Batman: Das lange Halloween

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Ich glaube an Gotham City.“ Ein Satz, so einfach und doch so verheißungsvoll. Als ich vor etlichen Jahren in der lokalen Bibliothek, die Prestige-Bände des Batman-Klassikers „Das lange Halloween“ in den Händen hielt, konnte ich mich schon damals nicht der zwischen „Der Pate“ und  Film-Noir liegenden Stimmung entziehen.

Diese wurde schon mit der ersten Szene und dem eingangs erwähnten Satz eindrucksvoll zementiert. Ein im Halbdunkel stehender Bruce Wayne, viel schwarze Fläche und ein die komplette Seite füllendes Panel. Ein sowohl für die damalige Zeit (in Deutschland zuerst 1999 bis 2000 in sieben Bänden veröffentlicht) als auch heute noch besonderer Einstieg, der den Stil für eine spannende Geschichte vorgibt, die nicht ohne Grund mehrfach ausgezeichnet wurde und als ein Klassiker des Comic-Genres in die Geschichte eingegangen ist.

Kein Wunder, möchte man sagen, wenn man bedenkt, dass der Autor Jeph Loeb nur zwei Jahre später in Zusammenarbeit mit Jim Lee den nächsten Meilenstein „Hush“ aus dem Hut gezaubert hat. Doch „Das lange Halloween“ nimmt eine ganz besondere Stellung im Kontinuum ein. Warum das so ist, kann man vielleicht erahnen, wenn man auf den Inhalt blickt, der in der Form seinesgleichen sucht.

So beginnt die Storyline, wie schon angedeutet, nicht mit einer wilden Verfolgungsjagd oder anderen typischen Versatzstücken des Superheldencomics, sondern mit einem Gespräch zwischen dem Playboy-Milliardär Wayne und Gothams Mafia-Paten Carmine Falcone, auch „der Römer“ genannt. Es geht um krumme Geschäfte mit Schwarzgeld und Möglichkeiten dieses durch Verbindungen zur Gotham Bank in Umlauf zu bringen. Der vorsitzende Direktor ist offensichtlich angetan von den Vorschlägen des Kriminellen, doch mit den entsprechenden Informationen ausgestattet, wirft sich Bruce kurz darauf in Batman-Schale und stattet ihm einen nächtlichen Besuch ab, der zu einem „Umdenken“ führt. Das sieht der Mafia-Clan natürlich nicht gerne und lässt nicht viel später Taten folgen, die den Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent auf den Plan treten lassen.

Und genau ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich ein wahrer Thriller um Verrat, Intrigen und die inneren Dämonen aller Protagonisten. Während des Versuchs den Mafia-Boss dingfest zu machen, erschüttert an Halloween ein kaltblütiger Mord nicht nur die Gesetzeshüter, sondern auch die Familie Falcones, da sein frisch getrauter Sohn dem Verbrechen zum Opfer fällt. Wer könnte es gewesen sein? Ein konkurrierender Clan? Korrupte Polizisten oder sogar der junge Anwalt Dent? Jeder ist verdächtig und doch gibt es keine heiße Spur, bis Thanksgiving den nächsten Feiertag einläutet und ein weiteres Massaker nach sich zieht. Langsam dämmert es den Involvierten, dass die gewählten Daten kein Zufall sein können, bis der nächste Mord an Weihnachten ihre Theorie endgültig bestätigt…

Offensichtlich macht der Killer dabei keinen Unterschied zwischen den verfeindeten Parteien auf Gothams Straßen und setzt dabei das zum Dreiergespann angewachsene Team aus Commissioner James Gordon, Harvey Dent und Batman erheblich unter Druck. So gut wie jeden Monat steht ein neuer Feiertag im Kalender und dadurch immer ein potentiell neues Opfer, dass das Grauen von Halloween immer weiter verlängert. Wie um die Ermittler zu verhöhnen, hinterlässt der Täter dabei immer kleine symbolhafte Geschenke wie einen Kürbis oder eine Schneekugel, sowie eine Waffe mit weggeschliffener Seriennummer und einen als Schalldämpfer verwendeten Babynuckel.

Im Laufe der Ermittlungen begegnen dem Leser dabei auch ikonische Figuren aus dem Batman-Universum, doch keiner scheint wirklich zu wissen, wer die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Das versetzt sogar einige Schurken in Panik oder lässt bei den besonders psychopathischen Exemplaren den Neid schwellen. Damit gerät ausnahmslos jeder Protagonist in Verdacht. Selbst ein Bruce Wayne oder Selina Kyle aka Catwoman bilden keine Ausnahmen.

Daher ist Eile geboten, um die Stadt wieder sicher zu machen, wobei dies in der kurz nach Frank MillersBatman: Year One“ angesiedelten Geschichte aussichtslos erscheint. Seit Batman auf die Bildfläche getreten ist, scheinen Verbrecher der „klassischen“ Sorte immer weniger zu werden, während Freaks wie Scarecrow, Solomon Grundy oder der Joker das Angesicht der dunklen Seite der Stadt definieren.

Was es in dem Zusammenhang für Wendungen gibt, ob der Killer wirklich gefasst werden kann und wie sich Charaktere unter dem Druck der Ermittlungen entwickeln, sollte der geneigte Leser selbst herausfinden, denn der Reiz der Geschichte liegt im Unerwarteten. Hier kommen vor allem Fans der Erzählweise von Regisseur Christopher Nolan auf ihre Kosten, da der gute Mann sich ordentlich an Einzelpassagen von „Das lange Halloween“ bedient hat und vor allem bei „The Dark Knight“ die Stimmung des Comics perfekt zu übertragen weiß. Düster, hart und spannend bis zum Schluss. Anders kann man diese Geschichte nicht bezeichnen.

Doch keine noch so gute Erzählung kann in Comic-Form fumktionieren, wenn nicht der passende Künstler für die visuelle Umsetzung gefunden werden kann. Das ist aber im vorliegenden Fall zum Glück gelungen, denn Tim Sales unverkennbarer Stil aus viel Schatten und toller Dynamik sorgt dafür, dass die beschriebene Stimmung ungefiltert beim Leser ankommt und die anfangs erwähnten Assoziationen mit dem Film Noir weckt. Ein passenderer Künstler aus heutigen Tagen will mir nicht einfallen und muss es auch nicht, denn „Das lange Halloween“ wird nicht ohne Grund alle paar Jahre neu aufgelegt und höchstens mit einer überarbeiteten Übersetzung (wie im vorliegenden Fall) verfeinert. Ein zeitloses Dokument der Comic-Historie muss sich definitiv nicht mit anderen messen.

