American Gods – Schatten Buch 2 (von 2)

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Fleißige Serienjunkies kennen den Titel des finalen Bands von Neil Gaiman spätestens seit dem gleichnamigen Release auf Amazon Prime Video und erfreuen sich seitdem am blutig-okkulten Feuerwerk „American Gods„.

Trotzdem wissen erstaunlich wenig Fans um den Fakt, dass die Geschichte ursprünglich als Roman ihren Weg in die Läden fand und der vorliegende Comic sich deswegen nicht an der Serie, sondern an der Ursprungsveröffentlichung des „Sandman„-Erfinders Gaiman orientiert.

Schon der erste Band, den ich im Zuge des Gratis Comic Tags 2018 in einem YouTube-Video besprochen habe, hat mich positiv überrascht. Zunächst von der Fantasy-Aufmachung des Titels abgeschreckt, habe ich eine ganze Weile einen Bogen um diesen Splitter-Release gemacht, bis ich mich im nachhinein extrem darüber geärgert habe, meinen Horizont selbst derart beschränkt zu haben. Nun bin ich, was Vorurteile anbelangt, eines besseren belehrt worden und habe mir sofort nach Release den Abschluss der tollen Geschichte geholt, die unter dem Titel „Schatten Buch“ firmiert.

Hier wird der Leser genau an der Stelle abgeholt, wo er zum Ende des ersten Bands zurück gelassen wurde. Der Hauptprotagonist Shadow ist, nach mehrjähriger Haftstrafe und dem Tod seiner Frau, immer noch mit seinem geheimnisvollen neuen Arbeitgeber Mr. Wednesday unterwegs. Auf eben dieser Reise begegnen die zwei immer wieder alten Bekannten von Shadows Chef, die sich mal mehr oder weniger verdeckt, als im zivilen Leben angepasste Götter der alten Welt herausstellen. Ob nun ehemaliger Schlächter oder alte Hausfrau – jeder hat sein Plätzchen gefunden. Nun versucht Mr. Wednesday die alten Recken zusammenzutrommeln, um sich den neuen Göttern der Moderne entgegenzustellen. Diese sind nicht mehr die mystischen Gestalten einer Mischung aus Traum und Albtraum, sondern die flimmernden Götzen des Konsums.

Zu Beginn von Band 2 befinden wir uns am Zielort des Treffens der alten Götter, die aber bei weitem nicht so zahlreich erschienen sind wie erhofft. Daher geht die Reise schon nach kurzer Zeit weiter und führt das Duo in das abgelegene Nest Kairo, dass seinem Namen durch die Anwesenheit einiger ägyptischer Gottheiten, die sich als Bestatter verdingen, mehr als gerecht wird. Hier scheint auch für Shadow so etwas wie Ruhe greifbar zu sein, indem er sich den nun menschlichen Überwesen anschließt und ihnen bei ihrer Arbeit unter die Arme greift.

Doch die Geschichte wäre nicht so spannend, wie sie nun mal ist, wenn hier alles nach Plan laufen würde. So platzen unverhofft alte Bekannte in Shadows neues Leben, neue Bekanntschaften lassen ihn an seinem Verstand zweifeln und die aktuelle Umgebung scheint auch nicht der Normalität zu entsprechen, die er sich so sehr wünscht…

Mehr zum eigentlichen Inhalt zu verraten, würde fast schon unter Spoiler fallen und der Komplexität der dargestellten Ereignisse einfach nicht gerecht werden. Daher sei als Ergänzung nur noch erwähnt, dass man im Verlauf der Handlung nicht nur Shadow über die Schulter blicken kann, sondern auch mit kleinen Rückblenden erklärt bekommt, wie sich die Götter und andere Wesen der alten Welt in den USA der Gegenwart eingerichtet haben. So wird dem Ganzen eine weitere Facette und damit zusätzliche Tiefe verliehen, die das Konstrukt um „American Gods“ noch durchdachter erscheinen lässt, als es ohnehin schon der Fall ist.

Das spricht vor allem für Neil Gaimans genialen Geist, der es schafft, sich konstant und über mehrere Medien hinweg zu beweisen und damit deutlich zu machen, dass eine gute Geschichte in jeder Erzählform funktionieren kann.

Natürlich werden aber Projekte, wie das hier vorliegende, nur selten alleine umgesetzt. Daher stand dem Großmeister unter anderem P. Craig Russell zur Seite, der die Ideen und Dialoge Gaimans in Skript und Layouts verschmelzen ließ. Doch was nützt das schönste Comic-Skript, wenn nicht der passende Zeichner mit an Bord ist? Doch auch hier wurde nicht gekleckert, denn mit Scott Hampton hat man die perfekte Besetzung gefunden, um die Stimmung der Handlung optimal an den Leser heranzutragen.

Dabei füllt er die Panels mit recht groben und flächigen Pinselstrichen, die in ihrer Gesamtheit eine tolle Komposition ergeben, die die Surrealität der Ereignisse perfekt einfängt, ohne zu sehr von der eigentlichen Geschichte abzulenken.

Garniert wird der Band außerdem mit einem reichhaltigen Bonusteil, der einen Haufen Variant-Cover der US-Ausgaben, sowie Skizzen-Entwürfe und Original-Seiten enthält, die den Entstehungsprozess einzelner Panels und Abschnitte wiedergeben.

