TASCHEN-Signieraktion: Albert Oehlen kommt nach Hamburg

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Und schon steht im Hause TASCHEN das nächste Event in den Startlöchern! Diesmal verschlägt es mit Albert Oehlen einen der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Künstler in den Hamburger Flagshipstore des Verlags. Dort wird er am 27. Mai von 17 bis 18 Uhr unter anderem seine umfangreiche Mongrafie signieren.

In dieser wird das gesamte Spektrum von Ohlens schaffen präsentiert, welches sich von Ölgemälden, über digital bearbeitete Werke, bis hin zu Collagen erstreckt. Ursprünglich gab es hierzu nur limitierte Collector’s Editions. Nun können sich Fans des Künstlers auch mit einem kleineren Budget sein Werk zu Gemüte führen und demnächst sogar persönlich signieren lassen.

Hier wären nochmal alle Details zur anstehenden Signieraktion:

Künstler: Albert Oehlen 
Ort: TASCHEN Flagshipstore Hamburg (Bleichenbrücke 1-7, 20354) 
Datum: 27.05.2019 
Uhrzeit: 17 bis 18 Uhr

Signieraktion: Laurent Benaïm kommt nach Berlin

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TASCHEN lädt erneut zu einem Event in den Berliner Flagshipstore (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin). Niemand Geringeres als Laurent Benaïm wird am 16. Mai von 18 bis 19 Uhr exklusiv sein neues Buch signieren, welches wohl zu den gewagtesten Veröffentlichungen von TASCHEN gehört.

Dieses bricht mit der üblichen erotischen Fotografie, bestehend aus dem Katalog normativer Schönheitsideale und stellt ausschließlich Amateure in den Mittelpunkt seines Schaffens. Dabei ist es für ihn vollkommen irrelevant ob diese jung oder alt, dick oder dünn, hetero-, homo-, bi-, inter- oder transsexuell sind. Hierbei werden seine seit 1999 im Pariser Vorort Montreuil aufgenommenen Motive durch eine spezielle Drucktechnik des Gummibichromatverfahrens aus dem 19. Jahrhundert so aufbereitet, dass die teils extremen Darstellungen in ihrer Wucht etwas gedämpft und damit auch auf Ausstellungen in Paris, Berlin, Mailand, Luxemburg oder Zürich gezeigt werden können. Ein besonders außergewöhnlicher Ort, an dem seine Bilder zu bestaunen waren, war das Kinsey-Institut für Sexualforschung in Bloomington (Indiana, USA).

Wenn auch ihr euch die neueste Veröffentlichung dieses Außergewöhnlichen Fotografen signieren lassen wollt, habt ihr am kommenden Donnerstag endlich die Möglichkeit dazu. Hier wären nochmal alle wichtigen Details:

Signieraktion: Laurent Benaïm
Ort: TASCHEN Flagshipstore Berlin 
(Schlüterstraße 39, 10629 Berlin)
Datum: 16.05.2019
Uhrzeit: 18 bis 19 Uhr

 

 

[Rezension] Batman: Damned Bd. 1 (Panini Comics)

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Die Comicszene war in großen Teilen neugierig und verzückt, als DC ein Sub-Label mit dem Titel „DC Black Label“ ankündigte. Es sollte Autoren und Zeichnern die Möglichkeit bieten, sich außerhalb vorgegebener Normen und Kontinuitäten entfalten zu können und erwachsenen Lesern einen Zugang zu bekannten Helden geben, der durch einen großteiligen Verzicht auf Themen wie explizite Gewalt, Sex und reale menschliche Abgründe versperrt wurde. Natürlich gab es spätestens seit den 80ern Ausnahmen in Form von Releases wie „The Dark Knight Returns„, „The Long Halloween“ usw. Diese werden im Übrigen nun ebenfalls mit dem prägnanten schwarzen Logo neu in die Regale gebracht. Trotzdem blieben solche Mini-Serien die große Ausnahme, während nun Kreativteams dazu ermuntert werden, sich nach belieben auszuprobieren.

Eine der ersten Ankündigungen war „Batman: Damned“ von Brian Azzarello und Lee Bermejo, die sich schon vor geraumer Zeit für den modernen Klassiker „Joker“ zusammengetan hatten, der bezüglich des Storytellings zwar gut, aber nicht brilliant war, optisch jedoch in einer ganz eigenen Liga spielte. Umso gespannter waren die Fans, was dieses Team erneut zaubern würde. Doch bevor ich auf den Inhalt der dreiteiligen Serie eingehe, möchte ich das in dem Kontext hochgekochte Thema der Zensur ansprechen.

Als das Veröffentlichungsdatum der Geschichte fest stand, blies DC in alle Marketing-Rohre und heizte damit den Hype unter Fans und in den Medien ordentlich an. Als dann die Hefte ihren Weg in die Läden fanden, folgte jedoch etwas, was man im Kontext eines an erwachsene Leser gerichteten Bandes nicht erwarten würde. Aufgrund von zwei Panels, in denen der Penis von Bruce Wayne schemenhaft zu erkennen war, beschloss der Verlag keinen Nachdruck mehr zu veröffentlichen, die digitale Fassung zu retuschieren und bei einer Trade-Paperback-Veröffentlichung nur eine zensierte Version zuzulassen. Da der ausländische Markt außerdem nur mit den Lizenzen operieren kann, die der Konzern zur Verfügung stellt, können deutsche Leser ebenfalls nur auf eine zensierte Fassung zugreifen.