Daher ist es nicht nur eine klare Kaufempfehlung für Fans des dunklen Ritters, sondern für Comic-Fans im Allgemeinen, die sich hier bei einer Abneigung gegenüber Cape-Trägern eines besseren belehren lassen können. Wer danach nicht genug von den Machern bekommen kann, dem sei mit der Fortsetzung „Dark Victory“ ein Band mit ähnlichem Umfang ans Herz gelegt.

Alles in allem kommt man an diesem großartigen Werk nicht vorbei und sollte es sich schnellstmöglich ins heimische Regal stellen!

Batman: Das lange Halloween (in überarbeiteter Übersetzung) 
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 20.03.2018 
Autor: Jeph Loeb 
Zeichner: Tim Sale 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 364 
Preis: 35 EUR

 

DC und die Looney Tunes

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Ja, ihr habt den Titel dieses Beitrag richtig gelesen. Hier handelt es sich um wohl eines der verrücktesten Crossover, die jemals im Mainstream-Bereich publiziert wurden. Natürlich gab es schon zuvor bizarre Aufeinandertreffen zwischen Aushängeschildern unterschiedlicher Verlage („Batman vs. Aliens„, „Batman vs. Spawn„, „Superman vs. Spiderman“ usw.), aber zwei so Genre-fremden Sparten gemeinsam auftreten zu lassen, ist dann doch etwas besonderes!

Wie vermutlich die meisten von euch, hat sich mir natürlich die Frage gestellt, wie man so etwas realisieren kann. Auf der einen Seite die primär „seriöse“ Action muskelbepackter Helden, auf der anderen irre Hasen, schießwütige Cowboys und amoklaufende Marsianer. Für diesen Fall haben die Macher keine Kosten und Mühen gescheut und fast schon eine Armada des „Who-Is-Who“ an Autoren und Zeichnern aufgefahren, die ihr Können in sechs (bzw. 12, aber dazu später mehr) Geschichten unter Beweis stellen konnten.

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© Panini Comics

Dabei werden in dem deutschen Sammelband, der die US-Einzelausgaben beinhaltet, die Storys gänzlich unabhängig voneinander erzählt, obwohl natürlich die ein oder andere Figur mehrfach einen Auftritt haben kann. Den Anfang macht dabei Batman als Gallionsfigur von DC-Comics, der auf niemand Geringeres trifft als den Jäger Elmer Fudd, der nach dem Mord(?) an seiner Geliebten, in bester Noir-Manier, auf die Jagd nach dem vermeintlichen Killer geht, den er als den Playboy Bruce Wayne identifiziert. Auf dem Weg zu seiner Rache laufen ihm natürlich auch andere Gestalten aus seinem heimischen Universum über den Weg, die entsprechend des Looks & Feels der Geschichte allesamt vermenschlicht und sehr realistisch dargestellt werden. Es soll jedoch niemand glauben, dass es hierbei nicht trotzdem witzig zugeht. So wird das extrem düstere Setting durch Querverweise auf andere Serien, dem offenen Umgang mit Comic-Klischees und die vollkommen übertreiebene Ernsthaftigkeit der Haupt-Protagonisten aufgebrochen. So kommt eine der bizarrsten Erzählungen zustanden, die ich je lesen durfte.

Natürlich ist das jedoch noch längst nicht alles. In den folgenden fünf Geschichten scheinen der Fantasie keine Grenzen gesetzt zu werden, wenn Wonder Woman sich mit dem Tasmanischen Teufel verbündet, um in der Mythologie angesiedelte Feinde zu bekämpfen, Bugs Bunny als Superboy-Ersatz der Legion of Super-Heroes zur Hilfe eilt, der Martian Manhunter versucht Marvin the Martian zur Vernunft zu bringen, Lobo versucht den Road Runner zu grillen und Jonah Hex sein blutiges Handwerk verrichtet, um Yosemite Sam zu beschützen.

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© Panini Comics

Insbesondere letzterer Handlungsstrang ist einer gesonderten Erwähnung würdig, da er die Grenzen des Darstellbaren ausreizt, wenn es um den Umgang mit Cartoon-Figuren für eine jüngere Zielgruppe geht. Zwar wird auch beim Lobo/Road Runner-Crossover mit einem Augenzwinkern auf den eingeschränkten Gebrauch von Schimpfwörtern verwiesen und Gewalt als Triebfeder beider Serien zum gemeinsamen Nenner ernannt, aber derart explizite Panels wie im letzten Teil des Bandes, wird man wohl noch lange suchen müssen. Zumindest was den Verbrauch an Blut anbelangt, wird man bei den Looney Tunes diesen Grad nicht wirklich vermuten, was die Sache wiederum umso spannender macht. Um dabei die Veranstaltung nicht zu sehr in Richtung Superhelden-Ecke tendieren zu lassen, ist im Übrigen jedem der sechs Kapitel jeweils eine weitere Geschichte im Look der Looney Tunes oder zumindest im „kindgerechteren“ Stil nachgestellt, die entweder die vorangegangenen Seiten aus einem anderen Blickwinkel rekapituliert, die Figuren anderweitig aufeinander treffen lässt oder eine Art Sequel präsentiert. Auch diese Fassungen machen einen extremen Spaß, wenn Batman als dumpf-dumme Krakel-Figur von Bugs Bunny zur Weißglut getrieben wird oder Jonah Hex im Disney-Look durch die Wildnis streift. Ganz großes Kino von vorne bis hinten!

Wenn man sich die Namen ansieht, die hinter diesem Projekt stecken, dann verwandelt sich das ungläubige Staunen recht schnell in wissendes Nicken. Klingende Namen wie Tom King („Batman„) oder Bill Morrison („Bongo Comics„, „The Simpsons„) sprechen für sich und bestätigen nur das Bild einer runden Aktion, die in sich geschlossen ist, aber durchaus Lust auf mehr macht! Kein Wunder, dass DC Comics den zu erwartenden Ruf nach mehr erhört und vor kurzem Nachschub (zumindest für die USA) angekündigt hat. Diesmal mit dem Joker/Daffy Duck, Lex Luthor/Porky Pig, Catwoman/Sylvester & Tweety, sowie Harley Quinn/Gossamer.

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© Panini Comics

Bis sich auch die deutschen Leser darüber freuen dürfen, empfehle ich die kürzlich erschienenen Vorgänger zu lesen, die kein Auge trocken und keinen Fan-Wunsch unerfüllt lassen! Eine klare Empfehlung für „DC und die Looney Tunes„!

