[Rezension] Onkel Dagobert und Donald Duck – Don Rosa Library 1: Der Sohn der Sonne (Egmont Comic Collection)

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Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit Comics sind meine regelmäßigen Besuche in der lokalen Stadtbibliothek und die zahlreichen Prestige-Hefte in der Kinder- und Jugendabteilung. Dort lagen all die Klassiker des Mediums von Asterix, über Lucky Luke bis hin zu den zahlreichen Disney-Veröffentlichungen um die berühmten Bewohner von Entenhausen. Zwar fand man dort auch gleichberechtigt Geschichten des einzig wahren Carl Barks, doch mich zogen ganz andere Ausgaben mit ihren plastisch dargestellten Covern in ihren Bann: die Werke von Don Rosa.

Es mag zwar Puristen etwas seltsam vorkommen, dass ich mich für Geschichten begeistert habe, die von konservativen Zeitgenossen fast schon verächtlich als „Fan-Fiction“ definiert wurden, doch ohne Wissen um die Hintergründe der Entstehung blieb nur der persönliche Geschmack: Mit Details überbrodelnde Panels, Situations-Komik und viel Herz, die zusammen meine Liebe zu Onkel Dagobert, Donald und Co. entfachten. Zwar veränderte sich der Geschmack im Laufe der Zeit und ich kehrte den leichtfüßigen Abenteuern den Rücken, um mich „ernsthaften“ Stoffen zu widmen, aber ich sollte nie vergessen wie Don Rosa mich einst geprägt hat.

Als die Egmont Comic Collection dann dieses Jahr zu meiner Überraschung eine komplett neu überarbeitete Gesamtausgabe von Rosas Werk ankündigte, entfachte es sogleich die Nostalgie in mir und der Drang einen Teil meiner Jugend zu präsentieren und euch sogar eventuell für die Abenteuer der Ducks zu begeistern brachte mich zu dem Entschluss den ersten von sage und schreibe 10 Bänden zu besprechen. Natürlich machte ich mir zunächst ein wenig Sorgen, ob meine eigenen Erinnerungen verklärend wirken könnten, doch kaum habe ich die ersten der 13 Geschichten aus den Jahren 1987 bis 1989 gelesen, fühlte ich mich in meiner Überzeugung erneut bestätigt.

Selbstverständlich sind Stil und Charme eines Barks unerreicht, doch Rosa schafft es trotz einer schier unendlichen Anzahl von Zitaten seines großen Vorbilds (die er wohlgemerkt fein säuberlich in jedem Nachwort aufzählt) eine Eigenständigkeit zu bewahren, die dafür sorgt, dass er bis heute zu den großen Namen unter dem Disney-Banner zählt. Vor allem seine individuelle Schraffur, die dafür sorgt, dass seine Figuren geradezu plastisch wirken, sorgt für einen Wiedererkennungswert und eine Schar an Fans, die ihn eben für genau diesen Stil bewundern. Auch inhaltlich sind die Reisen der Ducks in entlegene und schon bei Barks besuchte Orte zwar eine eindeutige Verbeugung vor dem Ursprungsmaterial, aber diese Erfahrung wird hier erweitert ohne ein billiger Abklatsch zu sein. So sieht Dagobert seine alte Liebe wieder, findet sich erneut am Klondike ein, läuft bekannten Nebenfiguren über den Weg und gibt dem Leser das Gefühl tiefer in die Materie einzusteigen und nicht der Cover-Version eines alten Songs zu lauschen. Vor allem die immer wieder durchscheinende Melancholie, die sich sowohl in der Mimik als auch im Setting mancher Geschichten wiederfindet und das gigantische Gagfeuerwerk regelmäßig aufbricht, spricht für die Qualität der Erzählungen, die Rosa bis zu seinem Ruhestand 2006 in die Regale brachte. Trotz seines Abschieds hat er es sich jedoch nicht nehmen lassen die neu aufgelegte „Don Rosa Library“ durchzugehen und dafür zu sorgen, dass Leser sie exakt so zu sehen bekommen, wie er es sich ursprünglich gewünscht hat. So bekommen wir in Deutschland eine für unser Auge eher ungewöhnliche Kolorierung. Sind wir es zum Beispiel gewohnt die Münzen in Dagoberts Geldspeicher im strahlenden gold zu sehen, schwimmt unser Protagonist in einem silbernen Metall-See mit Bronze-Nuancen. Wirkt es zunächst etwas befremdlich, macht es auf den zweiten Blick sogar durchaus Sinn. Dagobert ist so knausrig, dass er sogar Kleingeld hortet und dieses ist in den USA primär silber- und bronze-farben.

Wem die großartigen Geschichten nicht reichen, kann sich darüber hinaus noch allerlei zusätzliches Material zu Gemüte führen, welches die vorliegenden Geschichten in ihren Entstehungskontext bettet und interessante Querverweise zu Barks Schaffen beleuchtet. Des Weiteren schließt der Band mit einer schönen Cover-Galerie und dem ersten Teil der Biografie des Künstlers ab, die in den folgenden neun Bänden fortgeführt werden soll. Damit wird deutlich, dass sich dieser Release nicht nur an junge Leser richtet, die Don Rosa zum ersten Mal entdecken, sondern auch an Nostalgiker, die sowohl gerne in Erinnerungen schwelgen, als auch die Entstehung ihrer Lieblingsgeschichten nachvollziehen wollen.

In diesem Sinne ist „Onkel Dagobert und Donald Duck – Don Rosa Library 1: Der Sohn der Sonne“ eine Pflichtanschaffung, die in keiner Sammlung fehlen darf und in dieser Form der Vision des Künstlers am nächsten kommt.

Onkel Dagobert und Donald Duck - Don Rosa Library 1: Der Sohn der Sonne 
Verlag: Egmont Comic Collection 
Erschienen am: 04.06.2020
Autor: Don Rosa
Zeichner: Don Rosa
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 208
Preis: 30 EUR

Fight Club 3 – Bücher 1 und 2

Die erste Regel des „Fight Club“ lautet, man spricht nicht über den „Fight Club„. Das ist jedoch schwieriger umzusetzen, als man zunächst glauben mag. Sowohl das Buch, der darauf basierende Film, als auch die Comic-Fortsetzung, die 2015 über den Splitter Verlag ihren Weg nach Deutschland gefunden hat, sind allesamt von so hoher Qualität und Aussagekraft, dass man als Cineast und Comic-Geek nicht um eine angeregte Diskussion herum kommt.

Dieser wird nun noch mehr Zunder gegeben, denn nun steht das große Finale aus der Feder des Kult-Autors Chuck Palahniuk in den Regalen und Fans stellen sich die berechtigte Frage ob das sozialkritische Gesamtkunstwerk zu einem würdigen Abschluss gebracht werden konnte oder nicht. Wie schon bei „Fight Club 2“ entschied sich Splitter dazu die US-Heftserie in zwei Sammelbänden zu veröffentlichen. Der erste erschien schon im letzten Dezember, der zweite Anfang Juli. Beide sollen nun, da sie eine erzählerische Einheit bilden, im Folgenden besprochen werden.

