„Make Europe Great Again“-Tour (live in München; 05.06.2016)

Es ist schon eine Zeit lang her, seit ich das letzte mal meine Leser an gute Musik heranführen durfte. Nun ist es wieder soweit und es gibt gleich die Möglichkeit über vier Kappellen zu schreiben, die das Münchner Backstage beehrt haben.

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Rabia Sorda

Unter dem Motto „Make Europe Great Again“ teilen sich Erk Aicrags (Hocico) Nebenprojekt Rabia Sorda, die deutschen Dark-Rocker Lord of the Lost, die legendären Filtersowie der Headliner in Form der von Aggro-Tech zu Metal gewechselten Combichrist die Bühne.

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Rabia Sorda

Hierbei wurde nichts dem Zufall überlassen und etwaige Sound-Experimente im Rahmen des Line-Ups sind mit der Lupe zu suchen. Durften früher klassische Glühstäbchen-wirbelnde Pool-Nudel-Träger die Shows von Combichrist eröffnen, lassen sich diesmal alle Gruppen unter Gitarren-Musik mit Elektro-Einschlag einordnen. Passend zur homogenen Ausrichtung, hat sich auch die Fanbase der Bands deutlich gewandelt. Man findet zwar immer noch überwiegend Leute aus dem Gothic-Bereich, aber die Metal-Heads sind eindeutig auf dem Vormarsch. Nebenprojekte und Support-Slots in diesem Genre scheinen einen bleibenden Eindruck bei den Musikern und damit der Schreibweise der Songs hinterlassen zu haben. Einen Einbruch des Erfolgs muss deswegen aber keiner befürchten, wenn man die gut gefüllte Halle betrachtet.

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Lord of the Lost

Leider kam genau das dem Trio um Rabia Sorda nur bedingt zugute, denn der Einlass und der Beginn des Konzerts lagen gerade mal 30 Minuten auseinander. Dementsprechend mussten die Musiker zunächst vor halb leerer Halle spielen, machten ihre Sache aber sehr gut. Die Mischung aus Punk und Industrial war der perfekte Einstieg um die ersten Hände hoch gehen zu lassen und einige zu den ersten Tanzschritten zu bewegen. Netter Sound, den man sich merken darf, falls der Name der Band dem Leser noch kein Begriff sein sollte.

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Lord of the Lost

Dem folgte das Dark-Rock-Phänomen Lord of the Lost. Optisch irgendwo zwischen Black Metal, Marilyn Manson und Murderdolls zu verorten, lieferte das Quintett eine überzeugende Mischung aus Metal, Pop und Punk, die erstaunlich gut funktioniert. Nach den ersten paar Minuten war ich zwar drauf und dran die Band als humorbefreite Grufti-Gang abzustempeln, wurde aber recht schnell eines besseren belehrt. Die Texte zu Tracks wie „Blood for Blood“, „Sex on Legs“ oder „Black Lolita“ klingen zwar zunächst ungewollt klischeehaft, aber mit einem gewissen Augenzwinkern im Bereich der Performance kann man den bubenhaften Spaß am Spiel mit der Symbolik erkennen. Der eindeutigste Beweis dafür, dass die düstere Optik nicht gleich mit Dauerdepression gleichzusetzen ist, wird wohl das Backstreet Boys-Cover von „Everybody“ (1997) sein. Wer hätte gedacht, dass martialisch bis barock anmutende Gestalten so textsicher bei Bubblegum-Kost sein könnten? Im Gesamten setzen die Jungs zwar keine musikalische Revolution in Gange, unterhalten aber auf ganzer Linie, wirken sympathisch und sind sowohl tanz- als auch moshbar. Ganz klare Empfehlung für die kommende Konzert-Planung.

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Filter

Nun war ich mehr als gespannt, als mit Filter die prominentesten Gestalten im Tour-Tross die Bühne betraten und wurde gleich mal vor den Kopf gestoßen. Richard Patrick, ehemaliger Gitarrist der Nine Inch Nails, liefert mit seinem Projekt zwar einen soliden Sound, den man in der Form auch erwartet, aber die Darbietung des Ganzen war jenseits von gut und böse. Wenn man die Frage des Song-Titels „Can you trip like I do?“ beantworten möchte, muss ich im direkten Vergleich zum Frontmann der Band ganz klar „Nein“ sagen. Ich kann gar nicht so viel von was auch immer konsumieren, um so drauf zu sein wie er.

