Idris Elba ist der Revolvermann!

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©BBC Worldwide Productions

Seit gut einem Jahr bin ich auf der Suche nach all den Bänden aus der „dunklen Turm“-Reihe von Stephen King. Als Fan des Großmeisters weiß man, dass es extrem schwer ist die Hardcover-Versionen aus dem Heyne-Verlag zusammen zu kriegen, ohne einen absurd hohen Preis dafür zu zahlen.

Für deutsche Ausgaben eher ungewöhnlich, aber als jahrelanger Leser ist man eben geduldig. So habe ich es diese Woche nach mehreren Anläufen endlich geschafft alle sieben Werke mein Eigen zu nennen, indem ich zum richtigen Zeitpunkt zugeschlagen und damit vermutlich ein Fünftel des aktuellen Marktpreises auf den Tisch gelegt habe.

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Meine kleine Sammlung. „Schwarz“ ist zu diesem Zeitpunkt noch per Post unterwegs!

Insbesondere der Erstling „Schwarz“ ist rar und damit das Herzstück der Sammlung. Nachdem ich ohnehin wieder vom King-Fieber erfasst wurde (aktuelle Lektüre: „Finders, Keepers“), habe ich mich fast an meinem Kaffee verschluckt als ich las, dass die Verfilmung des modernen Epos endlich reale Züge annimmt. Nachdem der Regisseur Nikolaj Arcel („Die Königin und der Leibarzt“) feststand und Matthew McConaughey („Interstellar“, „Dallas Buyers Club“) nun aller Wahrscheinlichkeit nach als „der Mann in schwarz“ aka Randall Flagg zu sehen sein wird, scheint der Schauspieler fest zu stehen, der in die Haut des Revolvermanns „Roland“ schlüpfen soll: Idris Elba („Thor“, „Beasts Of No Nation“)!

Der Brite, der schon als der neue James Bond gehandelt wurde, ist damit das Gesicht einer Buch-Adaption, die zunächst als unverfilmbar galt und nun den Auftakt für eine auf mehrere Teile ausgelegte Reihe bildet, der parallel eine TV-Serie zur Seite gestellt werden soll.

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Der seltenste Band der Reihe vom Heyne-Verlag

Für mich eine überraschende, aber trotzdem nachvollziehbare Wahl, da der Mann über die nötige Ausstrahlung verfügt und als Mime ein sehr großes Repertoire mit sich bringt, welches er schon erfolgreich in Dramen als auch Superhelden-Streifen aus dem Marvel-Lager ausgespielt hat.

In meinen Augen wird es zwar schwer einer Vorstellung gerecht zu werden, die bei jedem der unzähligen Leser der Vorlage abweicht, aber man wurde ja über die Jahre hinweg immer eines besseren belehrt. Ob es nun „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ – der Erfolg gibt den Filmen recht und ich wage zu behaupten, dass es diesmal nicht anders sein wird.

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Eine Version des Revolvermanns aus den Marvel-Comics zum Buch. ©Marvel Comics

Das einzige was mich jetzt schon ankotzt, ist die unausweichliche Diskussion darüber, dass es sich um einen farbigen Schauspieler handelt. Man hat schon an so manch ätzenden Kommentar zu John Boyegas Besetzung in „Star Wars“ gemerkt, dass gewisse Grenzen in den Köpfen einiger Trottel immer noch nicht überwunden sind. Doch genau an dem Beispiel sieht man, dass nach der ersten Reaktion der Rednecks die Freude der Masse überwiegt.

Deshalb heisst es nun: Die Idioten ignorieren, das Buch zum Film schnappen und die Tage bis zum Release zählen!

Deutschland um 1900 – Ein Porträt in Farbe

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Ich denke, dass ich nicht alleine bin wenn ich beim Betrachten von schwarz-weiß-Fotografien, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, das Gefühl bekomme auf eine gänzlich andere Welt zu blicken. Es scheint fast ein fremder Planet zu sein, mit ganz eigenen Riten und Bräuchen, so wie der dazu passender Optik.

Das liegt vor allem an der industriellen Revolution, die sich zum damaligen Zeitpunkt erst zu entfalten begann und damit nach und nach Traditionen und über Jahrhunderte gereifte Stadtbilder verschlang. Festgehalten wurden ursprüngliche Szenerien höchstens auf Gemälden und Fotografien, die ohne Farbe einen Teil des Bezugs zur Realität einbüßen mussten.

