[Rezension] Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962-1964 (TASCHEN)

Schon seit vielen Jahren dominieren Marvel Comics die Popkultur in Filmtheatern und Bereichen des Merchandise. Hierbei standen bis vor kurzem primär Charaktere rund um die Avengers im Mittelpunkt des Interesses. Dies änderte sich schlagartig, als Disney (die sich Marvel einverleibt haben) Spider-Man als „Leihgabe“ von Sony in ihr Film-Universum integrierten. Seit Tom Holland den Netzschwinger mimt, entwickelt sich die Figur erneut zum Aushängeschild und zieht damit eine Nachfrage bezüglich Merch, Sekundärliteratur und vor allem Comics nach sich, wie es sie über lange Zeit nicht gab.

Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass auch TASCHEN die Zeichen der Zeit erkannt hat und passend zum Release des neuesten Kinofilms Spider-Man: No Way Home, mit ihrem neuesten Titel Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962-1964 aufwartet. Hierbei handelt es sich aber entgegen früherer Veröffentlichungen aus dem Verlagshaus, nicht um Sekundärliteratur zur Historie, sondern um den Abdruck der ersten 21 Geschichten des Wandkrabblers aus den Jahren 1962 bis 1964 im XXL-Format. Damit wird die ursprüngliche Version der Figur von Autor Stan Lee und Zeichner Steve Ditko präsentiert.

Nun könnte man als langjähriger Fan dem Trugschluss aufsitzen, dass hier wie in vielen Jahrzehnten zuvor alter Kaffee vorgesetzt wird, um Fans so zu melken, dass diese es nicht einmal merken. In diesem Fall könnte man garnicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Richtig ist, dass hier, eingeleitet durch ein ausführliches Essay des Marvel-Redakteurs Ralph Macchio, Ausgaben von Spider-Man geboten werden (inklusive obskurer Werbeanzeigen, Leserbriefe usw.). Der entscheidende Unterschied ist jedoch nicht die inhaltliche, sondern die visuelle Nähe zu den Originalen von vor fast 60 Jahren. Es wurde bewusst darauf verzichtet die Panels neu zu kolorieren. Stattdessen wurden die makellosesten Ausgaben zur Hand genommen und für die Reproduktion abfotografiert. Dem geneigten Sammler sind die Preise der genutzten Hefte bekannt. Daher war diese Herangehensweise nur in direkter Zusammenarbeit mit Marvel und CGC (Certified Guaranty Company) möglich, die entsprechende Schätze verwalten. Eine digitale Retusche wurde nur genutzt, um Fehler des ursprünglich billigen, unvollkommenen Drucks der damaligen Zeit zu korrigieren. Man erinnere sich an die Cent-Preise für besagte Ausgaben und das damit zusammenhängende Papier. Damit bekommt man die Geschichten in einer annähernd ans Original heranreichenden Größe und Qualität, die man so wohl nur in den Händen halten könnte, wenn man in der Zeit zurückreisen und sich ein Heft aus einer erstklassigen Druckmaschine der 60ern ziehen würde.

Dabei ist das noch nicht alles. Zu den Storys gesellen sich eine Comicografie der abgedruckten Ausgaben samt Inhaltsangabe, Biografien u.a. von Stan Lee, Steve Ditko, Martin Goodman und Jack Kirby, sowie eine wunderschöne s/w Version der allerersten Spidey-Geschichte aus Amazing Fantasy No. 15. Insbesondere Letzteres ist nicht nur eine Augenweide, sondern ein wahrer Schatz für langjährige Fans. Näher an den Ursprung, als mit einem Blick auf Kirbys getuschten Seiten, kommt man der legendären Figur nicht.

Alles in allem handelt es sich bei Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962-1964 nicht einfach nur um eine Ergänzung der Sammlung von Liebhabern der Materie, sondern um die qualitativ wohl hochwertigste Reproduktion von Spider-Man Comics, die man zum aktuellen Zeitpunkt erwerben kann. Sollte man zudem einer der ersten 5.000 Besteller/innen des Bandes sein, darf man sich darüber freuen, eine nummerierter Erstauflage zu bekommen. Darüber hinaus können sich Marvel-Fans jetzt schon für 2022 bzw. 2023 bereit machen, da TASCHEN schon folgende Titel in Planung hat:  Avengers. Vol. 1. 1963–1965, Fantastic Four. Vol. 1. 1961–1963 und Captain America.

Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962
Verlag: TASCHEN 
Sprache: Englisch
Autoren: Ralph Macchio, David Mandel
Format: Hardcover, 44 x 30 cm, 4,83 kg
Seitenzahl: 689 
Preis: 150 EUR 

Ausstellungseröffnung: André Butzer – Works from the Taschen Collection 2000–2021

Ich habe an dieser Stelle schon öfter Signierstunden und Ausstellungseröffnungen aus dem Hause TASCHEN angekündigt. Diese fanden bis dato aber so gut wie ausnahmslos in den Flagshipstores in Berlin und Köln statt. Ab dem 23. November gesellt sich ein weiter Ort hinzu, an dem Kulturinteressierte sich Werke zeitgenössischer Künstler zu Gemüte führen können. Dabei handelt es sich um nichts Geringeres als den Sitz des Verlags in Köln (Hohenzollernring 53, 50672 Köln). Hier wird Geschäftsführerin Marlene Taschen die erste verlagseigene Ausstellung mit dem Tiel „André Butzer Works from the Taschen Collection 2000–2021“ persönlich eröffnen.

