da vieles nicht explizit erklärt wird.

Daher gibt es im Folgenden ein paar Eckpunkte: Man begegnet im Verlauf der Handlung einem Mädchen namens Kobik, welches jedoch ein aus den Fragmentstücken eines kosmischen Würfels zusammengesetztes Wesen ist und dessen Macht besitzt die Realität von Menschen zu ändern. Noch vor dem vorliegenden Event erschafft sie für die S.H.I.E.L.D.-Leiterin Maria Hill eine Art Geheim-Gefängnis, dass die gefährlichsten Schurken des Marvel-Universums hinter Schloss und Riegel halten soll. Damit die Öffentlichkeit jedoch nichts mitbekommt, wird der Knast als idyllisches Örtchen namens „Pleasant Hill“ getarnt.

Das nicht alles mit rechten Dingen zugeht, haben natürlich auch die Superhelden mitbekommen. Allen voran der neue Captain America namens Sam Wilson und Bucky Barnes aka Winter Soldier, die versuchen in diese nach außen hin sichere „gated community“ einzubrechen. Gleichzeitig stößt auch der inzwischen seinem realen Alter von 90 Jahren entsprechende Steve Rogers (der ursprüngliche Captain America) auf das Geheimnis von S.H.I.E.L.D. Kurz darauf kommt es zu einem Aufstand der Gefangenen, bei dem es zu einem Kampf zwischen Rogers und dem Bösewicht Cross Bones kommt. Doch bevor letzterer dem alten Mann das Lebenslicht ausblasen kann, kommt die schon erwähnte Kobik ins Spiel und verändert die Realität, wodurch Rogers wieder verjüngt und zur alten Form zurückkehrt.

Zeitgleich nutzt Caps alter Erzfeind Red Skull den Moment um Kobik auf seine Seite zu ziehen und durch sie Captain America in seinem Sinne zu formen. In dieser neuen Realität wurde Steve Rogers schon als Kind und damit vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs auf die Seite der Nazis gezogen. Dadurch wird der einstige Kämpfer für die frei Welt zu einem faschistischen Doppelagenten, der im Sinne der Verbrecherorganisation Hydra handelt.

Ihr seht, ein simples eintauchen in die Story ist de facto nicht möglich, was sie für Neueinsteiger, trotz redaktioneller Begleittexte quasi nicht lesbar macht, ABER(!) Fans der regulären Reihe sollten hier ohne Zweifel auf ihre Kosten kommen. Warum? Weil mit der „Umpolung“ von Captain America zeitgleich so viele Steine ins rollen gebracht werden, dass man den Mund vor Staunen nicht mehr zu kriegt. Hinzu kommt, dass man schon lange nicht mehr eine politische Kritik im Superhelduniversum zu sehen bekam, hier jedoch die volle Breitseite abbekommt, die zu keinem Zeitpunkt missverstanden werden kann.

Die eigentliche Geschichte des Bands beginnt damit, dass Steve Rogers die Maske fallen lässt und durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Macht-Instrumenten und Intrigen sowohl S.H.I.E.L.D. okkupiert, als auch alle ehemaligen Weggefährten, die ihm gefährlich werden könnten (scheinbar) beseitigt. Doch das ist noch nicht alles. Er schafft es sogar die US-Regierung zu narren und sich selbst an die Spitze der Vereinigten Staaten als faschistischer Herrscher zu setzen. Ich denke, dass bei dieser Beschreibung dem ein oder anderen die offensichtlichen Anleihen an die Realität bewusst werden. Der entscheidende Unterschied ist wohl, dass Captain America, in seiner verdrehten Weltsicht im Kern trotzdem nur das Beste für die Bevölkerung der USA möchte. Doch so einfach lassen sich die Helden des Marvel-Universums nicht abspeisen und ziehen gemeinsam gegen ihren einstigen Weggefährten in die Schlacht…