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Darüber hinaus möchte ich, bevor es in die eigentliche Rezension geht, auf den Zeichner Cameron Stewart zu sprechen kommen, dem kurz vor der Veröffentlichung des finalen Bandes öffentlich von Künstlerinnen vorgeworfen wurde, dass er sie verführen wollte, als diese noch sehr jung und bisweilen sogar minderjährig waren. Das Ganze ist auch als „grooming“ bekannt: Ein älterer (in der Regel) Mann, macht sich an eine deutlich jüngere Frau oder sogar ein Mädchen heran, um diese in der Folge zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Nach und nach fühlten sich mehr Frauen aus der Szene ermutigt ihre Geschichte zu den Geschehnissen darzulegen und so setzte sich das Bild eines Mannes zusammen, mit dem andere Kreative und in der Folge ganze Verlage nicht mehr arbeiten wollten. So wurde ein unbenanntes Projekt von DC eingestampft und andere Künstler und Autoren verzichteten auf von Cameron beigesteuerte Variant-Cover.

Es ist mir persönlich wichtig zu betonen, dass ich jede Handlung Stewarts aus dieser Richtung verabscheue und verurteile und sollte seine Schuld darüber hinaus juristisch festgestellt werden, auch keine Probleme damit habe, wenn er trotz seines offensichtlichen Talents keinen Job mehr in der Branche bekommt. Solches Verhalten darf nicht toleriert und muss offen angesprochen werden. Eventuell folgt in absehbarer Zeit auch hier ein Artikel zu dem Thema, welches seit kurzem auch die deutsche Comic-Szene beschäftigt.

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Da nun der „Elephant in the room“ benannt wurde, kann nun zum eigentlichen Thema des Artikels zurückgekehrt und das Hauptaugenmerk auf die Geschichte Palahniuks gerichtet werden, die inhaltlich nicht mit den Taten Stewarts belastet werden sollte.

Wie wir alle wissen (sonst würde man nicht zur Fortsetzung greifen), hat der „Held“ unserer Geschichte keinen festgelegten Namen, sondern wechselt ihn bisweilen öfter als die eigene Unterwäsche. Hier wird er uns als Balthazar vorgestellt, was bei den vielen Meta-Ebenen, die der Autor auftischt sicherlich kein Zufall ist. Die ursprüngliche Bedeutung wäre „Gott, Schütze den König“ und dieser ist im Kontext von „Fight Club“ unmissverständlich als Tyler Durden auszumachen, der durch die konsumfreundliche, bürgerliche Fassade vor der Entdeckung bewahrt wird.

Nach den Ereignissen des Vorgänger-Bandes sehen wir Balthazar, seinen Sohn und die nun hochschwangere Marla (wie wir zuvor erfahren haben, ist es Tylers Nachwuchs) ihr Dasein in einem heruntergewirtschafteten Motel fristen, während sie aus unterschiedlichsten Gründen mit der Gesamtsituation unzufrieden sind. Balthazar macht sich Sorgen um das ungeborene Kind, Marla will es in erster Linie nichtmal bekommen und der Junge sieht sich dem dysfunktionalen Clusterfuck eines Elternhauses ausgesetzt, welches das Wort Trauma gefühlt zum Motto auserkoren hat. Nun könnte die Situation mit dem Zugrabe getragenem „Projekt Chaos“ noch als friedfertig betitelt werden, doch plötzlich taucht ein neue Organisation aus dem Nichts auf und möchte ähnlich Tylers Vorstellungen die Welt zugunsten einer als wertvoll erachteten Elite umgestalten, die nichts als verbrannte Erde hinterlässt. Das Werkzeug der Wahl ist aber, passend zum aktuellen Jahr 2020, eine tödliche Pandemie, die nur durch eine sehr „spezielle“ Herangehensweise aus der Welt geschafft werden kann.

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Wie schon zuvor ist die zentrale Handlung, abzüglich der zahllosen Meta-Ebenen und absurden Neuerzählungen historischer Ereignisse, schnell beschrieben. Das wovon das „Fight Club„-Franchise jedoch primär lebt sind die bitterbösen Kommentare auf unsere Konsumgesellschaft, popkulturelle Querverweise und die nicht wenigen Streifschüsse auf den imaginierten Leser, die zur Reflexion anregen sollen. Dabei werden, wie in Buch, Film und dem Comic-Vorgänger, die Grenzen zwischen Medium und Realität quasi durchgehend verwischt. Dadurch wird nicht nur ein für die Reihe typisches Element der Eliminierung der vierten Wand ausgespielt, sondern der Comic als eigenständiges Produkt der Kunst identifiziert, welches sowohl im Hinblick auf die Erzählung, als auch die in die Handlung greifende visuelle Ebene in ihrer Einzigartigkeit präsentiert wird. So ist ein Comic kein mit Bildern aufbereitetes Buch, keine durchwegs bildende Kunst aber eben auch kein Hybrid. Offensichtlich hat Palahniuk die Definition „Comics sind Comics“ nach dem Medien- und Kulturwissenschaftler Martin Barker zu Herzen genommen und sich deswegen für die unausweichliche Option einer Comic-Fortsetzung entschieden, die den Kern von „Fight Club“ mit am besten repräsentiert.

Hinzu kommen geradezu kompromisslose Szenen, die bezüglich des Gewaltgrades und anderer expliziter Darstellungen entweder nichts der Fantasie überlassen oder so konzipiert sind, dass man das schelmische Grinsen der Macher geradezu durch die Seiten sehen kann. Auch zeitgenössische Diskussionen um Politik, Geschlechterrollen, sexuelle Befreiung und der quasi fehlende Filter für sozial akzeptables Verhalten werden mit Genuss aufgegriffen, in Worte und Bilder verpackt und mit einer solchen Wucht entgegen geschleudert, dass ein unbedarfter Leser definitiv länger an dem Gesamtpaket zu kauen hat. Und ist es nicht genau das, was wir von „Fight Club“ erwarten? Zwar scheint der Autor diesmal temporär in zu fantasievolle Sphären abzutauchen und damit das realistisch Rohe etwas in den Hintergrund zu rücken, was sicherlich einigen Fans auffallen wird, aber der Umstand ist in Anbetracht der durchgehend auf höchstem Niveau gehaltenen Qualität jederzeit zu verschmerzen.

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Auf der visuellen Ebene bleibt sich Stewart weiterhin treu und arbeitet neben Elementen, wie den Brüchen von Panels und der Umfunktionierung des Formats (Stichwort „Wandkalender“) auch mit Collage-Anleihen. Diese wilde Mischung passt wie die Faust aufs Auge, wenn man das Chaos in der Geschichte betrachtet. Man merkt geradezu die Ambition den Leser am Geschehen teilhaben zu lassen. Dabei spielt er in seinem Stil geradezu Mustergültig mit den drei wichtigsten Merkmalen des Comics in Form von Bild, Text und Symbol, bringt sie durcheinander, entzerrt sie erneut und springt dabei durchgehend von klassischem Aufbau zu avantgardistischem Level und zurück. Dabei erdrückt er nicht die Handlung, sondern treibt sie Hand in Hand voran. In Anbetracht dessen, was wir hier als anarchistischen Cocktail serviert bekommen, ist das durchaus als große Leistung zu betiteln.

Deswegen kann man die Zusammenarbeit zwischen Autor und Künstler nicht nur als fruchtbar, sondern durchwegs geglückt definieren. Das kann man leider nicht immer von Fortsetzungen in Film und (graphischer) Literatur behaupten, doch mit „Fight Club 3“ ist ein „Full Circle“ publiziert worden, der zwar ab und zu, sogar für die Verhältnisse der vorliegenden Geschichte, ins Absurde ausschert, dabei aber nie die Geschichte aus den Augen verliert. Daher kann ich den Fans der Reihe diesen Abschluss in zwei Teilen nur ans Herz legen und allen die bis dato eventuell nur das Buch gelesen oder den Film gesehen haben, dazu raten sich an diese gelungene Fortsetzung zu wagen.

