[Rezension] The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite (Cross Cult)

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Und wieder ist eine Comic-Veröffentlichung auf meinem Tisch gelandet, die viele Leser als Indie-Klassiker betiteln, auf meinem Radar jedoch erst beim Re-Release aufgetaucht ist. Diesmal handelt es sich um den Band „The Umbrella Academy: Weltuntergangs-Suite„, der im Windschatten der Serien-Adaption von Netflix, nun eine Neuauflage bei Cross Cult erfährt.

Zu meiner Verteidigung sei zu sagen, dass ich vor ungefähr 10 Jahren, als die Serie das erste mal auf den Markt kam, zwar regelmäßig Comics gelesen, jedoch in meinem Horizont durchaus eingeschränkt war. So wie den meisten Leuten im Mainstream, war mir das DC- und Marvel-Portfolio, die frankobelgischen Perlen, die Disney-Produktionen und die ein oder andere Vorlage für Kinofilme wie „Sin City“ oder „V wie Vendetta“ bekannt. Mehr gab es aber für mich nicht und daher rutschten dann etwas speziellere Indie-Projekte in meiner Wahrnehmung schnell durch. In dem Kontext des hier zu besprechenden Bands kann man zusätzlich anführen, dass ich eine ziemliche Aversion gegenüber Emo-Musik und damit zwangsläufig ihren prominentesten Vertretern „My Chemical Romance“ hatte. Daher fiel mir konsequenterweise auch nicht auf, dass Gerard Way, der Sänger der Band, als ausgewiesener Comic-Enthusiast sich als Autor der Reihe betätigte und offensichtlich damit dem Titel einen zusätzlichen Popularitätsschub verpasste.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Zum einen sollte zunächst festgestellt werden, dass die Welt in der wir uns befinden eine Art Hybrid zwischen alternativer Realität und abgedrehter Trash-Fantasie ist und als diese schon auf den ersten Seiten vorgestellt wird. So gibt es gleich zu Beginn einen Kampf zwischen einem Wrestler und einem Tentakel-Mosnter, der Eiffeltum von einer Zombie-Version seines Architekten gesteuert und eine Horde maskierter Kinder wird gegen ihn in die Schlacht geschickt. Klingt verwirrend? Ist es auch, unterhält aber schon ab dem ersten Panel.

Woher die erwähnten Kinder stammen wird zumindest recht schnell geklärt. So gebaren aus unerfindlichen Gründen weltweit zur gleichen Zeit 43 Frauen die jeweils gleiche Anzahl an Kindern, die die Aufmerksamkeit des exzentrischen Abenteuerers und Unternehmers Sir Reginald Hargreeves auf sich zogen. Aus dieser Gruppe adoptierte er die in seinen Augen vielversprechendsten sieben Individuen, die er ab dem Zeitpunkt nicht nur aufzieht, sondern für seine geheimnisvollen Zwecke einsetzen will.

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©Cross Cult

Das passiert, indem er sie de facto zu Superhelden ausbildet, die dazu passende Namen wie Space Boy oder Séance tragen. Gemeinsam bilden sie somit die titelgebende Umbrella Academy, die Heimat und Trainingsort in einem ist, jedoch keine Familie ersetzen kann, die den Mitglieder quasi verwehrt wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zwangsgemeinschaft im Laufe der Zeit auseinanderbricht und erst wieder zueinander findet, als sie die Nachricht über den Tod ihres Ziehvaters erreicht. Ab diesem Zeitpunkt geht die eigentliche Geschichte über Vernachlässigung, Verrat und Liebe erst richtig los, über die ich jedoch nichts weiter erzählen möchte, da sonst die Spannung, die zwischen den bizarren Figuren, Orten und Handlungssträngen stetig nach oben geschraubt wird einen Dämpfer bekommen würde. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich überall Details einschleichen, die erst im Laufe der Handlung an größerer Bedeutung gewinnen und damit zu einer erzählerischen Dichte beitragen, die man nur in ausführlicher der Breite erklären kann.

Zu diesem detailversessenen Spektakel passt auch der cartooneske Zeichenstil von Gabriel Bá. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, dass mir der teils grob übertriebene Strich des Brasilianers zunächst nicht wirklich zugesagt hat, mir doch von Seite zu Seite mehr ans Herz wuchs, da dieser wunderbar dann doch wie die Faust aufs Auge der Geschichte von Gerard Way passt.

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©Cross Cult

Alles in allem ist „The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite“ eine wikrlich unterhaltsame Indie-Perle, die schon um ihren ursprünglichen Erscheinungszeitraum verdient mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award prämiert wurde. Zwar denke ich, dass man als ungeübter Comic-Leser oder zumindest als jemand, der primär in der Mainstream-Sphäre unterwegs ist, zunächst einen Einstieg finden muss, doch sobald dieser gelungen ist, geht man mit den liebevoll ausgefeilten Figuren voll auf und kann sich auf die beiden Fortsetzungs-Bände „Dallas“ (der auch bald besprochen wird) und „Hotel Oblivion“ freuen.

The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.02.2019  
Autor: Gerard Way 
Zeichner: Gabriel Bá 
Kolorist: Dave Stewart 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 192 
Preis: 22 EUR

[Rezension] Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste (Cross Cult)

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Manchmal passiert es, dass mir eine großartige Neuveröffentlichung einfach durch die Finger rutscht. Dann liege ich manchmal abends im Bett und frage mich, wie ich so dämlich sein konnte einen großartigen Release nicht erkannt zu haben, als dieser frisch am Horizont erschien. Fast wäre es mir mit dem bei Cross Cult erschienenen Band „Deadly Class 1: Die Akademie der tödlichen Künste“ so gegangen. Viele Baustellen und nur 24 Stunden pro Tag um diese abzuklappern, haben fast dazu geführt, dass ich einen der besten Serienstarts der letzten Jahre übersehen hätte. Dabei läuft sogar aktuell eine TV-Serie zum Titel auf SYFY. Zum Glück bin ich jedoch rechtzeitig in meinen „Rezensions-Modus“ geswitcht und kann euch nun erzählen, was es mit diesem Titel von Lee Loughridge, Rick Remender und Wes Craig auf sich hat.