DC und die Looney Tunes 
Verlag: Schreiber & Leser 
Autoren: Tom King, Jimmy Palmiotti, Ron Marz, Bill Morrison
Zeichner: Lee Weeks, Mark Texeira, Kelley Jones, Barry Kitson
Format: Softcover
Seitenzahl: 252
Preis: 26 EUR

Suicide Squad Paperback 1: Die stählerne Gruft

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Das Rebirth-Universum von DC-Comics baut sich immer weiter auf und etabliert mehr und mehr Serien, die Neuleser hinzugewinnen und alte Fans bei der Stange halten sollen. Eine zumindest im Mainstream relativ neu angesiedelte Reihe dreht sich dabei um die Taskforce X, die besser unter dem Namen Suicide Squad bekannt ist.

Spätestens seit dem Kinodebüt dieses Antihelden-Teams sieht man mehr oder weniger gelungene Cosplay-Versionen von Joker und Harley aus dem Boden sprießen und Fans nach mehr Stoff rund um die Psychopathen-Bande gieren, obwohl die Kritik am Streifen alles andere als milde ausfiel.

Nun ja. Comics und Filme sind zwei Paar Schuhe. Daher soll im Folgenden die Kritik am ersten Paperback „Die Stählerne Gruft“ (und damit den ersten Heften der neuen Reihe) gänzlich ohne Verweise auf David Ayers Werk auskommen.

Wobei…eine Parallele, die auch im Vorwort des Bands Erwähnung findet, möchte ich herausheben. Für den ersten Teil der Handlung ist am Zeichenbrett niemand geringeres als Jim Lee verantwortlich, Herausgeber bei DC Comics und DER Name, wenn es um actiongeladene Kämpfe mit und um Antihelden in den 90er Jahren geht. Viel Pathos, Einzeiler zum Fremdschämen und dicke Wummen waren das Rezept der Wahl, wenn es um Comics bis zur Jahrtausendwende ging. Genau diesen Rückgriff auf bewährte Mittel führten die Macher nun fast zwanzig Jahre nach der Hochphase dieses Trends durch und zeigen auf, dass alt nicht gleich altbacken sein muss.

Nun aber mal zum Inhalt. „Die stählerne Gruft“ beginnt mit einer Diskussion zwischen Amanda Waller, der Initiatorin des psychopathischen Selbstmordkommandos und dem ehemaligen (zu diesem Zeitpunkt in den letzten Zügen seiner Amtszeit) Präsidenten der vereinigten Staaten, Barack Obama. Dieser erfährt quasi kurz vor knapp von der Existenz der Taskforce X und möchte diese sogleich auflösen. Geschickt ringt ihm Waller jedoch einen Kompromiss ab, indem sie den Bösewichten den bis dato inhaftierten Colonel Flagg zur Seite stellt, der als eine Art Aufpasser fungieren soll, während die streng geheimen Missionen rund um Harley Quinn, Enchantress, Killer Croc, Deadshot und Captain Boomerang durchgeführt werden.

Eben eine dieser Missionen verschlägt die Gruppe in ein Unterwassergefängnis in Russland, dass von niemand geringerem bewacht wird, als dem sowjetischen Gegenstück der Suicide Squad mit dem klingenden Namen Annihilation Brigade. Um noch ein wenig in Klischees rumzuwaten haben die Mitglieder sich ein paar schöne Alias-Titel wie Gulag, Tankograd und Cosmonut zugelegt. Doch für einen wirklichen Kampf bleibt tatsächlich gar nicht so viel Zeit, nachdem schnell festgestellt wird, was hier eigentlich vervorgen wird: Die Superhackerin und Harley-Fan Hack (nicht mit dem Fleischgericht zu verwechseln) und General Zod, der in der Phantom-Zone sein Dasein fristet.

Nach einem kurzen, aber unterhaltsamen Gefecht, schaffen es die Irren beide Gefangenen in die USA zu transportieren, wo Waller auf den tollen Einfall kommt, die Neuankömmlinge in die Taskforce X zu integrieren. Kein Problem bei Hack, die ohnehin Superschurkin werden möchte, aber bei Zod gestaltet es sich reichlich schwierig, als die Phantom-Zone, aus der er gezogen wurde, alle Anwesenden in der Geheimanlage durchdrehen und jeden jedem an die Gurgel gehen lässt. Mit einer einzigen Ausnahme: Harley Quinn. Die Clownprinzessin des Verbrechens scheint nämlich ins genau Gegenteil verkehrt worden zu sein und kann plötzlich klar denken und ist damit die einzige Hoffnung, die Lage zu entschärfen…

So viel erstmal zur Geschichte, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Eins muss jedoch noch erwähnt werden. Um dem Ganzen eine gewisse Tiefe zu verleihen, werden sowohl dazwischen, als auch im Nachgang die Origin-Storys der einzelnen Charaktere (aber nicht alle) eingeflochten und bieten dadurch eine gewisse emotionale Nähe zu Katana, Killer Croc und Co. Vor allem ist sowas im Kontext der fast durchgehenden Klopperei bitter nötig, um nicht in zu generische Gefilde abzuwandern und die eigene Bedeutungslosigkeit einzuleiten.

In diesem Sinne ist mit dem ersten Paperback zur Suicide Squad ein solides Produkt veröffentlicht worden (für 17,99€ als Softcover), dass als unterhaltsamer Action-Snack durchgeht, aber darüber hinaus noch beweisen muss, ob es für einen längerfristigen Erfolg reicht. Ich für meinen Teil bleibe ein wenig skeptisch, da Schießereien und abgedrehte Situationen für sich Spaß machen, aber auf Dauer nicht zu überzeugen wissen, solange nicht eine spannende Geschichte das Konzept zusammenhält. In jedem Fall darf man gespannt sein, ob sich die Reihe außerhalb des popkulturell befeuerten Ruhms etablieren kann.

 

Superman Paperback 1: Pfad zur Verdammnis

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Viele von euch wissen, dass ich nicht als großer Fan des DC-Aushängeschilds Superman bekannt bin. Für mich überwogen beim lesen immer Elemente, die mir die Figur als zu glatt und seine Welt, trotz regelmäßig stattfindender Apokalypsen, als zu friedfertig erscheinen ließen.

