[Rezension] Die Geschichte des Marvel-Universums (Panini Comics)

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Durch unterschiedliche Jubiläen aus dem Hause Marvel oder auch traurige Ereignisse wie dem Tod von Stan Lee, wurde immer wieder Sekundärliteratur auf den Markt gebracht, die die Entstehungsgeschichte von Helden und Schurken rund um die Avengers, die X-Men und viele anderen beleuchtet hat. Was dabei jedoch oft auf der Strecke blieb, war der inhaltlich übergreifende Zusammenhang von Charakteren und Geschichten innerhalb einer fiktiven Historie, die in ihrer Größe und Komplexität einen so gigantischen Mythos darstellt, dass ein Vergleich mit antiken Göttersagen alles andere als weit hergeholt erscheint.

Nun sind Comics, insbesondere aus dem Superhelden-Bereich, über viele Jahrzehnte hinweg reine Spiegelbilder der Popkultur gewesen und nicht wenige Auftragsarbeiten eher glückliche Zufälle als das Produkt eines Masterplans. Hier einen roten Faden zu spinnen, der sich zu einem Netz ausbreitet und selbst die absurdesten Nebenfiguren mit riesigen Events verknüpft, ist dementsprechend eine echte Herkules-Aufgabe, doch mit Top-Autor Mark Waid (Avengers) und dem Ausnahmekünstler Javier Rodríguez (Spider-Man) hat sich ein Team zusammengefunden, dass sich tatsächlich an diese Herausforderung gewagt hat.

Aufgemacht wird die Geschichte dabei durch eine gekonnt gesetzte Rahmenhandlung. Nach einem Kampf zwischen den uralten Celestials sind Franklin Richards, der Sohn von Mr. Fantastic und der Unsichtbaren, und der Weltenverschlinger Galactus am Ende der Zeit zusammengekommen. Das Universum liegt im sterben, soll aber laut Richards nicht in Vergessenheit geraten. Deswegen bewegt er Galactus dazu die gesamte Geschichte des Marvel-Kosmos zu erzählen: vom Urknall, über frühe Zivilisationen bis hin zu den Taten der uns bekannten Helden.

Dabei werden über sechs Kapitel hinweg reale Mythen, politische Wendepunkte und soziale Umbrüche akribisch aufgeschlüsselt und in den Kontext von Göttern, Mutanten, Aliens und aus Zufall entstandene Helden gesetzt, ohne das Gefühl aufkommen zu lassen, einem Bewusstseinsstrom ausgesetzt zu sein. Tatsächlich balanciert der Autor nicht selten auf der Schneide in simples Name-Dropping zu verfallen, doch da dieser Eindruck nie dominiert, erscheint die Handlung wie beabsichtigt als Erzählung, die man so oder so ähnlich auch in realen Handbüchern zu historischen Ereignissen finden könnte. Manches lässt sich in einem Satz, anderes über Seiten hinweg beschreiben und gibt einem trotzdem jederzeit das Gefühl, dass alle Ereignisse ihre Relevanz haben und durch ihr Ineinandergreifen erst das Marvel-Univerum zu dem machen, was es heute ist.

Auf der visuellen Ebene geht Rodríguez keine Experimente ein und liefert mit seinem für den Superhelden-Bereich nahezu perfekt passenden Stil, die Möglichkeit sich auf die extrem große Masse an Informationen einzulassen, ohne den Leser durch abstrakte Ausflüge herauszureißen. Darüber hinaus schafft er es mit der Konzeption seiner Panels, die keinem festen Muster folgen, sondern sich in den Dienst der Handlung stellen, sowohl in einem Nebensatz abgearbeitete Ereignisse, als auch bis heute nachwirkende Geschehnisse passend ins Bild zu setzen. Dabei spielt er natürlich neben eigens kreierten Szenen auch mit ikonischen Darstellungen, die auch der Laie als solche wiederkennt.

Der Geschichte selbst nachgesetzt ist ein sehr umfangreicher, sowie bebilderter Anhang, der das Gelesene mit Verweisen auf die entsprechenden Hefte und Bände versieht. Dadurch können Interessenten sich persönlich auf die Reise in die Historie des Marvel-Universums begeben und die in aller Kürze behandelten Events in aller Ausführlichkeit persönlich nachvollziehen. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass trotz des vorliegenden Gesamtüberblicks ein Griff zu „Die Geschichte des Marvel-Universums“ nur für Leser zu empfehlen ist, die sich zumindest eine gewisse Basis an Wissen angeeignet haben, die in der Lektüre des Verlags und nicht in dem cineastischen Output liegen sollte. Andernfalls ist eine Überforderung durch unglaublich viele Details geradezu vorprogrammiert.

In diesem Sinne ist eine Anschaffung für alle Marvel-Fans zu empfehlen, wenn sie sich nicht auf wenige einzelne Heftreihen versteift haben und sich auch für die Vergangenheit ihrer Lieblingshelden interessieren. Sollte dies der Fall sein, handelt es sich beim Kauf von „Die Geschichte des Marvel-Universums“ um einen schönen Überblick, der insbesondere als inhaltliche Ergänzung zum Wissen um Autoren und Künstler sowie die Historie des Verlags herangezogen werden kann.

Die Geschichte des Marvel-Universums 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Mark Waid
Zeichner: Javier Rodríguez
Erschienen am: 05.05.2020
Format: Softcover
 
Seitenzahl: 244
Preis: 26 EUR

[Rezension] Black Hammer ’45 (Splitter)

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© Splitter

Schon wieder und sicherlich nicht zum letzten Mal steht uns ein Spin-Off der beliebten Black Hammer-Reihe beim Splitter Verlag ins Haus. Diesmal bewegen wir uns jedoch nicht in der geschlossenen Gruppe an Helden der Hauptreihe und ihrer Antagonisten, sondern im Goldenen Zeitalter der Superhelden und damit in den 1940er Jahren. Zwar tauchen auch hier Abraham Slam und Golden Gail, sowie andere bekannte Figuren auf, aber den Mittelpunkt des Geschehens bildet eine Eliteeinheit der Air Force, die für spezielle Missionen ausgebildet wurde, um den Achsenmächten zu schaden. Und wie sollte es auch anders sein. Der Name des Titels ist Programm, denn die Gruppe der waghalsigen Militärs aus Afroamerikanern, Latinos und Asiaten nennt sich Die Black-Hammer-Schwadron. Vor diesem Hintergrund ist es wohl als Verweis auf die real existierenden Harlem Hellfighters zu verstehen, die im ersten und zweiten Weltkrieg ein rein afroamerikanisches Regiment stellten.

