Batman Adventures 1

batmanadventures1_softcover_174

Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Batman Adventures 1“ (Panini Comics) aufgeschlagen, schoss die Nostalgie durch meinen Kopf. Wie so viele andere Fans des dunklen Ritters meiner Generation, verfolgte ich seine Abenteuer jeden Samstag morgen auf einem uns heute immer noch geläufigen Privatsender. Bruce Timm und Paul Dini haben Jahrzehnte nach der 60er-Jahre-Serie mit Adam West eine neue Ikone der Fernsehunterhaltung aus der Taufe gehoben.

Mit „Batman“ (im Original „Batman – The Animated Series“) wurde eine Trickfilmserie umgesetzt, die sowohl jung als auch alt begeistern konnte und zeitgleich neue Wege beschritt. Die Film-Noir-Ästhetik, der hohe Wiedererkennungswert, die uvergleichliche Musik des Danny Elfman – Eine Kombination, die vielleicht nur noch bei den Simpsons auf ernsthafte Konkurrenz innerhalb des Mediums stößt. In dem Zusammenhang ist es eigentlich eine Schande, dass es nie zu einer Heimkino-Veröffentlichung in Deutschland kam. Natürlich kann man sich die vier Staffeln ohne großen Aufwand aus England bestellen, die Erinnerungen hängen aber natürlich an der deutschen Synchronisation.

Um zumnindest teilweise die alten Zeiten aufleben zu lassen, ist nun endlich der erste Band der „Batman Adventures“ erschienen. In den USA sind die Fans nämlich schon 2003 in den Genuss der Reihe gekommen, während auf dieser Seite des Teichs die Leser mal wieder in die Röhre gucken durften. Vielleicht werden nun die ersten Schritte unternommen diese Version von Batman sichtbarer zu machen und irgendwann die Fernsehserie folgen zu lassen? Wer weiß. Mit dem vorliegenden Band wird die Sehnsucht zumindest etwas gestillt.

Hier finden wir uns in altbekannten Gefilden wieder und begegnen lieb gewonnenen Charakteren in der visuellen Gestaltung, die sie zu Ikonen der Popkultur werden ließ. Allen voran Harley Quinn, die ihren ersten Auftritt sogar tatsächlich im Fernsehen und nicht im Comic hatte. Inhaltlich werden drei Story-Stränge serviert, die sich mit dem Pinguin als neuen Bürgermeister Gothams, Ras al Guls Feldzug gegen die Schurken der Stadt und Black Masks mafiöse Machenschaften beschäftigen. Alle bringen wieder das vertraute Gefühl zum Vorschein, welches man als Fan lange vermisst hat. Im Grunde also eine Art Fortführung, die man gerne in bewegter Form gesehen hätte. Bis dahin ist „Batman Adventures 1“ aber alles andere als ein Lückenfüller, sondern eine tolle Ergänzung für jeden, der mit dieser Fassung der Figuren aufgewachsen ist. Daher eine klare Empfehlung meinerseits!

 

Aaron und Baruch

13123120_10208012310798672_3164974583770730284_o

Da ich mich gerade mitten in den Prüfungsvorbereitungen befinde, verteilen sich meine Beiträge in den letzten Wochen eher sporadisch über die schnell dahinziehenden Tage.

So ist es auf auf dem Zeitstrahl meiner Reviews gar nicht so lange her, als ich über „Ghost Realm“ von Timo Wuerz berichten durfte, der gemeinhin sowohl vom Auftreten als auch von der Optik her (sowohl vom Werk als auch der Person) als Rockstar der deutschen Szene gilt. Das besondere an diesem Band ist, dass es die erste Veröffentlichung nach vielen Jahren der Abstinenz in Bezug auf die uns lieb gewordenen bunten Heftchen ist und zeitgleich der ausschlaggebende Punkt für den POPCOM-Verlag eine Werkausgabe des Künstlers auf den Markt zu bringen.

