[Rezension] Hard Boiled (Cross Cult)

hardboiled_neueedition_rgb-aaed980b-4e820eb4

Frank Miller ist ein Name, den man nicht nur als versierter Kenner der Comic-Branche, sondern auch als Laie kennt. Vor allem dank seiner legendären Arbeiten an Batman („The Dark Knight Returns„, „Batman: Year One„) und eigenständigen Kreationen wie „300“ oder „Sin City„, ist er über den Fan-Kreis der bunten Heftchen auch im Mainstream durchaus ein Begriff.

Was dabei jedoch im Schatten seiner größten Werke schnell in Vergessenheit gerät, sind seine Arbeiten, die noch kompromissloser sind als man es ohnehin von ihm gewohnt ist und damit sogar vom Feuilleton links liegen gelassen werden (oder in diesem Fall „wurden“). Damit sind Erzählungen gemeint, die mehr an die anarchistischen Anfänge der Underground-Comix erinnern, als an die stilisierten Klassiker, die üblicherweise den Namen „Miller“ als Aushängeschild nutzen.

hardboiled_neuedition_in11-2e3e05fd

©Cross Cult

Dazu gehört definitiv die dreiteilige, mit dem Eisner-Award ausgezeichnete MiniserieHard Boiled„, die zwischen 1990 und 1992 bei Dark Horse Comics erschien und schon damals durch Sozialkritik und schlicht unzählige Details auffiel. Es wäre in dem Zusammenhang auf visueller Ebene nicht übertrieben diese Geschichte als eine Art „Wo ist Walter“ ab 18 zu bezeichnen. Nun ist der Band in neu kolorierter Fassung bei Cross Cult erschienen.

Die Rahmenhandlung ist, wenn man sie losgelöst von den unfassbar ausgetüftelten Zeichnungen von Geof Darrow löst, fast schon Nebensache. In dieser ist Hauptfigur Nixon vordergründig ein Steuerfahnder, der seine Ziele auf brutale Art und Weise verfolgt und schließlich findet. Wäre da nicht der Umstand, dass er dabei unzählige Zivilisten in den Tod reißt und es dabei nichtmal wirklich merkt. Warum? Nun, Nixon ist ein Cyborg, der nur glaubt einem Job nachzugehen, während seine gesamte Existenz in Wirklichkeit ein einziger Amoklauf ist. Oder ist das Ganze vielleicht nur ein Traum? Hier vermischen sich Realität und Fiktion in einem blutigen Cocktail, der den Leser ebenso überrascht wie schockiert.

hardboiled_neuedition_in12-be4d3f84

©Cross Cult

Der eigentliche Inhalt versteckt sich aber in den erwähnten Zeichnungen, die teilweise mit einem Panel eine ganze Seite füllen und mit einem Vorschlaghammer an Eindrücken eine Sozialkritik par excellence bieten. In dieser Welt leben zwar Menschen Seite an Seite, doch ignorieren sie gefühlt ihre komplette Umgebung. Ob ein Mann seine Frau an der Supermarkt-Kasse verprügelt, Fetischisten ihrem Trieb in der Öffentlichkeit nachgeben oder Nixon sie niedermäht – es scheint ihnen egal zu sein. Man sieht nur gleichgültige Gesichter, die höchstens im Angesicht des Todes den Anflug einer Überraschung zu verspüren scheinen, aber hauptsächlich in einer auf reinen Konsum orientierten Welt ersticken. Anders kann man die mit Unrat übersäten Straßen und bizarr vergrößerten Lebensmittel in Auslagen nicht interpretieren. Wem das noch nicht offensichtlich genug erscheint, dem reicht in Blick auf eine bezeichnende Seite, auf der der Bösewicht der Geschichte intravenös mit Cola, Burgern und Co. vollgepumpt wird. Eine bitterböse Parodie des „American Way of Life“ in Reinform.

