Batman Sonderband 46 -Todesspiel

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Mit dem Auftauchen des Jokers, nachdem dieser spurlos verschwand, begann das DC-Event „Todesspiel“, welches eine Brücke über mehrere Serien hinweg schlug und den „Clownprinzen des Verbrechens“ in den Mittelpunkt stellte.

Ganz der jahrelangen Tradition ergeben, erscheint am 22.12. der passende Sonderband, der in vier Geschichten unterschiedliche Blickwinkel nach dem Gas-Anschlag auf die Gothamer Innenstadt und die unmittelbaren Ereignisse davor bietet.

Dabei trumpft das Format wie so oft durch die unabhängigen Kreativteams auf, die sowohl inhaltlich als auch visuell einen bunten Strauß an Unterhaltung bereit halten. Zunächst fängt alles mit einer Story aus dem US-Heft „Batman – Annual“ an, welche den Begriff der Freundschaft aus der Sicht unseres Lieblingspsychopathen aufzeigt und uns nochmals vor Augen führt, dass es kein Entkommen gibt, wenn der Joker einen Narren (höhö) an einem gefressen hat. Erzählt wird die Geschichte hierbei von einem Polizisten, dem die Ehre zuteil wurde von Mr. J als Freund bezeichnet zu werden. Das erfrischende an der Perspektive ist, dass es sich um einen „normalen“ Charakter handelt, der nicht wie Batman und Konsorten an die Eskapaden rund um die Figur gewöhnt ist.

Natürlich wurden schon in der Vergangenheit Personen außerhalb der Kontinuität der Storys gequält, aber es erscheint trotzdem als frisches Element, eine Beziehung zwischen einem normalen Bürger von Gotham mit dem dauergrinsenden Albtraum zu verkuppeln. Vor allem fügt sich das Geschehen wunderbar als Rahmenhandlung zur primären Geschichte in den moantlich erscheinenden Heften ein! Auch von der visuellen Seite ist der Einstieg in den Sonderband sehr gelungen. An einen realistischen Stil angelehnt, wird die Seriösität der Handlung nochmals unterstrichen.

Als Kontrastprogramm finden wir als nächstes eine Geschichte um Batgirl, die sich an einer Brücke durchschlägt, als das Gas in der Stadt freigesetzt und die Bewohner in lachende Zombies verwandelt werden. Neben dem obligatorischen Kampf gegen Horden an Feinden muss sie zusätzlich ein kleines Mädchen retten, welches mitten im Getümmel steckt und nicht voran kommt. Die Handlung kommt dabei gänzlich ohne Sprechblasen aus und konzentriert sich gänzlich auf Mimik und Gestik der Figuren, die mit einem leichten Manga-Touch und passender Farbgebung viel „fröhlicher“ Wirken als die Charaktere der übrigen Geschichten. Nur der gelegentliche Einsatz von „Emojis“ (Smartphones gehören nun scheinbar auch für Helden zum Standard-Repertoire) ersetzt so manche Unterhaltung. Da dieser Umstand auch für witzige Situationen genutzt wird, fügt sich dieses Element sogar ganz natürlich ein. In meinen Augen ein netter „Ice-Breaker“ und thematisch natürlich in der Zeit des titelgebenden Events angesiedelt, aber abgesehen von der ungewöhnlichen Ezählweise nichts für die Ewigkeit.

Im eher kindlichen Stil geht es auch in der dritten Geschichte aus der „Gotham Academy“ weiter. Die malerisch und ebenfalls leicht Manga-typisch dargestellten Figuren in Form von drei Mädchen erzählen, um sich gegenseitig zu übertrumpfen, Gruselgeschichten die sich auf die ein oder andere Weise um den Joker drehen. Dabei werden die teils makaberen Panels durch die schon erwähnte Optik noch verstörender (Leichenteile jonglieren!?) und erzeugen eine viel intensivere Wirkung als ein von vornherein auf Schock ausgelegter Stil. Alles in allem ein schöner Eye-Catcher, auf den man sich jedoch erst einlassen muss.

Die letzte Erzählung im Bunde dreht sich um das Verhör eines Arkham Security-Mannes, der den Ausbruch der Gefangenen im vom Joker erzeugten Chaos überlebte und nun von seiner Flucht berichtet. Diese wird ihm durch einige Prominente Insassen erleichtert, die aus unterschiedlichsten Gründen immun gegen das Joker-Gas zu sein scheinen und auf die Gebäude-Kenntnis des Wachmanns angewiesen sind. Ein interessanter Aspekt ist zwar wieder der Bericht einer Nebenfigur, aber das Gesamtkonstrukt kommt leider nicht über das Prädikat „nett“ hinaus. Visuell wird sich wieder an klassisches Material angelehnt und damit die düstere Bedrohung durch den Clown auch durch die Panels hervor gehoben.