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Und so speziell wie diese Truppe ist, ist auch ihr Auftrag. Sie müssen nämlich eine  Familie an Wissenschaftlern aus den Fängen der Nazis befreien. Was zunächst wie der Plot eines üblichen Weltkriegs-Action-Dramas daherkommt, wird aber schon bald aufgebrochen, wenn sich zu den Faschisten plötzlich Fliegerasse mit dem Namen „Ghost Hunter“, nach dem Vorbild des roten Barons, Werwölfe, Okkultisten und sowjetische Riesen-Roboter gesellen. In diesem Sinne die gewohnt abgedrehte Mischung, die man von Lemire kennt, der sich diesmal jedoch mit seinem kanadischen Kollegen Ray Fawkes an den Autoren-Tisch gesetzt hat. Doch eine Geschichte aus dem Black Hammer-Universum wäre niemals komplett, wenn der nur oberflächlich existierende Trash nicht von einer emotionalen Komponente untermauert wird, die das vorliegende Universum so unvergleichlich und darum auch so erfolgreich werden lässt.

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Das ursprünglich in vier US-Heften veröffentliche Spin-Off ist dabei aber noch eine Stufe experimentierfreudiger unterwegs, als so manch andere unter dem gleichen Label veröffentlichte Mini-Serie. So verzichten die Macher abseits von Gastauftritten der uns schon bekannten Helden aus der Hauptreihe, auf Verflechtungen mit dem zentralen Handlungsbogen und geben sich damit selbst die Freiheit außerhalb festgelegter Strukturen zu agieren. Das gilt in dem Sinne auch für den Zeichner Matt Kindts, der mit seinem extrem groben Stil Superhelden-Puristen recht sicher zur Weißglut bringt und offenere Leser zum Entdeckten einlädt. Ich persönlich musste mich durchaus auch erst an den Strich und die Farbgebung gewöhnen, doch nach ein paar Seiten Einlesezeit spürt man recht schnell die Kunst und die Handlung ineinandergreifen und versteht, warum Lemire und Fawkes sich zu dieser Zusammenarbeit entschieden haben. Es bleibt durchaus Geschmacksache, aber es sei hiermit unterstrichen, dass man sich von einem ersten Blick in den Band nicht abschrecken lassen sollte.

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Alles in allem handelt es sich bei Black Hammer ’45 wohl um das wohl kurzweiligste Spin-Off der Serie in vier Akten, dass durchaus überzeugt, aber nicht ganz an die anderen Geschichten heranreicht. Bei der immer noch extrem hoch angesetzten Qualität von Black Hammer ist eine Anschaffung jedoch auf keinen Fall ein Fehler und man erhält einen Band, der zwar eine der weniger relevanten Storys aus der Feder von Lemire und Fawkes beinhaltet, damit aber immer noch über vielem schwebt, was man als gut bewerten würde.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

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Verlag: Splitter 
Erschienen am: 24.01.2020  
Autor: Jeff Lemire, Ray Fawkes 
Zeichner: Matt Kindt
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 120
Preis: 22 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 4: Age of Doom – Buch 2 (Splitter)

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© Splitter

Langsam aber sicher nehme ich hier wieder an Fahrt auf und kann euch heute einen weiteren Band aus Jeff Lemires und Dean Ormstons Black Hammer-Reihe präsentieren. Für diejenigen, die meine bis dato ausnahmslos vor Lob überschäumenden Beiträge zu den Vorgänger-Bänden gelesen haben, stellt sich natürlich die Frage, ob die unbestrittene Qualität auch in der Fortsetzung, die in Deutschland die US-Hefte 6 bis 12 der Age of Doom-Saga zusammenfasst, gehalten werden kann. So viel sei vorweggenommen: Die ganze 192 Seiten dicke Veröffentlichung sollte nur wenige Wünsche offen lassen.

Die treuen Leser unter euch werden sich erinnern, dass Buch 1 endlich Erklärungen dafür lieferte, warum die Helden-Gruppe aus Spiral City über viele Jahre hinweg auf einer Farm an einem unbekannten Ort ihr Dasein fristen musste und sowohl Umgebung als auch Personen, denen sie begegneten sie an ihren Sinnen zweifeln ließen. Als nun das große Geheimnis offenbart wurde, schloß der Band mit einem Cliffhanger, der einem die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ. Obwohl sie nun erfahren haben, dass ihr Leben auf der Farm nicht der Realität entsprach und es eine Möglichkeit gibt zurück in ihre Heimat zu reisen, wussten sie nun auch um die gefährlichen Konsequenzen, die aus einer Rückkehr folgen würde. Der Anti-Gott und damit das Wesen, dass ursprünglich mit dem Verschwinden der Helden zusammenhing, würde erneut erscheinen und die Welt in den Abgrund stürzen. Bevor jedoch eine endgültige Entscheidung getroffen werden konnte, wurde der Leser mit einem großen Fragezeichen in eine Wartepause bis zum nächsten Band entlassen.

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Nun setzt die Fortsetzung mit „Age of Doom – Buch 2“ zunächst genauso irritierend ein und lässt einen gemeinsam mit den Protagonisten langsam die Rätsel lösen, die nun in noch größerer Zahl vor einem liegen. Denn offensichtlich haben es Abraham Slam, Barbalien, Golden GailMadame Dragonfly und Lucy es tatsächlich geschafft nachhause zurück zu kehren, doch etwas scheint nicht zu stimmen. Unsere Helden sind nämlich über die Welt und mit Barbalien auch auf einem anderen Planeten verstreut und in einem vermeintlich früheren Leben angekommen. Das größte Problem hierbei ist jedoch nicht, dass die Protagonisten nicht wissen wo, sondern wer die anderen sind. Keiner kann sich an die jeweils eigene Vergangenheit als Held und Heldin erinnern und jeder geht dem jeweiligen Alltag nach. Eine Ausnahme bildet hierbei jedoch Black Hammers Tochter Lucy, die langsam realisiert, dass doch nicht alles so ist, wie es scheint. Als sie endgültig versteht was passiert ist, macht sie sich daran die anderen Helden aus ihrer augenscheinlichen Realität zu befreien, um sich gemeinsam gegen eine drohende Gefahr zu wappnen.

Dabei setzt sich das Kreativ-Team um Jeff Lemire und Dean Ormston erneut keine visuellen und erzählerischen Grenzen. Während die soeben beschriebene Haupthandlung zum Beispiel voranschreitet, scheuen sie sich erneut nicht davor große Werke des Superhelden-Genres zu zitieren, das Medium an sich um eine Meta-Ebene zu erweitern und dabei trotzdem großen Respekt walten zu lassen. Nutzen andere Autoren und Künstler das weitreichende Angebot an Cape-Trägern, um einen zynischen Blick auf das System „Superheld“ zu werfen, spricht aus den Panels von Black Hammer zwar immer ein Bewusstsein dafür, dass bestimmte Elemente eines Aufbaus in typischen Genre-Perlen geradezu in grotesker Häufigkeit bespielt werden, aber deren Zitate werden vielmehr in einer Hommage als Kritik an die Leser herangetragen.

