X-Men: Ein neuer Anfang

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Aktuell befinden wir uns mitten in einem Hype um Superhelden, ausgelöst durch Verfilmungen, die einen Rekord nach dem anderen brechen. Angefangen mit Spider-Man, kriegen wir teilweise monatlich neue Kost von Marvel und DC auf der großen Leinwand geliefert. Als großer Comic-Fan freut es mich natürlich, dass plötzlich so viele Menschen einen Zugang zu diesem Medium gefunden haben und die Storys nicht mehr als Kinderkram abgetan werden (Spawn und Deadpool würde ich keinem Grundschüler in die Hand drücken). Aber wie nach jedem Aufstieg wird es irgendwann einen Absturz geben. Man kann davon ausgehen, dass der Markt irgendwann übersättigt wird und damit vermutlich auch die Leserschaft der bunten Hefte zurück geht.

Der letzte Boom, den ich aufgrund meines Alters leider nicht aktiv mitbekommen habe, war Anfang der 90er, nachdem Autoren wie Frank Miller und Alan Moore in den Jahren zuvor gänzlich neue Zielgruppen erschlossen haben, die mehr Dunkelheit und Härte wollten. Damit wurde eine Ära eingeläutet, die mit Konventionen brach und damit den Weg für Künstler und Schreiber ebnete, die ganz dem neuen Zeitgeist entsprachen.

Dazu gehörte eine ganze Riege an Kreativen aus dem Marvel-Lager wie der legendäre Jim Lee. Diesem wurde kurze Zeit nach seinem Einstieg in das Unternehmen die prestigeträchtige Serie „Uncanny X-Men“ anvertraut. Kurz darauf legte er auch Hand an den heute zu besprechenden Titel „X-Men“ (1991). Das erste Heft schaffte es sogar in das Guinness Buch der Rekorde als der meistverkaufte Comic aller Zeiten. Neben dem Artwork war natürlich auch die Story-Komponente entscheidend für den anhaltenden Erfolg der Reihe. Chris Claremont, schon 1969 als Laufbursche im Verlag eingestiegen, erarbeitete sich den Weg an die Spitze mit Einfällen für die Mutanten-Welt, die heute noch nachhallen und mit dem Look von Lee das Bild der X-Men erschaffen haben, welches schließlich in der 90er-Jahre TV-Serie mündete.

Nach einiger Zeit beanspruchte Lee jedoch mehr Mitspracherecht, änderte Skripte eigenmächtig ab und initiierte damit einen Disput, der zunächst den Abgang von Claremont zur Folge hatte. Nur Monate später ging auch der Zeichner, um mit anderen den Image-Verlag zu gründen, der ihnen Rechte an den eigenen Kreationen gab und am Teil des Booms profitieren ließ.

Die Zusammenarbeit der zwei Männer bleibt bis dato ein Meilenstein, der glücklicherweise von Panini Comics Deutschland neu aufgelegt wurde. „X-Men: Ein neuer Anfang“ beinhaltet die ersten sieben Hefte, die einen überspannenden Zusammenhang aufweisen und darum als ganze Geschichte gelesen werden können. In dieser macht sich eine Gruppe von Mutanten mit einem Raumschiff auf die Suche nach Magneto, der in seinem Asteroid M die Erde umkreist, um sein selbst auferlegtes Exil zu fristen. Als er von der Gruppe entdeckt wird, bietet diese ihm ihre Dienste an. Der Anführer Fabian Cortez erklärt des Weiteren, dass die Station angeblich entdeckt wurde. Um sich zu schützen, begibt sich Magneto daraufhin zur Erde um einige Atomraketen zu bergen, die im Notfall zur Verteidigung eingesetzt werden sollen. Dabei kommt es zum Kampf mit den X-Men, während dem einer der Sprengköpfe über Russland detoniert. Daraufhin zieht sich Magneto mit den verbliebenen Raketen auf seine Basis zurück, während auf der Erde ein Plan zum Einsatz kommt, der die Vernichtung des Asteroiden-Heims des Mutanten zum Ziel hat. Zeitgleich überzeugt Cortez Magneto davon, dass dessen DNA durch Moira McTaggert verändert wurde. Als Reaktion entführt er die Frau und Professor X um sie zu zwingen die X-Men zu manipulieren und für ihn kämpfen zu lassen. Doch als es zum Showdown kommt, ergibt sich eine überraschende Wendung der Ereignisse…

