Howard the Duck – Sein schwerster Fall

Howard the Duck

Ich wär ’ne gute Tierärztin!

Waak! Dann bürste mir den Bürzel!

Wenn ich eine Rezension so beginne, sollte eigentlich schon jeder wissen um wen oder was es geht: Howard the Duck! Genau genommen um sein letztes Abenteuer unter dem Kreativ-Gespann Chip Zdarsky (Sex Criminals) und Joe Quinones (Amazing Spider-Man) mit dem Titel „Sein schwerster Fall„.

Nach den letzten beiden Ausgaben (Ein Erpel für alle Fälle und Im Weltraum hört dich niemand quaken) befällt mich geradezu eine Art Schwermut eine finale Rezension zur extraterrestrischen Ente zu verfassen, die mit ihrer trockenen Art inmitten eines anarchischen Settings, die ein oder andere Lachträne aus mir gepresst hat und nun ihr letztes Abenteuer erlebt.

Auch in diesem Fall ist es nicht anders und dementsprechend schwer zu beschreiben um was es eigentlich geht. Bevor die eigentliche Story beginnt, reist Howard mit seiner mit Skrull-Kräften ausgestatteten Assistentin Tara in das sogenannte Wilde Land, in dessen „Savage Park“ ihm ein Haufen Dinosaurier begegnet, die unter der mentalen Kontrolle eines ansässigen Mitarbeiters stehen. Im Gepäck hat er dabei niemand geringeren als Spider-Man, Steve Rogers aka Captain America („Nenn mich einfach Steve!“ „Ok, Captain Steve!„), Daredevil und She-Hulk. Diese begleiten ihn aufgrund eines Falls von Steuerbetrug. Ja, das steht da wirklich.

Nachdem dieses Abenteuer als „bestanden“ abgehakt wurde, schließt der Band an die letzte Veröffentlichung an und beginnt mit der Wiederbegegnung mit Howards Ex Beverly Switzler. Um dem Ganzen eine größere Schippe Irrsinn drauf zu legen, steht irgendwann auch noch Lea Thompson als seine neue Klientin vor der Tür (kleiner Reminder: Er ist Privatdetektiv). Dabei ist sie niemand geringeres als die Schauspielerin, die in der Howard-Verfilmung von 1986 seine Freundin gemimt hat. Als dann noch die beiden Macher der Reihe als sie selbst in Aliengestalt samt Kontrolle über Howards Leben auftauchen, ist die wirrste Mixtur die man sich vorstellen kann perfekt.

Dabei folgt die Handlung tatsächlich einem roten Faden, der sich auch den ein oder anderen Rückgriff auf vergangene Ereignisse erlaubt und damit einen größeren Bogen spannt, als man zunächst denken könnte. Dazwischen werden wie gewohnt Gags mit Seitenhieben auf bestimmte Figuren, die Comic-Industrie an sich, oder auch den Arbeitsalltag der Kreativbranche abgefeuert. Man merkt förmlich den diebischen Spaß, sich außerhalb der stringenten Ordnung des Marvel-Universums auszutoben und den Fans zu zeigen, dass man nicht viel anders ist, als sie selbst.

Visuell bleibt auch kein Wunsch unerfüllt. Durch die für Superhelden-Geschichten typische Optik, wirken die absurdesten Momente noch intensiver und dadurch eine ganze Ecke lustiger, als Produkte der Mitbewerber im „Funny-Style“.

Ich für meinen Teil kann euch nur ans Herz legen, alle drei Bände zu besorgen, die sich nicht nur schön im Regal machen, sondern es wert sind, sie mehrmals in die Hand zu nehmen und sich an ihnen zu erfreuen. Bei knapp 15€ pro Ausgabe, ist es eine wirklich lohnende Investition. Ich hoffe in jedem Fall, dass die Figur nicht irgendwann in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, sondern ein Ventil für mutige Autoren und Künstler und eine schöne Abwechslung für Leser bleibt.

Wonder Woman – Das erste Jahr

Wonder Woman Das erste Jahr Softcover

Der Hype greift aktuell um sich und die positiven Film-Kritiken tun ihr Übriges um eine ganze Generation an Fans heran zu züchten: Die Rede ist selbstverständlich von Wonder Woman!

Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass eine weibliche Hauptfigur sich im Cineversum der Cape-Träger etablieren, geschweige denn dieses dominieren könnte? Nach den bisher qualitativ eher durchwachsenen DC-Auskopplungen wurde es zwar vielleicht langsam Zeit, aber wer hätte bei den ersten Ankündigungen erwartet, dass dieses Franchise dermaßen einschlägt? Ich für meinen Teil bin positiv überrascht und erhoffe mir mehr weiblichen Anteil in den bis dato von Testosteron beherrschten Gefilden.

Nun ist es nicht weiter verwunderlich, dass zeitgleich zum Filmstart eine ganze Reihe an Comics veröffentlicht wird, damit die Leser in die Kinosäle und die Zuschauer in die Comic-Shops gespült werden. Darunter befinden sich neben Wiederveröffentlichungen (z.B. Heketeia) auch richtig frische Storys wie „Das erste Jahr„. Ein Titel, der seit der gleichnamigen Batman-Geschichte aus den 80er zur eigenen Institution geworden ist und oftmals eine ganze Ära einleitete. Selbiges gilt nun auch für Wonder Woman, die damit eine Origin-Story im Rebirth-Universum erhält.