Zunächst muss erwähnt werden, dass die Bezeichnung „neu“ in dem vorliegenden Kontext relativ ist. Tatsächlich hat Panini Comics schon 2015 versucht die ersten zwei Sammelbände der Reihe unter die deutschen Leser zu bringen. Das führte jedoch nur zu einem überschaubaren Erfolg und in der Folge zu einem schnellen Ende von „Deadly Class„. Wie man an meinem Eingangstext vermutlich unschwer erkennt, gehörte ich zu eben jenen, die den Titel nicht mal auf dem Schirm hatten. Meine persönliche Theorie ist hierbei, dass sich eine solche Geschichte schwer tut, wenn sie eingekesselt durch Superhelden-Lizenzen präsentiert wird und dadurch nicht die richtige Zielgruppe erreicht. Bei Cross Cult scheint das Ganze jedoch wie die Faust aufs Auge zu passen, während die parallele Fernsehausstrahlung hoffentlich den nötigen Rückenwind gibt, um uns mit einer Fortführung der Reihe zu beglücken.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Wir steigen in die USA des Jahres 1987 und damit in die sogenannte Reagan-Ära ein, in der ein ausgeprägter neoliberaler Zeitgeist herrscht, in dessen Folge der Sozialstaat extrem abgebaut wird. Diese Maßnahmen treffen dabei, wie so oft, die schwächsten Glieder der Gesellschaft und selbst diejenigen, die augenscheinlich nicht direkt von den politischen Entscheidungen des Republikaner-Lieblings Reagan betroffen sein sollten. Dazu gehört auch der Teenager Marcus Lopez, dessen Eltern durch einen furchtbaren Unfall ums Leben kamen und er in der Folge in ein Kinderheim abgeschoben wurde, dass in diesem Fall alles andere als ein sicherer Zufluchtsort für traumatisierte Kinder ist. Schlussendlich flüchtet er und landet mittellos auf der Straße. Diesen negativen Lebensweg schreibt Marcus nun in direkter Schlussfolgerung der Politik des amtierenden US-Präsidenten zu, was zu einem unstillbaren Durst nach Rache schwillt, die gestillt werden möchte.

Während dieser Zeit schlägt er sich auf den Straßen von San Francisco gerade so durch, doch seine Aktivitäten bleiben nicht nur dem Staat, sondern auch einigen im Untergrund lebenden Gestalten nicht verborgen, die den jungen Mann offensichtlich auch wegen seiner, für den Leser noch im dunkeln liegender, Vergangenheit interessant finden. Schon bald geben sie sich ihm als Mitglieder der sogenannten Kings Dominion Akademie zu erkennen, die als High School für angehende Auftragsmörder fungiert und damit auch den Titel der Reihe erklärt. An dieser Schule werden primär die Kinder hochrangiger Verbrecher, Kartell-Bosse und autokratischer Herrscher untergebracht, um nach ihrem Abschluss die Kunst des Tötens perfekt zu beherrschen und es auch auf ihrem Zeignis vermerkt zu sehen. Und genau hier kommt der Knackpunkt, der die Story so außergewöhnlich und interessant macht, da der Autor Rick Remender es schafft eine brutale Handlung mit einer greifbaren Coming-of-Age-Geschichte zu verbinden, die vor popkulturellen Referenzen nur so strotzt, ohne anbiedernd zu sein und dabei ständig das Gefühl vermittelt, dass die Macher um den Umstand einer der uncoolen Kids zu sein aus eigener Erfahrung wissen und diese gekonnt in Panels gießen. Insbesondere die Schulerfahrung von Remender, laut eigener Aussage im Einleitungstext eine brutale Zeit, spiegelt sich als Inspiration in der vorliegenden Geschichte wieder.

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©Cross Cult

Das erklärt auch die realitätsnahe Konstruktion der einzelnen Protagonisten, die sich natürlich auch an Klischees orientieren (Latino-Gang, Aryan Brotherhood-Rednecks usw.), im Kern jedoch eine Tiefe ausstrahlen, die nur realen Anleihen entnommen worden sein kann. Dieses Bild festigen darüber hinaus genial platzierte Mono- und Dialoge, die mitfühlen lassen und den geneigten Leser dazu bringen bis zur letzten Seite mitzufiebern.

Die Visualisierung von Wes Craig orientiert sich dabei in Kombination mit der gewollt blassen Kolorierung von Lee Loughridge an der Zeit, in der die Geschichte stattfindet: die düsteren 80er Jahre, die zumindest im Bereich der Comics durch Veröffentlichungen wie „The Dark Knight Returns“ oder „Watchmen“ einen Stempel aufgedrückt bekamen, den nun die Macher von „Deadly Class“ dankend aufnehmen und mit einem modern angehauchten, fast schon an Skizzen erinnernden Stil aktualisiert und mit teils ungwöhnlichen Panel-Platzierungen auf die Leserschaft loslassen.

Diese sollte verpflichtend hierzulande wachsen, damit Cross Cult die deutschen Fans auch in Zukunft mit großartigen Geschichte von „Deadly Class“ versorgen kann. Merkt euch daher schon den Mai vor, in dem die zweite Veröffentlichung „Kinder ohne Heimat“ erscheint. Bis dahin könnt ihr euch die Wartezeit mit dem Erstling „Die Akadamie der tödlichen Künste“ überbrücken, den ich euch wärmstens ans Herz lege.

Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste 
Verlag: Cross Cult
Erschienen am: 27.02.2019  
Autor: Rick Remender 
Zeichner: Wes Craig
Kolorist: Lee Loughridge
Format: Softcover
Seitenzahl: 176 
Preis: 16,80 EUR

[Rezension] Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1) (Panini Comics)

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Als ich vor einiger Zeit die Panini Vorschau aufgeschlagen habe, fiel mir recht schnell ein ungewöhnliches Cover ins Auge, dass im ersten Moment garnicht zum üblichen Portfolio des Verlags passen wollte. Ein Wikinger mit einer Axt im Nacken, stilisiert vor einem weißen Hintergrund. Üblicherweise findet man so eine Bildsprache bei Mitbewerbern mit einem Augenmerk auf Abenteuer und Fantasy. Daher wurde mein Interesse geweckt und erst mit der Ankunft des Bandes bei mir daheim befriedigt.

Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz von Brian Wood (Northlanders) und Garry Brown ist als überformatige Hardcover-Ausgabe im Handel erhältlich und ist der erste Part eines in sich abgeschlossenen Zweiteilers, der ziemlich genau das abliefert, was man sich verspricht. Grimmige Nordmänner, raue Landschaften und viel Gewalt zu Zeiten der Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Magnus der Schwarze. Ein Wikinger wie er im Buche steht: groß gewachsen, mürrisch und als Söldner keinem Kampf abgeneigt. Die alten Tage, in denen das Leben hart und einfach war, scheinen sich aber langsam auf das Ende hin zu bewegen, da Römer mit ihren Mönchen den christlichen Glauben verbreiten und damit die hiesige Bevölkerung in innere und äußere Konflkte stürzen.

Genau diesen Strömungen versucht Magnus jedoch bewusst aus dem Weg zu gehen, bis er eines Tages den Auftrag erhält einen Geistlichen aus Rom über die Schwarze Straße zu einem weit entfernten Ziel im Norden zu eskortieren. Der dem Band den Namen gebende Weg gestaltet sich im Übrigen genauso, wie er sich anhört: bedrohlich und voller unvorhersehbarer Gefahren.

Das Land hat sich verändert in den letzten Jahren, denn mit dem Einzug der Christen in die Welt der Heiden holte die kampferprobten Nordmänner und -frauen nicht der Fortschritt der römischen Kultur ein, sondern auch ein Glaubenskonflikt, der Blut, Leid und Schmerz hervorbringen sollte. Hierbei spielt der angesproche Konflikt zwischen Heiden und Christen eine entscheidende Rolle, denn willkommen sind die Betbrüder aus fernen Landen defintiv nicht. Daher ist Magnus als Beschützer gerade willkommen, wenn Horden an Wikingern seinem Kunden an den Kragen wollen.

Dabei klingt die Geschichte auf einer rein deskriptiven Ebene vielleicht ein wenig nach klassicher Abenteuer-Kost, schlägt aber schon nach kurzer Zeit eine überraschende Richtung ein, die sich wohl am besten als Krimi bezeichnen lässt. Das besondere hierbei ist verständlicherweise das Setting, dass allein schon durch ungewöhnliche Orte und Charaktere auffällt und dadurch frischen Wind in das Genre bringt. So hat man selten bis nie das Gefühl erahnen zu können, was als nächstes passiert, während gut platzierte Twists die Spannung aufrecht erhalten.

Doch auch auf visueller Ebene wird einiges aufgefahren. Passend zum Setting des Geschehens sind die Zeichnungen von Garry Brown schön rau, während die zurückgefahrene Farbpalette die Panels in eine kühle Atmosphäre taucht, die dem Storytelling durchgehend dienlich ist und die Stimmung beim lesen in die passende Richtung rückt.

Alles in allem liegt mit diesem Band ein spannender Auftakt vor, dessen Abschluss ich schon jetzt entgegenfiebere. Wenn man bedenkt, dass die Aufmachung der Geschichte eher weniger meinem Schema entspricht, wurde ich freudig überrascht und kann daher jedem empfehlen es mir gleich zu tun und sich auf Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz einzulassen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Black Road - Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 

Autor: Brian Wood
Zeichner: Garry Brown
 
Erschienen am: 22.01.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR

 

[Rezension] Captain Marvel: Die ganze Geschichte (Panini Comics)

Wenn es aktuell eine Superheldenverfilmung gibt, die in aller Munde ist, dann ist es Captain Marvel. Ein Streifen, der nicht nur Rekorde bricht (erfolgreichster Start eines Films mit einer weiblichen Hauptfigur), sondern für ein Umdenken sorgt, wenn es um die Darstellung von Frauen im Comic-Universum geht. Entgegen der Behauptung toxischer Gruppierungen wie Comicgate wurde weder im letzten großen Marvel-Blockbuster Black Panther, noch im aktuellsten Streich aus dem „Haus der Ideen“ eine Story zurechtgebogen, um angeblich der sogenannten Political Correctness genüge zu tun. Es wurden schlicht und ergreifend unterhalsame Veröffentlichungen auf die Fans losgelassen, die mit ihrer Diversität eher der Realität der vieler Fans entsprechen. Ein Umstand, den auch Leute die sich an überholten Mustern festkrallen nicht ändern können.

Um der zu erwartenden Nachfrage gerecht zu werden, haben Marvel bzw. Panini Comics selbstverständlich reagiert und eine Auswahl an passenden Titeln veröffentlicht. Darunter befindet sich auch das einsteigerfreundliche Captain Marvel: Die ganze Geschichte, welches auf eine ausgewogene Mischung aus Action und Drama setzt und dadurch die Tiefe generiert, die nötig ist, um Leser längerfristig zu binden.

©Panini Comics

Im Detail steigt man zunächst unter der Voraussetzung ein, dass man zumindest weiß wer Captain Marvel ist. Sie ist eine übermächtige Superheldin, die mit sogenannten Kree-Kräften (eine Alien-Rasse) ausgestattet, regelmäßig im Universum unterwegs ist, um Gutes zu tun. Das tut sie auch am Anfang der Geschichte in Zusammenarbeit mit den Avengers, bis sie mitten im Kampf Erinnerungen an ihre von häuslicher Gewalt geprägten Jugend einholen, die sich in zügelloser Wut gegen ihre Gegner manifestieren. Vollkommen entfesselt, muss sie daher von Iron Man aka Tony Stark zur Räson gebracht werden, der ihr empfiehlt auf Heimaturlaub zu gehen, um wieder zu sich selbst zu kommen.

Deswegen kehrt Carol Danvers, so der bürgerliche Name der Heldin, in ihre alte Heimat in Form eines kleinen Küstenstädtchens zurück, in dem noch alte Bekannte und der Rest ihrer Familie in Form ihrer Mutter und ihres Bruders wohnen. Dort entdeckt sie jedoch nicht nur etwas nötige Ruhe, sondern auch einige dunkle Geheimnisse ihrer Familie, sowie Spuren zum Ursprung ihrer Superkräfte, der nicht ganz der bis dato bekannten Kontinuität entspricht. Hinzu kommt die Bewältigung ihrer Kindheitserinnnerungen, die zwischen idyllisch und brutal schwankt. In diesem Sinne eine eher ungewöhnliche Basis, die zwar mit der Konfrontation mit einer auf tödlicher Mission befindlichen Kriegerin der Kree gewohnte Zutaten bereit hält, aber nicht dem Fehler aufsitzt Action mit einer hanebüchenen Handlung zu rechtfertigen. Den Kern macht immer noch Carols familiäre Tragödie aus, deren überraschende Wendungen das sind, was den Leser antreibt die spannende Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Ich für meinen Teil bin mit Captain Marvel: Die ganze Geschichte tatsächlich das erste Mal über die Figur gestolpert und kann sagen, dass ich Augen und Ohren nun etwas weiter aufsperren werde, um solche Perlen wie diesen  Sammelband (im Original: The Life of Captain Marvel #1-#5) nicht zu verpassen.