Was diese Geschichte anbelangt, bin ich relativ zwiegespalten. Einerseits sieht man den Panels eindeutig an, warum Jim Lee zur modernen Speerspitze der Comic-Künstler unserer Zeit avanciert ist und gelegentlich eingestreute Verweise auf ernste Ereignisse der Realität (z.B. der Holocaust, Rassismus usw.) sind eindeutig an ein älteres Publikum gerichtet. Trotzdem wirkt es alles mit einem zeitlichen Abstand von 25 Jahren etwas altbacken. Nachdem ich als Leser an Geschichten heran geführt wurde, die episch über einen Zeitraum von einem Jahr ausgebreitet werden können oder an visuelle Meisterwerke, die in Sachen Dramaturgie großen Film-Events in nichts nachstehen, fremdle ich ein bisschen mit dem vorliegenden Band. Ich gehe davon aus, dass es wie in jedem Bereich eine Entwicklung gab, die zum damaligen Release übergreifend nicht abgeschlossen war. Das beziehe ich jedoch ausschließlich auf fortlaufenden Reihen und nicht auf komplette Storys, auf die ja auch noch heute gern verwiesen wird (V wie Vendetta, Watchmen, The Dark Knight Returns usw.). Sprechblasen wurden scheinbar wahllos gestaltet, was wiederum Satzbrüche zur Folge hatte, die keinen wirklichen Sinn ergeben. Natürlich kann es ein Problem der Übersetzung sein, funktioniert im Vergleich jedoch in der Gegenwart tadellos. Außerdem finden wir die typischen Dialoge, die mitten im Kampfgeschehen geführt werden, obwohl einer der Charaktere zum Beispiel gerade eins übergebraten bekommen hat. Hinzu kommt die schon angesprochene Geschwindigkeit, bei der man als Leser das Geschehen kaum verarbeiten kann.

Das klingt im ersten Moment hart, ist aber ein übergreifendes Phänomen der damaligen Ära. Im Klartext bedeutet es, dass meine Generation etwas verwöhnt ist! 😉 Aus nostalgischer und historischer Sicht, ist es jedoch eine lohnenswerte Anschaffung. Man wird durchwegs gut unterhalten, die Optik stimmt (bei dem Künstler kein Wunder) und man kriegt einen kleinen Einblick in die Zeit, als die uns heute noch bekannten Figuren dem Höhepunkt ihrer Popularität entgegen schritten.

Dementsprechend kann ich „X-Men: Ein neuer Anfang“ jedem empfehlen, der weiß worauf er sich einlässt, während Neulinge oder Leser, die nur aktuelle Erscheinungen konsumieren erst einen Blick beim Comic-Shop eures Vertrauens riskieren sollten.

Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe

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Ich denke, dass ich nicht alleine bin wenn ich beim Betrachten von schwarz-weiß-Fotografien, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, das Gefühl bekomme auf eine gänzlich andere Welt zu blicken. Es scheint fast ein fremder Planet zu sein, mit ganz eigenen Riten und Bräuchen, so wie der dazu passender Optik.

Das liegt vor allem an der industriellen Revolution, die sich zum damaligen Zeitpunkt erst zu entfalten begann und damit nach und nach Traditionen und über Jahrhunderte gereifte Stadtbilder verschlang. Festgehalten wurden ursprüngliche Szenerien höchstens auf Gemälden und Fotografien, die ohne Farbe einen Teil des Bezugs zur Realität einbüßen mussten.

Demenstprechend kam es einem Wunder gleich, als das Schweizer Unternehmen „Orell Füssli“ den sogenannten Photochromdruck im Jahr 1888 patentieren ließ. Mit diesem Verfahren war es nun plötzlich möglich Fotografien in Farbe (14 an der Zahl) serienmäßig abzudrucken. Was könnte da am ehesten in Betracht kommen, als Postkarten in dieser Form herzustellen und damit die schönsten Plätze des jeweiligen Landes zu porträtieren?