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Fight Club 3 - Buch 1|2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 13.12.2019
Autor: Chuck Palahniuk
Zeichner: Cameron Stewart
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 168
Preis: 24 EUR
Fight Club 3 - Buch 2|2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 03.07.2020
Autor: Chuck Palahniuk
Zeichner: Cameron Stewart
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 176
Preis: 25 EUR

[Rezension] Batman Noir: Gotham By Gaslight (Panini Comics)

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Die US-Leser unter euch kennen sicherlich schon seit längerer Zeit die Strategie der großen Superhelden-Verlage Klassiker oder besonders beliebte Geschichten in schwarz/weiß auf den Markt zu bringen. Der Hintergrund, neben der offensichtlichen Möglichkeit des Abverkaufs schon erschienener Bände, ist die so besonders nah an der Vorstellung der Zeichner gelegene Vision betroffener Geschichten. Selbstverständlich sind Koloristen ein essenzieller Bestandteil des Produkts „Comic“ und bringen nicht selten eine Ebene mit ein, ohne die eine bestimmte Stimmung nicht mal im Ansatz transportiert werden könnte. Trotzdem sind vor allem Handlungen, die primär durch die eigentliche Geschichte und nicht nur Action getragen werden, geradezu prädestiniert dafür sich den typischen Graphic Novel-Look anzueignen.

Das haben auch Panini Comics in Deutschland erkannt und folgen nun dem Lizenzgeber DC mit zwei großformatigen Hardcovern, von denen ich hier den Titel „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ besprechen möchte. Dieser versammelt zum ersten Mal die beiden Elseworld-Geschichten „Blutige Schatten der Vergangenheit“ (1989) und „Der Herr der Zukunft“ (1991).

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© Panini Comics

Beide Storys entstammen der Feder des Autoren Brian Augustyn, während sich mit  Eduardo Barreto und Mike Mignola zwei unterschiedliche Zeichner für die beiden Projekte zur Verfügung gestellt haben. Insbesondere Mignola sei hier gesondert erwähnt, den die meisten vermutlich aufgrund seiner Arbeit an Hellboy kennen sollten und dessen Werk vom legendären Alan Moore als Mischung aus Jack Kirby und dem deutschen Expressionismus bezeichnet wurde.

Inhaltlich steigt der Leser zum Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Schiff ein, dass bald von London aus in Gotham einlaufen soll. Darauf befindet sich unter anderem Bruce Wayne, der zuvor unter den Fittichen von Sigmund Freud die Psychoanalyse in Wien studiert hat. Zeitlich passend hat kurz zuvor Jack the Ripper seine Mordserie in Whitechapel begangen und mit einem der Handlung vorangestellten fiktiven Brief von eben jenem Mörder darf man sich darauf einstellen, dass Gotham der nächste „Spielplatz“ seiner Wahl werden wird. Doch Jack hat in diese Rechnung Batman nicht einkalkuliert, der mit der Rückkehr Waynes natürlich ebenfalls sein wachsames Auge auf die Straßen der Metropole wirft. Was der dunkle Ritter jedoch selbst nicht erwartet, ist es mit seiner bürgerliche Fassade selbst in den Kreis der Verdächtigen zu geraten, was den Ursprung der blutigen Spur von der Themse bis zur Ostküste der USA anbelangt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Jagd nach dem Ripper aufzumachen, um den Namen der Familie Wayne rein zu waschen. Zeitgleich entdeckt er allerhand weitere Geheimnisse, die sogar den Mord an seinen Eltern mit einschließen.

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© Panini Comics

Wie nebenbei lässt der Autor dabei zahlreiche Referenzen mit einfließen, die zum Beispiel den Ursprung bestimmter Bösewichte im Kontext der beschriebenen Zeit beinhalten, selbst wenn diese in „Blutige Schatten der Vergangenheit“ keine tragende Rolle spielen. Darunter zum Beispiel der Joker, dessen kurz zu sehendes Bild als eindeutiger Verweis auf die reale Inspiration durch den Stummfilm „Der Mann, der lacht“ (1928) zu verstehen ist. Hinzu kommen auch kleine Anspielungen für die im Comic-Bereich historisch interessierten Leser, die unter anderem eine Zeichnung von Bob Kane wiedererkennen sollten. Ganz generell sorgen Mignolas Zeichnungen in schwarz-weiß für eine Atmosphäre, die nicht nur aufgrund des teils deckungsgleichen Themas aus „From Hell“ (1989-1996) für schaurig-schöne Momente sorgt. Man darf darüber hinaus davon ausgehen, dass der Release beider Titel nicht ohne Grund auf das Jahr 1989 fiel, da die Morde sich erst im Jahr zuvor zum hundertsten Mal jährten und damit der Öffentlichkeit besonders präsent waren.

In der zweiten Geschichte „Der Herr der Zukunft“ wird wie schon erwähnt mit Augustyn der Autor beibehalten, während mit Eduardo Barreto ein anderer Künstler zum Zeichenstift greift. Wir befinden uns immer noch am Ende des 19. Jahrhunderts und Gotham City ist im Begriff die Weltausstellung vorzubereiten, die in der Realität um den gleichen Zeitraum in Chicago stattfand. Insbesondere der Bürgermeister, sowie eine Vielzahl an Bürgern sind Feuer und Flamme für die Idee eine so prestigeträchtige Veranstaltung auszurichten, während Bruce Wayne sich primär Gedanken darum macht seinen Umhang an den Nagel zu hängen. Doch es kommt natürlich anders als erwartet, als mit dem geheimnisvollen Alexandre LeRoi ein Mann eine Veranstaltung stürmt, die zur Planung der besagten Ausstellung einberufen wurde. Hier verlangt er unter einem zivilisationskritischen Pathos, den man durch den Besitz eines Luftschiffs und eines Roboters durchaus in Zweifel ziehen kann, die Absage der Weltausstellung. Sollte man seinem Befehl nicht Folge leisten, würde er die Stadt in Schutt und Asche legen. Wie nicht anders zu erwarten, sieht sich nun Bruce Wayne erneut in der Pflicht die Fledermaus-Haube überzuziehen und der plötzlichen Bedrohung auf den Grund zu gehen. Alles in allem eine runde Abenteuergeschichte mit Steam Punk-Flair und daher lesenswert, jedoch nicht auf dem selben Niveau wie der Vorgänger, was neben der tiefergehenden Handlung auch am Strich Mignolas liegt, der im Gegensatz zum ebenfalls großartigen Eduardo Barreto eine deutlich individuellere Note mit sich bringt.

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© Panini Comics

Das Gesamtpaket in Form des Sammelbands „Batman Noir: Gotham by Gaslight“ ist in diesem Sinne definitiv eine Anschaffung wert. Insbesondere wenn man die Geschichten noch nicht im eigenen Bücherregal stehen hat und sich für den Graphic Novel-Vibe einer schwarz/weißen Batman-Geschichte begeistern kann. Man darf gespannt sein, was Panini nach dem vorliegenden Band und „Der Tod der Familie“ als nächstes in das „Noir„-Programm aufnimmt.