In dieser lebt Prinzessin Diana (ihr Spitzname wird ihr erst später verliehen) mit ihren Amazonen-Schwestern gänzlich isoliert auf der paradiesähnlichen Insel Themyscira mit einer seltsamen Mischung aus archaischen Strukturen und fortschrittlichem Wissen im Bereich der Medizin und Forschung im Allgemeinen.

Eines Tages wird diese Idylle plötzlich durch den Absturz eines Militärflugzeugs erschüttert, welcher nur einen Überlebenden in Form des Soldaten Steve Trevor zurück lässt und damit das Leben Dianas für immer verändert.

Klingt im ersten Moment vielleicht etwas schwach auf der Brust, entfaltet aber durch das Storytelling-Talent von Greg Rucka (z.B. Gotham Central) einen einnehmenden Charme, der zwischen naiv, mysteriös und knallhart pendelt. Bezeichnungen, die nicht immer zu kombinieren sind, hier aber aufeinander abgestimmt harmonieren. Zusätzlich bleibt die Handlung durch das fantasievolle Setting durchgehend spannend und nur schwer vorherzusehen. Dadurch kommt man gerne auf eine Reise mit, die einen schön runden Abschluss und damit Ausgangspunkt für den Rebirth-Strang der Figur bildet.

Visuell aufbereitet wurde das Ganze durch Nicola Scott (z.B. Erde Zwei), die trotz zahlreicher Action-Szenen, die weibliche Hauptfigur, sowie die Umgebung fast schon „zart“ darstellt, ohne in eine für Jungs „abschreckende“ Richtung abzurutschen. Gleichzeitig vermeidet sie gekonnt eine Übersexualisierung, die man als Leser von Superhelden-Stoffen wohl zu Genüge kennt. Wonder Woman bekommt dadurch eine Aura, die weder den Beschützer-Instinkt weckt, noch „erregend“ wirkt. Alles in allem also eine Darstellung, die vollkommen auf die Reduzierung oder Ansprache des Geschlechts verzichtet und dadurch eine breitere Leserschaft erschließt.

In Kombination mit der gelungenen Geschichte, stellt „Wonder Woman – Das erste Jahr“ dadurch sowohl einen perfekten Einstieg für neue Fans, als auch eine schöne Ergänzung für die Sammlung langjähriger Fans dar. Möchte man sich sogar die edlere Hardcover-Version gönnen wollen, so ist diese sogar noch erhältlich! Ich für meinen Teil kann nur eine Empfehlung aussprechen, egal für welche Fassung ihr euch entscheiden solltet!

 

Marvel Klassiker: Spider-Man

Marvel Klassiker Spider-Man

Wenn ich Sätze wie „Einige der prägendsten SpideyStorys aller Zeiten in einem Band“ lese, bin ich aus Erfahrung recht skeptisch geworden. Viele Sammelbände wie der nun vorliegende Marvel Klassiker: Spider-Man (den Helden könnt ihr beliebig ersetzen), zeichneten sich leider viel zu oft dadurch aus, dass zwar wichtige Momente in der Geschichte der jeweiligen Figur geliefert wurden, die einschneidensten Erlebnisse aber Einzelausgaben vorbehalten wurden, um (nachvollziehbar) Kapital aus entsprechend legendären Story-Strängen zu schlagen.

Hier wird uns jedoch tatsächlich ein Positivbeispiel geliefert, welches der vollmundigen Ankündigung gerecht wird. Angefangen beim Urknall in Form des ersten Auftritts in Amazing Fanatsy #15, über Kämpfe gegen den Geier, den Kobold, Kingpin und viele weitere ikonische Feinde, bis hin zu persönlichen Tragödien (todkranke Tante May, Gwen Stacy *snap*) wird wirklich alles bedient, was in den späten 60ern und im Laufe der 70er relevant war.

Dabei sollten Nostalgiker und die, die es noch werden wollen nicht vergessen, dass es sich Zeitgleich um die Ära von Lee und Ditko handelt, welche uns die ikonische Optik der einzelnen Figuren beschert hat, die bis heute trotz unzähliger Neuauflagen in den Köpfen der Fans überdauert.

Hinzu kommt der unverkennbare Charme der Anfangstage, die ungewollt komischen Szenen und die teils sehr limitierten Panels, welche in Kombination genau das ausmachen, was der geneigte Leser erwartet.

Es wirkt nichts aufgesetzt, geschweige denn von künstlichem Pathos getragen (die 90er lassen grüßen). Daher wird man angenehm kurzweilig unterhalten, ohne das Gefühl zu haben, etwas aus rein historischen Beweggründen konsumieren zu müssen. Solche Neuauflagen sind sehr oft Geschmackssache. Hier wird in meinen Augen aber sowohl der langjährige Leser als auch der Neueinsteiger vollends bedient.

Ich für meinen Teil habe die Lektüre sehr genossen und hoffe, dass Panini bei diesem Konzept bleibt, damit ich auch bei Folgebänden ohne Bedenken zugreifen kann!

