Die besten TV-Serien. TASCHENs Auswahl der letzten 25 Jahre

Es wird vermutlich kaum jemanden unter uns geben, der nicht die ein oder andere Fernseh-Serie als Ausklang für einen anstrengenden Tag oder als süchtig machenden Stoff konsumiert hätte. Dabei wird uns als Zuschauer eine immense Bandbreite an Genres und Formaten geliefert, die man teils kaum unter einem Oberbegriff zusammenfassen kann. Angefangen bei in sich abgeschlossener Unterhaltung für die ganze Familie (z.B. Die Simpsons), bis hin zu opulenten Meisterwerken, die einem Kinofilm in nichts nachstehen (z.B. Game Of Thrones) wird einem alles geboten was das Herz begehrt.

Bei der Masse an Produktionen ist es jedoch kaum möglich einen allumfassenden Überblick zu behalten und genau hier setzt die neueste Veröffentlichung aus dem Hause TASCHEN ein. Wie gewohnt wird das besprochene Thema bis zum kleinsten Punkt in Gänze ausgebreitet und analysiert. Dafür ist der Verlag bekannt und wird auch hier durch den Autor Jürgen Müller, den man als Herausgeber der bekannten Dekaden-Filmbuchreihe kennt, seinem Namen gerecht.

"The Simpsons" Season 25 (2014)

Dabei ist es kein Zufall, dass es sich inhaltlich  (wie der Titel des Buches schon verrät) um die besten Serien der letzten 25 Jahre handelt. Denn genau in dieser Zeit entstanden die ersten Premium-Produktionen, die entweder eine revolutionäre Idee und/oder einen mehrere Folgen überspannenden Story-Bogen vorweisen konnten. Angefangen mit der leibhaftigen Initialzündung für qualitativ hochwertige Formate um „Twin Peaks“ von David Lynch, über Frühwerke moderner Künstler wie Lars von Triers „Geister“ bis zu mit Hollywood-Größen besetzten Veröffentlichungen à la „True Detective“, wird jede einzelne Periode dieser wiedergeborenen Unterhaltungsform eindringlich analysiert und bewertet. Dabei wird jeder Serie, nach einigen Kurzinformationen in Form von Anzahl der Folgen, Sender und Dauer, ein gut genutzter Platz von jeweils 4-5 Seite eingeräumt, in dem die Story, die Ursprünge und Hintergrundinformationen beleuchtet werden. Dem wird ein kurzes Glossar nachgestellt, das weiterführende Erklärungen rund um die Entstehungsgeschichte bietet und einen noch tieferen Einblick in die Materie gewährt.

Breaking Bad (Season 4) 2011

Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine einfache Wiedergabe schon bekannter Informationen, sondern um detailverliebte Ausführungen über Gründe für bestimmte Entwicklungen, den Einfluss von Produzenten und Filmschaffenden sowie die Auswirkungen auf das generelle Voranschreiten des Mediums. Egal ob es sich dabei um die Nutzung unvorstellbar hoher Budgets, unkonventioneller Methoden oder einfach brillantes Story-Telling handelt. Hier reicht die Bezeichnung „fun-facts“ in keinster Weise aus. Es fühlt sich eher wie eine unterhaltsam aufbereitete Enzyklopädie an, die dazu einlädt das nun erworbene Wissen mit Gleichgesinnten zu teilen. Natürlich kommen dabei, wie es sich bei einem visuellen Medium gehört, die Bilder und Screenshots zu der jeweils besprochenen Serie nicht zu kurz. Wie üblich im Überformat geliefert, entfalten die Darstellungen einen nicht zu verleugnenden Sog auf den Leser, der bei der Lektüre am liebsten sofort den Fernseher anschmeissen möchte um sich selbst einen Eindruck verschaffen zu können. Bei der Masse an vorgestellten Titeln kommt es im Übrigen gar nicht so selten vor, dass man gewisse Veröffentlichungen bis dato gar nicht kannte und sich im Laufe des Buches die ein oder andere Inspiration holt. Für mich persönlich wären das die schon oft gepriesenen „Sopranos“, sowie die mir bis zu dieser Lektüre nicht bekannten HBO-Produktionen „Deadwood“ und „Rom“. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass hier sowohl der typische Serienjunkie überrascht wird aber auch der Neuling vollends befriedigt wird, indem kein Vorwissen verlangt wird und der Inhalt als Anreiz verstanden werden kann.