©Panini Comics

Wenn man sich die Macher hinter dem Projekt anschaut, verwundert es jedoch nicht, eine qualitativ so hervorstechende Geschichte vor sich liegen zu haben. Niemand Geringeres als die Autorin Margaret Stohl, bekannt für die Fantasy-Reihe Sixteen Moons, sowie Videospiele wie Command & Conquer oder Destiny hat Carols Werdegang so sensibel wie intensiv zu Papier gebracht. Visualisiert wurde das Ganze ebenfalls von keinem Leichtgewicht. Carlos Pacheco, als Zeichner für Avengers: Age of Ultron bekannt, schafft es mit seinem dynamischen Stil sowohl intime Momente, als auch Panel sprengende Action-Sequenzen gleichermaßen meisterhaft in Szene zu setzen. Hinzu kommen Rückblenden, die in einem schönen Kontrast durch Marguerite Sauvage visualisiert wurden. Alles in allem also eine Kombination, die fast schon symbiotisch ineinander greift und damit Lesespaß von der ersten bis zur letzten Seite garantiert.

Was man ebenfalls nach dem Ende der Story versteht, ist die Bewerbung von Captain Marvel als feministische Ikone des Verlags. Hier wird entgegen der fehlgeleiteten Vorstellung mancher Gegner des Begriffs, eine weibliche Superheldin präsentiert, die einen ambivalenten Charakter aufweist, der nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden kann, Tiefe besitzt und eine unangenehme Übersexualisierung vermeidet. In diesem Sinne eine Figur mit Vorbildcharakter für Leserinnen, sowie eine schlicht und ergreifend spannende Heldin, die durch ihre Abenteuer alle Geschlechter gleichermaßen ansprechen sollte.

©Panini Comics

In diesem Sinne ist Captain Marvel: Die ganze Geschichte nicht nur eine reguläre Empfehlung, sondern ein Tipp sich mit einem Charakter auseinanderzusetzen, den der Mainstream nicht auf dem Schirm hatte, nun aber den längst überfälligen Push bekommt.

Captain Marvel: Die ganze Geschichte 

Verlag: Panini Comics 

Autorin: Margaret Stohl 

Zeichner: Carlos Pacheco, Marguerite Sauvage

Erschienen am: 19.02.2018 

Format: Softcover 

Seitenzahl: 148

Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Superman – Der Mann aus Stahl (Panini Comics)

Diejenigen, die meinen Blog schon etwas länger verfolgen wissen, dass ich ein eher ambivalentes Verhältnis zu Superman pflege. Zwar bin ich nicht generell seinen Abenteuern abgeneigt, muss aber schon mal länger an einer Story kauen, wenn mehr die Sci-Fi-Elemente, als menschliche Dramen im Vordergrund stehen. Daher bin ich mit ein wenig Skepsis an den Sonderband „Superman – Der Mann aus Stahl“ herangetreten, wurde aber im Laufe der Lektüre vollends überzeugt. Aber eins nach dem anderen.

Zunächst einmal sei die prominente Personalie auf dem Autoren-Stuhl zu erwähnen, die vor gut einem Jahr die Comic-Branche in helle Aufregung versetzt hat. Brian Miachael Bendis war für fast zwei Dekaden eines der Aushängeschilder von Marvel, bis niemand geringeres als die Konkurrenz um DC den Star-Schreiber für sich gewinnen konnte. Natürlich war man entsprechend gespannt, welche Figur man ihm an die Hand geben würde und wurde nicht enttäuscht: Bendis sollte nicht nur für eine Reihe, sondern gleich für beide Serien in Form von „Action Comics“ und „Superman“ in die Tasten hauen. Einen kleinen Vorgeschmack konnte man schon kurz zuvor durch eine Kurzgeschichte in „Action Comics #1000“ bekommen. Und nicht nur das! Um einen glatten Übergang von einer in die nächste Ära zu gewährleisten, setzte sich Bendis zusätzlich an eine Mini-Serie, deren sechs Hefte in dem nun hier zu besprechenden Band wiederzufinden sind und eine Art Vorgeschichte darstellen, um den neuen Status Quo in Gänze nachvollziehen zu können.

Der Titel der Geschichte kommt dabei nicht von ungefähr und soll auf einen weiteren Umschwung in der DC-Historie hinweisen, der mit einem gleichlautenden Namen für Furore sorgte. 1986 erschien nämlich mit „The Man of Steel“ von John Byrnes und Dick Giordiano der Einstieg in die Welt nach dem Mega-Event „Crisis on Infinite Earths“ und Bendis scheint sich sicher genug zu sein, diesen Maßstab für sich übertragen zu können und behält damit sogar recht.

Wir steigen in ein klassisches Setting ein, dass auch nicht regulären Lesern bekannt vorkommen sollte. Clark Kent aka Superman arbeitet wie immer beim Daily Planet und die üblichen verdächtigen laufen durchs Bild. Doch etwas scheint sich geändert zu haben. Während im Vor-Bendis-Run auch Lois Lane und der gemeinsame Sohn Johnathan einen zentralen Kern der Geschichten verkörperten, scheinen beide nicht mehr da zu sein. Warum das der Fall ist, lässt der Autor den Leser erst langsam begreifen, ohne zu viel vorweg zu nehmen und die Spannung damit zu dämpfen. Zeitgleich muss Superman sich wie üblich um die Verbrechensbekämpfung in Metropolis kümmern, die sich diesmal in einer Reihe von Brandstiftungen manifestiert, deren Ursprung und Motiv der Mann aus Stahl noch nicht greifen kann. Hinzu kommt ein übermächtiger Gegner, der wie aus dem nichts auftaucht und irgendwie mit dem Schicksal Kryptons und damit Supermans Vergangenheit in Verbindung zu stehen scheint.