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Einer dieser Punkte wäre der sogenannte Reboot. Wie langjährige Fans von DC und Marvel wissen, wird dieses Tool immer wieder gerne genutzt, um neue Leser an sich zu binden und alte Hasen mit frischen Twists, bei einer eindeutigen Verankerung im Ursprungsmaterial, bei der Stange zu halten. Lemire nutzt bewusst dieses inzwischen zur Erwartungshaltung angewachsene Element, um es auf seine eigene Art in das Black Hammer-Universum zu integrieren. Dieses ist nämlich in einer vergleichsweise kurzen Zeit zu einer stattlichen Größe angewachsen und kann dementsprechend langsam so gehandhabt werden, wie es bei den beiden großen Verlagen schon seit Dekaden üblich ist. Man bedenke allein die zahlreichen Spin-Offs, die nach wie vor in hoher Frequenz ihren Weg in die Buchregale finden.

So arbeitet er sich auf Basis der bereits bekannten Figuren und Umstände zu einem Punkt vor, an dem er losgelöst von den ab dem ersten Heft eingeführten Handlungssträngen, neue Wege beschreiten kann, ohne immer wieder Rückgriffe auf alte Storyelemente tätigen zu müssen. Das besondere an dieser Heranführung an einen neuen Startpunkt ist dabei die emotional reife Basis der Figuren, die einen mitfiebern, wüten und weinen lässt. Man erinnere sich nur an die Geschichten des Doctor Star oder Sherlock Fankenstein. Beides Namen, die zunächst an eine trashige Verbeugung vor dem Comic-Ursprungsmaterial aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts denken lassen, die aber in einer so emotionalen Tiefe aufgehen, dass einem der Atem stockt. Allein der Kontrast aus offensichtlich abstrusen Charakteren und menschlichen Tragödien, wie der Kampf mit der eigenen Sexualität oder der Verlust eines geliebten Menschen, geben diesem Universum eine Ebene, die bei den Mitbewerbern deutlich seltener in einer so reifen Form präsentiert wird.

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Gleichzeitig schafft es Lemire dieser Komplexität aus erwachsenem Storytelling, Superhelden-Bombast und einer ordentlichen Ladung an Selbstreferenz so perfekt ineinander greifen zu lassen, dass man trotz all der benannten und im Kern doch sehr unterschiedlichen Aspekte, ein Gefühl für Authentizität und eine Planungssicherheit des Autoren bekommt. Und allein dieses Gemisch sorgt dafür, dass man nach den letzten Seiten mit einer großen Zufriedenheit und starken Vorfreude auf die sichere Fortsetzung der Reihe entlassen wird.

Ich für meinen Teil freue mich auf das was kommt und kann jetzt schon ankündigen, dass zeitnah die Rezension zu „Black Hammer ’45“ auf ZOMBIAC.blog veröffentlicht wird.

Hier geht es übrigens zu den Besprechungen zu:

Black Hammer – Band 2: Das Ereignis, Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels, Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung, sowie Black Hammer – Band 3: Age of Doom.

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Black Hammer Bd. 4: Age of Doom - Buch 2 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 22.11.2019  
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston, Rich Tommaso
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 192
Preis: 24 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 6 (Cross Cult)

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© Cross Cult

Wer mich und meine Rezensionen zu den Paper Girls (Cross Cult) kennt, der weiß wie begeistert ich von Brian K. Vaughns, Cliff Chiangs und Matt Wilsons Arbeit an dem Projekt bin. Dabei ist es nicht nur eine persönliche Affinität zu den abgedrehten Abenteuern der Mädchen-Gang aus Erin, Mac, Tiffany und KJ, sondern die nicht bestreitbare Qualität der Reihe, die Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Eisner-Awards und eine in in der Produktion befindliche TV Serie sprechend dabei Bände.

Was neben dem fortlaufend guten Storytelling und einer visuell ansprechenden Präsentation ebenfalls für eine Geschichte auf hohem Niveau spricht, ist der richtige Zeitpunkt diese zu beenden. Genau das haben die Macher mit der Ausgabe 30 im letzten Jahr gemacht und damit das Abenteuer der Paper Girls zu einem runden Abschluss gebracht. In Deutschland ist das mit Band 6 geschehen, der die letzten Hefte, wie bei all den zuvor erschienenen Ausgaben, in einem attraktiven Hardcover bündelt.

Waren von Anfang an viele Mosaik-Steine bewusst lose gesetzt und zahlreiche Interpretationen der Ereignisse den Lesern überlassen, läuft Vaughn auf der Zielgeraden zur Höchstform auf, indem er all die Elemente, die einen zuvor eventuell irritiert haben zu einem Gesamtbild verknüpft. Nach wie vor springen die vier Heldinnen durch die Zeit, um endlich in ihre alte Heimat der verschlafenen Vorstadt Stoney Steam des Jahres 1988 zu gelangen. Das gestaltet sich jedoch wie in all ihren Erlebnissen zuvor als nicht einfach. In der Folge ihrer Handlungen in den verschiedenen Zeitebenen haben sie nämlich einiges durcheinander gebracht, sich in wortwörtlich alle Himmelsrichtungen und Zeiten verstreut, ihre nach wie vor mysteriösen Verfolger aus der Zukunft aber nicht abgehängt. Vor diesem Hintergrund scheint zunächst ein Happy End und eine finale Zusammenkunft der Mädchen immer unwahrscheinlicher, doch genau diese Zersplitterung der Handlung, die sich ab einem bestimmten Punkt in vier parallele Stränge verzweigt, sorgt dafür, dass sowohl die Protagonisten, als auch Leser zu einem Verständnis der Ereignisse gelangen, die in einer so schön in sich geschlossenen Geschichte münden, dass man direkt Lust bekommt nochmal von vorne zu beginnen. Wie dieser Abschluss nun aussieht sollte man aber am besten für sich selbst herausfinden. Twists und ungewöhnliche Ereignisse sind nach wie vor die Stärken von Paper Girls und sollten in dem Sinne für sich selber sprechen.

Auf dem Weg dorthin werden darüber hinaus erneut zahllose Referenzen auf die Popkultur ausgepackt, die nie deplatziert wirken, sondern zur Unterstreichung der jeweiligen Epoche dienen. Ob nun Film, Musik oder der generelle Zeitgeist – der ganz besondere Vibe, von dem auch Serien-Produktionen wie Stranger Things leben, sorgt für immer wieder angenehme Nostalgie-Momente, durch die Erin, Mac, Tiffany und KJ sogar noch mehr Tiefe verliehen bekommen. Sie wirken zu keinem Zeitpunkt konstruiert, um vier unterschiedliche Projektionsflächen abzubilden, sondern wie authentische Personen, denen man ihre Gefühle und Gedanken, sowie zwangsläufige Entwicklung im Windschatten der beschriebenen Ereignisse jederzeit abnimmt und daher ohne zu überlegen mitfiebert.