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©Panini Comics

Das führte dazu, dass die erste und bis dato einzige Auflage des ersten Heftes in den Tagen und Wochen nach dem Release für Mondpreise gehandelt wurde. Ein unrühmliches Beispiel war ein „Fan“, der bei einer im selben Zeitraum stattfindenden Con in Irland sein Heft von Lee Bermejo hat signieren und graden lassen. Kurz danach stellte er es auf eBay ein und ließ es für einen stolzen Preis von 1000$ den Besitzer wechseln. Auch im kleineren Rahmen gab es kaum eine Möglichkeit unter einem dreistelligen Betrag an die begehrte Fassung zu kommen. Inzwischen ist der Hype zum Glück etwas abgeflaut und die Preise haben sich für ein vergriffenes Heft durchaus normalisiert. Nichtsdestotrotz bleibt zum einen ein fader Beigeschmack, da DC die eigene Zielsetzung außer acht ließ und die Kunstfreiheit aufgrund einer überzogenen Prüderie opferte. Zum anderen geriet damit die eigentliche Geschichte gewaltig in den Hintergrund und wurde ausschließlich auf den „Skandal“ reduziert.

Daher soll es nun um die eigentliche Essenz von „Batman: Damned“ gehen: Die Story und Optik. Den Beginn markiert bedeutungsschwanger ein blinkender EKG, der von einem Monolog begleitet wird, der sofort einen Querverweis auf einen Batman-Klassiker in Form von „The Killing Joke“ verweist. Ein anderes, düsteres und in sich abgeschlossenes Kapitel um den dunklen Ritten und ein Einstieg, der den Ton der folgenden Seiten vorgibt.

Schon auf der nächsten Seite verstehen wir, wem der unregelmäßige Pulsschlag gehört: einem schwer verletzen, an eine Krankenwagen-Barre geschnallten Batman. Noch weiß der Leser nicht, wie er so zugerichtet werden, geschweige denn, wie er umringt von Sanitätern und Polizisten in den Wagen kommen konnte. Als diese dann tatsächlich versuchen die Maske des Vigilanten zu entfernen, setzen seine Instinkte ein und katapultieren ihn und einige seiner Mitreisenden kurzerhand aus dem Wagen auf die Straßen Gothams. Halb im Delirium stürzt sich Batman daraufhin in eine nahegelegne Gasse und bekommt von einem unerwarteten Gast die Hilfe, die er benötigt: John Constantine. Ab diesem Zeitpunkt wird auch klar, dass er der Erzähler der Handlung ist und aufgrund seiner Charakterzüge auch der Leser vorsichtig sein sollte, wenn es um die Frage geht, was hier wahr und erlogen ist.

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©Panini Comics

Noch seltsamer wird alles, als Batman in Constantines Versteck, samt Deadman als Mitbewohner, aufwacht und eröffnet bekommt, dass niemand Geringeres als der Joker tot aus einem Fluss geborgen wurde. Daher auch der prägnante Satz auf dem Buchrücken, der alles ins Rollen bringt: „Der Joker ist tot.“

Inhaltlich bleiben die 60 Seiten jedoch im weiteren Verlauf erstaunlich wage. Während der Leser in Rückblenden angedeutet bekommt, dass Thomas Wayne scheinbar ein Ehebrecher war und Enchantress schon in der Kindheit von Bruce eine Rolle spielte, werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Daher kann man den ersten Band von „Batman: Damned“ durchaus als Prolog für das betrachten, was in den kommenden zwei Veröffentlichungen kommen wird. Der letzte Teil ist im Übrigen auch auf Englisch noch nicht erschienen.

Trotz der doch übersichtlichen Handlung bleibt man sehr lange an den einzelnen Seiten hängen. Der offensichtliche Grund sind die meisterhaft gestalteten Seiten durch den Ausnahmekünstler Lee Bermejo. Die deutsche Fassung eignet sich sogar noch mehr als die englische, um den Leser mit den düsteren Kompositionen zu verzücken. Durch das Albenformat in Übergröße wirken die einzelnen Panels noch um einiges einnehmender und genialer, als man es vom Original kennen könnte. Hinzu kommen neue Techniken, die Bermejo bis dato nicht für sich zu eigen machte und nun besonders hervortreten lässt. Dazu gehören wunderschöne Unschärfeeffekte und Spiegelungen, die die Szenen fast schon übernatürlich erscheinen lassen. Alles in allem nichts anderes, als eine wahre Augenweide.

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©Panini Comics

Als Fazit kann man ziehen, dass hier inhaltlich eher eine Art Vorgeschmack auf das geliefert wird, was in den übrigen Bänden erzählt werden soll. Durch das unfassbar schöne Artwork, zieht „Batman: Damned“ einen nichtsdestotrotz unweigerlich in seinen Bann und beweist, dass sich eine Anschaffung trotz der Zensur allemal lohnt. Man darf gespannt sein ob Azzarello und Bermejo das Ganze zu einem runden Abschluss führen werden, doch bei diesem Team habe ich keine Zweifel, dass es gelingt.

Batman: Damned Bd. 1 
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Brian Azzarello
Zeichner: Lee Bermejo
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR

[Rezension] Batman: Der weiße Ritter (Panini Comics)

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Als Batman-Fan wird man über Jahre hinweg mit unzähligen Storys überhäuft, die aufgrund der Wichtigkeit der Figur durchwegs gut sind und nur wenige negative Ausfälle beinhalten. Doch genauso selten wie wirklich schlechte Geschichten, gibt es leider auch nur in sehr großen Abständen so großartige Erzählungen, dass man sie den modernen Klassikern zuordnen könnte. Nun ist es aber endlich wieder soweit und eine der besten Veröffentlichungen um den dunklen Ritter erscheint unter dem sogenannten „Black Label“ erstmals auf deutsch: Der weiße Ritter!

Die im Jahr 2017 in den USA erschienene achtteilige Mini-Serie von Autor und Zeichner Sean Murphy flog zunächst unter meinem Radar, bis sie als Paperback rückwirkend das eben erwähnte „Black Label“ verpasst bekommen hat und als erster Release des neuen Sub-Labels für erwachsene DC-Leser erschien. Interessiert bestellte ich mir den Band um mir ein Bild von der Geschichte zu machen, deren Inhalt mir nur grob bekannt war und war schier fassungslos, wie mir eine wahre Comic-Perle so durch die Finger gleiten konnte. Da sie nun auf deutsch erschienen ist, kann ich euch endlich erzählen, warum es eure Pflicht ist, sich dieses Werk ins Regal zu stellen.

