Spider-Man: Erstaunliche Abenteuer – Die Spider-Man Anthologie

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Inzwischen kann ich glaub ich nicht mehr mitzählen, wie viele Bände Panini Comics neu aufgelegt hat, um entweder eine bestimmte Ära oder die gesamte Entwicklung eines Charakters nachzuzeichnen. So finden wir neben den Marvel Klassikern auch zahlreiche Anthologien, die sich zwar in der DCSparte öfter lokalisieren lassen, der aber mit Deadpool auch in der Heimat der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft ein Einstand gelungen ist.

Nun ist eben Spider-Man an der Reihe, dessen ikonenhafte Stellung zum einen keine andere Wahl zulässt, als seine Abenteuer Revue passieren zu lassen und zum anderen mit dem neuesten Kino-Hit Spider-Man: Homecoming eine perfekte Gelegenheit gekommen ist, eine neue Generation an Fans an die Figur heranzuführen. Mit Spider-Man: Erstaunliche Abenteuer – Die Spider-Man Anthologie verzichtet der Verlag dabei glücklicherweise auf einen unnötigen Aufguss von alten Geschichten, die nur aufgrund ihres Alters repräsentativ für ein Jahrzehnt sind, sondern bietet primär neuen Lesern einschneidende Storys, die das Franchise real vorangetrieben haben und zeitgleich einen guten Überblick bezüglich des veränderten Erzählstils und der verschiedenen Zeichner verschaffen.

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©Panini Comics

Wie zu erwarten, beginnt die Sammlung mit Spideys erstem Auftritt in Amazing Fantasy #15 aus dem Jahre 1962 und bewegt sich in schnellen Schritten durch die Jahrzehnte bis in die Gegenwart. Dabei gibt es einen Rundumschlag in Sachen „legendäre Gegenspieler“. Gleich in Amazing Spider-Man #2 gibt es eine erste Begegnung mit dem Geier, dessen Neu-Interpretation aktuell die Kino-Leinwände unsicher macht. Nicht fehlen dürfen auch Feinde wie der grüne Kobold, der Vampir Morbius oder Venom, die allesamt im klassischen Look über die Seiten wüten und dabei ein wohlig nostalgisches Gefühl nach sich ziehen.

Auch bezüglich Ereignisse, die die Welt von Peter Parker aka Spider-Man nachhaltig auf den Kopf stellten, wird geklotzt. So finden wir Spideys Abkehr vom Superhelden-Geschäft und allem was damit zusammenhängt, die Hefte, in denen er mit sechs Armen seinem Namensvetter noch ähnlicher wird oder die Hochzeit mit seiner Langzeit-Liebe Mary-Jane.

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©Panini Comics

Eine besondere Perle, deren Veröffentlichung in dem Band mich besonders freut, ist die Geschichte „Das lange Gespräch„, welche nur aus einem Dialog zwischen Peter und seiner Tante May besteht, die sein Geheimnis herausgefunden hat. Eine Erzählung, die einfühlsam, emotional und erstaunlich reif daher kommt und damit gleichzeitig unter Beweis stellt, dass Figuren wie Spider-Man auch ohne Action funktionieren und ihre über Dekaden anhaltende Popularität auf einer soliden Basis und keinem Trend beruht.

In diesem Sinne schließt sich auch der Kreis dieses „Best-Of„, welches sich zwar wie schon erwähnt primär an Einsteiger richtet, aber durchaus eine Investition für Fans sein kann, wenn sie die erwähnten Hefte nicht schon längst im Regal stehen haben. Ich für meinen Teil war von der Zusammenstellung positiv überrascht und habe mich neben den eigentlichen Geschichten, auch über die einleitenden Worte gefreut, die jeder Story voraus gehen und diese entsprechend historisch als auch erzählerisch einordnen. Daher kann ich als jemand, der solchen Kollektionen eher skeptisch gegenüber steht, auch ohne schlechtes Gewissen eine klare Empfehlung aussprechen.