Dieser Cocktail aus klassischem Superhelden-Gekloppe, politischer Message und der Tatsache, dass eine Figur, die bis heute mit ihrem Kampf gegen Nazi-Deutschland assoziiert wird, plötzlich auf der Seite einer faschistischen Organisation steht, ist ein Kunstgriff, den es braucht um heutzutage eine Story abliefern zu können, die als relevant bezeichnet werden darf. Natürlich bleibt die Handlung von Nick Spencer, trotz vordergründiger Tiefe, in ihrem Kern eine klassische Marvel-Episode. Das Spiel mit der Grenzüberschreitung, die Länge der Handlung, die die Figuren aus ihrer Eindimensionalität holt und die damit einhergehende Komplexität machen „Secret Empire“ trotzdem zu einem kleinen Prunkstück, dass in eine gut sortierte Comic-Sammlung gehört. Dieses Event wird so gut wie sicher zu einem neuen Referenzpunkt, auf den sich Fans, Künstler und Interessenten beziehen werden.

Auch visuell wird das Ganze entsprechend der Ernsthaftigkeit der Themenfelder passend umgesetzt. Neben Steve McNiven und Rod Reis sticht dabei besonders Andrea Sorrentino mit seinem abstrakten Strich und ungewöhnlichem Panel-Aufbau hervor, die in Kombination eine Bildprache hervorbringen, die sie heutzutage nur wenige Künstler beherrschen. Wer seine Arbeit an Jeff LemiresOld Man Logan„-Reihe kennt, weißt wovon ich rede.

Alles in allem ist „Secret Empire“ ein spannender Band, der jeden Marvel-Fan verzücken sollte, jedoch einiges an Vorwissen verlangt. Zwar kann man sich dieses durch redaktionelle Texte innerhalb des Sammelbands aneignen, jedoch gehe ich davon aus, dass das Lesevergnügen durch einen Griff zur Vorgeschichte um einiges gesteigert werden kann. Ich für meinen Teil wurde wunderbar unterhalten und wieder dazu angeregt öfter mal in die Sphären von Marvel abzutauchen. An dem vorliegenden Beispiel sieht man: Es lohnt sich!

Secret Empire Paperback 
Verlag: Panini Comics 
Autor: Nick Spencer 
Zeichner: Andrea Sorrentino, Steve McNiven, Rod Reis 
Erschienen am: 29.01.2019 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 412  
Preis: 38 EUR

[Rezension] Superman – Der Mann aus Stahl (Panini Comics)

Diejenigen, die meinen Blog schon etwas länger verfolgen wissen, dass ich ein eher ambivalentes Verhältnis zu Superman pflege. Zwar bin ich nicht generell seinen Abenteuern abgeneigt, muss aber schon mal länger an einer Story kauen, wenn mehr die Sci-Fi-Elemente, als menschliche Dramen im Vordergrund stehen. Daher bin ich mit ein wenig Skepsis an den Sonderband „Superman – Der Mann aus Stahl“ herangetreten, wurde aber im Laufe der Lektüre vollends überzeugt. Aber eins nach dem anderen.

Zunächst einmal sei die prominente Personalie auf dem Autoren-Stuhl zu erwähnen, die vor gut einem Jahr die Comic-Branche in helle Aufregung versetzt hat. Brian Miachael Bendis war für fast zwei Dekaden eines der Aushängeschilder von Marvel, bis niemand geringeres als die Konkurrenz um DC den Star-Schreiber für sich gewinnen konnte. Natürlich war man entsprechend gespannt, welche Figur man ihm an die Hand geben würde und wurde nicht enttäuscht: Bendis sollte nicht nur für eine Reihe, sondern gleich für beide Serien in Form von „Action Comics“ und „Superman“ in die Tasten hauen. Einen kleinen Vorgeschmack konnte man schon kurz zuvor durch eine Kurzgeschichte in „Action Comics #1000“ bekommen. Und nicht nur das! Um einen glatten Übergang von einer in die nächste Ära zu gewährleisten, setzte sich Bendis zusätzlich an eine Mini-Serie, deren sechs Hefte in dem nun hier zu besprechenden Band wiederzufinden sind und eine Art Vorgeschichte darstellen, um den neuen Status Quo in Gänze nachvollziehen zu können.