Alles in allem liegt hier ein schöner Abschluss-Band vor, der aber so offen gelassen ist, dass einer Fortsetzung zumindest in der Theorie nichts im Wege steht. Visuell und erzähltechnisch wurde hier in jedem Fall ganze Arbeit geleistet, die von der ersten bis zur letzten Seite zu unterhalten weiß und einem als Leser erneut vor Augen führt, wie viele Arten an Storys es gibt, die durch grafische Literatur zum Leben erweckt werden können. Eine klare Empfehlung meinerseits, die sich schön im Regal macht und mit zwei Bänden auch für die Sammler nicht zu sehr auf dem Geldbeutel lastet.

American Gods - Schatten Buch 2 (von 2) 
Verlag: Splitter Verlag
Erschienen am: 23.04.2018 
Autor: Neil Gaiman, P. Craig Russell
Zeichner: Scott Hampton
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 152
Preis: 19,80 EUR

The Death of Stalin

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Die meisten werden den Titel dieses Comics in einem anderen Zusammenhang gehört haben, als sie in den letzten Wochen eine Zeitung aufgeschlagen oder die Nachrichten angesehen haben. „The Death of Stalin“ wurde als Film in Russland verboten, weil dieser in den Augen der Zensoren (oder offiziell Kultusministerium genannt) einen Angriff auf die Kultur des Landes darstellen soll. Eine ziemlich gewagte Aussage, wenn man an einen paranoiden Massenmörder denkt, doch die im Zuge eines aufkeimenden Nationalismus voranschreitende Rehabilitierung scheint zu fruchten. Ein Sieg über den Faschismus überschattet dabei so sehr die unfassbaren Verbrechen Stalins, dass eine humoristische Kritik wohl in die Kategorie Landesverrat fällt.

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©Splitter

Was in dem Zusammenhang nur wenige wissen ist, dass der Film auf einem Comic von Fabien Nury und Thierry Robin aus dem Jahr 2010 basiert und nun (vermutlich im Zuge des kleinen Hypes um den Kino-Release) zum ersten Mal auf deutsch beim Splitter-Verlag erscheint.

Wie der Titel des Bandes schon verrät, dreht sich alles um die absurden Abläufe nach Stalins Tod, die sich primär aus dem Chaos innerhalb des kommunistischen Zentralkomitees speisen. Schon am 02.03.1953, dem Tag an dem der sowjetische Diktator einen Schlaganfall erleidet, der kurze Zeit später tödlich verläuft, spielen sich Szenen ab, die man sich kaum vorstellen kann. Leute wie der Innenminister Lawrenti Beria, der den Fokus der Geschichte großteils auf sich zieht, oder der spätere Generalsekretär Nikita Chruschtschow bieten sich dabei einen Schlagabtausch aus Intrigen, Denunziationen und menschlichen Abgründen, den man sich bei Personen in Machtpositionen generell nicht vorstellen möchte. Dabei wird überspitzt(?) die Absurdität eines zum Scheitern verurteilten Systems anhand von Situationen, wie der Bestimmung eines behandelnden Arztes dargestellt: So muss einstimmig beschlossen werden, welche Mediziner konsultiert werden sollen um sich um Stalin zu kümmern, wobei sich die Auswahl durch die zuvor denunzierten und daraufhin liquidierten jüdischen Top-Ärzte ziemlich verengt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entscheidung darüber vertagt(!) werden soll, da sich das Zentralkomitee vor der möglichen Reaktion Stalins fürchtet, sollte er doch überleben.

In diesem Sinne ist „The Death of Stalin“ eine bitterböse Realsatire, die unverblümt den Kampf in einem Machtvakuum beschreibt, dass selbst nach dem Tod des Sowjet-Diktators von diesem bestimmt zu sein scheint. Jede Handlung wird mit dem vermuteten Willen Stalins abgewogen, während Pläne geschmiedet werden die politischen Mitbewerber auszuschalten. Dagegen wird in kürzeren Sequenzen das Leben der einfachen Bürger gegengeschnitten, die im Glauben an die Unantastbarkeit ihres Führers nach Moskau pilgern, um ihren Tribut zu zollen. Dem folgt eine Überreaktion der Streitkräfte, die den Massenauflauf nicht mehr unter Kontrolle haben und nur noch mit der ihnen eingeimpften Gewalt eine Antwort finden. Durch diese Konstellation lacht man köstlich über die Mischung als Weltfremdheit und eiskalter Kalkulation, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Wüsste man nicht, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, könnte man sich gemütlich zurücklehnen und das Spektakel durch die Brille der Fantasie betrachten. Leider musste erstaunlich wenig hinzugedichtet werden. So wurden den Charakteren nur griffigere Züge verpasst oder Abläufe umstrukturiert, um Zusammenhänge besser begreifen zu können.