Batman Noir: Gotham by Gaslight 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Augustyn
Zeichner: Mike Mignola, Eduardo Barreto
Erschienen am: 12.05.2020 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 124
Preis: 23 EUR

 

[Rezension] Die Geschichte des Marvel-Universums (Panini Comics)

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Durch unterschiedliche Jubiläen aus dem Hause Marvel oder auch traurige Ereignisse wie dem Tod von Stan Lee, wurde immer wieder Sekundärliteratur auf den Markt gebracht, die die Entstehungsgeschichte von Helden und Schurken rund um die Avengers, die X-Men und viele anderen beleuchtet hat. Was dabei jedoch oft auf der Strecke blieb, war der inhaltlich übergreifende Zusammenhang von Charakteren und Geschichten innerhalb einer fiktiven Historie, die in ihrer Größe und Komplexität einen so gigantischen Mythos darstellt, dass ein Vergleich mit antiken Göttersagen alles andere als weit hergeholt erscheint.

Nun sind Comics, insbesondere aus dem Superhelden-Bereich, über viele Jahrzehnte hinweg reine Spiegelbilder der Popkultur gewesen und nicht wenige Auftragsarbeiten eher glückliche Zufälle als das Produkt eines Masterplans. Hier einen roten Faden zu spinnen, der sich zu einem Netz ausbreitet und selbst die absurdesten Nebenfiguren mit riesigen Events verknüpft, ist dementsprechend eine echte Herkules-Aufgabe, doch mit Top-Autor Mark Waid (Avengers) und dem Ausnahmekünstler Javier Rodríguez (Spider-Man) hat sich ein Team zusammengefunden, dass sich tatsächlich an diese Herausforderung gewagt hat.

Aufgemacht wird die Geschichte dabei durch eine gekonnt gesetzte Rahmenhandlung. Nach einem Kampf zwischen den uralten Celestials sind Franklin Richards, der Sohn von Mr. Fantastic und der Unsichtbaren, und der Weltenverschlinger Galactus am Ende der Zeit zusammengekommen. Das Universum liegt im sterben, soll aber laut Richards nicht in Vergessenheit geraten. Deswegen bewegt er Galactus dazu die gesamte Geschichte des Marvel-Kosmos zu erzählen: vom Urknall, über frühe Zivilisationen bis hin zu den Taten der uns bekannten Helden.

Dabei werden über sechs Kapitel hinweg reale Mythen, politische Wendepunkte und soziale Umbrüche akribisch aufgeschlüsselt und in den Kontext von Göttern, Mutanten, Aliens und aus Zufall entstandene Helden gesetzt, ohne das Gefühl aufkommen zu lassen, einem Bewusstseinsstrom ausgesetzt zu sein. Tatsächlich balanciert der Autor nicht selten auf der Schneide in simples Name-Dropping zu verfallen, doch da dieser Eindruck nie dominiert, erscheint die Handlung wie beabsichtigt als Erzählung, die man so oder so ähnlich auch in realen Handbüchern zu historischen Ereignissen finden könnte. Manches lässt sich in einem Satz, anderes über Seiten hinweg beschreiben und gibt einem trotzdem jederzeit das Gefühl, dass alle Ereignisse ihre Relevanz haben und durch ihr Ineinandergreifen erst das Marvel-Univerum zu dem machen, was es heute ist.

Auf der visuellen Ebene geht Rodríguez keine Experimente ein und liefert mit seinem für den Superhelden-Bereich nahezu perfekt passenden Stil, die Möglichkeit sich auf die extrem große Masse an Informationen einzulassen, ohne den Leser durch abstrakte Ausflüge herauszureißen. Darüber hinaus schafft er es mit der Konzeption seiner Panels, die keinem festen Muster folgen, sondern sich in den Dienst der Handlung stellen, sowohl in einem Nebensatz abgearbeitete Ereignisse, als auch bis heute nachwirkende Geschehnisse passend ins Bild zu setzen. Dabei spielt er natürlich neben eigens kreierten Szenen auch mit ikonischen Darstellungen, die auch der Laie als solche wiederkennt.

Der Geschichte selbst nachgesetzt ist ein sehr umfangreicher, sowie bebilderter Anhang, der das Gelesene mit Verweisen auf die entsprechenden Hefte und Bände versieht. Dadurch können Interessenten sich persönlich auf die Reise in die Historie des Marvel-Universums begeben und die in aller Kürze behandelten Events in aller Ausführlichkeit persönlich nachvollziehen. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass trotz des vorliegenden Gesamtüberblicks ein Griff zu „Die Geschichte des Marvel-Universums“ nur für Leser zu empfehlen ist, die sich zumindest eine gewisse Basis an Wissen angeeignet haben, die in der Lektüre des Verlags und nicht in dem cineastischen Output liegen sollte. Andernfalls ist eine Überforderung durch unglaublich viele Details geradezu vorprogrammiert.

In diesem Sinne ist eine Anschaffung für alle Marvel-Fans zu empfehlen, wenn sie sich nicht auf wenige einzelne Heftreihen versteift haben und sich auch für die Vergangenheit ihrer Lieblingshelden interessieren. Sollte dies der Fall sein, handelt es sich beim Kauf von „Die Geschichte des Marvel-Universums“ um einen schönen Überblick, der insbesondere als inhaltliche Ergänzung zum Wissen um Autoren und Künstler sowie die Historie des Verlags herangezogen werden kann.

Die Geschichte des Marvel-Universums 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Mark Waid
Zeichner: Javier Rodríguez
Erschienen am: 05.05.2020
Format: Softcover
 
Seitenzahl: 244
Preis: 26 EUR

[Rezension] Black Hammer ’45 (Splitter)

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Schon wieder und sicherlich nicht zum letzten Mal steht uns ein Spin-Off der beliebten Black Hammer-Reihe beim Splitter Verlag ins Haus. Diesmal bewegen wir uns jedoch nicht in der geschlossenen Gruppe an Helden der Hauptreihe und ihrer Antagonisten, sondern im Goldenen Zeitalter der Superhelden und damit in den 1940er Jahren. Zwar tauchen auch hier Abraham Slam und Golden Gail, sowie andere bekannte Figuren auf, aber den Mittelpunkt des Geschehens bildet eine Eliteeinheit der Air Force, die für spezielle Missionen ausgebildet wurde, um den Achsenmächten zu schaden. Und wie sollte es auch anders sein. Der Name des Titels ist Programm, denn die Gruppe der waghalsigen Militärs aus Afroamerikanern, Latinos und Asiaten nennt sich Die Black-Hammer-Schwadron. Vor diesem Hintergrund ist es wohl als Verweis auf die real existierenden Harlem Hellfighters zu verstehen, die im ersten und zweiten Weltkrieg ein rein afroamerikanisches Regiment stellten.

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Und so speziell wie diese Truppe ist, ist auch ihr Auftrag. Sie müssen nämlich eine  Familie an Wissenschaftlern aus den Fängen der Nazis befreien. Was zunächst wie der Plot eines üblichen Weltkriegs-Action-Dramas daherkommt, wird aber schon bald aufgebrochen, wenn sich zu den Faschisten plötzlich Fliegerasse mit dem Namen „Ghost Hunter“, nach dem Vorbild des roten Barons, Werwölfe, Okkultisten und sowjetische Riesen-Roboter gesellen. In diesem Sinne die gewohnt abgedrehte Mischung, die man von Lemire kennt, der sich diesmal jedoch mit seinem kanadischen Kollegen Ray Fawkes an den Autoren-Tisch gesetzt hat. Doch eine Geschichte aus dem Black Hammer-Universum wäre niemals komplett, wenn der nur oberflächlich existierende Trash nicht von einer emotionalen Komponente untermauert wird, die das vorliegende Universum so unvergleichlich und darum auch so erfolgreich werden lässt.