Marvel Klassiker: Spider-Man erscheint am 13.06.2017

Der Unterwasser-Schweisser

der-unterwasser-schweisser-78766_0

Mit dem vorliegenden Band ist ein Verlag in mein Blickfeld gerückt, den ich zuvor nicht mit Comics assoziiert habe. Nun freue ich mich umso mehr, dass sich Hinstorff dazu entschieden hat, das Gefilde der graphischen Geschichtenerzählung zu betreten.

Dank ihnen liegt nun endlich der schon 2012(!) in Nordamerika erschienene Band Der Unterwasser-Schweisser vor,  der dank Ryan Gosslings Interesse an der Verfilmung des Stoffs auch in den Blick der Masse geraten ist. Wenn man sich die Story des Künstlers und Ausnahmeautoren Jeff Lemire zu Gemüte führt, versteht man die Begeisterung, die sowohl bei der stetig gewachsenen Anhängerschaft des Kanadiers, als auch Rezensenten ausgelöst wird.

Wie schon bei anderen seiner Werke (z.B. Sweet Tooth), ist Lemire neben dem Storytelling auch für die visuelle Umsetzung verantwortlich und versorgt den Leser mit einem optischen Rahmen, der perfekt zur introvertierten Atmosphäre und den leisen Tönen dieser großartigen Geschichte beiträgt:

Die Hauptfigur Jack Joseph arbeitet, wie der Titel schon andeutet, als Unterwasser-Schweißer auf einer Ölplattform vor der Küste Neu-Schottlands. In der einnehmenden Einsamkeit des Meeres verrichtet er dieselbe Arbeit wie schon zuvor sein Vater,
der vor vielen Jahren bei einem Tauchgang ertrank. Dieses Unglück ist für ihn sowohl Antrieb als auch Bürde zugleich. Wie manisch taucht er immer wieder in die Tiefe um sein Kindheitstrauma zu verarbeiten, während zeitgleich seine hochschwangere Frau an der Küste wartet und immer verzweifelter wird, umso näher der Geburtstermin rückt. In dieser erdrückenden Lage sieht sich Jack gezwungen, sich seiner Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes zu stellen und damit seinem Leben einen Sinn in der Zukunft zu geben,  statt in verflossenen Zeiten zu ertrinken.

In so einer kurzen Beschreibung wirkt der Plot vllt. nicht sonderlich auffällig, aber die Weise in der er gesponnen wird, berührt ab der ersten Seite Herz und Verstand. In schwarz/weiß gehalten, sprühen auch Passagen ohne Text nur so vor Emotionen, die sich alle auf die uns ureigenen Ängste von Verlust und Selbstzweifel zurückführen lassen. Darüber hinaus wird hier erneut unter Beweis gestellt, dass eine solch auf persönlicher Ebene dramatische Geschichte, durch eine graphische Umsetzung die gewisse Note bekommt, die weder Buch noch Film umsetzen könnten. Beide Formen des Geschichtenerzählens haben ihre eigenen Vorteile, die sie von anderen abgrenzen. Das Herz mit einer kleinen Bilderfolge für sich einzunehmen, bleibt aber immer noch das Metier der Comic-Kunst.

Ich vermute in diesem Zusammenhang, dass die angekündigte Umsetzung in einen Kinofilm für nicht wenige erstaunte Gesichter sorgen wird, wenn ihnen bewusst wird eine Comic-Verfilmung zu sehen, die weder etwas mit Fantasy noch einem Superhelden-Universum zu tun hat.

Neben dem positiven Anklang bei den Filmstudios, freut es mich natürlich auch persönlich, dass ein Drama so bravourös als Graphic Novel umgesetzt wurde. In meinen Augen bis jetzt eines der Highlights 2017 und damit ein Pflichtkauf! Die Nominierung als „Bester nordamerikanischer Comic“ beim PENG!-Preis des Münchner Comicfestivals war mehr als verdient und für euch vllt. ein Ansporn selbst einen Blick in Der Unterwasser-Schweisser zu werfen.

Mario Testino signiert in Berliner TASCHEN-Store!

66210A0B-D171-4BD4-A632-6F7826A21D2B

Wenn man auf die Fotografen der Reichen und Schönen zu sprechen kommt, dauert es nicht lange bis der Name Mario Testino fällt. Der Mann, der durch seine Fotos von Prinzessin Diana zum ersten Ansprechpartner des Adels wurde und durch seine Arbeiten für so gut wie jedes namhafte Modemagazin weltweite Berühmtheit erlangte, kommt nach Berlin um im TASCHEN-Flagshiptstore seine Bücher SIR und UNDRESSED zu promoten. Diese Gelegenheit können Besucher am 02. Juni (17:30-18:30 Uhr) nutzen, um sich eine Signatur dieser Legende zu sichern.

Es gehört nicht viel dazu, um zu verstehen, warum der gebürtige Peruaner so gut wie jeden Promi von Rang und Namen vor die Linse bekommen hat. Repräsentativ steht hierfür der eben erwähnte Band SIR, der über 300 zeitgenössischer Aufnahmen männlicher Ästhetik präsentiert. Jede Facette des starken Geschlechts wird in ausdrucksstarken Motiven festgehalten: Ob Dandy, Macho oder androgyner JünglingTestino bringt auch die verborgensten Seiten der Models zum Vorschein.