Wie zeitgemäß diese nun fast 30 Jahre alte Geschichte ist, lässt sich schon aus den vorangegangenen Zeilen gut ablesen, aber durch die neue Kolorierung von Dave Stewart („Hellboy„) könnte man ohne Vorwissen ohne weiteres denken, dass es sich bei „Hard Boiled“ um eine Neuerscheinung handelt. Mit den neuen Farben, die die ursprünglich schier nach 80ern schreienden Facetten restlos beseitigt haben, wirken die Details verstörender, die Umgebung brutaler und die pervertierte Form der US-Gesellschaft noch trostloser, als es bei der ursprünglichen Veröffentlichung der Fall war. Mit welchem Können hier die Macher herangegangen sind, wird allein schon durch den Umstand deutlich, dass ich erst auf den zweiten Blick verstanden habe, einen Klassiker aus Millers Feder (obwohl er frei nach der Handlung des „Blade Runner„-Regisseurs Philip K. Dick erzählt) in den Händen zu halten.

hardboiled_neuedition_in13-9daa0da2

©Cross Cult

In diesem Sinne ein wahres Meisterwerk, dass zu Unrecht vom Mainstream vergessen wurde und nun einer Leserschaft vorgestellt wird, die die Thematik neu auffassen und lieben lernen kann. Es ist ein Band, der darüber hinaus die Eigenständigkeit des Mediums Comic betont und damit klar macht, dass auch mit Bildsequenzen gesellschaftsrelevante Statements gesetzt werden können. Eine klare Empfehlung für jeden mit einem starken Magen, Miller-Fans (was es vermutlich voraussetzt) und Enthusiasten, die mehr aus einem Comic ziehen können, als eine oberflächlich seichte Unterhaltung.

Hard Boiled
Verlag: Cross Cult
Erschienen am: 12.09.2018 
Autor: Frank Miller
Zeichner: Geof Darrow
Kolorist: Dave Stewart
Format: Hardcover  
Seitenzahl: 128 
Preis: 30 EUR

 

Batman – Dark Knight III: Die Übermenschen

BATMANDARKKNIGHTIII2_763

Wenn der Name Frank Miller fällt, horcht die Comic-Szene in der Regel erstmal auf. Ob es sich nun um „300„, „The Dark Knight Returns“ oder die „Sin City„-Reihe handelt – der gute Mann hat mit jedem dieser Meilensteine seinen Legenden-Status weiter zementiert.

Trotz der damit verbundenen Erfolge und einer Reihe von Film-Umsetzungen, die seine Titel einem breiteren Publikum bekannt machten, entwickelte sich sein Schreibstil immer weiter in eine derart reaktionäre Ecke, dass selbst seine größten Fans mit der Zeit Abstand von Miller als Person nehmen mussten. Einen traurigen Höhepunkt erreichte seine kreative Tirade gegen alles „liberale“ (unter bestimmten Kreisen in den USA geradezu ein Schimpfwort) mit „Holy Terror„, eine ehemals als Batman-Geschichte konzipierte Erzählung, die sich primär gegen den Islam richtet und ihn gefühlt als Brutstätte des Bösen im Kontext von Terrorismus darstellt. Sachliche Kritik weicht dabei einem für den Autoren und Zeichner typisch blutgetränkten Pathos nach dem Motto „du oder ich“. Kein Wunder, dass DC das Projekt abgelehnt hat und Miller diesen Tiefpunkt bei einem anderen Verlag unterbringen musste. Auch visuell und auf der Ebene des Storytellings baute er immer weiter ab. Selbst die offizielle Fortsetzung zu „The Dark Knight Returns“ mit dem Titel „The Dark Knight Strikes Again“ wurde trotz vorhandener Basis, auf der man eine tolle Geschichte aufbauen könnte, sowohl von Fans als auch Kritikern zerrissen.

Gut 15 Jahre später schlug die Nachricht über eine weitere Fortsetzung natürlich hohe Wellen. Würde sich der streitbare Altmeister auf alte Stärken besinnen oder die nächste Runde seines Streifzuges gegen die „Political Correctness“ einläuten? Dahingehend beruhigte die Ankündigung über eine Erweiterung des Kreativ-Teams, dass den alternden Miller bei seiner Arbeit unterstützen würde. Zum einen Brian Azzarello („100 Bullets„, „Joker„,  „Flashpoint„) an der Seite des Autors und zum anderen Andy Kubert („Flashpoint„, „Batman and Son„, usw.) am Zeichenbrett, vervollständigt durch Klaus Janson (unter anderem „The Dark Knight Returns„) als Inker.

Nun konnte man wirklich gespannt sein, ob der Mann, der in den 80ern neben Alan Moore den Comic aus der Kinderecke in die dreckigen Gossen der Realität führte, mit Hilfe seiner Kollegen eine erneut relevante Geschichte aus dem Hut zaubern würde. Und Siehe da: Er hat es tatsächlich geschafft.

