[Rezension] Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse (Cross Cult)

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Das Comicfestival München liegt schon eine Weile hinter uns, doch der anwesende Stargast Eduardo Risso ist immer noch Teil des Comic-Diskurses 2019. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Zeichner hinter Titeln wie „100 Bullets“ oder „Batman: Kaputte Stadt“ sich erneut mit dem Autoren Brian Azzarello („Joker„, „Batman: Damned„) zusammengetan hat, um den Lesern einen angenehmen Schauer über den Rücken zu jagen.

Wenn man es genau nimmt, stimmt das jedoch aktuell einzig und allein für die deutschen Leser, die erst diesen Sommer in den Genuss kamen den ersten Band von „Moonshine“ mit dem Titel „Familiengeheimnisse“ in den Händen zu halten, nachdem US-amerikanische Fans vor drei Jahren(!) die Möglichkeit hatten in den Horror-Gangster-Mix einzutauchen. Dafür müssen hiesige Käufer auch nicht allzu lange auf die Fortsetzung „Zug ins Unglück“ zu warten, welche passend nur zwei Wochen nach Halloween ihren Weg in die Bücherregale finden wird.

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©Cross Cult

Doch worum geht es eigentlich in „Moonshine„? Wir befinden uns im Jahr 1920 in den USA und damit mitten in der sogenannten Prohibition. Die Regierung verbietet die Herstellung und den Verkauf von Alkohol und bietet damit zwielichtigen Gestalten die Möglichkeit sich illegal ein goldenes Näschen zu verdienen. Dazu gehört auch die New Yorker Unterwelt, die den Kleinganoven Lou Pirlo in die Appalachen schickt, um mit dem dort ansässigen Schwarzbrenner Hiram Holt einen Deal bezüglich einer neuen Handelsroute auszuhandeln.

Das gestaltet sich doch bei weitem schwieriger, als Lou es sich vorgestellt hat, denn Hiram will seine Brennerei geheim halten und schon bald wird klar, dass ihm dafür jedes Mittel recht ist. Zu allem Unglück wird auch ersichtlich, dass auch der Staat das Gebiet im Blick hat und der umliegende Wald ebenfalls Geheimnisse in sich trägt, die besser verborgen geblieben wären.

Einen Hinweis dazu bietet der Titel des Comics, der gleich zwei Themenbereiche der Geschichte abdeckt. Zum einen wissen Western-Fans, Red Dead Redemption-Spieler und Alkohol-Kenner, dass es die umgangssprachliche Bezeichnung für schwarzgebrannten Schnaps ist. Zum anderen können sich Horror-Enthusiasten denken, in welchem Kontext der Mond gerne eingeordnet wird.

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©Cross Cult

Dabei funktioniert diese Mixtur von Brian Azzarello, die meines Wissens noch nie im Medium Comic aufgegriffen wurde, überraschend gut und wirkt trotz ihrer offensichtlichen Besonderheit nicht aufgesetzt, sondern ab der ersten Seite spannend und atmosphärisch. Zwar bleibt die Entwicklung der Figuren und die Erklärung ihrer Handlungsweisen recht vorhersehbar, da sie oftmals einem Abziehbild aus dem Genre-verwandten Film Noir entsprechen, aber durch den Blick über den Tellerrand wird man nicht gelangweilt und möchte wissen, welche Überraschung auf der nächsten Seite lauert.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat der Argentinier Eduardo Risso, der es mit seinen vielen Schwarzflächen, dem dynamischen Panel-Aufbau und seinem charakteristischen Strich (der in Teilen an einen Frank Miller erinnert) schafft ein so bedrohliches Setting zu kreieren, dass selbst die erwähnten Stereotype des Noir-Genres in einem neuen Licht gesehen werden können.

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©Cross Cult

Durch die Zusammenarbeit dieser beiden Stars und Eisner Award-Preisträger ergibt sich ein Werk, dass durch bekannte Versatzstücke keine Probleme beim Einstieg bereitet und durch die Kombination mit neuen Elementen einen frischen Eindruck vermittelt, der fesselt und Lust auf  mehr macht.

Moonshine Bd. 1: Familiengeheimnisse 
Verlag: Cross Cult 
Erschienen am: 12.06.2019  
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Eduardo Risso 
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 144 
Preis: 22 EUR

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