Demenstprechend kam es einem Wunder gleich, als das Schweizer Unternehmen „Orell Füssli“ den sogenannten Photochromdruck im Jahr 1888 patentieren ließ. Mit diesem Verfahren war es nun plötzlich möglich Fotografien in Farbe (14 an der Zahl) serienmäßig abzudrucken. Was könnte da am ehesten in Betracht kommen, als Postkarten in dieser Form herzustellen und damit die schönsten Plätze des jeweiligen Landes zu porträtieren?

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Dom und Friedrichsbrücke

Genau dieser Gedanke ließ um die Jahrhundertwende auch in Deutschland einen Boom entstehen, aus dem sehr viele Abbildungen hervorgegangen sind, die uns einen interessanten Einblick in die „gute alte Zeit“ gewähren. Und genau hier ist der kleine Wermutstropfen zu finden. Da es sich großteils um Bilder für Tourismuszwecke handelt, werden dunkle Kapitel der Geschichte, wie die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen der Unterschicht, Antisemitismus (auch schon im Kaiserreich ein eklatantes Problem) sowie soziale Unruhen gänzlich ausgeblendet. Was bleibt sind Idyllen im wahrsten Sinne des Wortes.

Dies kann dem Prachtband, der diese Bilder eindrucksvoll versammelt, jedoch auf keinen Fall zu Lasten gelegt werden, da die rund 800 Photochrome auf über 600 Seiten ein Bild Deutschlands um 1900 vermitteln, welches durchaus existiert hat und zu recht eine gewisse Faszination mit sich bringt.

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Eisenach, Hohe Sonne mit Blick auf die Wartburg

Diese sind einer Rundreise gleich in einer gewissen geografischen Chronologie angeordnet. Angefangen bei Berlin, der Nord- und Ostseeküste, über die am Rhein gelegenen Städte, den Schwarzwald bis hin nach Bayern. Dabei begegnet der Betrachter monumentalen Schlössern und Burgen, ländlichen Gebieten, wie entrückt wirkenden Straßenszenen, sowie schier unfassbar schönen Naturlandschaften, die einem Märchen entstammt sein könnten. Es ist kein Wunder, dass sich eine Vielzahl an Kreativen in das Herz Europas verirrte. Romantiker wie Lord Byron konnten hier der Natur so nah sein, wie sonst kaum an einem anderen Ort. Autoren wie Mark Twain wurden durch ihre Reisen auch nachhaltig in ihrem Schaffen geprägt und Künstler ergötzten sich an der Inspiration, die im Überfluss vor ihren Füßen lag.

Auch heute noch kommt man aus dem Staunen kaum mehr raus, kann fast nicht glauben, dass solche Orte existiert haben könnten und verfällt in eine Art Wehmut, da all die dargestellte Schönheit in ihrer Pracht unwiederbringlich verloren ist.

Neben den heutzutage längst zerstörten Gebieten, ziehen vor allem die uns besonders vertrauten Abbildungen ihre Aufmerksamkeit auf sich. In meinem Fall wäre es die Stadt München, die zwar ihre klassischen Charakteristika beibehalten hat, aber vor über 100 Jahren eine gänzlich andere Ausstrahlung besaß, als es heute der Fall ist. Es fühlt sich fast so an, als würde man durch dieses Buch in ein Paralleluniversum blicken und genau das macht es zu einer lohnenden Anschaffung. Es bietet die Möglichkeit in die Vergangenheit des eigenen Landes zu reisen und sich selbst auszumalen, wie das heutige Deutschland aussehen würde, wenn es nicht seine Identität und Kultur, die es sich mit Architektur und Landschaften aufgebaut hat, mit dem 2. Weltkrieg in den Abgrund gestoßen hätte. Hier kommen sowohl Leser mit großem Interesse an Geschichte als auch Fans der Foto-Kunst auf ihren Geschmack.

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Schloss Neuschwanstein, Schlafzimmer mit Bildern aus der Tristan-Sage

Das Buch kann bei TASCHEN bestellt werden.

