[Rezension] Batman: Damned Bd. 1 (Panini Comics)

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Die Comicszene war in großen Teilen neugierig und verzückt, als DC ein Sub-Label mit dem Titel „DC Black Label“ ankündigte. Es sollte Autoren und Zeichnern die Möglichkeit bieten, sich außerhalb vorgegebener Normen und Kontinuitäten entfalten zu können und erwachsenen Lesern einen Zugang zu bekannten Helden geben, der durch einen großteiligen Verzicht auf Themen wie explizite Gewalt, Sex und reale menschliche Abgründe versperrt wurde. Natürlich gab es spätestens seit den 80ern Ausnahmen in Form von Releases wie „The Dark Knight Returns„, „The Long Halloween“ usw. Diese werden im Übrigen nun ebenfalls mit dem prägnanten schwarzen Logo neu in die Regale gebracht. Trotzdem blieben solche Mini-Serien die große Ausnahme, während nun Kreativteams dazu ermuntert werden, sich nach belieben auszuprobieren.

Eine der ersten Ankündigungen war „Batman: Damned“ von Brian Azzarello und Lee Bermejo, die sich schon vor geraumer Zeit für den modernen Klassiker „Joker“ zusammengetan hatten, der bezüglich des Storytellings zwar gut, aber nicht brilliant war, optisch jedoch in einer ganz eigenen Liga spielte. Umso gespannter waren die Fans, was dieses Team erneut zaubern würde. Doch bevor ich auf den Inhalt der dreiteiligen Serie eingehe, möchte ich das in dem Kontext hochgekochte Thema der Zensur ansprechen.

Als das Veröffentlichungsdatum der Geschichte fest stand, blies DC in alle Marketing-Rohre und heizte damit den Hype unter Fans und in den Medien ordentlich an. Als dann die Hefte ihren Weg in die Läden fanden, folgte jedoch etwas, was man im Kontext eines an erwachsene Leser gerichteten Bandes nicht erwarten würde. Aufgrund von zwei Panels, in denen der Penis von Bruce Wayne schemenhaft zu erkennen war, beschloss der Verlag keinen Nachdruck mehr zu veröffentlichen, die digitale Fassung zu retuschieren und bei einer Trade-Paperback-Veröffentlichung nur eine zensierte Version zuzulassen. Da der ausländische Markt außerdem nur mit den Lizenzen operieren kann, die der Konzern zur Verfügung stellt, können deutsche Leser ebenfalls nur auf eine zensierte Fassung zugreifen.

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©Panini Comics

Das führte dazu, dass die erste und bis dato einzige Auflage des ersten Heftes in den Tagen und Wochen nach dem Release für Mondpreise gehandelt wurde. Ein unrühmliches Beispiel war ein „Fan“, der bei einer im selben Zeitraum stattfindenden Con in Irland sein Heft von Lee Bermejo hat signieren und graden lassen. Kurz danach stellte er es auf eBay ein und ließ es für einen stolzen Preis von 1000$ den Besitzer wechseln. Auch im kleineren Rahmen gab es kaum eine Möglichkeit unter einem dreistelligen Betrag an die begehrte Fassung zu kommen. Inzwischen ist der Hype zum Glück etwas abgeflaut und die Preise haben sich für ein vergriffenes Heft durchaus normalisiert. Nichtsdestotrotz bleibt zum einen ein fader Beigeschmack, da DC die eigene Zielsetzung außer acht ließ und die Kunstfreiheit aufgrund einer überzogenen Prüderie opferte. Zum anderen geriet damit die eigentliche Geschichte gewaltig in den Hintergrund und wurde ausschließlich auf den „Skandal“ reduziert.

Daher soll es nun um die eigentliche Essenz von „Batman: Damned“ gehen: Die Story und Optik. Den Beginn markiert bedeutungsschwanger ein blinkender EKG, der von einem Monolog begleitet wird, der sofort einen Querverweis auf einen Batman-Klassiker in Form von „The Killing Joke“ verweist. Ein anderes, düsteres und in sich abgeschlossenes Kapitel um den dunklen Ritten und ein Einstieg, der den Ton der folgenden Seiten vorgibt.

Schon auf der nächsten Seite verstehen wir, wem der unregelmäßige Pulsschlag gehört: einem schwer verletzen, an eine Krankenwagen-Barre geschnallten Batman. Noch weiß der Leser nicht, wie er so zugerichtet werden, geschweige denn, wie er umringt von Sanitätern und Polizisten in den Wagen kommen konnte. Als diese dann tatsächlich versuchen die Maske des Vigilanten zu entfernen, setzen seine Instinkte ein und katapultieren ihn und einige seiner Mitreisenden kurzerhand aus dem Wagen auf die Straßen Gothams. Halb im Delirium stürzt sich Batman daraufhin in eine nahegelegne Gasse und bekommt von einem unerwarteten Gast die Hilfe, die er benötigt: John Constantine. Ab diesem Zeitpunkt wird auch klar, dass er der Erzähler der Handlung ist und aufgrund seiner Charakterzüge auch der Leser vorsichtig sein sollte, wenn es um die Frage geht, was hier wahr und erlogen ist.

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©Panini Comics

Noch seltsamer wird alles, als Batman in Constantines Versteck, samt Deadman als Mitbewohner, aufwacht und eröffnet bekommt, dass niemand Geringeres als der Joker tot aus einem Fluss geborgen wurde. Daher auch der prägnante Satz auf dem Buchrücken, der alles ins Rollen bringt: „Der Joker ist tot.“

Inhaltlich bleiben die 60 Seiten jedoch im weiteren Verlauf erstaunlich wage. Während der Leser in Rückblenden angedeutet bekommt, dass Thomas Wayne scheinbar ein Ehebrecher war und Enchantress schon in der Kindheit von Bruce eine Rolle spielte, werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Daher kann man den ersten Band von „Batman: Damned“ durchaus als Prolog für das betrachten, was in den kommenden zwei Veröffentlichungen kommen wird. Der letzte Teil ist im Übrigen auch auf Englisch noch nicht erschienen.

Trotz der doch übersichtlichen Handlung bleibt man sehr lange an den einzelnen Seiten hängen. Der offensichtliche Grund sind die meisterhaft gestalteten Seiten durch den Ausnahmekünstler Lee Bermejo. Die deutsche Fassung eignet sich sogar noch mehr als die englische, um den Leser mit den düsteren Kompositionen zu verzücken. Durch das Albenformat in Übergröße wirken die einzelnen Panels noch um einiges einnehmender und genialer, als man es vom Original kennen könnte. Hinzu kommen neue Techniken, die Bermejo bis dato nicht für sich zu eigen machte und nun besonders hervortreten lässt. Dazu gehören wunderschöne Unschärfeeffekte und Spiegelungen, die die Szenen fast schon übernatürlich erscheinen lassen. Alles in allem nichts anderes, als eine wahre Augenweide.

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©Panini Comics

Als Fazit kann man ziehen, dass hier inhaltlich eher eine Art Vorgeschmack auf das geliefert wird, was in den übrigen Bänden erzählt werden soll. Durch das unfassbar schöne Artwork, zieht „Batman: Damned“ einen nichtsdestotrotz unweigerlich in seinen Bann und beweist, dass sich eine Anschaffung trotz der Zensur allemal lohnt. Man darf gespannt sein ob Azzarello und Bermejo das Ganze zu einem runden Abschluss führen werden, doch bei diesem Team habe ich keine Zweifel, dass es gelingt.