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©Splitter

Die Macher machen auch keinen Hehl um ihre Anpassungen und beziehen sich im Bonus-Teil des Bandes ganz explizit auf ihre Arbeitsweise, ihre Gedanken und die Entwicklung der Geschichte. Damit überlassen sie Nationalisten nicht das Feld und geben zeitgleich Interessenten für den Entstehungsprozess einen Einblick, der mehr zum Verständnis der Geschichte beiträgt. Hierbei merkt man Nury und Robin auf jeder Seite an, wie ernst sie die Thematik der beschriebenen Zeit nehmen und das der Humor daher einfach ein Stilmittel ist, um sich den schrecklichen Ereignissen besser annähern zu können.

In Mütterchen Russland sieht man das bekanntlich anders. Hier sieht man das Andenken an einen Nationalhelden beleidigt, da man über ihn lacht. Da wiegt der Sieg über Hitler-Deutschland offenbar mehr als die Opferzahlen seiner Säuberungsaktionen, die sich bezüglich der Höhe auf Platz zwei nach Mao Zedong befinden. Daher ist es umso wichtiger den Menschen mit solchen Werken zu signalisieren, dass die Realität durch eine ideologie nicht für nichtig erklärt werden kann. Ein Werkzeug dafür lässt sich in der Kunst finden und in den letzten Jahren umso deutlicher in der Comic-Branche. Wie sehr die Mächtigen die bildenden Künste dabei als Gefahr ansehen, lässt sich an Verboten umso deutlicher ablesen.

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©Splitter

Hier findet man daher nicht nur einen spannenden Polit-Thriller mit schwarzhumorigen Anstrich, sondern ein bebildertes Statement gegen eine geschichtsrelativierende Denkweise, die sich aus einem falsch verstandenen Nationalstolz speist.

Eine klare Empfehlung meinerseits, euch „The Death of Stalin“ ins Regal zu stellen!

The Death of Stalin
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 25.02.2018
Autor: Fabien Nury
Zeichner: Thierry Robin
Format: Hardcover
Seitenzahl: 144 inkl. Bonus-Material
Preis: 29,80 EUR

Deadpool – X für ein U

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Es ist schon etwas länger her, seit ich ein Abenteuer des Söldners mit der großen Klappe rezensiert habe und freue mich umso mehr, die abgeschlossene Storyline „X für ein U“ präsentieren zu können.

Wie der Titel und das Cover schon deutlich vorweg nehmen, sind die X-Men das tragende Element dieser Geschichte bzw. Deadpools nimmermüdes Verlangen ein Teil der Mutanten-Truppe zu werden. Bevor es jedoch dazu kommt, möchte sich Wade Wilson, wie unsere Hauptfigur mit bürgerlichen Namen heißt, einen lange gehegten Traum erfüllen und Pirat werden. Ja, richtig gehört und keiner, der Deadpools Eskapaden verfolgt kann mir erzählen, er oder sie wäre überrascht.

 

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©Panini Comics

Auf jeden Fall schwimmt unser irrer Freund aufgrund vorangegangener Ereignisse geradezu in Geld (es sei nur so viel verraten: der Preis dafür ist, dass er unter dem Radar bleibt) und was wäre am naheliegendsten als sich seine geheimen Träume einfach zu erkaufen? Dafür scheint es nicht mehr zu brauchen als einen unterwürfigen Sidekick, der sich als Papagei verkleiden und auch so sprechen muss, eine blinde Navigatorin, sowie einen gewaltigen Knacks, der zu allerlei halsbrecherischen Entscheidungen führt. Im Endeffekt das uns bekannte und lieb gewonnene Schema, dass wir erwarten, wenn wir eine Ausgabe mit dem Namen Deadpool im Titel in den Händen halten.

Wie zu Anfang angesprochen ist die Hauptgeschichte eine andere und damit das Ende des Söldners als Freibeuter auf offener See beschlossene Sache. Nach dem Ausflug in eher „klassisch“ kriminelle Gefilde, möchte Wade nämlich bei den X-Men einsteigen, die mit Cyclops an der Spitze eine Inselzuflucht für Mutanten errichtet haben. Doch schon bald merkt Deadpool, dass es offensichtlich nicht reicht auf enges Leder zu stehen, um sich dieser Gang der Guten anzuschließen. Daher versucht er auf seine ganz eigene Art die Leute von sich zu überzeugen, was im Umkehrschluss den altbekannten Cocktail aus dicken Wummen, mit Leichen gepflasterten Straßen und einer dicken Lippe ergibt. Doch ist es nicht genau das, was wir als Leser erwarten? Ich für meinen Teil kriege gar nicht genug von der respektlosen Art, die solche Veröffentlichung unter Garantie mitbringen.

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©Panini Comics

Für diesen Mix zeigt sich Daniel Way als Autor verantwortlich, der mit dem zweiten Run der Figur von 2008 bis 2013 eine Art Wiedergeburt einleitete, die das Franchise weltweit einschlagen ließ, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dadurch ist Deadpool neben Spidey und den allgegenwärtigen Avengers zu einem brandneuen Aushängeschild avanciert, welches in logischer Konsequenz einen Film spendiert bekommen hat, der wiederum eine neue Art des Humors in die Marvel-Welt trug, der bis heute Bestand hat. Mit den in „X für ein U“ vorliegenden Heften 13 bis 18 befinden wir uns mitten in seinem Run, der sowohl Lust auf das macht, was noch kommen wird, als auch das was zuvor erschien.

