[Rezension] Weihnachtsgeschichten bei Panini Comics

Die besinnliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange. Die Straßen der Städte sind geschmückt, die ersten Weihnachtsbäume sind aufgestellt und der Glühwein auf den Christkindlmärkten fließt in Strömen. Natürlich ziehen thematisch passend auch einige Verlage mit und bringen Veröffentlichungen auf den Markt, die dann zeitnah unter den Christbaum gelegt werden sollen.

Panini Comics ist tatsächlich erst im zweiten Jahr dabei, nachdem sie schon Ende 2017 mit „Weihnachten mit den DC Superhelden“ bei den Fans vorgefühlt hatten. Der Erfolg bestätigte die Vermutung um eine Nachfrage nach genau solchen Titeln und der Weg für weitere Releases wurde schließlich frei. Diesmal beschränkte man sich sogar nicht nur auf den dunklen Ritter und seine mit Superkräften ausgestatteten Kompagnons, sondern spendierte auch der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, samt den Avengers einen eigenen Band.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten

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Beim DC-Ableger umrahmt schon wie beim letztjährigen Vorgänger eine Story die zahlreichen Geschichten, die sich diesmal fast komplett aus den „DC Holiday Specials“ aus den Jahren 2009 und 2017 speisen. Nachdem Harley letztes Mal den Leser als Ankerpunkt zu Anfang begrüßte und zum Schluss verabschiedete, ist diesmal Superman an der Reihe, der als Clark Kent in einer Bar eine Diskussion mit dem grimmigen John Constantine führt. In dieser zweifelt der Mann aus Stahl daran, die Welt wirklich vom Übel befreien zu können, bis der Barkeeper des Etablissements in das Gespräch einschreitet und damit die Vorlage für die kommenden 11 Storys bietet, die sich allesamt um das Fest der Liebe drehen, aber immer einen anderen Charakter zum Träger der jeweiligen Geschichte haben. Darunter befindet sich natürlich die Crème de la Crème des DC Universums wie Batman, Flash oder Wonder Woman. Doch auch die Helden aus deer zweiten Reihe wie Huntress, die Doom Patrol oder die Teen Titans können sich präsentieren und damit unter einem gemeinsamen Thema die gesamte Bandbreite des Verlags darstellen. Alles in allem handelt es sich also um ein ähnlich leichtes Stück grafische Literatur, wie letztes Mal und damit ein schönes Geschenk für Fans, die eh schon alles haben und für Einsteiger, die die Figuren erstmal kennenlernen wollen.

Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten

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Bei der Marvel-Version findet man zwar ein ähnliches Konzept im Sinne des Themas, der Aufbau ist jedoch ein etwas anderer. im Gegensatz zu DC findet man zum Beispiel nur drei Geschichten, von denen nur die erste dem „Marvel Holiday Special 2005“ entnommen wurde und sich um eine Weihnachtsfeier bei Dr. Strange dreht, bei der das „who is who“ der Superheldenriege aufschlägt. Die besinnliche Atmosphäre wird jedoch recht bald von einem etwas seltsamen Santa Claus gestört.

Mit „Harte Zeiten in Forest Hills“ bekommt der Leser sogar einen richtigen Klassiker serviert, der im Jahr 1989 vom legendären Todd McFarlane gestaltet wurde. Hier werden Peter aka Spider-Man und Mary Jane am Vorweihnachtsabend aus ihrer Wohnung geworfen und müssen  sich um eine neue Bleibe kümmern, während der Netzschwinger parallel ein paar böse Jungs zur Strecke bringen muss.

Den Abschluss bildet „Weihnachtliches Remmidemmi“ von Darwyn Cooke und Jay Bone, dass ein zuckersüß bebildertes Abenteuer in der Nacht vor Weihnachten darstellt, in dem nicht nur der Wandkrabbler, sondern auch die Fantastic Four involviert sind.