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©Panini Comics

Inhaltlich steigen wir Jahre nach Batmans erstem Erscheinen in Gotham City ein. Inzwischen ist der dunkle Ritter quasi alleine für die Bekämpfung von Schurken der Größenordnung eines Killer Croc, Mister Freeze und Co. zuständig, da die reguläre Polizei der Stadt durch fehlende Mittel, Korruption und Inkompetenz de facto tatenlos zusehen muss. Während der besagten Kämpfe geht wie in so vielen anderen Storys um die Figur, so einiges zu Bruch, Umstehende werden verletzt, Menschen geraten in Panik und trotzdem werden die Umstände akzeptiert, solange die Superschurken hinter Schloss und Riegel landen. Doch im Laufe der Zeit schleichen sich auch bei den Verbündeten des Mitternachtsdetektivs Zweifel ein, ob die brachiale Herangehensweise tatsächlich die beste Lösung für die Verbrechensbekämpfung ist.

Diese Zweifel mehren sich erst recht, als eines Tages der Joker, hier bürgerlich Jack Napier genannt (Querverweis auf Jack Nicholsons Interpretation der Figur in Tim Burtons Film von 1989), auf der spielerischen Flucht vor Batman aufzeigt, dass diesem eigentlich egal ist was um ihn herum passiert, solange er sein Ziel erreicht. Um das zu beweisen, lockt der Clownprinz des Verbrechens seinen Verfolger in eine geheime Lagerhalle, die offensichtlich bis obenhin mit semi-offiziellen Pharmazeutika vollgestopft ist, deren Wirkung weder dem Leser, noch Batman bekannt ist. Nichtsdestotrotz schafft es der Joker seine Nemesis so sehr zu provozieren, dass er hierfür vor laufender Kamera zu Brei geschlagen und mit den rumliegenden Pillen „zwangsernährt“ wird.

Genau das scheint der Plan des Jokers gewesen zu sein, denn die ihm verabreichte Medizin ist nichts anderes als ein Gegenmittel für die Geisteskrankheit des Verbrechers, der nun geheilt von seinen bösen Geistern der Welt demonstrieren kann, dass Batman nicht einfach ein Verbrechensbekämpfer, sondern eine reale Gefahr für die Allgemeinheit ist. Vollkommen klar und rational, schafft es nun der inhaftierte Jack Napier Polizei und Justiz davon zu überzeugen ihn gehen zu lassen, um der Stadt den Beschützer zu geben, den sie verdient, aber nie bekommen hat: einen weißen Ritter!

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©Panini Comics

Mehr soll hier inhaltlich nicht verraten werden, denn die Handlung lebt von überraschenden Wendungen, Erklärungen lange offener Fragen und der Infragestellung von Batman als Vigilanten, ohne die Figur zu demontieren.

Es sei nur bezüglich der wichtigsten Details und dem Rahmen der Geschichte erwähnt, dass sich das Ganze außerhalb der Kontinuität abspielt, ohne zu sehr in eine „Elseworld“-Story abzudriften. Das funktioniert dadurch, dass Sean Murphy sich, wie für solche Releases üblich, alle Freiheiten dafür nimmt seine Vision in die Tat umzusetzen, zeitgleich jedoch unzählige Referenzen einbaut, die sich nicht nur direkt auf die laufende Comic-Reihe, sondern auf das gesamte Franchise um die Figur beziehen. Das fängt bei der Ausstattung der Zelle des Jokers an, die vor Batman-Merchandise überquillt, über einen kompletten Fuhrpark an Batmobilen aus jeder(!) Epoche des dunklen Ritters, bis hin zur tatsächlich nachvollziehbaren Erklärung des Look-Wechsels von Harley Quinn. Solche Sachen gehen üblicherweise nur als „Fanpleaser“ durch, funktionieren hier aber sehr organisch und verzahnt mit der Handlung, sodass nie der Eindruck entsteht, sich mit billigen Tricks die Zustimmung der Fans verdienen zu wollen.

Vor allem liegt es an dem unfassbar gut ausgeklügelten Kniff, den Selbstjustiz-Ansatz von Frank Miller, der sich seit den 80ern durch alle Reihen und One-Shots zieht, dadurch infrage zu stellen, indem mit dem geheilten Joker ein Gegenentwurf eingeführt und die Handlungsweise von Batman so der Realität entgegengestellt wird. Diese beinhaltet dabei nicht nur zwei Antagonisten, sondern eine lebendige Stadt, samt einer Zivilbevölkerung, die unter den Kämpfen zu leiden hat. Damit schafft es Murphy sogar das Gesamtkonzept des maskierten Vigilanten zu dekonstruieren, ohne es zu zerstören. Hinzu kommen die Motive von Batman und Joker, die nicht nur wie üblich auf das Ying und Yang-Prinzip reduziert, sondern fast schon tiefenpsychologisch erörtert werden.

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©Panini Comics

Mit diesem Cocktail schafft es der Autor und Zeichner eine unfassbar dichte Atmosphäre und Tiefe zu erzeugen, die man so in einem Superheldencomic Jahre nicht gesehen hat. Unterstrichen wird das Ganze mit einer unglaublich schönen Visualisierung, die sehr individuell erscheint, jedoch genug Platz für klassische Erkennungsmerkmale einer Batman-Geschichte zulässt. Was durchgehend bleibt, ist das sehr düstere und bisweilen rohe Setting der Panels, die insbesondere bei den brutalen Momenten der Geschichte eine solche Intensität erreichen, dass einem schier der Atem stockt.