Passend hierzu erscheint exklusiv eine beispiellose Monografie, die in enger Zusammenarbeit mit André Butzer entstanden ist: NO ONIX. Hier präsentiert der Künstler Zukunft und Ursprünge seiner Malerei. Vom „Science-Fiction-Expressionismus“ seines Frühwerks – mit wiederkehrenden Figuren, die sowohl im Weltall als auch in der europäischen Kultur zu Hause sind – bis hin zu den äußersten Grenzen der Abstraktion in seinen nur scheinbar schwarzen N-Bildern stellt sich Butzer als erfindungsreicher Meister der Farbe heraus, der in jedem seiner Gemälde einen Anfang sieht und sich mit der nationalsozialistischen Geschichte ebenso auseinander setzt wie mit Friedrich Hölderlin oder Walt Disney.

Ab dem 23. November kann man nun wöchentlich mit Voranmeldung von Dienstag bis Donnerstag (um 17 Uhr) die Räumlichkeiten des legendären Verlags betreten und die Werke auf sich wirken lassen.

Die Details zur Signierstunde:

Ausstellung - Link zur Anmeldung: André Butzer – Works from the Taschen Collection 2000–2021
Ort: TASCHEN (Hohenzollernring 53, 50672 Köln) 
Datum: 23.11.2021 - 27.01.2022
Uhrzeit: Mit Voranmeldung Dienstag bis Donnerstag um 17 Uhr

Die Details zum Band:

André Butzer: NO ONIX
Verlag: TASCHEN 
Sprache: Englisch
Format: Hardcover, 28 x 33,7 cm, 3,23 kg
Seitenzahl: 428 
Erscheint in limitierter Auflage zur Ausstellung

[Rezension] Hokusai. Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji (TASCHEN)

Es gibt Gemälde, die losgelöst von ihrem Entstehungskontext oder dem Vorwissen der Betrachter Assoziationen wecken und Fantasien beflügeln. Geht es noch einen Schritt weiter, exisiteren besagte Werke sogar im popkulturellen Gedächtnis. Dazu gehört definitiv „Die große Welle von Kanagawa“ von Katsushika Hokusai (1760-1849), die weltweit an Wänden, auf Postern, Merchandise-Artikeln und vielem mehr zu sehen ist. Diese Kunst-Ikone scheint allgegenwärtig zu sein und ist doch in ihrer Kontextualisierung für die meisten nicht greifbar. Wer kann sich bei dem Gedanken an das Motiv an die Fischerboote oder den Berg Fuji im Hintergrund erinnern?

Umso schöner ist der Umstand, dass der TASCHEN-Verlag sich der Serie an Farbholzschnitten mit dem Titel „Hokusai. Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji“ angenommen hat, um der Welt den Zusammenhang zwischen Künstler, Entstehung und Popularisierung der Motiv-Reihe, in der sich die besagte „große Welle“ befindet, näher zu bringen. Wobei zunächst geklärt werden sollte, warum der Berg Fuji so besonders ist und es kein Zufall war, als er 2013 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Neben der fast schon malerischen Pracht, genießt der Ort eine seit vielen Jahrhunderten mystische Anziehungskraft, von der zahllose Schreine und Legenden zeugen. So galt das Besteigen des Fuji im Buddhismus als Ausdruck des Tiefen Glaubens. Als ein solcher Ankerpunkt japanischer Tradition ist der Berg keine moderne Manifestation fernöstlicher Sehnsucht, sondern Teil der urtümlichen Identität dieses Landes. Das sieht man nicht zuletzt an der im vorliegenden Band präsentierten Bilderreihe, die zu einem Zeitpunkt angefertigt wurde, als Japan noch isoliert von der Außenwelt für sich sein konnte. Kein westlicher Einfluss trieb Hokuasi an, sondern die Nachfrage der lokalen Bevölkerung, die sich seine Bilder auch leisten konnte, wenn sie nicht zur höheren Schicht angehörte.

Revolutionär war die Anfertigung aber auch so. Schon zu Lebzeiten berühmt und gefragt, wagte sich Hokusai an eine für die damaligen Umstände ungewöhnliche Perspektive, indem er die dargestellten Menschen in den Hintergrund rückte und sie zum Beiwerk der Naturgewalten und Landschaften machte. Offensichtlich kam diese Herangehensweise so gut an, dass der Titel schlussendlich irreführend ist. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden nämlich ganze 46 Holzschnitte angefertigt, die allesamt in dem für TASCHEN typischen XXL-Band zu finden sind.

Um das Erlebnis beim Betrachten der beeindruckenden Werke außerdem noch authentischer zu Gestalten, hat es sich der Verlag erneut nicht nehmen lassen zur traditionell japanischen Fadenheftung zu greifen und die Bilder auf ungeschnittenem, einseitig bedruckten Papier abzubilden. Wer zum Beispiel schon „Hiroshige & Eisen. Die neundsechzig Stationen des Kisokaido“ (ebenfalls bei TASCHEN erschienen) zuhause stehen hat, weiß um die Besonderheit dieser Bindung.