Die witzigste Geschichte ist im Medium Comic aber nur halb so viel wert, wenn sie nicht von einem Künstler in Panels gepresst wird, der die Figur, die Handlung und das gewisse Etwas einverleibt hat, um alles authentisch präsentieren zu können. Zum Glück ist mit Shawn Crystal (Guardians of the Galaxy) bei der Piraten-Geschichte und Paco Medina (Star-Lord) jeweils der perfekte Mann am Zeichentisch gesessen und hat die Gabe auch ohne viele Worte einen Brüller nach dem anderen hervorzubringen oder einzelne (Selbst)Gespräche umso lustiger zu gestalten. Beide balancieren auf einem schmalen Grad zwischen cartoonesk und klassisch, wobei Medina eher zum zweiten tendiert. Genau diese Mischung macht die Reihe und damit den Erfolg aus, der sich bis heute immer wieder selbst bestätigt.

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©Panini Comics

In diesem Sinne gibt es nichts anderes als eine Kaufempfehlung für alle vorhandenen Deadpool-Fans und die, die es noch werden wollen. Klar, gibt es Elemente, die ohne Vorwissen nur halb so lustig sind, aber als Ganzes funktioniert „X für ein U“ auch für Neueinsteiger und ist damit jedem ans Herz gelegt, der etwas mit derben Humor im Superhelden-Setting anfangen kann.

ALIENS Classic Omnibus

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1979: Das Jahr in dem Ridley Scott der Welt ein Stück immerwährende Popkultur schenkte und mit dem Großmeister H.R. Giger Alpträume erschuf, die auch fast 40 Jahre später Relevanz haben. Natürlich spreche ich von der legendären ALIEN-Reihe, die zum einen bis heute auf der Kinoleinwand existiert und zum anderen auch andere, vor allem visuelle Medien, immer noch in Beschlag nimmt. Dazu zählen selbstverständlich Comics, die neben Filmen wohl die logischste Form darstellen, wenn es um die Vermittlung des visuellen Schreckens der Xenomorphe geht.

In ihrer minimalistischen Farbgebung und fast schon eleganten Formen liegt es nahe, dass sie in einer schwarz-weißen Umgebung um einiges bedrohlicher wirken, als in „klassisch bunten“ Bildchen. Diesen Gedanken fassten wohl auch vor 10 Jahren die Leute von Cross Cult um die „nur“ getuschten Versionen großartiger Geschichten unters Volk zu bringen, die allesamt während der 90er ihren ursprünglichen Release feierten. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, welcher Zeitgeist in Popkultur und Medien herrschte und dabei natürlich Comics nicht außen vor ließ.

2007 und 2008 noch in drei Teilen veröffentlicht, beschenkt uns der Verlag diesmal mit einem Omnibus in Übergröße und Limitierung auf 999 Stück. Dieses edel designte Buch, dass wohl den Schrank eines jeden Minimalisten Platz finden würde, ist hierbei nicht nur eine schöne Ergänzung für Fans des kultigen Franchise, sondern auch für Kenner der Comic-Szene ein Must-Have. Hier gibt sich nämlich das „Who-is-Who“ der Zeichner und Autoren die Klinke in die Hand und beglückt damit das Nerd-Herz.

Man kann getrost von Legenden sprechen, wenn Leute wie Mike Mignola (Hellboy), David Lloyd (V for Vendetta), Eduardo Risso (100 Bullets), Kelley Jones (Sandman) oder Richard Corben (Underground-Veteran) den Zeichenstift schwingen und dabei mit ihren Trademarks nicht hinterm Berg halten. Jede, der von ihnen realisierten Storys bekommt den Stempel verpasst, der sie wiederum sofort an ihren Schöpfer bindet. Daher ermüdet das Auge bei der 500 Seiten starken Lektüre nicht so schnell, wie man bei ihrem Design zunächst denken könnte. Man entdeckt dadurch sogar einzelne Aspekte, die bei einer „Farbkur“ wohl untergegangen wären.

Inhaltlich gibt es bezüglich der Geschichten natürlich auch genug zu entdecken. Mal finden wir uns in einem bitterernsten Szenario wieder, dass an die bedrückende Atmosphäre der Filme erinnert, mal klingt so etwas wie zynischer Humor durch die Panels, um dann in vollkommen übertriebenem Splatter aufzugehen. Damit wird jede Spielart des Horrors bedient und genau solche Attribute erwartet man, wenn man zu einer Veröffentlichung dieser Art greift. Beim Kauf des ALIENS Classic Omnibus findet der Leser die Essenz der Reihe, die ohne zu übertreiben in jedes Regal eines Fans gehört, wenn dieser sich selbst für einen hält.

Der Unterwasser-Schweisser

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Mit dem vorliegenden Band ist ein Verlag in mein Blickfeld gerückt, den ich zuvor nicht mit Comics assoziiert habe. Nun freue ich mich umso mehr, dass sich Hinstorff dazu entschieden hat, das Gefilde der graphischen Geschichtenerzählung zu betreten.

