David Lagercrantz – Verfolgung

Verfolgung von David Lagercrantz

Ich muss gestehen, dass ich persönlich die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson erst lange nach ihrer Veröffentlichung für mich entdeckt habe. Das lag unter anderem daran, dass ich zu einem recht komischen Menschenschlag gehöre, der gerne mal einen Bogen um besonders gehypte Veröffentlichungen gemacht hat.

Die Logik, dass etwas sehr erfolgreich sein kann, weil es von besonders hoher Qualität ist und nicht nur aufgrund von Massentauglichkeit in die Regale von Lesern wandert, hat sich mir erst spät erschlossen. Dabei stellen „Verblendung„, „Verdammnis“ und „Vergebung“ einen traurigen Sonderfall dar. Muss man sich als neuer Leser oft erst über eine gewisse Zeit an das Werk eines Autoren heranwanzen (natürlich immer unter Berücksichtigung des quantitativen Outputs), sind der Nachwelt tatsächlich nur die drei Romane um den Journalisten Mikael Blomkvist und die fast autistisch angehauchte Hackerin Lisbeth Salander geblieben, deren Erfolg Larsson nie persönlich erleben durfte.

Nur ein Jahr nach seinem Tod im Jahre 2004 wurde mit seinem literarischen Nachlass eine solche Begeisterung bei Lesern und (zumindest vielen) Kritikern ausgelöst, dass man unter anderem unweigerlich und unter anderen Vorzeichen an die anfängliche Hysterie um Dan Brown denken musste.

Was danach folgte war mehr Konsequenz als Überraschung. Verfilmungen aus der schwedischen Heimat des Autoren und den USA, Comic-Adaptionen und zahlreiche Neuauflagen fütterten die nicht abzuebben scheinende Begeisterung der Fans. Nicht verwunderlich, dass der Hausverlag und die Familie Larssons auf die Idee kamen die Parallelwelt Stockholms aus dem vorhandenen Kanon ausbrechen zu lassen und die Leserschaft an neuen Verschwörungen, kriminellen Machenschaften und deren Zerschlagung teilhaben zu lassen. Doch wie sollte das möglich sein? Entgegen dem Willen der Witwe des Autors, einigten sich Verlag und Familie auf David Lagercrantz, als denjenigen, der die Fackel auf unbestimmte Zeit weitertragen sollte.

Der Journalist und Schrifststeller war bis dato für Sachbücher wie „Ich bin Zlatan“ bekannt und auf keinem Radar bezüglich einer Kriminalgeschichte erschienen. Umso schwerer muss die Bürde auf seinen Schultern gelastet haben, als er sich an den ersten Nachfolgeroman „Verschwörung“ setzte und die Welt schlussendlich doch eines Besseren belehrte. Nicht nur Fans, sondern auch Kritiker waren überwiegend begeistert und der immense Erfolg gab Lagercrantz auch in puncto Zahlen recht. Allein in Deutschland verkaufte sich das Buch rund 400.000 mal und schlug weltweit in den Bestsellerlisten ein.

Rund zwei Jahre später erscheint mit „Verfolgung“ der zweite Streich, dem man den Vorlauf deutlich anmerkt. Lockerer in der Schreibweise, filigraner im generellen Umgang mit der Sprache (auch im Vergleich zu Larsson), sowie selbstständiger im Ausbau der Handlung, bietet der neueste Roman aus seiner Feder einen spannenden Plot, der dem Erbe alle Ehre macht.

Diesmal fokussiert sich alles etwas mehr auf Lisbeth Salander bzw. ihre traumatische Kindheit und Jugend, die scheinbar eng verstrickt mit anderen Personen zu sein scheint, die aber einen angenehmeren Lebensweg einschlagen durften. Los geht es im Frauengefängnis Flodberga, in dem Lisbeth wegen einer fast schon Nichtigkeit einsitzt und wie viele andere unter der Terrorherrschaft der Nazi-Braut Benito Andersson leidet, die scheinbar auch die Belegschaft unter ihre Kontrolle gebracht hat. Am meisten wird jedoch die junge Faria Kazi unter Druck gesetzt, die in unmittelbarer Nähe von Lisbeth ihre Zelle hat und damit ihren Beschützerinstinkt auf den Plan ruft. Trotz der im Vergleich zu den Vorgänger-Bänden zurückgefahrenen Gewaltdarstellungen, bleibt der Konflikt natürlich nicht ohne eine Zuspitzung, die weitreichende Folgen für alle Beteiligten hat.

Währenddessen bekommt Lisbeths alter Vormund und einer ihrer wenigen Freunde Holger Palmgren Informationen zugespielt, die auf eine ungeheuerliche Vermutung aus Lisbeths Kindheit hinweisen. Dementsprechend bittet unsere Lieblings-Hackerin ihren alten Bekannten und Schwedens besten Investigativjournalisten Mikael Blomkvist um Mithilfe bei der Beschaffung weiteren Inputs. Dieser macht sich zunächst halbherzig auf den Weg, um schlussendlich einen unfassbaren Treffer zu landen, der weiter in gewisse Zirkel reicht, als man es je hätte erahnen können.