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Das ursprünglich in vier US-Heften veröffentliche Spin-Off ist dabei aber noch eine Stufe experimentierfreudiger unterwegs, als so manch andere unter dem gleichen Label veröffentlichte Mini-Serie. So verzichten die Macher abseits von Gastauftritten der uns schon bekannten Helden aus der Hauptreihe, auf Verflechtungen mit dem zentralen Handlungsbogen und geben sich damit selbst die Freiheit außerhalb festgelegter Strukturen zu agieren. Das gilt in dem Sinne auch für den Zeichner Matt Kindts, der mit seinem extrem groben Stil Superhelden-Puristen recht sicher zur Weißglut bringt und offenere Leser zum Entdeckten einlädt. Ich persönlich musste mich durchaus auch erst an den Strich und die Farbgebung gewöhnen, doch nach ein paar Seiten Einlesezeit spürt man recht schnell die Kunst und die Handlung ineinandergreifen und versteht, warum Lemire und Fawkes sich zu dieser Zusammenarbeit entschieden haben. Es bleibt durchaus Geschmacksache, aber es sei hiermit unterstrichen, dass man sich von einem ersten Blick in den Band nicht abschrecken lassen sollte.

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Alles in allem handelt es sich bei Black Hammer ’45 wohl um das wohl kurzweiligste Spin-Off der Serie in vier Akten, dass durchaus überzeugt, aber nicht ganz an die anderen Geschichten heranreicht. Bei der immer noch extrem hoch angesetzten Qualität von Black Hammer ist eine Anschaffung jedoch auf keinen Fall ein Fehler und man erhält einen Band, der zwar eine der weniger relevanten Storys aus der Feder von Lemire und Fawkes beinhaltet, damit aber immer noch über vielem schwebt, was man als gut bewerten würde.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

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Verlag: Splitter 
Erschienen am: 24.01.2020  
Autor: Jeff Lemire, Ray Fawkes 
Zeichner: Matt Kindt
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 120
Preis: 22 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 4: Age of Doom – Buch 2 (Splitter)

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Langsam aber sicher nehme ich hier wieder an Fahrt auf und kann euch heute einen weiteren Band aus Jeff Lemires und Dean Ormstons Black Hammer-Reihe präsentieren. Für diejenigen, die meine bis dato ausnahmslos vor Lob überschäumenden Beiträge zu den Vorgänger-Bänden gelesen haben, stellt sich natürlich die Frage, ob die unbestrittene Qualität auch in der Fortsetzung, die in Deutschland die US-Hefte 6 bis 12 der Age of Doom-Saga zusammenfasst, gehalten werden kann. So viel sei vorweggenommen: Die ganze 192 Seiten dicke Veröffentlichung sollte nur wenige Wünsche offen lassen.

Die treuen Leser unter euch werden sich erinnern, dass Buch 1 endlich Erklärungen dafür lieferte, warum die Helden-Gruppe aus Spiral City über viele Jahre hinweg auf einer Farm an einem unbekannten Ort ihr Dasein fristen musste und sowohl Umgebung als auch Personen, denen sie begegneten sie an ihren Sinnen zweifeln ließen. Als nun das große Geheimnis offenbart wurde, schloß der Band mit einem Cliffhanger, der einem die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ. Obwohl sie nun erfahren haben, dass ihr Leben auf der Farm nicht der Realität entsprach und es eine Möglichkeit gibt zurück in ihre Heimat zu reisen, wussten sie nun auch um die gefährlichen Konsequenzen, die aus einer Rückkehr folgen würde. Der Anti-Gott und damit das Wesen, dass ursprünglich mit dem Verschwinden der Helden zusammenhing, würde erneut erscheinen und die Welt in den Abgrund stürzen. Bevor jedoch eine endgültige Entscheidung getroffen werden konnte, wurde der Leser mit einem großen Fragezeichen in eine Wartepause bis zum nächsten Band entlassen.

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Nun setzt die Fortsetzung mit „Age of Doom – Buch 2“ zunächst genauso irritierend ein und lässt einen gemeinsam mit den Protagonisten langsam die Rätsel lösen, die nun in noch größerer Zahl vor einem liegen. Denn offensichtlich haben es Abraham Slam, Barbalien, Golden GailMadame Dragonfly und Lucy es tatsächlich geschafft nachhause zurück zu kehren, doch etwas scheint nicht zu stimmen. Unsere Helden sind nämlich über die Welt und mit Barbalien auch auf einem anderen Planeten verstreut und in einem vermeintlich früheren Leben angekommen. Das größte Problem hierbei ist jedoch nicht, dass die Protagonisten nicht wissen wo, sondern wer die anderen sind. Keiner kann sich an die jeweils eigene Vergangenheit als Held und Heldin erinnern und jeder geht dem jeweiligen Alltag nach. Eine Ausnahme bildet hierbei jedoch Black Hammers Tochter Lucy, die langsam realisiert, dass doch nicht alles so ist, wie es scheint. Als sie endgültig versteht was passiert ist, macht sie sich daran die anderen Helden aus ihrer augenscheinlichen Realität zu befreien, um sich gemeinsam gegen eine drohende Gefahr zu wappnen.

Dabei setzt sich das Kreativ-Team um Jeff Lemire und Dean Ormston erneut keine visuellen und erzählerischen Grenzen. Während die soeben beschriebene Haupthandlung zum Beispiel voranschreitet, scheuen sie sich erneut nicht davor große Werke des Superhelden-Genres zu zitieren, das Medium an sich um eine Meta-Ebene zu erweitern und dabei trotzdem großen Respekt walten zu lassen. Nutzen andere Autoren und Künstler das weitreichende Angebot an Cape-Trägern, um einen zynischen Blick auf das System „Superheld“ zu werfen, spricht aus den Panels von Black Hammer zwar immer ein Bewusstsein dafür, dass bestimmte Elemente eines Aufbaus in typischen Genre-Perlen geradezu in grotesker Häufigkeit bespielt werden, aber deren Zitate werden vielmehr in einer Hommage als Kritik an die Leser herangetragen.

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Einer dieser Punkte wäre der sogenannte Reboot. Wie langjährige Fans von DC und Marvel wissen, wird dieses Tool immer wieder gerne genutzt, um neue Leser an sich zu binden und alte Hasen mit frischen Twists, bei einer eindeutigen Verankerung im Ursprungsmaterial, bei der Stange zu halten. Lemire nutzt bewusst dieses inzwischen zur Erwartungshaltung angewachsene Element, um es auf seine eigene Art in das Black Hammer-Universum zu integrieren. Dieses ist nämlich in einer vergleichsweise kurzen Zeit zu einer stattlichen Größe angewachsen und kann dementsprechend langsam so gehandhabt werden, wie es bei den beiden großen Verlagen schon seit Dekaden üblich ist. Man bedenke allein die zahlreichen Spin-Offs, die nach wie vor in hoher Frequenz ihren Weg in die Buchregale finden.

So arbeitet er sich auf Basis der bereits bekannten Figuren und Umstände zu einem Punkt vor, an dem er losgelöst von den ab dem ersten Heft eingeführten Handlungssträngen, neue Wege beschreiten kann, ohne immer wieder Rückgriffe auf alte Storyelemente tätigen zu müssen. Das besondere an dieser Heranführung an einen neuen Startpunkt ist dabei die emotional reife Basis der Figuren, die einen mitfiebern, wüten und weinen lässt. Man erinnere sich nur an die Geschichten des Doctor Star oder Sherlock Fankenstein. Beides Namen, die zunächst an eine trashige Verbeugung vor dem Comic-Ursprungsmaterial aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts denken lassen, die aber in einer so emotionalen Tiefe aufgehen, dass einem der Atem stockt. Allein der Kontrast aus offensichtlich abstrusen Charakteren und menschlichen Tragödien, wie der Kampf mit der eigenen Sexualität oder der Verlust eines geliebten Menschen, geben diesem Universum eine Ebene, die bei den Mitbewerbern deutlich seltener in einer so reifen Form präsentiert wird.