Der Titel der Geschichte kommt dabei nicht von ungefähr und soll auf einen weiteren Umschwung in der DC-Historie hinweisen, der mit einem gleichlautenden Namen für Furore sorgte. 1986 erschien nämlich mit „The Man of Steel“ von John Byrnes und Dick Giordiano der Einstieg in die Welt nach dem Mega-Event „Crisis on Infinite Earths“ und Bendis scheint sich sicher genug zu sein, diesen Maßstab für sich übertragen zu können und behält damit sogar recht.

Wir steigen in ein klassisches Setting ein, dass auch nicht regulären Lesern bekannt vorkommen sollte. Clark Kent aka Superman arbeitet wie immer beim Daily Planet und die üblichen verdächtigen laufen durchs Bild. Doch etwas scheint sich geändert zu haben. Während im Vor-Bendis-Run auch Lois Lane und der gemeinsame Sohn Johnathan einen zentralen Kern der Geschichten verkörperten, scheinen beide nicht mehr da zu sein. Warum das der Fall ist, lässt der Autor den Leser erst langsam begreifen, ohne zu viel vorweg zu nehmen und die Spannung damit zu dämpfen. Zeitgleich muss Superman sich wie üblich um die Verbrechensbekämpfung in Metropolis kümmern, die sich diesmal in einer Reihe von Brandstiftungen manifestiert, deren Ursprung und Motiv der Mann aus Stahl noch nicht greifen kann. Hinzu kommt ein übermächtiger Gegner, der wie aus dem nichts auftaucht und irgendwie mit dem Schicksal Kryptons und damit Supermans Vergangenheit in Verbindung zu stehen scheint.

Auf den ersten Blick hört sich das Ganze nach einer ziemlich typisch zusammengeschusterten Geschichte aus der Welt des Stählernen an, doch bei dieser Annahme täuscht man sich gewaltig. Bendis hat sich nicht ohne Grund einen Legenden-Status erarbeitet, den er hier mit Bravour verteidigt. All die genannten Elemente wirken zwar vertraut, aber doch so frisch, dass man sich mit Vergnügen in die Handlung stürzt und wirklich wissen möchte, wie die beschriebenen Ereignisse und Figuren miteinander in Zusammenhang stehen. Dabei findet er eine tolle Balance zwischen dem üblichen Gekloppe und emotionalen Momenten, die flüssig ineinander übergehen und damit die Stärken der Figur und ihrer Historie hervortreten lassen. Hinzu kommt das Kunststück den Status Quo so hinzubiegen, dass er in die Ideenwelt des Autoren passt, zeitgleich aber keinen Bruch zum Rebirth-Kontinuum darstellt. Ein Freiraum, der wohl nur einem Giganten wie Bendis ohne zu murren zugestanden wird.

Dem Standing des Autoren entsprechend wurde auch bei der Auswahl, der ihm zur Seite gestellten Künstler nicht gekleckert. Das wäre sowohl auf die Qualität der einzelnen Zeichner und Inker, als auch ihre schiere Menge gemünzt. Wir reden hier, der Vollständigkeit halber von den hier komplett aufgezählten Kreativen: Jason Fabok, José Luis García-López, Adam Hughes, Kevin Maguire, Joe Prado, Ivan Reis, Steve Rude, Evan „Doc“ Shaner, Ryan Look, Dexter Vines und Wade Grawbadger. Das sollte einen ungefähren Eindruck davon vermitteln, als wie wichtig der Neuzugang bei DC erachtet wird. Davon profitiert nicht nur der Verlag, sondern schlussendlich auch die Masse an Fans.