Da keine Einführung von Figuren nur um sich selbst Willen geschieht, entspinnen sich gleich zwei Handlungsstränge, die zum einen den klassischen Kanon einer schwedischen Kriminalgeschichte bespielen, als auch deutliche Akzente mit Gegenwartsbezug setzen. So erklingt rund um die zuvor erwähnte Faria Kazi ein ganzer Haufen von gesellschaftskritischen Tönen, die von Parallelgesellschaften bis hin zum Islamismus reichen und damit eine greifbarere Atmosphäre erzeugen.

Alles in allem scheint sich David Lagercrantz in seine Rolle als literarischer Nachlassverwalter eingelebt zu haben, lässt aber genug von seinen eigenen Präferenzen einfließen um nicht als ein besserer Ghostwriter, sondern eigenständiger Schriftsteller zu gelten. Insbesondere sein Fokus auf Lisbeth lässt erahnen wohin die Reise gehen wird, denn das wird sie ganz sicher. Den garantierten Erfolg in der Hinterhand ist schon das nächste Werk in der Mache, welches ich nach der aktuellen Lektüre ohne Umschweife ins Regal stellen werde.

 

 

SPIDER-MAN PAPERBACK 2: VON SHANGHAI BIS PARIS

SPIDERMANPAPERBACK2SOFTCOVER_Softcover_424

Ich persönlich gehöre noch zu der Generation an Spidey-Fans, die dermaßen mit der immer wieder aufgewärmten Rahmenhandlung um den Netzschwinger verschmolzen sind, dass alles jenseits von „bettelarmer Peter Parker„, „naiv-schrullige Tante May“ und „keifender J. Jonah Jameson“ schier abwegig erscheint. Selbiges gilt für Schurken, die sich nicht aus dem klassischen Kanon bis in die 90er speisen.

Nun ist mir der neueste Spider-Man-Run in Form des aktuellsten Trade-Paperbacks mit dem Namen „Von Shanghai bis Paris“ in die Hände gefallen, welches wohl Puristen und Leute, die sich länger nicht mehr mit der Figur beschäftigt haben, verdammt verwundern sollte, was wiederum nicht über die Qualität des Werks aussagt. Aber eins nach dem anderen.

Wir befinden uns hier schon beim zweiten Sammelband und damit mitten im Geschehen. Peter ist schon seit geraumer Zeit kein am Hungertuch knabbernder Fotograf, sondern Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens, welches natürlich „Parker Industries“ heißt. Mit diesem versucht er mit modernster Technik die Welt zu einem besseren Ort zu machen und unterstützt dabei sogar ganz offiziell seinen Alter Ego Spider-Man bei der Verbrechensbekämpfung.

Diese Hilfe kann unser Wandkrabbler in diesem Abenteuer auch dringend gebrauchen, wenn er gegen die Zodiac-Organisation in den Ring steigt, die wie der Name andeutet ihre Outfits und bisweilen Kräfte auf Basis von Sternzeichen fußen lässt. Dabei ist diese Bande unter der Führung von Zodiac (ja, der Anführer wollte wohl seine Duftmarke auch in Bezug auf den Gruppen-Namen setzen) auf der Suche nach einer geheimnissvollen Macht, die ihr nicht nur unermesslichen Reichtum, sondern auch Wissen zur Verfügung stellen soll, welches für unseren Helden auf persönlicher Ebene gefährlich werden könnte. Daher scheut Spidey auch keinen Weltraumausflug mit Nick Fury, um schlimmeres zu verhindern, aber mehr soll aufgrund von Spoiler-Freiheit nicht verraten werden.

Dafür gibt es Infos zur zweiten Storyline, die Mr. Negative in den Mittelpunkt stellt. Dieser chinesische Bösewicht hat die Macht, alle die ihn berühren unter seine Kontrolle zu bringen. Leider gehören dazu auch Cloak und Dagger, die unerbittlich gegen alle Feinde des Superschurken vorgehen. Dabei machen sie auch keine Ausnahmen für die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, die für die Rettung ihrer Freunde auch mal ans andere Ende der Welt reist. Die beiden kriegen im Übrigen demnächst ihre eigene TV-Serie spendiert, also haltet Ausschau! 😉

Geschrieben wurden beide Geschichten von Dan Slott, der geschickt einen kurzweiligen Plot zu spinnen weiß (pun intended), in dem Spider-Man auch in einem neuen Setting funktioniert. Für die uns altbekannte Stimmung sind aber natürlich nicht nur Autoren, sondern auch talentierte Zeichner verantwortlich. Hier wären es Matteo Buffagni und Giuseppe Camuncoli, die beide die für eine solche Geschichte nötige Dynamik in die Panels zaubern. Ohne sie würden wir uns als Leser nicht wie mitten in einem Daumenkino fühlen, welches uns in atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Häuserschluchten über die Seiten treibt. Genau so muss sich Spider-Man anfühlen und zwar egal in welcher Ära die Story angesiedelt ist.

Alles in allem ist damit ein Cocktail gemixt worden, der sowohl die eingangs erwähnten Zweifler als auch Neueinsteiger zufrieden stellen sollte. Das altbekannte Feeling wird wie in einem maßgeschneidert neuem Gewand auf den Leser losgelassen und funktioniert dementsprechend einwandfrei! Ich für meinen Teil habe nach der Lektüre wirklich Lust die Abenteuer von Spider-Man auch im Jahr 2017 weiter zu verfolgen!