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Dom und Friedrichsbrücke

Genau dieser Gedanke ließ um die Jahrhundertwende auch in Deutschland einen Boom entstehen, aus dem sehr viele Abbildungen hervorgegangen sind, die uns einen interessanten Einblick in die „gute alte Zeit“ gewähren. Und genau hier ist der kleine Wermutstropfen zu finden. Da es sich großteils um Bilder für Tourismuszwecke handelt, werden dunkle Kapitel der Geschichte, wie die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen der Unterschicht, Antisemitismus (auch schon im Kaiserreich ein eklatantes Problem) sowie soziale Unruhen gänzlich ausgeblendet. Was bleibt sind Idyllen im wahrsten Sinne des Wortes.

Dies kann dem Prachtband, der diese Bilder eindrucksvoll versammelt, jedoch auf keinen Fall zu Lasten gelegt werden, da die rund 800 Photochrome auf über 600 Seiten ein Bild Deutschlands um 1900 vermitteln, welches durchaus existiert hat und zu recht eine gewisse Faszination mit sich bringt.

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Eisenach, Hohe Sonne mit Blick auf die Wartburg

Diese sind einer Rundreise gleich in einer gewissen geografischen Chronologie angeordnet. Angefangen bei Berlin, der Nord- und Ostseeküste, über die am Rhein gelegenen Städte, den Schwarzwald bis hin nach Bayern. Dabei begegnet der Betrachter monumentalen Schlössern und Burgen, ländlichen Gebieten, wie entrückt wirkenden Straßenszenen, sowie schier unfassbar schönen Naturlandschaften, die einem Märchen entstammt sein könnten. Es ist kein Wunder, dass sich eine Vielzahl an Kreativen in das Herz Europas verirrte. Romantiker wie Lord Byron konnten hier der Natur so nah sein, wie sonst kaum an einem anderen Ort. Autoren wie Mark Twain wurden durch ihre Reisen auch nachhaltig in ihrem Schaffen geprägt und Künstler ergötzten sich an der Inspiration, die im Überfluss vor ihren Füßen lag.

Auch heute noch kommt man aus dem Staunen kaum mehr raus, kann fast nicht glauben, dass solche Orte existiert haben könnten und verfällt in eine Art Wehmut, da all die dargestellte Schönheit in ihrer Pracht unwiederbringlich verloren ist.

Neben den heutzutage längst zerstörten Gebieten, ziehen vor allem die uns besonders vertrauten Abbildungen ihre Aufmerksamkeit auf sich. In meinem Fall wäre es die Stadt München, die zwar ihre klassischen Charakteristika beibehalten hat, aber vor über 100 Jahren eine gänzlich andere Ausstrahlung besaß, als es heute der Fall ist. Es fühlt sich fast so an, als würde man durch dieses Buch in ein Paralleluniversum blicken und genau das macht es zu einer lohnenden Anschaffung. Es bietet die Möglichkeit in die Vergangenheit des eigenen Landes zu reisen und sich selbst auszumalen, wie das heutige Deutschland aussehen würde, wenn es nicht seine Identität und Kultur, die es sich mit Architektur und Landschaften aufgebaut hat, mit dem 2. Weltkrieg in den Abgrund gestoßen hätte. Hier kommen sowohl Leser mit großem Interesse an Geschichte als auch Fans der Foto-Kunst auf ihren Geschmack.

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Schloss Neuschwanstein, Schlafzimmer mit Bildern aus der Tristan-Sage

Das Buch kann bei TASCHEN bestellt werden.

Der Fluch Der Spindel

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Bei dieser aktuellen Rezension handelt es sich hinsichtlich der Art und des Inhalts um eine ganz Besondere. Wie oft kommt man denn auch heutzutage dazu ein Märchen zu lesen und dieses auch noch zu bewerten?

