Moby Dick

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Man kann selten von einem Vorteil reden, wenn man gewisse Werke der Weltliteratur nie gelesen hat. In meinem Fall gehört Herman Melvilles „Moby Dick“ dazu und wäre vermutlich auch von mir weiterhin links liegen gelassen worden, wenn Egmont Graphic Novel nicht vor kurzem eine Ausgabe zu genau dieser Geschichte herausgebracht hätte. Nicht, dass ich kein Interesse oder Muse hätte mich an solche Schinken heranzutrauen, aber das Thema hat mich als Buch nie wirklich interessiert. Nun habe ich mich mit der graphisch aufbereiteten Lektüre, die zum ersten mal im Jahr 1851 auf den Markt gebracht wurde, auseinandergesetzt und muss wirklich sagen, dass ich schwer begeistert bin.

Aber erstmal zum Inhalt, falls ich nicht der einzige sein sollte, der nur weiß, dass ein gejagter weißer Wal mit dem titelgebenden Namen in der Story auftaucht. Der junge Ismael heuert auf dem Walfänger „Pequod“ als Matrose an, um die Welt auf dem weiten Meer kennen zu lernen und macht dabei mit dem geistig und körperlich versehrten Kapitän des Schiffes Ahab Bekanntschaft. Diesem wurde vor langer Zeit bei einem Jagdausflug ein Bein vom sagenumwobenen Tier abgerissen und an diesem will der alte Mann nun Rache nehmen. So schwört er seine Mannschaft mit Ritualen und seiner bloßen Präsenz auf eine Jagd ein, die für einige den sicheren Tod bedeuten kann. Das Schiff läuft aus und die Geschichte nimmt ihren unausweichlichen Gang…

Ab hier möchte ich ungern weitere Details verraten, um für diejenigen, die die Geschichte noch nicht kennen sollten, die Spannung zu erhalten.

Was die visuelle Umsetzung anbelangt, hat es mit Christophe Chabouté genau der richtige Mann für dieses Projekt erwischt. Dieser arbeitet in einem komplett schwarz-weißen Stil ohne jegliche Schattierungen. Diese Machart gibt der Geschichte einen, in meinen Augen, angenehm düsteren Touch. Nach all den bekannten Parodien und kitschigen Abhandlungen in allen erdenklichen Medien, empfinde ich es hier als tolle Abwechslung. Durch die harten Konturen und die detaillierte Ausarbeitung von Figuren (vor allem der Mimik) und Umgebung wirkt die Szenerie dabei durchgängig lebendig und zieht den Leser in ihren Bann und damit in die Welt des Herman Melville. Dafür, dass Chabouté schon eine Vielzahl an Werken veröffentlicht hat, ist es für mich umso erstaunlicher, dass ich ihn erst jetzt entdeckt habe. Notiert euch diesen Namen!

Ich habe zwar, wie schon erwähnt, das Ursprungswerk nie gelesen, wage aber zu behaupten, dass die Umsetzung sehr gut gelungen ist und zu den besten ihrer Gattung gehört. Atmosphäre, Inhalt und Darstellung harmonieren so gut miteinander, dass ich diese Graphic Novel guten Gewissens jedem empfehlen kann, der sich für entsprechende Themen begeistern kann. Jedem anderen sei zumindest ein Blick ins Buch ans Herz gelegt. In diesem Sinne: Viel Spaß beim lesen!

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Feuer und Stein – Predator

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Nachdem ich schon das Glück hatte die ersten drei Bände der erfolgreichen „Feuer und Stein“-Saga von Cross Cult zu besprechen, ist vor kurzem endlich die Abschlussausgabe „Predator“ in meinen Briefkaste geflattert.

Diese greift wieder die Geschichte um den Söldner Galgo auf, der nach einer gescheiterten Mission sein Schiff „Perses“ und damit sich selbst in Sicherheit bringen möchte. Was er nach dem Angriff der Predatoren im Vorgänger-Band nicht mitbekommen hat, ist jedoch, dass er einen blinden Passagier mitgenommen hat, der ganz andere Pläne hat. Der Predator „Ahab“ (wie er im Laufe der Geschichte von den anderen Figuren betitelt wird) möchte die ultimative Trophäe in Form eines „Konstrukteurs“ in den Händen halten und zwingt dementsprechend den verängstigen Piloten dazu den Kurs auf den infizierten Mond zu nehmen, auf dem das Chaos seinen Anfang nahm.