Auch hier wird vom Leser kein Vorwissen um Handlung und Figuren verlangt. Daher macht man definitiv nichts falsch, wenn man auch diesen Band seinen Nächsten unter den Baum legt oder den Nachwuchs mit ein paar Superhelden-Geschichten überrascht, die entgegen dem Zeitgeist auch ohne explizite Gewalt auskommen, aber mit ganz viel Herz.

Batman und die Justice League: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR
Spider-Man und die Avengers: Weihnachtsgeschichten
Verlag: Panini Comics 
Erschienen am: 09.10.2018 
Format: Hardcover
Seitenzahl: 100
Preis: 14,99 EUR

Weihnachten mit den DC-Superhelden

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Vielleicht erinnert sich der ein oder andere von euch an die alten Weihnachtsspecials, die im Fernsehen liefen und die uns bekannten Charaktere aus Serien und Filmen in ein wohlig familiäres Setting setzten. Die wohl bekannteste Version ist die von Star Wars, die bis heute auf Videoplattformen herumgeistert und uns einen gewissen Schauer vor Fremdscham über den Rücken laufen lässt.

In die selbe Kerbe mit einem anderen Medium, schlägt Panini bzw. DC Comics und veröffentlicht mit „Weihnachten mit den DC-Superhelden“ eine ganz eigene Version des Fests der Liebe, bei dem sowohl Schurken als auch Helden zusammenkommen und gemeinsam zumindest für einen kurzen Zeitraum das Kriegsbeil begraben.

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Wie bei den erwähnten Shows, gibt es auch hier einen gemeinsamen Ausgangspunkt für viele unterschiedliche Storys. In diesem Fall führt Harley Quinn ein Gespräch mit dem Leser durch die vierte Wand und leitet uns von einer Geschichte zur nächsten, die jeweils für sich selbst steht und bewusst außerhalb des Kontinuums angesiedelt ist.

Hiervon gibt es 12 an der Zahl, die von unterschiedlichen Teams in Angriff genommen und auf wenigen Seiten in sich geschlossen angefertigt wurden. Dabei setzen sich die Zeichner und Autoren aus einem bunten Gemisch aus Prominenz und Geheimtipps zusammen. Zur ersten Gruppe gehören zum Beispiel niemand geringeres als Paul Dini und Neal Adams.

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© Panini Comics

Inhaltlich hatten aber offensichlich alle Beteiligten ausnahmslose Narrenfreiheit. Wie sonst, könnte man eine Geschichte um ein Team aus Batman und einem Detektiv-Schimpansen namens Bobo kreieren? Wie würde man andernfalls auf die Idee einer Waffenruhe zwischen Flash und dem Team von Captain Cold zur Weihnachtszeit kommen? Und nicht zu vergessen die Jagd nach einer Videospielkonsole für den Superheldennachwuchs!

Ihr seht, es ist das auf Papier wahr gewordene, eben angesprochene Weihnachtsspecial, bei dem sich alle Protagonisten schlussendlich in den Armen liegen. Ich für meinen Teil konnte die aberwitzigen Eskapaden genießen und musste mehrmals herzlich über die ein oder andere Szene lachen, die als deutlicher Seitenhieb auf das Genre der Sueprhelden zu verstehen war. In diesem Sinne ist „Weihnachten mit den DC-Superhelden“ nicht nur für junge Leser geeignet (keine explizite Gewalt, wie sie heutzutage üblich ist!), sondern auch für ältere Semester eine Anschaffung wert.

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© Panini Comics

Passend zum Thema eignet sich der Band auch prima als Geschenk unterm Weihnachtsbaum, da er als Hardcover wertig rüber kommt um mit einem Preis von 14,99€ nicht zu sehr am Konto rüttelt, wenn man sich spontan für eine Kleinigkeit für seine Nächsten entscheidet. Daher eine ganz klare Empfehlung meinerseits!