Ich für meinen Teil wurde vollends überzeugt. Meine anfängliche Skepsis wurde zur Seite gewischt und wich der Vorfreude auf die regulären Serien, denn die in „Superman – Der Mann aus Stahl“ aufgeworfenen Fragen müssen teils noch beantwortet werden. Bis dahin kann ich jedem bestehenden Fan der Figur, aber auch allen Zweiflern diesen Sonderband ans Herz legen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Superman - Der Mann aus Stahl 
Verlag: Panini Comics 
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Ivan Reis, Jason Fabok, Evan Shaner, Steve Rude, 
Ryan Sook, Kevin Maguire, Adam Hughes, Jim Lee, 
José Luis Garcia-López
Erschienen am: 05.02.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 188 
Preis: 18,99 EUR

 

[Rezension] Hit-Girl in Kolumbien (Panini Comics)

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Leser von ZOMBIAC wissen schon seit geraumer Zeit, dass ich ein großer Fan von Mark Millar und seinem anarchischen Output bin. Allem voran ist den meisten wohl das „Kick-Ass„-Universum bekannt, dass vor einiger Zeit inhaltlich einen neuen Anstrich bekommen hat, während das Kreativ-Team aus Millar und John Romita Jr. beibehalten wurde. Auch ein eigenes „Hit-Girl„-Spin-Off im gleichen Stil ist vor einigen Jahren erschienen, doch auch hier wurde die Story nicht weitergegeben. Nun ist es aber endlich soweit und Mindy, so der bürgerliche Name des „Hit-Girls„, ist zurück und wird diesmal visuell Ricardo Lopez Ortiz in Szene gesetzt und von Millar inhaltlich nach Kolumbien geschickt.

Hier schließt sich die neue Story direkt an die vorangegangene Handlung des Originals an. Von ihrem Vater zur brutalen Rächerin und regelrechten Kampfmaschine erzogen, sucht Mindy nach einem neuen Sidekick, nachdem „Kick-Ass“ das Superheldendasein hinter sich gelassen hat. Diesen hat sie, zumindest laut eigener Ansicht, in „Mano“ gefunden. Der junge Mann ist als bester Killer eines kolumbianischen Kartells bekannt, dessen Fähigkeiten Mindy zu imponieren scheinen. Daher wählt sie ihn aus und zwingt ihn mit ein wenig „explosivem“ Nachdruck, mit ihr gemeinsam seine ehemaligen „Kollegen“ zu eliminieren…

Wie man sieht, bleibt die Serie ihrer verrückten Basis treu, doch durch den neuen Zeichner Ricardo Lopez Ortiz bekommt das Ganze einen erfrischenden Spin.  Die fast schon an abgedrehte Anime-Filme erinnernden Splatter-Szenen und die übertriebene Mimik der Figuren entfesseln eine Dynamik, die man in der Form bei „Kick-Ass“ noch nicht gesehen hat. Selbst in Bezug auf Gewalt scheint man hier eine Schippe drauf gelegt zu haben. Das Blut und die Gedärme spritzen, als wollte man sich selbst beweisen, dass man 2018 noch schockieren kann.

Und trotz des neuen visuellen Ansatzes in diesem Sammelband, kommt auf jeder Seite das von den Fans geliebte, völlig absurde Feeling auf, dass der Reihe seit jeher eigen ist. Dabei ist „Hit-Girl in Kolumbien“ nur der erste Auftakt zu vielen weiteren weltweiten Ausflügen, bei denen die Figur in die Hände komplett neuer Kreativ-Teams übergeben wird. Als nächstes verschlägt es Mindy zum Beispiel nach Kanada und wie der Zufall es so will, nimmt der kanadische Superstar Jeff Lemire auf dem Autorenstuhl Platz und der nicht minder legendäre Eduardo Risso (im Übrigen Gast des kommenden Comicfestivals München) schwingt den Zeichenstift, um unsere Heldin(?) auf ihren nächsten Kreuzzug gegen böse Jungs zu schicken.

Bis dahin kann ich jedoch jedem empfehlen sich auf ihre nächsten Abenteuer mit dem aktuellsten Streich von Mark Millar einzustimmen.

Hit-Girl in Kolumbien
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.12.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR

[Rezension] Green Lantern – Erde Eins (Bd. 1) (Panini Comics)

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Die „Erde Eins„-Bände von Panini Comics bzw. DC sind schon seit längerer Zeit ein Garant für herausragende Geschichten, bei denen sich Künstler und Autoren austoben können, ohne auf die Kontinuität der nebenher erscheinenden Heft-Serien zu achten. Der Grund dafür liegt im Konzept des Multiversums, welches sich beide großen Superheldenverlage angeeignet haben. Daher ist der Nebentitel „Erde Eins„, der schon Geschichten von Batman, Superman und Wonder Woman zierte, wörtlich zu nehmen. Die Handlung spielt sich bei all diesen Charakteren auf dem uns bekannten Planeten ab, jedoch haben viele Biographien anders begonnen und damit auch eine andere Zukunft, als die uns schon seit Jahren bekannten Versionen.