Des Weiteren bleibt es nicht einfach nur beim Genuss von Meisterwerken, sondern man wird als Leser an die Hand genommen, um die Entstehung der einzelnen Holzschnitte zu verstehen, die Inhalte einzuordnen und bisweilen Variationen des gleichen Motivs zu erkennen. Dafür zuständig ist Herausgeber und Autor Andreas Marks, der ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Bonn studierte und der mit einer Dissertation in Japanologie zu Schauspielerdrucken des 19. Jahrhundert promoviert. Außerdem war Marks von 2008 bis 2013 Direktor und Chefkurator des Clark Center for Japanese Art im kalifornischen Hanford. Seit 2013 ist er Mary Griggs Burke Curator of Japanese and Korean Art, Leiter der Abteilung für japanische und koreanische Kunst sowie Direktor des Clark Center for Japanese Art am Minneapolis Institute of Art. In diesem Sinne kann man sich auf die detaillierte Ausführung eines wahren Experten verlassen.

Genau aufgrund dieser Kombination aus beeindruckender Gestaltung der Reproduktionen und einer elaborierten Aufbereitung von Hintergrundinformationen darf „Hokusai. Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji“ in keinem Regal eines Liebhabers japanischer Kunst fehlen.

Hokusai. Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji
Verlag: TASCHEN 
Mehrsprachige Ausgabe: Englisch, Deutsch, Französisch 
Autor: Andreas Marks
Format: Hardcover, 44 x 30 cm, 3,88 kg
Seitenzahl: 224 
Preis: 125 EUR 

[Rezension] Japan 1900 (TASCHEN)

Für viele Menschen, dabei insbesondere Europäer, ist Japan immer noch ein geheimnisvoller Ort am anderen Ende der Welt, der vertraut und doch so fremd wirkt. Als halbwegs kulturaffiner Mensch ist man oft mit den bekannten Exporten Nippons wie Manga, Tee und Sushi konfrontiert. Dabei entsteht das Bild eines Landes, welches oft mehr einer Fantasie, als der Realität entspricht. Die Gründe dafür liegen hierbei weiter in der Vergangenheit als man zunächst annehmen möchte. In der Regierungszeit des Kaisers Meiji (1867-1912) öffnete Japan nach einer zweihundertjährigen Isolation 1868 seine Tore zur Welt und erlaubte damit einen Blick in eine Gesellschaft, die sich losgelöst von politischen und eurozentrischen Trends entwickelte und damit per se ab diesem Punkt ein Faszinosum bildete. In die goldene Zeit des Reisens fallend, gab es nun plötzlich einen Ort, den man ab 1869 in nur 40 Tagen durch den Suez-Kanal oder ab 1900 in nur 17 Tagen durch die transsibirische Eisenbahn erreichen konnte. Man bedenke, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine Reise von über einem Jahr eingeplant werden musste, um an dieses Ziel zu kommen. In dem Sinne gleich mehrere Zufälle, die sich zeitlich überlappten und in ihrer Kombination anfingen das Bild Japans zu formen, welches wir bis zu einem gewissen Grad auch heute in uns tragen.

© Former Collection Marc Walter/Photovintage France; Berg Fuji von Suzukawa aus gesehen (1895)

Eben diesem Zeitraum widmet sich der brandneue Prachtband Japan 1900 von TASCHEN, der mit knapp 5,8 kg und einem Umfang von 536 Seiten die unfassbare Masse von mehr als 700 Vintage-Fotografien beinhaltet, die ursprünglich in schwarz-weiß aufgenommen und nachträglich im sogenannten Photochromdruck-Verfahren eingefärbt wurden. Wie schon bei Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe und weiteren Veröffentlichungen in dem Stil, sorgt die Färbung dafür, dass die präsentierten Bilder weniger entrückt erscheinen und trotz eindeutiger Stilisierung mehr in der Realtät verankert wirken. Nach wie vor muss man sich fast schon kneifen, wenn man Aufnahmen aus den 1880ern sieht und sich bewusst macht, dass hier die Welt vor 140 Jahren abgedruckt wurde.

© Former Collection Marc Walter/Photovintage France; Yokohama, Kirschblütenbäume bei Nogeyama, Kusakabe Kimbei (1890)