Diese Chance habe ich nun durch Knesebecks „Der Fluch der Spindel“ bekommen und habe sie auch sehr gerne genutzt. Zunächst könnte man aufgrund des Titels und des entsprechenden Covers darauf kommen, dass es sich einfach nur um eine aufgewärmte Version von „Dornröschen“ handeln könnte, doch weit gefehlt! Der Autor Neil Gaiman, den man als Comic-Fan vor allem durch sein Wirken an der legendären „Sandman“-Reihe kennen sollte, schafft es in der vorliegenden Ausgabe zwei ganze Welten, die einem von Kindesbeinen an bekannt sein sollten, zu verweben.

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So haben wir eine junge Königin, die von ihrem Zwergen-Hofstaat am Vortag ihrer Hochzeit darum gebeten wird bei der Rettung einer verfluchten Prinzessin mitzuhelfen. Diese wurde samt ihres gesamten Reiches in einen magischen Schlaf versetzt, welcher (typisch für Märchen) nur durch einen Kuss wieder gebrochen werden kann. Allein diese Ausgangslage zeigt deutlich welchen Ursprung diese Figuren haben. Erstere ist selbstverständlich „Schneewittchen“, die nach ihrer Rettung durch den Prinzen auf die Ehe wartet. Zweite Protagonistin ist „Dornröschen“, welche noch gefangen hinter hohen Mauern und undurchdringlichem Rosen-Gestrüpp auf ihre Erlösung wartet.

Hier setzt Gaiman neben der generell außergewöhnlichen Idee beide Geschichten zu verknüpfen, auf eigene Gedankenspiele, die sich ganz wunderbar in die Szenerie einfügen und dem Ganzen einen tieferen Sinn verleihen. So ist es ein geistreicher Kniff „Schneewittchen“ als Retterin auszusuchen, da sie ja aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit schon Erfahrungen mit Schlaf-Zaubern machen durfte und damit immun gegen die dunkle Magie ist, die in dem angrenzenden Reich um sich greift. Zum anderen ist die Maid in Not nicht das, was sie zu sein scheint. Wobei ich hier inhaltlich nicht weiter ins Detail gehen möchte, um Spoiler zu vermeiden und generell zu viel vorweg zu nehmen, da die Story mit ihren knapp über 70 Seiten recht schnell durchzulesen ist.

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Aufgewertet wird diese ungewöhnliche Handlung durch detailverliebte schwarz-weiß Illustrationen von Chris Riddell, der als Mit-Autor des „New-York-Times“-Bestsellers „Die Klippenland-Chroniken“ bekannt ist und sein täglich Brot unter anderem als Cartoonist für den „Observer“ verdient. Seine Bilder strotzen dabei nur so vor kleinen Einzelheiten, die fast schon ihre eigene Geschichte zu erzählen scheinen. Das gilt dabei nicht nur für die Haupt- und Nebencharaktere, sondern auch für die tollen Hintergründe, die ebenfalls immer einen Zweck bei der Gestaltung erfüllen und nicht als obligatorischer Zusatz illustriert wurden. Farbliche Akzente werden dabei durchgehend nur durch golden eingefärbte Bild-Rahmen und Gegenstände gesetzt, die einem angenehm und nicht überflüssig ins Auge fallen.

Im Großen und Ganzen handelt es sich sich bei diesem Buch um eine angenehm frisch aufbereitete Version altbekannter Motive, die aber den Leser durch alle Altersstufen fesseln sollte. Zusätzlich stellt die Lektüre aufgrund der Bezeichnung als „Märchen“ ein ohnehin seltenes Vergnügen für die meisten Käufer dar, welches bei der gewohnten erzählerischen Qualität einen Neil Gaiman genutzt werden sollte. Nicht zu vergessen ist dabei, dass der Grundton ein für den Ursprungsstoff typischer ist und neben Humor auch eine Vielzahl düsterer Momente aufweist, die nicht zwangsläufig für ganz junge Kinder geeignet sind.

Alles in allem lohnt sich bei vorhandenem Interesse für den Stoff der Kauf und macht sich mit einem halb durchsichtigen Umschlag auch im Regal als ansehnlicher Eye-Catcher.

Hier könnt ihr das Buch erwerben!