81zDh3oaUFL

©Panini Comics

Zunächst aber einmal eine kurze Anmerkung zum Titel des Comics, der nicht unbedingt auf eine positive geistige Entwicklung des Machers schließen lassen könnte. Während es im Deutschen mit „Batman – Dark Knight III: Die Übermenschen“ einen Querverweis zu Nietzsche gibt, lautet der mit einem bitteren Beigeschmack versetzte Titel des Originals „Dark Knight III: The Master Race„. Auch auf Englisch ist es ein kalkuliertes Spiel mit Tabus, dass man hierzulande aus nachvollziehbaren Gründen nicht mittragen wollte. Die Vermittlung eines „Herrenrasse“-Schriftzugs wäre durchaus eine eher schwierige Aufgabe auf dem deutschen Markt. Beide Bezeichnungen sind jedoch ein direkter Verweis auf den Inhalt und daher nur auf den ersten Blick eine reine Provokation.

Die Handlung setzt drei Jahre nach dem Ende des Vorgängerbandes ein. Bruce Wayne gilt als verstorben, Wonder Woman zieht auf der Amazonen-Insel Themyscira ihren Nachwuchs Lara und Jonathan auf, die beide niemand geringeres als den Mann aus Stahl ihren Vater nennen können. Dieser ist jedoch wie der dunkle Ritter seit Jahren nicht gesehen worden. Ein Status Quo, aus dem nichts auf eine Veränderung hindeutet, wenn nicht scheinbar Batman oder zumindest jemand der sich für ihn ausgibt, auf der Bildfläche erscheinen und den Verbrechern auf der Straße nach einer gefühlten Ewigkeit Saueres geben würde. Kurze Zeit später stellt sich jedoch heraus, dass sich mit Carrie Kelley das ehemalige Mündel des maskierten Rächers unter der Maske befindet und das Erbe ihres Lehrmeisters aufrechterhalten will. Wie schon im Erstlingswerk, dürfen damit zusammenhängende Verweise auf die journalistische Berichterstattung nicht fehlen, die diesmal nicht nur mit Talkshow-Ausschnitten aufwarten, sondern auch ganz aktuelle Phänomene wie virale Videos oder wirre Kommentare eines Donald Trump (klar zu erkennen, ohne benannt zu werden) mit einbeziehen. Somit wird eine Ebene der gesellschaftlichen Relevanz eingefügt, die man als belesener Fan gerne annimmt, die den uninteressierten Leser aber auch nicht irritiert. Im Endeffekt ein auf wenige Panels komprimierter Balanceakt, der das dem Comic oft angedichtete Phänomen des Trivialen infrage stellt.

Währenddessen hadert Lara mit sich selbst, da sie sich nirgendwo zugehörig fühlt. Ohne greifbare Vaterfigur wächst sie zwar unter Amazonen auf, fühlt sich mit ihren von Superman geerbten übermenschlichen Fähigkeiten aber nicht als Teil der Gemeinschaft. Deswegen beschließt der Teenager sich dazu die Festung der Einsamkeit, Rückzugsort und Geheimversteck ihres kryptonischen Vaters, aufzusuchen und dort nach Antworten zu ihrer Identität zu suchen. Dort findet sie nicht nur ihren vor längerer Zeit eingefrorenen Vater, sondern auch die zur Miniatur geschrumpfte kryptonische Stadt Kandor. Unter einer Glaskuppel gefangen, sehnen sich die Bewohner nach einer Befreiung. Einzelne als Hilferuf interpretierte Zeichen deuten zumindest darauf hin. Lara sieht nun ihre Chance gekommen sich mit in ihren Augen „ihresgleichen“ auszutauschen, schnappt sich kurzerhand die Stadt und sucht die einzige Person auf, die ihr helfen könnte: Ray Palmer alias Atom.