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©Panini Comics

Marvel Klassiker: X-Men

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Ihr werdet sicherlich mitbekommen haben, dass mir zumindest in Bezug auf die letzten Neuveröffentlichungen von sogenannten „Klassikern“ das Rezensieren so einiges an Bauchschmerzen bereitet hat. Dabei beziehe ich mich aber strikt auf die Storys der 90er, die es mit wenigen Ausnahmen geschafft haben, sich so sehr in eine bestimmte Richtung zu manövrieren, dass es einem vor Fremdscham die Zehennägel hochzieht. Im Mainstream ist das schwermütig-düstere der 80er, Pseudophilosophie und künstlich erzeugtem Pathos gewichen.

Nach diesen Erfahrungen, die ich zum Glück erst in einer Generation machen musste, die gelernt hat was Anspruch in Comics bedeutet, war mir tatsächlich etwas mulmig zumute, als der vorliegende Band „Marvel Klassiker: X-Men“ in meinem Briefkasten lag. Sollte ich mich etwa wieder durch hanebüchene Dialoge und Logik-Brüche ackern? Eins vorweg und ich glaube es hat tatsächlich was mit der Entstehungszeit der abgedruckten Geschichten zu tun: Nein, ich wurde verschont!

Panini Comics hat schon vor geraumer Zeit mit den „Avengers“ und den „Fantastic Four“ vorgelegt und die Weichen für weitere Veröffentlichungen aus der Entstehungszeit der Marvel-Helden gelegt. Nun habe ich das erste Mal die Möglichkeit gehabt, selbst Hand an eins dieser „historischen“ Werke zu legen. Dabei konnte ich auf eine kleine Zeitreise gehen, die mit der ersten Ausgabe um das Mutanten-Team im Jahre 1963 begann und mit dem tragischen Ende der Jean Grey im Jahr 1980 endete. Und eins kann ich euch sagen – es hat sich allemal gelohnt.

Während Jahrzehnte später die Anbiederung an bestimmte Leserschichten seltsame Blüten trieb, war in den 60er scheinbar noch alles in Ordnung. Comics sollten primär Kinder ansprechen, ihre Figuren waren sowohl optisch als auch vom Charakter her klar definiert und Gut konnte von Böse auf den ersten Blick unterschieden werden. Das entsprach zwar ganz dem Klischee, welches den bunten Bildchen noch eine lange Zeit nachhängen sollte, aber man bemühte sich gar nicht erst so zu tun, als wäre es etwas anderes als leichte Unterhaltung. Das macht die Handlung und die Figuren in erster Linie authentisch und bis zu einem gewissen Grad auch durch die stark ausgeprägte Naivität sehr unterhaltsam. Neu eingeführte Figuren wurden in wenigen Panels eingeführt und sofort eingegliedert. Kämpfe mussten in abwegigster Weise durchgejagt und zwangläufig für die Hauptfiguren entschieden werden. Selbstverständlich konnte man darüber hinaus die Hefte einzeln genießen, ohne einer Kontinuität folgen zu müssen.

Damit die Leser jedoch weiterhin dabei bleiben, mussten natürlich immer wieder besondere Ideen eingestreut werden, um die Reihe interessant zu halten. Das war vor allem durch verlagsinterne Konkurrenz durchaus schwierig. So gab es ja schon durch die „Rächer“ (die späteren „Avengers“) und die „Fantastischen Vier“ zwei Teams mit übernatürlichen Kräften, die sich fest in der Comic-Landschaft etablieren konnten. Vermutlich um die Leser der einen Serie an die andere heranzuführen, gab es gleich in der neunten Ausgabe ein (auch in dem aktuellen Band zu findendes) Crossover zwischen den eben erwähnten Recken um Thor, Iron-Man und Co. und den Teenager-Mutanten, welches zwar nicht mehr von Lee und Kirby umgesetzt wurde, aber immer noch von der unbekümmerten Art der 60er zehrte.

Offensichtlich änderte sich der Zeitgeist und die Fans konnten im Laufe der Jahre immer weniger mit den Figuren anfangen. Um diesen Prozess zu stoppen, holte Marvel den legendären Neal Adams als Zeichner an Bord, der mit seinem realistischen und unverkennbaren Strich, sich vor allem bei DC ein Denkmal setzen konnte. Der ihm zur Seite gestellte Autor war Roy Thomas, der mit „Conan der Barbar“ seinen Ruf festigen konnte. Außerdem ist er für die vor einiger Zeit bei TASCHEN erschienene Verlagsgeschichte „75 Years of Marvel Comics“ zuständig gewesen, welche beim letzten Münchner „Peng-Preis“ in der Kategorie „Beste Comic-Sekundärliteratur“ abräumen konnte. Leider nutzte all die geballte Kreativität nichts und schon im Jahr 1970 wurden die „X-Men“ zu Grabe getragen.