Auch auf visueller Ebene leisten Zeichner Cliff Chiang und Kolorist Matt Wilson nach wie vor ganze Arbeit und vermitteln durch ihre Komposition ein ganzes Arsenal an Emotionen und spannungsgeladenen Momenten, die sowohl Dialoge und generelle verbale Interaktionen unterstreichen, aber auch ohne Worte so viel rüber bringen, dass eine Stimmigkeit, die seit dem ersten Heft spürbar ist, auch auf den letzten Metern bewahrt bleibt.

Alles in allem, kann ich den abschließenden Band 6 genauso empfehlen wie die Vorgänger zuvor. Mit Paper Girls schafft man sich nämlich nicht einfach eine solide Comic-Geschichte, sondern eine der besten und außergewöhnlichsten Reihen an, die in den letzten Jahren erschienen sind und in einem überschaubaren Umfang gerne zum erneuten Griff ins Bücherregal einladen.

Hier geht es zu den Rezensionen der Bände 1, 2, 3, 4 und 5.

Da darüber hinaus besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erforderlich machen, könnt ihr euch übrigens unter https://www.comics-kaufen.de/index.html den Händler eures Vertrauens suchen und mit eurer Bestellung unterstützen. Damit sorgt ihr dafür, dass ihr auch in einer Zeit nach Corona lokal mit euren liebsten Veröffentlichungen versorgt bleibt.

Paper Girls - Band 6 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn 
Zeichner: Cliff Chiang 
Kolorist: Matt Wilson
Erschienen am: 26.11.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 128
Preis: 22 EUR

[Musical-Review] Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street

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© Martin Kaufhold

Das Wetter ist kalt und der Regen wäscht die Straßen Münchens rein. In dem Sinne sorgt die bayerische Landeshauptstadt für die perfekte Kulisse, um den mörderischen Barbier aus der Fleet Street willkommen zu heißen.

Dieser hat sich nämlich bis zum 15.03. im Deutschen Theater, zusammen mit dem restlichen Ensemble des English Theatre Frankfurt, eingerichtet und sorgt für blutige Unterhaltung in englischer Originalsprache und damit exakt so, wie es der bald 90-jähirge Stephen Sondheim 1979 ursprünglich konzipiert hatte. Wenn man es genau nimmt, wird 2020 aber sogar noch mehr geboten. Wer nämlich das Glück hat an einen der begehrten und nur auf 16 Stück limitierten Bloody Seats zu kommen, darf sich auf ein im wahrsten Sinne des Wortes, hautnahes Erlebnis freuen. Denn schon nach kurzer Zeit merkt man, dass die zu Anfang gereichten Ponchos ihren Zweck haben. Im ersten Teil, um vor Mehl, Bier und Rasierschaum zu schützen und im zweiten, um nicht am Ende des Abends auszusehen, wie die zahlreichen Opfer des nach Rache gierenden Barbiers.

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© Martin Kaufhold

Und damit lässt sich die Stoßrichtung des Musicals beschreiben, welches Zuschauern mit wenig Toleranz gegenüber Schockeffekten und Kunstblut den Atem stocken lässt. Denn die Klingen des Sweeney Todd werden nicht nur über bärtige Wangen, sondern in aller Regelmäßigkeit quer durch Kehlen geführt, bevor die Besucher des Salons in der Fleet Street, im Keller der darunter liegenden Wirtschaft seiner Komplizin Mrs. Lovett zu Fleischpasteten verarbeitet werden. Denn wohin sonst mit den sterblichen Überresten, die laut dem mörderischen Duo abhängig vom Berufsstand einen ganz eigenen Geschmack aufweisen?

Den Weg mit Leichen pflastert sich der ursprünglich als Benjamin Barker bekannte Killer aber nicht ohne Grund. Denn nach 15 Jahren im australischen Exil, kehrt er unter einem neuen, dem Zuschauer als Titel des Stücks bekannten Namen zurück, um am korrupten Richter Turpin, der seine Familie zerstörte, schreckliche Rache zu üben. Bis dahin wollen aber die Londoner mit delikaten Backwaren versorgt werden, die übrigens auch dem Publikum am Bühnenrand zur Verkostung gereicht werden.

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© Martin Kaufhold

Das originale Broadway-Stück, dass unter anderem mit acht Tony Awards (darunter Best Musical, Best Book und Beste Score) ausgezeichnet wurde und einem breiteren Publikum als Tim Burton-Verfilmung mit Johnny Depp in der Hauptrolle bekannt ist, wurde schon häufig und weltweit aufgeführt. Die Preise und Kritiken für die nun über 40 Jahre alte Produktion sprechen dabei für sich. Genauso wie der geniale, pechschwarze Humor, der nur in der ursprünglich angelegten Sprache voll zur Geltung kommt und in der Fassung auch im Deutschen Theater München präsentiert wird. Zwar mag die Sprachbarriere aufgrund des teils schnellen und pointiert vorgetragenen Textes, ob nun gesungen oder gesprochen, das ein oder andere Detail verschlucken, aber das sollte in der Gänze nicht weiter stören. Schauspiel und Symbolik unterstreichen dafür nämlich überdeutlich das grausig-schöne Geschehen auf der düster-heruntergekommenen Bühne.

Die dazu stets präsente Musik in einer unkonventionellen Kombination aus zwei E-Pianos und Percussion sorgt für zusätzliche Gänsehaut und hilft den sarkastischen Stoff zu transportieren, ohne in den Pathos artverwandter Produktionen zu verfallen und damit der überzeugenden und von Regisseur Derek Anderson umgesetzten Geschichte von  Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street entgegen zu stehen. Diese wird dabei insbesondere von Sarah Ingram (Mrs. Lovett) und Stephen John Davis (Sweeney Todd) getragen, gegen die das perfekt besetzte Rest-Ensemble zwar nicht untergeht, aber eindeutig auf einer anderen Ebene funktioniert, die jedoch ohne Probleme in die des benannten Duos greift.

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© Martin Kaufhold

Das wissen auch die Zuschauer bei der Premierenfeier zu schätzen und quittieren den Musical-Thriller mit einem anhaltenden Applaus und Standing Ovations. Vollkommen zurecht, denn das Gerüst aus blindwütiger Rache und ungesteuertem Hass, das unweigerlich zu einem alles zerstörerischen Ende führen muss, ist zeitlos und unverändert relevant. Genauso wie die Faszination für Serienkiller, soziale Unterschiede und den simplen Horror der Gewalt. Alles Themen, die in über zwei Stunden gebündelt das Publikum nachhaltig faszinieren und im Anschluss zufrieden in den nach wie vor passend kalten Abend entlassen.

Wer sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen möchte, hat noch bis zum 15. März 2020 die Möglichkeit Sweeney Todd im Deutschen Theater München zu besuchen.