Dabei beschränken sich die beiden Autoren Sebastian Dobson und Sabine Arqué nicht auf die simple Präsentation von Ansichten aus der Meiji-Zeit, sondern ordnen die Bilder thematisch in Kapiteln und aufschlussreichen Kommentaren so ein, dass man gefühlt wie durch einen Reiseführer aus vergangenen Zeiten blättern kann und Sehnsucht nach einem Ort entwickelt, der in dieser Form nicht mehr existiert. Das liegt mitunter an der Tatsache, dass der Westen zu dem Zeitpunkt nur langsam durch Touristen, wirtschaftliche Verflechtungen und politische Öffnung in das Kaiserreich einsickerte. Dadurch erhält man einen Blick auf eine vorindustrielle Nation, die insbesondere im Kontrast zu rauchenden Schornsteinen, Akkordarbeit und aufkommenden Klassenkämpfen geradezu beruhigend wirkt. Natürlich werden bei Fotografien, die primär für den Reisesektor angefertigt wurden die Schattenseiten entweder ausgeblendet oder in einen romantisierenden Rahmen eingehegt. So werden schweißtreibende Feldarbeit und Prostitution sicherlich nicht dem ländlichen Charme bzw. dem edlen Look entsprochen haben, der einem in diesem Buch begegnet. Das gilt auch für quasi anthropologische Abbildungen der Ainu, die indigenen Ureinwohner Japans, die im Laufe der Zeit bis auf die nördliche Insel Hokkaidō zurückgedrängt wurden. Nicht zu vergessen sind auch die erste Schritte auf dem Weg zur Imperialmacht, die sich fast in einer Zwangsläufigkeit durch die Öffnung gen Westen ergaben. Gut zu erkennen an zusätzlich abgebildetem Material wie Postkarten, Speisekarten, Gepäcketiketten und vielem mehr. So erschließt sich aus der Betrachtung nicht zwangsläufig die Tragik hinter den Abbildungen. Dafür helfen entsprechend die erwähnten Texte dabei Hintergründe zu erforschen und historische Zusammenhänge zu begreifen. So kann man ästhetisch atemberaubenden Landschaften, exotische Kleidung und alte Traditionen aufnehmen, ohne Gefahr zu laufen einer Verklärung aufzusitzen.

© Former Collection Marc Walter/Photovintage France; Sumo-Kämpfer beim Ekōin Tempel, vermutlich von Adolfo Farsari (1841–98) (1886)

Nichtsdestotrotz handelt es sich primär um einen westlichen Blick auf das Japan jener Zeit, der viel von Inszenierung und einem fast unwirklichen Idyll geprägt ist. Das haben die Ersteller der Fotografien jedoch auch nie zu kaschieren versucht und präsentieren in dem Sinne ein Wunschbild, welches noch so weit in der Realität verankert ist, dass es dem Fernweh keinen Abbruch tut. So kann man sich Seite für Seite auf eine Reise von Nagasaki, über die Insel Miyajima, bis hin nach Tokio und Hokkaidō machen und dabei unterwegs noch viel mehr entdecken.

In diesem Sinne ist Japan 1900 die optimale Anschaffung für all jene, die regelmäßig Fernweh haben, sich für Vintage-Fotografie in edler Aufmachung begeistern können und alle, die gerne einen vermeintlich direkten Blick auf die Vergangenheit werfen wollen.

Japan 1900
Verlag: TASCHEN 
Mehrsprachige Ausgabe: Englisch, Deutsch, Französisch 
Autoren: Sebastian Dobson, Sabine Arqué
Format: Hardcover, 29 x 39,5 cm, 5,80 kg
Seitenzahl: 536 
Preis: 150 EUR 

Signierstunde in Köln: Depeche Mode by Anton Corbijn

Lange mussten wir auf die beliebten Signierstunden in den TASCHEN Stores Köln und Berlin verzichten, doch nun reihen sie sich gefühlt aneinander und erfreuen Fans der aktuellen Veröffentlichungen aus dem Verlag. Dazu gehört auch Depeche Mode by Anton Corbijn. Der im Titel erwähnte niederländische Fotograf konzipierte das Buch in enger Zusammenarbeit mit den legendären Depeche Mode und gibt darin Einblick in über 500 oft unveröffentliche Aufnahmen, die handschriftlich erläutert und mit einem Interview abgerundet werden. Es finden sich hierbei nicht nur offizielle und private Bandporträts, sondern auch viele Fotos von Dreharbeiten zu ikonischen Musikvideos, spontane Schnappschüsse und Live-Aufnahmen von allen Tourneen seit 1988.

Dieses Gesamtwerk zeigt dabei deutlich den Einfluss des Fotografen auf die Band auf und unterstreicht eine der kreativsten und beständigsten Kollaborationen der Musikgeschichte. Nicht ohne Grund wurde Corbijn namentlich erwähnt, als Depeche Mode im Jahr 2020 in die Rock’n’Roll Hall of Fame eingeführt wurden. Sein Wirken kann garnicht hoch genug angesetzt werden und wird mit diesem ursprünglich als Collector’s Edition veröffentlichtem Band untermauert.

Nun kann man sich am Donnerstag, dem 7. Oktober, von 18 bis 19 Uhr im Kölner Store (Neumarkt 3, 50667 Köln) sein Buch Depeche Mode by Anton Corbijn persönlich mit einer Widmung veredeln lassen. Bitte beachtet, dass die Veranstaltung gemäß der aktuell geltenden Corona-Schutzverordnung durchgeführt wird. Der Zugang kann nur mit den 3G (geimpft – genesen – getestet) erfolgen. Bitte denkt an euren Nachweis.