Matthew McConaughey and Woody Harrelson

Bei einem fairen Preis von knapp 50 Euro, ist das Gebotene hierbei mehr als nur ein fairer Gegenwert. In Halbleinen gebunden und auf hochwertigem Papier gedruckt, stimmen wieder einmal sowohl Aufmachung als auch Inhalt. Dementsprechend gibt es von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für dieses Sachbuch, welches vor allem in dem behandelten Bereich seinesgleichen sucht.

Bring Me The Horizon – That’s The Spirit

Zwei ganze Jahre mussten wir uns auf einen Nachfolger von „Sempiternal“ gedulden und es hat sich wirklich gelohnt. Bring Me The Horizon haben sich endgültig aus dem zerfallenden Korsett des Deathcore befreit und liefern mit „That’s The Spirit“ eine Platte, die einem das Wort „Konsequent“ geradezu ins Gesicht schreit. Waren auf dem Vorgänger noch Tracks zu finden, die noch durchaus als Pit-tauglich durchgingen („Antivist“ etc), reiht sich hier eine epische Hymne an die nächste.

Das ist vor allem den zurückgenommenen Gitarren zu verdanken, die den Drums und Synthies den nötigen Raum geben, der auf „Sempiternal“ schon angedeutet wurde. Dies ist schon deswegen nicht verwunderlich, da der als Gitarristen-Ersatz angeheuerte Keyboarder Jordan Fish mit dem Sänger Oli Sykes den Hauptsongwriter stellt und bei der gemeinsamen Arbeit offensichtlich seine Freude an Melodie-Experimentieren ausgelebt hat.

Bezüglich des Gesangs überrascht Sykes bei nahezu allen Songs mit einer facettenreichen Stimme, die man ihm vor ein paar Jahren beim besten Willen nicht zugetraut hätte. Beim letzten Album konnte man mit Chester Bennington-artigen „Shout“-Passagen und an Sprechgesang erinnernden Parts erahnen wohin die Reise gehen würde. Das jedoch eine so filigrane Stimme in dem bis zum Hals zugehakten Frontmann steckt, überrascht auf voller Länge. Dadurch kriegen die Titel allesamt eine noch individuellere Note, da noch mehr Klangfarben beigemischt werden können. Die Technik ist dabei sogar nur das Sahnehäubchen auf den fantastischen Texten, die man hier zu hören bekommt. Thematisch wird zwar das klassische Spektrum aus Liebeskummer, Hass, Trennung, Religion und Freundschaft abgedeckt, aber dabei so gelungen umschrieben, dass man immer wieder inne hält um die Aussagen sinken zu lassen und sie vielleicht beim nächsten Durchgang in einem anderen Licht zu sehen. Hier lohnt es sich wirklich auf die Lyrics zu hören, die vor Wortspielen, schönen Vergleichen und mehreren Ebenen nur so strotzen.

Das Resultat überzeugt dementsprechend auf technischer und lyrischer Ebene voll und ganz. Was alte Fans jedoch endgültig zur Abkehr bewegen könnte ist, dass das Wort Core nun endgültig aus der Genre-Bezeichnung für die Band gestrichen werden kann. Es schleichen sich zwar angenehm erfrischende Einflüsse aus Punk, Elektro, Indie und sogar Pop ein, aber die Zeiten der Two-Steps, Circle-Pits und Ohrlöchern, so groß wie Untertassen sind zumindest bei Bring Me The Horizon endgültig vorbei.

Dafür präsentiert sich mit dieser Veröffentlichung eine sehr junge Band, die durch ihre nun fünf Platten merklich gereift ist und sich die internationalen Chart-Erfolge damit mehr als verdient hat. Vor allem heutzutage scheint es so, als ob handgemachte ehrliche Musik im Mainstream (im Sinne von Erfolg) keinen Platz mehr findet. Umso erfreulicher ist es, dass die Flagge des Rock und Metal auch in diese Sphären getragen wird und aufzeigt, dass es immer noch Bands da draußen gibt, die uns Fans noch viel zu geben haben!