Auf den ersten Blick hört sich das Ganze nach einer ziemlich typisch zusammengeschusterten Geschichte aus der Welt des Stählernen an, doch bei dieser Annahme täuscht man sich gewaltig. Bendis hat sich nicht ohne Grund einen Legenden-Status erarbeitet, den er hier mit Bravour verteidigt. All die genannten Elemente wirken zwar vertraut, aber doch so frisch, dass man sich mit Vergnügen in die Handlung stürzt und wirklich wissen möchte, wie die beschriebenen Ereignisse und Figuren miteinander in Zusammenhang stehen. Dabei findet er eine tolle Balance zwischen dem üblichen Gekloppe und emotionalen Momenten, die flüssig ineinander übergehen und damit die Stärken der Figur und ihrer Historie hervortreten lassen. Hinzu kommt das Kunststück den Status Quo so hinzubiegen, dass er in die Ideenwelt des Autoren passt, zeitgleich aber keinen Bruch zum Rebirth-Kontinuum darstellt. Ein Freiraum, der wohl nur einem Giganten wie Bendis ohne zu murren zugestanden wird.

Dem Standing des Autoren entsprechend wurde auch bei der Auswahl, der ihm zur Seite gestellten Künstler nicht gekleckert. Das wäre sowohl auf die Qualität der einzelnen Zeichner und Inker, als auch ihre schiere Menge gemünzt. Wir reden hier, der Vollständigkeit halber von den hier komplett aufgezählten Kreativen: Jason Fabok, José Luis García-López, Adam Hughes, Kevin Maguire, Joe Prado, Ivan Reis, Steve Rude, Evan „Doc“ Shaner, Ryan Look, Dexter Vines und Wade Grawbadger. Das sollte einen ungefähren Eindruck davon vermitteln, als wie wichtig der Neuzugang bei DC erachtet wird. Davon profitiert nicht nur der Verlag, sondern schlussendlich auch die Masse an Fans.

Ich für meinen Teil wurde vollends überzeugt. Meine anfängliche Skepsis wurde zur Seite gewischt und wich der Vorfreude auf die regulären Serien, denn die in „Superman – Der Mann aus Stahl“ aufgeworfenen Fragen müssen teils noch beantwortet werden. Bis dahin kann ich jedem bestehenden Fan der Figur, aber auch allen Zweiflern diesen Sonderband ans Herz legen. Ihr werdet es nicht bereuen.

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Verlag: Panini Comics 
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Ivan Reis, Jason Fabok, Evan Shaner, Steve Rude, 
Ryan Sook, Kevin Maguire, Adam Hughes, Jim Lee, 
José Luis Garcia-López
Erschienen am: 05.02.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 188 
Preis: 18,99 EUR

 

[Rezension] Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung (Splitter)

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Endlich ist es soweit und nach gut 1 1/2 Monaten, die sich wie eine Ewigkeit angefühlt haben, bin ich wieder da und kann euch mit Rezensionen versorgen. Für all jene, die sich gewundert haben sollten, wieso sich diese recht große Lücke zwischen den Beiträgen aufgetan hat, dem sei gesagt, dass ein Staatsexamen leider doch etwas mehr Vorbereitungszeit verschlingt, als da wäre, um nebenbei Comics zu besprechen. Nun ist der Alptraum jedoch vorbei und der Wiedereinstieg in mein liebstes Hobby wird sogleich mit einem richtigen Leckerbissen versüßt, der schon seit gut einem Monat hier liegt und besprochen werden will: „Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ aus dem Splitter Verlag.

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Fleißige Leser meines Blogs wissen längst, dass ich ein großer Fan des immer größer werdenden Universums aus Jeff Lemires Feder bin und auch den Spin-Offs ständig entgegen fiebere, zu denen auch der hier zu besprechende Band gehört. Erstaunlicherweise handelt es sich nach „Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels“ schon um die zweite Auskopplung und damit einen Gleichstand zu der regulären Reihe mit „Vergessene Helden“ und „Das Ereignis„. Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen mit verzweigtem Release-Muster, ist jedoch das „Black Hammer„-Universum so sehr ineinander verzahnt, dass man bei der Lektüre der zusätzlichen Geschichten das Gefühl hat, nicht in die Breite, sondern in die Tiefe der Handlung einzusteigen.

Das ist auch diesmal in der rührenden Story um den Helden „Doctor Star“ gelungen, der zunächst als Dr. Jim Robinson in den 1940er Jahren wortwörtlich daran arbeitet nach den Sternen zu greifen. Währenddessen sitzt seine Frau Joan daheim mit dem gemeinsamen Kind Charlie und hofft auf emotionale und greifbare Unterstützung, die der vollkommen auf seine Arbeit fokussierte Jim zu keinem Zeitpunkt bieten kann und damit fast wie in Zeitlupe sein Familienleben gegen die Wand fährt.

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Auf der anderen Seite feiert er immer größere Erfolge seiner Forschung, die schon nach kurzer Zeit Regierungsmitarbeiter auf den Plan rufen, die nicht ganz uneigennützig ihre Hilfe anbieten: Sie wollen im Gegenzug für finanzielle Spritzen, seine Erkenntnisse für den Bau einer Waffe nutzen und stürzen Jim damit, nachdem er zustimmt, in einen Arbeitswahn, der ihm schlussendlich die Macht beschert, eine sogenannte „dimensionale Membran“ zu durchbrechen. Dieser Vorstoß gibt ihm nun die Macht, die von ihm so heiß geliebte Energie der Sterne einzufangen. Durch diesen Schritt gelingt es ihm unvorstellbare Kräfte über Raum und Zeit zu gewinnen und dadurch zu einer personifizierten Verneigung vor Alan Moores Dr. Manhatten („Watchmen„) zu werden, dessen Geburt offensichtlich durch einzelne Panels zitiert wird. Genauso wie das erwähnte Original, schließt sich nun Dr. Star den zu dem Zeitpunkt aktiven Superhelden an, um sowohl auf der Erde, als auch in anderen Galaxien für Recht und Ordnung zu sorgen. Dabei vergisst er aber nicht nur seine Pflichten als Vater und Ehemann, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch die Zeit, die wie ein Bumerang mit ihrer Erkenntnis der Unumkehrbarkeit auf den Helden zurückzufliegen scheint. Wie sich diese äußert, muss der geneigte Leser dann aber selbst für sich herausfinden, denn wie all die anderen „Black Hammer„-Releases, lebt auch der vorliegende Band von Überraschungen, ungewöhnlichen Charakteren und mit menschlichen Tragödien verbundene Verneigungen vor den großen Titeln der Comic-Historie.

