David LaChapelle. Lost + Found. Part I & Good News. Part II

Wenn es einen modernen Künstler gibt, der es schafft zeitgenössische Gesellschaftskritik mit Popkultur und Starkult zu vermengen, dann ist es David LaChapelle. Der in Connecticut geborene Fotograf komponiert in seinen Arbeiten einen Mix aus Religion, Liebe, Showgeschäft und Sex, der in seiner einnehmenden Wirkung den Status festigt, den LaChapelle sich über Jahrzehnte hart erarbeitet hat.

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Dabei scheint es für ihn eine seiner leichtesten Übungen zu sein, die größten Sterne am Hollywood-Himmel und aus der Musikindustrie vor die Linse zu bekommen. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass der Mann gerne mit Tabus spielt und das Privatleben seiner Modells zum Thema seiner Bilder macht und diese sich trotzdem zur Zusammenarbeit bereit erklären. Ob es nun die obskure Familiensituation der Jenners, die erwachsene Tochter Kurt Cobains nebst einem Songzitat ihres Vaters oder die in einer Plastikwelt gefangene Pamela Anderson ist – die Kritik an der Konsumgesellschaft der USA, mit ihren personifizierten Stellvertretern, lässt sich fast physisch greifen.

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Diese Aufmerksamkeit, die sich zum einen aus seiner eigenen Prominenz und zum anderen aus der weit größeren Berühmtheit seiner abgelichteten Motive speist, nutzt er gekonnt um zu einem noch größeren Schlag gegen Missstände auszuholen oder einfach den apokalyptisch anmutenden Zeitgeist für die Ewigkeit auf Zelluloid zu bannen. Er spart dabei nicht an provokanten Details, die sich mal mehr oder weniger in seinen teils in Gigantomanie ausufernden Werken verstecken. Ob es nun nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechende Menschen in krassem Kontrast zu engelsgleichen Gestalten, offen präsentierte Geschlechtsteile vor sakralem Hintergrund oder an der Grenze zu Pornografie konstruierte Settings sind – LaChapelle weiß durch solche Momente zu faszinieren, ohne ins billig plakative abzurutschen.

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Den Beweis, dass er diese Qualität über seine gesamte Laufbahn hinweg halten kann, hat er nun mit den zwei abschließenden Bänden seiner auf fünf Teile ausgelegten Reihe vorgelegt: Lost + Found. Part I & Good News. Part II

Hier präsentiert er nicht nur bis dato unveröffentlichte Bilder aus seinen Anfangsjahren, sondern auch neuere Kreationen, die das erste Mal in einem Buch betrachtet werden können. Erstere zeigen dabei eine kaum bekannte Seite des Künstlers, der in den 80er Jahren fast schon subtil mit seiner Kamera agiert hat. Entrückt wirkende Models, die zwar wie später in surrealen Umgebungen posieren, aber in erstaunlich gedeckten Farbpaletten porträtiert werden. Dazu eine klassischere Form der Ästhetik, die erst später Platz für überlebensgroße Motive machen sollte.

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Zusammen mit den, zumindest in ihrer Aufmachung, bekannten Fotografien ergibt sich der visualisierte Lebensweg eines Ausnahmekünstlers, der zwar in einer zeitgenössischen Art und Weise Unterhaltungsindustrie, Religion und Politik zu einem Gesamtbild vermischt, dabei aber immer noch die Realität abbildet. Überdreht, bunt, schockierend, aber trotzdem ein sofort erkennbares Abbild greifbarer Umstände.

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Genau wegen diesem Kontrast aus Pop und Statement, macht es immer wieder Spaß sich durch beide Bände zu arbeiten und nach Details zu suchen, die einem vielleicht bei der ersten Betrachtung verborgen blieben, denn von diesen gibt es mehr als genug! Wie als Einladung zur selbstständigen Entdeckungsreise, beginnen manche der Seiten mit einer Nahaufnahme eines Bildes, welche als solche, aufgrund der perfekt in Szene gesetzten Elemente, nicht zu erkennen ist. Erst beim umblättern merkt man plötzlich, dass man auf ein gigantisches Gesamtwerk zusteuert, dass in seiner ganzen Pracht den Konsumenten fasziniert zurücklässt.

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Lost + Found. Part I und Good News. Part II sind hierbei als zwei Seiten einer Medaille zu verstehen, weshalb sich die Anschaffung beider Bücher empfiehlt. Ich für meinen Teil bin immer noch wehmütig, nicht bei der Präsentation und dem damit einhergehenden Besuch LaChapelles in Berlin teilgenommen zu haben. Spätestens nachdem ihr selbst eins seiner Publikationen bei TASCHEN in die Hände genommen habt, werdet ihr die Faszination und Begeisterung dafür verstehen. Also nichts wie los und sich selbst ein Bild davon machen!