DOE0065E_194.tif

©Mario Testino

Apropos Models. Es handelt sich dabei nicht um personifizierte „stock images“, sondern um die berühmtesten Vertreter ihres Geschlechts in Form von Sportlern wie David Beckham, Musikern wie David Bowie oder Schauspielern wie Josh Hartnet. Dabei werden ein ums andere Mal die Grenzen der Geschlechteridentitäten überschritten und damit ein noch spannenderer Blick auf die Bilder ermöglicht.

Wenn ihr euch zur Feier von Mario Testinos Besuch selbst von seinem Schaffen überzeugen wollt, habt ihr hier auf ZOMBIAC die Chance dazu! Ich verlose den eben angeschnittenen Band SIR, den ihr euch entweder persönlich in Berlin unterschreiben lassen oder einfach als schönen Blickfang in euer Regal stellen könnt!

EWW0020M_10.tif

©Mario Testino

Das einzige was ihr dazu tun müsst, ist es den zu diesem Beitrag veröffentlichten Facebook-Post zu kommentieren und dabei eine/n Freund/in zu markieren! Das Ganze dauert bis Sonntag, den 28.05. um 23:59 Uhr. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen und der Gewinner wird per Facebook kontaktiert.

Viel Glück!

XCT

Bildschirmfoto 2017-05-18 um 12.02.17

Inzwischen sollte Timo Wuerz so gut wie jedem Leser meines Blogs und Comic-Fans im Allgemeinen ein Begriff sein, obwohl sich der Gute primär als Maler sieht, der zufällig auch Comics macht. Wenn euch schon mal eines seiner Werke in die Hände gefallen ist, wisst ihr sicherlich was ich meine.

Zwar fand Timo erst nach endlos langen Jahren wieder zu dem von uns geliebten Medium zurück, aber sein Output der aktiven Comic-Zeiten hat genügend Umfang um eine Werkausgabe zu veröffentlichen. Dieser Aufgabe nahm sich POPCOM an und liefert beginnend mit Ghost Realm, über Lula & Yankee bis Aaron & Baruch ein brachiales oder/und charmantes Werk nach dem anderen ab.

Klar, dass die Reise durch Timos Schaffen noch lange nicht vorbei ist. Mit XCT liegt eine weitere Geschichte in Zusammenarbeit mit Niki Kopp vor, die wie ein Zeitsprung in die Köpfe der Generation X anmutet, die offensichtlich Pate für die Namensgebung des Comics stand.

Im Detail betreten wir eine utopisch anmutende Welt, die befreit von Waffen, Aids und all den anderen Geißeln der Menschheit in vollendeter Selbstgefälligkeit vor sich hin lebt. Mitten drin sticht jedoch eine Stadt heraus, die nur von Jugendlichen bewohnt und verwaltet wird: Die titelgebende XCT!

Entsprechend des Alters der Protagonisten und vor allem wegen dem Entstehungszeitpunkt der Geschichte, sieht die dortige Umgebung ziemlich nach der Musikvideo-Generation der 90er aus, die sich durch Anleihen an Grunge, Goth, Techno und Industrial definiert und damit die Realität des Jahrzehnts recht genau widerspiegelt.

Basierend auf der nihilistischen Grundstimmung der erwähnten Subkulturen, sind wir Zeugen von Drogenexzessen, Sex und Musik in Hülle und Fülle. Im Endeffekt das Traumabziehbild eines jeden Teenagers, der die Luft dieser Zeit atmen durfte.

Das benannte Konzept gerät aber plötzlich in Gefahr, als eine Gruppe mit Hilfe der verbotenen Waffen die Macht in der Stadt der Jugend an sich reißen möchte. Die zu den Gründervätern XCTs gehörende Corky lässt das Ganze natürlich nicht auf sich sitzen und macht sich bereit ihr Paradies mit allen Mitteln zu verteidigen.

So überdreht wie sich das anhört, liest es sich auch. Ein greller Adrenalinrausch, der sich über die gesamte Länge der über 100 Seiten erstreckt und kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Zu der damit einhergehenden Gewalt, wird der Geschichte darüber hinaus ein sozialkritisches Korsett umgeschnallt, welches sich die dystopischen Elemente der dargestellten Exzesse schnappt und sie zu einem pervertierten Spiegelbild unserer realen Gesellschaft umfunktioniert.

Die popkulturelle Ebene kommt ebenfalls nicht zu kurz. Im Comic begegnet man zum Beispiel einer autoaggressiv anmutenden Band, deren Sänger gewisse Ähnlichkeiten mit einem Superstar aufweist, der einst als der Enfant Terrible der Musikwelt Bekanntheit erlangte. Die Rede ist von Marilyn Manson, der in Bezug auf Verhalten und Optik als Vorbild fungierte. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine von mir aufgestellte Theorie, denn im reich mit Extras befüllten Anhang wird diese Annahme rasch durch die Macher bestätigt, die den „God of Fuck“ während der Tour zu „Antichrist Superstar“ persönlich erleben durften und dadurch nachhaltig inspiriert wurden.