Diese dadurch entstehende emotionale Achterbahnfahrt aus Familiendrama und Action, die nur wenige Autoren wie Lemire beherrschen, wird dabei mit visueller Wucht durch Max Fiumara (u.a. „Abe Sapien„) in Szene gesetzt, der es schafft sowohl fulminante Action-Sequenzen, als auch stille Momente der intimen Trauer einzufangen und damit den Charakteren, die er porträtiert auf jeder Ebene gerecht zu werden. Einen nicht geringen Anteil daran hat auch der Kolorist Dave Stewart, der durch seine vorangegangene Arbeit an der Hauptreihe schon den Fans ein Begriff sein sollte und seinen Ruf mit „Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ nun weiter zu festigen weiß.

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Dabei ist es eigentlich erstaunlich, dass die einzelnen Elemente der Geschichte für sich genommen das Rad nicht neu erfinden und trotzdem in ihrer Gesamtheit überzeugen. Durch die Kombination der an sich so unterschiedlichen Genres gelingt es dem Kreativ-Team um Lemire eine Handlung zu spinnen, die von der ersten bis zur letzten Seite unter die Haut geht und noch lange in Verstand und Herz nachhallt. Ich kann bloß immer wieder in diesem Zusammenhang betonen, dass „Black Hammer“ eine der qualitativ besten Comic-Reihen der letzten Jahre darstellt. In diesem Sinne kann ich garnicht anders, als mich jetzt schon auf die angekündigten zwei Bände der Haupt-Storyline mit den Titeln „Age of DoomTeil 1 und 2, sowie das dritte Spin-Off „The Quantum Age“ (der deutsche Titel steht noch nicht final fest) zu freuen wie auf ein zweites Weihnachten. Bis dahin kann ich jedem von euch empfehlen „Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ beim Händler eures Vertrauens zu ordern. Ihr werdet es nicht bereuen!

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Verlag: Splitter Verlag 
Erschienen am: 01.01.2019
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Max Fiumara
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 128
Preis: 19,80 EUR

[Rezension] Hit-Girl in Kolumbien (Panini Comics)

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Leser von ZOMBIAC wissen schon seit geraumer Zeit, dass ich ein großer Fan von Mark Millar und seinem anarchischen Output bin. Allem voran ist den meisten wohl das „Kick-Ass„-Universum bekannt, dass vor einiger Zeit inhaltlich einen neuen Anstrich bekommen hat, während das Kreativ-Team aus Millar und John Romita Jr. beibehalten wurde. Auch ein eigenes „Hit-Girl„-Spin-Off im gleichen Stil ist vor einigen Jahren erschienen, doch auch hier wurde die Story nicht weitergegeben. Nun ist es aber endlich soweit und Mindy, so der bürgerliche Name des „Hit-Girls„, ist zurück und wird diesmal visuell Ricardo Lopez Ortiz in Szene gesetzt und von Millar inhaltlich nach Kolumbien geschickt.

Hier schließt sich die neue Story direkt an die vorangegangene Handlung des Originals an. Von ihrem Vater zur brutalen Rächerin und regelrechten Kampfmaschine erzogen, sucht Mindy nach einem neuen Sidekick, nachdem „Kick-Ass“ das Superheldendasein hinter sich gelassen hat. Diesen hat sie, zumindest laut eigener Ansicht, in „Mano“ gefunden. Der junge Mann ist als bester Killer eines kolumbianischen Kartells bekannt, dessen Fähigkeiten Mindy zu imponieren scheinen. Daher wählt sie ihn aus und zwingt ihn mit ein wenig „explosivem“ Nachdruck, mit ihr gemeinsam seine ehemaligen „Kollegen“ zu eliminieren…

Wie man sieht, bleibt die Serie ihrer verrückten Basis treu, doch durch den neuen Zeichner Ricardo Lopez Ortiz bekommt das Ganze einen erfrischenden Spin.  Die fast schon an abgedrehte Anime-Filme erinnernden Splatter-Szenen und die übertriebene Mimik der Figuren entfesseln eine Dynamik, die man in der Form bei „Kick-Ass“ noch nicht gesehen hat. Selbst in Bezug auf Gewalt scheint man hier eine Schippe drauf gelegt zu haben. Das Blut und die Gedärme spritzen, als wollte man sich selbst beweisen, dass man 2018 noch schockieren kann.

Und trotz des neuen visuellen Ansatzes in diesem Sammelband, kommt auf jeder Seite das von den Fans geliebte, völlig absurde Feeling auf, dass der Reihe seit jeher eigen ist. Dabei ist „Hit-Girl in Kolumbien“ nur der erste Auftakt zu vielen weiteren weltweiten Ausflügen, bei denen die Figur in die Hände komplett neuer Kreativ-Teams übergeben wird. Als nächstes verschlägt es Mindy zum Beispiel nach Kanada und wie der Zufall es so will, nimmt der kanadische Superstar Jeff Lemire auf dem Autorenstuhl Platz und der nicht minder legendäre Eduardo Risso (im Übrigen Gast des kommenden Comicfestivals München) schwingt den Zeichenstift, um unsere Heldin(?) auf ihren nächsten Kreuzzug gegen böse Jungs zu schicken.

Bis dahin kann ich jedoch jedem empfehlen sich auf ihre nächsten Abenteuer mit dem aktuellsten Streich von Mark Millar einzustimmen.

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Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.12.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR

[Rezension] Green Lantern – Erde Eins (Bd. 1) (Panini Comics)

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Die „Erde Eins„-Bände von Panini Comics bzw. DC sind schon seit längerer Zeit ein Garant für herausragende Geschichten, bei denen sich Künstler und Autoren austoben können, ohne auf die Kontinuität der nebenher erscheinenden Heft-Serien zu achten. Der Grund dafür liegt im Konzept des Multiversums, welches sich beide großen Superheldenverlage angeeignet haben. Daher ist der Nebentitel „Erde Eins„, der schon Geschichten von Batman, Superman und Wonder Woman zierte, wörtlich zu nehmen. Die Handlung spielt sich bei all diesen Charakteren auf dem uns bekannten Planeten ab, jedoch haben viele Biographien anders begonnen und damit auch eine andere Zukunft, als die uns schon seit Jahren bekannten Versionen.

Nachdem also die schon erwähnte „Dreifaltigkeit“ der Superhelden-Riege ihre eigenen Bände spendiert bekommen hat, ist es nun an der Zeit Green Lantern neu interpretiert zu sehen. Diesmal ist dafür das Ehepaar Corinna Bechko und Gabriel Hardman verantwortlich, welches Hal Jordan statt in die Uniform eines Air Force Piloten, in die eines Astronauten packt, der seine Brötchen damit verdient, auf unterschiedlichsten Himmelskörpern nach Bodenschätzen zu suchen, die auf der Erde gebraucht werden.