Batman: Damned Bd. 1 
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Brian Azzarello
Zeichner: Lee Bermejo
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR

[Rezension] Batman: Der weiße Ritter (Panini Comics)

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Als Batman-Fan wird man über Jahre hinweg mit unzähligen Storys überhäuft, die aufgrund der Wichtigkeit der Figur durchwegs gut sind und nur wenige negative Ausfälle beinhalten. Doch genauso selten wie wirklich schlechte Geschichten, gibt es leider auch nur in sehr großen Abständen so großartige Erzählungen, dass man sie den modernen Klassikern zuordnen könnte. Nun ist es aber endlich wieder soweit und eine der besten Veröffentlichungen um den dunklen Ritter erscheint unter dem sogenannten „Black Label“ erstmals auf deutsch: Der weiße Ritter!

Die im Jahr 2017 in den USA erschienene achtteilige Mini-Serie von Autor und Zeichner Sean Murphy flog zunächst unter meinem Radar, bis sie als Paperback rückwirkend das eben erwähnte „Black Label“ verpasst bekommen hat und als erster Release des neuen Sub-Labels für erwachsene DC-Leser erschien. Interessiert bestellte ich mir den Band um mir ein Bild von der Geschichte zu machen, deren Inhalt mir nur grob bekannt war und war schier fassungslos, wie mir eine wahre Comic-Perle so durch die Finger gleiten konnte. Da sie nun auf deutsch erschienen ist, kann ich euch endlich erzählen, warum es eure Pflicht ist, sich dieses Werk ins Regal zu stellen.

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©Panini Comics

Inhaltlich steigen wir Jahre nach Batmans erstem Erscheinen in Gotham City ein. Inzwischen ist der dunkle Ritter quasi alleine für die Bekämpfung von Schurken der Größenordnung eines Killer Croc, Mister Freeze und Co. zuständig, da die reguläre Polizei der Stadt durch fehlende Mittel, Korruption und Inkompetenz de facto tatenlos zusehen muss. Während der besagten Kämpfe geht wie in so vielen anderen Storys um die Figur, so einiges zu Bruch, Umstehende werden verletzt, Menschen geraten in Panik und trotzdem werden die Umstände akzeptiert, solange die Superschurken hinter Schloss und Riegel landen. Doch im Laufe der Zeit schleichen sich auch bei den Verbündeten des Mitternachtsdetektivs Zweifel ein, ob die brachiale Herangehensweise tatsächlich die beste Lösung für die Verbrechensbekämpfung ist.

Diese Zweifel mehren sich erst recht, als eines Tages der Joker, hier bürgerlich Jack Napier genannt (Querverweis auf Jack Nicholsons Interpretation der Figur in Tim Burtons Film von 1989), auf der spielerischen Flucht vor Batman aufzeigt, dass diesem eigentlich egal ist was um ihn herum passiert, solange er sein Ziel erreicht. Um das zu beweisen, lockt der Clownprinz des Verbrechens seinen Verfolger in eine geheime Lagerhalle, die offensichtlich bis obenhin mit semi-offiziellen Pharmazeutika vollgestopft ist, deren Wirkung weder dem Leser, noch Batman bekannt ist. Nichtsdestotrotz schafft es der Joker seine Nemesis so sehr zu provozieren, dass er hierfür vor laufender Kamera zu Brei geschlagen und mit den rumliegenden Pillen „zwangsernährt“ wird.

Genau das scheint der Plan des Jokers gewesen zu sein, denn die ihm verabreichte Medizin ist nichts anderes als ein Gegenmittel für die Geisteskrankheit des Verbrechers, der nun geheilt von seinen bösen Geistern der Welt demonstrieren kann, dass Batman nicht einfach ein Verbrechensbekämpfer, sondern eine reale Gefahr für die Allgemeinheit ist. Vollkommen klar und rational, schafft es nun der inhaftierte Jack Napier Polizei und Justiz davon zu überzeugen ihn gehen zu lassen, um der Stadt den Beschützer zu geben, den sie verdient, aber nie bekommen hat: einen weißen Ritter!

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©Panini Comics

Mehr soll hier inhaltlich nicht verraten werden, denn die Handlung lebt von überraschenden Wendungen, Erklärungen lange offener Fragen und der Infragestellung von Batman als Vigilanten, ohne die Figur zu demontieren.

Es sei nur bezüglich der wichtigsten Details und dem Rahmen der Geschichte erwähnt, dass sich das Ganze außerhalb der Kontinuität abspielt, ohne zu sehr in eine „Elseworld“-Story abzudriften. Das funktioniert dadurch, dass Sean Murphy sich, wie für solche Releases üblich, alle Freiheiten dafür nimmt seine Vision in die Tat umzusetzen, zeitgleich jedoch unzählige Referenzen einbaut, die sich nicht nur direkt auf die laufende Comic-Reihe, sondern auf das gesamte Franchise um die Figur beziehen. Das fängt bei der Ausstattung der Zelle des Jokers an, die vor Batman-Merchandise überquillt, über einen kompletten Fuhrpark an Batmobilen aus jeder(!) Epoche des dunklen Ritters, bis hin zur tatsächlich nachvollziehbaren Erklärung des Look-Wechsels von Harley Quinn. Solche Sachen gehen üblicherweise nur als „Fanpleaser“ durch, funktionieren hier aber sehr organisch und verzahnt mit der Handlung, sodass nie der Eindruck entsteht, sich mit billigen Tricks die Zustimmung der Fans verdienen zu wollen.

Vor allem liegt es an dem unfassbar gut ausgeklügelten Kniff, den Selbstjustiz-Ansatz von Frank Miller, der sich seit den 80ern durch alle Reihen und One-Shots zieht, dadurch infrage zu stellen, indem mit dem geheilten Joker ein Gegenentwurf eingeführt und die Handlungsweise von Batman so der Realität entgegengestellt wird. Diese beinhaltet dabei nicht nur zwei Antagonisten, sondern eine lebendige Stadt, samt einer Zivilbevölkerung, die unter den Kämpfen zu leiden hat. Damit schafft es Murphy sogar das Gesamtkonzept des maskierten Vigilanten zu dekonstruieren, ohne es zu zerstören. Hinzu kommen die Motive von Batman und Joker, die nicht nur wie üblich auf das Ying und Yang-Prinzip reduziert, sondern fast schon tiefenpsychologisch erörtert werden.

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©Panini Comics

Mit diesem Cocktail schafft es der Autor und Zeichner eine unfassbar dichte Atmosphäre und Tiefe zu erzeugen, die man so in einem Superheldencomic Jahre nicht gesehen hat. Unterstrichen wird das Ganze mit einer unglaublich schönen Visualisierung, die sehr individuell erscheint, jedoch genug Platz für klassische Erkennungsmerkmale einer Batman-Geschichte zulässt. Was durchgehend bleibt, ist das sehr düstere und bisweilen rohe Setting der Panels, die insbesondere bei den brutalen Momenten der Geschichte eine solche Intensität erreichen, dass einem schier der Atem stockt.

Diese nahezu perfekte Kombination aus Erzählung und Bebilderung ist in der Quintessenz nicht weniger als ein Pflichtkauf für alle Batman-Fans und all jene, die mit Cape tragenden Figuren etwas anfangen können. Ihr werdet es nicht bereuen und falls ihr danach, wie ich, nicht genug haben solltet, sei euch gesagt, dass Sean Murphy für dieses Jahr schon eine Fortsetzung von „Batman: Der weiße Ritter“ angekündigt hat!

