David LaChapelle. Lost + Found. Part I & Good News. Part II

Wenn es einen modernen Künstler gibt, der es schafft zeitgenössische Gesellschaftskritik mit Popkultur und Starkult zu vermengen, dann ist es David LaChapelle. Der in Connecticut geborene Fotograf komponiert in seinen Arbeiten einen Mix aus Religion, Liebe, Showgeschäft und Sex, der in seiner einnehmenden Wirkung den Status festigt, den LaChapelle sich über Jahrzehnte hart erarbeitet hat.

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Dabei scheint es für ihn eine seiner leichtesten Übungen zu sein, die größten Sterne am Hollywood-Himmel und aus der Musikindustrie vor die Linse zu bekommen. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass der Mann gerne mit Tabus spielt und das Privatleben seiner Modells zum Thema seiner Bilder macht und diese sich trotzdem zur Zusammenarbeit bereit erklären. Ob es nun die obskure Familiensituation der Jenners, die erwachsene Tochter Kurt Cobains nebst einem Songzitat ihres Vaters oder die in einer Plastikwelt gefangene Pamela Anderson ist – die Kritik an der Konsumgesellschaft der USA, mit ihren personifizierten Stellvertretern, lässt sich fast physisch greifen.

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Diese Aufmerksamkeit, die sich zum einen aus seiner eigenen Prominenz und zum anderen aus der weit größeren Berühmtheit seiner abgelichteten Motive speist, nutzt er gekonnt um zu einem noch größeren Schlag gegen Missstände auszuholen oder einfach den apokalyptisch anmutenden Zeitgeist für die Ewigkeit auf Zelluloid zu bannen. Er spart dabei nicht an provokanten Details, die sich mal mehr oder weniger in seinen teils in Gigantomanie ausufernden Werken verstecken. Ob es nun nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechende Menschen in krassem Kontrast zu engelsgleichen Gestalten, offen präsentierte Geschlechtsteile vor sakralem Hintergrund oder an der Grenze zu Pornografie konstruierte Settings sind – LaChapelle weiß durch solche Momente zu faszinieren, ohne ins billig plakative abzurutschen.

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Den Beweis, dass er diese Qualität über seine gesamte Laufbahn hinweg halten kann, hat er nun mit den zwei abschließenden Bänden seiner auf fünf Teile ausgelegten Reihe vorgelegt: Lost + Found. Part I & Good News. Part II

Hier präsentiert er nicht nur bis dato unveröffentlichte Bilder aus seinen Anfangsjahren, sondern auch neuere Kreationen, die das erste Mal in einem Buch betrachtet werden können. Erstere zeigen dabei eine kaum bekannte Seite des Künstlers, der in den 80er Jahren fast schon subtil mit seiner Kamera agiert hat. Entrückt wirkende Models, die zwar wie später in surrealen Umgebungen posieren, aber in erstaunlich gedeckten Farbpaletten porträtiert werden. Dazu eine klassischere Form der Ästhetik, die erst später Platz für überlebensgroße Motive machen sollte.

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Zusammen mit den, zumindest in ihrer Aufmachung, bekannten Fotografien ergibt sich der visualisierte Lebensweg eines Ausnahmekünstlers, der zwar in einer zeitgenössischen Art und Weise Unterhaltungsindustrie, Religion und Politik zu einem Gesamtbild vermischt, dabei aber immer noch die Realität abbildet. Überdreht, bunt, schockierend, aber trotzdem ein sofort erkennbares Abbild greifbarer Umstände.

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Genau wegen diesem Kontrast aus Pop und Statement, macht es immer wieder Spaß sich durch beide Bände zu arbeiten und nach Details zu suchen, die einem vielleicht bei der ersten Betrachtung verborgen blieben, denn von diesen gibt es mehr als genug! Wie als Einladung zur selbstständigen Entdeckungsreise, beginnen manche der Seiten mit einer Nahaufnahme eines Bildes, welche als solche, aufgrund der perfekt in Szene gesetzten Elemente, nicht zu erkennen ist. Erst beim umblättern merkt man plötzlich, dass man auf ein gigantisches Gesamtwerk zusteuert, dass in seiner ganzen Pracht den Konsumenten fasziniert zurücklässt.

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Lost + Found. Part I und Good News. Part II sind hierbei als zwei Seiten einer Medaille zu verstehen, weshalb sich die Anschaffung beider Bücher empfiehlt. Ich für meinen Teil bin immer noch wehmütig, nicht bei der Präsentation und dem damit einhergehenden Besuch LaChapelles in Berlin teilgenommen zu haben. Spätestens nachdem ihr selbst eins seiner Publikationen bei TASCHEN in die Hände genommen habt, werdet ihr die Faszination und Begeisterung dafür verstehen. Also nichts wie los und sich selbst ein Bild davon machen!

 

David LaChapelle kommt nach Berlin!

