Rammstein – In Amerika

„Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit“

Diesen Satz könnte die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten vermutlich auf jedes Album packen und der Wahrheitsgehalt würde dabei immer der gleiche bleiben. So mussten sich die Rammstein-Fans ganze 5 Jahre gedulden bis DER Meilenstein ihrer unvergleichlichen Live-Geschichte endlich in den Handel kam und dem geneigten Publikum endlich die imposante Show des „Liebe Ist Für Alle Da“-Runs fürs Wohnzimmer geliefert wurde.

Aber erstmal eins nach dem anderen. Nachdem sich das Sextett fast ein Jahrzehnt lang nicht in den USA hat blicken lassen, beschlossen die Jungs aus Berlin nach ihrer mehr als erfolgreichen Europa-Tournee und dem Chart-Erfolg ihres damals aktuellen Albums auf Tuchfühlung mit mit den Amerikanern zu gehen und ein einziges Konzert für die Staaten anzukündigen. Rammstein wären doch nicht wer sie sind, wenn sie nicht alles eine Nummer größer aufziehen würden. Als Finale ihrer Reise durch den südamerikanischen Raum und Kanada, beschlossen sie den legendären Madison Square Garden in New York zu bespielen. Den Ort, den jeder kennt ohne dort gewesen zu sein. Die Halle, die der endgültige Beweis aus Beton ist, dass man es als Musiker geschafft hat und den Titel Rockstar zu recht trägt.

Nicht jeder schafft es dort aufzutreten und erst recht keine Band aus dem Ausland, die in ihrer Landessprache singt. Da haben die Amis eben ihre Eigenarten und einen ganz speziellen Geschmack. Die große Ausnahme bildete wider erwarten die hier beschriebene Metal/Rock/Industrial-Combo aus dem Osten, die es allen ernstes geschafft hat, die 18.000(!) Plätze innerhalb von 20 Minuten auszuverkaufen. Dieses Satz muss man erstmal sacken lassen. Ostdeutsch, martialisch, provokativ. Nicht gerade die vielversprechendsten Voraussetzungen und doch haben Rammstein etwas geschafft, dass in Zeiten von illegalen Downloads und Streaming-Diensten einem Weltwunder gleich kommt.

Mit ihrer kompletten europäischen Stage-Production, die ganze 18 Trucks füllt, legten sie ein Konzert hin, dass bis dato ihren Höhepunkt in Sachen Theatralik, Pyrotechnik und Umfang darstellt. Wer 2009/2010 auf einem ihrer legendären Gigs war, weiß definitiv wovon hier die Rede ist. Nun kann man sich das Ganze nochmals im gemütlichen Sofa zu Gemüte führen und sich den glasklaren Klang im 5.1 Surround-Sound um die Ohren fliegen lassen. Natürlich kann man dabei zeitgemäß die Entscheidung treffen, ob man das Konzert auf DVD oder Blu-Ray erwerben möchte. Zweites ist vor allem deswegen zu empfehlen, da die Band bekanntlich ein hohes Augenmerk auf die visuelle Gestaltung legt und eine HD-Auflösung dem nur entgegen kommen kann. Im Vergleich zu „Völkerball“ (letzte Live-Veröffentlichung) wurde sowohl am Sound als auch Bild gewaltig geschraubt. Kein Rauschen, kein trockener Sound-Teppich, sondern satte Gitarren-Riffs, treibende Beats und Till Lindemanns Gesang, die in fast schon Studio-tauglichem Klang unsere Ohren verwöhnen. Es gibt wirklich wenige Konzert-Mitschnitte in meiner DVD/BluRay-Sammlung, die ich öfter angucken würde (z.B. „Disasterpieces“ (Slipknot) oder „God, Guns and Gouvernement“ (Marilyn Manson))  aber „In Amerika“ gehört definitiv dazu.

Rammstein In Amerika Innenansicht

Natürlich bleibt es bei dieser Veröffentlichung nicht nur beim Mitschnitt ihres fantastischen Gigs. Auf die zweite Disc wurden nämlich zwei sehr unterhaltsame und vor allem interessante Dokumentation über die Band beigefügt. Zum eine wäre da das Herzstück der Scheibe: „Rammstein In Amerika“, ein über zwei Stunden langes Dokument über die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die deutsche Band schlechthin. Hannes Rossachers Film bietet dabei auch dem Hardcore-Fan sehr viel neues. Großteils besteht der Streifen nämlich aus bis dato gänzlich unbekannten Aufnahmen aus allen Tour-Zyklen der Band bis zum triumphalen Finale in New Your City. Angefangen in den Tagen, als die sechs Musiker nach der Wende unabhängig voneinander den Kontinent zum ersten mal bereisten und sich zum Teil noch nicht mal kannten, über ihren ersten wirklichen Hit „Du Hast“, der auch in den dortigen Radio-Stationen auf heavy-rotation lief und den Jungs einen Platz auf der berühmt-berüchtigten „Family-Values“-Tour sicherte, bis hin zu persönlichen Einblicken in das Leben hinter der Bühne und die damit verbundenen sowie einschneidenden Ereignisse (Verhaftungen, 11. September, interne Streitereien usw.). Dabei berichtet nicht nur die Band, sondern auch ihre musikalischen Wegbegleiter und prominenten Fans aus erste Hand in Form von Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), Moby, Munky (KoRn), Clown (SlipKnoT), Gene Simmons (KISS), Scott Ian (Anthrax), Melissa Auf der Maur (Hole/Smashing Pumpkins), Steven Tyler (Aerosmith), Kiefer Sutherland (24) und vielen anderen. Sie alle geben Einblick in die ersten Gehversuche der Formation in dem neu erschlossenen Musikmarkt, bis zu ihrer Wiedergeburt am Anfang der 2010er-Jahre.

Als Sahnehäubchen findet man zusätzlich eine knapp 20-Minütige Dokumentation zur Entstehung des Nummer 1-Albums „Liebe Ist Für Alle Da“, welches mit Amerika als Entstehungsort vielleicht der erste gedankliche Schritt an die Annäherung bezüglich den USA zu verstehen sein könnte.

Bei einer Band die so sehr auf ihre Außenwirkung achtet, ist es zusätzlich nicht verwunderlich, dass auch die Aufmachung der DVD/BluRay mehr als ansprechend gestaltet wurde. Neben dem prägnanten Cover mit als US-Flagge stilisiertem Obelisken auf silbernem Grund, findet man im Inneren des Digipacks noch die außergewöhnlichen Fotos von Andreas Mühe, der Rammstein für eine Sonderedition des Magazins der Süddeutschen Zeitung auf ihrer Reise durch Amerika abgelichtet hat. Der Autor des dort erschienenen Berichts Alexander Gorkow bringt dabei die Beschreibung der Konzerte Rammsteins genau auf den Punkt, der auch für diese Veröffentlichung gilt:

„So hell ist das, so laut, so heiß, wenn ein Planet entsteht.“

Setlist:

  1. Rammlied
  2. B********
  3. Waidmanns Heil
  4. Keine Lust
  5. Weisses Fleisch
  6. Feuer Frei!
  7. Wiener Blut
  8. Frühling In Paris
  9. Ich Tu Dir Weh
  10. Du Riechst So Gut
  11. Benzin
  12. Links 2, 3, 4
  13. Du Hast
  14. Pussy
  15. Sonne
  16. Haifisch
  17. Ich Will
  18. Engel

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