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Die besten TV-Serien. TASCHENs Auswahl der letzten 25 Jahre

Es wird vermutlich kaum jemanden unter uns geben, der nicht die ein oder andere Fernseh-Serie als Ausklang für einen anstrengenden Tag oder als süchtig machenden Stoff konsumiert hätte. Dabei wird uns als Zuschauer eine immense Bandbreite an Genres und Formaten geliefert, die man teils kaum unter einem Oberbegriff zusammenfassen kann. Angefangen bei in sich abgeschlossener Unterhaltung für die ganze Familie (z.B. Die Simpsons), bis hin zu opulenten Meisterwerken, die einem Kinofilm in nichts nachstehen (z.B. Game Of Thrones) wird einem alles geboten was das Herz begehrt.

Bei der Masse an Produktionen ist es jedoch kaum möglich einen allumfassenden Überblick zu behalten und genau hier setzt die neueste Veröffentlichung aus dem Hause TASCHEN ein. Wie gewohnt wird das besprochene Thema bis zum kleinsten Punkt in Gänze ausgebreitet und analysiert. Dafür ist der Verlag bekannt und wird auch hier durch den Autor Jürgen Müller, den man als Herausgeber der bekannten Dekaden-Filmbuchreihe kennt, seinem Namen gerecht.

"The Simpsons" Season 25 (2014)

Dabei ist es kein Zufall, dass es sich inhaltlich  (wie der Titel des Buches schon verrät) um die besten Serien der letzten 25 Jahre handelt. Denn genau in dieser Zeit entstanden die ersten Premium-Produktionen, die entweder eine revolutionäre Idee und/oder einen mehrere Folgen überspannenden Story-Bogen vorweisen konnten. Angefangen mit der leibhaftigen Initialzündung für qualitativ hochwertige Formate um „Twin Peaks“ von David Lynch, über Frühwerke moderner Künstler wie Lars von Triers „Geister“ bis zu mit Hollywood-Größen besetzten Veröffentlichungen à la „True Detective“, wird jede einzelne Periode dieser wiedergeborenen Unterhaltungsform eindringlich analysiert und bewertet. Dabei wird jeder Serie, nach einigen Kurzinformationen in Form von Anzahl der Folgen, Sender und Dauer, ein gut genutzter Platz von jeweils 4-5 Seite eingeräumt, in dem die Story, die Ursprünge und Hintergrundinformationen beleuchtet werden. Dem wird ein kurzes Glossar nachgestellt, das weiterführende Erklärungen rund um die Entstehungsgeschichte bietet und einen noch tieferen Einblick in die Materie gewährt.

Breaking Bad (Season 4) 2011

Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine einfache Wiedergabe schon bekannter Informationen, sondern um detailverliebte Ausführungen über Gründe für bestimmte Entwicklungen, den Einfluss von Produzenten und Filmschaffenden sowie die Auswirkungen auf das generelle Voranschreiten des Mediums. Egal ob es sich dabei um die Nutzung unvorstellbar hoher Budgets, unkonventioneller Methoden oder einfach brillantes Story-Telling handelt. Hier reicht die Bezeichnung „fun-facts“ in keinster Weise aus. Es fühlt sich eher wie eine unterhaltsam aufbereitete Enzyklopädie an, die dazu einlädt das nun erworbene Wissen mit Gleichgesinnten zu teilen. Natürlich kommen dabei, wie es sich bei einem visuellen Medium gehört, die Bilder und Screenshots zu der jeweils besprochenen Serie nicht zu kurz. Wie üblich im Überformat geliefert, entfalten die Darstellungen einen nicht zu verleugnenden Sog auf den Leser, der bei der Lektüre am liebsten sofort den Fernseher anschmeissen möchte um sich selbst einen Eindruck verschaffen zu können. Bei der Masse an vorgestellten Titeln kommt es im Übrigen gar nicht so selten vor, dass man gewisse Veröffentlichungen bis dato gar nicht kannte und sich im Laufe des Buches die ein oder andere Inspiration holt. Für mich persönlich wären das die schon oft gepriesenen „Sopranos“, sowie die mir bis zu dieser Lektüre nicht bekannten HBO-Produktionen „Deadwood“ und „Rom“. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass hier sowohl der typische Serienjunkie überrascht wird aber auch der Neuling vollends befriedigt wird, indem kein Vorwissen verlangt wird und der Inhalt als Anreiz verstanden werden kann.