Vorstellungsbeginn:
Mittwoch - Samstag: 19:30 Uhr
Sonntag: 14:30 Uhr

Einlass: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

Altersempfehlung: 14 Jahre

Schulvorstellung: Dienstag, den 10.03.20 um 11:00 Uhr

Vorstellungsdauer: 2 Stunden 35 Minuten (inkl. 20 Minuten Pause)

Sprache: Songs und Dialoge in englischer Sprache

Preise: ab 29,00 €

Zu den Tickets

[Rezension] Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse (Cross Cult)

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Das Comicfestival München liegt schon eine Weile hinter uns, doch der anwesende Stargast Eduardo Risso ist immer noch Teil des Comic-Diskurses 2019. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Zeichner hinter Titeln wie „100 Bullets“ oder „Batman: Kaputte Stadt“ sich erneut mit dem Autoren Brian Azzarello („Joker„, „Batman: Damned„) zusammengetan hat, um den Lesern einen angenehmen Schauer über den Rücken zu jagen.

Wenn man es genau nimmt, stimmt das jedoch aktuell einzig und allein für die deutschen Leser, die erst diesen Sommer in den Genuss kamen den ersten Band von „Moonshine“ mit dem Titel „Familiengeheimnisse“ in den Händen zu halten, nachdem US-amerikanische Fans vor drei Jahren(!) die Möglichkeit hatten in den Horror-Gangster-Mix einzutauchen. Dafür müssen hiesige Käufer auch nicht allzu lange auf die Fortsetzung „Zug ins Unglück“ zu warten, welche passend nur zwei Wochen nach Halloween ihren Weg in die Bücherregale finden wird.

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Doch worum geht es eigentlich in „Moonshine„? Wir befinden uns im Jahr 1920 in den USA und damit mitten in der sogenannten Prohibition. Die Regierung verbietet die Herstellung und den Verkauf von Alkohol und bietet damit zwielichtigen Gestalten die Möglichkeit sich illegal ein goldenes Näschen zu verdienen. Dazu gehört auch die New Yorker Unterwelt, die den Kleinganoven Lou Pirlo in die Appalachen schickt, um mit dem dort ansässigen Schwarzbrenner Hiram Holt einen Deal bezüglich einer neuen Handelsroute auszuhandeln.

Das gestaltet sich doch bei weitem schwieriger, als Lou es sich vorgestellt hat, denn Hiram will seine Brennerei geheim halten und schon bald wird klar, dass ihm dafür jedes Mittel recht ist. Zu allem Unglück wird auch ersichtlich, dass auch der Staat das Gebiet im Blick hat und der umliegende Wald ebenfalls Geheimnisse in sich trägt, die besser verborgen geblieben wären.

Einen Hinweis dazu bietet der Titel des Comics, der gleich zwei Themenbereiche der Geschichte abdeckt. Zum einen wissen Western-Fans, Red Dead Redemption-Spieler und Alkohol-Kenner, dass es die umgangssprachliche Bezeichnung für schwarzgebrannten Schnaps ist. Zum anderen können sich Horror-Enthusiasten denken, in welchem Kontext der Mond gerne eingeordnet wird.

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Dabei funktioniert diese Mixtur von Brian Azzarello, die meines Wissens noch nie im Medium Comic aufgegriffen wurde, überraschend gut und wirkt trotz ihrer offensichtlichen Besonderheit nicht aufgesetzt, sondern ab der ersten Seite spannend und atmosphärisch. Zwar bleibt die Entwicklung der Figuren und die Erklärung ihrer Handlungsweisen recht vorhersehbar, da sie oftmals einem Abziehbild aus dem Genre-verwandten Film Noir entsprechen, aber durch den Blick über den Tellerrand wird man nicht gelangweilt und möchte wissen, welche Überraschung auf der nächsten Seite lauert.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat der Argentinier Eduardo Risso, der es mit seinen vielen Schwarzflächen, dem dynamischen Panel-Aufbau und seinem charakteristischen Strich (der in Teilen an einen Frank Miller erinnert) schafft ein so bedrohliches Setting zu kreieren, dass selbst die erwähnten Stereotype des Noir-Genres in einem neuen Licht gesehen werden können.

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Durch die Zusammenarbeit dieser beiden Stars und Eisner Award-Preisträger ergibt sich ein Werk, dass durch bekannte Versatzstücke keine Probleme beim Einstieg bereitet und durch die Kombination mit neuen Elementen einen frischen Eindruck vermittelt, der fesselt und Lust auf  mehr macht.

Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.06.2019  
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Eduardo Risso 
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 144 
Preis: 22 EUR

[Rezension] George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944 (TASCHEN)

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Man ist es von TASCHEN eigentlich schon gewohnt, dass XL-Ausgaben in einem so großen Format veröffentlicht werden, dass man das eigene Regal ruhig um mehrere Stufen verstellen kann, damit die wunderschönen Bände auch aus dem Schrank heraus ihre Wirkung entfalten können. Mit dem hier zu besprechenden Release legt der Verlag sogar einen drauf, sodass noch ein paar Centimeter dazu gekommen sind, die mit der Schutzverpackung den schon vorhandenen Platz sprengen. Doch wer beschwert sich schon über die Größe eines Bandes, der eine legendäre Zeitungsstrip-Reihe zum Inhalt hat?

In diesem Fall geht es um George Herrimans Krazy Kat. Eine 1913 gestartete Erfolgsgeschichte in schwarz-weiß, die ab 1935 bis zum Tod des Künstlers 1944 auch in Farbe erschien. Eben dieser zweite Zeitraum soll mit dem vorliegenden Band von Alexander Braun, seines Zeichens bildender Künstler und Kurator comicbezogener Ausstellungen, beleuchtet und erklärt werden. Das ist auch insoweit nötig, um zu verstehen, warum nicht nur einfache Zeitungsleser, sondern auch historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel Pablo Picasso, James Joyce, Woodrow Willson oder Charlie Chaplin bekennende Fans waren, obwohl sie nicht zwangsläufig dem typischen Comicleser-Klientel zuzurechnen sind. Doch nicht nur diese illustre Runde, sondern auch der Medien-Tycoon William Randolph Hearst konnte nicht genug von Krazy Kat kriegen. Das ist insoweit wichtig, da er als Fan Herriman die einzigartige Möglichkeit bot, sich kreativ in seinen Veröffentlichungen mit den Figuren auszutoben und dabei das Medium Comic nach belieben den eigenen Wünschen und Vorstellungen anzupassen.

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Dazu gehörte neben visuellen Spielereien, wie surreale Darstellungen, auch die Dehnung des Sprachgebrauchs, der von Slang bis hin zu Neologismen einzigartige Elemente seiner Zeit bot und mit diffusen Geschlechterrollen fast schon revolutionäre Aspekte in sein Werk einbrachte.