Batman: Der weiße Ritter
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Sean Murphy
Zeichner: Sean Murphy
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Softcover 
 
Seitenzahl: 220
Preis: 22 EUR

[Rezension] Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste (Cross Cult)

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Manchmal passiert es, dass mir eine großartige Neuveröffentlichung einfach durch die Finger rutscht. Dann liege ich manchmal abends im Bett und frage mich, wie ich so dämlich sein konnte einen großartigen Release nicht erkannt zu haben, als dieser frisch am Horizont erschien. Fast wäre es mir mit dem bei Cross Cult erschienenen Band „Deadly Class 1: Die Akademie der tödlichen Künste“ so gegangen. Viele Baustellen und nur 24 Stunden pro Tag um diese abzuklappern, haben fast dazu geführt, dass ich einen der besten Serienstarts der letzten Jahre übersehen hätte. Dabei läuft sogar aktuell eine TV-Serie zum Titel auf SYFY. Zum Glück bin ich jedoch rechtzeitig in meinen „Rezensions-Modus“ geswitcht und kann euch nun erzählen, was es mit diesem Titel von Lee Loughridge, Rick Remender und Wes Craig auf sich hat.

Zunächst muss erwähnt werden, dass die Bezeichnung „neu“ in dem vorliegenden Kontext relativ ist. Tatsächlich hat Panini Comics schon 2015 versucht die ersten zwei Sammelbände der Reihe unter die deutschen Leser zu bringen. Das führte jedoch nur zu einem überschaubaren Erfolg und in der Folge zu einem schnellen Ende von „Deadly Class„. Wie man an meinem Eingangstext vermutlich unschwer erkennt, gehörte ich zu eben jenen, die den Titel nicht mal auf dem Schirm hatten. Meine persönliche Theorie ist hierbei, dass sich eine solche Geschichte schwer tut, wenn sie eingekesselt durch Superhelden-Lizenzen präsentiert wird und dadurch nicht die richtige Zielgruppe erreicht. Bei Cross Cult scheint das Ganze jedoch wie die Faust aufs Auge zu passen, während die parallele Fernsehausstrahlung hoffentlich den nötigen Rückenwind gibt, um uns mit einer Fortführung der Reihe zu beglücken.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Wir steigen in die USA des Jahres 1987 und damit in die sogenannte Reagan-Ära ein, in der ein ausgeprägter neoliberaler Zeitgeist herrscht, in dessen Folge der Sozialstaat extrem abgebaut wird. Diese Maßnahmen treffen dabei, wie so oft, die schwächsten Glieder der Gesellschaft und selbst diejenigen, die augenscheinlich nicht direkt von den politischen Entscheidungen des Republikaner-Lieblings Reagan betroffen sein sollten. Dazu gehört auch der Teenager Marcus Lopez, dessen Eltern durch einen furchtbaren Unfall ums Leben kamen und er in der Folge in ein Kinderheim abgeschoben wurde, dass in diesem Fall alles andere als ein sicherer Zufluchtsort für traumatisierte Kinder ist. Schlussendlich flüchtet er und landet mittellos auf der Straße. Diesen negativen Lebensweg schreibt Marcus nun in direkter Schlussfolgerung der Politik des amtierenden US-Präsidenten zu, was zu einem unstillbaren Durst nach Rache schwillt, die gestillt werden möchte.

Während dieser Zeit schlägt er sich auf den Straßen von San Francisco gerade so durch, doch seine Aktivitäten bleiben nicht nur dem Staat, sondern auch einigen im Untergrund lebenden Gestalten nicht verborgen, die den jungen Mann offensichtlich auch wegen seiner, für den Leser noch im dunkeln liegender, Vergangenheit interessant finden. Schon bald geben sie sich ihm als Mitglieder der sogenannten Kings Dominion Akademie zu erkennen, die als High School für angehende Auftragsmörder fungiert und damit auch den Titel der Reihe erklärt. An dieser Schule werden primär die Kinder hochrangiger Verbrecher, Kartell-Bosse und autokratischer Herrscher untergebracht, um nach ihrem Abschluss die Kunst des Tötens perfekt zu beherrschen und es auch auf ihrem Zeignis vermerkt zu sehen. Und genau hier kommt der Knackpunkt, der die Story so außergewöhnlich und interessant macht, da der Autor Rick Remender es schafft eine brutale Handlung mit einer greifbaren Coming-of-Age-Geschichte zu verbinden, die vor popkulturellen Referenzen nur so strotzt, ohne anbiedernd zu sein und dabei ständig das Gefühl vermittelt, dass die Macher um den Umstand einer der uncoolen Kids zu sein aus eigener Erfahrung wissen und diese gekonnt in Panels gießen. Insbesondere die Schulerfahrung von Remender, laut eigener Aussage im Einleitungstext eine brutale Zeit, spiegelt sich als Inspiration in der vorliegenden Geschichte wieder.

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©Cross Cult

Das erklärt auch die realitätsnahe Konstruktion der einzelnen Protagonisten, die sich natürlich auch an Klischees orientieren (Latino-Gang, Aryan Brotherhood-Rednecks usw.), im Kern jedoch eine Tiefe ausstrahlen, die nur realen Anleihen entnommen worden sein kann. Dieses Bild festigen darüber hinaus genial platzierte Mono- und Dialoge, die mitfühlen lassen und den geneigten Leser dazu bringen bis zur letzten Seite mitzufiebern.

Die Visualisierung von Wes Craig orientiert sich dabei in Kombination mit der gewollt blassen Kolorierung von Lee Loughridge an der Zeit, in der die Geschichte stattfindet: die düsteren 80er Jahre, die zumindest im Bereich der Comics durch Veröffentlichungen wie „The Dark Knight Returns“ oder „Watchmen“ einen Stempel aufgedrückt bekamen, den nun die Macher von „Deadly Class“ dankend aufnehmen und mit einem modern angehauchten, fast schon an Skizzen erinnernden Stil aktualisiert und mit teils ungwöhnlichen Panel-Platzierungen auf die Leserschaft loslassen.

Diese sollte verpflichtend hierzulande wachsen, damit Cross Cult die deutschen Fans auch in Zukunft mit großartigen Geschichte von „Deadly Class“ versorgen kann. Merkt euch daher schon den Mai vor, in dem die zweite Veröffentlichung „Kinder ohne Heimat“ erscheint. Bis dahin könnt ihr euch die Wartezeit mit dem Erstling „Die Akadamie der tödlichen Künste“ überbrücken, den ich euch wärmstens ans Herz lege.

Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste 
Verlag: Cross Cult
Erschienen am: 27.02.2019  
Autor: Rick Remender 
Zeichner: Wes Craig
Kolorist: Lee Loughridge
Format: Softcover
Seitenzahl: 176 
Preis: 16,80 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1 (Splitter)

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Schon seit der Ankündigung des neuen Black Hammer-Bands „Age of Doom – Buch 1„, habe ich dem Tag der Veröffentlichung entgegen gefiebert, denn kaum eine Comic-Reihe hat es geschafft mich so sehr in ihren Bahn zu ziehen wie der ungewöhnliche Superhelden-Epos von Jeff Lemire.