Nachdem also die schon erwähnte „Dreifaltigkeit“ der Superhelden-Riege ihre eigenen Bände spendiert bekommen hat, ist es nun an der Zeit Green Lantern neu interpretiert zu sehen. Diesmal ist dafür das Ehepaar Corinna Bechko und Gabriel Hardman verantwortlich, welches Hal Jordan statt in die Uniform eines Air Force Piloten, in die eines Astronauten packt, der seine Brötchen damit verdient, auf unterschiedlichsten Himmelskörpern nach Bodenschätzen zu suchen, die auf der Erde gebraucht werden.

Als Jordan auf einer seiner Missionen auf einem Asteroiden landet, um auch diesen zu plündern, stößt er nichtsahnend auf das Wrack eines Raumschiffs, dass sogar noch die Leiche des Piloten beinhaltet. Das ist natürlich nicht alles, denn hier folgt schon eine kleine Parallele zur „original“ Geschichte. Der verendete Außerirdische hat nämlich einen grünen Ring bei sich, der sich als mit seltsamen Kräften ausgestattet erweist, nachdem ein aus dem nichts auftauchender Roboter von ihm spektakulär abgewehrt wird. Damit fängt die Beziehung zwischen Ring und Träger und damit auch die eigentliche Story von Green Lantern an.

In diesem Sinne garnicht mal so weit entfernt von der ursprünglichen Vorlage und damit auch tonangebend für den Rest des Bandes. Zwar ist die düstere Visualisierung von Hardman eine wahre Augenweide, aber inhaltlich wird man leider nur oberflächlich unterhalten. Das wäre zwar im Vergleich zu anderen Releases immer noch nicht schlecht, aber im Rahmen der „Erde Eins„-Veröffentlichungen siedelt sich Green Lantern etwas weiter unten an. Das liegt primär an der Austauschbarkeit und den fehlenden Überraschungsmomenten innerhalb der Handlung, als auch an den etwas blassen Charakteren. Zwar ergibt sich eine schöne Science-Fiction-Story mit Superhelden-Einschlag, aber bei weitem nicht das, was man bei der gegebenen Freiheit erwarten würde.

Daher würde ich sagen, dass „Green Lantern: Erde Eins“ für Sammler definitiv eine Anschaffung wert ist. Auch Leser, die ungezwungener Unterhaltung nicht abgeneigt sind, würden bei einem Kauf keinen Fehler machen. Diejenigen aber, die mit hohen Erwartungen an die Sache herangehen, sollten zumindest vor dem Kauf ein paar Seiten durchblättern. In jedem Fall erwartet alle Interessenten eine solide Geschichte, die auch nicht mehr als das sein möchte.

Green Lantern - Erde Eins (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 16.10.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 148 
Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Weihnachtsgeschichten bei Panini Comics

Die besinnliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange. Die Straßen der Städte sind geschmückt, die ersten Weihnachtsbäume sind aufgestellt und der Glühwein auf den Christkindlmärkten fließt in Strömen. Natürlich ziehen thematisch passend auch einige Verlage mit und bringen Veröffentlichungen auf den Markt, die dann zeitnah unter den Christbaum gelegt werden sollen.