Die Details zur Signierstunde:

Signierstunde: Depeche Mode by Anton Corbijn
Ort: TASCHEN Flagshipstore Köln (Neumarkt 3, 50667 Köln)
Datum: 07.10.2021
Uhrzeit: 18 bis 19 Uhr

Die Details zum Band:

Depeche Mode by Anton Corbijn
Verlag: TASCHEN 
Mehrsprachige Ausgabe: Englisch, Deutsch, Französisch 
Fotograf: Anton Corbijn
Herausgeber: Reuel Golden
Format: Hardcover, 24,3 x 34 cm, 3,69 kg 
Seitenzahl: 512 
Preis: 100 EUR 

Signierstunde in Köln: TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher’s Private Collection

Der legendäre Henk Schiffmacher signiert am Dienstag, 31. August, von 18 bis 19 Uhr sein Buch TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher’s Private Collection im Kölner TASCHEN Store (Neumarkt 3, 50667 Köln).

Der große Tätowierkünstler und Historiker nimmt den Leser mit seinem Band mit auf seine ganz persönliche Reise durch 200 Jahre Tattoo-Geschichte von den 1730er bis in die 1970er Jahre. Dieser voluminöse Band zeigt atemberaubende Zeichnungen, Designs, Fotos sowie Artefakte aus aller Welt und vereint das Beste aus Schiffmachers renommierter Privatsammlung mit aufschlussreichen, persönlichen Kommentaren des beliebtesten Tätowierers und Philosophen seiner Kunst. Meine detaillierte Besprechung zu dem Titel könnt ihr hier nachlesen.

© Rudi Huisman

Bitte beachtet, dass die Veranstaltung gemäß der aktuell geltenden Corona-Schutzverordnung durchgeführt wird. Der Zugang kann nur mit den 3G (geimpft – genesen – getestet) erfolgen. Bitte denkt an euren Nachweis.

Die Details zur Signierstunde:

Signierstunde: TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher’s Private Collection
Ort: TASCHEN Flagshipstore Köln(Neumarkt 3, 50667 Köln) 
Datum: 31.08.2021 
Uhrzeit: 18 bis 19 Uhr

Die Details zum Band:

TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher's Private Collection
Verlag: TASCHEN 
Mehrsprachige Ausgabe: Englisch, Deutsch, Französisch 
Autor: Henk Schiffmacher
Herausgeberin: Noel Daniel 
Format: Hardcover, 29 x 38,8 cm, 6,13 kg 
Seitenzahl: 440 
Preis: 125 EUR 

TASCHEN-Sale mit bis zu 75% Rabatt auf Display-Bücher

Corona verliert langsam aber sicher seinen Schrecken. Die Impfquote steigt, erste kulturelle Veranstaltungen finden statt und man sieht weitere Lockerungen am Horizont. Bis es jedoch zu einer kompletten „Normalisierung“ der Verhältnisse kommt, bietet sich wie immer die Welt der Kunst an, um sich einen kleinen Vorgeschmack auf das was kommt zu sichern. Dabei kann, wie schon in den vielen Jahren zuvor, der TASCHEN-Verlag besondere Abhilfe schaffen.

TASCHEN Store Berlin

TASCHEN bietet vom Mittwoch dem 07. bis einschließlich Samstag dem 10. Juli einen Sale mit vielen Preisnachlässen von bis zu 75% auf Ansichts- und Mängelexemplare an. Hierbei bleibt thematisch kein Wunsch unerfüllt: Kunst, Architektur, Design, Grafik, Film, Fotografie, Mode, Reise, Popkultur und Sex – allesamt Felder, die abgedeckt und nun erneut erschwinglich sind. Viele der Titel habe ich schon auf ZOMBIACblog besprochen. Gebt einfach den Verlagsnamen in die Suchleiste ein und macht euch selbst ein Bild von der gigantischen Auswahl.

TASCHEN Store Köln

Natürlich könnt ihr dabei wie gewohnt die Website von TASCHEN (www.taschen.com) aufsuchen, aber da die besagte Normalität zumindest schon Teile des Einzelhandels erreicht hat, könnt ihr auch persönlich einen Abstecher zu den TASCHEN-Stores in Berlin (Schlüterstr. 39, 10629 Berlin) und Köln (Neumarkt 3, 50667 Köln) machen und euch durch die gigantische Auswahl des Verlags wühlen.

Signierstunde und Gewinnspiel: Walton Ford. Pancha Tantra

Nach langer Zeit ist es nun endlich möglich eine persönliche Widmung von einem Künstler aus dem TASCHEN-Sortiment zu bekommen. Am kommendem Mittwoch, dem 16. Juni signiert nämlich der amerikanische Künstler Walton Ford sein in einer erweiterten Fassung erschienenes Buch „Pancha Tantra“ im Berliner TASCHEN Store (Schlüterstr. 39., 10629 Berlin).

Unter Einhaltung der allgemein bekannten AHA-Regeln kann man sich dort von 18 bis 19 Uhr Fords Œuvre (nun mit 40 neuen Werken, 120 zusätzlichen Seiten und einem aktuellen Essay des Künstlers) mit einer Unterschrift veredeln lassen. Dabei ist auch eine Anschaffung des Bands unabhängig von einer Reise in die Hauptstadt lohnenswert. Hat man bei einem ersten Blick auf die großformatigen, detailreichen Tieraquarellen zunächst Drucke besagter Motive aus dem 19. Jahrhundert vor Augen, erschließt sich bei einer genaueren Betrachtung ein komplexes und beunruhigend anthropomorphes Univesum voller Symbolik, hintergründigem Humor und Anspielungen auf die „Opernhaftigkeit“ traditioneller Naturkunde.