Dachte man zunächst, dass es sich um eine dieser Reihen handelt, die eine kurze Hoch-Phase erreichen und dann in der Bedeutungslosigkeit versinken, wurde man eines besseren belehrt. Fünf Jahre nach ihrem vermeintlichen Ende feierte die Serie mit „Giant Size X-Men 1“ ihre Wiedergeburt, der auch auf dem Cover der vorliegenden Neuauflage Tribut gezollt wird. Hier wurde das gestartet, was wir heute noch in unzähligen Comics und Kino-Filmen wiederfinden: Die zweite Generation der Mutanten, ohne die das ganze Konzept nicht mehr funktionieren würde. Wolverine, Storm, Collossus u.a. sind fester Bestandteil der Popkultur geworden und begegnen uns auch Jahrzehnte später.

Neu belebt wurde daraufhin das Projekt vom legendären Chris Claremont, der in den darauf folgenden 16 Jahren als Autor das Steuer übernahm. Dabei standen ihm wechselnde Zeichner zur Seite. So zum Beispiel Chris Byrne mit dem die „Dark Phoenix“-Saga verwirklicht wurde, die mit dem Erscheinungsjahr 1980 den Schluss des vorliegenden „Klassiker“-Bandes bildet. Eine kleine Revolution, bei der ein geliebter Charakter sterben musste um die Spielregeln der Comic-Erzählung neu aufzustellen und ein perfektes Ende dieser kleinen Odyssey einzuläuten.

Als Fazit kann ich ziehen, dass eine schöne Übersicht zu den einzelnen Entwicklungsschritten der Reihe geboten wird, die wie bei allen Sammelbänden dieser Art sowohl aufgrund der Unternehmenspolitik als auch des Platzaufwandes auf die „Filetstücke“ in Sachen Storys verzichtet. Trotzdem kann man sich insbesondere aufgrund des ersten Heftes oder der Einführung legendärer Charaktere nicht darüber beschweren, nur die Reste serviert zu bekommen. Damit wird sowohl Neueinsteigern eine kleine Lehrstunde in Sachen Comic-Geschichte, als auch alten Hasen eine ordentliche Portion Nostalgie herangereicht.

Batman Sonderband 47 – Convergence

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Das große DC-Event „Convergence“, über das ich schon mehrfach berichtet habe, erstreckt sich bekannterweise über die gesamte Historie des Verlags und spart natürlich nicht die größten Aushängeschilder des Unternehmens aus.

Insbesondere Batman hat eine Vielzahl von Auftritten in mehreren Ausführungen. Ob nun als viktorianischer Tüftler, Vampir oder futuristisch ausgestattet – die Fledermaus ist überall. Bei der Masse an „Elseworld“-Geschichten liegt es natürlich nahe auch das auf einzelne Superhelden zugeschnittene Sonderband-Format zu nutzen, um wirklich allen Versionen des dunklen Ritters eine Bühne zu bieten. In Ausgabe 47 gehen wir dabei auf eine nostalgische Rückschau, die einen Blick auf eines der wichtigsten Kapitel rund um die Figur bietet und begleiten seine Mitstreiter aus Paralleluniversen, die gegen ebenfalls alternative Formen anderer Promis in Strumpfhosen antreten.

Im Detail sehen wir in der ersten Erzählung „Die dunkle Seite der Straße“ eine Verbrüderung zwischen Batman und seinem Nachfolger Azrael, der während des Mega-Events „Knightfall“ (die Story, in der Bane Batmans Rückgrat bricht) mit eiserner Hand und brutalsten Methoden Gotham sicherer machen möchte. Nun müssen sie, eingesperrt unter der Kuppel, gemeinsam vorgehen um Metropolis (jap, nicht Gotham) zu beschützen. Dabei kommen wieder die gänzlich unterschiedlichen Ansätze der Verbrechensbekämpfung zur Geltung und lassen den alten Konflikt, der im Original schon gut über 20 Jahre her ist, wieder aufleben. Hier kann man die Nostalgie geradezu riechen. Zeitgleich spannend erzählt und visuell sehr ansprechend gestaltet, ist der Entertainment-Faktor gleich am Anfang hoch angesetzt.