BMTH Booklet

Sophie Scholl – Die Comicbiographie

Vor allem heutzutage ist es wichtig klare Kante zu zeigen, wenn es sich um Themen wie Rassismus und/oder Nationalsozialismus handelt. Jeden Tag werden wir in den Nachrichten, sozialen Netzwerken und Foren von der plötzlich hochgekommenen braunen Suppe ertränkt und stoßen dabei oftmals an unsere Grenzen.

Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, dass es immer sinnvoll und vor allem nötig ist dagegen zu halten, wenn offensichtliches Unrecht geschieht. Das hierbei wohl bekannteste Beispiel für Widerstand gegen faschistische Umtriebe ist die Gruppierung „Weiße Rose“ und die dabei post mortem zu ihrem Aushängeschild gewordene Sophie Scholl.

Jeder, der sich gewissenhaft mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat oder sich für politische Themen im Allgemeinen interessiert, kennt die Entstehungsgeschichte, den Verlauf und die Mittel des Widerstands sowie schlussendlich den tragischen Tod der Hauptverantwortlichen. Traurigerweise wird es heutzutage immer schwieriger diese ernsten Themen so zu vermitteln, dass sie interessiert aufgenommen und vor allem reflektiert werden. Bücher, Unterricht, Filme und Dokumentationen haben Anteil an der Verbreitung der Geschichte, doch viele Jugendliche scheinen nicht mal bemerkt zu haben, dass es entsprechende Angebote für Informationen gibt.

In diesem Fall kommt in wenigen Tagen ein neues Medium ins Spiel, welches allein schon Aufgrund von Format und Aufmachung die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Die Lebensgeschichte von Sophie Scholl wird als Comicbiographie beim Knesebeck Verlag veröffentlicht und dabei in den Comic-Shops und Buchläden im ganzen Land aus den Regalen auf potentielle Leser blicken, die im schlimmsten Fall noch nie von der jungen Kämpferin gehört haben aber nun die Chance ergreifen können sie kennen zu lernen.

Dabei bewegen sich die Macher im Zusammenhang mit politischen Themen schon in bekannten Gewässern. Heiner Lünstedt, verantwortlich für das Szenario und einigen vielleicht als Leiter des Comicfestivals München bekannt, sowie Ingrid Sabisch, an der illustrativen Front tätig, haben schon zuvor gemeinsam die Biographie zu Willy Brandt geschaffen und erfolgreich unter die Leute gebracht. Entsprechend eingespielt wirkt der vorliegende Band sowohl inhaltlich als auch visuell in sich runder. Natürlich wird der Künstlerin eigener Stil konsequent beibehalten, doch dieser passt ungemein gut zum Geschehen in den Panels. Es wird vor allem viel Wert auf die Darstellung der Figuren und ihrer Interaktion miteinander gelegt. Der Hintergrund ist sehr dezent dargestellt und gibt den Hauptprotagonisten genügend Platz. Weite Kulissen findet man schon wie bei der Brandt-Biographie eher selten.

Inhaltlich basiert die Geschichte auf dem Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem vier Jahre älteren Freund Fritz Hartnagel. Diese Konstellation ist vor allem deswegen interessant, weil Scholl sich als überzeugte Pazifistin gegen die Nazi-Diktatur stellte, während Hartnagel als Offizier eine Karriere bei der Deutschen Wehrmacht hinlegte. Der daraus entstehende Diskurs und die wortgetreue Überlieferung lassen die Gedankengänge und die daraus resultierenden Taten Sophie Scholls lebendig werden und geben einen unverfälschten Einblick in ihr Innenleben.

Alles in allem liegt hier für Geschichts-Interessierte eine attraktive Bebilderung deutscher Historie vor und für Nichtkenner eine Pflichtlektüre, die ein ungezwungener Einstieg in das Wirken der „Weißen Rose“ sein kann.

„Sophie Scholl“ erscheint am 17. September.

Sophie Scholl Seite

Buchpräsentation von „Zefixhalleluja!“ in München

Gestern stellten Ralph Ruthe, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands, sowie Luise Kinseher, ihres Zeichens Kabarettistin (bekannt als „Bavaria“ auf dem Nockherberg) ihr gemeinsames Werk „Zefixhalleluja!“ im Hugendubel am Münchner Marienplatz vor. Genaugenommen stellt der Band ein Sammelsurium an alten und neuen Cartoons dar, die von Frau Kinseher in die bayerische Mundart übertragen wurden. Diese gelungene Zusammenarbeit stelle ich euch noch im Laufe der Woche vor. Bis dahin sind hier ein paar Bilder von gestern.