Was die generelle visuelle Umsetzung anbelangt, bewegt sich Timo Wuerz im stilistischen Bereich von „Aaron & Baruch„, wobei er sich deutlich experimentierfreudiger zeigt.

Sowohl was die Farbgebung, als auch „Special Effects“ wie Unschärfen- und Lichteffekte anbelangt, war XCT seiner Zeit weit voraus. Digitale Bearbeitung steckte zu dem Zeitpunkt in den Kinderschuhen und selbst die großen Verlage und ihre Künstler übten sich in Zurückhaltung. Noch bis heute ist eine Nachbearbeitung realer Malerei eher selten anzutreffen, während komplett am Computer entstandene Welten zur Regel geworden sind. Daher sticht dieser Band auch 20(!) Jahre nach seiner (ursprünglich für zwei Ausgaben konzipierten) Erstveröffentlichung aus der Masse der 90er-Releases heraus und wirkt trotz der nostalgischen Note zu keinem Zeitpunkt altbacken.

Als Fazit kann ich entsprechend ziehen, dass XCT auf keinen Fall einen Lückenfüller für die Gesamtausgabe des Ausnahmekünstlers Timo Wuerz darstellt, sondern einen lupenreinen Pflichtkauf! Wenn ihr schon angefixt seid, müsst ihr nicht lange auf seinen nächsten Output warten: Ghost Realm 2 steht schon in den Regalen und die passende Besprechung findet ihr wie üblich bald hier auf ZOMBIAC!

PS: Wer sich persönlich eine Signatur abholen oder sich eines seiner Sketche anfertigen lassen möchte, hat dazu auf dem Comicfestival München die Gelegenheit. Am 25. und 26.05. ist Timo Wuerz in der Alten Kongresshalle der bayerischen Landeshauptstadt anzutreffen!

 

ALIEN: COVENANT (Filmkritik)

Alien_Covenant_Poster_Teaser_SundL_700

Es gibt Regisseure, die gleichsam mit ihrem Werk verschmolzen zu sein scheinen.  Zu diesen gehört mit Sicherheit auch Ridley Scott, der gemeinsam mit H.R. Gigers alptraumhaften Visionen ein Stück Filmgeschichte erschaffen hat. Selbstverständlich ist die Rede von ALIEN und damit der Perfektion des Sci-Fi-Horrors, die bis heute unerreicht ist.

Nachdem Scott mit seinem Erstling einen Hype losgetreten und mit weiteren Werken für die Ewigkeit (z.B. Blade Runner) seinen Weg fortgesetzt hat, verselbstständigte sich sein Film zu einem Franchise, das über Dekaden hinweg die Leinwände unsicher machte.

Im Jahr 2012 rang er sich dann dazu durch seinen extraterrestrischen Stoff erneut aufzugreifen und die Ursprünge der echsenartigen Monster zu ergründen. Dabei widersetzte er sich dem Trend von semi-gewaltpornographischen Streifen wie SAW und blieb dem ursprünglichen Rezept treu, blutige Szenen aus der Geschichte heraus zu erzählen und sie nicht als Kern der Story zu benutzen. Der wichtigste Teil blieb die unterschwellige und doch allgegenwärtige Bedrohung.

Nun spinnt der Regisseur mit ALIEN: COVENANT die Handlung zehn Jahre nach den Ereignissen in Prometheus weiter: Die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant ist auf dem Weg einen erdähnlichen Planeten zu besiedeln, als der Plan durch einen Unfall ins stocken zu geraten droht. Durch Zufall entdeckt die Besatzung jedoch einen abgelegenen und unerforschten Planeten, der zunächst all das zu bieten scheint, was zuvor gesucht wurde.

Der aufmerksame Zuschauer stellt aber recht schnell die Verbindung zu Prometheus her und kommt damit zur Erkenntnis, dass die Menschen nun auf dem Planeten gestrandet sind, auf dem zuvor schon der fehlgeleitete Android David eine Zuflucht fand. Doch damit nicht genug. Sowohl David als auch der Himmelskörper bergen mehr dunkle Geheimnisse, als es zunächst scheint.  Aufgrund des Film-Titels sollte es kein Geheimnis sein, dass die Xenomorphe einen nicht geringen Teil darin spielen.

Mehr soll hier bezüglich des Inhalts nicht verraten werden, da sich viel von der Spannung aus der Ungewissheit speist, die durch kleine Hinweise und Fährten zu bekannten Storyelementen aufgebaut wird. Selbst die blutigsten Szenen haben weniger vom Feierabend-Bier-Slasher, als von klassischer Grusel-Atmosphäre. Kein Tod, keine Verletzung und kein Kampf entsteht ohne Grund. Sogar eine Sex-Szene wird dazu genutzt, um die Handlung voran zu treiben und nicht und nicht als stereotypes Element um die Stimmung aufzulockern.

Dazu trägt nicht zuletzt das einnehmende Schauspieler-Ensemble bei. Allen voran Michael Fassbender, der gleich in einer Doppelrolle zu finden ist, die ihm wie auf den Leib geschneidert wurde und trotzdem Freiheiten in Bezug auf ihre Darstellung bietet.