Dem folgt das Aufeinandertreffen zwischen zwei meiner Lieblingswelten. Auf der einen Seite haben wir Robin und Huntress, die das dynamische Duo der alten „Erde-2“ bilden und „Genosse Superman“ in der anderen Ecke des Ringes. Der Mann aus Stahl ist in dieser Version nicht im ländlichen Amerika gelandet, sondern mitten in der Sowjetunion. Eine gewagte aber wunderbar umgesetzte Fassung der im Grunde sehr amerikanischen Story. Auch Batman darf bei diesem Clash der Titanen nicht fehlen. Da Supes seine Kräfte dank der Kuppel verloren hat, lässt er seinen Mythos durch sowjetische Propaganda aufrechterhalten. Dementsprechend gestaltet sich der Kampf bei weitem nicht so unfair wie er zunächst anmutet. Wenn man seinen Blick dabei von den von Denys Cowan mit rauem aber passenden Strich befüllten Seiten losreißen kann, merkt man bei der Aufzählung der Macher sofort, warum die Story so gut funktioniert. Wieder einmal wurde der legendäre Len Wein herangezogen um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und dabei ein so überzeugendes Ergebnis abzuliefern, wie wir es bei diesem Mann fast schon erwarten.

Die vorletzte Geschichte ist gleichzeitig die ungewöhnlichste des ganzen Bandes. Batman und die Outsiders (eine Art Ersatz für die JLA, angeführt vom dunklen Ritter, inklusive der ersten schwarzen Hauptfigur bei DC in Person von Black Lightning) müssen sich in „Der neue Alltag“ gegen OMAC behaupten. Dieser Charakter war nichts Geringeres als Jack Kirbys letztes Projekt für DC Comics und damit wieder ein Leckerbissen für Hobby-Historiker in Bezug auf das neueste Event. Das besondere an der Story ist, dass zunächst auf den Umgang der einzelnen Figuren mit der neuen Situation eingegangen wird. Für einige kann der Verzicht auf Superkräfte nämlich ein wirklicher Segen sein. Das erste Mal nach unendlich langer Zeit jemanden berühren zu können, sich als ein Teil der Gesellschaft zu betrachten. Teilweise gern betretenes Neuland, bis sich die Kuppel wie so oft auflöst und dadurch den Kampf der Welten auf ein Neues einläutet. Dieser wird durch Carlos D’Anda ansehnlich in Szene gesetzt, verleiht jedem Panel etwas fast schon explosives und gleichzeitig einen frischen Touch, wenn man bedenkt, dass unsere Helden noch in den Outfits der 70er Jahre stecken.

Die abschließende Handlung bildet „Ein Liebeslied für Stephanie Brown“. Diese Stephanie ist ein Batgirl, welches kurz nach dem verheerenden Erdbeben in Gotham auftauchte und genauso schnell wieder verschwand. Zusätzlich finden wir eine weitere weibliche Fledermaus in Form von Cassandra Cain und einen Red Robin, der das Gespann zu einem Trio aufstockt. Die eigentliche Hauptfigur bleibt jedoch die Dame aus dem Titel und führt uns durch die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Leider ist die Story hierbei nur bedingt unterhaltsam bzw. gelungen. Da ist als Abschluss für einen im Grunde sehr gelungenen Sonderband doch sehr schade. Offensichtlich auf lustig getrimmte Szenen regen nur bedingt zum lachen an, visuell wird zwar eine annehmbare Arbeit geleistet, sackt aber im direkten Vergleich deutlich ab.

Im Großen und Ganzen bleibt es aber der einzige Wermutstropfen, der das Lesevergnügen bei weitem nicht in dem Maße trübt, dass man von einem Kauf abraten müsste. Nach dem teils durchwachsenen, teils aber auch großartigen Megaband, kann ich heute den Batman-Sonderband zu „Convergence“ uneingeschränkt empfehlen!