Matthew McConaughey and Woody Harrelson

Bei einem fairen Preis von knapp 50 Euro, ist das Gebotene hierbei mehr als nur ein fairer Gegenwert. In Halbleinen gebunden und auf hochwertigem Papier gedruckt, stimmen wieder einmal sowohl Aufmachung als auch Inhalt. Dementsprechend gibt es von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für dieses Sachbuch, welches vor allem in dem behandelten Bereich seinesgleichen sucht.

Sophie Scholl – Die Comicbiographie

Vor allem heutzutage ist es wichtig klare Kante zu zeigen, wenn es sich um Themen wie Rassismus und/oder Nationalsozialismus handelt. Jeden Tag werden wir in den Nachrichten, sozialen Netzwerken und Foren von der plötzlich hochgekommenen braunen Suppe ertränkt und stoßen dabei oftmals an unsere Grenzen.

Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, dass es immer sinnvoll und vor allem nötig ist dagegen zu halten, wenn offensichtliches Unrecht geschieht. Das hierbei wohl bekannteste Beispiel für Widerstand gegen faschistische Umtriebe ist die Gruppierung „Weiße Rose“ und die dabei post mortem zu ihrem Aushängeschild gewordene Sophie Scholl.

Jeder, der sich gewissenhaft mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat oder sich für politische Themen im Allgemeinen interessiert, kennt die Entstehungsgeschichte, den Verlauf und die Mittel des Widerstands sowie schlussendlich den tragischen Tod der Hauptverantwortlichen. Traurigerweise wird es heutzutage immer schwieriger diese ernsten Themen so zu vermitteln, dass sie interessiert aufgenommen und vor allem reflektiert werden. Bücher, Unterricht, Filme und Dokumentationen haben Anteil an der Verbreitung der Geschichte, doch viele Jugendliche scheinen nicht mal bemerkt zu haben, dass es entsprechende Angebote für Informationen gibt.

In diesem Fall kommt in wenigen Tagen ein neues Medium ins Spiel, welches allein schon Aufgrund von Format und Aufmachung die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Die Lebensgeschichte von Sophie Scholl wird als Comicbiographie beim Knesebeck Verlag veröffentlicht und dabei in den Comic-Shops und Buchläden im ganzen Land aus den Regalen auf potentielle Leser blicken, die im schlimmsten Fall noch nie von der jungen Kämpferin gehört haben aber nun die Chance ergreifen können sie kennen zu lernen.

Dabei bewegen sich die Macher im Zusammenhang mit politischen Themen schon in bekannten Gewässern. Heiner Lünstedt, verantwortlich für das Szenario und einigen vielleicht als Leiter des Comicfestivals München bekannt, sowie Ingrid Sabisch, an der illustrativen Front tätig, haben schon zuvor gemeinsam die Biographie zu Willy Brandt geschaffen und erfolgreich unter die Leute gebracht. Entsprechend eingespielt wirkt der vorliegende Band sowohl inhaltlich als auch visuell in sich runder. Natürlich wird der Künstlerin eigener Stil konsequent beibehalten, doch dieser passt ungemein gut zum Geschehen in den Panels. Es wird vor allem viel Wert auf die Darstellung der Figuren und ihrer Interaktion miteinander gelegt. Der Hintergrund ist sehr dezent dargestellt und gibt den Hauptprotagonisten genügend Platz. Weite Kulissen findet man schon wie bei der Brandt-Biographie eher selten.

Inhaltlich basiert die Geschichte auf dem Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem vier Jahre älteren Freund Fritz Hartnagel. Diese Konstellation ist vor allem deswegen interessant, weil Scholl sich als überzeugte Pazifistin gegen die Nazi-Diktatur stellte, während Hartnagel als Offizier eine Karriere bei der Deutschen Wehrmacht hinlegte. Der daraus entstehende Diskurs und die wortgetreue Überlieferung lassen die Gedankengänge und die daraus resultierenden Taten Sophie Scholls lebendig werden und geben einen unverfälschten Einblick in ihr Innenleben.