Dank ihnen liegt nun endlich der schon 2012(!) in Nordamerika erschienene Band Der Unterwasser-Schweisser vor,  der dank Ryan Gosslings Interesse an der Verfilmung des Stoffs auch in den Blick der Masse geraten ist. Wenn man sich die Story des Künstlers und Ausnahmeautoren Jeff Lemire zu Gemüte führt, versteht man die Begeisterung, die sowohl bei der stetig gewachsenen Anhängerschaft des Kanadiers, als auch Rezensenten ausgelöst wird.

Wie schon bei anderen seiner Werke (z.B. Sweet Tooth), ist Lemire neben dem Storytelling auch für die visuelle Umsetzung verantwortlich und versorgt den Leser mit einem optischen Rahmen, der perfekt zur introvertierten Atmosphäre und den leisen Tönen dieser großartigen Geschichte beiträgt:

Die Hauptfigur Jack Joseph arbeitet, wie der Titel schon andeutet, als Unterwasser-Schweißer auf einer Ölplattform vor der Küste Neu-Schottlands. In der einnehmenden Einsamkeit des Meeres verrichtet er dieselbe Arbeit wie schon zuvor sein Vater,
der vor vielen Jahren bei einem Tauchgang ertrank. Dieses Unglück ist für ihn sowohl Antrieb als auch Bürde zugleich. Wie manisch taucht er immer wieder in die Tiefe um sein Kindheitstrauma zu verarbeiten, während zeitgleich seine hochschwangere Frau an der Küste wartet und immer verzweifelter wird, umso näher der Geburtstermin rückt. In dieser erdrückenden Lage sieht sich Jack gezwungen, sich seiner Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes zu stellen und damit seinem Leben einen Sinn in der Zukunft zu geben,  statt in verflossenen Zeiten zu ertrinken.

In so einer kurzen Beschreibung wirkt der Plot vllt. nicht sonderlich auffällig, aber die Weise in der er gesponnen wird, berührt ab der ersten Seite Herz und Verstand. In schwarz/weiß gehalten, sprühen auch Passagen ohne Text nur so vor Emotionen, die sich alle auf die uns ureigenen Ängste von Verlust und Selbstzweifel zurückführen lassen. Darüber hinaus wird hier erneut unter Beweis gestellt, dass eine solch auf persönlicher Ebene dramatische Geschichte, durch eine graphische Umsetzung die gewisse Note bekommt, die weder Buch noch Film umsetzen könnten. Beide Formen des Geschichtenerzählens haben ihre eigenen Vorteile, die sie von anderen abgrenzen. Das Herz mit einer kleinen Bilderfolge für sich einzunehmen, bleibt aber immer noch das Metier der Comic-Kunst.

Ich vermute in diesem Zusammenhang, dass die angekündigte Umsetzung in einen Kinofilm für nicht wenige erstaunte Gesichter sorgen wird, wenn ihnen bewusst wird eine Comic-Verfilmung zu sehen, die weder etwas mit Fantasy noch einem Superhelden-Universum zu tun hat.

Neben dem positiven Anklang bei den Filmstudios, freut es mich natürlich auch persönlich, dass ein Drama so bravourös als Graphic Novel umgesetzt wurde. In meinen Augen bis jetzt eines der Highlights 2017 und damit ein Pflichtkauf! Die Nominierung als „Bester nordamerikanischer Comic“ beim PENG!-Preis des Münchner Comicfestivals war mehr als verdient und für euch vllt. ein Ansporn selbst einen Blick in Der Unterwasser-Schweisser zu werfen.

Wonder Woman/Batman: Hiketeia

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Dieses Jahr erwartet uns der erste Wonder Woman-Film des in sich geschlossenen DC-FIlmuniversums mit Gal Gadot in der Hauptrolle. Nach den ersten Trailern und dem bisherigen Schaffen der Regisseurin Patty Jenkins gibt es durchaus Hoffnungen auf einen ersten Streifen, der sowohl Fans der Comics als auch Kritiker zufrieden stellen sollte. Das konnte man ja in Bezug auf die letzten Veröffentlichungen um Suicide Squad und Batman v Superman ja leider nicht behaupten.

Wie üblich lässt sich Panini Comics bei solchen Releases nicht lumpen und bringt zahlreiche Neuauflagen, Sammelbände und Serien auf den Markt um vom Hype zu profitieren. Das so eine Taktik nicht automatisch negativ behaftet sein muss, erkennt man zum Beispiel an Wonder Woman/Batman: Hiketeia, welches zum ersten mal im Jahr 2002 veröffentlicht wurde und die erste Arbeit des legendären Greg Rucka (Gotham Central) mit der Figur darstellt, bevor er ein Jahr später die reguläre Serie übernahm. Hier kommen sowohl eingefleischte Fans, als auch diejenigen auf ihre Kosten, die das erste Mal mit der Amazone zu tun haben.

Zum einen liegt es an der großartigen Story und zum anderen daran, dass diese Graphic Novel in sich abgeschlossen ist und kein Vorwissen vom Leser voraussetzt. Im Detail geht es um das titelgebende antike Ritual der Hiketeia, welches eine junge Frau an Wonder Woman bindet, die Schutz von der Prinzessin erbittet und diesen auch bekommt. Wie sich schon bald herausstellt, handelt es sich um eine Mörderin, der nicht nur drei gnadenlose Rachegöttinnen, sondern auch der dunkle Ritter persönlich auf der Spur sind.