Panini Comics ist tatsächlich erst im zweiten Jahr dabei, nachdem sie schon Ende 2017 mit „Weihnachten mit den DC Superhelden“ bei den Fans vorgefühlt hatten. Der Erfolg bestätigte die Vermutung um eine Nachfrage nach genau solchen Titeln und der Weg für weitere Releases wurde schließlich frei. Diesmal beschränkte man sich sogar nicht nur auf den dunklen Ritter und seine mit Superkräften ausgestatteten Kompagnons, sondern spendierte auch der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, samt den Avengers einen eigenen Band.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten

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Beim DC-Ableger umrahmt schon wie beim letztjährigen Vorgänger eine Story die zahlreichen Geschichten, die sich diesmal fast komplett aus den „DC Holiday Specials“ aus den Jahren 2009 und 2017 speisen. Nachdem Harley letztes Mal den Leser als Ankerpunkt zu Anfang begrüßte und zum Schluss verabschiedete, ist diesmal Superman an der Reihe, der als Clark Kent in einer Bar eine Diskussion mit dem grimmigen John Constantine führt. In dieser zweifelt der Mann aus Stahl daran, die Welt wirklich vom Übel befreien zu können, bis der Barkeeper des Etablissements in das Gespräch einschreitet und damit die Vorlage für die kommenden 11 Storys bietet, die sich allesamt um das Fest der Liebe drehen, aber immer einen anderen Charakter zum Träger der jeweiligen Geschichte haben. Darunter befindet sich natürlich die Crème de la Crème des DC Universums wie Batman, Flash oder Wonder Woman. Doch auch die Helden aus deer zweiten Reihe wie Huntress, die Doom Patrol oder die Teen Titans können sich präsentieren und damit unter einem gemeinsamen Thema die gesamte Bandbreite des Verlags darstellen. Alles in allem handelt es sich also um ein ähnlich leichtes Stück grafische Literatur, wie letztes Mal und damit ein schönes Geschenk für Fans, die eh schon alles haben und für Einsteiger, die die Figuren erstmal kennenlernen wollen.

Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten

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Bei der Marvel-Version findet man zwar ein ähnliches Konzept im Sinne des Themas, der Aufbau ist jedoch ein etwas anderer. im Gegensatz zu DC findet man zum Beispiel nur drei Geschichten, von denen nur die erste dem „Marvel Holiday Special 2005“ entnommen wurde und sich um eine Weihnachtsfeier bei Dr. Strange dreht, bei der das „who is who“ der Superheldenriege aufschlägt. Die besinnliche Atmosphäre wird jedoch recht bald von einem etwas seltsamen Santa Claus gestört.

Mit „Harte Zeiten in Forest Hills“ bekommt der Leser sogar einen richtigen Klassiker serviert, der im Jahr 1989 vom legendären Todd McFarlane gestaltet wurde. Hier werden Peter aka Spider-Man und Mary Jane am Vorweihnachtsabend aus ihrer Wohnung geworfen und müssen  sich um eine neue Bleibe kümmern, während der Netzschwinger parallel ein paar böse Jungs zur Strecke bringen muss.

Den Abschluss bildet „Weihnachtliches Remmidemmi“ von Darwyn Cooke und Jay Bone, dass ein zuckersüß bebildertes Abenteuer in der Nacht vor Weihnachten darstellt, in dem nicht nur der Wandkrabbler, sondern auch die Fantastic Four involviert sind.

Auch hier wird vom Leser kein Vorwissen um Handlung und Figuren verlangt. Daher macht man definitiv nichts falsch, wenn man auch diesen Band seinen Nächsten unter den Baum legt oder den Nachwuchs mit ein paar Superhelden-Geschichten überrascht, die entgegen dem Zeitgeist auch ohne explizite Gewalt auskommen, aber mit ganz viel Herz.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR
Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR

[Rezension] Kick-Ass: Frauenpower (Panini Comics)

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Kick-Ass“ sollte inzwischen jedem Comic- und Film-Fan ein Begriff sein. Mark Millars anarchische Kreation, die das Superheldengenre und seine Fans ordentlich durch den Kakao gezogen hat, ist inzwischen längst Teil des Kanons, den man im Regal stehen haben muss. Nun könnte man, wenn man in Millars Schuhen stecken würde, es sich einfach machen und die ursprüngliche Story kontinuierlich weiter spinnen, doch der schottische Tausendsassa wäre nicht er selbst, wenn er ganz andere Ansätze verfolgen würde.