Diese nahezu perfekte Kombination aus Erzählung und Bebilderung ist in der Quintessenz nicht weniger als ein Pflichtkauf für alle Batman-Fans und all jene, die mit Cape tragenden Figuren etwas anfangen können. Ihr werdet es nicht bereuen und falls ihr danach, wie ich, nicht genug haben solltet, sei euch gesagt, dass Sean Murphy für dieses Jahr schon eine Fortsetzung von „Batman: Der weiße Ritter“ angekündigt hat!

Batman: Der weiße Ritter
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Sean Murphy
Zeichner: Sean Murphy
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Softcover 
 
Seitenzahl: 220
Preis: 22 EUR

Ausstellungseröffnung: The Flamboyant Life and Forbidden Art of George Quaintance

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Im Berliner Flagshipstore (Schlüterstr. 39, 10629 Berlin) von TASCHEN findet erneut eine Ausstellung statt. Diesmal wird jedoch kein Künstler der Gegenwart, sondern ein revolutionärer Maler geehrt, der als offen homosexuell lebender Mann in einer Zeit seine Werke publizierte, in der es nicht nur gefährlich, sondern auch illegal war, sich zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen: George Quaintance (1902-1957)

Seine homoerotischen Werke, die als Blaupause der Gay-Ästhetik gelten, wie man sie zum Beispiel bei Tom of Finland findet, reichen von Zeichnungen, über Drucke bis hin zu Ölgemälden und zelebrieren dabei den idealisierten männlichen Körper auf eine Art, die man so zur Mitte des 20. Jahrhunderts kaum findet. Man bedenke, dass seine nur 55 bekannten Werke weit vor der sexuellen Revolution angefertigt wurden. Vor diesem Hintergrund erlangte Quaintance erst posthum die Berühmtheit und die damit einhergehende Bedeutung, die er heute genießt.

Um diesem visionären Künstler zu ehren, lädt TASCHEN zur Ausstellung „The Flamboyant Life and Forbidden Art of George Quaintance“

Hier nochmal alle Details:

Ort: TASCHEN Store; Schlüterstr. 39, 10629 Berlin
Datum: 26.04.2019
Zeit: 19-21 Uhr

 

[Rezension] Das Star Wars Archiv. 1977-1983 (TASCHEN)

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Star Wars ist ein Phänomen, dass Generationen verbindet und zu den wenigen Produkten der Popkultur gehört, dass auch nach über 40 Jahren seines Bestehens immer mehr Fans generiert. Dabei sind dafür in erster Linie nicht die neuen Serien, Lizenzen und Neuverfilmungen verantwortlich, sondern die ursprüngliche Trilogie von George Lucas, die nicht nur unser Verständnis von Science-Fiction, sondern die gesamte Filmlandschaft von Grund auf verändert hat.

Genau um diese Filme dreht sich die aktuelle Veröffentlichung des TASCHEN-Verlags von Paul Duncan (Das Charlie Chaplin Archiv, Das James Bond Archiv), die ganz in der Tradition vorangegangener Bände zur Filmgeschichte Das Star Wars Archiv. 1977-1983 benannt wurde.

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Nun könnte man als langjähriger Fan der Reihe anmerken, dass seit dem Urknall in Form von Krieg der Sterne (1977) unzählige Bücher zur Entstehungsgeschichte veröffentlicht wurden. Dabei lässt man jedoch außer Acht, dass wir hier von einem Verlag sprechen, der mit seinen Verbindungen in die Kreativbranche einen deutlich besseren Zugriff auf Material wie Fotografien, Skizzen, Drehbuchentwürfe usw. hat. Hinzu kommt der qualitative Aspekt, der sich auf Umfang, Bindung und Druck bezieht und hierbei die Konkurrenz, insbesondere im Bereich von popkulturellen Themen, de facto unter sich begräbt.

Auch Das Star Wars Archiv. 1977-1983 stellt hier keine Ausnahme dar, welches in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstanden ist. Das erkennt man vor allem an einem Exklusivinterview mit Lucas und unzähligen selten gezeigten Dokumenten und Fotos, die den Leser mit ihrer Fülle von über 600 Seiten im XXL-Format fast zu erschlagen drohen. Doch wann hat sich jemals ein Star Wars-Fan über zu viel Input beschwert? Zu diesem gehört auch ein eher ungewöhnlicher aber interessanter Einstieg, der basierend auf dem eben erwähnten Interview und Zitaten von Lucas Wegbegleitern, den Werdegang des Regisseurs ab seiner Kindheit, über sein Studium, bis hin zu seinem auch für ihn überraschenden Durchbruch skizziert. Dabei ist die Erzählung seines Lebens kein 0815-Abriss, wie man ihn schon in vielen Feullitons nachlesen konnte, sondern ein detaillierter Einblick in Entscheidungsprozesse, Gedankengänge und Inspirationen für Figuren, Settings und Story-Verläufe.

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Dem folgen den jeweils einzelnen Filmen zugeschriebene Kapitel, die die Entstehung der Saga in aller Ausführlichkeit von der ersten Idee bis zur realen Umsetzung beschreiben. Hierbei kommt, wie im ersten Teil des Bands, primär George Lucas zu Wort, während einzelne Passagen mit Aussagen der beteiligten Schauspieler, Designer, Modellbauer und anderer Beteiligter informativ unterfüttert werden. Zeitgleich werden die zahlreichen Abbildungen mit kleinen Texten versehen, die nicht nur erklären, was man gerade zu sehen bekommt, sondern in den meisten Fällen auch Hintergrundinformationen zur jeweiligen Szene, Skizze oder Drehbuchseite liefern.