Auf diesem findet nun das ungleiche Duo die zu einer Handvoll dezimierten Überlebenden der Katastrophe um Kapitän Angela wieder. Nun zu einer größeren Gruppe zusammengeschlossen, fängt die Crew an nach einem Fluchtweg aus ihrem Gefängnis zu suchen als plötzlich der mit der schwarzen Flüssigkeit infizierte Android „Elden“ auf LV-223 abstürzt und der Handlung eine erneute Wendung hinzufügt, die mit großen Schritten auf das offene Ende der Geschichte zusteuert.

Das dieser letzte Teil überhaupt nachzulesen ist, haben wir der Kurzgeschichte „Omega“ zu verdanken, die die Fäden der bis dato erzählten Geschichte nach der Haupt-Story zusammenführt, dem Leser aber selbst überlässt sich Gedanken darüber zu machen, was aus den übrig gebliebenen Charakteren wird. Ohne diese letzten Seiten wäre in meinen Augen ein viel zu großes Fragezeichen übrig geblieben, welches mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Nur mit dieser Erweiterung macht es Sinn, die vorangegangenen Bände überhaupt in eine Reihenfolge zu setzen. Man muss jedoch dem „Predator“-Autor Joshua Williamson zugute halten, dass er als einziger mit der Aufgabe betraut wurde, die vorhandenen Puzzle-Stücke zu einem Ganzen zu formen und dies auch sehr atmosphärisch und zum Teil sogar recht witzig in Szene setzt. So etwas wie Humor ist weder typisch für die Filme, auf denen die „Feuer und Stein“-Saga beruht, noch ist es ein Element, dass in den anderen Geschichten als Stilmittel verwendet wird. Trotzdem fügt es sich sehr gut in den Story-Strang ein und vermittelt dabei zwangsläufig ein frisches Lese-Gefühl, welches auch auf dieser Ebene für einen schönen Cut zwischen den Bänden sorgt. Somit gelingt der etwas schwierige Spagat vier eigenständige Geschichten kreieren zu wollen, die jedoch unter einer Zeitlinie zusammen kommen.

Das Finale wird dabei wieder von einem Künstler umgesetzt, der sich deutlich von seinen Vorgängern abhebt und dabei seine ganz eigene Art einbringt. Wenn es so etwas wie einen „klassischen Action-Stil“ gibt, beherrscht ihn Christopher Mooneyham souverän und erzeugt über mehrere Panels hinweg ein wunderbares Gefühl von Bewegung und Tempo, welches im positiven Sinne kaum Zeit zum durchschnaufen gibt. Zusätzlich nimmt sich der Künstler die Freiheit schon vorhandene Figuren aus dem Film-Universum in seinem Sinne zu modifizieren und kleine Easter-Eggs einzubauen, die nach Entdeckung für zusätzliche Heiterkeit sorgen. So ist zum Beispiel der nach dem Moby Dick-Jäger benannte Predator ähnlich übel zugerichtet wie sein Namensvetter und dadurch in seiner Wirkung noch martialischer. Als kleinen Kontrast trägt er jedoch den Schädel eines simplen Schnabeltiers als Halsschmuck. So ein exotisches Wesen musste wohl auch Teil seiner Trophäen-Sammlung werden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass „Predator“ ein Muss für jeden Sammler der bisherigen Reihe ist, welches es dabei dank der schon erwähnten Kurzgeschichte schafft einen finalen Bogen über die „Feuer und Stein“-Saga zu spannen. Das hinterlässt wiederum ein gewohnt wohliges Gefühl der Vollendung einer Geschichte, wie es nur nach einer Reise über mehrere hundert Seiten eintreten kann. Science Fiction wird zwar vermutlich nie mein Steckenpferd im Bereich der Comics und Graphic Novels werden. Trotzdem beweisen Veröffentlichungen wie die hier vorliegende, dass das Genre spannende Unterhaltung bieten kann, ohne in das oft so naheliegende Klischee abzurutschen.

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#refugeeswelcome

Ein musikalisches Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helfer in München und ein Willkommen an alle Flüchtlinge! München sagt Danke mit „WIR. Zusammen für geflüchtete Menschen“!