Fight Club 2

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Tyler Durden lebt – Wer erinnert sich nicht an den sympathischen Anarchisten, der die Welt durch den „Fight Club“ (Moment mal…die erste Regel!) aus den Angeln hob, jegliche sozialen Konventionen fahren und den Zuschauer des Films mit offener Kinnlade zurück ließ?

Was jedoch wenige Leute wußten und zum teil wissen ist, dass diese unglaubliche Geschichte auf einem Roman von Chuck Palahniuk basiert, der sich nun das vermutlich beste Medium ausgesucht hat um die bekannten Ereignisse fortzusetzen: Die Graphic Novel! Insbesondere nach der Leinwandumsetzung lag es durchaus nahe, die Handlung auch auf visueller Ebene weiter zu treiben. Das Ergebnis ist eine der besten Geschichten, die ich dieses Jahr lesen durfte.

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10 Jahre nach den Geschehnissen in Bezug auf das „Projekt Chaos“ und den finalen Showdown, lebt der einst namenlose Sebastian vollgepumpt mit Drogen, die seine dunkle Seite unterdrücken sollen, in einem Einfamilienhaus mit seiner uns bekannten Frau Marla Singer, die sich jedoch mit den Jahren kaum verändert hat. Immer noch gehören Selbsthilfegruppen, Zynismus und Zigaretten zu ihrem klassischen Repertoire. Das jedoch einschneidendste Erlebnis, dass beide Personen auf einer gänzlich neuen Ebene beeinflusst, ist der gemeinsame 9-jährige Sohn. Wie wir uns dabei aber alle lebhaft erinnern können, ist nicht Sebastian das Objekt der Begierde für seine Frau, sondern der dominante Tyler, der jedoch (scheinbar) verschwunden ist. Um diesem Umstand entgegen zu wirken, vertauscht sie seine Pillen mit Zuckerpräparaten und die Apokalypse kann ihren Lauf nehmen. Mr. Durden übernimmt mehr und mehr die Kontrolle und kriegt hierbei kräftige Unterstützung durch die immer noch aktiven Mitglieder seiner Clubs. Dementsprechend ist es nur eine Frage der Zeit bis die Situation gänzlich eskaliert und ihren Höhepunkt in der Entführung des eigenen Sohns mündet. Da die Persönlichkeiten des Hauptprotagonisten jedoch strikt getrennt sind, gibt es keine andere Möglichkeit an das Kind zu kommen, als in den „Fight Club“ nach langer Zeit wieder als Sebastian einzutreten und die Handlung nimmt ihren unwiderruflichen Gang nehmen zu lassen.

Dabei sind die Szenen durchsetzt von allerlei Anspielungen auf das aktuelle politische/soziale Weltgeschehen (ISIS, Spenden, Obdachlosigkeit, Drogensucht,…), Popkultur (Slipknot, Lizenzprodukte,…) sowie das genutzte Medium in Form der eigenen Geschichte. Des weiteren wird auch hier wieder gekonnt mit Meta-Ebenen gespielt, die sogar explizit benannt werden. Wir kennen ja noch die direkte Ansprache des Zuschauers im Film. In diesem Fall wird zwar auch der Leser mit einbezogen, indem Panels sprichwörtlich gesprengt werden, aber die genialsten Momente sehen wir, wenn der Schöpfer dieses Konstrukts plötzlich Teil des Geschehens wird. Alles in allem gibt es viel zu viele Details, überraschende Elemente und Wendungen als, dass es möglich wäre sie alle in einem vernünftigen Rahmen zu besprechen. Die Erwartungen waren hoch und die Skepsis vorhanden, aber nachdem man einmal die erste Seite aufgeschlagen hat, befindet man sich in dem Sog, der uns auch im ersten Teil erfasst hat.

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Visuell wird das Treiben durch den kanadischen Eisner-Award-Gewinner Cameron Stewart in Szene gesetzt. Zunächst hatte ich Bedenken, dass mich die Geschichte in der Form nicht so packen könnte wie der Vorgänger auf Zelluloid und Gott sei Dank lag ich mehr als falsch. Nachdem man sich daran gewöhnt hat, dass altbekannte Charaktere nicht der Optik aus dem Film entsprechen (ich erinnere gerne nochmals: Der Ursprung ist ein Buch!), stellt sich ein Gefühl ein, als ob man nach langer Zeit wieder nach Hause kommen würde. Es ist schier unglaublich wie das Ganze als Graphic Novel funktioniert und dabei wie die Faust aufs Auge passt (pun intended)! Selbst Elemente wie die Liste der Klamotten für den Einzug in Tylers Haus aus dem Erstling werden auf diese erfrischend neue Art eigeführt und demonstrieren damit deutlich, dass das Medium Comic zu weit mehr fähig ist, als es der Mainstream eventuell vermuten würde.