   
    
   

The Charlie Chaplin Archives

Um es sogleich vorweg zu nehmen: Der TASCHEN-Verlag hat es mal wieder geschafft sowohl Qualität als auch Quantität in Perfektion verschmelzen zu lassen. Der vorliegende Prachtband „The Charlie Chaplin Archives“ ist alles und vielleicht sogar etwas mehr als sich so mancher Fan wünschen kann.

Den glücklichen Umstand, als Laie einen detaillierten Blick hinter die Kullisen der Entstehungsgeschichte aller(!) Werke Chaplins werfen zu können, verdanken wir seinen beiden Halbbrüdern Sydney Chaplin und Wheeler Dryden. Die beiden waren dafür verantwortlich, die Chaplin-Studios zu räumen als die Familie in die Schweiz umzog. Nun liegt dieser gewaltige Schatz nach 10 Jahren Arbeit, in denen die geretteten Dokumente und Schriftstücke katalogisiert und eingescannt wurden, in all seiner Schönheit vor.

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Paul Duncan, der schon das James Bond-Archiv zusammenstellte, trug für diesen Band in Überformat die wichtigsten Informationen und Aufnahmen zusammen um ein detailliertes Bild zu schaffen, welches das Genie eines Charlie Chaplin sowohl in der Arbeit als auch im privaten Umfeld einfängt.

Dabei fängt er schon bei den ersten Schritten auf der Bühne als Kind an, welches ein paar Groschen für die Familie dazu verdienen will. Schon damals erkannte man in ihm das schlummernde Talent, dass eine Tages zu einem der größten Schauspieler aller Zeiten avancieren sollte. Ausgeschmückt mit allerlei teils unbekannten Ablichtungen, erfährt die Beschreibung etwas Greifbares, welches durch die durchgehenden Zeitzeugen-Aussagen an Tiefe gewinnt. Diese setzen sich aus Beschreibungen Chaplins und seiner Weggefährten zusammen, die um einige Details durch Einwürfe der Macher des Bandes ergänzt werden.

Durch diesen Stil, der sich durch das gesamte Buch zieht, werden in schönster Weise private Momente mit denen am Set in Verbindung gebracht. Im Detail wären es Umbesetzungen, Liebschaften, Entdeckungen von Talenten, Verhältnisse zu Personen des öffentlichen Lebens, sowie Tragödien, die das Leben Charlie Chaplins vom Anfang bis zum Ende durchziehen.

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Es werden dabei in chronologischer Abfolge alle Stationen auf den Bühnen dieser Welt erfasst, bewertet, kommentiert und in einen überspannenden Zusammenhang gesetzt. Angefangen bei einem Varieté-Ensemble, über Chaplins persönliche Entdeckung des Mediums Film in den USA, bis hin zu seinen Einsätzen für „Keystone“, „Essanay“, „Mutual“, sowie „First National“, die ihn einem größeren Publikum zugänglich machten. Dabei kommen viele Anekdoten ans Licht, die eine Erklärung für viele Entscheidungen in seiner Karriere liefern und dem Leser die Entwicklung seiner berühmtesten Figur, des Tramps, lebendig vor Augen führen.

Danach folgen die Werke, die vermutlich jeder, egal ob Cineast oder Gelegenheitskonsument, gleichermaßen kennen und lieben sollte: „A Woman In Paris“ (1923), „Goldrausch“ (1925), „Circus“ (1928), „Lichter der Großstadt“ (1931), „Moderne Zeiten“ (1936) sowie einer der legendärsten Filme überhaupt – „Der große Diktator“ (1940).

Hier wird sich wie schon bei den Kurzfilmen, am Set-Geschehen, dem fast schon manischen Perfektionismus Chaplins und den Reaktionen auf die jeweilige Veröffentlichung abgearbeitet, die vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Selbstverständlich werden hier auch die Spätwerke „Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris“ (1947), „Rampenlicht“ (1952), „Ein König in New York“ (1957), sowie die letzte vollendete Arbeit „Die Gräfin von Hongkong“ (1967) berücksichtigt. Insbesondere letzteres Kapitel ist äußerst amüsant im Bezug auf Chaplins Verhältnis zu den Hauptdarstellern Sophia Loren und Marlon Brando, welcher vom Großmeister wie ein Schuljungen getadelt wird.