  

Lindemann – Fish On (Music Video)

„Moby’s Dick Is Out Of Sight, They Find My Nemo Every Night!“

Das neue Musik-Video zu Lindemanns „Fish On“ ist endlich draußen und ist glücklicherweise genauso grotesk, wie man es von dem Duo erwartet. Für die Zartbesaiteten unter euch: Diese Band versteht sich als Spaß/Party-Projekt und spielt mit der Provokation, um die entsprechenden Reaktionen hervorzurufen. Die Single zum Track ist heute erschienen und beinhaltet neben dem titelgebenden Song zwei bisher unveröffentlichte Aufnahmen!

David Lagercrantz – Verschwörung

Wie ich schon vor einiger Zeit berichtet habe, ist inzwischen der vierte Teil der Millenium-Reihe „Verschwörung“ erschienen und wie zu erwarten sofort an die Spitze der Bestseller-Liste geschossen.
Heute will ich endlich den Unentschlossenen unter euch erzählen, ob sich die Anschaffung trotz des neuen Autors lohnt bzw. den Besitzern des aktuellsten Werks meine Meinung kundtun und sehen ob sie sich mit eurer deckt. Die Dauer zwischen Ankündigung und Release dieses Artikels ist übrigens meinem parallelen Umzug und dem Start ins Studium geschuldet. Sorry dafür!

Zunächst mal muss ich sagen, dass ich vermutlich wie die meisten Fans der Original-Reihe ein gewisses Misstrauen gegenüber der Ankündigung des neuen Buches hatte. Wie würde sich der Schreibstil verändern? Erkenne ich die mir bekannten Figuren wieder? Solche und viele weiteren Fragen kreisten in meinem Kopf bis zu dem Tag an dem ich das auch visuell aufgefrischte Werk in den Händen hielt.
Mit dem silbernen Drachenmuster auf schwarzem Grund soll wohl auch optisch ein Cut entstehen um den Lesern auch unterbewusst die Veränderung näher zu bringen. Inhaltlich finden wir uns jedoch glücklicherweise in bekannten Gefilden wieder, die immer wieder Bezug auf die legendäre Trilogie und ihre Ereignisse nehmen und sogar die aktuelle Handlung teilweise stark beeinflussen.

Wenn man jedoch zu lesen beginnt, lässt einen auf den ersten Seiten das Gefühl nicht los, dass es sich um Fan-Fiction handeln muss, da Larsson (offensichtlich) keinen Einfluss auf Verlauf und Inhalt hatte. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie ein Puppenspieler seine Fäden einem anderen in die Hände drückt. Es bleiben die selben Figuren aber irgendwas scheint anders zu sein.
Wie wir doch alle wissen, verschwimmt bei einem guten Buch irgendwann die Grenze zwischen der analytischen Herangehensweise über die ersten 1-2 Kapitel und dem Eintauchen mit Kopf und Seele in die Handlung. Ein bisschen so, als hätte man ein paar gute Freunde für mehrere Jahre nicht gesehen und müsse sich erstmal wieder annähern bevor alles so ist, wie es früher einmal war.

Nun aber zum eigentlichen Geschehen, dem wir im Laufe der knapp 600 Seiten begegnen. Nicht nur in der Realität des Lesers, sondern auch im Leben des Mikael Blomkvist sind die Jahre ins Land gezogen und die Gesellschaft hat sich spürbar verändert. Während Hacking in den früheren Werken ein exotisches Phänomen war, halten nun NSA, soziale Medien, abhörsichere Handys, Shitstorms und das Darknet Einzug in den Alltag der Figuren. In dieser Umgebung gilt der Starjournalist plötzlich als altbacken und abgehängt. Selbst als ihm der berühmte Informatiker Frans Balder einige brisante Informationen zukommen lassen will, ist er zunächst abgeneigt, da die Materie in diesem Bereich den Mann überfordert.

Erst als sich herauszukristallisieren beginnt, dass Blomkvists alte Bekannte Lisbeth Salander in der Geschichte eine Rolle spielt, sagt er zu, der Sache nachzugehen. Die Gedanken an die Erlebnisse mit der Soziopathin samt Drachen-Tattoo lassen ihn auch nach all der Zeit nicht los. Als kurz darauf ein folgenreicher Mord verübt wird, beginnt die eigentliche Geschichte, die vor überraschenden Wendungen nur so strotzt, neue Gesichter einführt, die wir vermutlich in Nachfolgebänden wieder treffen werden, sich alter in der einen oder anderen Form entledigt und uns bis zu den letzten Seiten raten lässt wie sich alles auflösen wird.