Man sollte als Rezensent vielleicht nicht zu euphorisch über ein zu besprechende Werk berichten, aber nach der Lektüre von „Fight Club 2“ kann ich nicht anders als ausnahmslos jedem ans Herz zu legen diesen Band zu besorgen oder ganz dick auf dem Wunschzettel für den Weihnachtsmann zu markieren! Und wisst ihr was das beste ist? Es handelt sich hier nur um den ersten Teil der Fortsetzung, der nur umso mehr Appetit auf den mit Sicherheit genialen Abschluss der Story macht! Ihr habt dementsprechend nur noch ein To-Do nachdem ihr meine Lobeshymne gelesen habt: Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Ektomorf (+ Shredhead, Hot Beaver, Etecc & Cane Hill) live in München, 27.11.2015

Eingefleischte Fans wissen, dass Ektomorf regelmäßig Gäste auf deutschen Bühnen sind und dabei auch in schöner Regelmäßigkeit der bayerischen Landeshauptstadt einen Besuch abstatten. Das letzte mal ist mit dem berühmten „Free & Easy“-Festival im Backstage erst wenige Monate her, aber das hindert das ungarische Quartett nicht daran mit ihrem neuesten Album „Aggressor“ wieder die kultige Halle zu bespielen.

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Cane Hill

Natürlich kam die Band am 27.11. nicht alleine, sondern stellte sich eine bunte Mischung aus Support-Acts zusammen, die mit vier an der Zahl die Menge ordentlich zum schwitzen bringen sollte.

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Cane Hill

Genau das haben die Musiker allesamt mit Bravour gemeistert. Den Anfang machten die Ungarn um „Cain Hill“, die sowohl optisch (weiße Jumpsuits und Masken) als auch musikalisch ganz dem Genre des Nu-Metal zuzuordnen sind. Fette Riffs, treibende Drums und ein extrem variabler Gesang in Form von Sprechpassagen, Shouts und melodiösen Lines sind die Mischung meiner Jugend und auch ein großer Einfluss auf die Hauptband des Abends. Wie um ihre musikalische Herkunft zu unterstreichen, wurden gleich zwei Cover präsentiert, die die dargebotene Mischung vermutlich am besten umschreiben. „Break Stuff“ von Limp Bizkit und „Duality“ von Slipknot brachten Erinnerungen zurück und die ersten Köpfe zum nicken. Leider ging aufgrund der recht frühen Stunde und der leider abhanden gekommenen Eigenständigkeit in Bezug auf den Sound (trotz solider Performance) nicht mehr als ein zustimmender Applaus. Nichtsdestotrotz eine passende Eröffnung des Konzerts und durchaus unterhaltsam. Eine individuellere Note und die Jungs könnten öfter vorbei kommen!

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Etecc

Nun folgte die Wolfsburger Formation „Etecc“, die sich zwar ebenfalls bei großen musikalischen Vorbildern (Stichwort „Pantera“) bediente, aber durch ihre bloße Präsenz und Sicherheit auf der Bühne in die Herzen der Zuschauer spielte. Insbesondere Frontmann Rouven wußte mit animierenden Ansagen und selbstbewußter Performance wirklich zu überzeugen. Hier kreisten schon die ersten Matten ohne jeden Zwang, der bei Verbands oft mitschwingt. Erstaunlich, dass ich vorher noch nie was von den Jungs mitbekommen habe. Bei so einer Show sieht man schon der nächsten eigenständigen Tour der Band entgegen. Headliner-Potential ist hier geboten! Notiert euch den Namen und ab zum nächstgelegenen Gig!