Vielleicht bin ich einfach psychisch kranke Freaks wie in Batman gewohnt und weniger bunte Aliens, die Metropolis als Spielplatz benutzen. Wie so oft handelt es sich hierbei aber um meine ganz persönliche Meinung und ich bin mir verdammt sicher, dass mir so einige Perlen entgangen sind, die mich eines besser belehren hätten können. In jedem Fall könnt ihr euch vorstellen, dass ich durchaus etwas skeptisch an den Reboot um den Pfadfinder unter den Superhelden herangegangen bin. Ein Neubeginn kann aber auch eine ganz frische Liebe entfachen und genau das ist hier geschehen. Aber eins nach dem anderen…

Wie es sich gehört, musste es zunächst einen vernünftigen Übergang zwischen der alten New 52 und der neuen Rebirth-Welt geben, bevor der Reboot seinem Namen gerecht werden konnte. Da sich der Verlag durch die langjährige Geschichte damit auskennt, wurde der Switch mit dem Tod des einen Superman (New 52) und dem Auftauchen des anderen (Post-Crisis) vollzogen. Der neue Unbekannte rettete sich zuvor von seiner sterbenden Welt in die hiesige und lebte fortan mit seiner Familie versteckt auf einer kleinen Farm. Erst als der Superman, den wir seit 2011 kennen und lieben gelernt haben das zeitliche segnet, traut sich der neue aus dem Versteck.

Dabei will er nicht einfach einen Platz besetzen, der plötzlich frei geworden ist, sondern den Namen des Mannes aus Stahl rein halten, als Lex Luthor beschließt sich in einen Metall-Anzug á la Iron Man (ja, ich weiß) zu quetschen und das Erbe des Kryptoniers anzutreten. Natürlich dürfen Leser und Hauptfiguren in diesem Moment sehr skeptisch sein, wie edel die Motive von Lex wirklich sind. In jedem Fall kommt es beim Aufeinandertreffen der alten Erzfeinde gar nicht erst wirklich zur Klärung der Situation, da ein anderer alter Bekannter auf der Bildfläche erscheint: Doomsday!

Das Monster, dass schon einst Superman töten konnte, ist zurück und so stark wie eh und je. Mit jedem Schlag scheint es näher dran zu sei, die Katastrophe von einst in einem Déjàvu aufleben zu lassen und als dann wie aus dem nichts der Reporter Clark Kent(!) erscheint, ist die mysteriöse Zusammenkunft komplett…

Wie es weitergeht und wie das alles zustande kommt, sollten Interessenten selbst herausfinden, um den Spaß nicht mit Spoilern zu verderben! 😉

So viel sei verraten: Qualitativ befindet sich die Story in den oberen Ligen. Das habe ich aus meiner Erfahrung heraus nicht erwartet und bin dementsprechend positiv überrascht. Nicht ganz unschuldig daran, ist natürlich der Autor Dan Jurgens. Seines Zeichens Erfinder von Doomsday und damit ganz tief in der Materie, die mit einem modernen Anstrich, trotzdem nostalgische Gefühle entfachen kann. Trotz einiger Standard-Gekloppe-Szenen, bleibt die Handlung an sich stets spannend und man möchte wirklich wissen, was es mit dem Erscheinen all der totgeglaubten Charaktere auf sich hat. Zudem ist der neue Aspekt um Superman als Familienvater eine erfrischende Facette, die den alten Trott um endlose Faustkämpfe angenehm aufweicht.

Auch an der Zeichner-Front wird einiges geboten! Zwar sind gleich mehrere Künstler (Tyler Kirkham, Stephen Segovia und Patrick Zircher) am Werk, deren Handschrift sich untereinander teils deutlich unterscheidet, aber es ergibt sich trotzdem kein so eklatanter Stilbruch, dass man das Gefühl bekommt verschiedene Storys vor sich zu haben. Sie alle beherrschen das nötige Handwerk, um die dynamischen Action-Szenen attraktiv in den Panels umzusetzen und der legendären Reihe gerecht zu werden.

In dieser Kombination aus starker Geschichte und optisch ansprechendem Artwork, lasse ich mich doch gerne von der Figur überzeugen, der ich lange nichts abgewinnen konnte. Sollte es euch ähnlich gehen, wäre mit Superman Paperback 1: Pfad zur Verdammnis die perfekte Einstiegsmöglichkeit gegeben.

Trinity 1: Gemeinsam Stark

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Das Dreiergespann um die drei großen Ikonen von DC-Comics ist wohl den meisten Comic-Lesern bekannt und sollte spätestens mit dem aktuellen Justice League-Film auch bei der breiten Masse angekommen sein. So kann der Zeitpunkt einer Veröffentlichung kaum besser gewählt worden sein, um mit „Trinity: Gemeinsam Stark“ eine Schar an neuen Lesern an die ungleiche Gemeinschaft heranzuführen und alte Hasen mit einer neuen Seite des Teams zu überraschen.

Das geschieht dabei nicht einfach nur mit einer frischen Geschichte, sondern als kompletter Reboot im Zusammenhang mit dem serienübergreifenden „Rebirth„-Event, welches die Uhr auf die Zeit vor den „New 52“ zurück dreht und alte Bekannte in einem neuen Licht erscheinen lässt.

So stammt der „neue“ Superman, der nach dem Tod des aktuellen Manns aus Stahl seinen Platz eingenommen hat, aus einer anderen Realität, die deckungsgleich mit dem Status Quo vor 2011 ist (ergo vor der Rücksetzung aller Nummern auf #1). Im Gegensatz zum Verstorbenen, ist er schon lange mit der Reporterin Lois liiert und zieht mit ihr zurückgezogen auf einer Farm seinen Sohn Jonathan auf.

Um den Neuankömmling genauer in Augenschein zu nehmen, warten Wonder Woman und Batman mit einem Besuch in zivil auf. Dabei loten sie Parallelen und Unterschiede aus, zeigen sich von den aufkeimenden (aber noch kaum zu kontrollierenden) Kräften des Nachwuchses überrascht und tasten sich an eine neue Partnerschaft heran, die schlussendlich wohl zu genau dem gleichen Gebilde führen soll, wie schon Jahre zuvor.