Die Details zur Signierstunde:

Signierstunde: Walton Ford. Pancha Tantra
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin) 
Datum: 16.06.2021 
Uhrzeit: 18 bis 19 Uhr

Die Details zum Band:

Walton Ford. Pancha Tantra. Updated Edition
Verlag: TASCHEN 
Künstler: Walton Ford
Autor: Bill Buford
Format: Hardcover, 28 x 37,4 cm, 3,89 kg
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Seitenzahl: 424 
Preis: 60 EUR 

Um diese aktalisierte Veröffentlichung zu zelebrieren und euch die Möglichkeit zu geben persönlich einen Blick in „Pancha Tantra“ zu werfen, verlose ich hier zusätzlich ein Exemplar dieses Buchs im XL-Format im Wert von 60 EUR. Das einzige was ihr dafür tun müsst, ist einem (oder mehreren) meiner Social Media-Kanäle zu folgen und ein Like unter dem entsprechenden Beitrag zu hinterlassen. Hier die Details:

Der Beitrag auf Facebook, Twitter und Instagram.

Teilnahmebedingungen

  1. Teilnahmeberechtigte

Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.

Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen. Ausgeschlossen sind darüber hinaus Personen, die willkürlich an Gewinnspielen teilnehmen (erkennbar an der Social Media-Timeline) und damit die Chance von an Kunst interessierten Lesern schmälern.

  1. Teilnahmemöglichkeiten

Eine Teilnahme ist nur über Facebook, Twitter und Instagram möglich, indem ein Follow bei den Social Media-Accounts von ZOMBIAC gesetzt und der jeweilige Beitrag zum Gewinnspiel mit einem Like versehen wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook, Twitter oder Instagram.

  1. Teilnahmeschluss

Teilnahmeschluss ist der 18.06.2021 um 18:59 Uhr.

  1. Gewinnermittlung

Der Gewinner wird per Los ermittelt.

  1. Art der Gewinnbenachrichtigung

Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Nachricht schriftlich kontaktiert.

  1. Veröffentlichung der Gewinner

Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form veröffentlicht.

  1. Der Rechtsweg

Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

TASCHEN-Präsentation in Berlin: GIO PONTI

Anlässlich des Charlottenwalks, eines Galerienrundgangs in Charlottenburg-Wilmersdorf (Berlin), präsentieren TASCHEN in ihrem Berliner Store (Schlüterstr. 39, 10629 Berlin) am Samstag, dem 19. Juni, von 12 bis 18 Uhr die auf 1.000 Exemplare limitierte Art Edition von GIO PONTI. Dieses Buch beinhaltet bis dato unveröffentlichtes Bildmaterial zum italienischen Star-Architekten, Designer und Architektur-Professors, welches in enger Zusammenarbeit mit dem Gio-Ponti-Archiv zusammengetragen wurden.

Dieser neue Band führt den Leser durch sechs Jahrzehnte von Pontis Schaffen und wird neben der offensichtlichen Qualität auch in Sachen Quantität (572 Seiten, 36×36 cm, 5,67kg) dem Namen Ponti gerecht, da mit diesem Buch die umfassendste Darstellung seiner Arbeit vorliegt. 136 seiner Projekte werden detailliert vorgestellt und mit hochauflösenden Abbildungen reproduziert. Hinzu kommen zahlreiche Bilder und Fotografien, die der Öffentlichkeit bis dato unbekannt waren.

Doch auch abseits des eigentlichen Inhalts ist dieses rare Sammlerstück eine Bereicherung für jeden Sammler und Fan. So besteht diese Art Edition nicht nur aus einem Buch, sondern wird mit einem Tisch und vier Prints geliefert. Der Arlecchino-Gitter-Couchtisch ist dabei nicht einfach nur eine Präsentationsfläche, sondern gilt als ikonisches Design Pontis, welches an den malerischen Ansatz der De-Stijl-Künstler Piet Mondrian und Theo van Doesburg angelehnt ist und aus jedem Blickwinkel eine neue Farbkombination präsentiert. Kenner wissen natürlich, dass er üblicherweise in einer runden Version zu finden ist. Der Verlag hat sich jedoch, zurecht mit Stolz, dazu entschlossen das ursprüngliche quadratische Format neu aufzulegen, welches 1954 für Pontis Villa Planchart produziert wurde.

Die vier nummerierten Ocean-Liner-Interior-Prints beruhen auf Zeichnungen von Ponti aus den Jahren 1948-49. Die Originale werden heute im CSAC aufbewahrt, einer Einrichtung an der Universität Parma. Diese wertvollen Arbeiten entstanden im Rahmen einer Ausschreibung für die Innenausstattung der Ozeandampfer Conte Grande und Conte Biancamano. Sie zeugen von Pontis Idee, für diese Schiffe unterschiedliche Räume mit jeweils völlig eigenständigem Design zu kreiieren, um die elegante und kontemplative Atmosphäre während einer Luxuskreuzfahrt perfekt zu begleiten.