Alles in allem wird hier eine gute schauspielerische Leistung mit klassischen Horrorelemente kombiniert, was leider oftmals ein Widerspruch in sich selbst zu sein scheint. Zusätzlich wirkt alles aufgrund des Science-Fiction-Gewands angenehm frisch.

Dementsprechend kann ich eine klare Empfehlung für einen baldigen Kinobesuch aussprechend und kann persönlich nicht erwarten einen weiteren Ableger des Alien-Franchises zu sehen. Bei Ridley Scotts Arbeitsweise, die scheinbar keine Ruhepausen zulässt, vielleicht gar kein so abwegiger Wunsch!

Ab Donnerstag, 18. Mai 2017 nur im Kino!

Anne Geddes: Small World

geddes_small_world_fo_int_3d_sticker_05305_1703061036_id_1110446

Im Gegensatz zu Malern haben viele Photographen das schwere Los gezogen, oftmals nicht mit ihrem eigenen Werk assoziiert zu werden. Daher stammt allem Anschein nach auch der Eindruck, dass Photokünstler ihr Geld dadurch verdienen, nur auf einen Knopf zu drücken.

Auf Laien mag dies vielleicht zutreffen, aber die berühmtesten Vertreter ihres Berufsstands beweisen immer wieder aufs neue, dass mehr dahinter steckt. Neben einem guten Auge für das festzuhaltende Motiv wird auch ein Gefühl benötigt, das nicht nur durch mechanisch angeeignete Übung erreicht wird, sondern bei dem primär pures Talent eine große Rolle spielt. Dieses Statement trifft nicht zwangsläufig auf die Schöpfer ewig ikonischer Motive zu, sondern auch auf diejenigen, die ihren Bildern eine ganz persönliche Note geben und damit bewirken, dass sie als das angesehen werden, was sie schlussendlich sind: bildende Künstler.

fo_anne_geddes_05305_005_1702101540_id_1111563

©Anne Geddes

Eine der bekanntesten Fälle in diesem Zusammenhang ist sicherlich Anne Geddes, die es mit ihren Baby- und Kinderporträts geschafft hat, jedem ein Begriff zu sein. Selbst wenn der Name manchen nicht sofort geläufig ist, wird spätestens beim Betrachten ihrer Werke ersichtlich, wer sie ist.

Schon seit 1992 erfreut sie Menschen weltweit mit ihren einzigartigen Ideen. Ob als Hase, Blümchen oder in den Leib zurückversetze Metamorphose zwischen Mutter und Kind – Ihre Fotografien berühren und büßen dabei auch nach Jahren nichts von ihrer Kraft ein. Zwar assoziieren die meisten Geddes Arbeit mit Postkartenmotiven oder Kalendern, doch das wird ihrer Gabe, sensibelste Momente auf Bilder zu bannen, nicht gerecht. Um sich ein differenziertes Bild ihres Schaffens zu machen, hat TASCHEN nun kurz vor Muttertag mit „Anne Geddes. Small World“ zum ersten Mal ihr nun fast 30-jähriges Gesamtwerk, inklusive bisher unveröffentlichter Aufnahmen, zusammengetragen.

Diesem wird nicht nur durch die den Bildern angemessene Größe des Buches Respekt gezollt, sondern vor allem mithilfe der liebevollen Aufbereitung, die sich nicht an der Chronologie ihres Schaffens, sondern am Wachstum der Kinder orientiert. Dementsprechend wird die Zeit im Mutterleib mit dem Titel „Anfänge“ betitelt, während thematisch an den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt („Ankunft„), die Entdeckung der Umgebung durch den unschuldigen Blick des Kindes („Wachstum„), sowie das Entwachsen aus der auf sich zentrierten Perspektive („Die nächsten Schritte„) aufgereiht wird.

fo_anne_geddes_05305_073_1702101541_id_1111608

©Anne Geddes

Dabei wird die Vertrautheit zwischen der Fotografin und ihren Motiven sofort spürbar. Selten wurden Babys mit solch einer intensiven Lebendigkeit und zeitgleich einer schier unfassbaren Zerbrechlichkeit zum zentralen Bildinhalt einer Photographie gemacht. Dabei schafft es Anne Geddes die Intimität auch trotz Zuhilfenahme von teils sehr aufwändigen und liebevoll gestalteten Requisiten beizubehalten. So werden die Kleinen in verschiedenste Kostüme gekleidet und in fantasievolle Umgebungen versetzt, die eine fast natürliche Symbiose eingehen. Trotzdem wird das Ganze zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche gezogen, sondern versprüht geradezu einen subtilen Humor, der den Bildern nicht die Atmosphäre eines beliebigen Photoshoots gibt, sondern jedes Werk mit einem gewissen Etwas ausstattet.