Dabei werden auch private Details aus dem Leben der Beteiligten, insbesondere von Lucas, nicht außen vor gelassen, wenn diese einen direkten Einfluss auf die Entstehung der Filme hatten. Dazu gehört natürlich auch das Eheleben, welches nicht unberührt von solch ambitionierten Projekten bleibt. Selbiges gilt auch für den Umgang innerhalb des Filmteams, der bisweilen, basierend auf großen Egos und Unsicherheiten, recht unangenehm sein konnte. Selbstverständlich ist ein Buch dieser Größenordnung und Thematik im Kern eine Hommage an die Star Wars-Reihe, die die positiven Aspekte so weit in den Vordergrund rückt, dass die negativen zu verblassen scheinen. Trotzdem sollte festgestellt werden, dass sich hier nicht vor unschönen Momenten während der Jahre 1977 bis 1983 weggeduckt wird. Zu diesen gehören, der Vollständigkeit halber, auch die seltsamen Auswürfe, die sich in den fast vergessenen Spin-Offs wie den Holiday Specials oder den Ewok-Verfilmungen manifestiert haben. Diese waren ein mehr als offensichtlicher Versuch die Hype-Maschine am Laufen zu halten, was in dem Kontext nicht negiert wird und in einem eigenen Teil am Ende des Buches behandelt wird. In diesem Sinne wird faktisch nichts außen vor gelassen und dem geneigten Leser der wohl umfangreichste Einblick in die Maschinerie von Star Wars gewährt, der jemals veröffentlicht wurde.

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Auf dieser Reise wird des Weiteren (zum Glück) darauf verzichtet eine stringente Abfolge getroffener Entscheidungen und Szenen aneinander zu reihen, sondern darauf geachtet die Entwicklung der drei legendären Filme auch im Hinblick auf Charakterentwicklung genau wiederzugeben, was insbesondere im Kapitel zu Krieg der Sterne spürbar wird. So sieht man, in meinen Augen zum ersten Mal, wie anstrengend und bei weitem nicht so sicher, wie es das Ergebnis suggeriert, der Prozess vom ersten Gedanken zur realen Umsetzung ist.

Wie man an der bisherigen Beschreibung unschwer erkennen kann, ist der Umfang bei dem gegebenen Inhalt und der Seitenzahl auch physisch nicht zu unterschätzen. Wie man es von den TASCHEN-Veröffentlichungen im XXL-Format gewöhnt ist, kommt auch der vorliegende Band mit einem Tragegriff, um sich keinen Hexenschuss zu holen, während man das im Querformat erschienene Buch auf einem Tisch platziert. Denn die Möglichkeit sich diesen Schinken im Sessel zu Gemüte zu führen ist allein schon praktisch eher ein schwieriges Unterfangen. Diesen Umstand würde ich jedoch nicht als Problem begreifen, denn Bilder und Inhalt fordern ein entsprechendes Format, welches der Saga in ihrer Größe erst gerecht wird.

Alles in allem ist Das Star Wars Archiv. 1977-1983 daher nichts anderes als eine Pflichtlektüre für jeden Cineasten und Star Wars-Fan. Man wird keine andere Veröffentlichung finden, die in Sachen Qualität und Quantität im Ansatz an den vorliegenden Band heran reicht. Das Ganze hat mit 150€ zwar auch seinen stolzen Preis, dieser speist sich jedoch nicht allein aus der Lizenz, sondern schlicht und ergreifend aus den schon beschriebenen Aspekten, die eine Anschaffung in jeder Hinsicht rechtfertigen und Lust auf eine potentiell weitere Veröffentlichung zur Prequel-Trilogie machen. Bis dahin sollte man sich auf jeden Fall die Zeit mit dem vorliegenden Werk befassen.

Das Star Wars Archiv. 1977-1983  
Verlag: TASCHEN 
Autor: Paul Duncan 
Sprache: Deutsch 
Format: Hardcover, Halbleinen 41,1 x 30 cm 
Seitenzahl: 604 
Preis: 150 EUR

 

[Rezension] Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste (Cross Cult)

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Manchmal passiert es, dass mir eine großartige Neuveröffentlichung einfach durch die Finger rutscht. Dann liege ich manchmal abends im Bett und frage mich, wie ich so dämlich sein konnte einen großartigen Release nicht erkannt zu haben, als dieser frisch am Horizont erschien. Fast wäre es mir mit dem bei Cross Cult erschienenen Band „Deadly Class 1: Die Akademie der tödlichen Künste“ so gegangen. Viele Baustellen und nur 24 Stunden pro Tag um diese abzuklappern, haben fast dazu geführt, dass ich einen der besten Serienstarts der letzten Jahre übersehen hätte. Dabei läuft sogar aktuell eine TV-Serie zum Titel auf SYFY. Zum Glück bin ich jedoch rechtzeitig in meinen „Rezensions-Modus“ geswitcht und kann euch nun erzählen, was es mit diesem Titel von Lee Loughridge, Rick Remender und Wes Craig auf sich hat.

Zunächst muss erwähnt werden, dass die Bezeichnung „neu“ in dem vorliegenden Kontext relativ ist. Tatsächlich hat Panini Comics schon 2015 versucht die ersten zwei Sammelbände der Reihe unter die deutschen Leser zu bringen. Das führte jedoch nur zu einem überschaubaren Erfolg und in der Folge zu einem schnellen Ende von „Deadly Class„. Wie man an meinem Eingangstext vermutlich unschwer erkennt, gehörte ich zu eben jenen, die den Titel nicht mal auf dem Schirm hatten. Meine persönliche Theorie ist hierbei, dass sich eine solche Geschichte schwer tut, wenn sie eingekesselt durch Superhelden-Lizenzen präsentiert wird und dadurch nicht die richtige Zielgruppe erreicht. Bei Cross Cult scheint das Ganze jedoch wie die Faust aufs Auge zu passen, während die parallele Fernsehausstrahlung hoffentlich den nötigen Rückenwind gibt, um uns mit einer Fortführung der Reihe zu beglücken.

