David Bowie verstorben

David Bowie ist heute, nach einem 18-monatigen Kampf gegen den Krebs, seinem Leiden erlegen. Damit verliert die Welt eine weitere Musik-Legende, nachdem Lemmy Kilmister vor kurzem ebenfalls verstarb.

Bowie, über Jahrzehnte hinweg eine Inspiration für zahlreiche Künstler, hinterlässt eine gigantische Lücke, die aktuell kein vergleichbarer (was für ein Wort!) Musiker füllen kann.

Der Facebook-Post mit der Information über seinen Tod im Wortlaut:

January 10 2016 – David Bowie died peacefully today surrounded by his family after a courageous 18 month battle with cancer. While many of you will share in this loss, we ask that you respect the family’s privacy during their time of grief.

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©morrisonhotelgallery

 

The James Bond Archives. SPECTRE Edition.

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Nachdem ich vor geraumer Zeit den Prachtband „The Charlie Chaplin Archives“ besprochen habe, konnte ich nun meine Hände an die erweiterte Neuauflage von „The James Bond Archives“ legen.

Neuauflage? Ja, richtig gehört. Zum 50. Jubiläum von „007“ im Jahre 2012 erschien das Werk schon einmal im Überformat und hatte mit der ersten Auflage einen weiteren Kaufanreiz: Einen Filmstreifen mit einer halben Sekunde aus dem Bond-Erstling „Dr. No“ (1962)! Wenn man sich als wahren Fan und Kenner der Reihe bezeichnet, wären auch die 150€ für dieses Schmuckstück eine lohnende Investition gewesen. Wenn man darüber hinaus einen Schritt weiter gegangen wäre, könnte man sich für 2500€ zu den 250 Besitzern des Prints einer Entwurfzeichnung und einer Signatur des aktuellsten Agenten ihrer Majestät Daniel Craig zählen. Beides stolze Summen, die aber durch die restlos vergriffenen Auflagen beider Editionen den Beweis ihrer Berechtigung liefern. Nun haben auch die letzten Fans die Möglichkeit in die Entstehungsgeschichte jedes (!) einzelnen Abenteuers einzutauchen und sich auch die Hintergrundinformationen des aktuellsten Streifen „Spectre“ zu Gemüte zu führen. Mit einem handlicheren Format, erweitertem Inhalt und einem für das dargebotene angenehmen Preis, findet man in diesem Buch wirklich alles was das Cineasten-Herz begehrt.

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Wie man es vom Verlag gewöhnt ist, wird hier definitiv geklotzt und nicht gekleckert! Angefangen mit einem ausführlichen Playboy-Interview mit dem Bond-Schöpfer Ian Fleming aus dem Jahr 1964, werden der Entstehungsprozess, die Gedankengänge hinter den „007“-Charakteristika und die Bezüge zur persönlichen Geschichte des Autoren ausführlich dokumentiert.

Dem folgt auch schon die Story des Beginns einer Film-Legende, indem der schwierigen Frage der Rechte, der Besetzung des Stabs und den weiterführenden Plänen zur damaligen Zeit auf den Grund gegangen wird. Nachdem die formalen Themen jedoch geklärt sind, steigt man als Leser sofort in die Kult-Streifen wie „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963), „Goldfinger“ (1965) oder „Moonraker“ (1979) ein. Sie alle werden mit einer kurzen Erklärung des Plots eingeleitet und daraufhin mit Kommentaren der Beteiligten Produzenten, Regisseure und Schauspielern vom ersten bis zum letzten Drehtag erläutert. Da dies aus so vielen verschiedenen Perspektiven geschieht, gibt es einem das Gefühl der vollständigen Durchdringung der Materie. Szenen, Stunts und Produktionsbedingungen erhalten dadurch eine viel größere Bandbreite an Facetten, die man nach der Lektüre beim erneuten Genuss der Filme viel mehr oder sogar zum ersten mal wahrnimmt.

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Um dabei jeden Teil dieses gewaltigen Konstrukts um die Figur zu erfassen, werden auch parallel und eigentlich nicht zum Kanon gehörende Werke wie das Sean Connery-Comeback in „Sag niemals nie“ (1984) oder die Parodie „Casino Royale“ (1967) (ja, es gab schon mal einen) mit Woody Allen besprochen. Die persönliche Note bekommen die Geschichten um die Entstehung aller Filme auch durch Erzählungen über das Jahrzehnte kreisende Besetzungs-Karussel der Hauptrolle. Es wird nicht ausgespart, warum George Lazenby nur ein Auftritt gewährt wurde und wie knapp manch anderer schon früher eine Rolle hätte ergattern können. Des Weiteren werden auch hässliche Seiten wie Unfälle am Set und interne Streitereien bei den hauptsächlich fröhlichen Drehs nicht ausgespart. Damit avanciert dieses inhaltlich makellose Buch zu einem authentischen Stück Dokumentation und umgeht der oft doch so naheliegenden Selbstbeweihräucherung der Macher.