Man muss keinen Kinderwunsch in sich tragen, um sich des Zaubers von „Small World“ bewusst zu werden. So findet man in den Werken die seltene Kombination aus Emotion und Ästhetik, die den Betrachter in eine Welt jenseits der rauen und bisweilen furchteinflößenden Wirklichkeit gleiten lässt. Um Babys und Kinder, die nun mal das Hauptmotiv von Anne Geddes Lebenswerk sind,  vor den dunklen Seiten dieser Gesellschaft zu schützen, hat sie vor vielen Jahren die Vereinigung Geddes Philanthropic Trust gegründet. Diese wird durch die Einnahmen ihrer Produkte finanziert und unterstützt mit beachtlichen Summen den weltweiten Kampf gegen Kindesmisshandlung und Verwahrlosung.

fo_anne_geddes_05305_006_007_1702101541_id_1111572

©Anne Geddes

Anne Geddes widmet sichtlich all ihre Energie und Inspiration der Schönheit und Schätzung der jüngsten Erdbewohner unter uns und schafft dabei ein abgerundetes Gesamtwerk aus philanthropischen und künstlerischen Errungenschaften.

Ich für meinen Teil war zunächst etwas skeptisch, was dieses Buch anbelangt. Die Leser, die ZOMBIAC schon etwas länger verfolgen, wissen um mein Faible für bizarre Motive und dunkle Abgründe in allen Bereichen der Kunst. Dabei sticht der liebliche Bildband „Small World“ offensichtlich heraus. Jedoch hat mich die Zartheit der Motive und immense Kreativität der einzelnen Werke sofort und in jeder Hinsicht überzeugt. Wer hätte gedacht, dass ich, als Freund der dunklen Motive, während des Betrachtens eines Fotobandes fast durchgehend ein seliges Lächeln auf den Lippen tragen würde? Ja, es klingt fast schon Diabetes-auslösend süß, aber es entspricht der Wahrheit und hat mich zur Einsicht gebracht, dass auch Werke außerhalb der eigenen (primären) Interessen das Herz berühren können. Überzeugt euch selbst vom Zauber des Bildbandes Small World von Anne Geddes, dem auch ich selbst nicht widerstehen konnte. (P.S.: Bald ist Muttertag 😉 )

Convergence – Kampf der Welten

convergence-paperback-softcover-softcover-1491378977

Wie die meisten DC-Fans schon mitbekommen haben, befinden wir uns aktuell mitten im neuesten Reboot des Comic-Universums um den Dunklen Ritter und den Mann aus Stahl.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass sich der Verlag dazu entschieden hat alles wieder Rückgängig zu machen, was die New 52 vor einigen Jahren hervorgebracht haben? Natürlich spielen zum einen wie so oft monetäre Gründe eine Rolle. Jedes Mal wenn eine Reihe die Nummer 1 spendiert bekommt, steigen die Verkäufe und damit auch das Interesse der Macher, so viele Neustarts zu erzeugen wie möglich.

Darüber hinaus vermissten aber viele alteingesessene Fans, die die Geschichten ihrer Lieblingshelden seit Jahren verfolgen, die ihnen bekannten Handlungsstränge, Hintergründe geliebter Charaktere, die wie über Nacht verschwunden waren und vieles mehr. Zusätzlich informierten sich die zahlreichen neuen Leser über die Historie der Charaktere und die Vielzahl an Geschichten legendärer Autoren und Zeichner.

DC hat diesen Ruf nach altbekannter Kost erhört und stellte wieder auf die klassische Zählung von Detective Comics, Action Comics und vielen anderen Serien um. Das Ganze wurde jedoch wie so oft in solchen Fällen mit einem großen Event eingeleitet, welches seinen Ursprung sogar noch vor Rebirth hat. Die Rede ist natürlich von Convergence – Kampf der Welten.

Im Detail sammelt in dieser Geschichte Supermans Widersacher Brainiac ganze Städte aus den zahllosen Parallelwelten, die selbst dem größten Fan nicht in jedem Fall etwas sagen werden. Diese werden auf den fernen Planeten Telos gebracht, der scheinbar durch eine fehlgeleitete Personifizierung bzw. einen Avatar des Himmelskörpers einen vermeintlichen Befehl Brainiacs ausführen möchte, der im wahrsten Sinne des Wortes auf einen „Kampf der Welten“ hinaus läuft.

Hierbei müssen sowohl Helden als auch Schurken gegen Bewohner anderer Städte/Welten antreten. Dabei steht nicht wenige als die Existenz der Kontrahenten und ihrer Heimat auf dem Spiel. Dem Verlierer droht die komplette Vernichtung. Um dabei so viele Charaktere wie möglich präsentieren zu können, wurden selbstverständlich zahlreiche Specials rund um das Event veröffentlicht, die mal mehr oder weniger gelungen (Megaband, Sonderband, Batman) aber durchgehend unterhaltsam waren. Genauso verhält es sich mit dem vorliegenden Sammelband.

Zum Glück konzentriert man sich in diesem Fall primär auf die Helden der Erde-2 und gibt der Handlung ein dringend benötigtes Korsett, da sie sonst ins Chaos abzudriften droht. Um einigermaßen den Überblick zu behalten, waren die Macher sogar so nett, eine kleine Enzyklopädie beizufügen, die kurz die anzutreffenden Welten und ihre Bewohner erklärt. Ich vermute nämlich, dass ich nicht der einzige bin, der zum Beispiel Captain Carrot and His Amazing Zoo Crew bis dato nicht kannte.