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Filter

Es gehört ja als Musiker eigentlich zum guten Ton eine leicht zerstörerische Aura zu haben bzw. sich mal etwas daneben zu benehmen. Trotzdem muss man dabei so viel Professionalität ausstrahlen, dass man nicht minütlich mit einem Abbruch des Gigs rechnen muss. Ein offensichtlich zugedröhnter Patrick diskutierte technische Probleme live am Mikro aus, nuschelte seine Ansagen mehr als sie wirklich an das Publikum zu richten und hatte wohl Spaß daran Fans aus der ersten Reihe mit Bier und Wasser zu übergießen, da sie seiner Meinung nach nicht genug für die Band abgingen. Das sie eventuell für die nachfolgenden Combichrist da sein könnten, ist ihm wohl nicht in den Sinn gekommen. Die Enttäuschung erreichte bei mir persönlich den traurigen Höhepunkt, als ich realisierte, dass der gute Mann seine Texte von einem eigens für ihn an einer Halterung montierten Tablet ablesen musste. Sorry, aber man kann von einem Profi, der seit fast 30 Jahren im Business ist verlangen, ein Set von einer Stunde im Kopf zu haben, welches nicht mal wie geplant zu Ende gespielt werden konnte. Andererseits sah man auch deutlich warum er sie sich nicht merken konnte. Drogen gehören irgendwo zum Rock’n’Roll aber man muss dabei fähig sein seinen Job erledigen zu können. Da ich Filter zum ersten mal gesehen habe, kann ich nur von meinen Erfahrungen in München berichten und kann dadurch nicht auf den Rest der Tour schließen. Ich lasse mich gerne eines besseren überzeugen, aber das war schlicht und ergreifend eine traurige Vorstellung.

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Combichrist

Damit man jedoch nicht enttäuscht nach hause gehen musste, haben Combichrist exakt das abgeliefert, was man von ihnen schon seit Jahren erwarten kann. Eine brachiale und energiegeladene Show, die man sowohl im Pit als auch beim tanzen genießen kann. Da ich ihre Entwicklung nun schon seit knapp sieben Jahren mitverfolge, freue ich mich von mal zu mal etwas mehr, wenn ich sie live erleben kann. Angefangen mit einer aggressiven Machart des Industrial samt Shouts, die eher unüblich in der Szene sind, über die ersten Versuche „klassische“ Band-Instrumente einzuführen, bis zur finalen Formation als mit Percussions unterstütze Metal-Truppe habe ich alles miterlebt. Zwar haben sich dadurch zwangsläufig einige Old-School-Fans abgewandt, aber dafür sind deutlich mehr Leute aus anderen Sparten dazu gestoßen und der immer größer werdende Erfolg gibt ihnen offensichtlich recht. Zwar gibt es nun das Problem, dass ursprünglich als reine Elektro-Arrangements konzipierte Tracks wie „Get Your Body Beat“ vom Band kommen und dadurch Spielereien mitten im Song ausfallen müssen, aber das tut dem Spaß der Fans keinen Abbruch. Und so befeuerte das norwegisch-amerikanische Projekt die Halle bis weit nach Mitternacht und kramte dabei in der weitreichenden Diskografie um sowohl alte Perlen als auch neue Stampfer präsentieren zu können. Mit „What the Fuck is Wrong With You“ entließen sie schlußendlich ein wie immer zufriedenes Publikum in die Nacht und machten damit fast unverzüglich den Aussetzer des Co-Headliners ungeschehen. Es war wie immer eine Freude, an die ich beim nächsten Besuch der Band gerne anschließen werde!

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Combichrist

Mehr Fotos vom Konzert findet ihr hier!

apRon – Der Punch beginnt

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Mit dieser Rezension ist eine kleine persönliche Geschichte verbunden.

Vor einigen Jahren entdeckte ich die Münchner Underground-Band „apRon„, die einen Sound zwischen Nu-Metal/Crossover, Hardcore und Rock fabrizierte und damit exakt meinen Geschmack traf. Als ich neben ihrer großartigen Musik auch noch ihre Bühnenoutfits in Form von sich teils von Gig zu Gig wandelnder Schminke, und viel Konfetti entdeckte, war ich hin und weg.

Natürlich musste ich mir dieses Gebräu erstmal live ansehen und wurde
wie zu erwarten von ihrer unbändigen Energie umgeblasen, die sich aus der ständigen Bewegung und ihrem fast schon choreographiert wirkenden Zusammenspiel speiste. Theater in seiner schönsten Form!