Diesmal steigen wir sofort nach den Ereignissen des Vorgänger-Bands „Das Ereignis“ ein. Lucy, die Tochter von Black Hammer, ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater und seinem Team aus Superhelden, die nach einem Kampf gegen den sogenannten Anti-Gott in ihrer Heimatstadt Spiral City wie vom Erdboden verschluckt sind. Von der Welt für tot gehalten, in Wirklichkeit jedoch in einer geheimnisvollen Kleinstadt gefangen, fristen die Überlebenden der Schlacht nun ihr Dasein, in der Hoffnung eines Tages ihre alte Heimat wiedersehen zu können. Als Lucy eines Tages den Hammer ihres Vaters findet, der auch namensgebend für sein Alter Ego ist, teleportiert sie dieser zur geheimnisvollen Farm, an der sie den erstaunten Abraham Slam, Barbalien, Golden Gail und Madame Dragonfly begegnet. Doch als sie nach einer plötzlichen Erkenntnis der Gruppe eröffnen will, warum sie alle hier gelandet sind, verschwindet sie so schnell wie sie aufgetaucht ist.

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©Splitter

Dabei hat es sie nicht einfach wieder zurück in ihre eigene Welt, sondern in eine seltsame Absteige verschlagen, die scheinbar als Drehscheibe für allerlei bizarre Gestalten aus den unterschiedlichsten Realitäten fungiert. Von hier aus versucht sich Lucy durch verschiedenste Welten durchzuschlagen, die mal die wortwörtliche Hölle, eine Zombie-Stadt oder einfach unbeschreiblich obskure Gestalten beheimaten, um die Freunde ihres Vaters zu retten. Der Weg dorthin ist jedoch mit Gefahren und Geheimnissen gespickt, die erst überwunden werden müssen.

In der Zwischenzeit geschehen in der Kleinstadt in der Nähe der gestrandeten Helden lauter unerklärliche Dinge, wie die Rückkehr totgeglaubter Einwohner, die Erwiderung zunächst abgelehnter Liebe und so manch andere seltsame Ereignisse, die einen Teil der Gruppe ihre Situation plötzlich akzeptieren lassen, während ein anderer die neuen Umstände skeptisch beäugt. Eines ist jedoch klar: Mit rechten Dingen scheint es nicht zuzugehen und nicht alle Helden scheinen so unwissend zu sein, wie sie vorgeben…

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©Splitter

Wie schon bei den Vorgänger-Bänden wird die auf der deskriptiven Ebene simpel erzählte Geschichte beim Lesen zu einem modernen Superhelden-Epos, der seine Stärke aus intelligent verbauten Plot-Twists und glaubhaften Charakteren zieht. Die entsprechende Tiefe kriegen sie dabei aus genial konstruierten, sowie natürlichen Dialogen, die nur ein Autor wie Jeff Lemire (Descender, Der Unterwasser-Schweißer, Essex County) seinen Figuren so in den Mund legen kann. Zeitgleich schafft er es erneut mit einer Vielzahl an Anspielungen und offensichtlichen Verneigungen vor den großen Namen der Comic-Industrie einen Spagat zwischen Mainstream und Insider-Kost zu schlagen, der auch der Grund dafür ist, dass die Black Hammer-Reihe sowohl bei Puristen, als auch Gelegenheitslesern auf Anklang stößt.

Erneut dabei ist der Zeichner Dean Ormston (Sandman, Lucifer), der mit seinem sehr individuellen Stil der bizarren Welt von Lemire eine passende visuelle Ebene verpasst, die irgendwo zwischen vertraut und doch distanziert wandert und damit den besonderen Status der Geschichte quasi wortwörtlich zu unterstreichen weiß. Dabei driftet er trotzt einiger augenzwinkernder Momente nie in eine Parodie ab. So schafft er es eine geniale Mixtur aus Ernst und humoristischen Elementen zu kreieren, die in ihrer Gesamtheit wie die Faust aufs Auge der Geschichte passt und damit die Hoffnung schürt, dieses Kreativ-Team noch lange in dieser Form sehen zu können.

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Alles in allem wird hier erneut eine Veröffentlichung präsentiert, die ohne abzusetzen auf einem extrem hohen Niveau bleibt und damit die Hoffnungen vieler Fans nicht nur erfüllt, sondern in Teilen sogar übertrifft. Insbesondere die Tatsache, dass nun Fahrt aufkommt und Stück für Stück die Geheimnisse der Serie gelüftete werden, macht Lust auf mehr. So wie alle anderen Black Hammer-Bände zuvor, handelt es sich bei „Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1“ um eine Empfehlung, die in keinem Regal eines Comic-Enthusiasten fehlen darf. Ich für meinen Teil kann es jetzt schon kaum erwarten herauszufinden, wie sich das Universum von Jeff Lemire entwickelt.

Black Hammer Bd. 3: Age of Doom - Buch 1 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 19.03.2019 
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 136
Preis: 19,80 EUR

[Rezension] Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1) (Panini Comics)

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Als ich vor einiger Zeit die Panini Vorschau aufgeschlagen habe, fiel mir recht schnell ein ungewöhnliches Cover ins Auge, dass im ersten Moment garnicht zum üblichen Portfolio des Verlags passen wollte. Ein Wikinger mit einer Axt im Nacken, stilisiert vor einem weißen Hintergrund. Üblicherweise findet man so eine Bildsprache bei Mitbewerbern mit einem Augenmerk auf Abenteuer und Fantasy. Daher wurde mein Interesse geweckt und erst mit der Ankunft des Bandes bei mir daheim befriedigt.

Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz von Brian Wood (Northlanders) und Garry Brown ist als überformatige Hardcover-Ausgabe im Handel erhältlich und ist der erste Part eines in sich abgeschlossenen Zweiteilers, der ziemlich genau das abliefert, was man sich verspricht. Grimmige Nordmänner, raue Landschaften und viel Gewalt zu Zeiten der Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Magnus der Schwarze. Ein Wikinger wie er im Buche steht: groß gewachsen, mürrisch und als Söldner keinem Kampf abgeneigt. Die alten Tage, in denen das Leben hart und einfach war, scheinen sich aber langsam auf das Ende hin zu bewegen, da Römer mit ihren Mönchen den christlichen Glauben verbreiten und damit die hiesige Bevölkerung in innere und äußere Konflkte stürzen.

Genau diesen Strömungen versucht Magnus jedoch bewusst aus dem Weg zu gehen, bis er eines Tages den Auftrag erhält einen Geistlichen aus Rom über die Schwarze Straße zu einem weit entfernten Ziel im Norden zu eskortieren. Der dem Band den Namen gebende Weg gestaltet sich im Übrigen genauso, wie er sich anhört: bedrohlich und voller unvorhersehbarer Gefahren.

Das Land hat sich verändert in den letzten Jahren, denn mit dem Einzug der Christen in die Welt der Heiden holte die kampferprobten Nordmänner und -frauen nicht der Fortschritt der römischen Kultur ein, sondern auch ein Glaubenskonflikt, der Blut, Leid und Schmerz hervorbringen sollte. Hierbei spielt der angesproche Konflikt zwischen Heiden und Christen eine entscheidende Rolle, denn willkommen sind die Betbrüder aus fernen Landen defintiv nicht. Daher ist Magnus als Beschützer gerade willkommen, wenn Horden an Wikingern seinem Kunden an den Kragen wollen.

Dabei klingt die Geschichte auf einer rein deskriptiven Ebene vielleicht ein wenig nach klassicher Abenteuer-Kost, schlägt aber schon nach kurzer Zeit eine überraschende Richtung ein, die sich wohl am besten als Krimi bezeichnen lässt. Das besondere hierbei ist verständlicherweise das Setting, dass allein schon durch ungewöhnliche Orte und Charaktere auffällt und dadurch frischen Wind in das Genre bringt. So hat man selten bis nie das Gefühl erahnen zu können, was als nächstes passiert, während gut platzierte Twists die Spannung aufrecht erhalten.