Dabei entwickelte sich die Katz-und-Maus-Konstellation erst im Laufe der Zeit heraus und wurde dadurch im Endeffekt von einem Zufall zu einem Erfolg. Zunächst bildete nämliche George Herrimans The Dingbat Family die Basis für Krazy Kat. Die titelgebende Familie war zuerst nur ein Teil eines Gesamtkonstrukts, dass im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelte und schlussendlich zum Comicstrip wurde, der ab 1913 seinen Siegeszug antreten sollte.

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Dabei ist die Beliebtheit der Sonntagsseiten durchaus als erstaunlich zu bezeichnen, denn die schon weiter oben beschriebene, in Teilen recht unorthodoxe Herangehensweise an das Medium Comic, ist selbstverständlich risikobehaftet, aber offensichtlich funktionstüchtig. Zwar ist die wiederkehrende Grundsituation einfach zu erklären: Schwarze Katze liebt durchtriebene weiße Maus, die ihr immerzu Ziegelsteine an den Kopf wirft, was wiederum Hundepolizist Offissa Pupp, verliebt in die Katze, zu verhindern sucht. Doch durch die teils sehr avantgardistischen Elemente wird das Dargestellte auf eine höhere Ebene gehoben, die auch erklärt, warum Personen ein Herz für Krazy Kat hatten, die nicht dafür bekannt sind die bunten Heftchen regelmäßig zu konsumieren. In diesem Sinne ist dem Künstler der Spagat zwischen Mainstream und höheren Anspruch gelungen, der es mehr als nur rechtfertigt alle bunten Versionen der Geschichten nun gesammelt in einem Band abzudrucken. Um den Hintergrund der Entstehung und die damit zusammenhängende Biografie Herrimans bei der Lektüre einordnen zu können, hilft ein deutschsprachiger Begleittext den Lesern, die sich zuvor eventuell nicht aktiv mit comichistorischen Themen befasst haben, in der Materie einzufinden und die kompletten farbigen Veröffentlichungen von Krazy Kat aus dem Zeitraum 1935 bis 1944 zu genießen. Wie schon bei anderen Releases, wie zum Beispiel Winsor McCays Little Nemo, werden bei einer Anschaffung nicht nur themenaffine Freunde des Mediums Comic auf ihre Kosten kommen.

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George Herrimans Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944  
Verlag: TASCHEN 
Autor: Alexander Braun 
Sprache: Deutsch 
Format: Hardcover, In Leinen gebunden, 30 x 44 cm
Seitenzahl: 634
Preis: 150 EUR

[Rezension] Paper Girls – Band 5 (Cross Cult)

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Man hat lange nichts mehr von mir im Zusammenhang mit ZOMBIAC gehört und das hat tatsächlich gute Gründe, die keineswegs mit fehlender Lust am Schreiben oder geringerem Interesse an Comics zu tun haben. Tatsächlich war ich selten so sehr im Kontext des zweiten Themas eingespannt, wie in den letzten Wochen und Monaten.
Als Teil des Orga-Teams um das Comicfestival München, habe ich unter anderem für den reibungslosen Ablauf der Signierstunden, der Kommunikation mit den Verlagen, Künstlern usw. gesorgt. Da dieser Job jedoch neben Studium, Arbeit und Kind zu erledigen war, könnt ihr euch vorstellen, das gewisse Dinge mit einer geringeren Priorität auf der Strecke geblieben sind.  Dazu gehört traurigerweise auch dieser Blog, der natürlich weiterhin betrieben und befüllt werden soll.

Das wird in den nächsten Wochen aber ebenfalls im vorhandenen, aber nur geringem Maße erfolgen, da mir das Glück zuteil wurde die nächsten zwei Monate bis Ende September in New York City verbringen zu dürfen. Hintergrund ist dabei mein Englisch-Studium, dass einen entsprechend langen Aufenthalt in einem englischsprachigen Land als Mindesvoraussetzung für meinen Abschluss beinhaltet.

Nun jedoch genug von Erklärungen, die für die Zukunft eh nichts zur Sache tun und rein in die seit langem erste Rezension: Den fünften Band zu den großartigen „Paper Girls“ von Cross Cult! (Hier geht es zu den Rezensionen zu den Bänden 1, 2, 3 und 4)

Dabei schreiten wir als Leser langsam aber sicher auf das Ende der Geschichte von Brian K. Vaughn und Cliff Chiang um die lieb gewonnene Girl-Gang zu. Deren Abenteuer wurden in den USA nämlich nach 30 Ausgaben zu einem Ende gebracht, was uns deutschen Leser mit dem vorliegenden Sammelband den vorletzten Release in diesen Breitengraden beschert.

Während wir den inzwischen fleißig zeitreisenden Erin, Max, Tiffany und K.J. schon in den 80ern mit passenden „Stranger Things„-Vibes über die Schultern schauen, in der Steinzeit mitfiebern und im Jahr 2000 auf die auch popkulturell aufbereitete Endzeitstimmung dieser besonderen Zeit blicken durften, verschlägt es die Protagonistinnen diesmal ins 22. Jahrhundert. Nun sind die Mädels jedoch mehr als froh in der Zukunft und nicht in der heimischen Version von Stoney Steam gelandet zu sein, denn die üblicherweise zynisch aufgelegte Mac darf sich Hoffnungen machen ihre Leukämie zu besiegen, bevor sie diese überhaupt bekommt, da sie von ihrer tödlichen Krankheit schon in der Vergangenheit erfahren hat. Doch nicht nur auf physischer Ebene werden Veränderungen durchgemacht, denn der immer wieder präsente Coming-of-Age Teil der Geschichte kommt erneut und ohne jede peinliche Note zum Vorschein, als K.J. sich offen zu ihrer Homosexualität und zeitgleich ihren Gefühlen für Mac bekennt. Eine wilde Mischung, die aber zu jeder Zeit authentisch und emotional nachvollziehbar erzählt wird.

Dabei wird die Sache für unsere Heldinnen nicht weniger kompliziert, als ihnen die seit dem ersten Band auf den Fersen haftende Gruppe um einen geheimnisvollen Anführer in wechselnden Band-Shirts aus der Hip-Hop-Ära der 80er, näher kommt als je zuvor. In diesem Kontext wird auch endlich der zu Anfang von Band 1 gespannte Bogen langsam aber deutlich sichtbar, was wiederum auf das absehbare Ende hinweist, dass hoffentlich so grandios zum Abschluss geführt wird, wie es die bisherige Story vermuten lässt.

Auch auf visueller Ebene bekommt man erneut Kost auf dem hohen Niveau serviert, dass man sich nicht nur wünscht, sondern zum aktuellen Zeitpunkt regelrecht erwartet. Jedes Panel und jede Mimik durch Cliff Chiang, sowie die großartige Kolorierung von Matt Wilson scheinen mindestens so präzise und spannend aufeinander eingespielt zu sein, wie die erzählerische Meisterleistung von Vaughn. Ein kreativer Cocktail, der nicht ohne Grund von Amazon zu einer TV-Version adaptiert werden soll.

