DC und die Looney Tunes

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Ja, ihr habt den Titel dieses Beitrag richtig gelesen. Hier handelt es sich um wohl eines der verrücktesten Crossover, die jemals im Mainstream-Bereich publiziert wurden. Natürlich gab es schon zuvor bizarre Aufeinandertreffen zwischen Aushängeschildern unterschiedlicher Verlage („Batman vs. Aliens„, „Batman vs. Spawn„, „Superman vs. Spiderman“ usw.), aber zwei so Genre-fremden Sparten gemeinsam auftreten zu lassen, ist dann doch etwas besonderes!

Wie vermutlich die meisten von euch, hat sich mir natürlich die Frage gestellt, wie man so etwas realisieren kann. Auf der einen Seite die primär „seriöse“ Action muskelbepackter Helden, auf der anderen irre Hasen, schießwütige Cowboys und amoklaufende Marsianer. Für diesen Fall haben die Macher keine Kosten und Mühen gescheut und fast schon eine Armada des „Who-Is-Who“ an Autoren und Zeichnern aufgefahren, die ihr Können in sechs (bzw. 12, aber dazu später mehr) Geschichten unter Beweis stellen konnten.

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© Panini Comics

Dabei werden in dem deutschen Sammelband, der die US-Einzelausgaben beinhaltet, die Storys gänzlich unabhängig voneinander erzählt, obwohl natürlich die ein oder andere Figur mehrfach einen Auftritt haben kann. Den Anfang macht dabei Batman als Gallionsfigur von DC-Comics, der auf niemand Geringeres trifft als den Jäger Elmer Fudd, der nach dem Mord(?) an seiner Geliebten, in bester Noir-Manier, auf die Jagd nach dem vermeintlichen Killer geht, den er als den Playboy Bruce Wayne identifiziert. Auf dem Weg zu seiner Rache laufen ihm natürlich auch andere Gestalten aus seinem heimischen Universum über den Weg, die entsprechend des Looks & Feels der Geschichte allesamt vermenschlicht und sehr realistisch dargestellt werden. Es soll jedoch niemand glauben, dass es hierbei nicht trotzdem witzig zugeht. So wird das extrem düstere Setting durch Querverweise auf andere Serien, dem offenen Umgang mit Comic-Klischees und die vollkommen übertreiebene Ernsthaftigkeit der Haupt-Protagonisten aufgebrochen. So kommt eine der bizarrsten Erzählungen zustanden, die ich je lesen durfte.

Natürlich ist das jedoch noch längst nicht alles. In den folgenden fünf Geschichten scheinen der Fantasie keine Grenzen gesetzt zu werden, wenn Wonder Woman sich mit dem Tasmanischen Teufel verbündet, um in der Mythologie angesiedelte Feinde zu bekämpfen, Bugs Bunny als Superboy-Ersatz der Legion of Super-Heroes zur Hilfe eilt, der Martian Manhunter versucht Marvin the Martian zur Vernunft zu bringen, Lobo versucht den Road Runner zu grillen und Jonah Hex sein blutiges Handwerk verrichtet, um Yosemite Sam zu beschützen.

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© Panini Comics

Insbesondere letzterer Handlungsstrang ist einer gesonderten Erwähnung würdig, da er die Grenzen des Darstellbaren ausreizt, wenn es um den Umgang mit Cartoon-Figuren für eine jüngere Zielgruppe geht. Zwar wird auch beim Lobo/Road Runner-Crossover mit einem Augenzwinkern auf den eingeschränkten Gebrauch von Schimpfwörtern verwiesen und Gewalt als Triebfeder beider Serien zum gemeinsamen Nenner ernannt, aber derart explizite Panels wie im letzten Teil des Bandes, wird man wohl noch lange suchen müssen. Zumindest was den Verbrauch an Blut anbelangt, wird man bei den Looney Tunes diesen Grad nicht wirklich vermuten, was die Sache wiederum umso spannender macht. Um dabei die Veranstaltung nicht zu sehr in Richtung Superhelden-Ecke tendieren zu lassen, ist im Übrigen jedem der sechs Kapitel jeweils eine weitere Geschichte im Look der Looney Tunes oder zumindest im „kindgerechteren“ Stil nachgestellt, die entweder die vorangegangenen Seiten aus einem anderen Blickwinkel rekapituliert, die Figuren anderweitig aufeinander treffen lässt oder eine Art Sequel präsentiert. Auch diese Fassungen machen einen extremen Spaß, wenn Batman als dumpf-dumme Krakel-Figur von Bugs Bunny zur Weißglut getrieben wird oder Jonah Hex im Disney-Look durch die Wildnis streift. Ganz großes Kino von vorne bis hinten!

Wenn man sich die Namen ansieht, die hinter diesem Projekt stecken, dann verwandelt sich das ungläubige Staunen recht schnell in wissendes Nicken. Klingende Namen wie Tom King („Batman„) oder Bill Morrison („Bongo Comics„, „The Simpsons„) sprechen für sich und bestätigen nur das Bild einer runden Aktion, die in sich geschlossen ist, aber durchaus Lust auf mehr macht! Kein Wunder, dass DC Comics den zu erwartenden Ruf nach mehr erhört und vor kurzem Nachschub (zumindest für die USA) angekündigt hat. Diesmal mit dem Joker/Daffy Duck, Lex Luthor/Porky Pig, Catwoman/Sylvester & Tweety, sowie Harley Quinn/Gossamer.

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© Panini Comics

Bis sich auch die deutschen Leser darüber freuen dürfen, empfehle ich die kürzlich erschienenen Vorgänger zu lesen, die kein Auge trocken und keinen Fan-Wunsch unerfüllt lassen! Eine klare Empfehlung für „DC und die Looney Tunes„!

DC und die Looney Tunes 
Verlag: Schreiber & Leser 
Autoren: Tom King, Jimmy Palmiotti, Ron Marz, Bill Morrison
Zeichner: Lee Weeks, Mark Texeira, Kelley Jones, Barry Kitson
Format: Softcover
Seitenzahl: 252
Preis: 26 EUR

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