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Es ist wieder einer dieser Tage, an denen ich wünschte mich teleportieren zu können. Wie oft ist es schon passiert, dass der TASCHEN-Verlag in die Räume seiner Flagshipstores eingeladen hat um Neuveröffentlichungen zu zelebrieren und dabei die dazu passenden Künstler im Gepäck hatte. Ob Christo, Steve Schapiro oder Peter Lindbergh – Jeder Name stellvertretend für ein legendäres Lebenswerk. Auch am 28.10. diesen Jahres darf ich neidisch gen Norden blicken, während eine weitere Koryphäe sich in Berlin die Ehre gibt.

Niemand Geringeres als der Ausnahme-Fotograf David LaChapelle wird an dem Tag von 18 bis 20 Uhr anwesend sein, um seine neuesten zwei Bildbände zu präsentieren und zu signieren. Es hätte kein besserer Zeitpunkt gewählt werden können, da mit „Lost + Found, Part I“ und „Good News, Part II“ eine fünfteilige Reihe abgeschlossen wird, die mit „LaChapelle Land“ (1996) begann, mit „Hotel LaChapelle“ (1999) fortgeführt und vor über zehn Jahren mit „Heaven to Hell“ (2006) einen vorläufigen Höhepunkt fand.

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Die glücklichen Besitzer dieses Werks können sich über eine Signatur und den Händedruck eines Mannes freuen, der es wie kein zweiter versteht Gesellschaftskritik mit Popkultur zu vermengen und dabei die Gesichter einer Armada von Prominenten vor die Linse zu kriegen. Dadurch kreiert er Motive, die uns vertraut und doch, in seiner ganz eigenen Vision, fremd erscheinen. Diese Mixtur ist es auch, die es schafft, den Zeitgeist ganzer Dekaden einzufangen und dem Betrachter als Spiegel vorzuhalten.

Dabei kriegen Käufer der finalen zwei Bände sogar die Möglichkeit, erstmalig einen Blick auf zuvor unveröffentlichtes Material zu werfen, welches es zuvor nicht mal in einschlägigen Galerien zu sehen gab, sowie erstmals in Buchform veröffentlichte Abbildungen.

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Solltet ihr wie ich kein Glück haben und am 28.10. nicht in Berlin sein, gebe ich euch zumindest die Möglichkeit den edlen vierten Band „Lost + Found, Part I im Wert von 49,99€ euer Eigen zu nennen. Was ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr hier:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Markiert einen Freund unter dem eben genannten Beitrag

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf aus dem ich danach den glücklichen Gewinner ziehen werde.

Ich wünsche euch viel Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim schmökern!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 27.10.2017 um 23:59 Uhr.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.blog und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

Anne Geddes: Small World

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Im Gegensatz zu Malern haben viele Photographen das schwere Los gezogen, oftmals nicht mit ihrem eigenen Werk assoziiert zu werden. Daher stammt allem Anschein nach auch der Eindruck, dass Photokünstler ihr Geld dadurch verdienen, nur auf einen Knopf zu drücken.

Auf Laien mag dies vielleicht zutreffen, aber die berühmtesten Vertreter ihres Berufsstands beweisen immer wieder aufs neue, dass mehr dahinter steckt. Neben einem guten Auge für das festzuhaltende Motiv wird auch ein Gefühl benötigt, das nicht nur durch mechanisch angeeignete Übung erreicht wird, sondern bei dem primär pures Talent eine große Rolle spielt. Dieses Statement trifft nicht zwangsläufig auf die Schöpfer ewig ikonischer Motive zu, sondern auch auf diejenigen, die ihren Bildern eine ganz persönliche Note geben und damit bewirken, dass sie als das angesehen werden, was sie schlussendlich sind: bildende Künstler.

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©Anne Geddes

Eine der bekanntesten Fälle in diesem Zusammenhang ist sicherlich Anne Geddes, die es mit ihren Baby- und Kinderporträts geschafft hat, jedem ein Begriff zu sein. Selbst wenn der Name manchen nicht sofort geläufig ist, wird spätestens beim Betrachten ihrer Werke ersichtlich, wer sie ist.

Schon seit 1992 erfreut sie Menschen weltweit mit ihren einzigartigen Ideen. Ob als Hase, Blümchen oder in den Leib zurückversetze Metamorphose zwischen Mutter und Kind – Ihre Fotografien berühren und büßen dabei auch nach Jahren nichts von ihrer Kraft ein. Zwar assoziieren die meisten Geddes Arbeit mit Postkartenmotiven oder Kalendern, doch das wird ihrer Gabe, sensibelste Momente auf Bilder zu bannen, nicht gerecht. Um sich ein differenziertes Bild ihres Schaffens zu machen, hat TASCHEN nun kurz vor Muttertag mit „Anne Geddes. Small World“ zum ersten Mal ihr nun fast 30-jähriges Gesamtwerk, inklusive bisher unveröffentlichter Aufnahmen, zusammengetragen.