Das ganze mündet wie schon am Anfang der Besprechung erläutert, im aktuellsten Auftritt von Daniel Craig in „Spectre“, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags sogar noch im Kino läuft. Da der Film ja naturgemäß ein visuelles Medium ist, werden die Kommentare selbstverständlich um großflächige Bilder in Form von Set-Aufnahmen und Produktionsnotizen ergänzt. Diese zeigen, teils nur im vorliegenden Band zu sehen, ikonische Szenen aus alternativen Blickwinkeln, unbeschwerte Momente außerhalb der Sichtweite der Kamera oder auch das gewaltige Ausmaß mancher Sets, die schier unglaubliche Summen verschluckten, dafür aber ein umso beeindruckenderes Ergebnis darstellten.

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Zusammengefasst kann man sagen, dass die Anschaffung dieses Buches als Fan schier unausweichlich ist. Keine Publikation schafft es nur im Ansatz diese Fülle an exklusiven Einblicken in Wort und Bild zu vermitteln. Dementsprechend kann man hier bedenkenlos zugreifen und bekommt dafür nicht nur eine lückenlose Chronologie, sondern auch ein unterhaltsames Stück Literatur, welches den Inhalt fast schon beiläufig aber einprägsam vermittelt.

The World of Tim Burton

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Bis zum 3. Januar hatten Besucher die Möglichkeit knapp 500 Originale des Visionärs Tim Burton im Max Ernst Museum Brühl zu betrachten. Bis dahin waren die eigentlich nie für die Öffentlichkeit bestimmten Werke schon in Prag, Tokio und Osaka zu sehen.

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Anlässlich dieser einzigartigen Möglichkeit auch in Deutschland Bilder des Genies hinter zeitlosen Klassikern wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Batman“ oder „Tim Burton’s The Nightmare before Christmas“ zu zeigen, brachte der Hantje Lantz-Verlag mit „The World of Tim Burton“ das passende Buch zur Ausstellung heraus. Dieses ist ganz dem internationalen Erfolg geschuldet, sowohl in Englisch als auch Deutsch erschienen und neben den zahlreichen Bildern, mit einem exklusiven Interview und einer ausführlichen Biografie des Künstlers ausgestattet. Beide Texte geben dabei einen kleinen Einblick in den Schaffensprozess bzw. die Gedankenwelt Burtons, der trotz fehlender Bildung im Bereich der Kunstgeschichte, seine Filme mit allerlei Referenzen bestückte, die demzufolge vor intuitivem Wissen nur so strotzen.

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Die Bilder, die das Herzstück des Bandes bilden, sind typisch für den Regisseur sehr düster gehalten, während der charakteristische Humor trotz allem durchgehend seinen Platz findet. Besonders faszinierend sind neben dem allgemein filigranen Strich, die Motive, die sich teils Jahre später auf der Leinwand manifestieren sollten. So merkt man, wie exakt sich Tim Burton die visuelle Umsetzung seiner Fantasie von der ersten bis zur letzten Sekunde zurecht gelegt hat. Ob Edward, der Pinguin, der Joker oder die Herzkönigin – teils handelt es sich um das gemalte Spiegelbild ihrer Zelluloid-Versionen. Daneben finden sich auch Entwürfe für nie umgesetzte Projekte, die das Fan-Herz höher schlagen lassen. Skurrile Visionen, die man sich nur zu gern als bewegte Bilder vorstellt und auf deren potentielle Realisierung als Film hofft.

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Alles in allem liegt hier eine Pflichtanschaffung für jeden Fan vor, da es aktuell kein vergleichbares Buch auf dem Markt gibt. Selbstverständlich wird man im Bereich der Sekundärliteratur zu einzelnen Filmen und zur Person selbst fündig, aber eine so schöne Auswahl der privatesten Bilder des Meisters wird man aktuell nirgendwo anders finden!

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Tim Burton with his vintage Margaret Keane paintings, October 28, 2014

Ich wünsche euch einen guten Rutsch!

Letztes Rezi-Exemplar für dieses Jahr im Briefkasten gelandet! Es handelt sich um das Prequel zum schon vor einiger Zeit erschienenen Comic zum aktuellsten Konzept-Album von apRon !