 

Hiroshige & Eisen. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaido

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Japan, das Land meiner Träume. Von frühester Kindheit an, fasziniert mich die exotische Kultur der Insel, die sich über einen immens langen Zeitraum ohne Einflüsse von außen entfalten konnte. Selbst heutzutage wirkt die industrie-Nation wie ein Hybrid aus Ost und West, der uns in einigen Elementen vertraut, jedoch in den meisten fremd erscheint.

Die dominierenden Bilder Japans, welche uns Europäern als erstes in den Sinn kommen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach die legendären Farbholzschnitte in der Tradition des ukiyo-e von Künstlern wie Utagawa Hiroshige. Landschaften, die zu Träumen anregen und die uns in einer popkulturellen Fassung auch im Manga und Anime begegnen.

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© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN
Die Station Urawa, 1835 (Eisen, Tafel 4)

Einer der bekanntesten Vertreter dieser Kunst-Gattung ist Keisai Eisen. Ihn beauftrage der japanische Kaiser im Jahr 1835 mit der Anfertigung einer Reihe von Holzschnitten, die  die sogenannte Kiso-Straße abbilden sollten. Sie wurde im 17. Jahrhundert durch den damaligen Herrscher Tokugawa Ieyasu als alternative Route zwischen Edo (dem heutigen Tokio) und Kyoto durch das Landesinnere angelegt. Um den beschwerlichen Weg attraktiver zu gestalten, wurden an der mehrere hundert Kilometer langen Strecke Gasthäuser, Läden und Restaurants eröffnet.

Als Eisen 24 Werke abgeschlossen hatte, wurde er von Utagawa Hiroshige abgelöst, der im Jahr 1843 die nun insgesamt 70 Schnitte vollenden konnte. Diese stellen Momentaufnahmen der 69 Stationen auf der Kisokaido genannten Straße dar. In diesen begegnen wir in Naturlandschaften und Stadt-Ansichten sowohl Reisenden, lokalen Arbeitern, als auch Passanten, die ihren Alltag bestreiten. Mit einem Augenzwinkern wird dabei dem Betrachter der Weg als sinnliche Erfahrung präsentiert, die das authentische Leben Japans widerspiegeln soll. Ob Menschen beim Beschlagen eines Pferdes, Fegen der Straße oder in einer angeregten Unterhaltung – alles scheint überzeichnet aber im Kern doch in der Realität verwurzelt.

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© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN
Die Station Itahana, 1836/37 (Eisen, Tafel 15)

Insbesondere die atemberaubenden Naturschauplätze lösen fast augenblicklich Fernweh nach einem Land aus, welches zum Zeitpunkt der Anfertigung der vorliegenden Bilder noch nicht von der Industrialisierung erfasst und in der Folge eine idealisierte Welt der Entschleunigung darstellt.

Nun ist beim TASCHEN-Verlag das einzige bekannte Exemplar dieser Serie erschienen, welches fast ausschließlich aus Erstdrucken besteht und in seinem XL-Format die Pracht entfaltet, die es verdient. Darüber hinaus wird mit der Veröffentlichung von „Hiroshige & Eisen. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaido“ erneut unter Beweis gestellt, dass Bücher in ihrer physischen Form kein Auslaufmodell, sondern die einzige Möglichkeit sind, Inhalte mit allen Sinnen zu erleben. Vor Beginn des eigentlichen Lesens, muss man den auf japanische Art in Leinen gebundenen Band aus einer  kunstvoll gestalteten Box heben, die nicht als reine Verpackung, sondern als Teil des Erlebnisses gelten muss. Wenn man nun beginnt Seite für Seite die einzelnen Stationen zu begehen, mit gefärbten Fotographien aus dem 19. Jahrhundert tiefer in die Materie einzutauchen und am Ende mit aufschlussreichen Textpassagen ein Verständnis für die Kunstform und ihre Vertreter zu entwickeln, merkt man was für ein Schatz in Bezug auf Qualität als auch Quantität vor einem liegt. Ein Kunstwerk, welches als Produkt in den Hintergrund tritt, um den alten Meistern als Träger ihres Schaffens die Ehre zu erweisen.

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© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN
Die Station Seba, 1836/37 (Hiroshige, Tafel 32)

In diesem Sinne ist dieser Bildband nicht nur eine Pflichtanschaffung für jene, die sich für eine längst vergangene Epoche eines faszinierenden Landes interessieren, sondern auch für Leser, die den Prozess der Betrachtung als Genuss in einer Zeit wahrnehmen können, die das Lesen an sich zu einem simplen Abtasten von Wortkombinationen auf einem Bildschirm degradiert hat. Für sie liegt hier ein in jeder Hinsicht wahrhafter Gegenentwurf vor, den man zum Beweis oder persönlicher Freude immer wieder gern aus dem Regal ziehen möchte.

[UPDATE] TASCHEN: Eröffnung des Kölner Flagshipstores und Christo-Signieraktion

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Seit nun 37,5 Jahren begeistert der TASCHEN-Verlag Kunst-Freunde rund um die Welt. Dabei versteht sich das Haus nicht als elitärer Verein, sondern bietet für eine schier unendliche Bandbreite an Interessen, im Bereich der bildenden Künste, eine Anlaufstelle.