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Als Abschluss kann man sich die nie vollendeten oder nie veröffentlichten Filme in Form von Skripten, Fotografien und Hintergrundinformationen zu Gemüte führen. Es ist zum Beispiel erstaunlich festzustellen, dass ein komplett fertiges Werk wie „A Woman of the Sea“ vernichtet wurde, aus der Idee Napoleon zu spielen „Der große Diktator“ wurde und sich die letzten Gedanken Chaplins in Form von „The Freak“ in ein Drama mit Fantasy-Einschlag hätten manifestieren können.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass dieser Band ein unumgängliches Must-Have für jeden Charlie Chaplin-Fan und Cineasten darstellt. Wie so einige Veröffentlichungen bei TASCHEN zuvor, schlägt der Preis von 150 Euro zwar so manche Geldbörse durch, ist aber jeden Cent wert. Wir reden hier von einem 560 starken, im Überformat gelieferten Werk, dass mit seinen 7 Kilo deutlich macht was in ihm steckt. Wer der englischen Sprache im Übrigen nicht mächtig sein sollte, kann in dem komplett auf deutsch gedruckten Beiheft in die Archive abtauchen. Als zusätzlichen Anreiz enthalten die ersten 10.000 Exemplaren einen kostbaren Filmstreifen mit 12 Einzelbildern aus Lichter der Großstadt (1931), der aus einem 35-mm-Film aus dem Chaplin-Archiv geschnitten wurde.

Release-Party zur Comicbiographie „Sophie Scholl“

Heute fand die Party zur Veröffentlichung der Comicbiographie „Sophie Scholl“ beim Knesebeck Verlag im Café „Küss die Hand“ in München statt. Mit dabei war natürlich das Kreativteam um Heiner Lünstedt und Ingrid Sabisch sowie die Vorsitzende der „Weiße Rose“-Stiftung Dr. Hildegard Kronawitter. Eine ausführliche Besprechung des Titels kommt Anfang nächster Woche.

   
    
    
    
 

Gotham Central – Band 1: In Erfüllung der Pflicht

Wie ja die meisten wissen, entsprang „Batman“ der Heftreihe „Detective Comics“, die sich entsprechend dem Namen großteils mit Krimi-Geschichten beschäftigte. Inzwischen wird der dunkle Ritter zwar gelegentlich immer noch als „Mitternachtsdetektiv“ bezeichnet, verdient diese Bezeichnung oftmals aber nicht wirklich. Der Fokus wurde immer weiter weg von Ermittlungen und überraschenden Wendungen verlagert, bis die menschliche Fledermaus endgültig zum reinen Action-Helden mutiert ist.

Serien aus dem Batman-Universum gingen nur selten andere Wege und blieben dabei unbeachtet, bis sich schließlich das Fernsehen dazu entschloss Polizisten und damit „echte“ Detektive ins Rampenlicht zu rücken. Dies geschah mit der Erfolgsserie „Gotham“, die am 21. September mit der zweiten Staffel weiter geht. Das sie nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist, lässt sich natürlich am Respekt vor der Fangemeinde ablesen, die selbstverständlich eine Comic-Basis erwartet, wenn Namen wie James Gordon, Harvey Bullock oder Bruce Wayne fallen. In diesem Fall wurden zwar keine ganzen Story-Stränge übernommen, aber die ein oder andere Serie diente durchaus als Inspirationsquelle. Dazu zählen vor allem „Batman: Gordon aus Gotham“ und das nun hier vorliegende „Gotham Central – Band 1: In Erfüllung der Pflicht“.