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©Cross Cult

Doch warum geht es eigentlich? Wir steigen in die USA des Jahres 1987 und damit in die sogenannte Reagan-Ära ein, in der ein ausgeprägter neoliberaler Zeitgeist herrscht, in dessen Folge der Sozialstaat extrem abgebaut wird. Diese Maßnahmen treffen dabei, wie so oft, die schwächsten Glieder der Gesellschaft und selbst diejenigen, die augenscheinlich nicht direkt von den politischen Entscheidungen des Republikaner-Lieblings Reagan betroffen sein sollten. Dazu gehört auch der Teenager Marcus Lopez, dessen Eltern durch einen furchtbaren Unfall ums Leben kamen und er in der Folge in ein Kinderheim abgeschoben wurde, dass in diesem Fall alles andere als ein sicherer Zufluchtsort für traumatisierte Kinder ist. Schlussendlich flüchtet er und landet mittellos auf der Straße. Diesen negativen Lebensweg schreibt Marcus nun in direkter Schlussfolgerung der Politik des amtierenden US-Präsidenten zu, was zu einem unstillbaren Durst nach Rache schwillt, die gestillt werden möchte.

Während dieser Zeit schlägt er sich auf den Straßen von San Francisco gerade so durch, doch seine Aktivitäten bleiben nicht nur dem Staat, sondern auch einigen im Untergrund lebenden Gestalten nicht verborgen, die den jungen Mann offensichtlich auch wegen seiner, für den Leser noch im dunkeln liegender, Vergangenheit interessant finden. Schon bald geben sie sich ihm als Mitglieder der sogenannten Kings Dominion Akademie zu erkennen, die als High School für angehende Auftragsmörder fungiert und damit auch den Titel der Reihe erklärt. An dieser Schule werden primär die Kinder hochrangiger Verbrecher, Kartell-Bosse und autokratischer Herrscher untergebracht, um nach ihrem Abschluss die Kunst des Tötens perfekt zu beherrschen und es auch auf ihrem Zeignis vermerkt zu sehen. Und genau hier kommt der Knackpunkt, der die Story so außergewöhnlich und interessant macht, da der Autor Rick Remender es schafft eine brutale Handlung mit einer greifbaren Coming-of-Age-Geschichte zu verbinden, die vor popkulturellen Referenzen nur so strotzt, ohne anbiedernd zu sein und dabei ständig das Gefühl vermittelt, dass die Macher um den Umstand einer der uncoolen Kids zu sein aus eigener Erfahrung wissen und diese gekonnt in Panels gießen. Insbesondere die Schulerfahrung von Remender, laut eigener Aussage im Einleitungstext eine brutale Zeit, spiegelt sich als Inspiration in der vorliegenden Geschichte wieder.

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©Cross Cult

Das erklärt auch die realitätsnahe Konstruktion der einzelnen Protagonisten, die sich natürlich auch an Klischees orientieren (Latino-Gang, Aryan Brotherhood-Rednecks usw.), im Kern jedoch eine Tiefe ausstrahlen, die nur realen Anleihen entnommen worden sein kann. Dieses Bild festigen darüber hinaus genial platzierte Mono- und Dialoge, die mitfühlen lassen und den geneigten Leser dazu bringen bis zur letzten Seite mitzufiebern.

Die Visualisierung von Wes Craig orientiert sich dabei in Kombination mit der gewollt blassen Kolorierung von Lee Loughridge an der Zeit, in der die Geschichte stattfindet: die düsteren 80er Jahre, die zumindest im Bereich der Comics durch Veröffentlichungen wie „The Dark Knight Returns“ oder „Watchmen“ einen Stempel aufgedrückt bekamen, den nun die Macher von „Deadly Class“ dankend aufnehmen und mit einem modern angehauchten, fast schon an Skizzen erinnernden Stil aktualisiert und mit teils ungwöhnlichen Panel-Platzierungen auf die Leserschaft loslassen.

Diese sollte verpflichtend hierzulande wachsen, damit Cross Cult die deutschen Fans auch in Zukunft mit großartigen Geschichte von „Deadly Class“ versorgen kann. Merkt euch daher schon den Mai vor, in dem die zweite Veröffentlichung „Kinder ohne Heimat“ erscheint. Bis dahin könnt ihr euch die Wartezeit mit dem Erstling „Die Akadamie der tödlichen Künste“ überbrücken, den ich euch wärmstens ans Herz lege.

Deadly Class Bd. 1: Die Akademie der tödlichen Künste 
Verlag: Cross Cult
Erschienen am: 27.02.2019  
Autor: Rick Remender 
Zeichner: Wes Craig
Kolorist: Lee Loughridge
Format: Softcover
Seitenzahl: 176 
Preis: 16,80 EUR

[Rezension] Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1 (Splitter)

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Schon seit der Ankündigung des neuen Black Hammer-Bands „Age of Doom – Buch 1„, habe ich dem Tag der Veröffentlichung entgegen gefiebert, denn kaum eine Comic-Reihe hat es geschafft mich so sehr in ihren Bahn zu ziehen wie der ungewöhnliche Superhelden-Epos von Jeff Lemire.

Diesmal steigen wir sofort nach den Ereignissen des Vorgänger-Bands „Das Ereignis“ ein. Lucy, die Tochter von Black Hammer, ist auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater und seinem Team aus Superhelden, die nach einem Kampf gegen den sogenannten Anti-Gott in ihrer Heimatstadt Spiral City wie vom Erdboden verschluckt sind. Von der Welt für tot gehalten, in Wirklichkeit jedoch in einer geheimnisvollen Kleinstadt gefangen, fristen die Überlebenden der Schlacht nun ihr Dasein, in der Hoffnung eines Tages ihre alte Heimat wiedersehen zu können. Als Lucy eines Tages den Hammer ihres Vaters findet, der auch namensgebend für sein Alter Ego ist, teleportiert sie dieser zur geheimnisvollen Farm, an der sie den erstaunten Abraham Slam, Barbalien, Golden Gail und Madame Dragonfly begegnet. Doch als sie nach einer plötzlichen Erkenntnis der Gruppe eröffnen will, warum sie alle hier gelandet sind, verschwindet sie so schnell wie sie aufgetaucht ist.

