Bring Me The Horizon – Neues Musik-Video

Bring Me The Horizon befinden sich seit geraumer Zeit auf dem aufsteigenden Ast im Musik-Business. Eine Aussage, die man aktuell nur selten mit dieser Sparte verbindet. Insbesondere seit dem Album „Sempiternal“ und nach dem immensen Erfolg von „That’s the Spirit“ konnten die Briten ihre Basis festigen. Ihre für viele überraschende Abwendung vom klassischen Deathcore zu einem fast Linkin Park-lastigen Sound hat offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt und die Jungs in den Mainstream katapultiert.

Zwar ist dieser Begriff im Bereich der härteren Spielarten als toxisch anzusehen, muss aber wie in diesem Fall nicht gleich ein Synonym für schlechte Qualität herhalten. Sanftere Klänge erlauben es oftmals Experimente zu wagen, die zuvor im Riff-Korsett des Metal nicht möglich waren. So ist das Stück „Follow You“ fast schon Pop, befreit sich aber durch den ausgeklügelten Text von der Zuckerglasur dieses Genres. Um zeitgleich nicht als gefällig rüber zu kommen, hat sich die Band für das Musik-Video zum Track etwas ganz besonderes einfallen lassen. Kennt man heutzutage fast nur noch Performance-Zusammenschnitte, wurde sich hier an eine Handlung gewagt, die so explizit dargestellt wird, dass alle Schmährufe nach Ausverkauf verstummen sollten. Zombies und apokalyptische Inszenierungen liegen im Trend, es aber so zu verarbeiten und Gewalt mit einer ordentlichen Prise Humor zu würzen ist nach wie vor ungewöhnlich. Was sagt ihr zur visuellen Umsetzung des Songs?

http://www.vevo.com/watch/bring-me-the-horizon/Follow-You-(Official-Video)/GB1101501731

Bring Me The Horizon – That’s The Spirit

Zwei ganze Jahre mussten wir uns auf einen Nachfolger von „Sempiternal“ gedulden und es hat sich wirklich gelohnt. Bring Me The Horizon haben sich endgültig aus dem zerfallenden Korsett des Deathcore befreit und liefern mit „That’s The Spirit“ eine Platte, die einem das Wort „Konsequent“ geradezu ins Gesicht schreit. Waren auf dem Vorgänger noch Tracks zu finden, die noch durchaus als Pit-tauglich durchgingen („Antivist“ etc), reiht sich hier eine epische Hymne an die nächste.

Das ist vor allem den zurückgenommenen Gitarren zu verdanken, die den Drums und Synthies den nötigen Raum geben, der auf „Sempiternal“ schon angedeutet wurde. Dies ist schon deswegen nicht verwunderlich, da der als Gitarristen-Ersatz angeheuerte Keyboarder Jordan Fish mit dem Sänger Oli Sykes den Hauptsongwriter stellt und bei der gemeinsamen Arbeit offensichtlich seine Freude an Melodie-Experimentieren ausgelebt hat.

Bezüglich des Gesangs überrascht Sykes bei nahezu allen Songs mit einer facettenreichen Stimme, die man ihm vor ein paar Jahren beim besten Willen nicht zugetraut hätte. Beim letzten Album konnte man mit Chester Bennington-artigen „Shout“-Passagen und an Sprechgesang erinnernden Parts erahnen wohin die Reise gehen würde. Das jedoch eine so filigrane Stimme in dem bis zum Hals zugehakten Frontmann steckt, überrascht auf voller Länge. Dadurch kriegen die Titel allesamt eine noch individuellere Note, da noch mehr Klangfarben beigemischt werden können. Die Technik ist dabei sogar nur das Sahnehäubchen auf den fantastischen Texten, die man hier zu hören bekommt. Thematisch wird zwar das klassische Spektrum aus Liebeskummer, Hass, Trennung, Religion und Freundschaft abgedeckt, aber dabei so gelungen umschrieben, dass man immer wieder inne hält um die Aussagen sinken zu lassen und sie vielleicht beim nächsten Durchgang in einem anderen Licht zu sehen. Hier lohnt es sich wirklich auf die Lyrics zu hören, die vor Wortspielen, schönen Vergleichen und mehreren Ebenen nur so strotzen.

Das Resultat überzeugt dementsprechend auf technischer und lyrischer Ebene voll und ganz. Was alte Fans jedoch endgültig zur Abkehr bewegen könnte ist, dass das Wort Core nun endgültig aus der Genre-Bezeichnung für die Band gestrichen werden kann. Es schleichen sich zwar angenehm erfrischende Einflüsse aus Punk, Elektro, Indie und sogar Pop ein, aber die Zeiten der Two-Steps, Circle-Pits und Ohrlöchern, so groß wie Untertassen sind zumindest bei Bring Me The Horizon endgültig vorbei.

Dafür präsentiert sich mit dieser Veröffentlichung eine sehr junge Band, die durch ihre nun fünf Platten merklich gereift ist und sich die internationalen Chart-Erfolge damit mehr als verdient hat. Vor allem heutzutage scheint es so, als ob handgemachte ehrliche Musik im Mainstream (im Sinne von Erfolg) keinen Platz mehr findet. Umso erfreulicher ist es, dass die Flagge des Rock und Metal auch in diese Sphären getragen wird und aufzeigt, dass es immer noch Bands da draußen gibt, die uns Fans noch viel zu geben haben!

BMTH Booklet