Doch auch auf visueller Ebene wird einiges aufgefahren. Passend zum Setting des Geschehens sind die Zeichnungen von Garry Brown schön rau, während die zurückgefahrene Farbpalette die Panels in eine kühle Atmosphäre taucht, die dem Storytelling durchgehend dienlich ist und die Stimmung beim lesen in die passende Richtung rückt.

Alles in allem liegt mit diesem Band ein spannender Auftakt vor, dessen Abschluss ich schon jetzt entgegenfiebere. Wenn man bedenkt, dass die Aufmachung der Geschichte eher weniger meinem Schema entspricht, wurde ich freudig überrascht und kann daher jedem empfehlen es mir gleich zu tun und sich auf Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz einzulassen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Black Road - Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 

Autor: Brian Wood
Zeichner: Garry Brown
 
Erschienen am: 22.01.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR

 

[Rezension] Captain Marvel: Die ganze Geschichte (Panini Comics)

Wenn es aktuell eine Superheldenverfilmung gibt, die in aller Munde ist, dann ist es Captain Marvel. Ein Streifen, der nicht nur Rekorde bricht (erfolgreichster Start eines Films mit einer weiblichen Hauptfigur), sondern für ein Umdenken sorgt, wenn es um die Darstellung von Frauen im Comic-Universum geht. Entgegen der Behauptung toxischer Gruppierungen wie Comicgate wurde weder im letzten großen Marvel-Blockbuster Black Panther, noch im aktuellsten Streich aus dem „Haus der Ideen“ eine Story zurechtgebogen, um angeblich der sogenannten Political Correctness genüge zu tun. Es wurden schlicht und ergreifend unterhalsame Veröffentlichungen auf die Fans losgelassen, die mit ihrer Diversität eher der Realität der vieler Fans entsprechen. Ein Umstand, den auch Leute die sich an überholten Mustern festkrallen nicht ändern können.

Um der zu erwartenden Nachfrage gerecht zu werden, haben Marvel bzw. Panini Comics selbstverständlich reagiert und eine Auswahl an passenden Titeln veröffentlicht. Darunter befindet sich auch das einsteigerfreundliche Captain Marvel: Die ganze Geschichte, welches auf eine ausgewogene Mischung aus Action und Drama setzt und dadurch die Tiefe generiert, die nötig ist, um Leser längerfristig zu binden.

©Panini Comics

Im Detail steigt man zunächst unter der Voraussetzung ein, dass man zumindest weiß wer Captain Marvel ist. Sie ist eine übermächtige Superheldin, die mit sogenannten Kree-Kräften (eine Alien-Rasse) ausgestattet, regelmäßig im Universum unterwegs ist, um Gutes zu tun. Das tut sie auch am Anfang der Geschichte in Zusammenarbeit mit den Avengers, bis sie mitten im Kampf Erinnerungen an ihre von häuslicher Gewalt geprägten Jugend einholen, die sich in zügelloser Wut gegen ihre Gegner manifestieren. Vollkommen entfesselt, muss sie daher von Iron Man aka Tony Stark zur Räson gebracht werden, der ihr empfiehlt auf Heimaturlaub zu gehen, um wieder zu sich selbst zu kommen.

Deswegen kehrt Carol Danvers, so der bürgerliche Name der Heldin, in ihre alte Heimat in Form eines kleinen Küstenstädtchens zurück, in dem noch alte Bekannte und der Rest ihrer Familie in Form ihrer Mutter und ihres Bruders wohnen. Dort entdeckt sie jedoch nicht nur etwas nötige Ruhe, sondern auch einige dunkle Geheimnisse ihrer Familie, sowie Spuren zum Ursprung ihrer Superkräfte, der nicht ganz der bis dato bekannten Kontinuität entspricht. Hinzu kommt die Bewältigung ihrer Kindheitserinnnerungen, die zwischen idyllisch und brutal schwankt. In diesem Sinne eine eher ungewöhnliche Basis, die zwar mit der Konfrontation mit einer auf tödlicher Mission befindlichen Kriegerin der Kree gewohnte Zutaten bereit hält, aber nicht dem Fehler aufsitzt Action mit einer hanebüchenen Handlung zu rechtfertigen. Den Kern macht immer noch Carols familiäre Tragödie aus, deren überraschende Wendungen das sind, was den Leser antreibt die spannende Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Ich für meinen Teil bin mit Captain Marvel: Die ganze Geschichte tatsächlich das erste Mal über die Figur gestolpert und kann sagen, dass ich Augen und Ohren nun etwas weiter aufsperren werde, um solche Perlen wie diesen  Sammelband (im Original: The Life of Captain Marvel #1-#5) nicht zu verpassen.

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Wenn man sich die Macher hinter dem Projekt anschaut, verwundert es jedoch nicht, eine qualitativ so hervorstechende Geschichte vor sich liegen zu haben. Niemand Geringeres als die Autorin Margaret Stohl, bekannt für die Fantasy-Reihe Sixteen Moons, sowie Videospiele wie Command & Conquer oder Destiny hat Carols Werdegang so sensibel wie intensiv zu Papier gebracht. Visualisiert wurde das Ganze ebenfalls von keinem Leichtgewicht. Carlos Pacheco, als Zeichner für Avengers: Age of Ultron bekannt, schafft es mit seinem dynamischen Stil sowohl intime Momente, als auch Panel sprengende Action-Sequenzen gleichermaßen meisterhaft in Szene zu setzen. Hinzu kommen Rückblenden, die in einem schönen Kontrast durch Marguerite Sauvage visualisiert wurden. Alles in allem also eine Kombination, die fast schon symbiotisch ineinander greift und damit Lesespaß von der ersten bis zur letzten Seite garantiert.

Was man ebenfalls nach dem Ende der Story versteht, ist die Bewerbung von Captain Marvel als feministische Ikone des Verlags. Hier wird entgegen der fehlgeleiteten Vorstellung mancher Gegner des Begriffs, eine weibliche Superheldin präsentiert, die einen ambivalenten Charakter aufweist, der nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden kann, Tiefe besitzt und eine unangenehme Übersexualisierung vermeidet. In diesem Sinne eine Figur mit Vorbildcharakter für Leserinnen, sowie eine schlicht und ergreifend spannende Heldin, die durch ihre Abenteuer alle Geschlechter gleichermaßen ansprechen sollte.

©Panini Comics

In diesem Sinne ist Captain Marvel: Die ganze Geschichte nicht nur eine reguläre Empfehlung, sondern ein Tipp sich mit einem Charakter auseinanderzusetzen, den der Mainstream nicht auf dem Schirm hatte, nun aber den längst überfälligen Push bekommt.