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! In den ersten Wochen werdet ihr neben einer Rezi zu dieser Ausgabe auch Reviews zu einem Band über Tim Burton vom Hatje Cantz-Verlag und „The James Bond Archives“ von TASCHEN auf ZOMBIAC entdecken! Bis dahin!

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Lemmy Kilmister verstorben

Der Frontmann der legendären Band „Motörhead“ ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 70 Jahren verstorben. Erst an Heiligabend feierte er Geburtstag. Zwei Tage später erfuhr er, dass er an einer extrem aggressiven Krebsform erkrankt ist. 

Ich schätze mich glücklich, diesen Mann und seine Band live erlebt zu haben.

Vielen Dank für 40 Jahre Rock’n’Roll, Lemmy! 

  

Happy Birthday, Stan Lee!

Der Miterfinder einer Vielzahl an Aushängeschildern des Marvel-Verlags wird heute 93(!) Jahre alt! Herzlichen Glückwunsch, Stan!

Falls alles gut läuft, dürfen ihm die Fans in Deutschland schon im Mai kommenden Jahres persönlich gratulieren! Denn sollte der gute Mann nicht spontan beschließen abzusagen, dürfen wir ihn am 06.05.2016 im Münchner Comic Store „Buzzonaut“ begrüßen! Ich persönliche drücke natürlich alle Daumen und Zehen, damit es wirklich klappt und ein Traum wahr wird: Stan „The Man“ Lee persönlich treffen!

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© Pow! Entertainment

Gotham Central – Band 2: Doppeltes Spiel

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Nach der ersten, von mir schon hochgelobten und mit dem Eisner Award ausgezeichneten Geschichte um eine Gruppe von Polizisten aus Gotham, erscheint nun endlich der zweite Band und lässt in Sachen Qualität in keinster Weise nach.

Wieder einmal dreht sich die Story um die uns schon bekannten Charaktere, wobei insbesondere Renee Montoya in den Mittelpunkt gerückt wird. Um den übergreifenden Zusammenhang zum Hauptstrang des Bandes zu verstehen, wird jedoch eine Art Prolog vorangestellt, der wiederum aus zwei weiteren Batman-Reihen (Detective Comics & Batman Chronicles) zusammengesetzt wurde.

In diesen kurzen Geschichten wird erklärt wie der erste Kontakt zwischen Montoya und Two-Face, dem Haupt-Antagonisten der aktuellsten Ausgabe, zustande kommt. Dieser bleibt nämlich nicht ohne Folgen, denn der Ex-Anwalt fühlt sich von der Polizistin „verstanden“ und entwickelt ihr gegenüber langsam aber sicher amouröse Gefühle, verschwindet jedoch irgendwann von der Bildfläche.

Doch plötzlich taucht ein zuvor freigesprochener Vergewaltiger auf, gegen den einer der wenigen ehrlichen Polizisten in Form unserer Heldin ausgesagt hat. Es kommt zu Gewaltandrohungen, Psychoterror und Zerstörung des privaten als auch beruflichen Umfelds. Es scheint jedoch mehr dahinter zu stecken, als der zunächst angenommene Rachefeldzug eines Verbrechers…

Wie schon beim Erstling, schaffen es Greg Rucka und Michael Lark einen lupenreinen Thriller mit Drama-Bezug in die Welt des dunklen Ritters zu platzieren und damit ein weiteres Kapitel der Erwachsenenunterhaltung in das immer noch misstrauisch beäugte Comic-Format einzufügen. Themen wie Familienprobleme, Homosexualität, sowie die damit durch gewisse Milieus verbundene Abneigung, Polizeigewalt und fragile zwischenmenschliche Beziehungen finden alle ihren Platz ohne überflüssig zu wirken. In dieser moralisch in sich zusammengefallenen Stadt ist dieses Gefüge erschreckend alltäglich,  während die Gegenwehr der Gesetzeshüter dadurch eine noch größere Bedeutung erfährt. All diese Elemente machen das Gesamtkonstrukt dieser Geschichte ungeheuer spannend und erzeugen das für Krimi-Fans nur allzu bekannte Gefühl nicht mehr mit dem lesen aufhören zu können, bis man das Ende der Geschichte erfahren hat.

Unterstützt wird die Story durch Larks immer noch schön groben Stil, der mit seiner realistischen Darstellung der Figuren fast so etwas wie eine Film-Atmosphäre zu erzeugen weiß. Ein perfektes Zusammenspiel mit der vorgegebenen Erzählung und damit Anreiz sich auch die nächste Ausgabe zu besorgen.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Handlung auch ohne DC-Kontext auf eigenen Beinen hätte stehen können, in ihrer Form aber der Welt von Batman einen realistischen Anstrich verpasst, der ihr schon seit Frank Millers Revolution am besten zu stehen scheint. Im Gegensatz zur TV-Serie, die zum Teil auf dem vorliegenden Band beruht, zieht die Geschichte ihre Faszination allein aus ihrer starken Komposition und verschont den Leser mit künstlich eingefügten Origin-Storys, die Fanboys bei der Stange halten sollen. Dementsprechend gibt es von mir eine persönliche Empfehlung, wenn das Genre einem zusagt!