Allein die Tatsache, dass der Gründer Benedikt Taschen im Jahr 1980 als Comic-Verkäufer angefangen hat, spricht für sich. Persönliche Interessen und nicht Profit bildeten die Antriebsfeder für eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die unerhörte Mixtur aus Popkultur und klassischem Output auch Dekaden später zu überzeugen weiß.

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Credit: © Christo, Photo: Wolfgang Volz

Dabei hatte der Verlag sowohl in den Anfangsjahren, als auch heutzutage ein Klientel im Blick, welches die Begeisterung für Malerei, Film, Comics, Musik und so vieles mehr teilt, dabei aber aus den verschiedensten Milieus stammen kann. So gehört es nach wie vor zum Standard des Hauses, eine limitierte Fassung eines Buches im passenden Format herauszubringen, um nicht viel später eine günstigere Version für die weniger betuchten Leser anzubieten. Damit kommt wirklich jeder in den Genuss des TASCHEN-Katalogs.

Klingt wie ein reiner Werbetext, spiegelt jedoch meine reale Begeisterung für einen Verlag wieder, der mich seit dem Start von ZOMBIAC begleitet und immer wieder aufs neue überrascht.

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Credit: © Christo, Photo: Wolfgang Volz

Nun hat er einen weiteren Grund zum feiern. Am kommenden Donnerstag, den 21.09., eröffnet der neue Flagshipstore am Kölner Neumarkt 3 und bietet gleich mal einen Star-Gast auf, der von 17 bis 19 Uhr für Autogramme zur Verfügung steht: Christo!

Die Besucher haben während den zwei Stunden die einzigartige Möglichkeit sich zum Beispiel The Floating Piers oder Wrapped Reichstag signieren zu lassen und sich in den neuen Räumlichkeiten umzusehen. Meinen Neid haben sie übrigens sicher! Solltet ihr wie ich, es nicht schaffen nach Köln zu fahren, könnt ihr gerne am kommenden Freitag erneut hier reinsehen und euch Impressionen aus dem neuen Flagshipstore zu Gemüte führen.

Hier nochmal die Details:

Was? Christo signiert und widmet seine Bücher

Wann? Donnerstag, den 21. September, 17-19 Uhr

Wo? Neumarkt 3, 50667 Köln

[UPDATE]

Wer sich einen lebendigen Eindruck von den neuen Räumen verschaffen möchte, findet hier einen tollen Film von der Eröffnung:

Außerdem wären hier die Bilder aus dem neuen Flagshipstore von Fotograf Mark Seelen:

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Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte

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Es ist unglaubliche 66 Millionen Jahre her, seit die gigantischen Echsen, die wir heute als Dinosaurier kennen, ein für alle mal von der Erdfläche verschwanden und bis zum 19. Jahrhundert ein Mysterium blieben. Waren es Drachen, Monster oder eine Prüfung Gottes? Es gab viele Erklärungen für wenige Überreste, die oftmals nur zufällig entdeckt wurden.

Im 19. Jahrhundert begann sich das Interesse an den urzeitlichen Wesen erneut zu regen, als im Jahr 1830 der englische Wissenschaftler Henry De la Beche das erste Stück Paläokunst anfertigte und damit den Grundstein für etwas legte, was sich für 200 Jahre sowohl in Bezug auf Wissenschaft als auch Kunst etablieren sollte. Doch schon mit diesem ersten Bild kristallisierte sich das Problem heraus, dass diese Art der Malerei bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts begleiten sollte: Für die Kunst-Welt sind die Arbeiten nicht den Diskurs wert und für Wissenschaftler geben sie nicht das exakte Abbild dessen wieder, was sie verlangen.

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Charles R. Knight, 1897; ©American Museum of Natural History, New York

Natürlich entwickelte sich diese Nische von makaberen Fantasiewesen des Erstlings „Duria Antiquor“ bis zu den apokalyptischen Werken von Ely Kish sowohl auf technischer als auch inhaltlicher Ebene weiter. Trotzdem bestimmten statt Fakten immer Zeitgeist, gesellschaftliche Umbrüche und persönliche Präferenz des jeweiligen Künstlers die auf Leinwand gebannten Ergebnisse. Daher begegnen uns visualisierte Metaphern zum Herrschaftsanspruch bestimmter Politiker, die omnipräsenten Seeschlachten zu Zeiten Napoleons, sowie das plötzlich auftretende Bewusstsein um die Umwelt, verpackt in die darauf individuell gerichtete Sichtweise des Malers.

Deswegen ist es kein Wunder, dass mit extrem wenigen Ausnahmen kaum Originale in Museen hängen, sondern meistens ein Dasein in privaten Sammlungen, vergessenen Kammern und Kellern fristen. Um dem ein Ende zu setzen und der Paläo-Kunst die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die sie verdient, machte sich die Herausgeberin Zoë Lescaze an die Arbeit um mit dem TASCHEN-Verlag ein wahres Denkmal zu publizieren. Mit Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte, ist es gelungen ein allumfassendes Werk auf den Markt zu bringen, dass einem Randgebiet des Kunstbetriebs ein unverhofftes Revival in der öffentlichen Wahrnehmung beschert.