Um Timos kreative Entwicklung chronologisch nachvollziehen zu können, beginnt das Ganze mit dem 1993 erschienenen „Aaron und Baruch„, welches mit Niki Kopp als Autor umgesetzt wurde. Man merkt, dass sich die Zeiten gehörig ändern, wenn man sich die Geburtsdaten der Macher zur damaligen Zeit ansieht. So machten sich Niki mit 20 und Timo mit zarten 17 Jahren ans Werk und zauberten eine Geschichte hervor, die in der Form vermutlich selbst von alteingesessenen Veteranen mit Schwierigkeiten umgesetzt worden wäre. Vielleicht ist das Alter aber auch genau die Variable, die diesen Band so ungestüm aggressiv, erotisch und zeitgleich intelligent erscheinen lässt. Die Gefühle der Jugend waren schon immer zeitlos und genau das könnte der Grund dafür sein, dass „Aaron und Baruch“ immer noch frisch wirkt, obwohl der erste Release schon geschlagene 23 Lenze  zurück liegt.

13482907_10208343205110823_9059714019923208340_o

©Timo Wuerz

Aber eins nach dem anderen. Damit ihr diese Einschätzung besser verstehen könnt, setze ich erstmal bei der Geschichte an. Gleich zu Anfang werden uns Aaron, der seinen Lebensunterhalt als Waffenhändler bestreitet und Baruch, dessen Geschäft ebenfalls der Tod ist, aber in Bezug auf sein Profil als Auftragskiller eher der illegalen Schienen zuzuordnen ist, vorgestellt. Durch seltsame Umstände scheinen sich die Wege der beiden immer wieder zu kreuzen, während Aarons Frau ein Scharnier zwischen beiden Welten zu bekleiden scheint…

Technisch wird uns von der Erzählweise wie zu erwarten kein Popcorn vorgesetzt, sondern ein Patchwork aus Szenen, Dialogen und Textfetzen, die trotzdem gekonnt in eine logische Reihenfolge gesetzt werden. Hier wird durchaus eine gewisse Konzentration des Lesers vorausgesetzt, der dem Ablauf fokussiert folgt und das Gebotene nicht nur als Snack-Lektüre konsumiert. Innere Monologe, die erst Stück für Stück ihren Sinn preisgeben und Tauchgänge in die chaotische Psyche der Hauptprotagonisten heben das Geschehen auf eine durchgängig anspruchsvolle Ebene, während man durch viel nackte Haut und Gewaltdarstellungen gut unterhalten wird. So halten sich Pop und Art-House in der Waage, ohne zu sehr in die verkopfte oder stumpfe Ecke abzurutschen. Ich denke als Teenager oder junger Mensch, der sich an dieses Medium heranwagt und nicht von vornherein in die Unterhaltungs-Schublade gesteckt werden möchte, ist so eine Umsetzung mehr als nachvollziehbar. Das erstaunliche ist, dass es funktioniert, ohne zu viel künstlichen Pathos reinpumpen zu müssen.

13391632_10208282157344667_1174139962323703482_o

©Timo Wuerz

Nun zur visuellen Umsetzung, die ja unter dem Motto des Gesamtwerks des Künstlers den wichtigeren Part darstellt. Da ich nun sowohl die frischeste als auch älteste Arbeit mein Eigen nennen kann, ist ein direkter Vergleich angebracht. Man merkt natürlich, dass 23 Jahre an Erfahrung nicht spurlos an einem Kreativen vorbei gehen und eine Entwicklung zwangsläufig stattfinden muss. Das diese jedoch ihren Ausgangspunkt auf einem so hohen Niveau hat, darf als ungewöhnlich gelten. Zwar haben aktuelle Bilder in Bezug auf Gestik, Mimik und Raum mehr Dynamik, Details und gewagtere Perspektiven, die Qualität dieser Punkte war aber auch Anfangs der 90er schon vorhanden. Experimentelle Brüche der Panels, interessante Farbenspiele und die attraktive Darstellung der Figuren gehörten schon damals zum Standardrepertoire. Zu der Selbstkontrolle eines talentierten Malers kommt die gehörige Wut eines gerade so dem Teenager-Alter entwachsenen Menschen, die man oft im rohen Strich herauslesen kann. Ob dies nun gewollt oder intuitiv zustande kam sei dahingestellt. Das Ergebnis spricht für sich. Ich müsste lügen, wenn nicht ein klein wenig Neid in Bezug auf das fertige Produkt mit einfließen würde. Neun(!) Jahre jünger als ich es aktuell bin und schon einen Grundstein für eine steile Karriere gelegt, die weit über Comics hinausgeht und schlußendlich wieder dort landet. Kein Wunder, dass in den letzten Jahren die Schlangen auf Conventions für einen Sketch (was für ein Wort für das was auf dem Papier landet) nicht kleiner wurden, obwohl nichts neues (zumindest in Bezug auf Comics) aus der Feder des Meisters kam.