Doch auf Fans des italienischen Meisters, die gerade nicht die finanziellen Ressourcen haben, um eines der begehrten Art Editions zu erwerben müssen nicht auf ein exklusives Stück aus dem Hause TASCHEN verzichten. Die reguläre Ausgabe des Bandes wird nämlich parallel als „Famous First Edition“ in einer nummerierten Erstauflage von 4.000 Exemplaren veröffentlicht.

Wer nun persönlich einen Blick auf die Veröffentlichung werfen möchte, dem sei der Besuch des Berliner TASCHEN-Stores am 19 Juni ans Herz gelegt.

Hier nochmal die Details:

Präsentation: GIO PONTI
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin) 
Datum: 19.06.2021 
Uhrzeit: 12 bis 18 Uhr

[Rezension] Das Star Wars Archiv. 1999–2005 (TASCHEN)

Wer sich nur im Ansatz mit dem Fandom um Star Wars beschäftigt, weiß um den schweren Stand der Prequel-Trilogie, die viele als seelenloses CGI-Spektakel verschreien, welches nicht im Ansatz an das Original heranreicht. Trotzdem muss hier eine Lanze für die Episoden I bis III gebrochen werden, die für eine ganze Generation als Einstieg in die Abenteuer „[…] in einer weit, weit entfernten Galaxis“ fungiert haben. Als neunjähriger habe ich im Kino mit großen Augen dem Podracer-Rennen zugesehen, über die Slapstick-Einlagen von Jar Jar Binks gelacht und bei dem finalen Laserschwertkampf zwischen Obi Wan, Qui Gon und dem düsteren Darth Maul mitgefiebert. Damals konnte es mir nicht gleichgültiger sein, dass Fans der ersten Stunde die einen Dinge vermisst und die anderen verflucht haben. Ich war gebannt und als Teenager bei den beiden Fortsetzungen schon am ersten Kino-Tag im Saal, um die Vorgeschichte der Star Wars-Saga geradezu zu inhalieren.

Ich kann garantieren, dass es nicht nur mir so ging. Millionen junger Leute haben erst durch diese Neuauflage Interesse daran bekommen die alten Streifen aus den 70ern bzw. 80ern anzusehen und damit den Kreis dieser Geschichte zu schließen. Umso mehr freut es mich, dass TASCHEN nach ihrem gigantischen Werk zur ursprünglichen Trilogie nun auch der Vorgeschichte einen eigenen XXL-Band spendiert hat. Zwar war ich mir fast schon sicher, dass diese Fortsetzung kommen würde, aber die Angst, dass Puristen reinreden und das Projekt verhindern würden war bei mir durchaus gegeben. Nun ist aber Das Star Wars Archiv. 1999–2005 in deutscher Sprache erschienen und wie schon beim Erstling sind Sorgen um einen aufgewärmten Kaffee vollkommen unbegründet.

Man kann davon ausgehen, dass Fans, die 150€ für ein Buch in die Hand nehmen (trotz mehr als gegebenem Preis-Leistungs-Verhältnis) mit allergrößter Sicherheit schon alles an relevanter Sekundärliteratur und Nischenprodukten in ihrem Regal stehen haben, um ihr Bedürfnis nach Informationen zu Jedis, Siths, der Rebellion und dem Imperium zu befriedigen. Doch wie schon zuvor haben TASCHEN es mit Leichtigkeit geschafft hier gefühlt die Bibel zu Star Wars zu publizieren, während „vergleichbare“ Bände sowohl haptisch als auch inhaltlich geradezu verblassen. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass hier die seit Jahrzehnten florierende Fanfiction zelebriert wird, die erklärt wie bestimmte Raumschiffe fliegen und woher die Jedi welche Kräfte bekommen. Hier geht es einzig und allein um das Filmprodukt, welches in seiner Größe und Tragweite vermutlich gleich mehrere dicke Schinken füllen könnte. Der Inhalt ist dabei, wie kurz angedeutet, auf keinen Fall schon bekanntes oder nur neu verpacktes Material. Denn neben den bekannten Shots und Promo-Bildern gibt es hier überwiegend unbekannte Drehbuchseiten, Konzeptentwürfe, Storyboards und Fotos von den Sets, die durch Fußnoten in einen Kontext gesetzt werden und dadurch zu einem Verständnis für den Prozess beitragen. Dieser besteht dabei aus deutlich mehr als ein paar Schauspielern, die vor einem Bluescreen mit der Luft reden, wie es diesen Filmen gerne angedichtet wird. Zwar macht George Lucas in dem Band kein Geheimnis aus seiner Affinität zur digitalen Technik, die er bei vorangeschrittener Entwicklung und einem entsprechenden Budget mit aller Sicherheit auch in seinen ersten Streifen verwendet hätte, aber Fans werden sicher überrascht sein wie viel praktisch hergestellt wurde. Zahlreiche Sets, bei denen man hätte schwören können, dass nichts reales auf der Leinwand zu sehen ist, basieren verdammt oft auf kunstvoller Handarbeit und unfassbar langer Vorbereitung.