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©Splitter

Dabei hat es sie nicht einfach wieder zurück in ihre eigene Welt, sondern in eine seltsame Absteige verschlagen, die scheinbar als Drehscheibe für allerlei bizarre Gestalten aus den unterschiedlichsten Realitäten fungiert. Von hier aus versucht sich Lucy durch verschiedenste Welten durchzuschlagen, die mal die wortwörtliche Hölle, eine Zombie-Stadt oder einfach unbeschreiblich obskure Gestalten beheimaten, um die Freunde ihres Vaters zu retten. Der Weg dorthin ist jedoch mit Gefahren und Geheimnissen gespickt, die erst überwunden werden müssen.

In der Zwischenzeit geschehen in der Kleinstadt in der Nähe der gestrandeten Helden lauter unerklärliche Dinge, wie die Rückkehr totgeglaubter Einwohner, die Erwiderung zunächst abgelehnter Liebe und so manch andere seltsame Ereignisse, die einen Teil der Gruppe ihre Situation plötzlich akzeptieren lassen, während ein anderer die neuen Umstände skeptisch beäugt. Eines ist jedoch klar: Mit rechten Dingen scheint es nicht zuzugehen und nicht alle Helden scheinen so unwissend zu sein, wie sie vorgeben…

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Wie schon bei den Vorgänger-Bänden wird die auf der deskriptiven Ebene simpel erzählte Geschichte beim Lesen zu einem modernen Superhelden-Epos, der seine Stärke aus intelligent verbauten Plot-Twists und glaubhaften Charakteren zieht. Die entsprechende Tiefe kriegen sie dabei aus genial konstruierten, sowie natürlichen Dialogen, die nur ein Autor wie Jeff Lemire (Descender, Der Unterwasser-Schweißer, Essex County) seinen Figuren so in den Mund legen kann. Zeitgleich schafft er es erneut mit einer Vielzahl an Anspielungen und offensichtlichen Verneigungen vor den großen Namen der Comic-Industrie einen Spagat zwischen Mainstream und Insider-Kost zu schlagen, der auch der Grund dafür ist, dass die Black Hammer-Reihe sowohl bei Puristen, als auch Gelegenheitslesern auf Anklang stößt.

Erneut dabei ist der Zeichner Dean Ormston (Sandman, Lucifer), der mit seinem sehr individuellen Stil der bizarren Welt von Lemire eine passende visuelle Ebene verpasst, die irgendwo zwischen vertraut und doch distanziert wandert und damit den besonderen Status der Geschichte quasi wortwörtlich zu unterstreichen weiß. Dabei driftet er trotzt einiger augenzwinkernder Momente nie in eine Parodie ab. So schafft er es eine geniale Mixtur aus Ernst und humoristischen Elementen zu kreieren, die in ihrer Gesamtheit wie die Faust aufs Auge der Geschichte passt und damit die Hoffnung schürt, dieses Kreativ-Team noch lange in dieser Form sehen zu können.

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Alles in allem wird hier erneut eine Veröffentlichung präsentiert, die ohne abzusetzen auf einem extrem hohen Niveau bleibt und damit die Hoffnungen vieler Fans nicht nur erfüllt, sondern in Teilen sogar übertrifft. Insbesondere die Tatsache, dass nun Fahrt aufkommt und Stück für Stück die Geheimnisse der Serie gelüftete werden, macht Lust auf mehr. So wie alle anderen Black Hammer-Bände zuvor, handelt es sich bei „Black Hammer Bd. 3: Age of Doom – Buch 1“ um eine Empfehlung, die in keinem Regal eines Comic-Enthusiasten fehlen darf. Ich für meinen Teil kann es jetzt schon kaum erwarten herauszufinden, wie sich das Universum von Jeff Lemire entwickelt.

Black Hammer Bd. 3: Age of Doom - Buch 1 
Verlag: Splitter 
Erschienen am: 19.03.2019 
Autor: Jeff Lemire 
Zeichner: Dean Ormston
Format: Hardcover 
Seitenzahl: 136
Preis: 19,80 EUR

[Signieraktion und Gewinnspiel] Christo im TASCHEN-Store Berlin

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Photo: Wolfgang Volz

Es ist wieder soweit und der TASCHEN-Verlag lädt erneut zu einer Signierstunde in den Berliner Flagshipstore (Schlüterstraße 39; 10629 Berlin). Schon vor ungefähr zwei Jahren konnten sich glückliche Fans und Interessenten, einige Bände von Christo persönlich signieren lassen. Auch diesmal gibt es die Möglichkeit Floating Piers, Verhüllter Reichstag oder Barrels and The Mastaba unterschreiben zu lassen.

Selbst diejenigen unter euch, die sich mit Kunst eher selten befassen, werden einige Projekte von Christo aufgrund der immer wieder breiten Berichterstattung mitbekommen haben. Wer hat nicht schon mal den eingewickelten Reichstag gesehen oder die Nachrichtenbilder zu The Floating Piers? Hierbei wurde zum Beispiel ein drei Kilometer langer Steg über die Fläche des Iseosees gebildet, der das Festland mit den Inseln Monte Isola und San Paolo verbunden hat. Der Clou an der Sache war jedoch, dass dieser Steg aus 70.000 Quadratmetern Stoff bestand, der über ein modulares Schwimmdocksystem aus 220.000 hochverdichteten Polyäthylwürfeln gelegt wurde. Durch die nun 16 Meter breite und 40 Centimeter hohe Verbindung, konnten Besucher zwischen den eben genannten Inseln hin und her laufen.

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Es handelt sich hierbei um das erste Großprojekt zwischen Christo und seiner 2009 verstorbenen Frau und Kollegin Jeanne-Claude, seit der Realisierung von The Gates im Jahr 2005.