Als Jordan auf einer seiner Missionen auf einem Asteroiden landet, um auch diesen zu plündern, stößt er nichtsahnend auf das Wrack eines Raumschiffs, dass sogar noch die Leiche des Piloten beinhaltet. Das ist natürlich nicht alles, denn hier folgt schon eine kleine Parallele zur „original“ Geschichte. Der verendete Außerirdische hat nämlich einen grünen Ring bei sich, der sich als mit seltsamen Kräften ausgestattet erweist, nachdem ein aus dem nichts auftauchender Roboter von ihm spektakulär abgewehrt wird. Damit fängt die Beziehung zwischen Ring und Träger und damit auch die eigentliche Story von Green Lantern an.

In diesem Sinne garnicht mal so weit entfernt von der ursprünglichen Vorlage und damit auch tonangebend für den Rest des Bandes. Zwar ist die düstere Visualisierung von Hardman eine wahre Augenweide, aber inhaltlich wird man leider nur oberflächlich unterhalten. Das wäre zwar im Vergleich zu anderen Releases immer noch nicht schlecht, aber im Rahmen der „Erde Eins„-Veröffentlichungen siedelt sich Green Lantern etwas weiter unten an. Das liegt primär an der Austauschbarkeit und den fehlenden Überraschungsmomenten innerhalb der Handlung, als auch an den etwas blassen Charakteren. Zwar ergibt sich eine schöne Science-Fiction-Story mit Superhelden-Einschlag, aber bei weitem nicht das, was man bei der gegebenen Freiheit erwarten würde.

Daher würde ich sagen, dass „Green Lantern: Erde Eins“ für Sammler definitiv eine Anschaffung wert ist. Auch Leser, die ungezwungener Unterhaltung nicht abgeneigt sind, würden bei einem Kauf keinen Fehler machen. Diejenigen aber, die mit hohen Erwartungen an die Sache herangehen, sollten zumindest vor dem Kauf ein paar Seiten durchblättern. In jedem Fall erwartet alle Interessenten eine solide Geschichte, die auch nicht mehr als das sein möchte.

Green Lantern - Erde Eins (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 16.10.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 148 
Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Weihnachtsgeschichten bei Panini Comics

Die besinnliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange. Die Straßen der Städte sind geschmückt, die ersten Weihnachtsbäume sind aufgestellt und der Glühwein auf den Christkindlmärkten fließt in Strömen. Natürlich ziehen thematisch passend auch einige Verlage mit und bringen Veröffentlichungen auf den Markt, die dann zeitnah unter den Christbaum gelegt werden sollen.

Panini Comics ist tatsächlich erst im zweiten Jahr dabei, nachdem sie schon Ende 2017 mit „Weihnachten mit den DC Superhelden“ bei den Fans vorgefühlt hatten. Der Erfolg bestätigte die Vermutung um eine Nachfrage nach genau solchen Titeln und der Weg für weitere Releases wurde schließlich frei. Diesmal beschränkte man sich sogar nicht nur auf den dunklen Ritter und seine mit Superkräften ausgestatteten Kompagnons, sondern spendierte auch der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, samt den Avengers einen eigenen Band.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten

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Beim DC-Ableger umrahmt schon wie beim letztjährigen Vorgänger eine Story die zahlreichen Geschichten, die sich diesmal fast komplett aus den „DC Holiday Specials“ aus den Jahren 2009 und 2017 speisen. Nachdem Harley letztes Mal den Leser als Ankerpunkt zu Anfang begrüßte und zum Schluss verabschiedete, ist diesmal Superman an der Reihe, der als Clark Kent in einer Bar eine Diskussion mit dem grimmigen John Constantine führt. In dieser zweifelt der Mann aus Stahl daran, die Welt wirklich vom Übel befreien zu können, bis der Barkeeper des Etablissements in das Gespräch einschreitet und damit die Vorlage für die kommenden 11 Storys bietet, die sich allesamt um das Fest der Liebe drehen, aber immer einen anderen Charakter zum Träger der jeweiligen Geschichte haben. Darunter befindet sich natürlich die Crème de la Crème des DC Universums wie Batman, Flash oder Wonder Woman. Doch auch die Helden aus deer zweiten Reihe wie Huntress, die Doom Patrol oder die Teen Titans können sich präsentieren und damit unter einem gemeinsamen Thema die gesamte Bandbreite des Verlags darstellen. Alles in allem handelt es sich also um ein ähnlich leichtes Stück grafische Literatur, wie letztes Mal und damit ein schönes Geschenk für Fans, die eh schon alles haben und für Einsteiger, die die Figuren erstmal kennenlernen wollen.

Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten

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Bei der Marvel-Version findet man zwar ein ähnliches Konzept im Sinne des Themas, der Aufbau ist jedoch ein etwas anderer. im Gegensatz zu DC findet man zum Beispiel nur drei Geschichten, von denen nur die erste dem „Marvel Holiday Special 2005“ entnommen wurde und sich um eine Weihnachtsfeier bei Dr. Strange dreht, bei der das „who is who“ der Superheldenriege aufschlägt. Die besinnliche Atmosphäre wird jedoch recht bald von einem etwas seltsamen Santa Claus gestört.

Mit „Harte Zeiten in Forest Hills“ bekommt der Leser sogar einen richtigen Klassiker serviert, der im Jahr 1989 vom legendären Todd McFarlane gestaltet wurde. Hier werden Peter aka Spider-Man und Mary Jane am Vorweihnachtsabend aus ihrer Wohnung geworfen und müssen  sich um eine neue Bleibe kümmern, während der Netzschwinger parallel ein paar böse Jungs zur Strecke bringen muss.

Den Abschluss bildet „Weihnachtliches Remmidemmi“ von Darwyn Cooke und Jay Bone, dass ein zuckersüß bebildertes Abenteuer in der Nacht vor Weihnachten darstellt, in dem nicht nur der Wandkrabbler, sondern auch die Fantastic Four involviert sind.