Entsprechend des alten Brauchs, darf der Bund zwischen den beiden Frauen nicht gebrochen werden und es kommt, wie das Cover des Bands andeutet, zum unerbittlichen Kampf zwischen Batman und Wonder Woman, welcher nur einen Ausgang haben kann…

Zwar kommen gelegentlich Szenen vor, die man getrost als „cheesy“ bezeichnen kann, aber wenn man darüber hinwegsieht, kriegt man eine großartige Geschichte, die erstaunlich offen mit sensiblen Themen umgeht und trotzdem kurzweilige Unterhaltung bietet. Im Großen und Ganzen gehört dieser Band in die Sammlung jedes Fans. Vor allem der attraktive Preis von 19€ für die auf 222 Stück limitierte(!) Hardcover-Ausgabe, müsste alle Bedenken beiseite wischen. Alle anderen sollten den Comic-Shop ihres Vertrauens aufsuchen, einen Blick hineinwerfen und das gute Ding nach hause nehmen.

Denn auch auf visueller Ebene überzeugt die Ausgabe auf voller Länge. Mit J.G. Jones und seinem realistischen Stil hat nämlich ein grandioses Talent und Fanliebling den Stift geschwungen, der in seiner Art perfekt mit Ruckas Storytelling harmoniert. Sein bisheriges Schaffen mit Wanted, Before Watchmen: Comedian oder Final Crisis sprechen dabei wohl für sich.

Wie ihr sicher bemerkt habt, gibt es an Wonder Woman/Batman: Hiketeia nicht viel auszusetzen und daher meine uneingeschränkte Empfehlung!

Über: Das letzte Aufgebot – Band 2

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Vor gut einem halben Jahr, habe ich über eine kontrovers diskutierte Reihe berichtet, die auch mit der Fortsetzung nicht gerade zimperlich bezüglich der Geschichte des zweiten Weltkriegs umgeht. Ich spreche natürlich von „Über„. Die gedruckte Umsetzung des Gedanken, was passiert wäre, wenn die Nazis tatsächlich im Besitz einer geheimen, den Kriegsverlauf ändernden Waffe gewesen wären. In diesem Fall wäre es der Wunsch der Faschisten, einen perfekten Menschen zu erschaffen, der in seiner Perversion so weit gesponnen wird, dass man bei einem Nazi mit Superkräften ankommt. Diese Versionen von Waffen in Menschengestalt hören auf so klingende Namen wie „Panzermensch“ oder Schlachtschiff„. Mit übermenschlicher Kraft und übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet, haben sie die Möglichkeit im Alleingang ganze Reihen an Feinden in kürzester Zeit zu vernichten und durch ihre bestialische Herangehensweise Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten.

In Band 2 sind die Alliierten inzwischen im Bilde, was die Nazis in der Hinterhand haben und dementsprechend entschlossen gleiches mit gleichem zu vergelten. So werden gleich von mehreren Seiten Kräfte angestrengt um eigene Versionen der „Supermenschen“ zu erschaffen. Auch an diesem Punkt versucht der Autor Kieron Gillen reale Begebenheiten aufzugreifen, um sie daraufhin seiner Vision anzupassen. So gehen die einzelnen Parteien entsprechend ihrer historisch belegten Kriegsstrategie vor. Japan schickt Kamikaze-Versionen ihrer neuen biologischen Waffe, während die Sowjetunion unter Stalin immense Verluste der eigenen Bevölkerung in Kauf nimmt, nur um einige wenige Übermenschen zu erschaffen.

Die Deutschen bleiben während der Handlung natürlich nicht außen vor. Hier werden zwar erneut reale Ereignisse im Licht der Fiktion präsentiert, aber zum Teil noch einen Schritt weiter konstruiert. Man merkt, dass der Autor im Verlauf seiner Arbeit Mut geschöpft hat, in seinen eigenen Zeitstrahl vorzudringen und sich nicht mehr darauf verlässt die bekannte Realität neu zu arrangieren. Der dadurch eingeschlagene Weg erscheint gleich viel frischer und die Lektüre dadurch spannender. Man muss sich natürlich darüber im Klaren sein, dass es sich um die gedruckte Version eines B-Movies mit überbrodelnder Gewaltdarstellung handelt, die Handlung jedoch nicht in Blut und Pathos ertränkt wird. Sie bleibt durchwegs interessant und spielt gekonnt ihre Stärken aus, was wiederum bitter nötig ist, da die Charaktere selbst leider recht eindimensional bleiben.

Die visuelle Umsetzung durch Canaan White erfolgt dabei wie schon beim Erstling auf einem soliden Niveau, dass zwar keine wirklichen Überraschungen bietet, aber stilistisch gut zur Handlung passt. Nach wie vor ist es manchmal schwierig die prominenten Teilnehmer des Krieges zu erkennen, die allesamt von ihrer Mimik recht statisch wirken. Zeitgleich schafft der Zeichner es aber gigantische Schlachten sehr dynamisch in Szene zu setzen. Man merkt, dass die Stärken bei brachialer Action und nicht in subtilen Momenten liegen.