So ist in der neuen Erzählung der Grad an Gewalt und derbem Humor der gleiche (und damit auf einem hohen Niveau) geblieben, aber der Titel nimmt schon voraus, dass man hier mit etwas grundlegend Neuem rechnen muss. „Frauenpower“ stellt nach „Hit-Girl“ nicht die erste starke Frauenfigur im vorliegenden Comic-Universum dar, dafür aber die erste, die titelgebend (ja, richtig gehört) für die berühmte Serie ist. Und nicht nur das! Während in der ursprünglichen Geschichte sich mit Dave Lizewski ein Nerd wie aus dem Bilderbuch die berühmte grüne Neoprenmaske, samt passendem Anzug überstreifte, ist diesmal mit der Afroamerikanerin Patience Lee eine hochdekorierte Soldatin an der Reihe. Das bedeutet zum ersten Mal auf körperlicher Ebene dominierte Kämpfe und ein um ein vielfaches brutaleres Vorgehen. Eine Aussage, die im Zusammenhang mit dem Titel „Kick-Ass“ zunächst verwundern mag, aber vollkommen zutrifft. Doch eins nach dem anderen. Wie kommt es eigentlich dazu?

Patience kehrt nach einem Auslandseinsatz zurück, nur um festzustellen, dass sie ihr (pseudo-)ambitionierter Autor von Ehemann sang- und klanglos verlassen hat. Nun steht sie als alleinerziehende Mutter da und muss sich mit Jobs im Niedriglohnsektor über Wasser halten. Ein nach ihren für das Heimatland erbrachten Opfern, fast schon schändlicher Status Quo, der nur als Sozialkritik am Umgang der USA mit den eigenen Veteranen gelesen werden kann. Nachvollziehbar frustriert durch ihre finanzielle und soziale Situation, sowie dem in weite Ferne gerückten Traum sich mit einem Studium hochzuarbeiten, beschließt sie einen lokalen Verbrecher in Albuquerque um sein Beute zu erleichtern. Diese möchte sie, ganz moralisch geschulte Patriotin, nicht nur für sich selbst beanspruchen, sondern in Teilen spenden. Mit einem einzigen Raubzug lässt sich jedoch nicht auf Dauer ein Leben finanzieren und so folgt ein maskierter Coup nach dem nächsten, bis sie sich mit dem Falschen anlegt. Und auch hier bohrt Millar mit Genuss im „American Dream“, indem er den Bösewicht der Story als eine pervertierte Kombination aus Mark Zuckerberg und Steve Jobs präsentiert, der seine verbrecherischen Pläne mit dem Zeitgeist des Silicon Valley  vermischt. Eine Rundumschlag, der sich diesmal weniger mit selbstreferentiellen Themen des Mediums Comic, als mit realen Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt.

In diesem Sinne, trotz leicht anderen Schwerpunkten, immer noch ein typischer Millar-Cocktail aus Gewalt, Humor und Kritik, der den selben Geist zu atmen scheint, wie zehn Jahre zuvor. Unterstützt wird der Autor dabei am Zeichenbrett erneut vom legendären John Romita Jr., der es wie kein zweiter schafft einen unverkennbaren Stil aufs Blatt zu zaubern, dabei aber die Handlung auf visueller Ebene nicht durch allzu gewagte Experimente zu begraben. Farben, Figurendesign und Dynamik geben sich geradezu fließend die Klinke in die Hand und schaffen damit ein Gesamtbild, dass sowohl mit bekannten Versatzstücken, als auch einer deutlich erkennbaren Entwicklung überzeugt.

Alles in allem ist „Kick-Ass: Frauenpower“ daher nicht nur eine unausweichliche Erweiterung bestehender Millar-Sammlungen, sondern eine Pflichtanschaffung für jeden, der Comics nicht als oberflächliche Unterhaltung, sondern als eine seriöse Erzählform zu schätzen weiß.

Kick-Ass: Frauenpower 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 23.10.2018 
Autor: Mark Millar
Zeichner: John Romita Jr.
Format: Softcover / Variant Softcover (lim. 333 Ex.)
Seitenzahl: 164
Preis: 20 EUR / 25 EUR

[Rezension] Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York (Panini Comics)

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Crossover haben sich vor ein paar Jahren größter Beliebtheit erfreut, während heutzutage die Welten von Superhelden sowieso miteinander verschmolzen sind und sich selten jemand über Begegnungen der Cape-Träger wundert. Daher muss man schon ganz andere Geschütze auffahren, um die Aufmerksamkeit der Fans auf sich zu ziehen.