Zunächst scheint alles normal zu verlaufen, aber wir würden ja keine DC-Geschichte lesen, wenn nicht irgendetwas unerwartetes geschehen würde, dass gefühlt die halbe Welt aus den Angeln hebt. Genau das passiert, als die drei einer Stimme in den Schuppen auf dem Gelände der Farm folgen und sich plötzlich in einem entscheidenen Moment in der Vergangenheit des Kryptoniers wiederfinden. Clark begegnet hierbei seinem jüngeren ich und seinem Ziehvater, der das erwachsene Ebenbild seines Sohnes nicht erkennt. Diese Konstellation zieht natürlich einen emotionalen Faden nach sich, der durch die gesamte Geschichte führt, die den Leser und die Figuren daran zweifeln lässt, was real und was Fiktion ist. Dabei bleibt es nicht bei einem Ausflug in Supermans Vergangenheit, sondern auch schicksalhafte Momente des dunklen Ritters und der Amazonen-Prinzessin werden ausführlich behandelt und in den eben erwähnten surrealen Kontext gesetzt, der eine unerwartete Auflösung mit sich bringt…

Dafür verantwortlich ist der Ausnahmekünstler und Autor Francis Manapul, der mit seinem lebendigen Stil, die Story mit dem Leben füllt, dass aufgrund seiner zwei Arbeitsbereiche, genau dem Bild entspricht, welches er zuvor in seinem Kopf hatte. In dem Zusammenhang bin ich ein großer Fan von Projekten, in denen Autor und Zeichner ein und dieselbe Person sind. So wird exakt das vermittelt, was sich vorgestellt wurde und damit die reinste Form dessen, was man Ursprungsidee nennen könnte.

Diese ist in diesem Fall durchaus unterhaltsam gestaltet worden und lässt den emotionalen Tiefen der Figuren schön viel Raum. Trotzdem kommt die ein oder andere Stelle vor, die mehr nach „ich muss irgendwas einfügen, damit es weiter geht“ riecht, als nach durchdachtem Storytelling. Natürlich ist es auch bei einer Superheldengeschichte (mit einigen Ausnahmen) nicht der explizite Anspruch, aber es sollte der Ehrlichkeit halber trotzdem erwähnt werden. Insbesondere die Auflösung des sich zu Anfang aufbauenden Geheimnisses scheint ein wenig konstruiert, macht das Gesamtwerk aber trotzdem nicht weniger kurzweilig.

In diesem Sinne kann ich den ersten „Trinity“-Band den DC-Jüngern durchaus empfehlen. Neueinsteiger sollten zumindest schon eine Ahnung von den drei Hauptfiguren haben, weil sich sonst recht schnell etwas Verwirrung einstellen könnte. Darüber hinaus findet man hier jedoch eine neue und unterhaltsame Serie, die sich auf Altbekanntes verlässt und damit als „crowd-pleaser“ auf Nummer sicher geht!

 

Mark Millar Collection 4: Genosse Superman

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Nachdem wir Mark Millars wahnsinniges Genie in reinen Eigenkreationen wie Wanted und Kick-Ass bewundern durften und sahen wie er auch im Superhelden-Korsett mit Wolverine eine gute Figur macht, kommen Leser endlich in den Genuss das legendäre „Genosse Superman“ in der Mark Millar-Collection von Panini eingeordnet zu sehen.

Wie Fans sicherlich wissen, ist es für Autoren und Zeichner schwierig eigene Ideen in ihre Werke einfließen zu lassen, ohne von Verlagen die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen. Kein Wunder, wenn bei Figuren wie Superman eine gigantische Maschinerie im Hintergrund läuft, die nur darauf bedacht ist, die breite Masse an Lesern zufrieden zu stellen.

Um dabei nicht als reine Fabriken ohne real kreativen Output zu gelten, wird den Kreativen manchmal ein kleines Fenster in die „Elseworld“ geöffnet, in der sie sich fast gänzlich nach Belieben austoben dürfen und der Fantasie keine Grenzen setzen müssen. So ein Fall liegt auch hier vor. Wie der Titel schon mehr als deutlich zu verstehen gibt, erleben wir den Mann aus Stahl nicht als Vertreter der „Stars and Stripes“, sondern Hüter von Mütterchen Russland oder genauer gesagt der Sowjetunion unter Stalin. Wie kommt es dazu?

Wie Mark Millar mal selbst anmerkte, brauchte es eventuell nur einen späteren Zeitpunkt des Eintritts der Rettungskapsel in die Erdatmosphäre mit dem kleinen Kal-El an Bord, um die Weltgeschichte neu schreiben zu müssen. Wie in einem Spiegelbild des uns bekannten Universums, wird der Kryptonier nicht von Farmern in Kansas, sondern von Bauern in der Ukraine großgezogen. Hier erfährt er ebenso die Liebe einer Familie und stellt seine Kräfte im Erwachsenenalter primär dem Wohle der Menschheit zur Verfügung und erst im zweiten Schritt dem Staat. Das Zünglein an der Waage ist jedoch der Wille Stalins den Stählernen offiziell in den Dienst der UdSSR zu stellen, was Superman gerne annimmt und damit parallel den Zorn der Führungsriege auf sich zieht.

Solche Momente machen unter anderem den Reiz der Geschichte aus, die von jedem anderen Autoren in eine klischeehafte „die bösen Russen/die guten Amerikaner“-Storyline gepresst worden wäre. Millar schafft es jedoch Grautöne einfließen zu lassen, die den brutalen Zwang und die Entbehrungen eines Lebens unter sowjetischer Herrschaft nicht verharmlosen, die Idee des Kommunismus und die Feindschaft mit den USA aber auf eine Ebene jenseits von Propaganda-Schlachten hieven.

Verstrickungen beider Seiten in Machenschaften abseits moralischer Überlegungen und Ausflüge in philosophische Sphären der Moral, tun ihr Übriges um eine ausgewogene Erzählung zu ermöglichen. Als Sahnehäubchen werden reale politische Umstände verändert. Ein Faktum, welches selten in Veröffentlichungen aus dem Haus DC fließt und darum umso mehr hervorzuheben ist. Ein erschossener Nixon, ein mit Marilyn Monroe liierter JFK, sowie ein ihm nachfolgender Lex Luthor bilden dabei nur den äußeren Rahmen einer mit unzähligen Referenzen gefüllten Geschichte.

Auch innerhalb des Kontinuums wird ordentlich der Löffel gerührt, wenn Batman als Rächer im Untergrund gegen das sowjetische Regime kämpft und dabei den ein oder anderen Nachahmungstäter inspiriert, Wonder Womans Sippschaft zumindest anfangs mit Stalin paktiert und Green Lanterns Kräfte einen militärischen Twist spendiert bekommen.

Verdammt ambitioniert und doch erstaunlich funktionsfähig. Es ist immer gefährlich mit realen geschichtlichen Ereignissen zu hantieren, wenn der ursprüngliche Gedanke um eine Figur keine (offen) politischen Färbung hatte. Mark Millar hat sich getraut dort anzusetzen und genau deswegen dürfen wir uns über eine der besten Superman-Storys aller Zeiten freuen, die wohl leider erst außerhalb der üblichen Geschehnisse angesiedelt werden musste, damit sie durchgewunken werden kann. Wenn man so eine spannende und intelligent gestrickte Handlung liest, kommt man nicht umhin den Verlag für seine vorsichtige Herangehensweise zu verfluchen, doch solange regelmäßig ein solcher Diamant auf den Markt geworfen wird, halte ich noch die Füße still. (Einen ähnlichen Weg scheint übrigens auch die DC-Filmsparte eingeschlagen zu haben. So wurde offiziell bestätigt, dass in Zukunft One-Shots außerhalb des Cineverse veröffentlicht werden, an denen sich Regisseure fast nach Belieben austoben dürfen.)