Diesem wird nicht nur durch die den Bildern angemessene Größe des Buches Respekt gezollt, sondern vor allem mithilfe der liebevollen Aufbereitung, die sich nicht an der Chronologie ihres Schaffens, sondern am Wachstum der Kinder orientiert. Dementsprechend wird die Zeit im Mutterleib mit dem Titel „Anfänge“ betitelt, während thematisch an den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt („Ankunft„), die Entdeckung der Umgebung durch den unschuldigen Blick des Kindes („Wachstum„), sowie das Entwachsen aus der auf sich zentrierten Perspektive („Die nächsten Schritte„) aufgereiht wird.

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©Anne Geddes

Dabei wird die Vertrautheit zwischen der Fotografin und ihren Motiven sofort spürbar. Selten wurden Babys mit solch einer intensiven Lebendigkeit und zeitgleich einer schier unfassbaren Zerbrechlichkeit zum zentralen Bildinhalt einer Photographie gemacht. Dabei schafft es Anne Geddes die Intimität auch trotz Zuhilfenahme von teils sehr aufwändigen und liebevoll gestalteten Requisiten beizubehalten. So werden die Kleinen in verschiedenste Kostüme gekleidet und in fantasievolle Umgebungen versetzt, die eine fast natürliche Symbiose eingehen. Trotzdem wird das Ganze zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche gezogen, sondern versprüht geradezu einen subtilen Humor, der den Bildern nicht die Atmosphäre eines beliebigen Photoshoots gibt, sondern jedes Werk mit einem gewissen Etwas ausstattet.

Man muss keinen Kinderwunsch in sich tragen, um sich des Zaubers von „Small World“ bewusst zu werden. So findet man in den Werken die seltene Kombination aus Emotion und Ästhetik, die den Betrachter in eine Welt jenseits der rauen und bisweilen furchteinflößenden Wirklichkeit gleiten lässt. Um Babys und Kinder, die nun mal das Hauptmotiv von Anne Geddes Lebenswerk sind,  vor den dunklen Seiten dieser Gesellschaft zu schützen, hat sie vor vielen Jahren die Vereinigung Geddes Philanthropic Trust gegründet. Diese wird durch die Einnahmen ihrer Produkte finanziert und unterstützt mit beachtlichen Summen den weltweiten Kampf gegen Kindesmisshandlung und Verwahrlosung.

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©Anne Geddes

Anne Geddes widmet sichtlich all ihre Energie und Inspiration der Schönheit und Schätzung der jüngsten Erdbewohner unter uns und schafft dabei ein abgerundetes Gesamtwerk aus philanthropischen und künstlerischen Errungenschaften.

Ich für meinen Teil war zunächst etwas skeptisch, was dieses Buch anbelangt. Die Leser, die ZOMBIAC schon etwas länger verfolgen, wissen um mein Faible für bizarre Motive und dunkle Abgründe in allen Bereichen der Kunst. Dabei sticht der liebliche Bildband „Small World“ offensichtlich heraus. Jedoch hat mich die Zartheit der Motive und immense Kreativität der einzelnen Werke sofort und in jeder Hinsicht überzeugt. Wer hätte gedacht, dass ich, als Freund der dunklen Motive, während des Betrachtens eines Fotobandes fast durchgehend ein seliges Lächeln auf den Lippen tragen würde? Ja, es klingt fast schon Diabetes-auslösend süß, aber es entspricht der Wahrheit und hat mich zur Einsicht gebracht, dass auch Werke außerhalb der eigenen (primären) Interessen das Herz berühren können. Überzeugt euch selbst vom Zauber des Bildbandes Small World von Anne Geddes, dem auch ich selbst nicht widerstehen konnte. (P.S.: Bald ist Muttertag 😉 )

Art Record Covers

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Seit nun fast 80 Jahren gehört die Verschmelzung von Bild und Ton unweigerlich zum Genpool der Popkultur. Dabei durchlebt diese Symbiose auf verschiedenen Ebenen immer wieder Veränderungen, die teils unvorhergesehene Folgen haben.

Angefangen als reines Marketinginstrument, entledigten sich die Plattenfirmen zunächst der eintönigen Verpackung ihrer Produkte und steigerten damit sowohl die Aufmerksamkeit potentieller Käufer als auch die Anzahl der abgesetzten Tonträger. Im nächsten Schritt wurde der Fernseher zum Kaminersatz im heimischen Wohnzimmer und damit zum Katalysator für die weitere Visualisierung der Musikindustrie.

Nun waren Plattencover und Booklets fester Bestandteil des Images und oftmals der erste Kontakt mit einem potentiell neuen Fan. Kein Wunder, dass auch viele etablierte Künstler, die tendenziell eher den Pinsel als das Mikro schwingen, die Chance gekommen sahen ihre Werke einem breiteren Publikum vorzustellen oder in Zusammenarbeit mit bestimmten Musikern den ohnehin vorhanden Bekanntheitsgrad zu festigen.

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Cover: Andy Warhol / Musik: The Velvet Underground and Nico / Album: The Velvet Underground and Nico / Jahr: 1967 / Label: Verve Records

Bis heute zieren Gemälde, Fotografien und Collagen die Front von CDs und nun wieder aufkommenden Vinyls. Sogar im Bereich des Streamings sind Bilder immer noch ein relevanter Faktor, um auf sich aufmerksam zu machen.