 

 

[UPDATE] TASCHEN: Eröffnung des Kölner Flagshipstores und Christo-Signieraktion

cd e-invite christo_XKO_2_CFR[1][5][1][3][1]

Seit nun 37,5 Jahren begeistert der TASCHEN-Verlag Kunst-Freunde rund um die Welt. Dabei versteht sich das Haus nicht als elitärer Verein, sondern bietet für eine schier unendliche Bandbreite an Interessen, im Bereich der bildenden Künste, eine Anlaufstelle.

Allein die Tatsache, dass der Gründer Benedikt Taschen im Jahr 1980 als Comic-Verkäufer angefangen hat, spricht für sich. Persönliche Interessen und nicht Profit bildeten die Antriebsfeder für eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die unerhörte Mixtur aus Popkultur und klassischem Output auch Dekaden später zu überzeugen weiß.

va_christo_floating_piers_pr05

Credit: © Christo, Photo: Wolfgang Volz

Dabei hatte der Verlag sowohl in den Anfangsjahren, als auch heutzutage ein Klientel im Blick, welches die Begeisterung für Malerei, Film, Comics, Musik und so vieles mehr teilt, dabei aber aus den verschiedensten Milieus stammen kann. So gehört es nach wie vor zum Standard des Hauses, eine limitierte Fassung eines Buches im passenden Format herauszubringen, um nicht viel später eine günstigere Version für die weniger betuchten Leser anzubieten. Damit kommt wirklich jeder in den Genuss des TASCHEN-Katalogs.

Klingt wie ein reiner Werbetext, spiegelt jedoch meine reale Begeisterung für einen Verlag wieder, der mich seit dem Start von ZOMBIAC begleitet und immer wieder aufs neue überrascht.

ju_christo_wrapped_reichstag_exh_pr_03

Credit: © Christo, Photo: Wolfgang Volz

Nun hat er einen weiteren Grund zum feiern. Am kommenden Donnerstag, den 21.09., eröffnet der neue Flagshipstore am Kölner Neumarkt 3 und bietet gleich mal einen Star-Gast auf, der von 17 bis 19 Uhr für Autogramme zur Verfügung steht: Christo!

Die Besucher haben während den zwei Stunden die einzigartige Möglichkeit sich zum Beispiel The Floating Piers oder Wrapped Reichstag signieren zu lassen und sich in den neuen Räumlichkeiten umzusehen. Meinen Neid haben sie übrigens sicher! Solltet ihr wie ich, es nicht schaffen nach Köln zu fahren, könnt ihr gerne am kommenden Freitag erneut hier reinsehen und euch Impressionen aus dem neuen Flagshipstore zu Gemüte führen.

Hier nochmal die Details:

Was? Christo signiert und widmet seine Bücher

Wann? Donnerstag, den 21. September, 17-19 Uhr

Wo? Neumarkt 3, 50667 Köln

[UPDATE]

Wer sich einen lebendigen Eindruck von den neuen Räumen verschaffen möchte, findet hier einen tollen Film von der Eröffnung:

Außerdem wären hier die Bilder aus dem neuen Flagshipstore von Fotograf Mark Seelen:

Taschen Store_Köln_0132

Taschen Store_Köln_0166

Taschen Store_Köln_0313

Batman – Niemandsland: Band 1

batman-niemandsland-1-softcover-softcover-1499345348

Mir persönlich will quantitativ keine größere Batman-Storyline einfallen, als die um das verheerende Beben, welches Gotham City in Anarchie gestürzt hat. Die Frage bezüglich der Qualität ist dabei erstaunlicherweise von Band zu Band schwankend zu beantworten. In welche Richtung das Pendel bei der Ankunft im Niemandsland ausschlägt, erfahrt ihr hier.

Nachdem schon Das Beben und der Weg ins Niemandsland ausführlich besprochen wurden, hat sich der Staub in der Stadt des dunklen Ritters langsam gelegt und aus dem Chaos erwächst eine brutale Struktur aus verfeindeten Territorien und einigen wenigen, die so etwas wie Ordnung wieder herstellen wollen.

Auf über 300 Seiten werden mehr oder weniger abgeschlossene Geschichten erzählt, die die allgemeine Entwicklung der Machtstrukturen beleuchten. Besonders deutlich wird es gleich in der ersten Story „(Un)recht und (Un)ordnung“, die die verbliebene Polizei in der von der Welt abgeschnittenen Stadt in den Mittelpunkt rückt, die ihr Gebiet Stück für Stück auszubauen versucht und dabei inzwischen auch nicht vor moralisch fragwürdigen Methoden zurückschreckt. Gar nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Gesetzeshüter einer Überzahl von kleinkriminellen Banden und organisierten Verbrecher-Organisationen gegenüber stehen.

Selbst der nach monatelanger Abwesenheit zurückgekehrte Batman muss sich erst noch an die neuen Spielregeln gewöhnen, die eine weibliche Version der Fledermaus, nach dem Verschwinden des Originals, schon seit geraumer Zeit in der Stadt durchzusetzen versucht und damit dem dunklen Ritter quasi seinen Platz vorwärmt. Wer die geheimnisvolle Rächerin ist, erfahren wir aber wohl erst im abschließenden Band.