Die Handlung konzentriert sich dabei auf den Alltag der Cops um Marcus Driver, Renee Montoya, sowie Cris Allen. Die Schichten sind in einer Stadt wie Gotham natürlich durchzogen von Begegnungen mit allerlei Verrückten und dem allgegenwärtigen „Batman“, der selbstverständlich auch einen wandelnden Druck auf die Gesetzeshüter ausübt, ihre Fälle auch ohne den selbsternannten Rächer anzugehen. Die Geschichte setzt ein, als ein Polizist von Mr. Freeze getötet und ein anderer verletzt zurück gelassen wird. Ab dem Zeitpunkt ist das Präsidium wild entschlossen den Fall ohne die Hilfe von Bats zu lösen. Vor allem konnte die Tragödie nur zustande kommen, weil die betroffenen Beamten einen falschen Tipp auf der Suche nach den Entführern und Mördern eines jungen Mädchens gefolgt sind und damit ihr eigenes Schicksal besiegelt haben. Dementsprechend gilt es die Schuldigen so schnell wie möglich zur Strecke zu bringen und wieder so etwas wie Ordnung auf Gothams Straßen wieder herzustellen.

Dabei wird die Handlung schön ruhig und wie es sich für Detektiv-Geschichten gehört wohl überlegt angegangen und mit vielen Geheimnissen gewürzt, die man als Leser nur allzu gerne lüften möchte. So begibt man sich mit den Ermittlern gemeinsam auf die Reise um mit ihnen gemeinsam den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Sehr erfrischend ist dabei die raue Stimmung und die dazu passenden Dialoge, die nichts mit der Popcorn-Unterhaltung einer Superhelden-Geschichte gemeinsam haben. Es wird geflucht, teils hässliche Themen angesprochen und der Gewalt-Grad ist ebenfalls erfreulich untypisch für eine mit Batman verwobene Serie.

Auf der visuellen Seite erinnert die Aufmachung in meinen Augen zum Teil stark an Frank Millers „Batman: Year One“. Was vermutlich großteils an der nicht gerade sparsam eingesetzten Tusche und der klassisch angehauchten Farbgebung liegen dürfte. Diese Kombination unterstreicht dabei ungemein passend die tolle Atmosphäre, die dazu einlädt die Geschichte in einem Stück zu verschlingen.

Verantwortlich für die Handlung ist diesmal Ed Brubaker, dessen Passion für klassische Noir-, Hardboiled- und Spionage-Krimis sich deutlich aber positiv in „Gotham Central“ widerspiegelt. Der mehrfach mit dem Eisner- und Harvey-Award ausgezeichnete Autor hat zuvor schon an „Criminal“, „Fatale“, „Captain America“, „Catwoman“ und vielen anderen Serien gearbeitet. Zu seinem Team gesellt sich der zusätzliche Autor und ebenfalls Eisner-Award-Träger Greg Rucka, der ebenfalls schon im DC-Universum heimisch war und sich für Geschichten wie „Bruce Wayne – Mörder?“, „Batwoman“ oder „Final Crisis“ verantwortlich zeigte.

Den Zeichenstift nahm hier Michael Lark in die Hand, der zuvor an „Batman: Nine Lifes“, „Captain America: Super-Sodier“ (dafür gab es auch einen Eisner!) und an vielen weiteren Titeln gearbeitet hat.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass dieses Team es schafft eine so dichte Spannung zu erzeugen, dass man sie fast schon greifen kann. Genau genommen können hier auch Leser zuschlagen, die mit „Batman“ selbst eher wenig anfangen können und einfach eine tolle Krimi-Geschichte erleben wollen. In meinen Augen handelt es sich hier zudem um ein Must-Have für Fans der Serie „Gotham“, die offensichtlich vom besprochenen Comic inspiriert wurde.

„Gotham Central – Band 1: In Erfüllung der Pflicht“ erscheint am 22. September und kann hier vorbestellt werden!

Batman: Gordon aus Gotham

Als großer Batman-Fan lässt man sich selbstverständlich nicht die großartige Crime-Serie „Gotham“ entgehen, die sich mit Commissioner James Gordons Anfangszeit bei der Polizei auseinandersetzt und den Zuschauer dabei auf eine Entdeckungsreise durch die Stadt schickt, in der der dunkle Ritter noch nicht waltet und die bekannten Bösewichter entweder noch zu den Guten gehören oder sich langsam aber sich in Richtung Kriminalität bewegen. Da wundert es nicht, dass ich mich auf den 21. September freue, an dem endlich die zweite Staffel eingeläutet wird!