Dabei werden interessante Themen wie Autismus samt Inselbegabungen, organisierte Kriminalität oder der gläserne Bürger geschickt mit der Handlung verwebt und bis zu einem gewissen Grad realistisch aufbereitet. Dies ist kein Wunder, da dem Autor mehrere Profis aus den einzelnen Gebieten mit Rat und Tat zur Seite standen. Darüber hinaus ist es ganz nützlich seine ersten Schritte im journalistischen Milieu als Kriminal-Reporter getätigt zu haben und damit einen realistischen Blick auf die Schattenwelt der Gangster zu haben. Diese haben wie schon angedeutet den Bereich der klassischen Verbrechen á la Menschenhandel, Drogen und Gewalt zum Nebenschauplatz erklärt und das Internet als Umschlagplatz und Schlüssel für allerlei Machenschaften für sich entdeckt. Ein geschickter Kniff um Lisbeth Salander, das Cyber-Genie, als ebenbürtige Gegnerin aufzustellen, die es nicht nur mit Kriminellen sondern auch mit legal agierenden Akteuren wie Regierungsorganisationen aufnimmt. Dabei schrammt der Inhalt oft an Kitsch und Überzeichnung vorbei, überschreitet dabei jedoch nie die Grenze, die das Ganze zur Popcorn-Unterhaltung kippen lassen würde.

Ab hier ist es schwierig weiter auf das Geschehen einzugehen ohne zu viel Vorweg und damit die Spannung zu nehmen. Alles in allem kann man sich das vorliegende Buch als eine verdammt gute Cover-Version eines erfolgreichen Songs vorstellen, der plötzlich wieder die Charts stürmt. Vielleicht ist es bloss das Bewusstsein, dass nicht mehr Stieg Larsson federführend ist oder es ist tatsächlich ein veränderter Schreibstil, den man sich eventuell auch nur einbildet. Am Ende ist es tatsächlich der Beginn eines gänzlich neuen Kapitels der Millennium-Saga, den man als gelungen bezeichnen kann. Puristen werden sich abwenden, doch der Erfolg gibt dem Buch vollkommen recht und sichert den Fans von Lisbeth und Co. eine Zukunft auf die man sich freuen kann.

SlipKnoT – XIX (Music Video)

Nicht nur die Tournee wurde heute von den Maskenmännern um SlipKnoT angekündigt, sondern auch ein neues Musik-Video veröffentlicht. „XIX“ ist der Opener des aktuellen Albums „.5: The Gray Chapter“ und bei den meisten Konzerten auch die Begelitmusik zum Einmarsch der Truppe auf die Bühne. Wieder mal lebt das Gezeigte von Symbolik und Anspielungen. Ich denke, dass insbesondere die Anzahl der Frauen und der Sarg ein direkter Verweis auf den verstorbenen Bassisten Paul Gray ist. Eure Meinung?

Rammstein – In Amerika

„Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit“

Diesen Satz könnte die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten vermutlich auf jedes Album packen und der Wahrheitsgehalt würde dabei immer der gleiche bleiben. So mussten sich die Rammstein-Fans ganze 5 Jahre gedulden bis DER Meilenstein ihrer unvergleichlichen Live-Geschichte endlich in den Handel kam und dem geneigten Publikum endlich die imposante Show des „Liebe Ist Für Alle Da“-Runs fürs Wohnzimmer geliefert wurde.

Aber erstmal eins nach dem anderen. Nachdem sich das Sextett fast ein Jahrzehnt lang nicht in den USA hat blicken lassen, beschlossen die Jungs aus Berlin nach ihrer mehr als erfolgreichen Europa-Tournee und dem Chart-Erfolg ihres damals aktuellen Albums auf Tuchfühlung mit mit den Amerikanern zu gehen und ein einziges Konzert für die Staaten anzukündigen. Rammstein wären doch nicht wer sie sind, wenn sie nicht alles eine Nummer größer aufziehen würden. Als Finale ihrer Reise durch den südamerikanischen Raum und Kanada, beschlossen sie den legendären Madison Square Garden in New York zu bespielen. Den Ort, den jeder kennt ohne dort gewesen zu sein. Die Halle, die der endgültige Beweis aus Beton ist, dass man es als Musiker geschafft hat und den Titel Rockstar zu recht trägt.