Neben der großartigen Geschichte, findet sich im hinteren Abschnitt des Bandes ein üppiger Bonus-Teil, der mit ersten Skript-Entwürfen und Test-Seiten aufwartet, kurze Storys, die in keinem Zusammenhang mit „Aaron und Baruch“ stehen und ein sehr unterhaltsames Interview mit den Machern, samt damaligen Wegbegleitern aus der Comic-Szene. Eine wirklich schöne Ergänzung, die dem Leser einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Ausgabe bietet und zeitgleich zum tieferen Verständnis der Handlung beiträgt.

13450705_10208350279007666_317157313410166568_n

©Timo Wuerz

Als Fazit kann ich ziehen, dass man hier eine immer noch aktuelle Geschichte geboten bekommt, die sowohl die grauen Zellen anstrengt, als auch den Durst nach Gewalt und Erotik stillt. Eine Kombination, mit der man auch nach mehreren Dekaden punkten kann, ohne dass es altbacken oder ausgelutscht wirkt. Ein perfekter Einstieg in die Welt von Timo Wuerz, der Lust auf mehr macht. Glücklicherweise ist das erst der Anfang und wir dürfen uns auf weitere Neuauflagen freuen, die teilweise ebenfalls mit dem Autor Niki Kopp realisiert wurden.

Wenn ihr aus unerfindlichen Gründen noch nicht überzeugt sein solltet, geht es hier zur Leseprobe!

Rover Red Charlie

ROVERREDCHARLIESOFTCOVER_Softcover_348

©Panini Comics Deutschland

Im Bereich des Films findet schon seit knapp 15 Jahren ein Revival des Zombie- bzw. Apokalypse-Genres statt und es sieht nicht so aus als ob dieser Trend demnächst abebben würde. Einen nicht geringen Anteil an der Popularität der Endzeit-Szenarios haben auch sicher die „The Walking Dead“-Comicreihe und die gleichnamige Serie samt Spin-Off zu verantworten.

Der Ablauf vom Ende der Welt bleibt dabei aber über die meisten Veröffentlichungen hinweg der gleiche. Ein Virus, eine Krankheit oder ein gescheitertes Experiment dezimiert die Bevölkerung und lässt nur einen Haufen nach Menschenfleisch gierender Zombies zurück. Die Helden folgen zeitgleich ebenfalls einem bekannten Muster. Ein Anführer, ein Verräter, ein alter weiser Mann, der Situationen kurz vor der Eskalation entschärft usw.

Nun bin ich in diesem Zusammenhang auf etwas ganz besonderes gestoßen. Zunächst muss ich sagen, dass mir das Cover der zu besprechenden Geschichte einen etwas anderen Eindruck vermittelt hat, als am Ende geboten wurde, aber dazu gleich etwas mehr. In jedem Fall ist „Rover Red Charlie“ auf mehreren Ebenen etwas ganz spezielles.

Dann muss ich auf den irischen Skandal-Autor eingehen, der hinter der Story steckt. Selbst wenn ihr Garth Ennis nicht sofort vom Namen her kennt, sind euch sicherlich einige seiner Werke bekannt. Zum Beispiel läuft im Angebot von Amazon Prime aktuell die auf seinem Comic „Preacher“ basierende Serie und regelmäßige Leser der Panini Preview sind bestimmt über die Crossed-Reihe gestolpert, die aufgrund ihrer Brutalität in Bild und Text ganz gerne mal geschwärzt angekündigt wird. Beide Publikationen geben von ihrer Art her schon den Ton an, dem sich Ennis generell treu bleibt. Das heißt im Klartext: brutal, zynisch, aufwühlend, lustig und dabei intelligent.

Einen nicht zu übersehenden Bruch gibt es dennoch. Die Hauptcharaktere sind die titelgebenden Hunde „Rover“, „Red“ und „Charlie“. Die drei Kumpel finden sich mitten in der obligatorischen Apokalypse wieder, bei der es zwar keine wandelnden Untoten gibt, aber eine sich selbst massakrierende Bevölkerung, die sich entweder selbst verbrennt, von Häusern stürzt, gegen Wände läuft und alle um sich herum mit in den Tod reißt. Der unvermittelte Einstieg gibt dem Leser das Gefühl, welches die Protagonisten gleichermaßen empfinden: Verwirrung, Schock und Panik.