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Tree of Life
Alexander Mikhailovich Belashov, 1984; ©Borrissiak Paleontological Institute RAS

Mit einem Vorwort des Künstlers Walton Ford, wird ein wie vom Verlag gewohnt üppig illustrierter Band eingeleitet, der bei der zufälligen Entdeckung eines Ichthyosaurus-Skeletts durch die Zimmermannstochter Mary Ann Anning einsetzt und mit dem Jahr 1990, passend im Weltuntergangs-Setting der schon erwähnten Ely Kish, endet. Neben den Kommentaren zu ausnahmslos allen Abbildungen, wird die Geschichte dieser urzeitlichen Darstellungen durch einen Essay von Zoë Lescaze eingeordnet.

In dieser Kombination bietet das Buch nicht nur etwas für Hobby-Paläontologen und Malerei-Verfechter, sondern auch für jeden von uns, der in seiner Kindheit und Jugend eine populärwissenschaftliche Publikation in den Händen hielt und sich an gruseligen, lustigen und interessanten Darstellungen aus einer Zeit erfreut hat, die man mit viel Fantasie nur erahnen konnte. Zwar sind die Zeiten klassischer Abbildungen vorbei und digitale Formate für jüngere Generationen greifbarer, aber an den Charme mit der Hand geführter Pinselstriche kommt nichts so schnell heran. Ein beeindruckender Beweis in XL-Format liegt mit Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte in jedem Fall vor.

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The Ichthyosaur and the Plesiosaur (Lias Period)
Edouard Riou; engraved by Laurent Hotelin and Alexandre Hurel, 1863; ©TASCHEN

 

Egon Schiele. Sämtliche Gemälde 1909-1918

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Jung, rebellisch, radikal und verstörend. Allesamt Attribute, die man zunächst wohl einem Individuum der zeitgenössischen Kunst zuschreiben würde. Ob sich diese nun in Musik, Malerei oder anderweitig Ausdruck verschafft, ist im ersten Schritt vermutlich nicht mal von Relevanz, da sich die damit im Zusammenhang stehenden Akteure in solchem Maße mit Provokationen zu übertrumpfen versuchen, dass der anvisierte Schock in der Bedeutungslosigkeit zu verpuffen droht.

Dabei bleiben die Originale, die sich in erster Linie durch ihre Schöpfung selbst definiert und die Reaktion der Umgebung als Nebenprodukt mitgenommen haben, bis zum heutigen Tag unvergessen. Die Rede ist dabei nicht von den Enfant Terribles der modernen Popkultur, sondern von ihrem personifizierten Vorläufer Egon Schiele, der als der wohl berühmteste Vertreter des Wiener Expressionismus, mit seinen verstörend offenen Malereien und Zeichnungen die Gemüter seiner Mitmenschen erhitzte und den nachfolgenden Generationen als Inspiration diente.

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Selbstbildnis mit Lampionblume, 1912 (Wien, Leopold Museum)

Der mit nur 28 Jahren Jahren an der spanischen Grippe verstorbene Künstler hinterließ trotz seines sehr kurzen Lebens, jedoch ein so umfangreiches Œuvre, dass man nicht umhin kommt von einem Jahrhundertalent zu sprechen. Es ist in dem Sinne nicht verwunderlich, dass ihm seine Begabung durchaus bewusst gewesen sein muss, wenn man von seinem auf dem Totenbett getätigten Zitat ausgehen möchte: „Nach meinem Tode, früher oder später, werden die Leute mich gewiß lobpreise und meine Kunst bewundern.„

Es scheint in diesem Sinne nicht verwunderlich, dass sich diese Voraussage im vollen Umfang als wahr herausstellen sollte und der Name Schiele in seiner Beliebtheit eine Art zweite Renaissance erlebt. Diese nutzt nun der Herausgeber, Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Leopold Museums, Tobias G. Natter in Zusammenarbeit mit dem TASCHEN-Verlag um sämtliche Gemälde des Künstlers zwischen den Jahren 1909 und 1918 im XL-Format zu präsentieren und mit Experten-Beiträgen einzuordnen. Diese sind ausgewiesene Kenner in Bezug auf Schiele und haben schon zuvor grundlegende Werke zu dem Mann publiziert (u.a. Christian Bauer) oder ganze Ausstellungen kuratiert (u.a. Helena Peréna).

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Versinkende Sonne, 1913 (Wien, Leopold Museum)

Sie bieten mit ihren Texten die Möglichkeit Egon Schieles Leben chronologisch von seinen Anfängen, über seinen Durchbruch, seine Stil-Entwicklung, bis zu seinen letzten unter dem Eindruck des ersten Weltkriegs erlebten Jahre zu verfolgen und dabei die Einflüsse und Einschnitte zu entdecken, die zu seinem unverwechselbaren Stil führten: ausgezehrte, den Betrachter fixierende Gestalten, die drastisch dargestellte Sexualität und nicht zuletzt die unzähligen Selbstporträts, die den Berufsprovokateur zu der Legende formten, die sie heute ist.