Nicht jeder schafft es dort aufzutreten und erst recht keine Band aus dem Ausland, die in ihrer Landessprache singt. Da haben die Amis eben ihre Eigenarten und einen ganz speziellen Geschmack. Die große Ausnahme bildete wider erwarten die hier beschriebene Metal/Rock/Industrial-Combo aus dem Osten, die es allen ernstes geschafft hat, die 18.000(!) Plätze innerhalb von 20 Minuten auszuverkaufen. Dieses Satz muss man erstmal sacken lassen. Ostdeutsch, martialisch, provokativ. Nicht gerade die vielversprechendsten Voraussetzungen und doch haben Rammstein etwas geschafft, dass in Zeiten von illegalen Downloads und Streaming-Diensten einem Weltwunder gleich kommt.

Mit ihrer kompletten europäischen Stage-Production, die ganze 18 Trucks füllt, legten sie ein Konzert hin, dass bis dato ihren Höhepunkt in Sachen Theatralik, Pyrotechnik und Umfang darstellt. Wer 2009/2010 auf einem ihrer legendären Gigs war, weiß definitiv wovon hier die Rede ist. Nun kann man sich das Ganze nochmals im gemütlichen Sofa zu Gemüte führen und sich den glasklaren Klang im 5.1 Surround-Sound um die Ohren fliegen lassen. Natürlich kann man dabei zeitgemäß die Entscheidung treffen, ob man das Konzert auf DVD oder Blu-Ray erwerben möchte. Zweites ist vor allem deswegen zu empfehlen, da die Band bekanntlich ein hohes Augenmerk auf die visuelle Gestaltung legt und eine HD-Auflösung dem nur entgegen kommen kann. Im Vergleich zu „Völkerball“ (letzte Live-Veröffentlichung) wurde sowohl am Sound als auch Bild gewaltig geschraubt. Kein Rauschen, kein trockener Sound-Teppich, sondern satte Gitarren-Riffs, treibende Beats und Till Lindemanns Gesang, die in fast schon Studio-tauglichem Klang unsere Ohren verwöhnen. Es gibt wirklich wenige Konzert-Mitschnitte in meiner DVD/BluRay-Sammlung, die ich öfter angucken würde (z.B. „Disasterpieces“ (Slipknot) oder „God, Guns and Gouvernement“ (Marilyn Manson))  aber „In Amerika“ gehört definitiv dazu.

Rammstein In Amerika Innenansicht

Natürlich bleibt es bei dieser Veröffentlichung nicht nur beim Mitschnitt ihres fantastischen Gigs. Auf die zweite Disc wurden nämlich zwei sehr unterhaltsame und vor allem interessante Dokumentation über die Band beigefügt. Zum eine wäre da das Herzstück der Scheibe: „Rammstein In Amerika“, ein über zwei Stunden langes Dokument über die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die deutsche Band schlechthin. Hannes Rossachers Film bietet dabei auch dem Hardcore-Fan sehr viel neues. Großteils besteht der Streifen nämlich aus bis dato gänzlich unbekannten Aufnahmen aus allen Tour-Zyklen der Band bis zum triumphalen Finale in New Your City. Angefangen in den Tagen, als die sechs Musiker nach der Wende unabhängig voneinander den Kontinent zum ersten mal bereisten und sich zum Teil noch nicht mal kannten, über ihren ersten wirklichen Hit „Du Hast“, der auch in den dortigen Radio-Stationen auf heavy-rotation lief und den Jungs einen Platz auf der berühmt-berüchtigten „Family-Values“-Tour sicherte, bis hin zu persönlichen Einblicken in das Leben hinter der Bühne und die damit verbundenen sowie einschneidenden Ereignisse (Verhaftungen, 11. September, interne Streitereien usw.). Dabei berichtet nicht nur die Band, sondern auch ihre musikalischen Wegbegleiter und prominenten Fans aus erste Hand in Form von Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), Moby, Munky (KoRn), Clown (SlipKnoT), Gene Simmons (KISS), Scott Ian (Anthrax), Melissa Auf der Maur (Hole/Smashing Pumpkins), Steven Tyler (Aerosmith), Kiefer Sutherland (24) und vielen anderen. Sie alle geben Einblick in die ersten Gehversuche der Formation in dem neu erschlossenen Musikmarkt, bis zu ihrer Wiedergeburt am Anfang der 2010er-Jahre.