Wie durch ein Wunder schaffen es die drei aus dem Chaos ihrer Stadt (vermutlich New York) und stehen vor den selben Herausforderungen wie die Charaktere aus anderen Reihen dieser Art. Die Menschen („Fütterer“ genannt) haben sich selbst ausgerottet, geben in der Folge keine Anweisungen mehr, können im Fall der Fälle nicht für die Hunde da sein. Nun müssen die Tiere selbstständig Nahrung suchen, sich zurechtfinden und Pläne für ihre eigene Zukunft schmieden. Dementsprechend fassen sie nach kurzer Zeit den Entschluss ihr Glück am „größeren Platsch“ (Westküste) zu suchen und begeben sich auf eine einzigartige Reise im Stile eines Road-Movies.

red-rover-charlie-1-ennis-dipascale-avatar-02

©Avatar Press

Nun könnte man in Versuchung kommen zu glauben, dass alles irgendwie drollig abläuft und die Grundstimmung trotz der Ausgangslage eine witzige Komponente hat. Weit gefehlt. Zwar werden den Figuren menschliche Eigenschaften wie der Dialog untereinander zugestanden, aber dieses Werkzeug wird nur so viel wie nötig eingesetzt. So wird die Gefahr einer Parabel auf menschliche Charaktere vermieden und der damit einhergehende individuelle Ansatz noch weiter verfestigt. Selbst die menschlich anmutenden Verhaltensweise und die Sprache selbst werden genutzt um den Fokus auf die jeweilige Tierrasse und ihre Charakteristika zu lenken. Hunde besitzen ein geringes Vokabular („Ich bin ein Hund! Ich bin ein Hund!“ als Äquivalent zum Bellen), Katzen interessieren sich nur für sich selbst, sind verschlagen und deutlich intelligenter als ihre anderen vierbeinigen Genossen (auch vom Sprachgebrauch), während zum Beispiel Hühner an der Grenze zur Debilität wandern. Das Ganze funktioniert so unglaublich gut, dass man am liebsten dem Autor persönlich zu dieser Leistung gratulieren möchte. Vor allem wird nichts grundlos dargestellt. Alle Handlungen bringen die Geschichte voran und zementieren zeitgleich die dargestellten Protagonisten.

Es läuft im Übrigen typisch für Garth Ennis, in einer leicht Pathos-geschwängerten Atmosphäre ab, die gelegentlich von seinem schwarzen Humor aufgebrochen wird. Hierbei gelingt es ihm immer wieder, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn zunächst lustig anmutende Situationen in bestialischer Grausamkeit münden. In einem Wort: genial! Vor allem schafft er es, dass man mit den zunächst doch leicht cartoonesk wirkenden Figuren mitfiebert und teilweise sogar mitleidet. In meinen Augen mit den gegebenen Mitteln ein Kunststück, welches andere Schreiber nicht mal mit klassischen Methoden hinkriegen.

img_1159

©Avatar Press

Auf der visuellen Ebene finden wir Michael DiPascale, der mit seinem sehr eigenen Stil eine Welt erschafft, die ständig zwischen abwegig surreal und photorealistisch schwankt und dabei die Story in ihrer Wucht umso mehr unterstreicht. Da er hierbei ausschließlich digital arbeitet, gelingen ihm hier Farbkombinationen und Darstellungen, die man am Zeichentisch vermutlich nie zu sehen bekommt. Zwar gehen andersrum Aspekte verloren, die man im Medium Comic üblicherweise findet, doch allein schon wegen dem ungewöhnlichen Setting passt die Umsetzung wie die Faust aufs Auge.

Zusammengefasst muss ich euch diese Veröffentlichung unbedingt ans Herz legen. Es ist ungelogen eine der besten Geschichten, die ich in den letzten Monaten lesen durfte. Aufregend, emotional aufwühlend und durchwegs eigenständig. Kein Wunder, dass Panini Comics sich an einen Release des Indie-Verlags Avatar Press heran getraut hat um die deutschen Leser zu beglücken. So etwas wie „Rover Red Charlie“ darf man einfach niemandem vorenthalten. In diesem Sinne: Entweder gleich im Internet bestellen oder zum Comic-Händler eueres Vertrauens rennen! Es lohnt sich!

RRC-1-Pg-10-11-colored-3

©Avatar Press