Wie schon alle Projekte zuvor, wurde auch The Floating Piers ausschließlich durch den Verkauf von Christos Originalkunstwerken finanziert.

Passend zu diesem faszinierenden Kunstwerk, hat TASCHEN parallel ein Buch veröffentlicht, welches Skizzen, Modelle, Dokumente, Entwürfe und die vollständig dokumentierte Entstehungsgeschichte des Projekts beinhaltet. Dabei werden auch Details wie Genehmigungsverfahren oder die Stoffherstellung nicht außen vor gelassen. Dadurch wie die schöpferische Vorstellungskraft der Macher und der enorme Aufwand umso greifbarer.

Nun gibt es am 27. März die einzigartige Möglichkeit Christo im Berliner Flagshipstore des Verlags persönlich zu treffen und seine Bücher signieren zu lassen! Von 15 bis 16 Uhr steht er den Besuchern zur Verfügung um die ein oder andere persönliche Widmung in zum Beispiel einem Exemplar von Verhüllter Reichstag oder The Floating Piers zu hinterlassen.

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Sollte es euch jedoch nächste Woche nicht nach Berlin verschlagen, habt ihr hier trotzdem die Möglichkeit ein Exemplar von The Floating Piers euer Eigen zu nennen. Was ihr dafür tun müsst? Ganz einfach:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-, Twitter– oder Instagram-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter dem passenden Beitrag (Facebook, Twitter, Instagramauf der jeweiligen Seite
  3. Warten und hoffen 😉

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf aus dem ich danach den glücklichen Gewinner ziehen werde. Eine Mehrfachteilnahme durch „Follow“ und „Like“ auf allen drei Plattformen ist möglich.

Ich wünsche euch viel Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim Besuch des Flagshipstores von TASCHEN!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook, Twitter und Instagram möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook, Twitter oder Instagram.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 26.03.2019 um 23:59 Uhr.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

 

[Rezension] Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1) (Panini Comics)

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Als ich vor einiger Zeit die Panini Vorschau aufgeschlagen habe, fiel mir recht schnell ein ungewöhnliches Cover ins Auge, dass im ersten Moment garnicht zum üblichen Portfolio des Verlags passen wollte. Ein Wikinger mit einer Axt im Nacken, stilisiert vor einem weißen Hintergrund. Üblicherweise findet man so eine Bildsprache bei Mitbewerbern mit einem Augenmerk auf Abenteuer und Fantasy. Daher wurde mein Interesse geweckt und erst mit der Ankunft des Bandes bei mir daheim befriedigt.

Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz von Brian Wood (Northlanders) und Garry Brown ist als überformatige Hardcover-Ausgabe im Handel erhältlich und ist der erste Part eines in sich abgeschlossenen Zweiteilers, der ziemlich genau das abliefert, was man sich verspricht. Grimmige Nordmänner, raue Landschaften und viel Gewalt zu Zeiten der Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Magnus der Schwarze. Ein Wikinger wie er im Buche steht: groß gewachsen, mürrisch und als Söldner keinem Kampf abgeneigt. Die alten Tage, in denen das Leben hart und einfach war, scheinen sich aber langsam auf das Ende hin zu bewegen, da Römer mit ihren Mönchen den christlichen Glauben verbreiten und damit die hiesige Bevölkerung in innere und äußere Konflkte stürzen.

Genau diesen Strömungen versucht Magnus jedoch bewusst aus dem Weg zu gehen, bis er eines Tages den Auftrag erhält einen Geistlichen aus Rom über die Schwarze Straße zu einem weit entfernten Ziel im Norden zu eskortieren. Der dem Band den Namen gebende Weg gestaltet sich im Übrigen genauso, wie er sich anhört: bedrohlich und voller unvorhersehbarer Gefahren.

Das Land hat sich verändert in den letzten Jahren, denn mit dem Einzug der Christen in die Welt der Heiden holte die kampferprobten Nordmänner und -frauen nicht der Fortschritt der römischen Kultur ein, sondern auch ein Glaubenskonflikt, der Blut, Leid und Schmerz hervorbringen sollte. Hierbei spielt der angesproche Konflikt zwischen Heiden und Christen eine entscheidende Rolle, denn willkommen sind die Betbrüder aus fernen Landen defintiv nicht. Daher ist Magnus als Beschützer gerade willkommen, wenn Horden an Wikingern seinem Kunden an den Kragen wollen.

Dabei klingt die Geschichte auf einer rein deskriptiven Ebene vielleicht ein wenig nach klassicher Abenteuer-Kost, schlägt aber schon nach kurzer Zeit eine überraschende Richtung ein, die sich wohl am besten als Krimi bezeichnen lässt. Das besondere hierbei ist verständlicherweise das Setting, dass allein schon durch ungewöhnliche Orte und Charaktere auffällt und dadurch frischen Wind in das Genre bringt. So hat man selten bis nie das Gefühl erahnen zu können, was als nächstes passiert, während gut platzierte Twists die Spannung aufrecht erhalten.

Doch auch auf visueller Ebene wird einiges aufgefahren. Passend zum Setting des Geschehens sind die Zeichnungen von Garry Brown schön rau, während die zurückgefahrene Farbpalette die Panels in eine kühle Atmosphäre taucht, die dem Storytelling durchgehend dienlich ist und die Stimmung beim lesen in die passende Richtung rückt.

Alles in allem liegt mit diesem Band ein spannender Auftakt vor, dessen Abschluss ich schon jetzt entgegenfiebere. Wenn man bedenkt, dass die Aufmachung der Geschichte eher weniger meinem Schema entspricht, wurde ich freudig überrascht und kann daher jedem empfehlen es mir gleich zu tun und sich auf Black Road – Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz einzulassen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Black Road - Die schwarze Straße: Im Norden steht ein Kreuz (Bd. 1)
Verlag: Panini Comics 

Autor: Brian Wood
Zeichner: Garry Brown
 
Erschienen am: 22.01.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 140
Preis: 25 EUR