Doch bevor es ans Eingemachte mit der Einführung des jungen Ben Kenobi und des noch unschuldigen Anakin Skywalker geht, wird überraschenderweise zunächst die Lücke zwischen den beiden Trilogien geschlossen, in der die nicht minder kontroversen Special Editions der Episoden IV bis VI veröffentlicht wurden. Schon hier zeichnete sich ab, was George Lucas nur wenige Jahre später auf Fans und diejenigen, die es noch werden sollten loslassen wollte. Stichworte wären ungewöhnliche Kameras, Bluescreen, etc. Deutlich wird das Ganze in jedem der vier Kapitel (eins pro Film bzw. eins gebündelt für die Special Editions) durch die eingestreuten Aussagen der Beteiligten, von denen sich nur das Gespräch zwischen dem Autoren Paul Duncan (Das Star Wars Archiv. 1977-1938, The Charlie Chaplin Archives, The James Bond Archives) und Regisseur Lucas wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Es hat in dem Sinne etwas von einem Audiokommentar. Die anderen Mitarbeiter werden thematisch platziert und vertiefen die Entwicklungsstufen, wie es schon im Vorgängerband der Fall gewesen ist. Es kommen dabei entsprechend des kreativen und technischen Aufwands primär Menschen zu Wort, die hinter den Kulissen dieses gewaltige Universum aus dem nichts gestampft haben. Dazu gehören bekannte Namen wie Rick McCallum (Produzent), Doug Chiang (Illustrator und SFX-Supervisor), Ryan Church (Konzeptzeichner) oder Ben Burtt (Technik und Sounddesign). Die Schauspieler dürfen zwar selbstverständlich nicht fehlen, nehmen aber entsprechend der Stoßrichtung des Bandes keinen zentralen Standpunkt ein. Was wiederum nicht heißt, dass man keine neuen Erkenntnisse aus ihren Gedanken zur Darstellung ihrer Figuren ziehen kann.

Während man nun den Gedankengängen der Beteiligten folgt, wird ersichtlich wie genau George Lucas wusste wohin die Reise gehen würde. Natürlich stand nicht schon in den 80ern ein genauer Plot fest, der nur noch in ein Drehbuch gegossen werden musste, aber die Figuren und ihre Hintergründe hatten schon so viel Tiefe, dass die Erzählung des Ursprungs geradezu unvermeidbar wirkt. Umso spannender ist es zu sehen wie alte Ideen zur Realität wurden, gänzlich neue Ansätze entstanden und zusammen in einer Symbiose aufgingen, die wir später als Prequel-Trilogie kennenlernen sollten. Zwar muss man sich ein wenig an den sprunghaften Charakter der Erzählung gewöhnen (es ist wirklich mehr ein schriftlicher Audiokommentar als eine chronologische Abfassung), aber da man Das Star Wars Archiv. 1999–2005 auch locker unter dem Begriff „Sachbuch“ einordnen kann, lädt es ohnehin mehr dazu ein bestimmte Aspekte zum Film nachzuschlagen, als es in einem Rutsch durchzulesen.

Was man dabei vor allem, insbesondere infolge des zeitlichen Abstands mitnimmt, ist der revolutionäre Aspekt dieser Filme. Ausgestattet mit dem nötigen Budget, Kontakten und einer Vision hat George Lucas schon in den 90ern gewusst, dass das Kino der Zukunft digital und die richtige Kombination aus praktischen und künstlichen Effekten eines Tages zum Standard werden würde. Damals noch mit Skepsis begegnet, kann man heutzutage davon sprechen, dass Türen für Kreative in der Branche aufgestoßen wurden, die nun den Look und Feel des modernen Films bestimmen. Als Kind habe ich mir nichts bei der Schlacht der Gungans gegen die Droidenarmee gedacht, und den eindeutig digitalen Look von Episode II und III schulterzuckend akzeptiert. Nun zu lesen welche gigantischen Evolutionsschritte diese Filme ausgelöst haben, lässt mich die Trilogie mit einem anderen und vor allem verständnisvolleren Blick betrachten und inspiriert mich in absehbarer Zeit wieder die verstaubten BluRays erneut einzulegen.

Alles in allem muss man TASCHEN dafür danken, dass sie mit Das Star Wars Archiv. 1999–2005 ein Buch herausgebracht haben, welches im Endeffekt die Kernelemente der zahlreichen Making Of-Bände und Begleitpublikationen kombiniert und damit das ultimative Nachschlagewerk darstellt, wenn man sich primär für den Film als Kunstwerk interessiert. Es sei hierbei garantiert, dass man kein inhaltlich tieferes und äußerlich opulenteres Werk findet. In dem Zusammenhang darf man nur darauf hoffen, dass weitere Veröffentlichungen in Planung sind. mit den Sequels, Spin-Offs und Serien sollte zumindest mehr als genug Stoff vorhanden sein.

Das Star Wars Archiv. 1999-2005
Verlag: TASCHEN 
Autor: Paul Duncan
Format: Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 6,90 kg
Seitenzahl: 600 
Preis: 150 EUR