Spawn: Blood Feud – Blutfehde

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Als langjähriger Fan der Spawn-Comics freue ich mich immer wie ein Schnitzel, wenn Mini-Serien neu aufgelegt werden, um einer neuen Generation an Lesern den Spaß zu bringen, den andere schon vor vielen Jahren hatten.

Nun kommt nach „Violator“ das nächste Paperback, welches eine vierteilige Geschichte in einem Sammelband vereint. Zwar erschien im Jahr 1999 „Blood Feud“ schon einmal als Gesamtausgabe, aber in der Zwischenzeit ist eine ganze Armada an Fans herangewachsen, die zum einen vielleicht von solchen Auskopplungen nichts weiß oder zum anderen nicht die Möglichkeit besitzt, diese zu erwerben.

Wer die Entstehungsgeschichte hinter der Figur kennt, der weiß welch große Namen einst hinter den Storys standen, die einen regelrechten Kult ausgelöst haben. So hat zum Beispiel die Comic-Legende Alan Moore (Watchmen, V wie Vendetta, From Hell) sowohl etwas zur Handlung der Kontinuität um Al Simmons (bürgerlicher Name des (Anti-)Helden) beigetragen, als auch die Story zur vorliegenden Ausgabe geschrieben. In dieser konnte sich der bärtige Autor austoben, um etwas zu erschaffen, was er vermutlich als reine Parodie auf die etablierten Superhelden sah, denen er auch in seinen größten Werken kritisch gegenüber stand. Bewusst und vollkommen übertrieben, lässt er hier „Spawn“ an zwei Fronten kämpfen. Zum einen gegen den Symbionten, der sein Kostüm darstellt und von dem er sicher ist, dass dieser die endgültige Kontrolle über ihn erlangen möchte, um schreckliche Taten zu begehen. Zum anderen gegen den mysteriösen als auch brutalen Vampir-Jäger John Sansker, der nicht der zu scheint für den ihn alle halten.

In diesem Gemenge finden sich natürlich auch die beliebten Cops Sam und Twitch wieder, die sowohl versuchen die bestialischen Morde in der Stadt als auch die die Herkunft des seltsamen Neuankömmlings zu entschlüsseln. Die Konstellation gelingt erstaunlich gut, obwohl alles typisch für die Reihe vollkommen Over-The-Top ist. Sogar die Auflösung so mancher Frage ist überraschend und das ist bei Comics in diesem Genre wirklich nicht oft der Fall. An solchen Punkten merkt man, wenn ein erfahrener und begabter Autor an der Entwicklung der Story tüftelt.

Mit dem Bleistift ist diesmal der nicht minder prominente Tony S. Daniel bewaffnet, den die meisten vermutlich aus dem „R.I.P.“-Run der „Batman“-Reihe von Grant Morrison kennen sollten. Im vorliegenden Werk hält er sich zwar sehr nah an Todd McFarlanes Stil, der im Laufe der Zeit zu einer Art Markenzeichen avanciert ist, lässt aber oft genug seinen fast schon explosiven Strich durchscheinen. Dieser kommt in den kaum ohne Bewegung auskommenden Panels extrem gut zur Geltung und erzeugt ein durchgehend dynamisches Gefühl, dass den Leser sprichwörtlich von Seite zu Seite treibt.

Zusammengenommen lässt sich die Kooperation der zwei Meister ihres Fachs als vollen Erfolg bezeichnen und ist damit für Fans eine Pflichtanschaffung, während Neulinge zumindest einen Blick in das düstere Universum um „Spawn“ riskieren sollten.

Hier könnt ihr euch die Ausgabe besorgen!

Batman Sonderband 46 -Todesspiel

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Mit dem Auftauchen des Jokers, nachdem dieser spurlos verschwand, begann das DC-Event „Todesspiel“, welches eine Brücke über mehrere Serien hinweg schlug und den „Clownprinzen des Verbrechens“ in den Mittelpunkt stellte.

Ganz der jahrelangen Tradition ergeben, erscheint am 22.12. der passende Sonderband, der in vier Geschichten unterschiedliche Blickwinkel nach dem Gas-Anschlag auf die Gothamer Innenstadt und die unmittelbaren Ereignisse davor bietet.