Als Sahnehäubchen findet man zusätzlich eine knapp 20-Minütige Dokumentation zur Entstehung des Nummer 1-Albums „Liebe Ist Für Alle Da“, welches mit Amerika als Entstehungsort vielleicht der erste gedankliche Schritt an die Annäherung bezüglich den USA zu verstehen sein könnte.

Bei einer Band die so sehr auf ihre Außenwirkung achtet, ist es zusätzlich nicht verwunderlich, dass auch die Aufmachung der DVD/BluRay mehr als ansprechend gestaltet wurde. Neben dem prägnanten Cover mit als US-Flagge stilisiertem Obelisken auf silbernem Grund, findet man im Inneren des Digipacks noch die außergewöhnlichen Fotos von Andreas Mühe, der Rammstein für eine Sonderedition des Magazins der Süddeutschen Zeitung auf ihrer Reise durch Amerika abgelichtet hat. Der Autor des dort erschienenen Berichts Alexander Gorkow bringt dabei die Beschreibung der Konzerte Rammsteins genau auf den Punkt, der auch für diese Veröffentlichung gilt:

„So hell ist das, so laut, so heiß, wenn ein Planet entsteht.“

Setlist:

  1. Rammlied
  2. B********
  3. Waidmanns Heil
  4. Keine Lust
  5. Weisses Fleisch
  6. Feuer Frei!
  7. Wiener Blut
  8. Frühling In Paris
  9. Ich Tu Dir Weh
  10. Du Riechst So Gut
  11. Benzin
  12. Links 2, 3, 4
  13. Du Hast
  14. Pussy
  15. Sonne
  16. Haifisch
  17. Ich Will
  18. Engel

Katharsis

Katharsis

„Eines Tages ist mir das Zeichnen abhandengekommen. Am selben Tag wie auch eine Handvoll teurer Freunde“

Am 7. Januar 2015 veränderte sich die Welt für alle Kunstschaffenden und Freidenker, als zwei Fanatiker versuchten das geschriebene Wort und den gemalten Strich mit Gewalt auszuradieren. Wie wir inzwischen alle wissen, haben sie genau das Gegenteil erreicht und der bekannten Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ sowie der kritischen Kunst im Allgemeinen zu einer Widergeburt verholfen, die ihresgleichen sucht.

Was jedoch hinter dem abstrakten Konstrukt eines Magazins schnell in den Hintergrund gerückt ist, sind die menschlichen Schicksale der Ermordeten aber vor allem der Überlebenden dieses Massakers. Allen voran der Illustrator Luz, der sich für die Gestaltung des legendären Covers verantwortlich zeigt, welches den Lesern in einer Millionen-Auflage in seinem grünen Schimmer aus den Kiosk-Buden dieser Welt entgegen leuchtete.
Dieser Mann verdankt es einem glücklichen Zufall, dass er an seinem Geburtstag(!) eine Stunde zu spät die Büro-Räume seines Arbeitgebers erreichte und damit dem sicheren Tod entging. Für uns als Außenstehende ist es auch mit der größten Anstrengung nicht möglich die Gedanken und Gefühle nachzuvollziehen, die einen Menschen beim Anblick seiner toten Freunde und Kollegen durchdringen müssen. Wir können es nicht nachempfinden, was es für ein Gefühl sein muss zu realisieren, dass man seine Frau an diesem Morgen fast zum letzten mal gesehen hätte.

Nun ist so etwas wie das visuelle Psychogram des Künstlers erschienen, der nach dem Trauma temporär die Fähigkeit zu Zeichnen verloren und einige Monate später seinen Beruf bei „Charlie Hebdo“ endgültig an den Nagel gehängt hat. „Katharsis“ ist eine emotional sehr schwer verdauliche Sammlung an Cartoons geworden, die Luz im Laufe der Zeit angefertigt hat um die Angst, Trauer, Wut, seinen Weg zurück ins Leben und zur Kunst zu verarbeiten. Angefangen bei seiner Aussage bei der Polizei, während der er das vor Entsetzen starrende Männchen zu Papier brachte, welches auch das Titelbild des Bandes ziert, über Träume, die den eigenen Tod und immer wieder die zwei Mörder thematisieren, bis zur Verarbeitung des Geschehens am Tag der alles verändern sollte, nimmt uns Luz auf eine Reise, die den Leser bis an die Grenzen des emotional Erträglichen bringt.