Als weitere Geschichte gesellt sich beim Kauf dieser Ausgabe sogar eine deutsche Erstveröffentlichung hinzu, die sich um den ehemaligen Teilzeit-Batman Azrael dreht, der sich zurück nach Gotham kämpfen will, während sich ihm der aus dem letzten Band bekannte Nicholas Scratch und seine Entourage in den Weg stellen. Eine nette Geschichte, die aber den von mir schon öfter kritisierten Pathos-Kitsch der 90er inne hat, den manche als nostalgisch, ich aber als trashig bezeichnen würde.

Dem folgt mit „Vertrauenskrise“ ein Kampf zwischen Huntress und Scarecrow, der sich in der Kirche eines gutgläubigen Priesters eingenistet hat und während einer gespielten Läuterung seine Gönner im Dienste der Angst zu hintergehen versucht. Hier spielt das Storytelling glücklicherweise wieder seine Stärken aus und bleibt mit der darauf folgenden Handlung auf einem ähnlich hohen Niveau.

„Brot & Spiele“ dreht sich um die finale Rückkehr Batmans an die Öffentlichkeit, die er in einer gewollten Konfrontation mit dem Pinguin sucht, der wie zu erwarten sein eigenes kleines Imperium aus Tauschhandel, Erpressung und Unterhaltung für die Massen aufgebaut hat. Fans der Arkham-Spielreihe werden das Konzept der von Gangstern geleiteten Viertel sofort wieder erkennen und dürfen sich über die Liebe der Macher zum Ursprungs-Stoff freuen.

Alles in allem weiß die gesamte dicke Ausgabe zu überzeugen. Zwar stolpert man gelegentlich über Stellen, an denen sich einem die Nackenhaare vor Fremdscham sträuben (wie gesagt ein Phänomen des Jahrzehnts der Original-Veröffentlichung), aber der Großteil der Geschichten liest sich flüssig und unterhält auf eine ungezwungene Art und Weise. Damit werden zwar inhaltlich keine Berge versetzt und zeichnerisch alles andere als heutige Standards erfüllt, aber einem gewissen Charme kann man sich definitiv nicht entziehen. Vor allem möchte man nach der Lektüre der inzwischen vielen Schinken im Regal doch gerne wissen, wie alles ausgeht, wenn man nicht ohnehin die Originale im Regal stehen hat. Ich freue mich auf jeden Fall über den baldigen Abschluss der Reihe und bin dankbar, dass sich Panini Comics immer wieder auf nostalgische Experimente einlässt.

 

Robert Crumb. Sketchbook. Vol. 2: 1968–1975

crumb_sketchbooks_1968_1975_va_gb_3d_44619_1706291519_id_1134199

Als vor geraumer Zeit die gesammelten Sketchbücher der Undergound-Comics-Legende Robert Crumb beim TASCHEN-Verlag erschienen, war die Freude und Aufregung im Lager der Fans gleichermaßen groß. Konnten sich die gut betuchten Sammler, die im edlen Schuber gelieferten Bände samt signierter Lithographie holen, schaute der Durschnittsleser zunächst in die Röhre.

Zum Glück lohnt es sich bei der Geschäftspolitik des Herausgebers geduldig zu sein, denn wie so oft, wird früher oder später eine günstigere Fassung veröffentlicht, die in ihrer Qualität dem Original in nichts nachsteht.

va_crumb_sketchbooks_vol2_1968_1975_p188_1708311119_id_1143014

©Robert Crumb / TASCHEN

Auch im vorliegenden Fall sieht es nicht anders aus. Mit Robert Crumb. Sketchbook. Vol. 2: 1968–1975 steht inzwischen sogar die zweite Ausgabe in den Regalen, die nach den ersten Gehversuchen des privat zurückhaltenden Genies Mitte der 60er, nun die Erfolgsgeschichte bis in die 70er Jahre hinein beleuchtet.

Dabei wird uns die Essenz seines Schaffens auf 444 Seiten präsentiert, die sich in hunderten Zeichnungen mit historischem Wert manifestiert. So verwundert es nicht, der typischen Crumb-Konstellation aus großen Frauen mit kräftigen Beinen und kleinen Männern in Ehrfurcht immer wieder zu begegnen, während dazwischen zahllose Titelbilder für Comic-Hefte wie Zap, Motor City oder Dispair in ihrer vollen Pracht erstrahlen. Ungewöhnlicher und damit interessanter sind die persönlich angehauchten Werke, die Fremde und Freunde aus San Francisco während der Hochphase der Hippie-Kultur darstellen und damit einen autobiographischen Aspekt offenbaren. Zu diesem gehört selbstverständlich die allgegenwärtige Sex-Obsession Crumbs, die er gekonnt in Bildern aufgehen lässt, die sein Werk auch außerhalb des Kenner-Kreises berühmt gemacht haben.

va_crumb_sketchbooks_vol2_1968_1975_p239_1708311119_id_1143059

©Robert Crumb / TASCHEN

Hinzu kommen die ersten Auftritte skurriler Gestalten wie den Yeti-Frauen, alte Bekannte wie Flakey Foont oder Mr. Natural. Zusammen mit den oben erwähnten klassichen Elementen, ergeben sie eine Mixtur, die sowohl alte Fans begeistern, als auch Neulingen einen Anreiz zur weiteren Beschäftigung mit Robert Crumb geben sollte.