Dabei trumpft das Format wie so oft durch die unabhängigen Kreativteams auf, die sowohl inhaltlich als auch visuell einen bunten Strauß an Unterhaltung bereit halten. Zunächst fängt alles mit einer Story aus dem US-Heft „Batman – Annual“ an, welche den Begriff der Freundschaft aus der Sicht unseres Lieblingspsychopathen aufzeigt und uns nochmals vor Augen führt, dass es kein Entkommen gibt, wenn der Joker einen Narren (höhö) an einem gefressen hat. Erzählt wird die Geschichte hierbei von einem Polizisten, dem die Ehre zuteil wurde von Mr. J als Freund bezeichnet zu werden. Das erfrischende an der Perspektive ist, dass es sich um einen „normalen“ Charakter handelt, der nicht wie Batman und Konsorten an die Eskapaden rund um die Figur gewöhnt ist.

Natürlich wurden schon in der Vergangenheit Personen außerhalb der Kontinuität der Storys gequält, aber es erscheint trotzdem als frisches Element, eine Beziehung zwischen einem normalen Bürger von Gotham mit dem dauergrinsenden Albtraum zu verkuppeln. Vor allem fügt sich das Geschehen wunderbar als Rahmenhandlung zur primären Geschichte in den moantlich erscheinenden Heften ein! Auch von der visuellen Seite ist der Einstieg in den Sonderband sehr gelungen. An einen realistischen Stil angelehnt, wird die Seriösität der Handlung nochmals unterstrichen.

Als Kontrastprogramm finden wir als nächstes eine Geschichte um Batgirl, die sich an einer Brücke durchschlägt, als das Gas in der Stadt freigesetzt und die Bewohner in lachende Zombies verwandelt werden. Neben dem obligatorischen Kampf gegen Horden an Feinden muss sie zusätzlich ein kleines Mädchen retten, welches mitten im Getümmel steckt und nicht voran kommt. Die Handlung kommt dabei gänzlich ohne Sprechblasen aus und konzentriert sich gänzlich auf Mimik und Gestik der Figuren, die mit einem leichten Manga-Touch und passender Farbgebung viel „fröhlicher“ Wirken als die Charaktere der übrigen Geschichten. Nur der gelegentliche Einsatz von „Emojis“ (Smartphones gehören nun scheinbar auch für Helden zum Standard-Repertoire) ersetzt so manche Unterhaltung. Da dieser Umstand auch für witzige Situationen genutzt wird, fügt sich dieses Element sogar ganz natürlich ein. In meinen Augen ein netter „Ice-Breaker“ und thematisch natürlich in der Zeit des titelgebenden Events angesiedelt, aber abgesehen von der ungewöhnlichen Ezählweise nichts für die Ewigkeit.

Im eher kindlichen Stil geht es auch in der dritten Geschichte aus der „Gotham Academy“ weiter. Die malerisch und ebenfalls leicht Manga-typisch dargestellten Figuren in Form von drei Mädchen erzählen, um sich gegenseitig zu übertrumpfen, Gruselgeschichten die sich auf die ein oder andere Weise um den Joker drehen. Dabei werden die teils makaberen Panels durch die schon erwähnte Optik noch verstörender (Leichenteile jonglieren!?) und erzeugen eine viel intensivere Wirkung als ein von vornherein auf Schock ausgelegter Stil. Alles in allem ein schöner Eye-Catcher, auf den man sich jedoch erst einlassen muss.

Die letzte Erzählung im Bunde dreht sich um das Verhör eines Arkham Security-Mannes, der den Ausbruch der Gefangenen im vom Joker erzeugten Chaos überlebte und nun von seiner Flucht berichtet. Diese wird ihm durch einige Prominente Insassen erleichtert, die aus unterschiedlichsten Gründen immun gegen das Joker-Gas zu sein scheinen und auf die Gebäude-Kenntnis des Wachmanns angewiesen sind. Ein interessanter Aspekt ist zwar wieder der Bericht einer Nebenfigur, aber das Gesamtkonstrukt kommt leider nicht über das Prädikat „nett“ hinaus. Visuell wird sich wieder an klassisches Material angelehnt und damit die düstere Bedrohung durch den Clown auch durch die Panels hervor gehoben.

Wenn man nun alle gebotenen Geschichten zusammen nimmt, ist der Batman Sonderband 46 zwar definitiv kein Must-Have aber auf jeden Fall eine unterhaltsame Ergänzung zum DC-Event „Todesspiel“, welches sich allein schon wegen des Haupt-Antagonisten als Anschaffung über die vorhandenen Serien hinweg lohnt.