Als Bonus (wie bei all den anderen Collection-Releases) dürfen wir uns über Konzeptzeichnungen und Sketche freuen, sowie einem Vorwort von Tom Desanto, seines Zeichens Regisseur der ersten beiden X-Men-Filme. Alles in allem bekommt ihr damit ein Paket geschnürt, welches sich zum einen als Hardcover wunderbar im Regal macht und zum anderen ein Muss für jeden Comic-Leser darstellt. Auch ich bin kein großer Fan des Boyscouts in blau, wurde aber ab der ersten Seite überzeugt. Also nichts wie hin zum Comic-Shop eures Vertrauens!

75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen

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Als ich im Jahr 2011 das Comicfestival München besucht habe, war ich schon ein großer Fan der dort präsentierten Kunstform. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber leider noch kaum mit der Szene vernetzt, geschweige denn über den Output der relevanten Verlage informiert.

Dazu gehört aufgrund von entsprechenden Releases natürlich auch der TASCHEN-Verlag, der mir das erste Mal auf der eben erwähnten Veranstaltung durch den damals frisch auf den Markt geworfenen Band 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen aufgefallen ist. Zu übersehen war das Werk auf jeden Fall nicht. In den typisch gigantischen Maßen (nur die SUMO-Ausgaben sind größer) und leuchtenden Farben zog es mich in seinen Bann und wäre ich nicht noch Schüler mit entsprechend geringem Einkommen gewesen, hätte ich mir schon damals dieses Buch zugelegt.

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Neben den offensichtlich quantitativen Merkmalen, war schon damals bekannt, welch unvergleichlicher Inhalt mit diesem Prachtband geliefert wird. Nicht umsonst wurde dieser im selben Jahr mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award als bestes Buch mit Comic-Bezug ausgezeichnet. So ging ich auf die Suche nach einer gebrauchten Version, um auch in den Genuss dieses Must-Haves zu kommen, ohne gefühlt mein halbes Konto plündern zu müssen und fand schlussendlich eine reduzierte Fassung, die seitdem ein prominenten Platz in meinem Bücherschrank für sich eingenommen hat. Jahre später können neue Fans und diejenigen, die sich die XXL-Fassung nicht leisten konnten, endlich aufatmen und sich für nur ein Drittel des ursprünglichen Preises, eine bezüglich der Größe kleinere aber inhaltlich identische Version von 75 Jahre DC Comics besorgen.

Falls es tatsächlich jemanden geben sollte, an dem dieses Juwel zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung vorbei gegangen sein sollte, möchte ich im Detail darauf eingehen, was den Käufer erwartet:

Auf stolzen 720 Seiten präsentiert uns der Herausgeber Paul Levitz, seines Zeichens ehemaliger Geschäftsleiter des legendären DC-Verlags, sowohl die Geschichte des im Titel prangenden Hauses, als auch die inhaltliche Ausrichtung einzelner Reihen im Laufe von fast acht Dekaden. In dieser Zeit begegnen uns mehr als hundert Mitarbeiter, die sich in den verschiedensten Arbeitsbereichen des Unternehmens eingebracht und dabei unzählige Charaktere erarbeitet haben, die zum großen Teil noch heute fester Bestandteil der Popkultur sind.

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Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, teilt sich das Buch entsprechend der bekannten Zeitalter der Comic-Geschichte (Golden Age, Silver Age, etc.) in mehrere Kapitel ein, die für sich einen schönen Überblick zu den Ereignissen der jeweiligen Epoche bieten. Wie es sich für eine Veröffentlichung bezüglich dieses Themas gehört, wird mit den bunten Bildchen nicht gespart und der geneigte Leser damit fast (im positiven Sinne) erschlagen. Diesbezüglich handelt es sich nicht nur um die Cover der wichtigsten Geschichten des Verlags, sondern auch um Schätze für Kenner, Ausflüge in bestimmte Subgenres des Mediums und zahlreiche Archiv-Fotos, die teils zum ersten Mal und exklusiv Eingang in ein Buch fanden.

Wem das nicht reicht, findet zusätzlich Passagen, die den Einfluss der DC-Releases auf die Popkultur beleuchten. In diesem Zusammenhang werden nicht nur offensichtliche Ereignisse wie die Adam West-Batman-Serie erwähnt, sondern auch moderne Verfilmungen, die insbesondere seit der Jahrtausendwende im Aufwind sind. Abgeschlossen wird der Band kurz vor Beginn der New 52-Reihe, die ohnehin einen nicht zu vergleichenden Einschnitt in das Kontinuum der uns bekannten Geschichten darstellt, welcher erst mit dem Rebirth-Reboot Rückgängig gemacht wurde.

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Sollten Leser darüber hinaus Interesse an der Geschichte des Verlags haben, aber der englischen Sprache nicht mächtig sein (in der standardmäßig bei TASCHEN veröffentlicht wird), gibt es ein schön übersetztes Beiheft, welches man sich nach der Bilderflut des Hauptbuches zu Gemüte führen kann.

Alles in allem stellt 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen nicht einfach nur eine gute Informationsquelle in Bezug auf die Historie eines der relevantesten Comic-Verlage aller Zeiten dar, sondern kann, ohne zu übertreiben, als Standardwerk bezeichnet werden, welches man sich ohne irgendwelche Zweifel ins Regal stellen kann. Insbesondere durch die nun günstige Neufassung des Werks, kann es eigentlich keine Ausreden mehr geben. Also nichts wie hin zum nächsten Comic-Shop oder Bücherladen und ab in den Einkaufswagen damit!

Batman: Auf dem Weg ins Niemandsland – Band 2

Batman Auf dem Weg ins Niemandsland 2

Wenn ihr ZOMBIAC schon einige Zeit folgt, werdet ihr meine Abneigung gegen einen großen Teil der 90er-Releases im Superheldenbereich kennen. Zu viel künstlicher Pathos, seltsame Dialoge und ein Artwork, dessen Charme sich mir komplett entzieht. Vielleicht bin ich auch zu verwöhnt von den Auswüchsen des neuen Jahrtausends, welche sich durch mehr Experimentierfreude und teilweise ganz dem „klassischen“ Comic fremde Elemente hervortun.