Hinzu kommt ein ganzes Kapitel, welches sich nur mit dem literarischen Output des Mannes beschäftigt. Was in dem Zusammenhang nämlich vielen unbekannt sein dürfte, ist die Doppelbegabung Schieles, die sich in zahlreichen Gedichten äußerte, die vor seinen Malereien und Zeichnungen natürlich in den Hintergrund rückten, in diesem Band aber die Beachtung erfahren, die sie verdienen.

Wie es sich für eine TASCHEN-Publikation gehört, findet sich abschließend ein kurzer, aber aufschlussreicher Lebenslauf, sowie ein Katalog sämtlicher Gemälde, die in ihrer Kombination einen schönen Einstieg für Neuentdecker Schieles und eine willkommene Ergänzung für Kenner der Materie bieten.

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Stehendes nacktes Mädchen mit orangefarbenen Strümpfen, 1914 (Wien, Leopold Museum)
orangefarbenen Strümpfen, 1914

In diesem Sinne bietet Egon Schiele. Sämtliche Gemälde 1909-1918 die Qualität, die man vom Verlag gewohnt ist und die von der Tatsache, dass viele der 221 abgebildeten Gemälde für dieses Buch eigens neu fotografiert wurden, eindrucksvoll unterstrichen wird. Die Zusammenarbeit mit einer, wenn nicht sogar DER Koryphäe auf dem Gebiet der Wiener Kunst um 1900 wirkt dabei nicht als Überraschung, sondern als zwangsläufige Folge, um den etablierten Standard zu zementieren.

Daher kann ich nichts weiter, als eine vom ganzen Herzen kommende Empfehlung für die Anschaffung dieses Bandes aussprechen, der in keinem Regal eines Bewunderers der Wiener Kunst-Szene um die Wende des 20 Jahrhunderts oder jemanden, der es werden möchte, fehlen darf.

75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen

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Als ich im Jahr 2011 das Comicfestival München besucht habe, war ich schon ein großer Fan der dort präsentierten Kunstform. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber leider noch kaum mit der Szene vernetzt, geschweige denn über den Output der relevanten Verlage informiert.

Dazu gehört aufgrund von entsprechenden Releases natürlich auch der TASCHEN-Verlag, der mir das erste Mal auf der eben erwähnten Veranstaltung durch den damals frisch auf den Markt geworfenen Band 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen aufgefallen ist. Zu übersehen war das Werk auf jeden Fall nicht. In den typisch gigantischen Maßen (nur die SUMO-Ausgaben sind größer) und leuchtenden Farben zog es mich in seinen Bann und wäre ich nicht noch Schüler mit entsprechend geringem Einkommen gewesen, hätte ich mir schon damals dieses Buch zugelegt.

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Neben den offensichtlich quantitativen Merkmalen, war schon damals bekannt, welch unvergleichlicher Inhalt mit diesem Prachtband geliefert wird. Nicht umsonst wurde dieser im selben Jahr mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award als bestes Buch mit Comic-Bezug ausgezeichnet. So ging ich auf die Suche nach einer gebrauchten Version, um auch in den Genuss dieses Must-Haves zu kommen, ohne gefühlt mein halbes Konto plündern zu müssen und fand schlussendlich eine reduzierte Fassung, die seitdem ein prominenten Platz in meinem Bücherschrank für sich eingenommen hat. Jahre später können neue Fans und diejenigen, die sich die XXL-Fassung nicht leisten konnten, endlich aufatmen und sich für nur ein Drittel des ursprünglichen Preises, eine bezüglich der Größe kleinere aber inhaltlich identische Version von 75 Jahre DC Comics besorgen.

Falls es tatsächlich jemanden geben sollte, an dem dieses Juwel zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung vorbei gegangen sein sollte, möchte ich im Detail darauf eingehen, was den Käufer erwartet:

Auf stolzen 720 Seiten präsentiert uns der Herausgeber Paul Levitz, seines Zeichens ehemaliger Geschäftsleiter des legendären DC-Verlags, sowohl die Geschichte des im Titel prangenden Hauses, als auch die inhaltliche Ausrichtung einzelner Reihen im Laufe von fast acht Dekaden. In dieser Zeit begegnen uns mehr als hundert Mitarbeiter, die sich in den verschiedensten Arbeitsbereichen des Unternehmens eingebracht und dabei unzählige Charaktere erarbeitet haben, die zum großen Teil noch heute fester Bestandteil der Popkultur sind.