Das hat vor allem damit zu tun, dass aus jeder, dem Medium Cartoon entsprechend übertriebenen und oftmals recht witzigen Darstellung, die brutale Realität entgegenspringt und dabei jedes Thema streift, welches zum Zeitpunkt des Anschlags aufgekommen ist. Die Solidarität der Gesellschaft, die Verschwörungstheorien einiger Verwirrter, die Anteilnahme der Politik und die plötzlich einsetzende Paranoia im Herzen Europas. Hinzu kommen sehr persönliche Themen in Form von Zusammenbrüchen, Angst-Anfällen, die Schuldgefühle überlebt zu haben und die Hilfe seiner Frau, ohne die der Künstler das Geschehene vermutlich kaum hätte verarbeiten können.

Dabei schwankt der Stil zwischen klassischem Comic, abstrakten Darstellungen und dem dezenten Einsatz von Farbe, die sich auf rot und blau beschränkt. Besonders beeindruckend und dabei umso schmerzlicher, sind zwei Geschichten, die direkt mit dem Angriff zusammenhängen. Zum einen das Eintreffen von Luz am Tatort, an dem ihn Blut-Spuren direkt in die Redaktionsräume führen, die symbolisch als eine gänzlich rot eingefärbte Seite dargestellt werden an deren Ecke ein kleiner blauer Punkt zu sehen ist. Dieser formt sich daraufhin immer weiter in ein Objekt, bis man feststellt, dass es sich um die blaue Jacke seiner Frau handelt, die am Tatort eingetroffen ist und ihn in den Arm nimmt. In diesem Zusammenhang habe ich selten eine so schöne Bebilderung eines rettenden Ankers in Not gesehen, die einerseits überrascht und zum Anderen tief berührt. Die andere Geschichte erzählt vom verspäteten Aufbruch am Geburtstag des Künstlers, an dem ihm seine Frau liebevoll gratuliert, sie sich gegenseitig ihre Liebe bekunden und er fröhlich in die Arbeit fährt. Plötzlich empfängt seine Partnerin (scheinbar die original zitierten!) Kurznachrichten, die vom Schock und der Fassungslosigkeit am Ort des Geschehens zeugen. Diese Darstellung führt so tief in die Gefühlswelt der Beteiligten, dass ein Kloß im Hals noch die geringste emotionale Regung des Lesers sein sollte.

Bei der Beschreibung des Inhalts könnte man denken, dass es sich um ein zutiefst depressives Werk handelt. Doch ein Cartoonist verdient seine Bezeichnung nicht, wenn er es bei all dem Schrecken nicht schaffen würde seinen eigenen Humor mit einfließen zu lassen. Kaum eine Darstellung (mit wenigen Ausnahmen!) kommt ohne Pointe aus, die den Tätern eins nachträglich auswischt, die Medien tadelt oder die kurz anhaltende, oftmals oberflächliche Solidarität geißelt. So schließt das Buch auch mit einem versöhnlichen Motiv ab, welches den Anfang des Werks wieder aufgreift. Dabei wird symbolisch aufgezeigt, dass der Künstler aus Angst nicht stehen bleibt, sondern sich in Form des anfangs gezeigten, paralysierten Männchens in Bewegung Richtung Zukunft setzt.

Trotz der sensiblen Thematik wird hier jedoch kein Voyeurismus bedient, da die Darstellung durchgehend abstrakt bleibt und damit trotz der Nähe zur Realität eine Art Trennwand erschaffen wird, die der Person des Künstlers und den Opfern den nötigen Abstand verschafft.

Dieses Buch ist in meinen Augen für diejenigen gedacht, für die der Angriff auf „Charlie Hebdo“ nicht nur eine von vielen Katastrophen darstellt. Es wurde für jene herausgebracht, die Kunst- und Redefreiheit nicht nur als gegenstandslose Begriffe ansehen. Es liegt in den Buchläden für die Menschen, für die der Schock nicht primär durch die sinnlose Gewalt gegen Menschen kam, sondern durch den Angriff auf die Gedanken, die Freiheit und die Kunst.

Der Fluch Der Spindel

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Bei dieser aktuellen Rezension handelt es sich hinsichtlich der Art und des Inhalts um eine ganz Besondere. Wie oft kommt man denn auch heutzutage dazu ein Märchen zu lesen und dieses auch noch zu bewerten?