Präsentiert wird uns der zweite Teil innerhalb der Sketchbuch-Reihe in einem schön gebundenen Einband, den sowohl auf der Vorder- als auch Rückseite eine Illustration schmückt, die der Künstler höchstpersönlich neu kolloriert hat und damit auch ein Ergänzung für diejenigen bietet, die ihre Sammlung mit jeder Fassung aufstocken wollen.

va_crumb_sketchbooks_vol2_1968_1975_p273_1708311119_id_1143032

©Robert Crumb / TASCHEN

Alles in allem also genau das, was man sich von so einem Release erwartet und noch so viel mehr. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten die Titel eines Tages komplett im Regal stehen zu haben und kann nur empfehlen es mir gleich zu tun. Es lohnt sich!

Private Nudes

Mit Private Nudes hat Goliath Books erneut einen Bildband im Stile einer Mixtur aus professionellem Shoot und Privataufnahme veröffentlicht, der den mit Hochglanz-Produkten überfluteten Markt der Erotik-Fotografie erfrischend aufbricht.

Dafür zeichnet sich der italienischen Fashion-Fotograf Leonardo Glauso verantwortlich, der mit seiner Arbeit schon sowohl für einschlägige Publikationen, als auch Platzhirsche wie GQ tätig war und nun mit einem ganzen Buch seiner Werke geadelt wird. Hierbei wird eine lustvoll geladene Atmosphäre durch augenscheinlich privat aufgenommene Bilder erzeugt, die sich zeitgleich geschickt arrangierten Situationen fern moralischer Normen entlädt.

© Leonardo Glauso

Modern und zeitgenössisch versprühen die sexy Models eine Aura des Instagram-Zeitalters, welches sich durch ein Selbstbewusstsein auszeichnet, dass die Frage aufwirft, ob uns ein professionelles Model oder einfach eine im perfekten Zeitpunkt abgelichtete Schönheit von nebenan entgegen blickt.

© Leonardo Glauso

Ein ungewöhnliches Element, welches mir persönlich etwas Unbehagen bereitet, sich aber im Kontrast zum sicheren Auftreten der abgebildeten Frauen auflöst, ist das in Erscheinung treten des Fotografen durch seinen manchmal ins Bild ragenden Arm. Dieser wirkt in gewissen Situationen dominierend bis bedrohlich, in anderen Darstellungen jedoch wieder als ergänzendes Element. Alles in allem ein gewagter Bruch mit Konventionen, der von Glauso auch so forciert wird.

© Leonardo Glauso

Dementsprechend handelt es sich bei Private Nudes um ein aufregendes Produkt, dass durch sein aufregendes Spiel mit Tabus, ohne ins pornografische abzudriften, jede Sammlung eines Fans erotischer Fotografie aufwertet und sich in seinem schlichten Design auch dekorativ ins Bücherregal einfügt.

Ausstellung und Gewinnspiel: Bizarre Life – The Art of Elmer Batters and Eric Stanton

BBADDA86-C8DF-413B-BFE4-CB66A57EDDBA

Seit der TASCHEN-Verlag sich dazu entschieden hat in Berlin einen ihrer wunderschönen Flagshipstores zu eröffnen, verschlägt es in aller Regelmäßigkeit große Namen wie Christo, Steve Schapiro oder Peter Lindbergh in die geschichtsträchtige Metropole, um sich die Ehre in den Räumen der Schlüterstraße 39 zu geben.

Und auch diesen September hält TASCHEN mit Dian Hanson, die intellektuellste Pornografin Amerikas und Königin des Versauten, einen Hochkaräter für Fans und Besucher bereit. Als Herausgeberin der Erotika-Reihe des Verlags eröffnet und kuratiert sie am Donnerstag dem 14. September die Ausstellung Bizarre Life – The Art of Elmer Batters and Eric Stanton.

Beide präsentierten Männer gelten als Pioniere ihrer Zunft, die sich ganz dem Begriff des Fetisch verschrieben und diesen in den Bereich des Kulturbetriebs emporgehoben haben.

ko_stanton_25_01

So erschuf zum Beispiel Stanton (1926-1999) Illustrationen und Comics, die das Fundament für spätere Künstler wie Robert Crumb oder Tom of Finland bilden sollten. Insbesondere das Kernmotiv der weiblichen Dominanz galt als sein Markenzeichen, welches sich durch das gesamte Werk des Mannes zog und mit Mixed Wrestling oder Facesitting den pornografischen Bereich mit einschloß. Dabei wirkt sein Output nicht erzwungen provokativ, sondern wie ein persönlicher Befreiungsschlag für seine überbordenden Leidenschaften, die er gekonnt auf seine Leserschaft zu übertragen wußte.

BAT_160

Auf der anderen Seite finden wir mit Batters (1919-1997) den Großmeister der Bein- und Fußfotografie, der seine Models primär von den Zehen aufwärts betrachtete und ständig auf der Suche nach dem perfekten Zusammenspiel aus wohlgeformten Waden, frivolen Fersen und zierlichen Zehen war. Auf Bildern gebannt, veröffentlichte er seine Motive zunächst selbst, bevor er in den 60er Jahren zu einem Star und zeitgleich Hausfotografen einschlägiger Publikationen wurde. Mit seinem Blick für das ideale Bein schaffte er es über Dekaden die Betrachter seiner Werke zu faszinieren. Auch 20 Jahre nach Batters Tod haben seine Bilder nichts von ihrer Wirkung eingebüßt.