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Gleichzeitig schafft es Lemire dieser Komplexität aus erwachsenem Storytelling, Superhelden-Bombast und einer ordentlichen Ladung an Selbstreferenz so perfekt ineinander greifen zu lassen, dass man trotz all der benannten und im Kern doch sehr unterschiedlichen Aspekte, ein Gefühl für Authentizität und eine Planungssicherheit des Autoren bekommt. Und allein dieses Gemisch sorgt dafür, dass man nach den letzten Seiten mit einer großen Zufriedenheit und starken Vorfreude auf die sichere Fortsetzung der Reihe entlassen wird.

Ich für meinen Teil freue mich auf das was kommt und kann jetzt schon ankündigen, dass zeitnah die Rezension zu „Black Hammer ’45“ auf ZOMBIAC.blog veröffentlicht wird.

Hier geht es übrigens zu den Besprechungen zu:

Black Hammer – Band 2: Das Ereignis, Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels, Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung, sowie Black Hammer – Band 3: Age of Doom.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

Black Hammer Bd. 4: Age of Doom - Buch 2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 22.11.2019  
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston, Rich Tommaso
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 192
Preis: 24 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 6 (Cross Cult)

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© Cross Cult

Wer mich und meine Rezensionen zu den Paper Girls (Cross Cult) kennt, der weiß wie begeistert ich von Brian K. Vaughns, Cliff Chiangs und Matt Wilsons Arbeit an dem Projekt bin. Dabei ist es nicht nur eine persönliche Affinität zu den abgedrehten Abenteuern der Mädchen-Gang aus Erin, Mac, Tiffany und KJ, sondern die nicht bestreitbare Qualität der Reihe, die Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Eisner-Awards und eine in in der Produktion befindliche TV Serie sprechend dabei Bände.

Was neben dem fortlaufend guten Storytelling und einer visuell ansprechenden Präsentation ebenfalls für eine Geschichte auf hohem Niveau spricht, ist der richtige Zeitpunkt diese zu beenden. Genau das haben die Macher mit der Ausgabe 30 im letzten Jahr gemacht und damit das Abenteuer der Paper Girls zu einem runden Abschluss gebracht. In Deutschland ist das mit Band 6 geschehen, der die letzten Hefte, wie bei all den zuvor erschienenen Ausgaben, in einem attraktiven Hardcover bündelt.

Waren von Anfang an viele Mosaik-Steine bewusst lose gesetzt und zahlreiche Interpretationen der Ereignisse den Lesern überlassen, läuft Vaughn auf der Zielgeraden zur Höchstform auf, indem er all die Elemente, die einen zuvor eventuell irritiert haben zu einem Gesamtbild verknüpft. Nach wie vor springen die vier Heldinnen durch die Zeit, um endlich in ihre alte Heimat der verschlafenen Vorstadt Stoney Steam des Jahres 1988 zu gelangen. Das gestaltet sich jedoch wie in all ihren Erlebnissen zuvor als nicht einfach. In der Folge ihrer Handlungen in den verschiedenen Zeitebenen haben sie nämlich einiges durcheinander gebracht, sich in wortwörtlich alle Himmelsrichtungen und Zeiten verstreut, ihre nach wie vor mysteriösen Verfolger aus der Zukunft aber nicht abgehängt. Vor diesem Hintergrund scheint zunächst ein Happy End und eine finale Zusammenkunft der Mädchen immer unwahrscheinlicher, doch genau diese Zersplitterung der Handlung, die sich ab einem bestimmten Punkt in vier parallele Stränge verzweigt, sorgt dafür, dass sowohl die Protagonisten, als auch Leser zu einem Verständnis der Ereignisse gelangen, die in einer so schön in sich geschlossenen Geschichte münden, dass man direkt Lust bekommt nochmal von vorne zu beginnen. Wie dieser Abschluss nun aussieht sollte man aber am besten für sich selbst herausfinden. Twists und ungewöhnliche Ereignisse sind nach wie vor die Stärken von Paper Girls und sollten in dem Sinne für sich selber sprechen.

Auf dem Weg dorthin werden darüber hinaus erneut zahllose Referenzen auf die Popkultur ausgepackt, die nie deplatziert wirken, sondern zur Unterstreichung der jeweiligen Epoche dienen. Ob nun Film, Musik oder der generelle Zeitgeist – der ganz besondere Vibe, von dem auch Serien-Produktionen wie Stranger Things leben, sorgt für immer wieder angenehme Nostalgie-Momente, durch die Erin, Mac, Tiffany und KJ sogar noch mehr Tiefe verliehen bekommen. Sie wirken zu keinem Zeitpunkt konstruiert, um vier unterschiedliche Projektionsflächen abzubilden, sondern wie authentische Personen, denen man ihre Gefühle und Gedanken, sowie zwangsläufige Entwicklung im Windschatten der beschriebenen Ereignisse jederzeit abnimmt und daher ohne zu überlegen mitfiebert.

Auch auf visueller Ebene leisten Zeichner Cliff Chiang und Kolorist Matt Wilson nach wie vor ganze Arbeit und vermitteln durch ihre Komposition ein ganzes Arsenal an Emotionen und spannungsgeladenen Momenten, die sowohl Dialoge und generelle verbale Interaktionen unterstreichen, aber auch ohne Worte so viel rüber bringen, dass eine Stimmigkeit, die seit dem ersten Heft spürbar ist, auch auf den letzten Metern bewahrt bleibt.

Alles in allem, kann ich den abschließenden Band 6 genauso empfehlen wie die Vorgänger zuvor. Mit Paper Girls schafft man sich nämlich nicht einfach eine solide Comic-Geschichte, sondern eine der besten und außergewöhnlichsten Reihen an, die in den letzten Jahren erschienen sind und in einem überschaubaren Umfang gerne zum erneuten Griff ins Bücherregal einladen.

Hier geht es zu den Rezensionen der Bände 1, 2, 3, 4 und 5.

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Paper Girls - Band 6 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn 
Zeichner: Cliff Chiang 
Kolorist: Matt Wilson
Erschienen am: 26.11.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 128
Preis: 22 EUR

[Musical-Review] Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street

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© Martin Kaufhold

Das Wetter ist kalt und der Regen wäscht die Straßen Münchens rein. In dem Sinne sorgt die bayerische Landeshauptstadt für die perfekte Kulisse, um den mörderischen Barbier aus der Fleet Street willkommen zu heißen.

Dieser hat sich nämlich bis zum 15.03. im Deutschen Theater, zusammen mit dem restlichen Ensemble des English Theatre Frankfurt, eingerichtet und sorgt für blutige Unterhaltung in englischer Originalsprache und damit exakt so, wie es der bald 90-jähirge Stephen Sondheim 1979 ursprünglich konzipiert hatte. Wenn man es genau nimmt, wird 2020 aber sogar noch mehr geboten. Wer nämlich das Glück hat an einen der begehrten und nur auf 16 Stück limitierten Bloody Seats zu kommen, darf sich auf ein im wahrsten Sinne des Wortes, hautnahes Erlebnis freuen. Denn schon nach kurzer Zeit merkt man, dass die zu Anfang gereichten Ponchos ihren Zweck haben. Im ersten Teil, um vor Mehl, Bier und Rasierschaum zu schützen und im zweiten, um nicht am Ende des Abends auszusehen, wie die zahlreichen Opfer des nach Rache gierenden Barbiers.