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Nur kurze Zeit später wurde ich mit meiner damaligen Band gefragt, ob wir Lust hätten an einem fast schon irren Weltrekordversuch teilzunehmen und sagten selbstverständlich zu. Damit wurden wir Teil eines 67-stündigen und damit längsten Konzerts der Welt. Weiter ging es im Vorprogramm der Band in Passau und nach der Auflösung unserer Kapelle als Zuschauer auf fast allen Konzerten in München. Da der Kontakt auch auf privater Ebene sporadisch erhalten blieb, wurde ich als Fan und Kenner der Musik dazu eingeladen am Video „IDGAF“ als Darsteller mitzuwirken und machte selbstverständlich mit, indem ich einen Clown mit „Gilf“-Fetisch mimte.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass sich hier viele meiner Leidenschaften  in Form einer Band und ihrer Aktionen manifestierten. Als dann noch eines Tages die Ankündigung kam, dass zu einem kommenden Konzept-Album ein passender Comic erscheinen würde um die Story des „Mr. Punch“ durch verschiedene Medien erzählen zu können, schloss ich mich mit vielen anderen der parallel gestarteten Kickstarter-Kampagne an, die das ambitionierte Werk finanzieren sollte. Als kleine Belohnung in meinem Package, wurde ich als Figur sowohl in das Heft als auch Booklet integriert.

Die Lieder auf „Der Punch“ (apRons erstes deutschsprachiges Werk) drehen sich um den Spießbürger Kleinmann, der die fiese Handpuppe Mr. Punch findet, die von seinem Puppenspieler sofort Besitz ergreift und ihn auf eine Jahrmakttour nimmt, die wohl keiner so schnell vergessen wird…
Die Songs wirken dabei dem Ambiente der Erzählung und des Cover-Artworks (von Streetartist Michael „Fester“ Heinz-Fischer) entsprechend wie Zirkusmusik aus einem Horrorfilm und schwanken dabei von dicken Brettern bis zur melancholischer Ballade. Die einzelnen Tracks werden dabei durch einen Erzähler miteinander verbunden. Niemand geringeres als Stefan Linder, seines Zeichens Sänger der Band Schandmaul führt hierbei von Stück zu Stück.

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Die Visualisierung in Form des gleichnamigen Comic-Bandes folgt dabei parallel dem Geschehen und wurde vom Künstler Andi Papelitzky in Szene gesetzt, die wie das Leben Kleinmanns in Grautönen dargestellt wird. Die Figuren und die dazu passende Umgebung wirken der Erzählung (von apRon-Drummer Andreas „Medusa“ Kuhn getextet) entsprechend recht bizarr und werden nur durch vereinzelte Farbtupfer in Form des „Mr. Punch“ und bestimmter Körperflüssigkeiten aufgebrochen. Wie aber die Puppe dorthin gelangt ist, wo sie gefunden wurde und ob es eine Vorgeschichte zum bösartigen Innenlebens des Punch gibt, wurde nie geklärt.

Um diese Rätsel zu lösen hat das bestehende Kreativteam sich eines Prequels angenommen, welches vor kurzem als „Der Punch beginnt“ beim nun jährlichen „Punchfest“ (Konzert mit lokalen Bands im Münchner Backstage) Premiere feiern durfte. Während visuell fast alles beim gleichen bleibt (Papilitzkys Strich erscheint nur etwas weniger rau), begleiten wir zwei tragische Figuren in Person eines Professoren (Kleinmann ) der Literaturwissenschaften (Der Punch stammt ursprünglich aus einer britischen Erzählung) und einer Studentin, deren Wege sich einem Kreislauf gleich, am Anfang und am Ende der Geschichte kreuzen und dabei einen Übergang zum ursprünglichen Strang der Geschichte markieren. Garniert werden die Panels dabei mit allerlei Anspielungen auf die Münchner Alternativ-Szene und deren Protagonisten, wobei es einem „Außenstehenden“ nicht negativ auffallen sollte.

Alles in allem bleibt auch diese Ausgabe dem Underground treu und genießt dadurch sowohl auf Seiten der Story als auch auf künstlerischer Ebene Freiheiten, die im Mainstream unmöglich erscheinen. Trotzdem wirkt das Ergebnis sowohl von der Aufmachung als auch vom Inhalt her professionell genug, um auch die „Laufkundschaft“ in Comic-Läden anzusprechen. Der Stil erinnert mehr an einen Burton als an die Comix-Verfechter, die mehr durch Provokation als sicheren Umgang mit ihrem Werkzeug glänzten. Dementsprechend lege ich euch ans Herz das gesamte „apRon“-Package in Form der CD, des ursprünglichen Comics und des Prequels zuzulegen. Neben dem Genuss fürs Auge und Ohr, unterstützt ihr hierbei nämlich den Underground gleich zweier Szenen, die beweisen, dass dickes Budget und große Plattenfirma/Verlag noch lange nicht der einzige Garant für Qualität sind.