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Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, teilt sich das Buch entsprechend der bekannten Zeitalter der Comic-Geschichte (Golden Age, Silver Age, etc.) in mehrere Kapitel ein, die für sich einen schönen Überblick zu den Ereignissen der jeweiligen Epoche bieten. Wie es sich für eine Veröffentlichung bezüglich dieses Themas gehört, wird mit den bunten Bildchen nicht gespart und der geneigte Leser damit fast (im positiven Sinne) erschlagen. Diesbezüglich handelt es sich nicht nur um die Cover der wichtigsten Geschichten des Verlags, sondern auch um Schätze für Kenner, Ausflüge in bestimmte Subgenres des Mediums und zahlreiche Archiv-Fotos, die teils zum ersten Mal und exklusiv Eingang in ein Buch fanden.

Wem das nicht reicht, findet zusätzlich Passagen, die den Einfluss der DC-Releases auf die Popkultur beleuchten. In diesem Zusammenhang werden nicht nur offensichtliche Ereignisse wie die Adam West-Batman-Serie erwähnt, sondern auch moderne Verfilmungen, die insbesondere seit der Jahrtausendwende im Aufwind sind. Abgeschlossen wird der Band kurz vor Beginn der New 52-Reihe, die ohnehin einen nicht zu vergleichenden Einschnitt in das Kontinuum der uns bekannten Geschichten darstellt, welcher erst mit dem Rebirth-Reboot Rückgängig gemacht wurde.

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Sollten Leser darüber hinaus Interesse an der Geschichte des Verlags haben, aber der englischen Sprache nicht mächtig sein (in der standardmäßig bei TASCHEN veröffentlicht wird), gibt es ein schön übersetztes Beiheft, welches man sich nach der Bilderflut des Hauptbuches zu Gemüte führen kann.

Alles in allem stellt 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen nicht einfach nur eine gute Informationsquelle in Bezug auf die Historie eines der relevantesten Comic-Verlage aller Zeiten dar, sondern kann, ohne zu übertreiben, als Standardwerk bezeichnet werden, welches man sich ohne irgendwelche Zweifel ins Regal stellen kann. Insbesondere durch die nun günstige Neufassung des Werks, kann es eigentlich keine Ausreden mehr geben. Also nichts wie hin zum nächsten Comic-Shop oder Bücherladen und ab in den Einkaufswagen damit!

TASCHEN Warehouse Sale + Gewinnspiel

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Zwei Mal im Jahr dürfen sich Fans von Design, Film, Malerei, Comics und anderen Kunst-Formen ganz besonders freuen: Der TASCHEN-Sale findet statt und bietet auch Fans mit kleinerem Geldbeutel die Möglichkeit, sich ein paar richtige Schmuckstücke ins Regal zu stellen.

Vom 22. bis 25. Juni können sich Besucher von TASCHEN.com mit Rabatten von 30-75%(!) eindecken und dabei aus der ganzen Bandbreite des Verlags schöpfen (bis zum 24. Juni in den Flagshipstores). Wenn ihr euch nicht sicher bezüglich einer Anschaffung seid, könnt ihr gerne durch meine Rezensionen stöbern. Einfach den Namen des Verlags in die Suchleiste eingeben und los geht’s!

Zur Feier dieses Events gibt es auch wieder eine feine Verlosung, die wohl den Großteil meiner Leser ansprechen sollte:

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75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen als Neuausgabe! Diese ist inhaltlich mit der gigantischen (mit dem Eisner-Award ausgezeichneten) Fassung für 150€ identisch, ist aber im neuen Format besonders lesefreundlich gestaltet und kann bald euch gehören! Was ihr dafür tun müsst? Euch bis zum 21.06. (23:59 Uhr) beeilen und folgendes durchführen:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Markiert einen Freund unter dem eben genannten Beitrag

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf aus dem ich danach den glücklichen Gewinner ziehen werde.

Ich wünsche euch viel Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim schmökern!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 21.06.2017 um 23:59 Uhr.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.blog und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

Mario Testino signiert in Berliner TASCHEN-Store!

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Wenn man auf die Fotografen der Reichen und Schönen zu sprechen kommt, dauert es nicht lange bis der Name Mario Testino fällt. Der Mann, der durch seine Fotos von Prinzessin Diana zum ersten Ansprechpartner des Adels wurde und durch seine Arbeiten für so gut wie jedes namhafte Modemagazin weltweite Berühmtheit erlangte, kommt nach Berlin um im TASCHEN-Flagshiptstore seine Bücher SIR und UNDRESSED zu promoten. Diese Gelegenheit können Besucher am 02. Juni (17:30-18:30 Uhr) nutzen, um sich eine Signatur dieser Legende zu sichern.

Es gehört nicht viel dazu, um zu verstehen, warum der gebürtige Peruaner so gut wie jeden Promi von Rang und Namen vor die Linse bekommen hat. Repräsentativ steht hierfür der eben erwähnte Band SIR, der über 300 zeitgenössischer Aufnahmen männlicher Ästhetik präsentiert. Jede Facette des starken Geschlechts wird in ausdrucksstarken Motiven festgehalten: Ob Dandy, Macho oder androgyner Jüngling – Testino bringt auch die verborgensten Seiten der Models zum Vorschein.