Captain Marvel: Die ganze Geschichte 

Verlag: Panini Comics 

Autorin: Margaret Stohl 

Zeichner: Carlos Pacheco, Marguerite Sauvage

Erschienen am: 19.02.2018 

Format: Softcover 

Seitenzahl: 148

Preis: 16,99 EUR

[Rezension] Secret Empire Paperback (Panini Comics)

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Wenn man den Sammelband des Marvel-Megaevents „Secret Empire“ in den Händen hält, ist jedes Superlativ für seine Beschreibung mehr als angebracht. Auf über 400 Seiten wird die auf 11 Hefte aufgeteilte Mini-Serie in einen Fluss gebracht und Lesern wie mir, die die stückweise Veröffentlichung an sich vorbeiziehen haben lassen, in einem Aufguss serviert. Doch ganz ohne Vorbereitung kann mich sich tatsächlich nicht in die Handlung stürzen, denn es wird ein gewisser Grad an Vorwissen aus den Ongoing-Series erwartet, um die vorliegenden Ereignisse zu verstehen. Dafür musste ich mir im Netz als jemand, der selten zu Marvel-Heften greift, einiges anlesen, um einen Durchblick zu bekommen, den man dringend braucht, da vieles nicht explizit erklärt wird.

Daher gibt es im Folgenden ein paar Eckpunkte: Man begegnet im Verlauf der Handlung einem Mädchen namens Kobik, welches jedoch ein aus den Fragmentstücken eines kosmischen Würfels zusammengesetztes Wesen ist und dessen Macht besitzt die Realität von Menschen zu ändern. Noch vor dem vorliegenden Event erschafft sie für die S.H.I.E.L.D.-Leiterin Maria Hill eine Art Geheim-Gefängnis, dass die gefährlichsten Schurken des Marvel-Universums hinter Schloss und Riegel halten soll. Damit die Öffentlichkeit jedoch nichts mitbekommt, wird der Knast als idyllisches Örtchen namens „Pleasant Hill“ getarnt.

Das nicht alles mit rechten Dingen zugeht, haben natürlich auch die Superhelden mitbekommen. Allen voran der neue Captain America namens Sam Wilson und Bucky Barnes aka Winter Soldier, die versuchen in diese nach außen hin sichere „gated community“ einzubrechen. Gleichzeitig stößt auch der inzwischen seinem realen Alter von 90 Jahren entsprechende Steve Rogers (der ursprüngliche Captain America) auf das Geheimnis von S.H.I.E.L.D. Kurz darauf kommt es zu einem Aufstand der Gefangenen, bei dem es zu einem Kampf zwischen Rogers und dem Bösewicht Cross Bones kommt. Doch bevor letzterer dem alten Mann das Lebenslicht ausblasen kann, kommt die schon erwähnte Kobik ins Spiel und verändert die Realität, wodurch Rogers wieder verjüngt und zur alten Form zurückkehrt.

Zeitgleich nutzt Caps alter Erzfeind Red Skull den Moment um Kobik auf seine Seite zu ziehen und durch sie Captain America in seinem Sinne zu formen. In dieser neuen Realität wurde Steve Rogers schon als Kind und damit vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs auf die Seite der Nazis gezogen. Dadurch wird der einstige Kämpfer für die frei Welt zu einem faschistischen Doppelagenten, der im Sinne der Verbrecherorganisation Hydra handelt.

Ihr seht, ein simples eintauchen in die Story ist de facto nicht möglich, was sie für Neueinsteiger, trotz redaktioneller Begleittexte quasi nicht lesbar macht, ABER(!) Fans der regulären Reihe sollten hier ohne Zweifel auf ihre Kosten kommen. Warum? Weil mit der „Umpolung“ von Captain America zeitgleich so viele Steine ins rollen gebracht werden, dass man den Mund vor Staunen nicht mehr zu kriegt. Hinzu kommt, dass man schon lange nicht mehr eine politische Kritik im Superhelduniversum zu sehen bekam, hier jedoch die volle Breitseite abbekommt, die zu keinem Zeitpunkt missverstanden werden kann.

Die eigentliche Geschichte des Bands beginnt damit, dass Steve Rogers die Maske fallen lässt und durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Macht-Instrumenten und Intrigen sowohl S.H.I.E.L.D. okkupiert, als auch alle ehemaligen Weggefährten, die ihm gefährlich werden könnten (scheinbar) beseitigt. Doch das ist noch nicht alles. Er schafft es sogar die US-Regierung zu narren und sich selbst an die Spitze der Vereinigten Staaten als faschistischer Herrscher zu setzen. Ich denke, dass bei dieser Beschreibung dem ein oder anderen die offensichtlichen Anleihen an die Realität bewusst werden. Der entscheidende Unterschied ist wohl, dass Captain America, in seiner verdrehten Weltsicht im Kern trotzdem nur das Beste für die Bevölkerung der USA möchte. Doch so einfach lassen sich die Helden des Marvel-Universums nicht abspeisen und ziehen gemeinsam gegen ihren einstigen Weggefährten in die Schlacht…

Dieser Cocktail aus klassischem Superhelden-Gekloppe, politischer Message und der Tatsache, dass eine Figur, die bis heute mit ihrem Kampf gegen Nazi-Deutschland assoziiert wird, plötzlich auf der Seite einer faschistischen Organisation steht, ist ein Kunstgriff, den es braucht um heutzutage eine Story abliefern zu können, die als relevant bezeichnet werden darf. Natürlich bleibt die Handlung von Nick Spencer, trotz vordergründiger Tiefe, in ihrem Kern eine klassische Marvel-Episode. Das Spiel mit der Grenzüberschreitung, die Länge der Handlung, die die Figuren aus ihrer Eindimensionalität holt und die damit einhergehende Komplexität machen „Secret Empire“ trotzdem zu einem kleinen Prunkstück, dass in eine gut sortierte Comic-Sammlung gehört. Dieses Event wird so gut wie sicher zu einem neuen Referenzpunkt, auf den sich Fans, Künstler und Interessenten beziehen werden.

Auch visuell wird das Ganze entsprechend der Ernsthaftigkeit der Themenfelder passend umgesetzt. Neben Steve McNiven und Rod Reis sticht dabei besonders Andrea Sorrentino mit seinem abstrakten Strich und ungewöhnlichem Panel-Aufbau hervor, die in Kombination eine Bildprache hervorbringen, die sie heutzutage nur wenige Künstler beherrschen. Wer seine Arbeit an Jeff Lemires „Old Man Logan„-Reihe kennt, weißt wovon ich rede.

Alles in allem ist „Secret Empire“ ein spannender Band, der jeden Marvel-Fan verzücken sollte, jedoch einiges an Vorwissen verlangt. Zwar kann man sich dieses durch redaktionelle Texte innerhalb des Sammelbands aneignen, jedoch gehe ich davon aus, dass das Lesevergnügen durch einen Griff zur Vorgeschichte um einiges gesteigert werden kann. Ich für meinen Teil wurde wunderbar unterhalten und wieder dazu angeregt öfter mal in die Sphären von Marvel abzutauchen. An dem vorliegenden Beispiel sieht man: Es lohnt sich!

Secret Empire Paperback 
Verlag: Panini Comics 
Autor: Nick Spencer 
Zeichner: Andrea Sorrentino, Steve McNiven, Rod Reis 
Erschienen am: 29.01.2019 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 412  
Preis: 38 EUR

[Rezension] Superman – Der Mann aus Stahl (Panini Comics)

Diejenigen, die meinen Blog schon etwas länger verfolgen wissen, dass ich ein eher ambivalentes Verhältnis zu Superman pflege. Zwar bin ich nicht generell seinen Abenteuern abgeneigt, muss aber schon mal länger an einer Story kauen, wenn mehr die Sci-Fi-Elemente, als menschliche Dramen im Vordergrund stehen. Daher bin ich mit ein wenig Skepsis an den Sonderband „Superman – Der Mann aus Stahl“ herangetreten, wurde aber im Laufe der Lektüre vollends überzeugt. Aber eins nach dem anderen.