Da im Laufe der Jahrzehnte eine nicht geringe Auswahl an Kollaborationen zwischen den kreativen Kreisen zustande kam, ist es nicht verwunderlich, dass der für solche Themen immer passende TASCHEN-Verlag einen eigenen Band heraus gebracht hat, der sowohl der Kunst durch die Lautsprecher als auch dem Papier huldigt: Art Record Covers!

Hier werden rund 500 Cover präsentiert, die den Musikliebhabern unter uns in großer Zahl bekannt sein dürften. Genre-Grenzen spielen bei so manch ikonischer Veröffentlichung keinerlei Rolle. Ob Velvet Underground, die Beatles, Metallica oder Tyler the Creator – Sie alle verbindet der Rückgriff auf Talente, die auch außerhalb der Musik-Gemeinde ihre Fußabdrücke hinterlassen haben. Ein Andy Warhol war zum Beispiel schon als junger Illustrator für Columbia Records tätig, bevor sein unvergleichlicher Stil die Welt eroberte. Selbst Jahre später kehrte er Musikern jedoch nicht den Rücken. 1967 erblickte das Debütalbum der eben erwähnten Velvet Underground mit dem berühmten Bananen-Cover das Licht der Welt.

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Cover: Keith Haring / Musik: Emanon / Album: The Baby Beat Box / Jahr: 1986 / Label: Pow Wow Records

Auch für Schockmomente konnte die ein oder andere Aufmachung verwendet werden. Andres Serrano, ein Enfant Terrible unter den Fotokünstlern, konnte zum Beispiel mit den Bildern zu den Metallica-Alben „Load“ und „Reload“ Aufmerksamkeit erregen, in dem er für seinen typischen Stil Sperma, Blut und Urin zum Teil seines Werks werden ließ. An anderer Stelle reicht schon der Name des Künstlers um Schnappatmung zu erzeugen. H.R. Giger oder Mark Ryden sprechen mit ihrem individuellen und weit über Kenner bekannten Stil für sich selbst.

Dabei reden wir hier nur über die Spitze des Eisbergs. Der Herausgeber Francesco Spampinato, seines Zeichens Kunsthistoriker und Künstler, hat über 3.000 Cover durchgesehen, um die in seinen Augen relevantesten 500 heraus zu suchen. Auf diese verteilen sich ganze 270 Vertreter der bildenden Künste in alphabetischer Reihenfolge, die eindrucksvoll darlegen, dass die Vereinigung der beiden Universen bis heute ihre Berechtigung und trotz Digitalisierung eine Zukunft hat.

Nach der Lektüre, die den Leser tatsächlich das ein oder andere mal überrascht, hat man in jedem Fall selbst wieder Lust durch die eigene Sammlung zu wühlen und herauszufinden, welche Namen sich wohl hinter den Bildern verstecken. So habe ich mich plötzlich an das Werk Gottfried Helnweins erinnert, der seine Arbeit in Rammsteins „Sehnsucht“ und Marilyn MansonsThe Golden Age of Grotesque“ hat einfließen lassen. Oder Richard Kern, den TASCHEN-Fans primär durch seine Fotoarbeiten zu „New York Girls“ kennen sollten und der seine Themen rund um Gewalt, Sex und Fetischismus auch auf Alben-Cover ausweitete.

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Cover: Mark Ryden / Musik: Tyler, The Creator / Album: Wolf / Jahr: 2014 / Label: Odd Future Records

In jedem Fall ist Art Record Covers in vielerlei Hinsicht ein Appetizer für eine eigene Entdeckungsreise, aber auch für sich ein Genuss fürs Auge und nach der Neuentdeckung einiger Musiker auch fürs Ohr. Dementsprechend kann ich den Band jedem empfehlen, der sich mit Musik, Malerei und Fotografie mehr auseinandersetzt, als mit dem Finger auf dem Smartphone drüber zu wischen. Es lohnt sich!

TASCHEN – Neuer Flagshipstore mit Star-Gast & Gewinnspiel

Ihr wisst inzwischen, dass ich ein riesiger Fan des TASCHEN-Verlags bin, der gefühlt jeden Geschmack in allen Bereichen der Kunst- und Popkultur streift. Ob Filme, Comics, Geschichte, Fotografie, Malerei oder Erotik: Hier findet man alles was das Herz begehrt und das ist unter anderem der Grund, warum ich so gerne Titel aus diesem Haus rezensiere.

Was vielleicht doch nicht allzu viele Leute mitbekommen haben ist, dass es neben der Website auch Flagshipstores von TASCHEN gibt. Insgesamt kann man sich bis dato weltweit in 11 Läden die schönen und teils extrem limitierten Exemplare zu Gemüte führen. In Deutschland haben bis jetzt die Leser in Köln und Hamburg das Glück einen der Stores in der Nähe zu haben. Nun kann sich endlich eine weitere Stadt darüber freuen Heimat für den Verlag zu werden: Berlin!