In jedem Fall liest sich das Ganze durchaus flüßig und man kann sich einer gewissen Nostalgie nicht entziehen, selbst wenn man nicht zum Erscheinungszeitpunkt der angeteaserten Geschichten auf der Welt war. Das macht die Lektüre in meinen Augen zu einem Spaß für Alt und Jung, sowie für Profis als auch Neueinsteiger. In jedem Fall wird man gut unterhalten, ohne zwangsläufig jeden Hintergrund der präsentierten Figuren kennen zu müssen.

Auf visueller Ebene erwarten uns keine Überraschungen, da alles im klassischen Superhelden-Stil, samt Muskelbergen und großen Oberweiten serviert wird. Das wird zum einem dem zu behandelnden Stoff gerecht, der im Endeffekt einer Verbeugung vor der Vergangenheit gleich kommt, und lenkt zum anderen einfach nicht ab. Bei über 320 Seiten und einer Horde an Künstlern und Autoren, wären zu viele Stilbrüche einfach schädlich für den Lesefluss. Trotzdem wird solide Kunst abgeliefert, die auch ohne wirklich individuelle Trademarks zu überzeugen weiß.

Alles in allem also ein schönes Action-Paket, dass sich wunderbar als letztes Aufbäumen des seit 2011 existierenden DC-Universums lesen lässt und einem umso mehr Lust darauf macht, die alten Sachen zu entdecken, die inhaltlich angesprochen werden. Daher wird bei mir sicherlich der ein oder andere Streifzug auf eBay und lokalen Flohmärkten anstehen. Ich garantiere, dass es bei euch auch nicht anders sein wird! 😉

Wonder Woman/Batman: Hiketeia

WONDERWOMANBATMANHIKETEIA_Softcover_992

Dieses Jahr erwartet uns der erste Wonder Woman-Film des in sich geschlossenen DC-FIlmuniversums mit Gal Gadot in der Hauptrolle. Nach den ersten Trailern und dem bisherigen Schaffen der Regisseurin Patty Jenkins gibt es durchaus Hoffnungen auf einen ersten Streifen, der sowohl Fans der Comics als auch Kritiker zufrieden stellen sollte. Das konnte man ja in Bezug auf die letzten Veröffentlichungen um Suicide Squad und Batman v Superman ja leider nicht behaupten.

Wie üblich lässt sich Panini Comics bei solchen Releases nicht lumpen und bringt zahlreiche Neuauflagen, Sammelbände und Serien auf den Markt um vom Hype zu profitieren. Das so eine Taktik nicht automatisch negativ behaftet sein muss, erkennt man zum Beispiel an Wonder Woman/Batman: Hiketeia, welches zum ersten mal im Jahr 2002 veröffentlicht wurde und die erste Arbeit des legendären Greg Rucka (Gotham Central) mit der Figur darstellt, bevor er ein Jahr später die reguläre Serie übernahm. Hier kommen sowohl eingefleischte Fans, als auch diejenigen auf ihre Kosten, die das erste Mal mit der Amazone zu tun haben.

Zum einen liegt es an der großartigen Story und zum anderen daran, dass diese Graphic Novel in sich abgeschlossen ist und kein Vorwissen vom Leser voraussetzt. Im Detail geht es um das titelgebende antike Ritual der Hiketeia, welches eine junge Frau an Wonder Woman bindet, die Schutz von der Prinzessin erbittet und diesen auch bekommt. Wie sich schon bald herausstellt, handelt es sich um eine Mörderin, der nicht nur drei gnadenlose Rachegöttinnen, sondern auch der dunkle Ritter persönlich auf der Spur sind.

Entsprechend des alten Brauchs, darf der Bund zwischen den beiden Frauen nicht gebrochen werden und es kommt, wie das Cover des Bands andeutet, zum unerbittlichen Kampf zwischen Batman und Wonder Woman, welcher nur einen Ausgang haben kann…

Zwar kommen gelegentlich Szenen vor, die man getrost als „cheesy“ bezeichnen kann, aber wenn man darüber hinwegsieht, kriegt man eine großartige Geschichte, die erstaunlich offen mit sensiblen Themen umgeht und trotzdem kurzweilige Unterhaltung bietet. Im Großen und Ganzen gehört dieser Band in die Sammlung jedes Fans. Vor allem der attraktive Preis von 19€ für die auf 222 Stück limitierte(!) Hardcover-Ausgabe, müsste alle Bedenken beiseite wischen. Alle anderen sollten den Comic-Shop ihres Vertrauens aufsuchen, einen Blick hineinwerfen und das gute Ding nach hause nehmen.

Denn auch auf visueller Ebene überzeugt die Ausgabe auf voller Länge. Mit J.G. Jones und seinem realistischen Stil hat nämlich ein grandioses Talent und Fanliebling den Stift geschwungen, der in seiner Art perfekt mit Ruckas Storytelling harmoniert. Sein bisheriges Schaffen mit Wanted, Before Watchmen: Comedian oder Final Crisis sprechen dabei wohl für sich.

Wie ihr sicher bemerkt habt, gibt es an Wonder Woman/Batman: Hiketeia nicht viel auszusetzen und daher meine uneingeschränkte Empfehlung!