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©Mario Testino

Apropos Models. Es handelt sich dabei nicht um personifizierte „stock images“, sondern um die berühmtesten Vertreter ihres Geschlechts in Form von Sportlern wie David Beckham, Musikern wie David Bowie oder Schauspielern wie Josh Hartnet. Dabei werden ein ums andere Mal die Grenzen der Geschlechteridentitäten überschritten und damit ein noch spannenderer Blick auf die Bilder ermöglicht.

Wenn ihr euch zur Feier von Mario Testinos Besuch selbst von seinem Schaffen überzeugen wollt, habt ihr hier auf ZOMBIAC die Chance dazu! Ich verlose den eben angeschnittenen Band SIR, den ihr euch entweder persönlich in Berlin unterschreiben lassen oder einfach als schönen Blickfang in euer Regal stellen könnt!

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©Mario Testino

Das einzige was ihr dazu tun müsst, ist es den zu diesem Beitrag veröffentlichten Facebook-Post zu kommentieren und dabei eine/n Freund/in zu markieren! Das Ganze dauert bis Sonntag, den 28.05. um 23:59 Uhr. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen und der Gewinner wird per Facebook kontaktiert.

Viel Glück!

Anne Geddes: Small World

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Im Gegensatz zu Malern haben viele Photographen das schwere Los gezogen, oftmals nicht mit ihrem eigenen Werk assoziiert zu werden. Daher stammt allem Anschein nach auch der Eindruck, dass Photokünstler ihr Geld dadurch verdienen, nur auf einen Knopf zu drücken.

Auf Laien mag dies vielleicht zutreffen, aber die berühmtesten Vertreter ihres Berufsstands beweisen immer wieder aufs neue, dass mehr dahinter steckt. Neben einem guten Auge für das festzuhaltende Motiv wird auch ein Gefühl benötigt, das nicht nur durch mechanisch angeeignete Übung erreicht wird, sondern bei dem primär pures Talent eine große Rolle spielt. Dieses Statement trifft nicht zwangsläufig auf die Schöpfer ewig ikonischer Motive zu, sondern auch auf diejenigen, die ihren Bildern eine ganz persönliche Note geben und damit bewirken, dass sie als das angesehen werden, was sie schlussendlich sind: bildende Künstler.

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©Anne Geddes

Eine der bekanntesten Fälle in diesem Zusammenhang ist sicherlich Anne Geddes, die es mit ihren Baby- und Kinderporträts geschafft hat, jedem ein Begriff zu sein. Selbst wenn der Name manchen nicht sofort geläufig ist, wird spätestens beim Betrachten ihrer Werke ersichtlich, wer sie ist.

Schon seit 1992 erfreut sie Menschen weltweit mit ihren einzigartigen Ideen. Ob als Hase, Blümchen oder in den Leib zurückversetze Metamorphose zwischen Mutter und Kind – Ihre Fotografien berühren und büßen dabei auch nach Jahren nichts von ihrer Kraft ein. Zwar assoziieren die meisten Geddes Arbeit mit Postkartenmotiven oder Kalendern, doch das wird ihrer Gabe, sensibelste Momente auf Bilder zu bannen, nicht gerecht. Um sich ein differenziertes Bild ihres Schaffens zu machen, hat TASCHEN nun kurz vor Muttertag mit „Anne Geddes. Small World“ zum ersten Mal ihr nun fast 30-jähriges Gesamtwerk, inklusive bisher unveröffentlichter Aufnahmen, zusammengetragen.

Diesem wird nicht nur durch die den Bildern angemessene Größe des Buches Respekt gezollt, sondern vor allem mithilfe der liebevollen Aufbereitung, die sich nicht an der Chronologie ihres Schaffens, sondern am Wachstum der Kinder orientiert. Dementsprechend wird die Zeit im Mutterleib mit dem Titel „Anfänge“ betitelt, während thematisch an den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt („Ankunft„), die Entdeckung der Umgebung durch den unschuldigen Blick des Kindes („Wachstum„), sowie das Entwachsen aus der auf sich zentrierten Perspektive („Die nächsten Schritte„) aufgereiht wird.

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©Anne Geddes

Dabei wird die Vertrautheit zwischen der Fotografin und ihren Motiven sofort spürbar. Selten wurden Babys mit solch einer intensiven Lebendigkeit und zeitgleich einer schier unfassbaren Zerbrechlichkeit zum zentralen Bildinhalt einer Photographie gemacht. Dabei schafft es Anne Geddes die Intimität auch trotz Zuhilfenahme von teils sehr aufwändigen und liebevoll gestalteten Requisiten beizubehalten. So werden die Kleinen in verschiedenste Kostüme gekleidet und in fantasievolle Umgebungen versetzt, die eine fast natürliche Symbiose eingehen. Trotzdem wird das Ganze zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche gezogen, sondern versprüht geradezu einen subtilen Humor, der den Bildern nicht die Atmosphäre eines beliebigen Photoshoots gibt, sondern jedes Werk mit einem gewissen Etwas ausstattet.