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am 03. Dezember öffnet in der Schlüterstraße 39 der neueste Zuwachs seine Pforten und weiß den Anlass ordentlich zu zelebrieren! Niemand Geringeres als Peter Lindbergh, seines Zeichens Legende im Bereich der Mode-Fotografie, gibt sich die Ehre und wird am Eröffnungstag von 16 bis 18 Uhr für Autogramme zur Verfügung stehen. Hier könnt ihr euch vorab anmelden!

Zum Beispiel kann man sich vor Ort das neueste Buch „Peter Lindbergh. A Different Vision on Fashion Photography“ von ihm persönlich signieren lassen und ein Stück Mode-Geschichte mit nach Hause nehmen.

Solltet ihr vorhaben anwesend zu sein, habt ihr aber auch hier die Möglichkeit diese neue Veröffentlichung zu sichern und perfekt vorbereitet anzureisen! Wie das geht? Ganz einfach:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Teilt genau diesen Beitrag ÖFFENTLICH

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf, den ich ganz old-school wie einer Tombola mit Zettelchen befüllen werde, um danach den glücklichen Gewinner zu ziehen.

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Ich wünsche euch Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim Besuch des neuen Berliner Flagshipstores von TASCHEN!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 28.11.2016 um 23:59.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.wordpress.com und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

 

New Fashion Nudes

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Vor geraumer Zeit habe ich über „Goliath“ berichtet. Ein Verlag, der mit seinen hochwertigen Veröffentlichungen im Bereich der Photographie versucht den Begriff der Erotik in einem zeitgenössischen Rahmen zu präsentieren. So kommen für den Mainstream ungewöhnliche Bände wie „Tattoo Super Models“ zustande, die ein Publikum ansprechen, welches im Zeitalter der Digitalisierung schon alles gesehen zu haben scheint. Mit diesem Konzept schlagen die Macher eine neue Richtung ein, die konstant fortgeführt wird. Ein gutes Beispiel wäre der aktuellste Release mit dem einprägenden Titel „New Fashion Nudes„.

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Auch hier wird ein erfrischender Weg beschritten und ein Spiegel des vorherrschenden Zeitgeists erzeugt. Der Band repräsentiert mit den Produkten verschiedenster Fotografen aus aller Welt, die erotische Form des „Arty Snapshot“. Dahinter steckt die Definition der Ästhetik, die uns seit dem Boom der Social Networks tagtäglich begegnet. Augenscheinlich ungestellt und zufällig entstandene Momente, die zeitgleich sowohl Natürlichkeit, als auch inszenierte Schönheit ausstrahlen. Untermalt durch gelegentliche Farbstiche, Unschärfen oder einer betont unvollkommener Beleuchtung, sehen wir auf Facebook oder Instagram ständig junge Frauen, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihren Alltag lenken wollen, der aber mit einem Arrangement repräsentiert wird.

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Genau diesem Look widmet sich das 272 Seiten starke Buch, dass mit 240 Abbildungen all die Facetten darstellen möchte, die mit den genannten Kriterien einhergehen. So sehen wir neben verträumten Begegnungen in der Natur, urbane Direktheit und subkulturelle Anstriche in Form von Piercings, Tattoos oder alternativen Kleidungsstilen. Bedenkt man den internationalen Ansatz der zahlreichen Photographen wird darüber hinaus der globalisierte Blickwinkel der Jugend auf ihre eigene Generation umso deutlicher wiedergegeben. Frauen von verschiedenen Kontinenten spinnen durch ihre digitale Vernetzung ein einheitliches Bild der Schönheit, dass nur durch den kulturellen Background in seinen Nuancen variiert. Genau aus diesem Grund wirkt der Inhalt von „New Fashion Nudes“ durchgehend homogen und anziehend. Kein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium, sondern eine gekonnt zusammengestellte Galerie moderner Erotik.

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An American Odyssey

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Wenn ihr meinem Blog seit einiger Zeit folgt, werdet ihr sicher über meinen Artikel zu „Deutschland um 1900“ gestolpert sein. Falls nicht, empfehle ich dem Link zu folgen! 😉

Hier habe ich ganz offen über meine Faszination bezüglich dieses Buches berichtet. Farbfotografien aus einer Zeit, die über 100 Jahre zurück liegt, wirkten auf mich wie ein Fenster in eine andere Welt. Orte, die ich kenne waren fremd und doch vertraut. Wie ein Paralleluniversum, festgehalten für die Ewigkeit. Einen ähnlichen Eindruck kann man auch bei Marc Walters „An American Odyssey“ gewinnen, welches zwar schon vor meiner bereits besprochenen Ausgabe (ebenfalls bei TASCHEN) erschien, aber nun glücklicherweise ebenfalls seinen Weg in meine Hände gefunden hat.