Alles in allem liegt hier für Geschichts-Interessierte eine attraktive Bebilderung deutscher Historie vor und für Nichtkenner eine Pflichtlektüre, die ein ungezwungener Einstieg in das Wirken der „Weißen Rose“ sein kann.

„Sophie Scholl“ erscheint am 17. September.

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The Charlie Chaplin Archives

Um es sogleich vorweg zu nehmen: Der TASCHEN-Verlag hat es mal wieder geschafft sowohl Qualität als auch Quantität in Perfektion verschmelzen zu lassen. Der vorliegende Prachtband „The Charlie Chaplin Archives“ ist alles und vielleicht sogar etwas mehr als sich so mancher Fan wünschen kann.

Den glücklichen Umstand, als Laie einen detaillierten Blick hinter die Kullisen der Entstehungsgeschichte aller(!) Werke Chaplins werfen zu können, verdanken wir seinen beiden Halbbrüdern Sydney Chaplin und Wheeler Dryden. Die beiden waren dafür verantwortlich, die Chaplin-Studios zu räumen als die Familie in die Schweiz umzog. Nun liegt dieser gewaltige Schatz nach 10 Jahren Arbeit, in denen die geretteten Dokumente und Schriftstücke katalogisiert und eingescannt wurden, in all seiner Schönheit vor.

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Paul Duncan, der schon das James Bond-Archiv zusammenstellte, trug für diesen Band in Überformat die wichtigsten Informationen und Aufnahmen zusammen um ein detailliertes Bild zu schaffen, welches das Genie eines Charlie Chaplin sowohl in der Arbeit als auch im privaten Umfeld einfängt.

Dabei fängt er schon bei den ersten Schritten auf der Bühne als Kind an, welches ein paar Groschen für die Familie dazu verdienen will. Schon damals erkannte man in ihm das schlummernde Talent, dass eine Tages zu einem der größten Schauspieler aller Zeiten avancieren sollte. Ausgeschmückt mit allerlei teils unbekannten Ablichtungen, erfährt die Beschreibung etwas Greifbares, welches durch die durchgehenden Zeitzeugen-Aussagen an Tiefe gewinnt. Diese setzen sich aus Beschreibungen Chaplins und seiner Weggefährten zusammen, die um einige Details durch Einwürfe der Macher des Bandes ergänzt werden.

Durch diesen Stil, der sich durch das gesamte Buch zieht, werden in schönster Weise private Momente mit denen am Set in Verbindung gebracht. Im Detail wären es Umbesetzungen, Liebschaften, Entdeckungen von Talenten, Verhältnisse zu Personen des öffentlichen Lebens, sowie Tragödien, die das Leben Charlie Chaplins vom Anfang bis zum Ende durchziehen.

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Es werden dabei in chronologischer Abfolge alle Stationen auf den Bühnen dieser Welt erfasst, bewertet, kommentiert und in einen überspannenden Zusammenhang gesetzt. Angefangen bei einem Varieté-Ensemble, über Chaplins persönliche Entdeckung des Mediums Film in den USA, bis hin zu seinen Einsätzen für „Keystone“, „Essanay“, „Mutual“, sowie „First National“, die ihn einem größeren Publikum zugänglich machten. Dabei kommen viele Anekdoten ans Licht, die eine Erklärung für viele Entscheidungen in seiner Karriere liefern und dem Leser die Entwicklung seiner berühmtesten Figur, des Tramps, lebendig vor Augen führen.

Danach folgen die Werke, die vermutlich jeder, egal ob Cineast oder Gelegenheitskonsument, gleichermaßen kennen und lieben sollte: „A Woman In Paris“ (1923), „Goldrausch“ (1925), „Circus“ (1928), „Lichter der Großstadt“ (1931), „Moderne Zeiten“ (1936) sowie einer der legendärsten Filme überhaupt – „Der große Diktator“ (1940).