Wie könnte man sich da besser in Stimmung bringen als mit thematisch passenden Comics aus dem DC-Universum? Um Leuten wie mir in der Hinsicht Linderung zu verschaffen, erscheint am 15. September die in einem Band komplett enthaltene Miniserie „Batman: Gordon aus Gotham“, die sich wie der Titel schon vorwegnimmt auf einen der wenigen anständigen Cops der Stadt konzentriert und Batman zur Nebenfigur degradiert.

Batman dient dabei in der Geschichte primär als Gesprächspartner, dem die beschriebene Handlung näher gebracht wird. In der geht es um Jim Gordon zu seiner Zeit als Officer in Chicago, wo er schon die Art an sich hatte, die ihn auch später unter den korrupten Kollegen in Gotham nicht sonderlich beliebt machen würde. So meldet er einen Kollegen an die Dienstaufsicht, nachdem dieser grundlos einen Hippie zusammenschlägt. Damit beginnt für den jungen Gesetzeshüter ein Spießrutenlauf, der sogar in mehreren Mordversuchen mündet, bis ihm unerwartet von Seiten eines Vigilanten geholfen wird. Nun nimmt Gordon die Ermittlungen gegen seine Verfolger selbst in die Hand und überschreitet dabei immer wieder die Grenzen des Gesetzes um seine Tortur zu beenden. Dabei kommt er auf die Spur einer politischen Mordverschwörung, die bis in die höchsten Machtzirkel der Stadt reicht und dabei so gut wie alle bis dato aufgetauchten Charaktere mit sich reißt.

Die Geschichte wirkt hier sehr rund und in sich schlüssig, sowie spannend erzählt. Man möchte wirklich wissen wer hinter all den Wirrungen steckt und wie Gordon sich aus seiner Misere befreit. Zeichnerisch wird das Ganze mit einem sehr klassischen Stil abgerundet und verleiht der Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit, die dem Band sehr wohl bekommt.

Das all dies sowohl inhaltlich als auch visuell wirklich ansprechend aufbereitet ist, sollte bei dem Kreativ-Team, welches hinter dem erstmals im Jahre 1998 veröffentlichten Projekt stand, auch kein Wunder sein.

Auf der Autoren-Seite finden wir Dennis O’Neil, der in den 70er Jahren eine Revolution im Superhelden-Genre auslöste, in dem er sich in seinen Geschichten vermehrt mit realistischeren bzw. erwachseneren Themen beschäftigte. Zu seinen berühmtesten Veröffentlichung zählen vor allem „Batman“ und „Green Lantern/Green Arrow“.

Als Zeichner befindet sich Dick Giordano an Bord, der sich Mitte der 60er Jahre einen Namen im Mainstream erarbeitete, in dem er seinen Stift für Serien wie „Batman“, „Green Arrow“ oder „Wonder Woman“ schwang. Zusätzlich arbeitete er als Tuscher und gab zum Beispiel „Superman vs. Spider-Man“, dem ersten Crossover zwischen DC und Marvel, sowie „Superman vs. Muhammad Ali“ Tiefe und Kontur.

Als Tuscher im vorliegenden Werk ist Klaus Janson zu Gange, den eingefleischte Fans natürlich als Inker der Meilensteine „Daredevil“ und „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“ kennen.

Diese gelungene und für das Batman-Universum ungewöhnlichen Handlung als auch die im Überfluss vorhandenen Qualität (basierend auf den Talenten der zu Comic-Titanen aufgestiegenen Macher), lassen mich eine uneingeschränkte Empfehlung für „Batman: Gordon aus Gotham“ aussprechen.

Der Band erscheint am 15. September und kann hier vorbestellt werden!

Robocop versus The Terminator

Wenn man den Titel der vorliegenden Ausgabe liest, dann muss man sich eingestehen, dass es sich zunächst nach der Ausschlachtung zweier Marken anhört, die mit mittelmäßigen Autoren und Zeichnern zusammengeschustert wurde um auch in der Comic-Sparte richtig Kohle für die Hollywood-Studios raus zu schlagen. Auf den zweiten Blick fallen einem jedoch die Namen des kreativen Gespanns um diese Veröffentlichung ins Auge und die Kinnlade gleich darauf herunter.