Nun werden beide Künstler in Europa das erste Mal Seite an Seite mit 73 Originalwerken präsentiert, die Fragen der sexuellen Dominanz und Identität thematisieren und damit unter Beweis stellen, dass Erotik weit mehr ist, als die bloße Zurschaustellung von Begierde.

Solltet ihr es nicht schaffen der exklusiven Ausstellungseröffnung am 14. September (18-20 Uhr) beizuwohnen, könnt ihr trotzdem noch in den Genuss der Werke der beiden Kulturikonen kommen. Zum einen wir die Ausstellung auf der Website von TASCHEN, sowie auf Facebook, Instagram und Twitter zu sehen sein. Zum anderen habt ihr die Möglichkeit hier gleich zwei Bücher zu gewinnen, die stellvertretend für das Oeuvre von Stanton und Batters stehen:

Eric Stanton. The Dominant Wives and Other Stories, sowie Elmer Batters. From the tip of the toes to the top of the hose.

Was ihr dafür tun müsst? Euch ganz einfach bis zum 13.09. (23:59 Uhr) beeilen und folgendes durchführen:

  1. Lasst ein „Like“ auf meiner Facebook-Seite
  2. Lasst ein „Like“ unter diesem auf der FB-Seite geposteten Beitrag
  3. Markiert einen Freund unter dem eben genannten Beitrag

Dadurch kommt ihr in den Los-Topf aus dem ich danach den glücklichen Gewinner ziehen werde.

Ich wünsche euch viel Glück beim Gewinnspiel und ganz viel Spaß beim schmökern!

Teilnahmebedingungen
1. Teilnahmeberechtigte
Teilnehmen kann jede(r) Volljährige, ausgenommen Mitarbeiter der TASCHEN GmbH.
Eine Teilnahme über Gewinnspiel-Agenturen oder sonstige Dritte, die den Teilnehmer bei einer Vielzahl von Gewinnspielen anmelden, ist ausgeschlossen.
2. Teilnahmemöglichkeiten
Eine Teilnahme ist nur über Facebook möglich, indem der im Text angegebene Beitrag und die Facebook-Seite von ZOMBIAC mit einem „Like“ versehen und öffentlich geteilt wird. Das Gewinnspiel erfolgt ohne Zusammenarbeit mit Facebook.
3. Teilnahmeschluss
Teilnahmeschluss ist der 13.09.2017 um 23:59 Uhr.
4. Gewinnermittlung
Der Gewinner wird per Los ermittelt.
5. Art der Gewinnbenachrichtigung
Der oder die Gewinner/in wird über eine persönliche Facebook-Nachricht schriftlich kontaktiert.
6. Veröffentlichung der Gewinner
Der Name des Gewinners wird nach seiner Ermittlung in anonymisierter Form auf zombiac.blog und der angeschlossenen Facebook-Seite veröffentlicht.
7. Der Rechtsweg
Eine Barauszahlung der Gewinne ist ebenso wie der Rechtsweg ausgeschlossen.

 

Deadpool – Back in Black

DEADPOOLBACKINBLACK_Softcover_951

Und die nächste Ladung Deadpool-Wahnsinn steht ins Haus: Wie schon so oft, nutzen die Macher hinter der Figur Freiheiten, die mit der Arbeit an ihr fast automatisch einhergehen. Dabei geht es nicht darum, das schon aktuelle Marvel-Universum unsicher zu machen und selbstreferenziell auch mal Kritik am Medium selbst zu üben, sondern auch mal als festgelegt geltende Ereignisse durch den Kakao zu ziehen. So sind wir mit dem Söldner mit der großen Klappe schon mal im Spidey-Run der 60er/70er gelandet und konnten uns köstlich über seine Kommentare zum Look und Feel der damaligen Zeit amüsieren.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die vorliegende Geschichte „Back in Black„, die sich das ikonische Todd McFarlane-Zeitalter um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft vorknöpft. Genaugenommen steigen wir genau dort ein, wo Spidey sich vom Alien-Symbionten trennt, der sich später mit Eddie Brock verbinden und diesen schlussendlich zu Venom machen wird.

Exakt hier spielt sich der Cut ab, der dieser Handlung (geschrieben von Cullen Bunn) den Deadpool-Twist verpasst, den man als Leser erwartet: Der Symbiont hat sich nämlich zunächst gar nicht wie erwartet den späteren Bösewicht, sondern unser allseits beliebtes Großmaul mit den fehlenden Tassen im Schrank geschnappt! Dabei ist er gar nicht abgeneigt sich in die Abgründe des extraterrestrischen Schleims fallen zu lassen, wobei dieser nicht erwartet hat einen sagen wir mal „etwas anderen“ Wirt zu befallen.