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Das Album findet ihr hier. Hier wäre der passende Comic und dort das Prequel.

Ektomorf (+ Shredhead, Hot Beaver, Etecc & Cane Hill) live in München, 27.11.2015

Eingefleischte Fans wissen, dass Ektomorf regelmäßig Gäste auf deutschen Bühnen sind und dabei auch in schöner Regelmäßigkeit der bayerischen Landeshauptstadt einen Besuch abstatten. Das letzte mal ist mit dem berühmten „Free & Easy“-Festival im Backstage erst wenige Monate her, aber das hindert das ungarische Quartett nicht daran mit ihrem neuesten Album „Aggressor“ wieder die kultige Halle zu bespielen.

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Cane Hill

Natürlich kam die Band am 27.11. nicht alleine, sondern stellte sich eine bunte Mischung aus Support-Acts zusammen, die mit vier an der Zahl die Menge ordentlich zum schwitzen bringen sollte.

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Cane Hill

Genau das haben die Musiker allesamt mit Bravour gemeistert. Den Anfang machten die Ungarn um „Cain Hill“, die sowohl optisch (weiße Jumpsuits und Masken) als auch musikalisch ganz dem Genre des Nu-Metal zuzuordnen sind. Fette Riffs, treibende Drums und ein extrem variabler Gesang in Form von Sprechpassagen, Shouts und melodiösen Lines sind die Mischung meiner Jugend und auch ein großer Einfluss auf die Hauptband des Abends. Wie um ihre musikalische Herkunft zu unterstreichen, wurden gleich zwei Cover präsentiert, die die dargebotene Mischung vermutlich am besten umschreiben. „Break Stuff“ von Limp Bizkit und „Duality“ von Slipknot brachten Erinnerungen zurück und die ersten Köpfe zum nicken. Leider ging aufgrund der recht frühen Stunde und der leider abhanden gekommenen Eigenständigkeit in Bezug auf den Sound (trotz solider Performance) nicht mehr als ein zustimmender Applaus. Nichtsdestotrotz eine passende Eröffnung des Konzerts und durchaus unterhaltsam. Eine individuellere Note und die Jungs könnten öfter vorbei kommen!

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Etecc

Nun folgte die Wolfsburger Formation „Etecc“, die sich zwar ebenfalls bei großen musikalischen Vorbildern (Stichwort „Pantera“) bediente, aber durch ihre bloße Präsenz und Sicherheit auf der Bühne in die Herzen der Zuschauer spielte. Insbesondere Frontmann Rouven wußte mit animierenden Ansagen und selbstbewußter Performance wirklich zu überzeugen. Hier kreisten schon die ersten Matten ohne jeden Zwang, der bei Verbands oft mitschwingt. Erstaunlich, dass ich vorher noch nie was von den Jungs mitbekommen habe. Bei so einer Show sieht man schon der nächsten eigenständigen Tour der Band entgegen. Headliner-Potential ist hier geboten! Notiert euch den Namen und ab zum nächstgelegenen Gig!

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Etecc

Die nächsten auf der Liste waren die aus Ungarn stammenden „Hot Beaver“, die sich in Bezug auf Bühnenpräsenz ebenfalls nicht hinter ihren Kollegen verstecken müssen. Sich selbst als „Grunge Metal“ bezeichnend, findet man das erste Element zwar großteils nur in den ruhigeren Passagen, aber ansonsten ist der Ton mit der Umschreibung genau richtig angegeben. Bierselige, positive Vibes im Mid-Tempo, kombiniert mit melancholischen Passagen bieten die perfekte Mischung um die Haare kreisen zu lassen und in der Gemeinschaft das ein oder andere Bier zu kippen. Genau das machte die Band in ihrer Spielzeit in regelmäßigen Abständen. Wer nichts zu trinken hatte, bekam es sogleich von der Bühne gereicht und konnte Teil der Party werden. Wahnsinnig sympathische Jungs mit frecher Lippe aber mit der größten Berechtigung diese auszuspielen. Alles in allem eine weitere Formation, die man sich auf die Liste setzen sollte und gleichzeitig ein Beweis, dass auch außerhalb weltweit etablierter Musikmärkte Perlen zu finden sind.