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© Martin Kaufhold

Und damit lässt sich die Stoßrichtung des Musicals beschreiben, welches Zuschauern mit wenig Toleranz gegenüber Schockeffekten und Kunstblut den Atem stocken lässt. Denn die Klingen des Sweeney Todd werden nicht nur über bärtige Wangen, sondern in aller Regelmäßigkeit quer durch Kehlen geführt, bevor die Besucher des Salons in der Fleet Street, im Keller der darunter liegenden Wirtschaft seiner Komplizin Mrs. Lovett zu Fleischpasteten verarbeitet werden. Denn wohin sonst mit den sterblichen Überresten, die laut dem mörderischen Duo abhängig vom Berufsstand einen ganz eigenen Geschmack aufweisen?

Den Weg mit Leichen pflastert sich der ursprünglich als Benjamin Barker bekannte Killer aber nicht ohne Grund. Denn nach 15 Jahren im australischen Exil, kehrt er unter einem neuen, dem Zuschauer als Titel des Stücks bekannten Namen zurück, um am korrupten Richter Turpin, der seine Familie zerstörte, schreckliche Rache zu üben. Bis dahin wollen aber die Londoner mit delikaten Backwaren versorgt werden, die übrigens auch dem Publikum am Bühnenrand zur Verkostung gereicht werden.

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© Martin Kaufhold

Das originale Broadway-Stück, dass unter anderem mit acht Tony Awards (darunter Best Musical, Best Book und Beste Score) ausgezeichnet wurde und einem breiteren Publikum als Tim Burton-Verfilmung mit Johnny Depp in der Hauptrolle bekannt ist, wurde schon häufig und weltweit aufgeführt. Die Preise und Kritiken für die nun über 40 Jahre alte Produktion sprechen dabei für sich. Genauso wie der geniale, pechschwarze Humor, der nur in der ursprünglich angelegten Sprache voll zur Geltung kommt und in der Fassung auch im Deutschen Theater München präsentiert wird. Zwar mag die Sprachbarriere aufgrund des teils schnellen und pointiert vorgetragenen Textes, ob nun gesungen oder gesprochen, das ein oder andere Detail verschlucken, aber das sollte in der Gänze nicht weiter stören. Schauspiel und Symbolik unterstreichen dafür nämlich überdeutlich das grausig-schöne Geschehen auf der düster-heruntergekommenen Bühne.

Die dazu stets präsente Musik in einer unkonventionellen Kombination aus zwei E-Pianos und Percussion sorgt für zusätzliche Gänsehaut und hilft den sarkastischen Stoff zu transportieren, ohne in den Pathos artverwandter Produktionen zu verfallen und damit der überzeugenden und von Regisseur Derek Anderson umgesetzten Geschichte von  Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street entgegen zu stehen. Diese wird dabei insbesondere von Sarah Ingram (Mrs. Lovett) und Stephen John Davis (Sweeney Todd) getragen, gegen die das perfekt besetzte Rest-Ensemble zwar nicht untergeht, aber eindeutig auf einer anderen Ebene funktioniert, die jedoch ohne Probleme in die des benannten Duos greift.

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© Martin Kaufhold

Das wissen auch die Zuschauer bei der Premierenfeier zu schätzen und quittieren den Musical-Thriller mit einem anhaltenden Applaus und Standing Ovations. Vollkommen zurecht, denn das Gerüst aus blindwütiger Rache und ungesteuertem Hass, das unweigerlich zu einem alles zerstörerischen Ende führen muss, ist zeitlos und unverändert relevant. Genauso wie die Faszination für Serienkiller, soziale Unterschiede und den simplen Horror der Gewalt. Alles Themen, die in über zwei Stunden gebündelt das Publikum nachhaltig faszinieren und im Anschluss zufrieden in den nach wie vor passend kalten Abend entlassen.

Wer sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen möchte, hat noch bis zum 15. März 2020 die Möglichkeit Sweeney Todd im Deutschen Theater München zu besuchen.

Vorstellungsbeginn:
Mittwoch - Samstag: 19:30 Uhr
Sonntag: 14:30 Uhr

Einlass: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

Altersempfehlung: 14 Jahre

Schulvorstellung: Dienstag, den 10.03.20 um 11:00 Uhr

Vorstellungsdauer: 2 Stunden 35 Minuten (inkl. 20 Minuten Pause)

Sprache: Songs und Dialoge in englischer Sprache

Preise: ab 29,00 €

Zu den Tickets

[Rezension] Bountilus: Der Calamari Cult – Teil 1 von 2 (Kult Comics)

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Das Team aus dem Künstler Andi Papelitzky und dem Autor/Musiker Andreas „Medusa“ Kuhn, sowie Sänger Marco Klingel hat sich erneut daran gewagt Musik und das Medium Comic verschmelzen zu lassen und diesmal sogar in einem richtigen Crossover. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass beide zusammenarbeiten, da Papelitzky schon Artwork und Comics zu vorangegangenen Releases von Kuhns Band apRon beigesteuert hat. Jedoch finden im vorliegenden Band zum ersten Mal zwei getrennt voneinander kreierte Konzepte zusammen und harmonieren dabei erstaunlich gut.

Zum einen haben wir die Crew der Bountilus, die auch den Titel des vorliegenden Comics vorgibt und aus dem ungewöhnlichen Duo Captain Nihil und dem Tentakel-Alien Quattro besteht. Deren erstes Abenteuer durften wir schon in einem durch eine Startnext-Kampagne finanzierten Band bestaunen. Auf der anderen Seite haben wir die Bandmitglieder von apRon, die gemäß dem Thema ihrer Alben Alter Egos zulegen, die in diesem Fall ein Haufen Cowboys und ein Indianer sind. Das sich das schnell wieder ändern kann, wird am Untertitel des im Vergleich zum Vorgänger recht dicken Bandes deutlich: „Der Calamari Cult„. Ein Name, der nicht nur einen Hinweis zum Inhalt des Comics, sondern auch den offiziellen Titel des am kommenden am Freitag (13.12.2019) erscheinenden apRon-Albums vorgibt. Man sieht also schon deutlich, dass nach „Der Punch“ und „Auf dem Ponyhof“ der Trend immer noch gen Konzeptalbum tendiert.

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©Andi Papelitzky

Inhaltlich werden gleich zu Beginn beide Welten verschmolzen, als die Bountilus eine Bruchlandung hinlegt und kurz darauf als eine Art Space-Uber-Taxi die an der Absturzstelle wartende Band aufliest, die im Comic natürlich nicht primär als Gruppe an Musikern, sondern rechtschaffenen Abenteurern präsentiert wird, die erst vor kurzem Frieden „Auf dem Ponyhof“ gestiftet und sich in dem Zuge mit einem Einhorn angefreundet haben. Es darf zumindest verraten werden, dass der Spaß mit dem behörnten Klepper nur temporärer Natur ist.