81MHgvAtSNL

Der Wissenschaftler hat es geschafft sich nach Belieben zu schrumpfen und wieder wachsen zu lassen und soll nun zur Rettung der letzten Kryptonier beitragen. Doch dieser Plan entpuppt sich als fataler Fehler. Zur Lebensgröße angewachsen, stellt sich heraus das der zuvor getätigte Hilferuf von einer Sekte um den irren Anführer Quar abgeschickt wurde, der mit der Selbstüberhöhung der eigenen Rasse eine Art faschistisch-spirituellen Führer darstellt. Noch unter der Kuppel hat er mit seinen Anhängern diejenigen ermordet, die sich nicht zu seinen Idealen bekannten und möchte dieses Spiel nun auf der Erde wiederholen. Durch die gelbe Sonne der Erde nun wie Superman mit entsprechenden Kräften ausgestattet, sieht es so aus, als gäbe es niemanden auf der Welt, der die Kryptonier-Sekte in ihre Schranken weisen könnte, wenn nicht eine uns allzu bekannte Gestalt aus dem Untergrund auftauchen würde: Bruce Wayne. Gealtert und mit Wut im Bauch offenbart er sich der Öffentlichkeit und reaktiviert auch einige seiner alten Mitstreiter, um nichts weniger als die Welt zu retten…

Inhaltlich möchte ich ab diesem Zeitpunkt nicht zuviel vorausnehmen, da sich die Spannung der Story auch aus unerwarteten Wendungen speist und damit verhindert, dass das Ganze zum üblichen Gekloppe verkommt.

Außerdem entdeckt man zwischen den einzelnen Kapiteln, die ursprünglich als Einzelhefte ihren Weg in die Regale der Comic-Shops fanden, so etwas wie Tie-Ins, die zwar die Story voranbringen, aber als Zusatzelemente konzipiert wurden. Diese wurden zudem nicht wie der Hauptstrang von Andy Kubert, sondern von Frank Miller selbst gezeichnet. Ob das eine gute Idee war, muss der Leser wohl für sich selbst entscheiden. Es ist auf jeden Fall anzumerken, dass neben der unsäglichen digitalen Kolorierung, die schon seit gut 20 Jahren nicht zu seinem Stil passt, auch die zeichnerischen Fähigkeiten des Künstlers sich im Rahmen halten. So schwankt er zwischen extrem grobschlächtigen Geschmiere und genialer Strichführung vergangener Tage. In jedem Fall kommt sein Talent nicht an das des hauptverantwortlichen Kubert ran, dem zurecht bei diesem Projekt Platz gemacht wurde. So schafft er es tatsächlich seinen eigenen Stil mit der ursprünglichen Gestaltung der 80er und damit zeitgleich Nostalgie und Moderne verschmelzen zu lassen.

81DG2+UaRUL

©Panini Comics

In diesem Sinne schafft es „Batman – Dark Knight III: Die Übermenschen“ sowohl auf visueller als auch erzählerischer Ebene den Sprung zum modernen Klassiker, der zwar nicht wie „The Dark Knight Returns“ eine Revolution, aber sicherlich eine Evolution darstellt, die mit gut funktionierenden Rezepten aus der Vergangenheit auch im hier und jetzt zu überzeugen weiß. Eine klare Empfehlung!

Batman - Dark Knight III: Die Übermenschen 
Verlag: Panini Comics 
Erscheint am: 10.04.2018 
Autor: Frank Miller und Brian Azzarello
Zeichner: Frank Miller, Andy Kubert, Klaus Janson
Format: Softcover bzw. Hardcover
Seitenzahl: 380
Preis: 34 bzw. 39 EUR

Daredevil – Der Mann ohne Furcht

Heutzutage ist der Name Frank Miller in so einem Ausmaß mit Werken, wie „The Dark Knight Returns“, der „Sin City“-Saga oder „300“ verbunden, dass andere Veröffentlichungen oftmals in den Hintergrund rücken und für viele Leser meiner Generation (mit Ausnahmen in Form der Die-Hard-Fans) in Vergessenheit geraten. So ist es mit Robocop vs. Terminator geschehen und Daredevil bildet dabei auch keine Ausnahme. Als Comic-Leser, der nicht nur alle paar Monate am Kiosk vorbei schaut, weiß man, dass Miller an der Figur arbeitete und sie wie viele andere für die Ewigkeit verändert hat. Weitere Details fehlen oft. Die unsägliche Verfilmung mit Ben Affleck tat ihr übriges und der „Teufelskerl“ verschwand für den Mainstream zeitweise in der Versenkung.

Nun macht Panini Comics dem Helden in rot alle Ehre und bringt sein über zwanzig Jahre altes Abenteuer erneut unter die Leute. Diesmal ausgestattet mit exklusivem Bonusmaterial und auf der Erfolgswelle der gleichnamigen Netflix-Serie surfend, wird Daredevil wie einst ins rechte Licht gerückt.