Weihnachten beim Morisken Verlag

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Nur noch eine Woche bis Weihnachten und ich bin mir ehrlich gesagt ziemlich sicher, dass ein Großteil meiner Leser noch nicht alle Geschenke für seine Liebsten zusammengetragen hat. Um Abhilfe zu schaffen, gibt es heute eine kleine Empfehlung aus dem unabhängigen Münchner „Morisken Verlag„.

Da die Lektüre zur besinnlichen Zeit passen muss, stelle ich euch zwei Kurzgeschichten-Sammlungen vor, die sowohl die Weihnachtsmuffel als auch Liebhaber des Fests begeistern sollten.

 

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Zum einen hätten wir „In der Weihnachtsmetzgerei„, die acht eher ungewöhnliche Geschichten beinhaltet. Titel und Cover deuten zwar schon an, in welche Richtung die Reise geht, schützen aber nicht vor so einigen Überraschungen. So spielen alle Handlungen um die Weihnachtszeit, sparen aber jegliche Klischees aus, die sich anbieten würden, um das Thema im Bereich des Horrors zu platzieren. Man merkt, dass die jungen fünf Autoren, die sowohl unter Klarnamen als auch Pseudonymen publizieren, ihre ganze eigenen Gedanken zum Stoff gemacht haben. Zum Beispiel gibt es innere Monologe von Psychopathen, die ihre Taten im Plauderton beschreiben und in naiver Art und Weise Verwunderung über gewisse Reaktionen (unter anderem beim gemeinsamen Fest unterm Baum) äußern. Darüber hinaus findet man Geschichten des Alltags, die tragisch enden, aber den Leser mit einem Augenzwinkern in die reale Welt entlassen. Am anderen Ende des Spektrums werden pervertierte Fabeln und postapokalyptische Szenarien geboten, die selbst auf dem wenigen Platz, den das Format bietet, den einen oder anderen Plot-Twist platzieren. Alles in allem also eine gelungene Mischung, bei der die Storys nebeneinander funktionieren, ohne sich gegenseitig zu bedingen. Es fühlt sich manchmal sogar an, als würde man einen Horror-B-Movie-Abend in literarischer Form genießen, der thematisch trotzdem zu Christbaum und Lametta passt. Ein kleines, aber feines Geschenk für jeden, der einen gesunden schwarzen Humor vorzuweisen hat oder sich einfach über ein ins Gegenteil verkehrtes Weihnachten freut.

Eine kleine Anekdote am Rande: Vor geraumer Zeit habe ich euch von meinen alten Bandprojekten erzählt und dabei auch auf das aktuelle Projekt von Patrick Roche namens „El Rancho“ verwiesen. Der Gute ist auch einer der Schreiber dieses Buchs. Diese Tatsache wird wohl eine Überraschung für Fans der Gruppe sein, die hier eine neue Seite des Sängers kennen lernen können.

 

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Sollten die zu Beschenkenden jedoch nichts mit Blut, Tod und Verderben anfangen können, sollte man vielleicht zum „Weihnachtskarpfen“ greifen. Hier versammelt der Autor Heribert Riesenhuber gleich zwei Dutzend kurze Geschichten, die alle im Zeitraum des Advents stattfinden und trotz fehlendem Grusel auf ihre eigene Weise skurril bleiben. Nicht zusammenhängend, aber für sich jeweils sehr unterhaltsam, beschreibt Riesenhuber Begebenheiten und Gedanken aus dem Alltag der Protagonisten, die von traurig über lustig bis kritisch reichen. Zwar kommt es einem an mancher Stelle so vor, als hätte der Verfasser einzelne Szenen aus einem größeren Kontext gelöst. Trotzdem gibt es in der Hinsicht keine Schnitzer, die das Lesevergnügen trüben könnten. Als Gesamtes ein kurzweiliges Vergnügen, dass dem Leser oftmals ein Lächeln entlocken kann. Als eigenständiges Präsent wohl etwas wenig, als Beigabe jedoch perfekt! Einige Leseproben findet ihr hier auf der Seite des Verlags.