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Hot Beaver

Die letzte Combo vor dem großen Finale stellten die Israelis um „Shredhead“ dar, die den brutalsten Ton des Abends angaben. Eine harte Mixtur aus Thrash und Hardcore, gepaart mit einer „ihr seid mit uns oder gegen uns“-Attitüde, die über dem teils überraschten Publikum ausgeschüttet wurde. Markerschütternde Shout-Passagen und dissonante Riffs en masse stellten in gewisser Weise einen kleinen Bruch zu den anderen Bands dar, die vor allem auf Groove und gute Stimmung setzten. In diesem Fall bin ich mir entsprechend nicht sicher, wie den Jungs diese Performance ausgelegt werden kann. In Bezug auf handwerkliches Können und Professionalität kann ihnen in jedem Fall kein Vorwurf gemacht werden. Von der musikalischen Seite aus muss man jedoch sagen, dass der Sound sehr wohl zum anheizen der Menge taugt, aber insbesondere durch den starken Kontrast auf Dauer sehr anstrengend sein kann. Objektiv eine sehr gute Formation, die jedoch bei einem auf Death- oder Thrash-Metal ausgerichteten Tour-Tross besser aufgehoben wäre.

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Hot Beaver

Die Menge nun in bester Stimmung und die gesamte Halle füllend, konnte es nun ablesbar an den „Ektomof“-Chören (die immer wieder erschallen sollten) kaum erwarten die europäischen Neo-Thrash-Könige wieder live zu erleben und sie wurden mehr als nur bedient.

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Shredhead

Ab der ersten Sekunde konnte man die Momente an einer Hand abzählen, an dem das Publikum nicht gerade sprang, moshte oder sich die Seele aus dem Leib brüllte. Manche mögen die Musik selbst für das Genre als sehr primitiv empfinden, doch es ist eine höhere Kunst aus wenigen Farben ein schönes Gebilde zu erschaffen, als mit der größten Palette ein schwer verdauliches Werk zu präsentieren.

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Shredhead

Der lebende Beweis in Gestalt der zahlreichen Fans spornte die Band dazu an, diesen Abend bis zur Grenze auszuschöpfen und fast zwei(!) Stunden lang eine energiegeladene Performance hinzulegen, die mit so gut wie allen Hits ihrer langen Karriere gespickt war. Klassiker aus den Anfangstagen, Dancfloor-Kracher wie „Outcast“ oder die härtesten Tracks ihrer Kariere aus dem neuen Album „Aggressor“. Das war eine dieser Shows bei der wirklich jeder das bekam was er wollte.

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Ektomorf

Und man nimmt ihnen ab, wenn sie sagen, dass sie die Musik nur für ihre Fans und sich selbst machen. Dieses Rezept scheint nämlich immer wieder aufs neue aufzugehen. Ich selbst habe sie in den letzten zehn Jahren mehrfach gesehen und Höhen und Tiefen miterlebt. Dass sie immer noch und vor allem mehrfach in die selben Städte zurück kehren und dabei sogar Fans einer gänzlich neuen Generation für sich rekrutieren können, spricht für sich selbst. Ich denke ich bin nicht allein, wenn ich sage, dass ich mich auch auf die nächste Tour freue, selbst wenn sie in wenigen Monaten wieder nach Deutschland führen sollte.

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Ektomorf

Weitere Fotos findet ihr wie immer bei Fuchse Fotografie!

Ektomorf – live auf der „European Aggressor Tour“

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Endlich kommen die Groove-Metaler um Ektomorf wieder nach Deutschland um ihr neues Album „Aggressor“ auf der gleichnamigen Tournee zu bewerben! Mit dabei sind die Israelis „Shredhead“ und die Ungarn „Hot Beaver“. Ich bin jetzt schon gespannt wer den „Corpsegrinder“ bei dem Track „Evil By Nature“ live ersetzen wird.

Natürlich wird es auch diesmal einen Bericht aus München samt tatkräftiger Unterstützung von Fuchse Fotografie geben!

Die Tourdaten wären folgende:

12.11.2015: Berlin – K-17 (Germany)

13.11.2015: Cham – L.A. Cham (Germany)

14.11.2015: Sand In Taufers – Archetype Festival Vol.IX (Italy)

16.11.2015: Dresden – Chemiefabrik (Germany)

18.11.2015: Sion – Le Port Franc (Switzerland)

19.11.2015: Lenzburg – Met-Bar (Switzerland)

20.11.2015: Montpellier – Le Secret Place (France)

21.11.2015: Schüttorf – Komplex (Germany)

23.11.2015: Paris – Le Gibus (France)

24.11.2015: Nantes – Le Ferrailleur (France)

25.11.2015: Roeselare – De Verlichte Geest (Belgium)

26.11.2015: Sittard – Volt (Netherlands)

27.11.2015: München – Backstage (Germany)

28.11.2015: Lindau – Vaudeville (Germany)

29.11.2015: Ludwigsburg – Rockfabrik (Germany)

30.11.2015: Frankfurt – 11-er (Germany)