Inhaltlich widmet sich die Geschichte den Ursprüngen des „Mannes ohne Furcht“ und zeichnet dabei zunächst seine Kindheit im trostlosen Viertel „Hell’s Kitchen“ nach, in welchem er mit seinem alleinerziehenden Vater wohnt und dabei ums tägliche Überleben kämpft. So ist Papa Jack dazu gezwungen als abgehalfterter Boxer für den Mob Geld einzutreiben, während sein Junge Matt sich auf den Straßen herumtreibt. Das gemeinsame Leben ändert sich jedoch radikal, als Matt nun im Teenageralter einem alten Mann das Leben rettet und dabei erblindet. Die radioaktiven Chemikalien, die ihm die Sehkraft rauben, schärfen jedoch seine restlichen Sinne und lassen ihn dahingehend seine Umgebung „mit anderen“ Augen wahrnehmen. Daraufhin fördert der mysteriöse „Stick“ das Talent und den Willen des Jungen. Als sich Jack jedoch eines Tages weigert bei einem manipulierten Boxkampf auf die Bretter zu gehen, kommt es zu einer schicksalhaften Wendung im Leben des zukünftigen „Daredevil“, der sich von nun an sowohl „privat“ als Anwalt als auch bei Nacht als Vigilant der Bekämpfung von Unrecht verschreibt.

Im Detail kommt es hierbei zu Miller-typischen Dialogen und extrem offener Gewaltdarstellung, die nur er mit seiner ganz eigenen Art vermitteln und immer wieder als sein Markenzeichen ausspielen kann. Selten habe ich bei Marvel-Werken so oft Knochen splittern und Blut fließen sehen (Ausnahmen sind nicht die Regel! Stichwort: Deadpool) und das ist gut so! Genau genommen unterstreicht es ungemein gut die schon generell rohe und schmutzige Atmosphäre, die einem in jedem Panel ins Gesicht zu springen scheint. Vor allem der parallele Verzicht auf das klassische Outfit lässt die Story nicht so abgehoben wirken, wie so manch andere „Männer in Unterhosen“-Geschichten. Man kann die groben Schnitzer in der Bibliographie dieses Autors vermutlich an einer Hand abzählen und die vorliegende Ausgabe gehört definitiv nicht dazu! Ich bin zwar eher in der DC-Welt angesiedelt, aber durch den Wegfall der oft poppigen Optik und des entsprechenden Strory-Tellings fühlte ich mich beim lesen sehr angesprochen.

Apropos Optik! Es ist in diesem Fall nicht so, als ob nur Millers Name auf dem Cover prangen würde. Auf der visuellen Seite finden wir niemand geringeren als John Romita Jr., dessen Werke man generationsübergreifend kennen sollte. Insbesondere Fans der „freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft“ ist er ein Begriff. Nachdem er zunächst mit „Iron Man“ seine ersten Erfolge bestreiten konnte, trat er in die Fußstapfen seines Vaters und wurde selbst als Zeichner von „Spider-Man“ zur Ikone der Szene. Ein weiteres Werk, welches viel Beachtung bekam, ist seine Zusammenarbeit mit Mark Millar, die in „Kick Ass“ mündete.

Sein Stil fügt sich extrem gut in die Story ein und entspricht ganz der rauen Handlung, die man von so einer Kooperation erwartet. Viele Zeichnungen erinnern teilweise sogar stark an den Strich des Autors, der aber nie imitiert und damit glücklicherweise nicht in den Hintergrund gerückt wird. Viele Details, ausdrucksstarke Mimik und lebendige Szenarien tragen ihren Teil dazu bei auch auf künstlerischer Ebene auf voller Länge zu überzeugen.

Alles in allem liegt hier für jeden Marvel- und Daredevil-Fan ein Standard-Werk vor, welches direkt aus der Zeit des Höhepunkts künstlerischen Schaffens beider Männer importiert wurde. Sollte man kein Freund des Verlags und ihrer Figuren sein, empfehle ich trotzdem zumindest einen Blick auf die abgeschlossene Geschichte zu werfen und sich selbst davon zu überzeugen, dass Miller und Romita Jr. über Grenzen hinweg qualitativ hochwertige Geschichten liefern können.