In diesem Sinne macht man als potentieller Käufer des fünften „Paper Girls„-Bandes nicht nur wenig falsch, sondern ist eigentlich dazu verpflichtet seine Sammlung zu vervollständigen und mit den vielen anderen Fans auf das große Finale in diesem Herbst hinzufiebern.

Paper Girls - Band 5 
Verlag: Cross Cult 
 
Autor: Brian K. Vaughn
Zeichner: Cliff Chiang
Erschienen am: 17.04.2019 
 
Format: Hardcover
 
Seitenzahl: 152
Preis: 22 EUR

[Rezension] Doomsday Clock Bd. 1 (Panini Comics)

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Ich gehöre zu den Leuten, die sich intensiv mit Comics beschäftigen. Trotzdem würde ich mich niemals als Puristen bezeichnen. Daher kann ich mich auch unvoreingenommen über Spin-Offs, Pre- und Sequels freuen, wenn bei diesen mit fast schon legendären Stoffen hantiert wird. Dazu gehört definitiv das epochale „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons. Eine Geschichte, die erzählerisch neue Maßstäbe gesetzt hat und nach Jahrzehnten immer noch begeisterte Leser findet. Eine für dieses Jahr angekündigte HBO-Produktion, die als Fortsetzung angelegt ist, unterstreicht nochmal die Relevanz dieser Veröffentlichung.

Auch im Bereich der Comics traute sich DC schon vor einigen Jahren, die Story um eine Gruppe von Superhelden, die nicht unbedingt den moralischen Kompass der üblichen Verdächtigen wie Batman und Co. besitzen, um einige in sich abgeschlossene Mini-Serien zu ergänzen. Diese erzählten, immer von einem anderen Kreativ-Team gestaltet, die Geschichten von Rorschach, Nite Owl oder Dr. Manhatten, die vor der eigentlichen „Watchmen„-Handlung angesetzt wurden. Auch dieser Vorstoß wurde von vielen Lesern skeptisch betrachtet und von manchen geradezu als Beleidigung gegenüber den ursprünglichen Machern ausgelegt. Nichtsdestotrotz fand auch dieser Stoff begeisterte Leser, die in Teilen dadurch das erste Mal mit den Figuren in Berührung kamen. Dabei orientierte man sich immer noch streng an dem, was die Vorlage an Informationen zur Verfügung stellte und nutzte es primär als Basis für die Erweiterung des bis dato bekannten Universums.

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©Panini Comics

Nun sind einige Jahre ins Land gezogen und DC Comics hat sich dazu entschieden ein weiteres Kapitel zum Franchise hinzuzufügen, dass diesmal jedoch durchaus weitere Kreise ziehen dürfte, als die für sich stehenden Prequels. Mit „Doomsday Clock“ läutet der Verlag nämlich nichts Geringeres als die Verschmelzung des uns bekannten Comic-Reigen aus Batman, Superman und Co. mit dem ursprünglich für sich stehenden „Watchmen„-Universum ein.

Ein durchaus mutiges Unterfangen, dass einige Stolperfallen bereit hält. Selbst wenn Geoff Johns als Autor die Zügel in der Hand hält und nicht unbedingt für Fehlgriffe bekannt ist, hätte dieses Experiment auch schnell an seiner Stellung innerhalb der Szene kratzen können. Es sei jedoch vorweg zu nehmen, dass diese Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben. Warum das so ist, erfahrt ihr hier:

Wir steigen in das Jahr 1992 ein und damit gut sieben Jahre nach den Geschehnissen aus dem Original-Werk. Ozymandias, der zunächst als Held eingeführt wurde, sich im laufe der Handlung aber als Bösewicht herausgestellt hat, initiierte eine angebliche Alien-Invasion mit dem Ziel die Kämpfe zwischen den verfeindeten Blockstaaten zu beenden und damit den von ihm befürchteten Weltuntergang zu verhindern. Diejenigen, die die letzte Seite von „Watchmen“ in Erinnerung haben, wissen jedoch, dass Rorschachs Tagebuch seinen Weg an die Presse fand. Daher ist die Welt trotz der (im wahrsten Sinne des Wortes) monströsen Anstrengung von Ozymandias, der nun zum meistgesuchten Mann der Welt avanciert ist, erneut am Abgrund von dem sie sich kurzzeitig entfernt hatte.

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©Panini Comics

Genaugenommen steuern die Weltmächte mit so großen Schritten auf einen dritten Weltkrieg zu, wie nie zuvor. Insbesondere als Russland in Polen einmarschiert, scheint eine Grenze überschritten worden zu sein, denn die USA setzen Russland mit einem Ultimatum massiv unter Druck. Sollte Moskau dieses nicht erfüllen, droht Washington in der Folge mit einem atomaren Erstschlag und damit dem Szenario, dass Ozymandias ursprünglich verhindern wollte. Es scheint so gut wie keine Möglichkeit zu geben den atomaren Alptraum verhindern zu können und doch besinnen sich einige wenige auf jemanden, der die Macht haben könnte die Weltuntergangsuhr zurück zu drehen. Auf jemanden, der einem Gott gleich Raum und Zeit zu verändern vermag. Auf jemanden wie Dr. Manhatten. Dieser ist bekanntlich verschwunden und die Suche beginnt.

Und insbesondere an diesem Punkt merkt man den Versuch, an „Watchmen“ direkt anzuknüpfen. Dabei darf man jedoch nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass es sich hierbei um eine Kopie der Erzählweise bzw. Stimmung handelt, denn beides ist in seiner Genialität wohl von niemandem zu erreichen. Das wird auch der Grund dafür sein, dass sowohl Geoff Johns als Autor und Gary Frank als Zeichner ihren eigenen Weg gehen, jedoch genug vom Original durchscheinen lassen, um einen sauberen Anschluss herzustellen. Das passiert primär durch dem Leser bekannte Versatzstücke wie die Erzählung aus der Sicht bestimmter Figuren, die grimmige Stimmung, die die Superhelden in ein raues bis realistisches Licht rückt, sowie offensichtlich platzierte Easter Eggs.

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus in diesem ersten von vier Sammelbänden zunächst einmal auf dem Aufbau eines Gerüsts, an dem sich die Handlung in den darauf folgenden Releases entlang hangeln kann. Dazu gehört natürlich die Zusammenkunft der Figuren aus den beiden schon erwähnten Comic-Universen, wobei sich diese im vorliegenden Band auf eher kurze Episoden beschränken und sicherlich in Zukunft noch in epischer Breite aufgegriffen werden. Trotzdem ist der beschriebene Weg derart spannend gestaltet, dass man nach den letzten Seiten fast schon frustriert die Lektüre aus der Hand legt, weil man unbedingt wissen möchte, wie es nun weiter geht. Zwar wird der Unterhaltungswert im Gegensatz zu „Watchmen“ nicht so sehr aus selbstreferentiellen Aspekten und politischen Seitenhieben gezogen, doch er besticht unbestreitbar durch eine durchdachten Handlungsbogen, der auch bei Puristen einiges wett machen könnte.