In ständiger Diskussion mit seinem neuen Anzug verfangen, schwanken Deadpools Gefühle für den früheren Wirt Spider-Man zwischen Vernarrtheit und Mordlust, während er sich ganz im Stil seines Vorgängers durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt(!). Dabei laufen ihm zum einen für das Franchise typische Alien-Bösewichter über den Weg, als auch Spideys Freunde und Feinde, die sich entweder mit seiner Haut schmücken wollen (Kraven der Jäger) oder sich an diese gerne schmiegen würden (Black Cat). Hierbei wird immer wieder damit gespielt, dass Deadpool und der Netzschwinger nicht nur gerne von Lesern verwechselt werden. Aberwitzige Situationen sind damit faktisch vorprogrammiert!

Die Story macht dementsprechend sehr viel Spaß, aber vom vollmundig angekündigten 80s-Feeling habe ich soweit nichts mitbekommen. Das liegt primär am sehr modernen Zeichenstil von Salva Espin, der zeitgeistig daherkommt und damit in logischer Konsequenz keine Nostalgie erzeugen kann. Es ändert zwar nichts an der Tatsache, dass „Back in Black“ sehr unterhaltsam ist, aber ohne den passenden Kontrast fühlt sich die Handlung nach etwas sehr aktuellem an und wird damit dem angedachten Ziel nicht gerecht.

Man kann zwar ruhig zugreifen, wenn man auf den debil-derben Humor von Deadpool steht, aber eine versprochene Zeitreise bleibt uns der Titel schuldig.

Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte

paleoart_ju_d_3d_03421_1707131104_id_1128744

Es ist unglaubliche 66 Millionen Jahre her, seit die gigantischen Echsen, die wir heute als Dinosaurier kennen, ein für alle mal von der Erdfläche verschwanden und bis zum 19. Jahrhundert ein Mysterium blieben. Waren es Drachen, Monster oder eine Prüfung Gottes? Es gab viele Erklärungen für wenige Überreste, die oftmals nur zufällig entdeckt wurden.

Im 19. Jahrhundert begann sich das Interesse an den urzeitlichen Wesen erneut zu regen, als im Jahr 1830 der englische Wissenschaftler Henry De la Beche das erste Stück Paläokunst anfertigte und damit den Grundstein für etwas legte, was sich für 200 Jahre sowohl in Bezug auf Wissenschaft als auch Kunst etablieren sollte. Doch schon mit diesem ersten Bild kristallisierte sich das Problem heraus, dass diese Art der Malerei bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts begleiten sollte: Für die Kunst-Welt sind die Arbeiten nicht den Diskurs wert und für Wissenschaftler geben sie nicht das exakte Abbild dessen wieder, was sie verlangen.

ju_paleoart_p090_091_1705301541_id_1128604

Laelaps
Charles R. Knight, 1897; ©American Museum of Natural History, New York

Natürlich entwickelte sich diese Nische von makaberen Fantasiewesen des Erstlings „Duria Antiquor“ bis zu den apokalyptischen Werken von Ely Kish sowohl auf technischer als auch inhaltlicher Ebene weiter. Trotzdem bestimmten statt Fakten immer Zeitgeist, gesellschaftliche Umbrüche und persönliche Präferenz des jeweiligen Künstlers die auf Leinwand gebannten Ergebnisse. Daher begegnen uns visualisierte Metaphern zum Herrschaftsanspruch bestimmter Politiker, die omnipräsenten Seeschlachten zu Zeiten Napoleons, sowie das plötzlich auftretende Bewusstsein um die Umwelt, verpackt in die darauf individuell gerichtete Sichtweise des Malers.

Deswegen ist es kein Wunder, dass mit extrem wenigen Ausnahmen kaum Originale in Museen hängen, sondern meistens ein Dasein in privaten Sammlungen, vergessenen Kammern und Kellern fristen. Um dem ein Ende zu setzen und der Paläo-Kunst die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die sie verdient, machte sich die Herausgeberin Zoë Lescaze an die Arbeit um mit dem TASCHEN-Verlag ein wahres Denkmal zu publizieren. Mit Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte, ist es gelungen ein allumfassendes Werk auf den Markt zu bringen, dass einem Randgebiet des Kunstbetriebs ein unverhofftes Revival in der öffentlichen Wahrnehmung beschert.

ju_paleoart_p256_257_1705301542_id_1128649

Tree of Life
Alexander Mikhailovich Belashov, 1984; ©Borrissiak Paleontological Institute RAS

Mit einem Vorwort des Künstlers Walton Ford, wird ein wie vom Verlag gewohnt üppig illustrierter Band eingeleitet, der bei der zufälligen Entdeckung eines Ichthyosaurus-Skeletts durch die Zimmermannstochter Mary Ann Anning einsetzt und mit dem Jahr 1990, passend im Weltuntergangs-Setting der schon erwähnten Ely Kish, endet. Neben den Kommentaren zu ausnahmslos allen Abbildungen, wird die Geschichte dieser urzeitlichen Darstellungen durch einen Essay von Zoë Lescaze eingeordnet.