Robocop versus The Terminator

Wenn man den Titel der vorliegenden Ausgabe liest, dann muss man sich eingestehen, dass es sich zunächst nach der Ausschlachtung zweier Marken anhört, die mit mittelmäßigen Autoren und Zeichnern zusammengeschustert wurde um auch in der Comic-Sparte richtig Kohle für die Hollywood-Studios raus zu schlagen. Auf den zweiten Blick fallen einem jedoch die Namen des kreativen Gespanns um diese Veröffentlichung ins Auge und die Kinnlade gleich darauf herunter.

Ja, wir sehen ganz richtig: Frank Miller (ja, genau der!) und Walter Simonsen (der in den 70er und 80er Jahren quasi an allem für Marvel und DC gearbeitet hat) haben sich tatsächlich im Jahre 1992 zusammen geschlossen und in meinen Augen einen der besten Comics herausgebracht, die auf einem Film-Franchise basieren. Vor allem diejenigen, die sich mit Millers Werken genauer auskennen, werden wissen was sie hier erwartet: Eine brachiale, doch zeitgleich bis ins letzte Detail ausgeklügelte Story, die trotz der zum Klischee neigenden Geschichte niemals ins Lächerliche abrutscht. Genau genommen ist der vorliegende Rahmen der Handlung ziemlich unüblich für Crossover-Events.

Normalerweise werden irgendwelche hanebüchenen Szenarien aus den Fingern gesogen um einen realitätsfernen Rahmen zu schaffen, in dem sich die zwei Hauptprotagonisten so richtig eins auf die Mütze geben können. Hier wurde zum Glück auf dieses ausgelutschte Konzept komplett verzichtet. In diesem Fall wird ein tatsächlich nachvollziehbarer Story-Strang aufgespannt, der die Existenz der einen Figur vollkommen logisch mit der Erschaffung der anderen begründet.

Leseprobe_RoboCop_vs_Terminator_05

Ja, richtig gehört. Ich versuche euch in diesem Zusammenhang die Story näher zu bringen, ohne große Spoiler einzubauen, die euch den Lesespaß vermiesen könnten: Als der den Terminator-Fans bekannte Widerstand der Menschheit erfährt, dass die Technologie, die das Bewusstsein von Skynet aktiviert hat (die Technologie, die den atomaren Erstschlag gegen die Menschheit ausführt und daraufhin die Terminatoren sowohl in die Gegenwart als auch Vergangenheit entsendet um die verbliebenen Menschen auszulöschen), der künstlich wieder hergestellte Verstand des Polizisten Alex Murphy aka RoboCop ist, entsendet er eine Kämpferin aus ihren Reihen namens Flo in die Vergangenheit um eben diesen zu eliminieren. Daraufhin werden scheinbar aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus Schwadronen an Terminatoren nachgeschickt um Murphy um jeden Preis zu beschützen, da dieser durch die Maschinen als der Ursprung oder auch der Schöpfer Skynets angesehen wird. Ab diesem Zeitpunkt möchte ich nicht weiter drauf eingehen wie die Story weiter verläuft, da dies zum einen etwas von der Spannung nimmt und zum anderen Miller-typisch eine Seitenlange Erklärung nach sich ziehen würde.

Auf der erzählerischen Ebene ist an diesem Werk in meinen Augen wenig bis gar nichts zu kritisieren, da hier etwas ungewöhnliches erschaffen wurde. Vermutlich konnte sich hier das kreative Gespann vollends austoben und genoss all die Freiheiten, die man so als aufsteigender Stern am Comic-Himmel so mit bekommt.

Bezüglich des Zeichenstils muss man ebenfalls eine Lanze für Walter Simonson brechen. Jeder, der über Jahre hinweg Comics gelesen hat oder liest, kann sich bestimmt an die unsäglichen Zeiten der 90er erinnern als die Panels genauso wie das Jahrzehnt aussahen: trashig. Zumindest wurde das Wort „zeitlos“ vermutlich eher selten im Wortschatz der Kreativen verortet. Simonson belehrt uns hier glücklicherweise eines Besseren und präsentiert uns einen Stil, der zum einen entfernt an Miller erinnert und zum anderen doch so sauber ausgeführt wird, dass es eine individuelle Note beibehält. Natürlich handelt es sich hier nicht um das aktuelle Werk eines Jim Lee, aber man wird hier in soweit versorgt, dass potentielle Erwartungen komplett erfüllt werden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es selten eine so gute auf Filmen basierende Comic-Umsetzung gab, hinter der auch noch klingenden Namen standen, die ohnehin wenig Zweifel an der Qualität des Werkes zulassen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Kaufempfehlung! In diesem Fall solltet ihr euch jedoch wirklich beeilen: Diesen Band gibt es tatsächlich nur in einer Auflage und diese beträgt nur 1.444 Exemplare! Also nichts wie los und in den Warenkorb damit!