Um diejenigen abzuholen, die sich gerade darüber wundern, dass es farbige Aufnahmen aus der eben erwähnten Epoche gibt, möchte ich etwas weiter ausholen und erklären wie das möglich sein kann. Die zu sehenden Photographien nennt man „Photochrome“. Schwarzweiß-Negative, die man dank eines lithografischen Verfahrens serienmäßig in Farbe produzieren konnte. Dabei wurden 14 Tintentöne in verschiedenen Farben eingesetzt, um das unglaubliche Ergebnis abliefern zu können. Diese Technik wurde von der Schweizer Druckerei Orell Füssli (auch heute noch als Holding existent) im Jahr 1889 in Zürich eingeführt und fand nachvollziehbar schnell Anklang in der Bevölkerung.

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Durch den immensen Erfolg war es bald möglich weltweit Zweigstellen zu eröffnen und damit die Produkte einer größeren Masse zur Verfügung zu stellen. Eine davon war die Detroit Photographic Company, die noch bis in die 1920er Jahre millionenfach Postkarten mit den im Buch zu sehenden Motiven produzierte. Das Geschäft brummte vor allem durch die Tourismus-Industrie, die schon damals wußte wie man Erinnerungsstücke an den Mann bringt. So wurden neben Karten und großen Drucken, zum Beispiel ganze Alben an den Verkaufsstellen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten angeboten. Davon gab und gibt es nach wie vor mehr als genug. Der Unterschied liegt darin, dass gegen Ende des 19 Jahrhunderts die letzten Entdeckungen des Landes erst wenige Jahre zurück lagen. Ein Grand Canyon war zur Entstehungszeit der Bilder erst seid ca. 20 Jahre bekannt und für die meisten die davon gehört hatten schier unvorstellbar. Nun konnte man nicht nur von den Schätzen Nordamerikas berichten, sondern diese auch zeigen.

Hierbei folgen wir dem selben geografischen Prinzip wie bei „Deutschland um 1900„. Im Klartext begeben wir uns auf eine visuelle Reise vom östlichen Ende des Landes bis an die Westküste. Dabei wird den einzelnen Städten und Staaten unterschiedlich viel Platz eingeräumt. Zum einen vermutlich abhängig von der Frequentierung durch Touristen und andererseits durch die Auswahl der Sehenswürdigkeiten. Während New York faktisch an jeder Straßenecke etwas zu zum Entdecken bietet, müssen einige Landstriche wie Iowa mit nur wenigen Abbildungen auskommen, da Landwirtschaft und Industrie natürlich weniger Reize bieten als Naturspektakel oder aufregende Architektur.

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Von beidem findet man auf seiner Reise zuhauf. Die Niagara-Fälle, Wüstenlandschaften, an die jeweilige europäische Abstammung der Siedler erinnernde Gebäude und ihre Bewohner faszinieren von der ersten bis zur letzten Seite. Insbesondere Bilder, die man zwar erstmals sieht, die einem aber seltsamerweise bekannt vorkommen, haben eine ganze besondere Anziehungskraft. Wenn man die Cowboys auf ihren Pferden, die schwarze Bevölkerung auf den Baumwollplantagen oder die fast schon als exotische Tiere abgelichteten Indianer sieht, fühlt man sich in einen Film versetzt, bei dem man nicht genau weiß ob man den Anblick genießen darf oder nicht. Meine Faszination für historische Aspekte von Photographien sog alles genüßlich auf, während meiner rationale Seite bewusst wurde, dass ich ehemalige Sklaven und vertriebene Bevölkerungsgruppen beobachte. Doch genau dieser Zwiespalt, der von den Photographen sicherlich nicht beabsichtigt war, stellt einen ganz besonderen Pluspunkt dieser Veröffentlichung dar.

Während man nämlich bei dem Band zum Deutschland des 19. Jahrhunderts aufgrund der stilisierten Ausrichtung die Schattenseiten des Lebens und die Konfliktherde dieser Gesellschaft nicht mal erahnen konnte, gibt uns „An American Odyssey“ tatsächlich die Möglichkeit etwas reflektierter auf die dargestellten Orte und Menschen zu blicken.

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Als Fazit kann ich ziehen, dass dieses schwergewichtige Buch (selbes Kaliber wie „The Charlie Chaplin Archives“ oder „Deutschland um 1900„) nicht nur für Nordamerika-Fans, sondern für jeden Interessenten der Geschichte geeignet ist, der sich auf eine einzigartige Zeitreise begeben möchte. Hier erlebt man einen Hauch dessen, was einst als der „American Dream“ bekannt wurde und die Menschen noch heute über alle Maßen fasziniert. Ein Buch, welches mit 612 Seiten und über 2000 Aufnahmen nichts anderes als ein Abtauchen in die Geschichten hinter den Motiven zulässt. Eine klare Empfehlung meinerseits!

 

Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe

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Ich denke, dass ich nicht alleine bin wenn ich beim Betrachten von schwarz-weiß-Fotografien, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, das Gefühl bekomme auf eine gänzlich andere Welt zu blicken. Es scheint fast ein fremder Planet zu sein, mit ganz eigenen Riten und Bräuchen, so wie der dazu passender Optik.