Zunächst einmal sei die prominente Personalie auf dem Autoren-Stuhl zu erwähnen, die vor gut einem Jahr die Comic-Branche in helle Aufregung versetzt hat. Brian Miachael Bendis war für fast zwei Dekaden eines der Aushängeschilder von Marvel, bis niemand geringeres als die Konkurrenz um DC den Star-Schreiber für sich gewinnen konnte. Natürlich war man entsprechend gespannt, welche Figur man ihm an die Hand geben würde und wurde nicht enttäuscht: Bendis sollte nicht nur für eine Reihe, sondern gleich für beide Serien in Form von „Action Comics“ und „Superman“ in die Tasten hauen. Einen kleinen Vorgeschmack konnte man schon kurz zuvor durch eine Kurzgeschichte in „Action Comics #1000“ bekommen. Und nicht nur das! Um einen glatten Übergang von einer in die nächste Ära zu gewährleisten, setzte sich Bendis zusätzlich an eine Mini-Serie, deren sechs Hefte in dem nun hier zu besprechenden Band wiederzufinden sind und eine Art Vorgeschichte darstellen, um den neuen Status Quo in Gänze nachvollziehen zu können.

Der Titel der Geschichte kommt dabei nicht von ungefähr und soll auf einen weiteren Umschwung in der DC-Historie hinweisen, der mit einem gleichlautenden Namen für Furore sorgte. 1986 erschien nämlich mit „The Man of Steel“ von John Byrnes und Dick Giordiano der Einstieg in die Welt nach dem Mega-Event „Crisis on Infinite Earths“ und Bendis scheint sich sicher genug zu sein, diesen Maßstab für sich übertragen zu können und behält damit sogar recht.

Wir steigen in ein klassisches Setting ein, dass auch nicht regulären Lesern bekannt vorkommen sollte. Clark Kent aka Superman arbeitet wie immer beim Daily Planet und die üblichen verdächtigen laufen durchs Bild. Doch etwas scheint sich geändert zu haben. Während im Vor-Bendis-Run auch Lois Lane und der gemeinsame Sohn Johnathan einen zentralen Kern der Geschichten verkörperten, scheinen beide nicht mehr da zu sein. Warum das der Fall ist, lässt der Autor den Leser erst langsam begreifen, ohne zu viel vorweg zu nehmen und die Spannung damit zu dämpfen. Zeitgleich muss Superman sich wie üblich um die Verbrechensbekämpfung in Metropolis kümmern, die sich diesmal in einer Reihe von Brandstiftungen manifestiert, deren Ursprung und Motiv der Mann aus Stahl noch nicht greifen kann. Hinzu kommt ein übermächtiger Gegner, der wie aus dem nichts auftaucht und irgendwie mit dem Schicksal Kryptons und damit Supermans Vergangenheit in Verbindung zu stehen scheint.

Auf den ersten Blick hört sich das Ganze nach einer ziemlich typisch zusammengeschusterten Geschichte aus der Welt des Stählernen an, doch bei dieser Annahme täuscht man sich gewaltig. Bendis hat sich nicht ohne Grund einen Legenden-Status erarbeitet, den er hier mit Bravour verteidigt. All die genannten Elemente wirken zwar vertraut, aber doch so frisch, dass man sich mit Vergnügen in die Handlung stürzt und wirklich wissen möchte, wie die beschriebenen Ereignisse und Figuren miteinander in Zusammenhang stehen. Dabei findet er eine tolle Balance zwischen dem üblichen Gekloppe und emotionalen Momenten, die flüssig ineinander übergehen und damit die Stärken der Figur und ihrer Historie hervortreten lassen. Hinzu kommt das Kunststück den Status Quo so hinzubiegen, dass er in die Ideenwelt des Autoren passt, zeitgleich aber keinen Bruch zum Rebirth-Kontinuum darstellt. Ein Freiraum, der wohl nur einem Giganten wie Bendis ohne zu murren zugestanden wird.

Dem Standing des Autoren entsprechend wurde auch bei der Auswahl, der ihm zur Seite gestellten Künstler nicht gekleckert. Das wäre sowohl auf die Qualität der einzelnen Zeichner und Inker, als auch ihre schiere Menge gemünzt. Wir reden hier, der Vollständigkeit halber von den hier komplett aufgezählten Kreativen: Jason Fabok, José Luis García-López, Adam Hughes, Kevin Maguire, Joe Prado, Ivan Reis, Steve Rude, Evan „Doc“ Shaner, Ryan Look, Dexter Vines und Wade Grawbadger. Das sollte einen ungefähren Eindruck davon vermitteln, als wie wichtig der Neuzugang bei DC erachtet wird. Davon profitiert nicht nur der Verlag, sondern schlussendlich auch die Masse an Fans.

Ich für meinen Teil wurde vollends überzeugt. Meine anfängliche Skepsis wurde zur Seite gewischt und wich der Vorfreude auf die regulären Serien, denn die in „Superman – Der Mann aus Stahl“ aufgeworfenen Fragen müssen teils noch beantwortet werden. Bis dahin kann ich jedem bestehenden Fan der Figur, aber auch allen Zweiflern diesen Sonderband ans Herz legen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Superman - Der Mann aus Stahl 
Verlag: Panini Comics 
Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner: Ivan Reis, Jason Fabok, Evan Shaner, Steve Rude, 
Ryan Sook, Kevin Maguire, Adam Hughes, Jim Lee, 
José Luis Garcia-López
Erschienen am: 05.02.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 188 
Preis: 18,99 EUR

 

[Rezension] Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung (Splitter)

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Endlich ist es soweit und nach gut 1 1/2 Monaten, die sich wie eine Ewigkeit angefühlt haben, bin ich wieder da und kann euch mit Rezensionen versorgen. Für all jene, die sich gewundert haben sollten, wieso sich diese recht große Lücke zwischen den Beiträgen aufgetan hat, dem sei gesagt, dass ein Staatsexamen leider doch etwas mehr Vorbereitungszeit verschlingt, als da wäre, um nebenbei Comics zu besprechen. Nun ist der Alptraum jedoch vorbei und der Wiedereinstieg in mein liebstes Hobby wird sogleich mit einem richtigen Leckerbissen versüßt, der schon seit gut einem Monat hier liegt und besprochen werden will: „Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ aus dem Splitter Verlag.

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Fleißige Leser meines Blogs wissen längst, dass ich ein großer Fan des immer größer werdenden Universums aus Jeff Lemires Feder bin und auch den Spin-Offs ständig entgegen fiebere, zu denen auch der hier zu besprechende Band gehört. Erstaunlicherweise handelt es sich nach „Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels“ schon um die zweite Auskopplung und damit einen Gleichstand zu der regulären Reihe mit „Vergessene Helden“ und „Das Ereignis„. Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen mit verzweigtem Release-Muster, ist jedoch das „Black Hammer„-Universum so sehr ineinander verzahnt, dass man bei der Lektüre der zusätzlichen Geschichten das Gefühl hat, nicht in die Breite, sondern in die Tiefe der Handlung einzusteigen.

Das ist auch diesmal in der rührenden Story um den Helden „Doctor Star“ gelungen, der zunächst als Dr. Jim Robinson in den 1940er Jahren wortwörtlich daran arbeitet nach den Sternen zu greifen. Währenddessen sitzt seine Frau Joan daheim mit dem gemeinsamen Kind Charlie und hofft auf emotionale und greifbare Unterstützung, die der vollkommen auf seine Arbeit fokussierte Jim zu keinem Zeitpunkt bieten kann und damit fast wie in Zeitlupe sein Familienleben gegen die Wand fährt.