In dieser Kombination bietet das Buch nicht nur etwas für Hobby-Paläontologen und Malerei-Verfechter, sondern auch für jeden von uns, der in seiner Kindheit und Jugend eine populärwissenschaftliche Publikation in den Händen hielt und sich an gruseligen, lustigen und interessanten Darstellungen aus einer Zeit erfreut hat, die man mit viel Fantasie nur erahnen konnte. Zwar sind die Zeiten klassischer Abbildungen vorbei und digitale Formate für jüngere Generationen greifbarer, aber an den Charme mit der Hand geführter Pinselstriche kommt nichts so schnell heran. Ein beeindruckender Beweis in XL-Format liegt mit Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte in jedem Fall vor.

ju_paleoart_p036_037_1705301541_id_1128586

The Ichthyosaur and the Plesiosaur (Lias Period)
Edouard Riou; engraved by Laurent Hotelin and Alexandre Hurel, 1863; ©TASCHEN

 

Deadpool – X für ein U

1500551070_DOSMA110_cover

Es ist schon etwas länger her, seit ich ein Abenteuer des Söldners mit der großen Klappe rezensiert habe und freue mich umso mehr, die abgeschlossene Storyline „X für ein U“ präsentieren zu können.

Wie der Titel und das Cover schon deutlich vorweg nehmen, sind die X-Men das tragende Element dieser Geschichte bzw. Deadpools nimmermüdes Verlangen ein Teil der Mutanten-Truppe zu werden. Bevor es jedoch dazu kommt, möchte sich Wade Wilson, wie unsere Hauptfigur mit bürgerlichen Namen heißt, einen lange gehegten Traum erfüllen und Pirat werden. Ja, richtig gehört und keiner, der Deadpools Eskapaden verfolgt kann mir erzählen, er oder sie wäre überrascht.

 

1500551070_DOSMA110-0

©Panini Comics

Auf jeden Fall schwimmt unser irrer Freund aufgrund vorangegangener Ereignisse geradezu in Geld (es sei nur so viel verraten: der Preis dafür ist, dass er unter dem Radar bleibt) und was wäre am naheliegendsten als sich seine geheimen Träume einfach zu erkaufen? Dafür scheint es nicht mehr zu brauchen als einen unterwürfigen Sidekick, der sich als Papagei verkleiden und auch so sprechen muss, eine blinde Navigatorin, sowie einen gewaltigen Knacks, der zu allerlei halsbrecherischen Entscheidungen führt. Im Endeffekt das uns bekannte und lieb gewonnene Schema, dass wir erwarten, wenn wir eine Ausgabe mit dem Namen Deadpool im Titel in den Händen halten.

Wie zu Anfang angesprochen ist die Hauptgeschichte eine andere und damit das Ende des Söldners als Freibeuter auf offener See beschlossene Sache. Nach dem Ausflug in eher „klassisch“ kriminelle Gefilde, möchte Wade nämlich bei den X-Men einsteigen, die mit Cyclops an der Spitze eine Inselzuflucht für Mutanten errichtet haben. Doch schon bald merkt Deadpool, dass es offensichtlich nicht reicht auf enges Leder zu stehen, um sich dieser Gang der Guten anzuschließen. Daher versucht er auf seine ganz eigene Art die Leute von sich zu überzeugen, was im Umkehrschluss den altbekannten Cocktail aus dicken Wummen, mit Leichen gepflasterten Straßen und einer dicken Lippe ergibt. Doch ist es nicht genau das, was wir als Leser erwarten? Ich für meinen Teil kriege gar nicht genug von der respektlosen Art, die solche Veröffentlichung unter Garantie mitbringen.

1500551070_DOSMA110-1

©Panini Comics

Für diesen Mix zeigt sich Daniel Way als Autor verantwortlich, der mit dem zweiten Run der Figur von 2008 bis 2013 eine Art Wiedergeburt einleitete, die das Franchise weltweit einschlagen ließ, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dadurch ist Deadpool neben Spidey und den allgegenwärtigen Avengers zu einem brandneuen Aushängeschild avanciert, welches in logischer Konsequenz einen Film spendiert bekommen hat, der wiederum eine neue Art des Humors in die Marvel-Welt trug, der bis heute Bestand hat. Mit den in „X für ein U“ vorliegenden Heften 13 bis 18 befinden wir uns mitten in seinem Run, der sowohl Lust auf das macht, was noch kommen wird, als auch das was zuvor erschien.

Die witzigste Geschichte ist im Medium Comic aber nur halb so viel wert, wenn sie nicht von einem Künstler in Panels gepresst wird, der die Figur, die Handlung und das gewisse Etwas einverleibt hat, um alles authentisch präsentieren zu können. Zum Glück ist mit Shawn Crystal (Guardians of the Galaxy) bei der Piraten-Geschichte und Paco Medina (Star-Lord) jeweils der perfekte Mann am Zeichentisch gesessen und hat die Gabe auch ohne viele Worte einen Brüller nach dem anderen hervorzubringen oder einzelne (Selbst)Gespräche umso lustiger zu gestalten. Beide balancieren auf einem schmalen Grad zwischen cartoonesk und klassisch, wobei Medina eher zum zweiten tendiert. Genau diese Mischung macht die Reihe und damit den Erfolg aus, der sich bis heute immer wieder selbst bestätigt.

1500551070_DOSMA110-4

©Panini Comics

In diesem Sinne gibt es nichts anderes als eine Kaufempfehlung für alle vorhandenen Deadpool-Fans und die, die es noch werden wollen. Klar, gibt es Elemente, die ohne Vorwissen nur halb so lustig sind, aber als Ganzes funktioniert „X für ein U“ auch für Neueinsteiger und ist damit jedem ans Herz gelegt, der etwas mit derben Humor im Superhelden-Setting anfangen kann.