Das liegt vor allem an der industriellen Revolution, die sich zum damaligen Zeitpunkt erst zu entfalten begann und damit nach und nach Traditionen und über Jahrhunderte gereifte Stadtbilder verschlang. Festgehalten wurden ursprüngliche Szenerien höchstens auf Gemälden und Fotografien, die ohne Farbe einen Teil des Bezugs zur Realität einbüßen mussten.

Demenstprechend kam es einem Wunder gleich, als das Schweizer Unternehmen „Orell Füssli“ den sogenannten Photochromdruck im Jahr 1888 patentieren ließ. Mit diesem Verfahren war es nun plötzlich möglich Fotografien in Farbe (14 an der Zahl) serienmäßig abzudrucken. Was könnte da am ehesten in Betracht kommen, als Postkarten in dieser Form herzustellen und damit die schönsten Plätze des jeweiligen Landes zu porträtieren?

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Dom und Friedrichsbrücke

Genau dieser Gedanke ließ um die Jahrhundertwende auch in Deutschland einen Boom entstehen, aus dem sehr viele Abbildungen hervorgegangen sind, die uns einen interessanten Einblick in die „gute alte Zeit“ gewähren. Und genau hier ist der kleine Wermutstropfen zu finden. Da es sich großteils um Bilder für Tourismuszwecke handelt, werden dunkle Kapitel der Geschichte, wie die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen der Unterschicht, Antisemitismus (auch schon im Kaiserreich ein eklatantes Problem) sowie soziale Unruhen gänzlich ausgeblendet. Was bleibt sind Idyllen im wahrsten Sinne des Wortes.

Dies kann dem Prachtband, der diese Bilder eindrucksvoll versammelt, jedoch auf keinen Fall zu Lasten gelegt werden, da die rund 800 Photochrome auf über 600 Seiten ein Bild Deutschlands um 1900 vermitteln, welches durchaus existiert hat und zu recht eine gewisse Faszination mit sich bringt.

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Eisenach, Hohe Sonne mit Blick auf die Wartburg

Diese sind einer Rundreise gleich in einer gewissen geografischen Chronologie angeordnet. Angefangen bei Berlin, der Nord- und Ostseeküste, über die am Rhein gelegenen Städte, den Schwarzwald bis hin nach Bayern. Dabei begegnet der Betrachter monumentalen Schlössern und Burgen, ländlichen Gebieten, wie entrückt wirkenden Straßenszenen, sowie schier unfassbar schönen Naturlandschaften, die einem Märchen entstammt sein könnten. Es ist kein Wunder, dass sich eine Vielzahl an Kreativen in das Herz Europas verirrte. Romantiker wie Lord Byron konnten hier der Natur so nah sein, wie sonst kaum an einem anderen Ort. Autoren wie Mark Twain wurden durch ihre Reisen auch nachhaltig in ihrem Schaffen geprägt und Künstler ergötzten sich an der Inspiration, die im Überfluss vor ihren Füßen lag.

Auch heute noch kommt man aus dem Staunen kaum mehr raus, kann fast nicht glauben, dass solche Orte existiert haben könnten und verfällt in eine Art Wehmut, da all die dargestellte Schönheit in ihrer Pracht unwiederbringlich verloren ist.

Neben den heutzutage längst zerstörten Gebieten, ziehen vor allem die uns besonders vertrauten Abbildungen ihre Aufmerksamkeit auf sich. In meinem Fall wäre es die Stadt München, die zwar ihre klassischen Charakteristika beibehalten hat, aber vor über 100 Jahren eine gänzlich andere Ausstrahlung besaß, als es heute der Fall ist. Es fühlt sich fast so an, als würde man durch dieses Buch in ein Paralleluniversum blicken und genau das macht es zu einer lohnenden Anschaffung. Es bietet die Möglichkeit in die Vergangenheit des eigenen Landes zu reisen und sich selbst auszumalen, wie das heutige Deutschland aussehen würde, wenn es nicht seine Identität und Kultur, die es sich mit Architektur und Landschaften aufgebaut hat, mit dem 2. Weltkrieg in den Abgrund gestoßen hätte. Hier kommen sowohl Leser mit großem Interesse an Geschichte als auch Fans der Foto-Kunst auf ihren Geschmack.

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Schloss Neuschwanstein, Schlafzimmer mit Bildern aus der Tristan-Sage

Das Buch kann bei TASCHEN bestellt werden.

Tattoo Super Models

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Mit der folgenden Review eröffne ich zeitgleich eine neue Kategorie auf ZOMBIAC: Fotografie!

Wie die meisten von euch wissen sollten, beschränkt sich heutzutage visuelle Kunst nicht nur auf einen bestimmten Bereich, sondern wird mit den Jahren erweitert. Zum Beispiel wäre man vor nicht allzu langer Zeit ausgelacht worden, wenn man als erwachsener Mann zugegeben hätte Comics zu lesen. An der Etablierung der sogenannten „Graphic Novel“ und dem immensen Erfolg einschlägiger Verfilmungen kann man ablesen, wie weit diese Form des Geschichten-Erzählens im Mainstream angekommen ist.