Zusammengenommen kann man daher feststellen, dass es sich zwar defintiv nicht um leichte Kost handelt und Kinder die Finger davon lassen sollten, aber das Paket trotzdem nicht allzu schwer zu verdauen ist. Man kann sich die Lektüre wie einen Tarantino-Film mit weniger Humor und Raffinesse vorstellen. Immer noch unterhaltsam, aber von keiner bleibenden Qualität. Wen es also nach Blut und alternativer Historie dürstet, wird hier trotzdem gut bedient!

Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte

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Außergewöhnlich ist vermutlich das falsche Wort, weil es der hier vorliegenden Geschichte nicht gerecht werden würde. Es ist ein kraftvolles Meisterwerk, welches demonstriert, dass Comics nicht einfach Bilderbücher für die breite Masse sind, sondern als Ausdrucksform fungieren können, die kein Medium in der Form nachahmen kann.

Wenn man sich den Titel ansieht, könnte man sich natürlich die Frage stellen, inwieweit ein Superhelden-Comic die Grenzen sprengen kann, die das eigene Genre dem Produkt vorgibt. Nur sollte man nicht dem Trugschluss unterliegen, dass sich die Handlung im Universum des dunklen Ritters abspielt. Genaugenommen geht es aber um einen seiner Schöpfer oder wenn man es noch weiter präzisieren will, um einen der Macher hinter der erfolgreichen Zeichentrickserie „Batman: The Animated Series“ Anfang der 90er und damit einen der geistigen Väter Harley Quinns: Paul Dini.

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©Panini Comics Deutschland

Es ist die Geschichte einer persönlichen Tragödie, die einen kreativen Geist fast an der Wirklichkeit zerbrechen lässt und dessen Lebenswerk mit hinab reißt. Da die Story von Dini persönlich geschrieben wurde, bietet sich ein extrem intimer Einblick in dessen Gedankenwelt. Ihn dabei zu begleiten ist in Teilen schmerzhaft, rührend und motivierend zugleich. Er schafft es in der Beschreibung seiner lebenslangen Beziehung zu Batman und den mit ihm verbandelten Figuren eine Reflektionsfläche für jeden typischen Fan des dunklen Ritters zu erzeugen. Die Ausgrenzung, die man als Kind erfährt, wenn man sich nicht ins Bild fügt, die Abweisung beim anderen Geschlecht und die daraus resultierende Flucht in eine Welt voller Helden und Schurken, die als mentales Zuhause fungiert.

Man freut sich über Dinis Erfolge und die Erfüllung seines Traums, sein Hobby zum Beruf zu machen. Fünf Emmys, ein Harvey-, sowie ein Eisner-Award zeugen von der qualitativen Hochwertigkeit seines Schaffens. Zugleich ist man schockiert und verletzt, wenn man zusehen muss, wie ein so sanfter Geist von zwei Verbrechern fast zu Tode geprügelt wird und daraus eine solche Angst entwickelt, dass ihm die Arbeit an seinen Projekten fast unmöglich erscheint. Ein zufälliges Ereignis, dass in seiner Grausamkeit fast den Lebenssinn eines Künstlers ausradiert.

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©Panini Comics Deutschland

Doch auch hier begleiten ihn Batman, Joker, Poison Ivy, Two-Face und viele andere, um ihn in Zwiegesprächen, die nur Dini wahrnimmt, zu verführen, zu quälen oder ihm zu helfen. Am interessantesten sind dabei die selbstreferenziellen Passagen, wie der Streit mit dem Joker, in dem der Clownprinz des Verbrechens sich als „Muse für kranke Kreative“ bezeichnet und der Autor ihm Paroli bietet. Dadurch entsteht eine durchgehend spürbare Meta-Ebene auf der wir uns mit Paul Dini fließend zwischen Realität und Fiktion bewegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die vierte Wand zum Leser durchbrochen wird (Deadpool, anyone?), aber auf eine Art und Weise, dass es einem Seelenstrip gleicht, hat man nur selten erlebt.

Passend dazu, wurde das Ausnahmetalent Eduardo Risso verpflichtet, der mit seinem variablen Stil, den Übergang zwischen psychischer und physischer Welt perfekt in Szene setzt. Ob kleine Kniffe, wie die von Panel zu Panel fortschreitende Gestaltung einzelner Charaktere (Skizze zur fertigen Figur), Verbeugungen vor den großen Zeichnern um die menschliche Fledermaus oder die Verwandlung eines Storyboards in den Fortgang der Geschichte – Risso scheint das gesamte Repertoire, was ihm zur Verfügung steht, auszuschöpfen.

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©Panini Comics Deutschland

Es ist die perfekte Symbiose zwischen einer öffentlichen Präsentation der eigenen Gefühle und der mutigen, doch kontrollierten Art ihrer Visualisierung. Dementsprechend kann man „Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte“ als modernes Meisterwerk bezeichnen, welches weder in der Sammlung eines Batman-Fans, noch generellen Comic-Lesers fehlen darf. Ein Band, den ich ohne weiteres, als einen der besten bezeichnen würde, den ich je gelesen habe.

