Slayer: Repentless – Ohne Reue

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Es kommt wirklich selten vor, dass meine liebsten Hobbys, oder sagen wir lieber Leidenschaften, zusammen auf einen Schlag auftauchen. Die Rede ist natürlich von Comics und Musik (genauer gesagt Metal und Rock). Schon früher gab es Versuche beide Welten verschmelzen zu lassen. Das prominenteste Beispiel sind wohl KISS, die über Dekaden hinweg Künstler damit beschäftigt haben, die Band noch reicher zu machen, wobei ihr „Psycho Circus„-Run mit Angel Medina („Spawn“ u.a.) am Zeichenbrett einen Lichtblick darstellt. Einen anderen Weg ging Corey Taylor, der die zwei Konzeptalben seiner Band „Stone Sour“ mit den Titeln „The House of Gold & Bones – Part I“ und „Part II“ mit einem Comic parallel begleiten ließ um die in den Songs erzählte Story zu visualisieren. Erschienen ist die Mini-Serie übrigens bei „Dark Horse„, die auch den heute zu besprechenden Band auf ihre Kappe nehmen und ihn hierzulande über „Cross Cult“ unter die Leute bringen: „Slayer Repentless – Ohne Reue!

Richtig gelesen! Slayer haben nun ihren ganz eigenen Comic-Band, dessen Titel und Cover (siehe oben) die Essenz der Band ganz gut auf den Punkt bringen. Die Kalifornier stehen seit ihrer Gründung für Kontroversen, die sich primär in blutiger Ästhetik, Kritik an Religionen und dem spielen mit zweideutiger Symbolik manifestiert. Genau mit all diesen Punkten setzt sich die von Jon Schnepp geschriebene Geschichte auseinander, die gänzlich auf der Videoclip-Trilogie von BJ McDonnell (Buch und Regie) basiert. Inhaltlich werden die Musikvideos zu den Tracks „Repentless„, You Against You“ und „Pride in Prejudice“ nacherzählt, die dem aktuellsten Album, des Quartetts entstammen, dass den selben Titel trägt, wie der vorliegende Comic.

Der Unterschied liegt in der Ausführung von Hintergrundinformationen, die uns in den Videos verwehrt bleiben. So kriegt unser Hauptprotagonist den Namen Wyatt (im Video gespielt von Jason Trost, bekannt aus „Hatchet III„) und klärt uns im Dialog mit seinem krankhaft bösen Bruder Adrian über die Familiengeschichte der beiden auf, die auch ein Licht darauf wirft, wieso die beiden einander verfeindet gegenüberstehen. Zum einen natürlich wegen der Liebe und zum anderen in dem Zusammenhang aufeinander stoßende Weltanschauungen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Ursprünglich beide in der amerikanischen Nazi-Szene verwurzelt, die mit für die US-Geschichte ikonischen Bildverweisen illustriert wird (siehe die American Nazi Party von George Lincoln Rockwell), haben sich die Geschwister entfremdet. Während Adrian hierarchisch bis an die Spitze der Faschisten aufsteigt, hat sich Wyatt mit seiner afroamerikanischen Freundin Angel anders sozialisiert und später im Gefängnis Zusammenhalt zwischen multikulturellen Gruppen kennen gelernt. Das kann der Nazi-Bruder natürlich nicht auf sich sitzen lassen und will das Ganze blutig demonstrieren. Dafür lässt er nach einer Entführung Wyatts aus dem Knast, seine Freundin Angel vor dessen Augen töten, was den gewalttätigen Roadtrip mit Rache als Ziel auslöst, den wir sowohl auf Papier als auch Video zu sehen bekommen.

Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung des mexikanischen Mithäftlings Manny (gespielt vom legendären Danny Trejo), der mit ihm gemeinsam einige Spelunken abklappert um sich mehr Unterstützung im Kampf gegen die Glatzen zu holen. Wie durch „Zufall“ begegnen sie dabei niemand geringerem als der gesamten Slayer-Truppe, die tatkräftig am Schießeisen aushilft. Neben der Tatsache, dass die Band im Gegensatz zu den Musikvideos (nur Performances) eine tragende Rolle bekommt, ist es bemerkenswert, dass sie mit dem Schritt diese Geschichte zu veröffentlichen und sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken, entscheidend den Gerüchten entgegen treten, Sympathien für den Nationalsozialismus zu hegen. Ähnlich wie Rammstein hat die Band gerne in der Vergangenheit mit der damit zusammenhängenden Ästhetik gespielt, aber nie eine Glorifizierung, geschweige denn Verharmlosung der Taten erkennen lassen. Wobei Slayer mit ihrem Song „Angel of Death“ explizit Bezug auf die Zeit nehmen. Hier wird ein unmissverständliches Statement gesetzt, dass auch die letzten Kritiker  verstummen lassen sollte.

Aufs Papier gebracht wurde das Ganze vom aus Barcelona stammenden Zeichner Guiu Vilanova der seit 2007 die amerikanische Comic-Szene aufmischt und seitdem seine Dienste unter anderem für die Reihen „Dark Shadows„, „Conan the Avanger“ oder „The Wilight Zone“ zur Verfügung stellt. Sei Stil passt auch zu „Repentless“ wie die Faust aufs Auge. Viele schwarze Flächen, eine schöne Bandbreite emotioanaler Gesichtsausdrücke und ganz viel Blut, bringen das Gesamtwerk auf eine noch höhere Ebene, die auch für sich und ganz ohne passende Musikvideos stehen könnte.

Zwar handelt es sich bei dem Band sicherlich nicht um den nächsten Eisner-Anwärter, aber um einen extrem unterhaltsamen Slasher im Roadtrip-Gewand, der nicht nur für Fans von Slayer, sondern für jeden Comicleser zu empfehlen ist, der sich an B-Movies, Splattern und dem Metal-Lifestyle erfreuen kann. Ich für meinen Teil wurde großartig unterhalten und freue mich, dass Cross Cult auch solchen, auf den ersten Blick abwegigen, Veröffentlichungen positiv gegenüber steht.

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