Carnage – Blutrausch

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Vor nicht allzu langer Zeit habe ich über den 90er-Re-Release von „Maximum Carnage“ berichtet. Ein eher durchwachsenes Werk, welches zwar visuell überzeugen konnte, aber durch Dialoge, die zum Fremdschämen einluden, faktisch gegen die Wand gefahren wurde.

Der Popularität des titelgebenden Antagonisten tat es jedoch keinen Abbruch. Durch regelmäßige Auftritte in Haupt- und Nebenserien, erfreute uns der von einem Symbionten befallene Irre immer wieder aufs Neue mit seinen Eskapaden. Da „Carnage“ so gut wie alles mitbringt, was einen psychopathischen Gegenspieler ausmacht und auch optisch etwas her macht, verwundert es fast schon, wie lange es gedauert hat bis er seine eigene Reihe spendiert bekommen hat.

In dieser (in den USA immer noch laufenden Serie) bildet die Geschichte „Blutrausch“ den fulminanten Auftakt. Hier wird dem flüchtigen Irren durch das FBI, John Jameson (Der Sohn von J.J. Jameson) und Eddie Brock („Venom“) eine Falle gestellt, indem eine Überlebende seines ersten Massenmords als Köder genutzt wird. Dabei wird er in eine alte Mine gelockt, die mehr zu sein scheint, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Zeitgleich bildet sie den perfekten Ort um Schrecken zu verbreiten, welcher nicht nur vom mordlüsternen Killer ausgeht.

Diese Konstellation verdanken wir Leser übrigens keinem Unbekannten. Als Autoren konnte man den legendären Gerry Conway gewinnen, der sich als Erfinder von „The Punisher“ verdient gemacht und in den 70ern auch das Marvel-Aushängeschild „Spider-Man“ in Abenteur gestürzt hat. Außerdem war er verantwortlich für einen der ersten Annäherungsversuche zu DC Comics, der mit dem Crossover „Superman vs. the Amazing Spider-Man“ (1976) besiegelt wurde. Man merkt der Story jederzeit die Souveränität des Machers an, die er sich in den letzten Dekaden zu Eigen gemacht hat. Zeitgleich scheint zwar auch ein gewisser Zeitgeist durch, den man insbesondere gegen Ende der Geschichte als „cheesy“ bezeichnen könnte, aber alles in allem tut es der durchgehenden Unterhaltung keinen Abbruch. Es ist zwar keine Handlung, die auf Jahre hin Aufsehen erregen könnte, aber die Fans mit Leichtigkeit zufrieden stellen kann.

Das liegt nicht zuletzt an der grandiosen visuellen Umsetzung durch den Tausendsassa Mike Perkins. Fans kennen ihn als Künstler hinter der Stephen King-Adaption „The Stand“, der ersten homosexuellen Hochzeit der „X-Men“ (bzw. im generellen Mainstream-Comic-Universum), sowie einigen „Captain America“-Titeln. Im vorliegenden Fall bleibt er zwar dem Superhelden-Genre treu, geht aber einen eher „malerischen“ Weg, der den Figuren (vor allem „Carnage“ selbst) eine ganz eigene Aura verleiht. Hier merkt man wie viel Spaß es gemacht haben muss, all die schlingenden Teile des Symbionten in den Panels zu verteilen und dabei eine ganz eigene Dynamik frei zu setzen. Im Endeffekt ganz die Klasse, die man von dem Mann erwartet, der jedoch eine neue Nuance beigemischt wird.

Als Fazit lässt sich ziehen, das es sich bei „Carnage – Blutrausch“ um extrem unterhaltsame und optisch ansprechende Comic-Kost handelt, die zwar das Rad nicht neu erfindet, aber auch nicht den Anspruch hat mehr zu sein als „Entertainment“.

Deswegen kann ich guten Gewissens jedem ans Herz legen mal reinzublättern und sich selbst ein Bild von der Ausgabe zu machen. Ich kann sie nur empfehlen!

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