MADs Meisterwerke: Spion & Spion

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Einige von euch werden es wissen, andere wiederum nicht: Ich bin Teil des Orga-Teams des Comicfestivals München und dementsprechend besonders glücklich, den vorliegenden Band besprechen zu dürfen. Warum? Weil der amtierende „Spion & Spion„-Zeichner Peter Kuper sich die Ehre gibt und als einer unserer Star-Gäste (neben Tom Bunk, Herbert Feuerstein uvm.) mit uns das 50-jährige Jubiläum des MAD-Magazins in Deutschland feiern wird! Passend dazu hat Panini Comics Deutschland sich etwas richtig feines einfallen lassen:

Das voluminöse Buch aus der Reihe „MADs Meisterwerke“ macht dem Titel alle Ehre und bringt mit „Spion & Spion“ alles mit, was sich das Satire-Herz wünschen könnte. So findet man das gesamte Werk von Antonio Prohias, seines Zeichens Erfinder der Kontrahenten. Darunter rund 150 Scharmützel aus seiner Feder, die erstmals in Farbe präsentiert werden!

Darüber hinaus wird das Gesamtwerk um einige Duelle des Prohias-Nachfolgers Peter Kuper erweitert, der seit 1990 die beiden Kontrahenten für das MAD-Magazin gestaltet. Doch es bleibt nicht nur bei den amüsanten Keilereien dieser „Kinder“ des Kalten Krieges (die ersten Auftritte fanden Ende der 60er statt). Es findet sich auch umfangreiches Bonusmaterial in Form von 15 Mini-Postern, Essays, Interviews, seltene Sketche, eine gezeichnete Prohias-Kurzbiografie durch den Altmeister Sergio Aragonés und vieles mehr. Im Endeffekt ein Gesamtpaket, dass dem geneigten Leser viel verspricht und noch mehr hält!

Der Band ist zum einen der perfekte Einstieg für angehende Fans des MAD-Magazins bzw. dieser beiden Ikonen, zum anderen aber auch eine schöne Ergänzung für Hobby-Historiker im Comic-Bereich. In jedem Fall bietet diese Ausgabe für alle Leser den lockeren aber zeitgleich bitterbösen Spaß, den man sich von „Spion & Spion“ erwartet.

Ich für meinen Teil bin begeistert und freue mich schon diesen Schmöker persönlich von Peter Kuper signieren zu lassen! Vielleicht sieht man ja auch den ein oder anderen von euch vor Ort?

Batman Adventures 1

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Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Batman Adventures 1“ (Panini Comics) aufgeschlagen, schoss die Nostalgie durch meinen Kopf. Wie so viele andere Fans des dunklen Ritters meiner Generation, verfolgte ich seine Abenteuer jeden Samstag morgen auf einem uns heute immer noch geläufigen Privatsender. Bruce Timm und Paul Dini haben Jahrzehnte nach der 60er-Jahre-Serie mit Adam West eine neue Ikone der Fernsehunterhaltung aus der Taufe gehoben.

Mit „Batman“ (im Original „Batman – The Animated Series“) wurde eine Trickfilmserie umgesetzt, die sowohl jung als auch alt begeistern konnte und zeitgleich neue Wege beschritt. Die Film-Noir-Ästhetik, der hohe Wiedererkennungswert, die uvergleichliche Musik des Danny Elfman – Eine Kombination, die vielleicht nur noch bei den Simpsons auf ernsthafte Konkurrenz innerhalb des Mediums stößt. In dem Zusammenhang ist es eigentlich eine Schande, dass es nie zu einer Heimkino-Veröffentlichung in Deutschland kam. Natürlich kann man sich die vier Staffeln ohne großen Aufwand aus England bestellen, die Erinnerungen hängen aber natürlich an der deutschen Synchronisation.

Um zumnindest teilweise die alten Zeiten aufleben zu lassen, ist nun endlich der erste Band der „Batman Adventures“ erschienen. In den USA sind die Fans nämlich schon 2003 in den Genuss der Reihe gekommen, während auf dieser Seite des Teichs die Leser mal wieder in die Röhre gucken durften. Vielleicht werden nun die ersten Schritte unternommen diese Version von Batman sichtbarer zu machen und irgendwann die Fernsehserie folgen zu lassen? Wer weiß. Mit dem vorliegenden Band wird die Sehnsucht zumindest etwas gestillt.

Hier finden wir uns in altbekannten Gefilden wieder und begegnen lieb gewonnenen Charakteren in der visuellen Gestaltung, die sie zu Ikonen der Popkultur werden ließ. Allen voran Harley Quinn, die ihren ersten Auftritt sogar tatsächlich im Fernsehen und nicht im Comic hatte. Inhaltlich werden drei Story-Stränge serviert, die sich mit dem Pinguin als neuen Bürgermeister Gothams, Ras al Guls Feldzug gegen die Schurken der Stadt und Black Masks mafiöse Machenschaften beschäftigen. Alle bringen wieder das vertraute Gefühl zum Vorschein, welches man als Fan lange vermisst hat. Im Grunde also eine Art Fortführung, die man gerne in bewegter Form gesehen hätte. Bis dahin ist „Batman Adventures 1“ aber alles andere als ein Lückenfüller, sondern eine tolle Ergänzung für jeden, der mit dieser Fassung der Figuren aufgewachsen ist. Daher eine klare Empfehlung meinerseits!