Leseprobe_RoboCop_vs_Terminator_01

The Dark Knight III: The Master Race & Batman: Europa

Es wurde vor einiger Zeit bekannt gegeben, dass Frank Miller mit Brian Azzarello (Joker, Before Watchmen, 100 Bullets) an dem abschließenden Teil der „The Dark Knight Returns“-Reihe mit dem klangvollen Namen „The Master Race“ arbeiten würde und nun kann ich euch weitere Details um die Veröffentlichung präsentieren, die es wirklich in sich haben!

Die Gestaltung übernehmen hier der legendäre Andy Kubert (zu viele gute Titel um nur wenige zu nennen), sowie der Inker der vorherigen „Dark Knight“-Bände Klaus Janson. Die auf 8 Teile angelegte Mini-Serie wird es ab November in verschiedenen Ausführungen zu erwerben geben (fragt euren lokalen Comic-Händler!). So gibt es eine Vielzahl an Variant-Covern, die aber vermutlich für die meisten Europäer unerreichbar bleiben werden, wenn man sich die Stückzahlen ansieht, die geordert werden müssen um sich nur ein einziges Exemplar sichern zu können. Vor allem das Jim Lee-Variant wird sogar bei US-Händlern schwer zu bekommen sein. Aber seht selbst:

1:10 variant cover by KLAUS JANSON
1:25 variant cover by ANDY KUBERT and KLAUS JANSON
1:50 variant cover by TBA
1:100 variant cover by FRANK MILLER
1:500 variant cover by JIM LEE
1:5000 original sketch variant by JIM LEE
Blank variant cover

Zusätzlich liegt allen Heften jeweils eine 16-seitige Kurzgeschichte in kleinerem Format bei, die jedes mal von anderen Gast-Künstlern angefertigt wird.

The Dark Knight III Cover

Sollte man aber wie ich trotz aller Widrigkeiten auf eine schöne bis exklusive Aufmachung bestehen, gibt es diesmal tatsächlich eine Lösung, die sogar den Geldbeutel nicht allzu sehr strapaziert. Jeweils einen Monat nach Erscheinen der einzelnen Ausgaben wird die sogenannte Collector’s Edition auf den Markt gebracht, die beide Storys in gleichem Format beinhaltet sowie ein anderes Cover aufweist. Hat man sich dann bis zum letzten Heft geduldet, wird mit dem abschließenden Band ein schöner Schubert mitgeschickt, in dem alle 8 Bände schön aufbewahrt werden können. Natürlich lasse ich mich nicht lumpen und habe selbstverständlich gleich diese Version abonniert! 🙂

Eine weitere Veröffentlichung die den Comic-Geeks das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen wird ist „Batman: Europa“.

Die Macher haben sich dabei ganz schön viel Zeit gelassen um den Termin auf den aktuellen November zu legen. Für diejenigen, die es noch nicht wussten: Diese vierteilige Mini-Serie wurde schon im Jahr 2004 mit den selben Künstlern und Autoren (Brian Azzarello, Matteo Casali, Jim Lee and Giuseppe Camuncoli) angekündigt, die auch jetzt an Bord des Projekts sind. In dieser Geschichte wird Batman mit einem Virus infiziert und nur der Joker kann ihm helfen das Gegenmittel in Europa aufzuspüren. So müssen sie sich zusammenschließen um den Tod des dunklen Ritters zu verhindern. Eine spannende Rahmenhandlung, die viel zum spekulieren einlädt!

Auf der technischen Seite wird es ebenfalls interessant: Während Jim Lee das komplette erste Heft zeichnet und tuscht, werden bis dato noch nicht bekannt gegebene europäische Künstler Hand an die Serie legen und das Ganze dadurch zu einem wirklich großen Projekt transformieren. Auch hier gibt es ein schönes Variant-Cover (Lee Bermejo) auf das wir wieder neidisch über den großen Teich schielen können.

europa lee version

bermejo variant