Nach wie vor bin ich aber offen für schöne Gegenbeispiele und Erklärungen, die diese Dekade in einem potentiell anderen Licht erstrahlen lassen könnten. Leider ist es bis dato niemandem so recht gelungen, wobei der vorliegende Band, der die Ausläufer der 90er markiert, in eine Richtung tendiert, die mein Interesse an der großen Niemandsland-Saga geweckt hat. Noch ist es nicht soweit, aber mit dem zweiten Teil der Auf dem Weg ins Niemandsland-Storyline steht der große Umbruch neben den Ereignissen um Knightfall kurz vor seinem Beginn.

Nun aber zur vorliegenden Geschichte, die ihren Ausgangspunkt beim Kampf von Bruce Wayne gegen die US-amerikanischen Behörden hat, die das durch ein verheerendes Erdbeben zerstörte Gotham aufgeben wollen. Richtig gehört: Der dunkle Ritter ist in diesem fast 400-Seitigen Schmöker fast schon eine Nebenfigur. Die Action-Szenen werden aber immer noch von einer illustren Runde aus der Bat-Familie bestritten. Dazu gehört neben den üblichen Verdächtigen wie Robin oder Nightwing auch Azrael, der sich primär durch seine skrupellose Gewaltanwendung in der Vergangenheit einen Namen gemacht hat und nun gegen einen mächtigen Feind zu Felde ziehen muss, der nichts weniger als das endgültige Ende Gothams samt aller „erforderlichen Verluste“ zum Ziel hat.

Ungefähr zeitgleich schmiedet der Joker im von der Versorgung abgeschnittenen Arkham Asylum Pläne für den Ausbruch mit den uns bekannten Antagonisten wie Killer Croc, Poison Ivy oder dem Riddler. Wie für den Clownprinzen des Verbrechens typisch, beinhalten seine Ausführungen nichts weniger als pure Anarchie, garniert mit einem Witz, der im Hals stecken zu bleiben droht. Der einzige der sich ihm dabei versucht in den Weg zu stellen, aber am Ende nicht mehr als ein Zuarbeiter für seine verrückten Ideen ist, ist der Leiter der Anstalt Jeremiah Arkham, dessen Mitarbeiter von Tag zu Tag sowohl durch Flucht aus der Anstalt oder Mord durch die Insassen dezimiert werden. Eine scheinbar ausweglose Situation, die in einer fatalen Entscheidung mündet…

Insbesondere der zweite Teil der Geschichte hat es mir angetan. Wie schon zuvor wird die dünne Handlung nicht durch künstlich aufgetragene Tiefe kaschiert, sondern präsentiert sich als das was sie ist: Eine volle Ladung an actiongeladenem Entertainment, die kurzweilige Unterhaltung bietet und dabei alle Elemente einer klassischen Batman-Story ausspielt. Dementsprechend musste ich mich nicht wie bei den Vorgänger-Bänden durch die kolossale Masse an Papier ackern, sondern habe die Story sogar sehr genossen.

Auf visueller Ebene wird man mich aber, Legende hin oder her, nicht vor den Ofen hervorlocken können. Mir ist vollkommen bewusst, dass Männer wie Jim Aparo oder Mark Buckingham großes für die Figur geleistet haben, aber grobschlächtige bis emotionslose Art der Federführung will sich bei mir einfach nicht als „schön“ etablieren. Dabei ist es nicht mal eine Art von altbacken, die mir sauer aufstößt. Die Werke des Golden und Silver Age haben mich auch nachhaltig beeindruckt, aber das? Nun ja, Geschmacksache würde ich sagen…

In jedem Fall lässt sich darüber hinwegsehen, wenn die Story stimmt und das tut sie in diesem Fall tatsächlich! Keine bitterböse Frank-Miller-Dystopie oder modernes Scott Snyder-Drama, sondern das was man sich von den 90ern erwartet: Action, Spaß und das Fünkchen Irrsinn, das die Fans von den Hatern trennt. Wenn ihr euch nicht sicher seid, zu welcher Seite ihr gehört, solltet ihr den nächsten Comic-Shop aufsuchen und euch selbst ein Bild von Auf dem Weg ins Niemandsland – Band 2 machen!

 

Wonder Woman – Das erste Jahr

Wonder Woman Das erste Jahr Softcover

Der Hype greift aktuell um sich und die positiven Film-Kritiken tun ihr Übriges um eine ganze Generation an Fans heran zu züchten: Die Rede ist selbstverständlich von Wonder Woman!

Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass eine weibliche Hauptfigur sich im Cineversum der Cape-Träger etablieren, geschweige denn dieses dominieren könnte? Nach den bisher qualitativ eher durchwachsenen DC-Auskopplungen wurde es zwar vielleicht langsam Zeit, aber wer hätte bei den ersten Ankündigungen erwartet, dass dieses Franchise dermaßen einschlägt? Ich für meinen Teil bin positiv überrascht und erhoffe mir mehr weiblichen Anteil in den bis dato von Testosteron beherrschten Gefilden.

Nun ist es nicht weiter verwunderlich, dass zeitgleich zum Filmstart eine ganze Reihe an Comics veröffentlicht wird, damit die Leser in die Kinosäle und die Zuschauer in die Comic-Shops gespült werden. Darunter befinden sich neben Wiederveröffentlichungen (z.B. Heketeia) auch richtig frische Storys wie „Das erste Jahr„. Ein Titel, der seit der gleichnamigen Batman-Geschichte aus den 80er zur eigenen Institution geworden ist und oftmals eine ganze Ära einleitete. Selbiges gilt nun auch für Wonder Woman, die damit eine Origin-Story im Rebirth-Universum erhält.

In dieser lebt Prinzessin Diana (ihr Spitzname wird ihr erst später verliehen) mit ihren Amazonen-Schwestern gänzlich isoliert auf der paradiesähnlichen Insel Themyscira mit einer seltsamen Mischung aus archaischen Strukturen und fortschrittlichem Wissen im Bereich der Medizin und Forschung im Allgemeinen.

Eines Tages wird diese Idylle plötzlich durch den Absturz eines Militärflugzeugs erschüttert, welcher nur einen Überlebenden in Form des Soldaten Steve Trevor zurück lässt und damit das Leben Dianas für immer verändert.

