Echo – Bd.3: Black Hole

titel596

Wie vor kurzem bei meiner Besprechung von „Desert Run„, dem zweiten Teil der „Echo„-Reihe von Terry Moore angekündigt, findet ihr hier nun die Rezension zum Abschluss der großartigen Saga der texanischen Indie-Legende.

Immer noch befindet sich Julie, ummantelt von der sogenannten „Beta-Skin„, die ihr unfassbare Kräfte verleiht, auf der Flucht vor dubiosen Regierungsorganen, ruhmsüchtigen Wissenschaftlern und durchgedrehten Individuen, die nichts außer Vernichtung und Tod vor Augen haben. Dabei wird sie nach wie vor von Dillon, dem Ehemann der Vorbesitzerin und Erfinderin der Metallegierung begleitet, sowie der Agentin Ivy, die sich nun gänzlich gegen ihren Arbeitgeber gestellt hat, nachdem Julie die heilenden Kräfte ihres futuristischen Aufzugs an ihrer Tochter angewandt hat.

leseprobe596-1

Inzwischen wirkt sich die Hightech-Haut aber auch anderweitig aus und lässt Julie Stück für Stück in die Höhe wachsen und so zu einer Art Amazone mutieren, während Ivy zunächst fast unbemerkt jünger wird. So verschwinden zunächst Fältchen, Klamotten scheinen nicht mehr zu passen und schlußendlich klaffen Gedächtnislücken auf, die in der angespannten Situation durchaus gefährliche Folgen haben können. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Wissenschaftler hinter der ursrünglichen Finanzierung der „Beta-Skin“ sich im Wettrennen mit der chinesichen Regierung dazu entschlossen haben eine Art (für den Band titelgebendes) schwarzes Loch zu erschaffen, dass in der Natur der Sache die Welt in den Abgrund reißen könnte. Dabei wären Ivys geistige Fähigkeiten und ihr Wissen nicht ungelegen gekommen. Als ob das nicht reicht, ist der Truppe immer noch der ebenfalls mit dem Metall in Berührung gekommene Obdachlose/Cain (siehe Rezension zu Band 2) auf der Spur, der scheinbar ein Faible für biblisches Reinacment hat.

Und so steuern diese gekonnt gesponnenen Story-Stränge auf ein großes Finale zu, dass sogar mit einem Brückenschlag zu „Strangers in Paradise“ aufwartet und dadurch das Gesamtwerk Moores zu einem Universum zu vereinen scheint. Wie der Weg sich bis zu diesem Punkt gestaltet, dürft ihr jedoch aufgrund von Spoiler-Gefahren gerne selbst herausfinden.

Zu empfehlen wäre es in jedem Fall. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, wird hier ein qualitätives Level gehalten, dass die Popularität des Künstlers und Autoren unterstreicht und deutlich vor Augen führt, dass das Medium Comic, genauso wie Serien oder Filme, in gänzlich unterschiedlichen Genres funktioniert, selbst wenn die Macher identisch sind. Im konkreten Fall scheint es für Terry Moore keinen Unterschied zu spielen, ob er sich an Drama, Horror oder wie in diesem Fall Science-Fiction versucht – sein Talent lässt ihn scheinbar jede Hürde nehmen. Dabei schafft er es auch genrespezifische Eigenarten wie die Verschmelzung aus Philosophie und Technik einfließen zu lassen, die zu einer zusätzlichen Eigenständigkeit beitragen und dem gesamten Konstrukt eine gewiße Tiefe verleihen, die die Gefahr einer (inhaltlich) platten schwarz-weiß-Zeichnung gekonnt überbrückt.

leseprobe596-2

Eine zusätzliche Würze bietet dabei der immer wieder dezent eingestreute Humor, der den Leser regelmäßig zum schmunzeln bringt und kombiniert mit schlau eingefädelten Twists, die Handlung gekonnt am laufen hält, ohne den Verdacht aufkommen zu lassen, über Seiten hinweg einen Lückenfüller zu folgen. Das Ganze wird dann auch noch in einen wunderschön schlicht getuschten Stil gehüllt und als Gesamtkunstwerk präsentiert, dass einen nur traurig zurücklassen kann, weil der Ritt durch Moores Gedankenwelt zu einem Ende kommt. Zumindest was die großartige „Echo„-Reihe anbelangt. „Strangers in Paradise“ feiert in den USA gerade nämlich eine Fortsetzung, deren Deutschland-Import man sich defintiv nicht entgehen lassen darf!

Bis dahin darf ich euch mit „Echo“ alle drei Ausgaben des aktuellsten Releases von Schreiber & Leser empfehlen!

Echo - Bd.3: Black Hole  
Verlag: Schreiber & Leser 
Autor und Zeichner: Terry Moore 
Format: Broschiert 
Seitenzahl: 216 
Preis: 18,95 EUR

Echo – Bd.2: Desert Run

titel581

Terry Moore gilt gemeinhin als einer der beliebtesten, sowie größten Künstler und Autoren aus dem Independent-Bereich, obwohl er sein Talent auch schonmal größeren Häusern wie Marvel zur Verfügung gestellt hat. Bekannt wurde der Texaner primär durch seine Reihe „Strangers in Paradise„, die ihn Anfang der 90er Jahre einem breiteren Publikum bekannt machte und deren Fortsetzung gerade in den USA anläuft.