Auch hier wird vom Leser kein Vorwissen um Handlung und Figuren verlangt. Daher macht man definitiv nichts falsch, wenn man auch diesen Band seinen Nächsten unter den Baum legt oder den Nachwuchs mit ein paar Superhelden-Geschichten überrascht, die entgegen dem Zeitgeist auch ohne explizite Gewalt auskommen, aber mit ganz viel Herz.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR
Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR

[Rezension] Walt Disneys Mickey Mouse: Die ultimative Chronik (TASCHEN)

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Wie Bob Iger, seines Zeichens CEO bei Disney, es treffend formuliert hat, gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die von sich behaupten können, dass sie in eine Welt ohne Mickey Mouse hineingeboren wurden. Das ist keine übertriebene Aussage, sondern Fakt, wenn man bedenkt, dass der berühmteste Nager der Welt inzwischen 90 Jahre alt ist. Während dieser unglaublich langen Zeitspanne ist so einiges passiert. So hat sich nicht nur die visuelle Aufmachung der Figur, sondern auch ihr Verhalten grundsätzlich verändert, während im Hintergrund die Entertainment-Maschinerie um Disney zu einem Konzern mutierte, dessen Output jedermann bekannt ist. Kein Wunder, dass es Erhebungen gibt, nach denen Mickey Mouse in manchen Teilen der Welt berühmter ist, als der Weihnachtsmann.

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Daher ist es nur Folgerichtig dieses Jubiläum zu nutzen und eine Rückschau der gesamten Geschichte dieser Figur zu präsentieren. Und welche Verlag eignet sich dafür besser, als TASCHEN? Das Haus, welches uns schon seit Dekaden mit Kunstbänden in jeder Größenordnung und Preisklasse, bei gleichbleibend hoher Qualität versorgt und dabei thematisch keine Grenzen kennt, hat mit „Walt Disneys Mickey Mouse: Die Ultimative Chronik“ die Messlatte schon im Titel vorweggenommen. Auf sage und schreibe 496 Seiten im riesigen XXL-Format, wird der Leser mit einer Fülle an Informationen versorgt, die es so noch nicht gegeben hat.

Aufgeteilt in drei Entwicklungsphasen wird die Geschichte zunächst eng an der Biografie Walt Disneys orientiert, der mit einer anderen Tierfigur (Oswald the Lucky Rabbit) an seinem Durchbruch feilte, diese jedoch über Verwerfungen verlor und mit Mickey Mouse zunächst nur an eine Notlösung geriet, die sich jedoch in kürzester Zeit als wahrer Glücksgriff erwies. Nach einer relativ kurzen Orientierungsphase, in der der Charakter Form und Innenleben entwickelte, platzte mit „Steamboat Willie“ (1928) als erster vertonter Trickfilm eine popkulturelle Bombe, die bis heute nachhallt und seit geraumer Zeit sogar im Vorspann von Disney-Produktionen angeteasert wird (das berühmte Pfeifen der Melodie).

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Wie besonders die Einführung der Mickey Mouse war, zeigt sich schon in den ersten Jahren nach ihrer Entstehung. Eine heißlaufende Merchandise-Produktion, eine weltweite Expansion und Ehrungen, die man einer fiktiven Figur nie zuvor zugestanden hatte (sogar mit einer Figur im Wachsfigurenkabinett von Madame Tusseauds) wären nur als einige der Auswirkungen zu nennen. Diese machten es absehbar, dass Disney nicht nur einen kurzlebigen Geistesblitz hervorgebracht, sondern den Kulturbetrieb als solchen nachhaltig verändert hat.

Selbst als die klassischen Trickfilme in Spielfilmlänge die kurzen Abenteuer der Disney-Aushängeschilder wie Mickey und Donald in den Kinosälen ablösten, blieb die Maus gleichsam ein Synonym für ihren Erfinder. Nun war auch der Zeitpunkt dafür gekommen andere Medien in Beschlag zu nehmen, die heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. Dazu gehören selbstverständlich die allseits bekannten Comicabenteuer, die sogar eigene Blüten im Ausland trieben und dort teilweise sogar erfolgreicher waren, als in den USA. Allen voran natürlich Italien mit seiner lebendigen Kultur der neunten Kunst und Deutschland mit seinem bis heute beliebten Output des „Micky Maus„-Magazins.

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Hierbei kommt neben der Masse an Informationen eine gewaltige Menge an Bildmaterial und Dokumenten zusammen. Diese haben die zwei Autoren David Gerstein, seines Zeichens Animations- und Comichistoriker, sowie der Filmhistoriker J.B. Kaufmann aus den Disney-Archiven, sowie privaten Sammlungen zusammengetragen und damit die wohl umfangreichste Aufbereitung der Geschichte von Mickey Mouse kreiert, die es bis dato gab. Ganze 1.200 Illustrationen, Animationszeichnungen, Storyboards, Hintergründe, Plakate und Fotografien werden dabei, in Teilen zum ersten Mal, dem geneigten Leser präsentiert.

Wem das nicht reicht, hat darüber hinaus die Möglichkeit sich über den Einfluss der Figur auf Politik, Gesellschaft und Kultur zu informieren. Dabei wird man feststellen, dass auch Themengebiete wie Krieg, Kommerz und zeitgenössische Kunst nicht ohne den Nager auskommen und dadurch die Relevanz dieser fiktiven Figur unterstreichen.

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Wenn man nun auf diese erstaunliche Geschichte zurückblickt, fragt man sich unwillkürlich, worin die Anziehungskraft von Mickey Mouse lag und immer noch liegt. Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten und letztlich auch nicht abschließend zu klären, denn nicht umsonst treibt sie seit 1928 Experten und Laien um. Vielleicht ist es auch dieses Mysterium, dass manche mit einer persönlichen Identifikation und andere mit einer stilisierten Projektionsfläche verbinden, dass den Erfolg anhaltend und rückwirkend fast schon fantastisch erscheinen lässt. In jedem Fall wird nach der Lektüre klar, dass die vergangenen 90 Jahre keinen Zweifel an einer Erfolgsgeschichte lassen, die auch die nächsten Generationen überdauern wird. Möchte man sie verstehen, führt wohl kein Weg an dieser wahrlich „ultimativen Chronik“ vorbei.

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Walt Disneys Mickey Mouse: Die ultimative Chronik* 
Verlag: TASCHEN 
Autoren: David Gerstein, J. B. Kaufman
Herausgeber: Daniel Kothenschulte 
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover mit Leseband in Kartonverpackung 
mit Tragegriff , 29 x 39,5 cm 
Seitenzahl: 496
Preis: 150 EUR

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