Klingt im ersten Moment vielleicht etwas schwach auf der Brust, entfaltet aber durch das Storytelling-Talent von Greg Rucka (z.B. Gotham Central) einen einnehmenden Charme, der zwischen naiv, mysteriös und knallhart pendelt. Bezeichnungen, die nicht immer zu kombinieren sind, hier aber aufeinander abgestimmt harmonieren. Zusätzlich bleibt die Handlung durch das fantasievolle Setting durchgehend spannend und nur schwer vorherzusehen. Dadurch kommt man gerne auf eine Reise mit, die einen schön runden Abschluss und damit Ausgangspunkt für den Rebirth-Strang der Figur bildet.

Visuell aufbereitet wurde das Ganze durch Nicola Scott (z.B. Erde Zwei), die trotz zahlreicher Action-Szenen, die weibliche Hauptfigur, sowie die Umgebung fast schon „zart“ darstellt, ohne in eine für Jungs „abschreckende“ Richtung abzurutschen. Gleichzeitig vermeidet sie gekonnt eine Übersexualisierung, die man als Leser von Superhelden-Stoffen wohl zu Genüge kennt. Wonder Woman bekommt dadurch eine Aura, die weder den Beschützer-Instinkt weckt, noch „erregend“ wirkt. Alles in allem also eine Darstellung, die vollkommen auf die Reduzierung oder Ansprache des Geschlechts verzichtet und dadurch eine breitere Leserschaft erschließt.

In Kombination mit der gelungenen Geschichte, stellt „Wonder Woman – Das erste Jahr“ dadurch sowohl einen perfekten Einstieg für neue Fans, als auch eine schöne Ergänzung für die Sammlung langjähriger Fans dar. Möchte man sich sogar die edlere Hardcover-Version gönnen wollen, so ist diese sogar noch erhältlich! Ich für meinen Teil kann nur eine Empfehlung aussprechen, egal für welche Fassung ihr euch entscheiden solltet!

 

Convergence – Kampf der Welten

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Wie die meisten DC-Fans schon mitbekommen haben, befinden wir uns aktuell mitten im neuesten Reboot des Comic-Universums um den Dunklen Ritter und den Mann aus Stahl.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass sich der Verlag dazu entschieden hat alles wieder Rückgängig zu machen, was die New 52 vor einigen Jahren hervorgebracht haben? Natürlich spielen zum einen wie so oft monetäre Gründe eine Rolle. Jedes Mal wenn eine Reihe die Nummer 1 spendiert bekommt, steigen die Verkäufe und damit auch das Interesse der Macher, so viele Neustarts zu erzeugen wie möglich.

Darüber hinaus vermissten aber viele alteingesessene Fans, die die Geschichten ihrer Lieblingshelden seit Jahren verfolgen, die ihnen bekannten Handlungsstränge, Hintergründe geliebter Charaktere, die wie über Nacht verschwunden waren und vieles mehr. Zusätzlich informierten sich die zahlreichen neuen Leser über die Historie der Charaktere und die Vielzahl an Geschichten legendärer Autoren und Zeichner.

DC hat diesen Ruf nach altbekannter Kost erhört und stellte wieder auf die klassische Zählung von Detective Comics, Action Comics und vielen anderen Serien um. Das Ganze wurde jedoch wie so oft in solchen Fällen mit einem großen Event eingeleitet, welches seinen Ursprung sogar noch vor Rebirth hat. Die Rede ist natürlich von Convergence – Kampf der Welten.

Im Detail sammelt in dieser Geschichte Supermans Widersacher Brainiac ganze Städte aus den zahllosen Parallelwelten, die selbst dem größten Fan nicht in jedem Fall etwas sagen werden. Diese werden auf den fernen Planeten Telos gebracht, der scheinbar durch eine fehlgeleitete Personifizierung bzw. einen Avatar des Himmelskörpers einen vermeintlichen Befehl Brainiacs ausführen möchte, der im wahrsten Sinne des Wortes auf einen „Kampf der Welten“ hinaus läuft.

Hierbei müssen sowohl Helden als auch Schurken gegen Bewohner anderer Städte/Welten antreten. Dabei steht nicht wenige als die Existenz der Kontrahenten und ihrer Heimat auf dem Spiel. Dem Verlierer droht die komplette Vernichtung. Um dabei so viele Charaktere wie möglich präsentieren zu können, wurden selbstverständlich zahlreiche Specials rund um das Event veröffentlicht, die mal mehr oder weniger gelungen (Megaband, Sonderband, Batman) aber durchgehend unterhaltsam waren. Genauso verhält es sich mit dem vorliegenden Sammelband.

Zum Glück konzentriert man sich in diesem Fall primär auf die Helden der Erde-2 und gibt der Handlung ein dringend benötigtes Korsett, da sie sonst ins Chaos abzudriften droht. Um einigermaßen den Überblick zu behalten, waren die Macher sogar so nett, eine kleine Enzyklopädie beizufügen, die kurz die anzutreffenden Welten und ihre Bewohner erklärt. Ich vermute nämlich, dass ich nicht der einzige bin, der zum Beispiel Captain Carrot and His Amazing Zoo Crew bis dato nicht kannte.

In jedem Fall liest sich das Ganze durchaus flüßig und man kann sich einer gewissen Nostalgie nicht entziehen, selbst wenn man nicht zum Erscheinungszeitpunkt der angeteaserten Geschichten auf der Welt war. Das macht die Lektüre in meinen Augen zu einem Spaß für Alt und Jung, sowie für Profis als auch Neueinsteiger. In jedem Fall wird man gut unterhalten, ohne zwangsläufig jeden Hintergrund der präsentierten Figuren kennen zu müssen.

Auf visueller Ebene erwarten uns keine Überraschungen, da alles im klassischen Superhelden-Stil, samt Muskelbergen und großen Oberweiten serviert wird. Das wird zum einem dem zu behandelnden Stoff gerecht, der im Endeffekt einer Verbeugung vor der Vergangenheit gleich kommt, und lenkt zum anderen einfach nicht ab. Bei über 320 Seiten und einer Horde an Künstlern und Autoren, wären zu viele Stilbrüche einfach schädlich für den Lesefluss. Trotzdem wird solide Kunst abgeliefert, die auch ohne wirklich individuelle Trademarks zu überzeugen weiß.

Alles in allem also ein schönes Action-Paket, dass sich wunderbar als letztes Aufbäumen des seit 2011 existierenden DC-Universums lesen lässt und einem umso mehr Lust darauf macht, die alten Sachen zu entdecken, die inhaltlich angesprochen werden. Daher wird bei mir sicherlich der ein oder andere Streifzug auf eBay und lokalen Flohmärkten anstehen. Ich garantiere, dass es bei euch auch nicht anders sein wird! 😉