Diese Serie wird, genauso wie seine anderen Werke, über den hauseigenen Verlag „Abstract Studio“ vertrieben, was Moore eine größtmögliche Freiheit bei der Gestaltung seines Outputs gibt. Zeitgleich ist durch die Wahl eines eher unkonventionellen Kanals die Verbreitung der Titel im Ausland ein wenig erschwert, was „Schreiber & Leser“ nicht davon abhielt in die Presche zu springen und inzwischen die Gesamtausgaben von „Strangers in Paradise„, sowie die Horror-Reihe „Rachel Rising“ in Deutschland zu veröffentlichen. Hinzu kommt nun auch das Sci-Fi-Genre mit „Echo„. Eine Geschichte, die hierzulande auf drei Bände konzipiert wurde, deren Erstling schon im letzten Jahr, passend zum Besuch des Künstlers auf dem Comicfestival München, in den Regalen stand und sich bei Fans und Kritikern großer Beliebtheit erfreute.

Inzwischen sind die zwei finalen Bände erschienen, die beide auf ZOMBIAC besprochen werden sollen, wobei zunächst in diesem Beitrag der zweite Teil „Desert Run“ im Fokus steht.

leseprobe581-1

©schreiber&leser

Da der Einstieg „Atomic Dreams“ nicht auf meinem Blog besprochen wurde, gibt es hier noch ein paar Hintergrundinformationen. Die Hauptfigur und Fotografin Julie Martin befindet sich für ein paar Aufnahmen im Yosemite National Park in Kalifornien, als sich über ihr am Himmel eine gewaltige Explosion ereignet, deren Signatur von Nachbarstaaten als die einer Atombombe registriert wird. Unmittelbar danach ergeht ein metallischer Regen auf Julie und umschließt einen Teil ihres Körpers mit einer silbernen Beschichtung, wie eine zweite Haut. Diese ist nicht abzukriegen und verleiht unserer Heldin ungeahnte Kräfte, die scheinbar ein Eigenleben führen. Kein Wunder, dass dubiose Regierungsorganisationen danach trachten, das seltsame Material an sich zu reißen, um sich militärische Vorteile gegenüber anderen Großmächten zu sichern

Dementsprechend finden wir Julie nun auf der Flucht vor den Häschern eines Privatunternehmens, dass für das Militär arbeitet. Als ob das noch nicht reicht, wird sie von einem mysteriösen alten Mann verfolgt, der ebenfalls in Berührung mit der chromfarbigen Substanz gekommen ist und nun im Glauben daran der 6000 Jahre alte Brudermörder Cain (Jap, genau der aus der Bibel) zu sein, der jungen Frau mit seinen ebenfalls übermenschlichen Kräften nachstellt. Zum Glück ist sie auf ihrem Weg nicht allein und wird von Dillon, dem Ehemann der Vorbesitzerin und Erfinderin der sogenannten „Beta-Skin“ begleitet. Zeitgleich gesellt sich die Agentin Ivy zu den Jägern der beiden hinzu, bis sie erkennt, dass die Kräfte des seltsamen Metalls ihr bei einem Krankheitsfall in der Familie helfen könnten. Parallel versucht eben erwähnter Dillon über Umwege herauszufinden, was mit Annie, seiner Frau wirklich passiert ist, was der genaue Zweck der Hightech-Legierung ist und wie er alle gemeinsam aus dem sich immer weiter aufbauenden Schlamassel ziehen kann.

leseprobe581-2

©schreiber&leser

Auf diesem Weg konstruiert Terry Moore in einer sehr gelassenen Art und Weise die Charaktere und ihre Umgebung, die in ihrer Wirkung sehr natürlich daherkommen und im schlicht getuschten schwarz-weiß-Stil dazu einladen sich in die Handlung fallen zu lassen.

Inhaltlich wagt der Künstler einen Spagat zwischen banalem, aber doch griffig-unterhaltsamen Abenteuer und wissenschaftlichem Erklärungsversuch für die Ereignisse in seiner Geschichte. Diese können von mir als Laien natürlich nicht auf die Basis ihres Wahrheitsgehalts überprüft werden (damit meine ich nicht die offensichtlichen Fantastereien), doch wirken sie weder künstlich integriert, noch ohne Sinn und Verstand konzipiert. Auch vor dem Hintergrund der alltäglich wirkenden Charaktere, die sich mit diesen Infos herumschlagen müssen, wirkt das gesamte Konzept trotz Sci-Fi-Themas angenehm bodenständig, ohne in biedere Strukturen abzurutschen.

Terry Moore schafft es dabei die alte Fragestellung nach dem technisch machbaren, aber zeitgleich moralisch tragbaren in ein neues Gewand zu hüllen und zeitgemäß an die Leser heranzutragen. Dabei kreiert er etwas, dass einen guten Geschichtenerzähler ausmacht: Er nimmt die vorhandene Palette und mischt damit ein eigenes Werk an, dass zwar Versatzstücke erkennbar macht, die individuelle Note des Texaners aber im Vordergrund hält. Genau dieses frische Element, kombiniert mit den ausdrucksstarken Zeichnungen lässt einen ungeduldig auf die Fortsetzung warten, die zum Glück aber schon in den Regalen liegt. Genau diesen Band werde ich demnächst für euch rezensieren. Bis dahin bleibt mir nur eine klare Empfehlung für „Echo – Bd. 2: Desert Run“ auszusprechen und euch viel Spaß bei der Lektüre zu wünschen!

Echo - Bd.2: Desert Run 
Verlag: Schreiber & Leser
Erschienen am: 18.12.2017 
Autor und Zeichner: Terry Moore 
Format: Broschiert
Seitenzahl: 208 
Preis: 18,95 EUR