So wird das Quartett nach einer ungewöhnlichen Zusammenführung zu einem intergalaktischen Konzil geflogen, bei dem es die Zusammensetzung des ihnen bis dato nur grob bekannten Universums in Erfahrung bringt. Ihm wohnt nämlich eine gewisse Ordnung inne, die nun aufgrund eines „Zwischenfalls“ so gestört ist, dass die Helden Till, Medusa, Sebi und Marvin beauftragt werden müssen, die Galaxie zu retten. Dies ist jedoch nur möglich, indem sie als Herren über Leben und Tod, das Schicksal eines von ihnen gewählten Planeten bestimmen. Sich zu entscheiden ist aber nachvollziehbar schwer. Daher kutschieren Captain Nihil und Lieutenant Quattro die Gruppe von Himmelskörper zu Himmelskörper, auf denen apRon sich über die Bewohner informieren kann. Dabei stoßen sie nicht nur auf allerlei lustige und interessante Gestalten, sondern kommen sogar einem Geheimnis auf die Spur, dass der Leser mit den Charakteren erst erkunden muss…

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©Andi Papelitzky

Zwar ist der Plot schon zu Anfang der Geschichte relativ schnell erklärt, aber das tut dem Lesespaß keinen Abbruch, denn dafür sind die 140 Seiten mit genug Gags vollgepackt, die in aller Regelmäßigkeit zünden. Auch Fans der Band kommen auf ihre Kosten, die immer mal wieder kleine Querverweise auf die Historie von apRon serviert bekommen, die in Teilen auch weiter zurück reichen, als man zunächst vermuten würde. Dabei wird nicht nur auf die schon genannten Alben, sondern auch auf die frühen Tage der Musiker Bezug genommen.

Und wie es sich für einen Comic, der sich außerhalb des Mainstreams bewegt gehört, wird gerne hier und da auch mal ein sozialkritischer Seitenhieb ausgepackt, der sich nicht nur gegen bestimmte politische Strömungen, sondern auch gegen ganz konkrete Vertreter der besagten Geisteshaltung richtet. Schön erfrischend und ehrlich, aber ohne zu einem kompletten Bruch mit der eigentlichen Story zu führen. In dem Kontext tatsächlich ein kleines Kunststück, da der Comic zwar eigenständig, aber zeitgleich ein Promoinstrument zum aktuellen apRon-Album ist. Diese Kombination funktioniert erstaunlich gut, ohne wie eine mit Buzzwords gefüllte, stupide Auftragsarbeit zu wirken. Mir scheint, dass sich das beteiligte Team sich über die Jahre in ihrer Arbeitsweise so gut kennen gelernt hat, dass genau der richtige Zeitpunkt für einen Release abgepasst wurde.

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©Andi Papelitzky

Auch visuell macht es Spaß dem Strich von Andi Papelitzky über den für einen Independent-Release sehr üppigen Band zu folgen. Sein grober Stil in Kombination mit häufig reduzierten Panels lässt den Fokus auf den dargestellten Figuren ruhen, die in ihrer Art einen unverkennbaren Stil in sich tragen. Im Zusammenspiel mit der überdrehten Geschichte ergibt sich daher ein Mix, der sich in einer kurzweiligen Unterhaltung manifestiert, die zum einen Lust darauf macht zu erfahren, wohin es die Helden der Geschichte als nächstes verschlagen und wie sich das auf das Konzept und die Live-Shows der Band ausschlagen wird. Zu beiden Projekten findet ihr im folgenden ein paar Infos:

Bountilus: Der Calamari Kult - Teil 1 von 2 
Verlag: Kult Comics
Autor: Andreas "Medusa" Kuhn
Zeichner: Andi Papelitzky
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR
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Aktueller Release: Der Calamari Kult (13.12.2019
Live: Punchfest 2019 - apRon + Password Monkey, 
This is not an Elephant & Safran Jacket

 

[Rezension] Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse (Cross Cult)

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Das Comicfestival München liegt schon eine Weile hinter uns, doch der anwesende Stargast Eduardo Risso ist immer noch Teil des Comic-Diskurses 2019. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Zeichner hinter Titeln wie „100 Bullets“ oder „Batman: Kaputte Stadt“ sich erneut mit dem Autoren Brian Azzarello („Joker„, „Batman: Damned„) zusammengetan hat, um den Lesern einen angenehmen Schauer über den Rücken zu jagen.

Wenn man es genau nimmt, stimmt das jedoch aktuell einzig und allein für die deutschen Leser, die erst diesen Sommer in den Genuss kamen den ersten Band von „Moonshine“ mit dem Titel „Familiengeheimnisse“ in den Händen zu halten, nachdem US-amerikanische Fans vor drei Jahren(!) die Möglichkeit hatten in den Horror-Gangster-Mix einzutauchen. Dafür müssen hiesige Käufer auch nicht allzu lange auf die Fortsetzung „Zug ins Unglück“ zu warten, welche passend nur zwei Wochen nach Halloween ihren Weg in die Bücherregale finden wird.

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©Cross Cult

Doch worum geht es eigentlich in „Moonshine„? Wir befinden uns im Jahr 1920 in den USA und damit mitten in der sogenannten Prohibition. Die Regierung verbietet die Herstellung und den Verkauf von Alkohol und bietet damit zwielichtigen Gestalten die Möglichkeit sich illegal ein goldenes Näschen zu verdienen. Dazu gehört auch die New Yorker Unterwelt, die den Kleinganoven Lou Pirlo in die Appalachen schickt, um mit dem dort ansässigen Schwarzbrenner Hiram Holt einen Deal bezüglich einer neuen Handelsroute auszuhandeln.

Das gestaltet sich doch bei weitem schwieriger, als Lou es sich vorgestellt hat, denn Hiram will seine Brennerei geheim halten und schon bald wird klar, dass ihm dafür jedes Mittel recht ist. Zu allem Unglück wird auch ersichtlich, dass auch der Staat das Gebiet im Blick hat und der umliegende Wald ebenfalls Geheimnisse in sich trägt, die besser verborgen geblieben wären.

Einen Hinweis dazu bietet der Titel des Comics, der gleich zwei Themenbereiche der Geschichte abdeckt. Zum einen wissen Western-Fans, Red Dead Redemption-Spieler und Alkohol-Kenner, dass es die umgangssprachliche Bezeichnung für schwarzgebrannten Schnaps ist. Zum anderen können sich Horror-Enthusiasten denken, in welchem Kontext der Mond gerne eingeordnet wird.

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©Cross Cult

Dabei funktioniert diese Mixtur von Brian Azzarello, die meines Wissens noch nie im Medium Comic aufgegriffen wurde, überraschend gut und wirkt trotz ihrer offensichtlichen Besonderheit nicht aufgesetzt, sondern ab der ersten Seite spannend und atmosphärisch. Zwar bleibt die Entwicklung der Figuren und die Erklärung ihrer Handlungsweisen recht vorhersehbar, da sie oftmals einem Abziehbild aus dem Genre-verwandten Film Noir entsprechen, aber durch den Blick über den Tellerrand wird man nicht gelangweilt und möchte wissen, welche Überraschung auf der nächsten Seite lauert.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat der Argentinier Eduardo Risso, der es mit seinen vielen Schwarzflächen, dem dynamischen Panel-Aufbau und seinem charakteristischen Strich (der in Teilen an einen Frank Miller erinnert) schafft ein so bedrohliches Setting zu kreieren, dass selbst die erwähnten Stereotype des Noir-Genres in einem neuen Licht gesehen werden können.

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©Cross Cult

Durch die Zusammenarbeit dieser beiden Stars und Eisner Award-Preisträger ergibt sich ein Werk, dass durch bekannte Versatzstücke keine Probleme beim Einstieg bereitet und durch die Kombination mit neuen Elementen einen frischen Eindruck vermittelt, der fesselt und Lust auf  mehr macht.

Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.06.2019  
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Eduardo Risso 
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 144 
Preis: 22 EUR