01.12.2015: Nürnberg – Hirsch (Germany)

02.12.2015: Mörlenbach – Live Music Hall (Germany)

03.12.2015: Ingolstadt – Eventhalle Westpark (Germany)

04.12.2015: Jena – F-Haus (Germany)

05.12.2015: Hamburg – headCRASH (Germany)

07.12.2015: Ostrava – Barrak club (Czech)

08.12.2015: Brno – Melodka (Czech )

09.12.2015: Ceske Budejovice – Fabrika (Czech)

10.12.2015: Osnabrück – Works (Germany)

11.12.2015: Gadenstedt – Black Hand Inn (Germany)

12.12.2015: Košice – The Collosseum (Slovakia)

Public Enemy holen Anthrax als Überraschungsgast auf die Bühne!

Gestern war ich beim The Prodigy-Konzert im Münchner Zenith und konnte es kaum fassen, als der Support-Act Public Enemy die Metal-Combo Anthrax (bzw. Scott Ian und Frank Bello) auf die Bühne holte um den Urknall des Crossover in Form von „Bring The Noise“ zu performen! Ein Glück für die Münchner, dass am nächsten Tag der Slayer-Gig mit Anthrax als Vorband anstand und die Jungs scheinbar schon frühzeitig in der Stadt waren. Der Ton ist zwar nicht Bombe, dafür sieht man alles was man soll. Ja, ich habe es „aufgenommen“! 😉

Review: Mustasch + Deville (22.10.2015, live in München)

An einem Donnerstag, nach 10 Stunden Uni, Arbeit und Schlafmangel bewegen mich wirklich sehr wenige Dinge aus dem Haus. Eine berechtigte Ausnahme kam am 22.10. in Form der schwedischen Rock/Metal-Combo „Mustasch“, die in ihrer Heimat unglaubliche Erfolge feiern, sich aber auch außerhalb der Grenzen eine treue Fan-Gemeinschaft erspielt haben.

© Fuchse Fotografie

© Fuchse Fotografie

Zunächst war ich recht verwundert über die recht wenigen Zuschauer, die zum Einlass da waren, da ich es gewohnt bin einen harten Kern an Fans anzutreffen, der sich um die Plätze in der ersten Reihe prügelt. Hier trudelten jedoch einzelne Grüppchen ein, die sich jedoch bei Beginn des Konzerts zu einer riesigen Masse zusammengefunden haben, um die Münchner Backstage Halle von vorne bis hinten auszufüllen.

Nun zum eigentlichen Geschehen. Natürlich ist das Quartett nicht alleine angereist, sondern hat sich einen Support aus Malmö in Form von „Deville“ eingepackt. Die Jungs machten mit ihrem an „Godsized“ erinnernden Stoner Rock einen echt guten Job als Anheizer. Während bei den ersten Tracks nur vereinzelt zustimmendes Nicken im Publikum zu verorten war, gingen die Leute gen Ende richtig steil und ließen die Matten kreisen. So schön aufgewärmt, waren die Fans perfekt auf einen bierseligen Abend mit den Mannen um Ralf Gyllenhammar vorbereitet. Mit dem neuen Album „Testosterone“ in der Hinterhand, ließen „Mustasch“ es sich natürlich nicht nehmen, ihre Setlist mit der Auskopplung „Breaking Up With Disaster“ einzuleiten.

© Fuchse Fotografie

© Fuchse Fotografie

Weiter ging es mit treibenden Nummern wie „Down In Black“ oder „Heresy Blasphemy“, die von Verschnaufpausen in Form ruhigerer Songs wie „Deep In The Woods“ durchzogen wurden und damit einer eventuellen Eintönigkeit entgegenwirkten. Dazwischen agierte die Band so nah an den Fans, dass man meinen könnte ein paar gute Freunde auf der Bühne spielen zu sehen. Ein immer wieder ausgestoßenes Prost und eine wandernde Whisky-Pulle taten ihr übriges um die Stimmung während und um Songs wie „Speed Metal“, „Thank You For The Demon“ und „Borderline“ zum überkochen zu bringen. Als Sahnehäubchen enterten auch noch „Deville“ nur in Unterhosen bekleidet die Bühne, um mit ihren Kollegen ein paar Schnäpse zu kippen. Bei der tollen Atmosphäre und den motivierten Musikern war es schlußendlich auch kein Wunder als man nach dem bunten Strauß an alten und neuen Hits eine Zugabe mit „Tara’s Song“ und „Parasite“ zum besten gab und ein zufriedenes München zurück ließ, welches sicherlich kaum die nächste Tournee erwarten kann.