Ja, wir sehen ganz richtig: Frank Miller (ja, genau der!) und Walter Simonsen (der in den 70er und 80er Jahren quasi an allem für Marvel und DC gearbeitet hat) haben sich tatsächlich im Jahre 1992 zusammen geschlossen und in meinen Augen einen der besten Comics herausgebracht, die auf einem Film-Franchise basieren. Vor allem diejenigen, die sich mit Millers Werken genauer auskennen, werden wissen was sie hier erwartet: Eine brachiale, doch zeitgleich bis ins letzte Detail ausgeklügelte Story, die trotz der zum Klischee neigenden Geschichte niemals ins Lächerliche abrutscht. Genau genommen ist der vorliegende Rahmen der Handlung ziemlich unüblich für Crossover-Events.

Normalerweise werden irgendwelche hanebüchenen Szenarien aus den Fingern gesogen um einen realitätsfernen Rahmen zu schaffen, in dem sich die zwei Hauptprotagonisten so richtig eins auf die Mütze geben können. Hier wurde zum Glück auf dieses ausgelutschte Konzept komplett verzichtet. In diesem Fall wird ein tatsächlich nachvollziehbarer Story-Strang aufgespannt, der die Existenz der einen Figur vollkommen logisch mit der Erschaffung der anderen begründet.

Leseprobe_RoboCop_vs_Terminator_05

Ja, richtig gehört. Ich versuche euch in diesem Zusammenhang die Story näher zu bringen, ohne große Spoiler einzubauen, die euch den Lesespaß vermiesen könnten: Als der den Terminator-Fans bekannte Widerstand der Menschheit erfährt, dass die Technologie, die das Bewusstsein von Skynet aktiviert hat (die Technologie, die den atomaren Erstschlag gegen die Menschheit ausführt und daraufhin die Terminatoren sowohl in die Gegenwart als auch Vergangenheit entsendet um die verbliebenen Menschen auszulöschen), der künstlich wieder hergestellte Verstand des Polizisten Alex Murphy aka RoboCop ist, entsendet er eine Kämpferin aus ihren Reihen namens Flo in die Vergangenheit um eben diesen zu eliminieren. Daraufhin werden scheinbar aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus Schwadronen an Terminatoren nachgeschickt um Murphy um jeden Preis zu beschützen, da dieser durch die Maschinen als der Ursprung oder auch der Schöpfer Skynets angesehen wird. Ab diesem Zeitpunkt möchte ich nicht weiter drauf eingehen wie die Story weiter verläuft, da dies zum einen etwas von der Spannung nimmt und zum anderen Miller-typisch eine Seitenlange Erklärung nach sich ziehen würde.

Auf der erzählerischen Ebene ist an diesem Werk in meinen Augen wenig bis gar nichts zu kritisieren, da hier etwas ungewöhnliches erschaffen wurde. Vermutlich konnte sich hier das kreative Gespann vollends austoben und genoss all die Freiheiten, die man so als aufsteigender Stern am Comic-Himmel so mit bekommt.

Bezüglich des Zeichenstils muss man ebenfalls eine Lanze für Walter Simonson brechen. Jeder, der über Jahre hinweg Comics gelesen hat oder liest, kann sich bestimmt an die unsäglichen Zeiten der 90er erinnern als die Panels genauso wie das Jahrzehnt aussahen: trashig. Zumindest wurde das Wort „zeitlos“ vermutlich eher selten im Wortschatz der Kreativen verortet. Simonson belehrt uns hier glücklicherweise eines Besseren und präsentiert uns einen Stil, der zum einen entfernt an Miller erinnert und zum anderen doch so sauber ausgeführt wird, dass es eine individuelle Note beibehält. Natürlich handelt es sich hier nicht um das aktuelle Werk eines Jim Lee, aber man wird hier in soweit versorgt, dass potentielle Erwartungen komplett erfüllt werden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es selten eine so gute auf Filmen basierende Comic-Umsetzung gab, hinter der auch noch klingenden Namen standen, die ohnehin wenig Zweifel an der Qualität des Werkes zulassen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Kaufempfehlung! In diesem Fall solltet ihr euch jedoch wirklich beeilen: Diesen Band gibt es tatsächlich nur in einer Auflage und diese beträgt nur 1.444 Exemplare! Also nichts wie los und in den Warenkorb damit!

Leseprobe_RoboCop_vs_Terminator_01