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Auf der anderen Seite feiert er immer größere Erfolge seiner Forschung, die schon nach kurzer Zeit Regierungsmitarbeiter auf den Plan rufen, die nicht ganz uneigennützig ihre Hilfe anbieten: Sie wollen im Gegenzug für finanzielle Spritzen, seine Erkenntnisse für den Bau einer Waffe nutzen und stürzen Jim damit, nachdem er zustimmt, in einen Arbeitswahn, der ihm schlussendlich die Macht beschert, eine sogenannte „dimensionale Membran“ zu durchbrechen. Dieser Vorstoß gibt ihm nun die Macht, die von ihm so heiß geliebte Energie der Sterne einzufangen. Durch diesen Schritt gelingt es ihm unvorstellbare Kräfte über Raum und Zeit zu gewinnen und dadurch zu einer personifizierten Verneigung vor Alan Moores Dr. Manhatten („Watchmen„) zu werden, dessen Geburt offensichtlich durch einzelne Panels zitiert wird. Genauso wie das erwähnte Original, schließt sich nun Dr. Star den zu dem Zeitpunkt aktiven Superhelden an, um sowohl auf der Erde, als auch in anderen Galaxien für Recht und Ordnung zu sorgen. Dabei vergisst er aber nicht nur seine Pflichten als Vater und Ehemann, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch die Zeit, die wie ein Bumerang mit ihrer Erkenntnis der Unumkehrbarkeit auf den Helden zurückzufliegen scheint. Wie sich diese äußert, muss der geneigte Leser dann aber selbst für sich herausfinden, denn wie all die anderen „Black Hammer„-Releases, lebt auch der vorliegende Band von Überraschungen, ungewöhnlichen Charakteren und mit menschlichen Tragödien verbundene Verneigungen vor den großen Titeln der Comic-Historie.

Diese dadurch entstehende emotionale Achterbahnfahrt aus Familiendrama und Action, die nur wenige Autoren wie Lemire beherrschen, wird dabei mit visueller Wucht durch Max Fiumara (u.a. „Abe Sapien„) in Szene gesetzt, der es schafft sowohl fulminante Action-Sequenzen, als auch stille Momente der intimen Trauer einzufangen und damit den Charakteren, die er porträtiert auf jeder Ebene gerecht zu werden. Einen nicht geringen Anteil daran hat auch der Kolorist Dave Stewart, der durch seine vorangegangene Arbeit an der Hauptreihe schon den Fans ein Begriff sein sollte und seinen Ruf mit „Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ nun weiter zu festigen weiß.

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Dabei ist es eigentlich erstaunlich, dass die einzelnen Elemente der Geschichte für sich genommen das Rad nicht neu erfinden und trotzdem in ihrer Gesamtheit überzeugen. Durch die Kombination der an sich so unterschiedlichen Genres gelingt es dem Kreativ-Team um Lemire eine Handlung zu spinnen, die von der ersten bis zur letzten Seite unter die Haut geht und noch lange in Verstand und Herz nachhallt. Ich kann bloß immer wieder in diesem Zusammenhang betonen, dass „Black Hammer“ eine der qualitativ besten Comic-Reihen der letzten Jahre darstellt. In diesem Sinne kann ich garnicht anders, als mich jetzt schon auf die angekündigten zwei Bände der Haupt-Storyline mit den Titeln „Age of Doom“ Teil 1 und 2, sowie das dritte Spin-Off „The Quantum Age“ (der deutsche Titel steht noch nicht final fest) zu freuen wie auf ein zweites Weihnachten. Bis dahin kann ich jedem von euch empfehlen „Black Hammer: Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ beim Händler eures Vertrauens zu ordern. Ihr werdet es nicht bereuen!

Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung 
Verlag: Splitter Verlag 
Erschienen am: 01.01.2019
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Max Fiumara
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 128
Preis: 19,80 EUR

[Rezension] Hit-Girl in Kolumbien (Panini Comics)

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Leser von ZOMBIAC wissen schon seit geraumer Zeit, dass ich ein großer Fan von Mark Millar und seinem anarchischen Output bin. Allem voran ist den meisten wohl das „Kick-Ass„-Universum bekannt, dass vor einiger Zeit inhaltlich einen neuen Anstrich bekommen hat, während das Kreativ-Team aus Millar und John Romita Jr. beibehalten wurde. Auch ein eigenes „Hit-Girl„-Spin-Off im gleichen Stil ist vor einigen Jahren erschienen, doch auch hier wurde die Story nicht weitergegeben. Nun ist es aber endlich soweit und Mindy, so der bürgerliche Name des „Hit-Girls„, ist zurück und wird diesmal visuell Ricardo Lopez Ortiz in Szene gesetzt und von Millar inhaltlich nach Kolumbien geschickt.

Hier schließt sich die neue Story direkt an die vorangegangene Handlung des Originals an. Von ihrem Vater zur brutalen Rächerin und regelrechten Kampfmaschine erzogen, sucht Mindy nach einem neuen Sidekick, nachdem „Kick-Ass“ das Superheldendasein hinter sich gelassen hat. Diesen hat sie, zumindest laut eigener Ansicht, in „Mano“ gefunden. Der junge Mann ist als bester Killer eines kolumbianischen Kartells bekannt, dessen Fähigkeiten Mindy zu imponieren scheinen. Daher wählt sie ihn aus und zwingt ihn mit ein wenig „explosivem“ Nachdruck, mit ihr gemeinsam seine ehemaligen „Kollegen“ zu eliminieren…

Wie man sieht, bleibt die Serie ihrer verrückten Basis treu, doch durch den neuen Zeichner Ricardo Lopez Ortiz bekommt das Ganze einen erfrischenden Spin.  Die fast schon an abgedrehte Anime-Filme erinnernden Splatter-Szenen und die übertriebene Mimik der Figuren entfesseln eine Dynamik, die man in der Form bei „Kick-Ass“ noch nicht gesehen hat. Selbst in Bezug auf Gewalt scheint man hier eine Schippe drauf gelegt zu haben. Das Blut und die Gedärme spritzen, als wollte man sich selbst beweisen, dass man 2018 noch schockieren kann.

Und trotz des neuen visuellen Ansatzes in diesem Sammelband, kommt auf jeder Seite das von den Fans geliebte, völlig absurde Feeling auf, dass der Reihe seit jeher eigen ist. Dabei ist „Hit-Girl in Kolumbien“ nur der erste Auftakt zu vielen weiteren weltweiten Ausflügen, bei denen die Figur in die Hände komplett neuer Kreativ-Teams übergeben wird. Als nächstes verschlägt es Mindy zum Beispiel nach Kanada und wie der Zufall es so will, nimmt der kanadische Superstar Jeff Lemire auf dem Autorenstuhl Platz und der nicht minder legendäre Eduardo Risso (im Übrigen Gast des kommenden Comicfestivals München) schwingt den Zeichenstift, um unsere Heldin(?) auf ihren nächsten Kreuzzug gegen böse Jungs zu schicken.

Bis dahin kann ich jedoch jedem empfehlen sich auf ihre nächsten Abenteuer mit dem aktuellsten Streich von Mark Millar einzustimmen.

Hit-Girl in Kolumbien
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 18.12.2018 
Format: Softcover 
Seitenzahl: 116
Preis: 14,99 EUR