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Etecc

Die nächsten auf der Liste waren die aus Ungarn stammenden „Hot Beaver“, die sich in Bezug auf Bühnenpräsenz ebenfalls nicht hinter ihren Kollegen verstecken müssen. Sich selbst als „Grunge Metal“ bezeichnend, findet man das erste Element zwar großteils nur in den ruhigeren Passagen, aber ansonsten ist der Ton mit der Umschreibung genau richtig angegeben. Bierselige, positive Vibes im Mid-Tempo, kombiniert mit melancholischen Passagen bieten die perfekte Mischung um die Haare kreisen zu lassen und in der Gemeinschaft das ein oder andere Bier zu kippen. Genau das machte die Band in ihrer Spielzeit in regelmäßigen Abständen. Wer nichts zu trinken hatte, bekam es sogleich von der Bühne gereicht und konnte Teil der Party werden. Wahnsinnig sympathische Jungs mit frecher Lippe aber mit der größten Berechtigung diese auszuspielen. Alles in allem eine weitere Formation, die man sich auf die Liste setzen sollte und gleichzeitig ein Beweis, dass auch außerhalb weltweit etablierter Musikmärkte Perlen zu finden sind.

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Hot Beaver

Die letzte Combo vor dem großen Finale stellten die Israelis um „Shredhead“ dar, die den brutalsten Ton des Abends angaben. Eine harte Mixtur aus Thrash und Hardcore, gepaart mit einer „ihr seid mit uns oder gegen uns“-Attitüde, die über dem teils überraschten Publikum ausgeschüttet wurde. Markerschütternde Shout-Passagen und dissonante Riffs en masse stellten in gewisser Weise einen kleinen Bruch zu den anderen Bands dar, die vor allem auf Groove und gute Stimmung setzten. In diesem Fall bin ich mir entsprechend nicht sicher, wie den Jungs diese Performance ausgelegt werden kann. In Bezug auf handwerkliches Können und Professionalität kann ihnen in jedem Fall kein Vorwurf gemacht werden. Von der musikalischen Seite aus muss man jedoch sagen, dass der Sound sehr wohl zum anheizen der Menge taugt, aber insbesondere durch den starken Kontrast auf Dauer sehr anstrengend sein kann. Objektiv eine sehr gute Formation, die jedoch bei einem auf Death- oder Thrash-Metal ausgerichteten Tour-Tross besser aufgehoben wäre.

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Hot Beaver

Die Menge nun in bester Stimmung und die gesamte Halle füllend, konnte es nun ablesbar an den „Ektomof“-Chören (die immer wieder erschallen sollten) kaum erwarten die europäischen Neo-Thrash-Könige wieder live zu erleben und sie wurden mehr als nur bedient.

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Shredhead

Ab der ersten Sekunde konnte man die Momente an einer Hand abzählen, an dem das Publikum nicht gerade sprang, moshte oder sich die Seele aus dem Leib brüllte. Manche mögen die Musik selbst für das Genre als sehr primitiv empfinden, doch es ist eine höhere Kunst aus wenigen Farben ein schönes Gebilde zu erschaffen, als mit der größten Palette ein schwer verdauliches Werk zu präsentieren.

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Shredhead

Der lebende Beweis in Gestalt der zahlreichen Fans spornte die Band dazu an, diesen Abend bis zur Grenze auszuschöpfen und fast zwei(!) Stunden lang eine energiegeladene Performance hinzulegen, die mit so gut wie allen Hits ihrer langen Karriere gespickt war. Klassiker aus den Anfangstagen, Dancfloor-Kracher wie „Outcast“ oder die härtesten Tracks ihrer Kariere aus dem neuen Album „Aggressor“. Das war eine dieser Shows bei der wirklich jeder das bekam was er wollte.

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Ektomorf

Und man nimmt ihnen ab, wenn sie sagen, dass sie die Musik nur für ihre Fans und sich selbst machen. Dieses Rezept scheint nämlich immer wieder aufs neue aufzugehen. Ich selbst habe sie in den letzten zehn Jahren mehrfach gesehen und Höhen und Tiefen miterlebt. Dass sie immer noch und vor allem mehrfach in die selben Städte zurück kehren und dabei sogar Fans einer gänzlich neuen Generation für sich rekrutieren können, spricht für sich selbst. Ich denke ich bin nicht allein, wenn ich sage, dass ich mich auch auf die nächste Tour freue, selbst wenn sie in wenigen Monaten wieder nach Deutschland führen sollte.

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Ektomorf

Weitere Fotos findet ihr wie immer bei Fuchse Fotografie!