Man muss keinen Kinderwunsch in sich tragen, um sich des Zaubers von „Small World“ bewusst zu werden. So findet man in den Werken die seltene Kombination aus Emotion und Ästhetik, die den Betrachter in eine Welt jenseits der rauen und bisweilen furchteinflößenden Wirklichkeit gleiten lässt. Um Babys und Kinder, die nun mal das Hauptmotiv von Anne Geddes Lebenswerk sind,  vor den dunklen Seiten dieser Gesellschaft zu schützen, hat sie vor vielen Jahren die Vereinigung Geddes Philanthropic Trust gegründet. Diese wird durch die Einnahmen ihrer Produkte finanziert und unterstützt mit beachtlichen Summen den weltweiten Kampf gegen Kindesmisshandlung und Verwahrlosung.

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©Anne Geddes

Anne Geddes widmet sichtlich all ihre Energie und Inspiration der Schönheit und Schätzung der jüngsten Erdbewohner unter uns und schafft dabei ein abgerundetes Gesamtwerk aus philanthropischen und künstlerischen Errungenschaften.

Ich für meinen Teil war zunächst etwas skeptisch, was dieses Buch anbelangt. Die Leser, die ZOMBIAC schon etwas länger verfolgen, wissen um mein Faible für bizarre Motive und dunkle Abgründe in allen Bereichen der Kunst. Dabei sticht der liebliche Bildband „Small World“ offensichtlich heraus. Jedoch hat mich die Zartheit der Motive und immense Kreativität der einzelnen Werke sofort und in jeder Hinsicht überzeugt. Wer hätte gedacht, dass ich, als Freund der dunklen Motive, während des Betrachtens eines Fotobandes fast durchgehend ein seliges Lächeln auf den Lippen tragen würde? Ja, es klingt fast schon Diabetes-auslösend süß, aber es entspricht der Wahrheit und hat mich zur Einsicht gebracht, dass auch Werke außerhalb der eigenen (primären) Interessen das Herz berühren können. Überzeugt euch selbst vom Zauber des Bildbandes Small World von Anne Geddes, dem auch ich selbst nicht widerstehen konnte. (P.S.: Bald ist Muttertag 😉 )

100 Manga Artists

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Der Manga als Kunstform ist schon seit vielen Jahren im westlichen Mainstream angekommen. Ob durch die auf RTL II ausgestrahlten Animes, den Hype um die Pokémon– oder Dragonball-Reihe: Der japanische Comic hat sich zum allgegenwärtigen Kultobjekt gemausert.

Leider gehen mit großem Erfolg auch viele Schattenseiten einher. Sowie beim westlich geprägten Comic, dominieren in der breiten Masse die Klischees. In diesem Fall glupschäugige Mädchen in Schuluniformen und abgedrehte Storys, die in ihrer süßen Form vermutlich unter anderem für Diabetes verantwortlich sind.

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© Yûji Aoki

Soweit die Vorurteile. Denen stellt sich nun TASCHEN mit dem neuesten Zuwachs der „Bibliotheca Universalis“ entgegen und veröffentlicht „100 Manga Artists„. Wie der Titel schon verrät, beinhaltet dieses 672 Seiten starke Werk Informationen über die wichtigsten Vertreter des Manga in alphabetischer Reihenfolge. Dabei werden auf jeweils 4-8 Seiten in knackiger Form biographische, als auch bibliographische Informationen über alte Meister und junge Talente geboten, die entsprechend dem Medium mit Bildern aus den Veröffentlichungen der genannten Personen unterstrichen werden.

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© Usamaru Furuya

Im Laufe der Lektüre sollte dann auch der letzte Zweifler seinen Blick auf diese traditionsreiche Kunst verändern. Die schiere Bandbreite auf erzählerischer und technischer Ebene zeigt eindrucksvoll wie viel hinter dem Oberbegriff des Manga steht. Es gibt natürlich Elemente, die die präsentierten Werke dem Genre zuordnen. Diese geraten aber schon auf den zweiten Blick in den Hintergrund. Genau wie in Europa oder den USA, haben die Künstler in Japan unterschiedlichste Einflüsse, die sie in ihre Arbeit einbauen und damit wiederum Alleinstellungsmerkmale kreieren. So stolpert man neben an Karikaturen erinnernde Figuren, über detailverliebte Landschaftsbilder, bis hin zum Ultrarealismus über alles was man sich in dieser Hinsicht vorstellen kann.

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© Osamu Tezuka

Damit fungiert „100 Manga Artists“ nicht nur als nützliche Enzyklopädie, sondern auch als Inspirationsquelle für vorhandene Leser oder diejenige, die es noch werden wollen. Ich für meinen Teil verspüre wieder den Reiz eine gute Geschichte aus Fernost zu schnappen und in die zeitgleich vertraute als auch fremd anmutende Welt abzutauchen. Dementsprechend gibt es von mir eine klare Empfehlung. Bei einem Preis von knapp 15 Euro, kann man auf jeden Fall nicht viel falsch machen!