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Mehr Fotos vom Konzert findet ihr hier bei „Fuchse Fotografie„.

Setlist

  1. Breaking Up With Disaster
  2. Down In Black
  3. Heresy Blasphemy
  4. Mine
  5. Black City
  6. Testosterone
  7. Deep In The Woods
  8. Bring Me Everyone
  9. Drum Solo
  10. Speed Metal
  11. Thank You for the Demon
  12. I Hunt Alone
  13. Down to Earth
  14. Borderline
  15. Homophobic/Alcoholic
  16. Be Like a Man
  17. Double Nature

Zugabe

  1. Yara’s Song
  2. Parasite

Rammstein kündigen erste Live-Termine für 2016 an!

© rammstein.de

© rammstein.de

Es hat schon lange in der Gerüchteküchen gebrodelt aber nun ist es endlich offiziell! Rammstein werden uns im Sommer die Ehre geben und als Headliner über die Festival-Bühnen Europas walzen. Weitere Termine sollen im Laufe der Zeit hinzu kommen:

AT / WIEN / Rock in Vienna / 03.-05.06.16 / VVK Start: 23.10.15

CH / LUZERN / Allmend Rockt  / 04.06.16 / VVK Start 23.10.15

GB / DONNINGTON / Download / 10.06.16 / VVK Start 23.10.15

FR / PARIS / Download / 12.06.16 / VVK Start 23.10.15

DK / ODENSE / Tinderbox / 23.-25.06.16 / bereits im VVK

DE / SCHEESSEL / Hurricane / 24.-26.06.16 / bereits im VVK

DE / TUTTLINGEN / Southside / 24.-26.06.16 / bereits im VVK

BE / WERCHTER / Rock Werchter / 01.07.16 / VVK Start wird noch bekanntgegeben

Rammstein – In Amerika

„Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit“

Diesen Satz könnte die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten vermutlich auf jedes Album packen und der Wahrheitsgehalt würde dabei immer der gleiche bleiben. So mussten sich die Rammstein-Fans ganze 5 Jahre gedulden bis DER Meilenstein ihrer unvergleichlichen Live-Geschichte endlich in den Handel kam und dem geneigten Publikum endlich die imposante Show des „Liebe Ist Für Alle Da“-Runs fürs Wohnzimmer geliefert wurde.

Aber erstmal eins nach dem anderen. Nachdem sich das Sextett fast ein Jahrzehnt lang nicht in den USA hat blicken lassen, beschlossen die Jungs aus Berlin nach ihrer mehr als erfolgreichen Europa-Tournee und dem Chart-Erfolg ihres damals aktuellen Albums auf Tuchfühlung mit mit den Amerikanern zu gehen und ein einziges Konzert für die Staaten anzukündigen. Rammstein wären doch nicht wer sie sind, wenn sie nicht alles eine Nummer größer aufziehen würden. Als Finale ihrer Reise durch den südamerikanischen Raum und Kanada, beschlossen sie den legendären Madison Square Garden in New York zu bespielen. Den Ort, den jeder kennt ohne dort gewesen zu sein. Die Halle, die der endgültige Beweis aus Beton ist, dass man es als Musiker geschafft hat und den Titel Rockstar zu recht trägt.

Nicht jeder schafft es dort aufzutreten und erst recht keine Band aus dem Ausland, die in ihrer Landessprache singt. Da haben die Amis eben ihre Eigenarten und einen ganz speziellen Geschmack. Die große Ausnahme bildete wider erwarten die hier beschriebene Metal/Rock/Industrial-Combo aus dem Osten, die es allen ernstes geschafft hat, die 18.000(!) Plätze innerhalb von 20 Minuten auszuverkaufen. Dieses Satz muss man erstmal sacken lassen. Ostdeutsch, martialisch, provokativ. Nicht gerade die vielversprechendsten Voraussetzungen und doch haben Rammstein etwas geschafft, dass in Zeiten von illegalen Downloads und Streaming-Diensten einem Weltwunder gleich kommt.