Hier wird sich wie schon bei den Kurzfilmen, am Set-Geschehen, dem fast schon manischen Perfektionismus Chaplins und den Reaktionen auf die jeweilige Veröffentlichung abgearbeitet, die vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Selbstverständlich werden hier auch die Spätwerke „Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris“ (1947), „Rampenlicht“ (1952), „Ein König in New York“ (1957), sowie die letzte vollendete Arbeit „Die Gräfin von Hongkong“ (1967) berücksichtigt. Insbesondere letzteres Kapitel ist äußerst amüsant im Bezug auf Chaplins Verhältnis zu den Hauptdarstellern Sophia Loren und Marlon Brando, welcher vom Großmeister wie ein Schuljungen getadelt wird.

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Als Abschluss kann man sich die nie vollendeten oder nie veröffentlichten Filme in Form von Skripten, Fotografien und Hintergrundinformationen zu Gemüte führen. Es ist zum Beispiel erstaunlich festzustellen, dass ein komplett fertiges Werk wie „A Woman of the Sea“ vernichtet wurde, aus der Idee Napoleon zu spielen „Der große Diktator“ wurde und sich die letzten Gedanken Chaplins in Form von „The Freak“ in ein Drama mit Fantasy-Einschlag hätten manifestieren können.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass dieser Band ein unumgängliches Must-Have für jeden Charlie Chaplin-Fan und Cineasten darstellt. Wie so einige Veröffentlichungen bei TASCHEN zuvor, schlägt der Preis von 150 Euro zwar so manche Geldbörse durch, ist aber jeden Cent wert. Wir reden hier von einem 560 starken, im Überformat gelieferten Werk, dass mit seinen 7 Kilo deutlich macht was in ihm steckt. Wer der englischen Sprache im Übrigen nicht mächtig sein sollte, kann in dem komplett auf deutsch gedruckten Beiheft in die Archive abtauchen. Als zusätzlichen Anreiz enthalten die ersten 10.000 Exemplaren einen kostbaren Filmstreifen mit 12 Einzelbildern aus Lichter der Großstadt (1931), der aus einem 35-mm-Film aus dem Chaplin-Archiv geschnitten wurde.

Eine „Verschwörung“ auf die wir uns freuen können!

Welcher Leser zeitgenössischer Literatur hat nicht die weltweit gefeierte „Millennium-Trilogie“, die erfolgreichste Krimi-Reihe des 21. Jahrhunderts, verschlungen und sich danach die Haare gerauft, da ein Nachfolge-Band zunächst ausgeschlossen war?

Für diejenigen, die es nicht wissen sollten: Stieg Larsson, der Schriftsteller, Autor und das muss man heutzutage deutlich hervorheben, Herausgeber des antirassistischen Magazins Expo, gab kurz vor einem tödlichen Herzinfarkt das fertige Manuskript zu „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ ab und konnte dementsprechend die Veröffentlichung der Reihe nicht mehr erleben.

© Per Jarl/Norstedts

© Per Jarl/Norstedts

Es gab jedoch immer einen leisen Hoffnungsschimmer, dass es irgendwann mit der Handlung um Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander weiter gehen könnte, da die Geschichte auf ganze zehn Bände ausgelegt war und die Teile vier bis sechs schon als Exposés vorlagen.

Nun wurde die Hoffnung vor zwei Jahren zur Gewissheit und wir dürfen uns morgen auf „Verschwörung“ freuen, den aktuellsten Teil des nun zur Tetralogie angewachsenen Epos. Die Bürde des Nachfolgers übernahm der von Bruder und Vater des Verstorbenen auserkorene David Lagercrantz.

Der ehemalige Polizeireporter erlangte schon mit seiner Autobiografie des Fußballers Zlatan Ibrahimovic einige Berühmtheit und sollte ab jetzt jedem fleißigen Leser ein Begriff sein.

Da kaum Details der Story, die am 27. August in 27. Ländern erscheinen wird, ans Tageslicht dringen, dürfen wir alle mehr als gespannt sein, ob wir die uns schon bekannten Gesichter hinter den Seiten auch mit einem anderen geistigen Vater im Hintergrund wieder erkennen.

© Heyne

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