Wenn man nun alle gebotenen Geschichten zusammen nimmt, ist der Batman Sonderband 46 zwar definitiv kein Must-Have aber auf jeden Fall eine unterhaltsame Ergänzung zum DC-Event „Todesspiel“, welches sich allein schon wegen des Haupt-Antagonisten als Anschaffung über die vorhandenen Serien hinweg lohnt.

 

Batman: Arkham Manor

Arkham Manor Softcover

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die erste englischsprachige Ausgabe des Titels schon ein mal in den Händen hielt und von einem Kauf zurückschreckte, da mich nach einem erste Blick ins Heft der Zeichenstil merklich irritierte. Mein erster Gedanke war: „Sie wollen mit dem leicht Cartoon-haften Touch ein jüngeres Publikum ansprechen!“.

Wie sehr kann man sich irren. Panini Comics bringt nun die komplette Miniserie in einem Band heraus und lässt den Leser aus dem Staunen nicht mehr raus. Hier liegt eine düstere, brutale Geschichte um Batman vor, wie es sie nur im 21. Jahrhundert geben kann. Folter, Blut und Wahnsinn wirken durch den erwähnten Zeichenstil und damit Kontrast viel intensiver als sie es in einem „klassischen“ Heft jemals tun könnten. Hier wird deutlich mit den Erwartungen des Lesers gespielt und eine leicht surreale Atmosphäre erzeugt. Dazu aber gleich mehr.

Zunächst wollen wir uns der gelungenen Story um den Mitternachtsdetektiv widmen. Wie aufmerksame Leser der zweiwöchig erscheinenden Reihe „Batman Eternal“ sicherlich wissen, wurde die Anstalt für geisteskranke Kriminelle „Arkham Asylum“ zerstört und die Insassen müssen zwangsläufig umgesiedelt werden. Nur wo sollen all die mehr oder weniger prominenten Psychopathen untergebracht werden. Dass der Familiensitz der Waynes vor kurzem enteignet wurde, kommt der Stadt dabei gerade recht und aus Wayne Manor wird das titelgebende Arkham Manor.

Nun könnte man meinen, dass Bruce Wayne aka Batman sich zurücklehnen könnte, doch als ein Serienmörder in der Anstalt auftaucht, muss er sich unter einer falschen Identität einweisen lassen um den Fall aufzuklären. Dabei weiß er jedoch nicht, dass sein ärgster Feind samt neuem Gesicht und Namen ebenfalls im Irrenhaus sein Unwesen treibt. Aus dieser Konstellation heraus, entwickelt sich eine spannenden Geschichte, die mich tatsächlich von Seite zu Seite getrieben hat um herauszufinden wie sich alles auflösen wird. Verantwortlich dafür ist der Autor Gerry Duggan, der ursprünglich als Produzent für Film- und Fernsehen tätig war, bis er sich einen Ruf im Superheldengeschäft erarbeitet hat. Vor allem bei Marvel verdiente er sich seine Sporen bei „Deadpool vs. Hawkeye“ oder „Nova“ um später dem Star-Schreiber Scott Snyder als Koautor einer Batman-Geschichte beizuspringen. Im vorliegenden Band zeigt er ein ausgeprägtes Gespür dafür, wie man Spannung mit Schock-Momenten aber auch oftmals witzigen Szenen kombinieren kann. Vor allem Mr. Freeze dient in der Geschichte erstaunlicherweise oft als Humor-Garant.

Auf der visuellen Seite steht Shawn Crystal, der schon an „Deadpool“ und „Batman: Stadt der Sünde“ mitgewirkt hat. Wie schon erwähnt, hat sein Stil einen leicht cartoonesken Anstrich, der auf den ersten Blick abschrecken könnte aber bei genauerem hinsehen sofort mitreißt. Eine ähnliche Situation erlebte ich zum Beispiel beim „Superior“-Run von Spider-Man und bin auch in diesem Fall nachträglich schwer begeistert. Bei „Batman: Arkham Manor“ unterstreichen die teils übertriebene Mimik oder seltsame Anatomie die bizarre Story-Line und die passend dunkel aufgetragenen Farben tun ihr Übriges um auch den letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass es sich hierbei um leichte Kost für sehr junge Leser handeln könnte.

Genau genommen handelt es sich hier in meinen Augen um eine der besten und dichtesten Geschichten um den dunklen Ritter, die ich seit langem gelesen habe. Bei der Masse an Veröffentlichungen um Batman, stechen solche Perlen eben besonders heraus und haben einen entsprechenden Ehrenplatz in meinem Regal. Was diesen Superhelden anbelangt, spielt die Geschichte ganz oben mit. Solltet ihr auch große Fans wie ich sein, dann könnt ihr hier gedankenlos zugreifen und werdet es nicht bereuen.