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©Panini Comics

Auch auf visueller Ebene wird von Gary Frank eine eigene Schiene gefahren, die sich zwar im Realismus von Dave Gibbons bewegt, jedoch eindeutig die individuelle Handschrift des aktuellen Künstlers trägt. Doch auch hier gibt es Querverweise, die man als Fan des ursprünglichen Stoffes zu schätzen weiß. So wird selbstverständlich mit dem neunteiligen Panel-Aufbau gearbeitet, der das Original schon hervorstechen ließ und heute noch eindeutige Assoziationen weckt.

Alles in allem ist „Doomsday Clock Bd. 1“ daher in meinen Augen nicht einfach ein „Fanpleaser“, der die richtigen Trigger setzt, sondern ein eigenständiges Werk, dass zwar keinen neuen Epos für die Ewigkeit darstellt, jedoch die Tür für viele weitere spannende Geschichten aufstößt, die ohne diesen Release nicht möglich wären.

Doomsday Clock Bd.1 (von 4) 
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Geoff Johns 
Zeichner: Gary Frank

Erschienen am: 02.04.2019 
 
Format: Softcover
 
Seitenzahl: 108
Preis: 13,99 EUR

[Rezension] The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite (Cross Cult)

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Und wieder ist eine Comic-Veröffentlichung auf meinem Tisch gelandet, die viele Leser als Indie-Klassiker betiteln, auf meinem Radar jedoch erst beim Re-Release aufgetaucht ist. Diesmal handelt es sich um den Band „The Umbrella Academy: Weltuntergangs-Suite„, der im Windschatten der Serien-Adaption von Netflix, nun eine Neuauflage bei Cross Cult erfährt.

Zu meiner Verteidigung sei zu sagen, dass ich vor ungefähr 10 Jahren, als die Serie das erste mal auf den Markt kam, zwar regelmäßig Comics gelesen, jedoch in meinem Horizont durchaus eingeschränkt war. So wie den meisten Leuten im Mainstream, war mir das DC- und Marvel-Portfolio, die frankobelgischen Perlen, die Disney-Produktionen und die ein oder andere Vorlage für Kinofilme wie „Sin City“ oder „V wie Vendetta“ bekannt. Mehr gab es aber für mich nicht und daher rutschten dann etwas speziellere Indie-Projekte in meiner Wahrnehmung schnell durch. In dem Kontext des hier zu besprechenden Bands kann man zusätzlich anführen, dass ich eine ziemliche Aversion gegenüber Emo-Musik und damit zwangsläufig ihren prominentesten Vertretern „My Chemical Romance“ hatte. Daher fiel mir konsequenterweise auch nicht auf, dass Gerard Way, der Sänger der Band, als ausgewiesener Comic-Enthusiast sich als Autor der Reihe betätigte und offensichtlich damit dem Titel einen zusätzlichen Popularitätsschub verpasste.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Zum einen sollte zunächst festgestellt werden, dass die Welt in der wir uns befinden eine Art Hybrid zwischen alternativer Realität und abgedrehter Trash-Fantasie ist und als diese schon auf den ersten Seiten vorgestellt wird. So gibt es gleich zu Beginn einen Kampf zwischen einem Wrestler und einem Tentakel-Mosnter, der Eiffeltum von einer Zombie-Version seines Architekten gesteuert und eine Horde maskierter Kinder wird gegen ihn in die Schlacht geschickt. Klingt verwirrend? Ist es auch, unterhält aber schon ab dem ersten Panel.

Woher die erwähnten Kinder stammen wird zumindest recht schnell geklärt. So gebaren aus unerfindlichen Gründen weltweit zur gleichen Zeit 43 Frauen die jeweils gleiche Anzahl an Kindern, die die Aufmerksamkeit des exzentrischen Abenteuerers und Unternehmers Sir Reginald Hargreeves auf sich zogen. Aus dieser Gruppe adoptierte er die in seinen Augen vielversprechendsten sieben Individuen, die er ab dem Zeitpunkt nicht nur aufzieht, sondern für seine geheimnisvollen Zwecke einsetzen will.

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©Cross Cult

Das passiert, indem er sie de facto zu Superhelden ausbildet, die dazu passende Namen wie Space Boy oder Séance tragen. Gemeinsam bilden sie somit die titelgebende Umbrella Academy, die Heimat und Trainingsort in einem ist, jedoch keine Familie ersetzen kann, die den Mitglieder quasi verwehrt wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zwangsgemeinschaft im Laufe der Zeit auseinanderbricht und erst wieder zueinander findet, als sie die Nachricht über den Tod ihres Ziehvaters erreicht. Ab diesem Zeitpunkt geht die eigentliche Geschichte über Vernachlässigung, Verrat und Liebe erst richtig los, über die ich jedoch nichts weiter erzählen möchte, da sonst die Spannung, die zwischen den bizarren Figuren, Orten und Handlungssträngen stetig nach oben geschraubt wird einen Dämpfer bekommen würde. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich überall Details einschleichen, die erst im Laufe der Handlung an größerer Bedeutung gewinnen und damit zu einer erzählerischen Dichte beitragen, die man nur in ausführlicher der Breite erklären kann.

Zu diesem detailversessenen Spektakel passt auch der cartooneske Zeichenstil von Gabriel Bá. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, dass mir der teils grob übertriebene Strich des Brasilianers zunächst nicht wirklich zugesagt hat, mir doch von Seite zu Seite mehr ans Herz wuchs, da dieser wunderbar dann doch wie die Faust aufs Auge der Geschichte von Gerard Way passt.

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©Cross Cult

Alles in allem ist „The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite“ eine wikrlich unterhaltsame Indie-Perle, die schon um ihren ursprünglichen Erscheinungszeitraum verdient mit dem prestigeträchtigen Eisner-Award prämiert wurde. Zwar denke ich, dass man als ungeübter Comic-Leser oder zumindest als jemand, der primär in der Mainstream-Sphäre unterwegs ist, zunächst einen Einstieg finden muss, doch sobald dieser gelungen ist, geht man mit den liebevoll ausgefeilten Figuren voll auf und kann sich auf die beiden Fortsetzungs-Bände „Dallas“ (der auch bald besprochen wird) und „Hotel Oblivion“ freuen.

The Umbrella Academy Bd. 1: Weltuntergangs-Suite 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.02.2019  
Autor: Gerard Way 
Zeichner: Gabriel Bá 
Kolorist: Dave Stewart 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 192 
Preis: 22 EUR