Mit ihrer kompletten europäischen Stage-Production, die ganze 18 Trucks füllt, legten sie ein Konzert hin, dass bis dato ihren Höhepunkt in Sachen Theatralik, Pyrotechnik und Umfang darstellt. Wer 2009/2010 auf einem ihrer legendären Gigs war, weiß definitiv wovon hier die Rede ist. Nun kann man sich das Ganze nochmals im gemütlichen Sofa zu Gemüte führen und sich den glasklaren Klang im 5.1 Surround-Sound um die Ohren fliegen lassen. Natürlich kann man dabei zeitgemäß die Entscheidung treffen, ob man das Konzert auf DVD oder Blu-Ray erwerben möchte. Zweites ist vor allem deswegen zu empfehlen, da die Band bekanntlich ein hohes Augenmerk auf die visuelle Gestaltung legt und eine HD-Auflösung dem nur entgegen kommen kann. Im Vergleich zu „Völkerball“ (letzte Live-Veröffentlichung) wurde sowohl am Sound als auch Bild gewaltig geschraubt. Kein Rauschen, kein trockener Sound-Teppich, sondern satte Gitarren-Riffs, treibende Beats und Till Lindemanns Gesang, die in fast schon Studio-tauglichem Klang unsere Ohren verwöhnen. Es gibt wirklich wenige Konzert-Mitschnitte in meiner DVD/BluRay-Sammlung, die ich öfter angucken würde (z.B. „Disasterpieces“ (Slipknot) oder „God, Guns and Gouvernement“ (Marilyn Manson))  aber „In Amerika“ gehört definitiv dazu.

Rammstein In Amerika Innenansicht

Natürlich bleibt es bei dieser Veröffentlichung nicht nur beim Mitschnitt ihres fantastischen Gigs. Auf die zweite Disc wurden nämlich zwei sehr unterhaltsame und vor allem interessante Dokumentation über die Band beigefügt. Zum eine wäre da das Herzstück der Scheibe: „Rammstein In Amerika“, ein über zwei Stunden langes Dokument über die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die deutsche Band schlechthin. Hannes Rossachers Film bietet dabei auch dem Hardcore-Fan sehr viel neues. Großteils besteht der Streifen nämlich aus bis dato gänzlich unbekannten Aufnahmen aus allen Tour-Zyklen der Band bis zum triumphalen Finale in New Your City. Angefangen in den Tagen, als die sechs Musiker nach der Wende unabhängig voneinander den Kontinent zum ersten mal bereisten und sich zum Teil noch nicht mal kannten, über ihren ersten wirklichen Hit „Du Hast“, der auch in den dortigen Radio-Stationen auf heavy-rotation lief und den Jungs einen Platz auf der berühmt-berüchtigten „Family-Values“-Tour sicherte, bis hin zu persönlichen Einblicken in das Leben hinter der Bühne und die damit verbundenen sowie einschneidenden Ereignisse (Verhaftungen, 11. September, interne Streitereien usw.). Dabei berichtet nicht nur die Band, sondern auch ihre musikalischen Wegbegleiter und prominenten Fans aus erste Hand in Form von Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), Moby, Munky (KoRn), Clown (SlipKnoT), Gene Simmons (KISS), Scott Ian (Anthrax), Melissa Auf der Maur (Hole/Smashing Pumpkins), Steven Tyler (Aerosmith), Kiefer Sutherland (24) und vielen anderen. Sie alle geben Einblick in die ersten Gehversuche der Formation in dem neu erschlossenen Musikmarkt, bis zu ihrer Wiedergeburt am Anfang der 2010er-Jahre.

Als Sahnehäubchen findet man zusätzlich eine knapp 20-Minütige Dokumentation zur Entstehung des Nummer 1-Albums „Liebe Ist Für Alle Da“, welches mit Amerika als Entstehungsort vielleicht der erste gedankliche Schritt an die Annäherung bezüglich den USA zu verstehen sein könnte.

Bei einer Band die so sehr auf ihre Außenwirkung achtet, ist es zusätzlich nicht verwunderlich, dass auch die Aufmachung der DVD/BluRay mehr als ansprechend gestaltet wurde. Neben dem prägnanten Cover mit als US-Flagge stilisiertem Obelisken auf silbernem Grund, findet man im Inneren des Digipacks noch die außergewöhnlichen Fotos von Andreas Mühe, der Rammstein für eine Sonderedition des Magazins der Süddeutschen Zeitung auf ihrer Reise durch Amerika abgelichtet hat. Der Autor des dort erschienenen Berichts Alexander Gorkow bringt dabei die Beschreibung der Konzerte Rammsteins genau auf den Punkt, der auch für diese Veröffentlichung gilt:

„So hell ist das, so laut, so heiß, wenn ein Planet entsteht.“

Setlist:

  1. Rammlied
  2. B********
  3. Waidmanns Heil
  4. Keine Lust
  5. Weisses Fleisch
  6. Feuer Frei!
  7. Wiener Blut
  8. Frühling In Paris
  9. Ich Tu Dir Weh
  10. Du Riechst So Gut
  11. Benzin
  12. Links 2, 3, 4
  13. Du Hast
  14. Pussy
  15. Sonne
  16. Haifisch
  17. Ich Will
  18. Engel