Diese Chance habe ich nun durch Knesebecks „Der Fluch der Spindel“ bekommen und habe sie auch sehr gerne genutzt. Zunächst könnte man aufgrund des Titels und des entsprechenden Covers darauf kommen, dass es sich einfach nur um eine aufgewärmte Version von „Dornröschen“ handeln könnte, doch weit gefehlt! Der Autor Neil Gaiman, den man als Comic-Fan vor allem durch sein Wirken an der legendären „Sandman“-Reihe kennen sollte, schafft es in der vorliegenden Ausgabe zwei ganze Welten, die einem von Kindesbeinen an bekannt sein sollten, zu verweben.

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So haben wir eine junge Königin, die von ihrem Zwergen-Hofstaat am Vortag ihrer Hochzeit darum gebeten wird bei der Rettung einer verfluchten Prinzessin mitzuhelfen. Diese wurde samt ihres gesamten Reiches in einen magischen Schlaf versetzt, welcher (typisch für Märchen) nur durch einen Kuss wieder gebrochen werden kann. Allein diese Ausgangslage zeigt deutlich welchen Ursprung diese Figuren haben. Erstere ist selbstverständlich „Schneewittchen“, die nach ihrer Rettung durch den Prinzen auf die Ehe wartet. Zweite Protagonistin ist „Dornröschen“, welche noch gefangen hinter hohen Mauern und undurchdringlichem Rosen-Gestrüpp auf ihre Erlösung wartet.

Hier setzt Gaiman neben der generell außergewöhnlichen Idee beide Geschichten zu verknüpfen, auf eigene Gedankenspiele, die sich ganz wunderbar in die Szenerie einfügen und dem Ganzen einen tieferen Sinn verleihen. So ist es ein geistreicher Kniff „Schneewittchen“ als Retterin auszusuchen, da sie ja aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit schon Erfahrungen mit Schlaf-Zaubern machen durfte und damit immun gegen die dunkle Magie ist, die in dem angrenzenden Reich um sich greift. Zum anderen ist die Maid in Not nicht das, was sie zu sein scheint. Wobei ich hier inhaltlich nicht weiter ins Detail gehen möchte, um Spoiler zu vermeiden und generell zu viel vorweg zu nehmen, da die Story mit ihren knapp über 70 Seiten recht schnell durchzulesen ist.

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Aufgewertet wird diese ungewöhnliche Handlung durch detailverliebte schwarz-weiß Illustrationen von Chris Riddell, der als Mit-Autor des „New-York-Times“-Bestsellers „Die Klippenland-Chroniken“ bekannt ist und sein täglich Brot unter anderem als Cartoonist für den „Observer“ verdient. Seine Bilder strotzen dabei nur so vor kleinen Einzelheiten, die fast schon ihre eigene Geschichte zu erzählen scheinen. Das gilt dabei nicht nur für die Haupt- und Nebencharaktere, sondern auch für die tollen Hintergründe, die ebenfalls immer einen Zweck bei der Gestaltung erfüllen und nicht als obligatorischer Zusatz illustriert wurden. Farbliche Akzente werden dabei durchgehend nur durch golden eingefärbte Bild-Rahmen und Gegenstände gesetzt, die einem angenehm und nicht überflüssig ins Auge fallen.

Im Großen und Ganzen handelt es sich sich bei diesem Buch um eine angenehm frisch aufbereitete Version altbekannter Motive, die aber den Leser durch alle Altersstufen fesseln sollte. Zusätzlich stellt die Lektüre aufgrund der Bezeichnung als „Märchen“ ein ohnehin seltenes Vergnügen für die meisten Käufer dar, welches bei der gewohnten erzählerischen Qualität einen Neil Gaiman genutzt werden sollte. Nicht zu vergessen ist dabei, dass der Grundton ein für den Ursprungsstoff typischer ist und neben Humor auch eine Vielzahl düsterer Momente aufweist, die nicht zwangsläufig für ganz junge Kinder geeignet sind.

Alles in allem lohnt sich bei vorhandenem Interesse für den Stoff der Kauf und macht sich mit einem halb durchsichtigen Umschlag auch im Regal als ansehnlicher Eye-Catcher.

Hier könnt ihr das Buch erwerben!

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