Genau das haben James Tynion IV als Autor und Freddie E. Williams II als Zeichner vor fast zwei Jahren geschafft, als sie zum ersten Mal die Teenage Mutant Ninja Turtles und den dunklen Ritter persönlich aufeinander treffen ließen und dadurch ein besonderes Wechselspiel zwischen düsterer Atmosphäre und humoristischen Einlagen schufen.

Nachdem sich diese Combo so großer Beliebtheit erfreut hat, wird es einen nicht wundern, dass eine offizielle Fortsetzung bei Panini Comics erschienen ist. Hier setzt man gleich nach den Ereignissen ein, die Shredder als Erzfeind der Turtles hinter Gittern brachten und damit nun einen Kampf um die Vorherrschaft in der Unterwelt New Yorks losgetreten haben. Dabei geben sich die vier Schildkröten die größte Mühe das Chaos im Schach zu halten, doch Donatello scheint dem Druck physisch nicht ganz gewachsen zu sein. Deprimiert und von Selbstzweifeln zerfressen, versucht er erneut mit Batman in seiner Welt in Kontakt zu treten, um sich von ihm beraten zu lassen. Dabei geht jedoch einiges schief und niemand Geringeres als Bane höchstpersönlich taucht in der Ostküsten-Metropole auf. In Kraft und Intellekt sowohl dem Foot-Clan als auch den ikonischen Schurken Bebop und Rocksteady haushoch überlegen, ergreift er in kurzer Zeit die Macht und schmiedet Pläne, seine neu rekrutierte Armee mit einer neuen Version des Venom zu versorgen. Eine Droge, die ihm übermenschliche Kräfte verleiht, aber in dieser für ihn neuen Welt erst erfunden werden muss. Diesem Aufgebot nicht gewachsen, müssen die Turtles nun auf Hilfe hoffen, die sie selbstverständlich auch bekommen: Batman schlägt sich zu ihnen durch und muss nun mit vereinten Kräften seiner alten Nemesis entgegentreten, um einmal mehr eine Stadt vor dem Untergang zu bewahren. Selbstverständlich wird dabei das ungleiche Team durch weitere Verbündete wie Nightwing, Batgirl, April, Casey und Meister Splinter unterstützt.

Das ganze Spektakel riecht dabei durchwegs nach den 90ern im besten Sinne: Überproportionale Muskelmassen und leicht seltsame Sprüche sorgen für eine sehr unterhaltsame Stimmung, die vor allem mit viel Action aufgepeppt wird. In diesem Sinne gibt es keinen wirklichen Tiefgang, was man beim Aufeinandertreffen der Charaktere aber wohl auch nicht erwarten würde.

Visuell wird die Story erneut durch Freddie E. Williams II in Szene gesetzt, der seinem bekannten Stil durchwegs treu bleibt. Er neigt zwar an gewissen Stellen zur Übertreibung, fällt damit aber zu keinem Zeitpunkt negativ auf, weil die entsprechenden Passagen oft an sich schon so surreal sind, dass sich ein dazu anschließendes Panel geradezu anbietet. Auch der leicht ans malerische erinnernde Strich passt ungemein zu den beiden hier vertreten Welten und sollte keine Fanbase vor den Kopf stoßen. Es werden sogar die alten Hasen zustimmend nicken, wenn sie hier und da einen kleinen Querverweis auf die frühen Tage der dargestellten Helden entdecken.

Daher ist „Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York“ definitiv ein Lesevergnügen, dass zwar nicht in die legendären Annalen der Comic-Geschichte eingehen wird, aber durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß. Wer genau nach so einer Art von Spaß sucht, wird hier definitiv bedient!

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles: Batman in New York 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.09.2018 
Autor: James Tynion IV
Zeichner: Freddie E. Williams II
Format: Softcover  
Seitenzahl: 148
Preis: 16,99 EUR