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Tattoo model Leah Jung doing a back bend completely nude, photographed by Christian Saint

Von einer ähnlichen Story können tätowierte Menschen in einer noch extremeren Form berichten. Während Comics ab einem gewissen Alter als seltsam empfunden wurden, schlug permanenten Körperverzierungen regelrecht Hass und Ablehnung entgegen. Assoziationen mit Kriminalität, Drogenmilieu und Mangel an Bildung wurden schnell gezogen. Die scheinbar einzige Personengruppe, die es sich erlauben konnte offen mit dem Thema umzugehen, waren vor allem Musiker.

Inzwischen hat sich ein nicht zu leugnender Wandel vollzogen, der weg vom einfachen Handwerk für Außenseiter der Gesellschaft, hin zur Kunst für jedermann führte. Neben dem Fortschritt auf praktischer Ebene (professioneller, objektiv schöner, experimentierfreudiger), halfen auch prominente Vorbilder aus Sport und Medien deutlich nach, indem sie sich auf dem Platz oder rotem Teppich offen mit ihren Hautbildern präsentierten. Ein eher bizarres aber doch passendes Beispiel wäre ein Promi wie Justin Bieber, der den Prototyp des Teenyschwarms verkörpert wie kein anderer. Zeitgleich ist er stark tätowiert ohne, dass sein Image (zumindest in Bezug auf seine Optik) Schaden genommen hätte. In der Ära der Boybands wäre das ein Grund seine Karriere zu begraben. Ein weitere Berufsstand, der von seiner Optik lebt, aber mit Tattoos bis dato kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde sind Models. Richtig gehört: Frauen, die fast surreal schön sind, sich auf Catwalks und in Photosessions trauen, aber bei denen der Blick des Zuschauers vom fast perfekten Körper hin zu Meisterwerken wandert, die das Gesamtbild umso mehr abrunden.

Tattooed model Hattie Watson photography by Christian Saint.

Tattooed model Hattie Watson photography by Christian Saint.

Um eben diesen Damen zu huldigen, erschien beim GOLIATH Verlag vor kurzem der Bildband „Tattoo Super Models“, der auf fast 140 Seiten zeigt, dass es extrem sexy ist den einen Moment zu leben und nicht darüber nachzudenken, was die Welt in 30 Jahren über die dauerhaften Schmuckstücke denken wird. Die Bilder präsentieren selbstbewusste Schönheiten, die sich entgegen aller Konvention dazu entschieden haben, einen unwiderruflichen Weg zu gehen und damit nun Erfolge feiern. Ob mit viel nackter Haut oder mit aufreizenden Dessous, bei dem vorliegenden Band wird (zumindest für den Großteil der Bevölkerung) eine gänzlich neue Dimension in Bezug auf Ästhetik beigefügt, die die Körper der Frauen noch aufregender und damit den Inhalt zur visuellen Achterbahnfahrt macht.

Dabei werden die Motive bewusst hochstilisiert und in einen eher für Fashion- und Beauty-Kampagnen bekannten Kontext gesetzt, der die Darstellungen noch weiter von der konventionellen Fotografie abhebt. Das dies kein Zufall ist, verdanken wir dem in Brooklyn ansäßigen Fotografen Christian Saint, der über 20 Jahren als Profi im Bereich (wie schon angedeutet) Fashion, Beauty und Celebrity tätig war und sich nach Ermüdungserscheinungen durch das ihm vorgesetzte Schönheitsideal dazu überging seinen Schwerpunkt auf die Tattoo-Szene zu legen. „Tattoo Super Models“ ist dabei wohl der beeindruckendste Beweis dafür, dass er die vollkommen richtige Entscheidung traf. Wer diese Form der Ästhetik ansprechend findet, der kommt an diesem Buch wohl nicht vorbei!

Alt tattooed model Vanessa Lake photographed by Cristian Saint.

Alt tattooed model Vanessa Lake photographed by Cristian Saint.

Für all diejenigen, die mehr aus diesem Bereich sehen wollen und dabei auch eher „verruchteren“ Themen nicht abgeneigt sind, bietet GOLIATH eine Vielzahl an Bildbänden aus den Sparten Fetisch, Akt und auch erotische Abarbeitungen im historischen Kontext. Für die Sammler unter euch gibt es auch limitierte und signierte Editionen und Kunstdrucke zu erwerben. Ein gutes Beispiel für die Vielfältigkeit des Bereichs wäre das ebenfalls vor kurzem erschienene „Naked Fashion Girls“, welches den Weg der Natürlichkeit bestreitet, den rauen Look der unverfälschten Spontanität geht und dabei Frauen aus der Fashion-Branche in all ihrer natürlichen Schönheit darstellt. Interessenten können sich einfach mal auf der Seite umsehen und sich selbst ein Bild davon machen. Wer weiß? Vielleicht entdeckt man auch Facetten an sich selbst, die einem bisher verborgen blieben.