apRon – Der Punch beginnt

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Mit dieser Rezension ist eine kleine persönliche Geschichte verbunden.

Vor einigen Jahren entdeckte ich die Münchner Underground-Band „apRon„, die einen Sound zwischen Nu-Metal/Crossover, Hardcore und Rock fabrizierte und damit exakt meinen Geschmack traf. Als ich neben ihrer großartigen Musik auch noch ihre Bühnenoutfits in Form von sich teils von Gig zu Gig wandelnder Schminke, und viel Konfetti entdeckte, war ich hin und weg.

Natürlich musste ich mir dieses Gebräu erstmal live ansehen und wurde
wie zu erwarten von ihrer unbändigen Energie umgeblasen, die sich aus der ständigen Bewegung und ihrem fast schon choreographiert wirkenden Zusammenspiel speiste. Theater in seiner schönsten Form!

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Nur kurze Zeit später wurde ich mit meiner damaligen Band gefragt, ob wir Lust hätten an einem fast schon irren Weltrekordversuch teilzunehmen und sagten selbstverständlich zu. Damit wurden wir Teil eines 67-stündigen und damit längsten Konzerts der Welt. Weiter ging es im Vorprogramm der Band in Passau und nach der Auflösung unserer Kapelle als Zuschauer auf fast allen Konzerten in München. Da der Kontakt auch auf privater Ebene sporadisch erhalten blieb, wurde ich als Fan und Kenner der Musik dazu eingeladen am Video „IDGAF“ als Darsteller mitzuwirken und machte selbstverständlich mit, indem ich einen Clown mit „Gilf“-Fetisch mimte.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass sich hier viele meiner Leidenschaften  in Form einer Band und ihrer Aktionen manifestierten. Als dann noch eines Tages die Ankündigung kam, dass zu einem kommenden Konzept-Album ein passender Comic erscheinen würde um die Story des „Mr. Punch“ durch verschiedene Medien erzählen zu können, schloss ich mich mit vielen anderen der parallel gestarteten Kickstarter-Kampagne an, die das ambitionierte Werk finanzieren sollte. Als kleine Belohnung in meinem Package, wurde ich als Figur sowohl in das Heft als auch Booklet integriert.

Die Lieder auf „Der Punch“ (apRons erstes deutschsprachiges Werk) drehen sich um den Spießbürger Kleinmann, der die fiese Handpuppe Mr. Punch findet, die von seinem Puppenspieler sofort Besitz ergreift und ihn auf eine Jahrmakttour nimmt, die wohl keiner so schnell vergessen wird…
Die Songs wirken dabei dem Ambiente der Erzählung und des Cover-Artworks (von Streetartist Michael „Fester“ Heinz-Fischer) entsprechend wie Zirkusmusik aus einem Horrorfilm und schwanken dabei von dicken Brettern bis zur melancholischer Ballade. Die einzelnen Tracks werden dabei durch einen Erzähler miteinander verbunden. Niemand geringeres als Stefan Linder, seines Zeichens Sänger der Band Schandmaul führt hierbei von Stück zu Stück.

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Die Visualisierung in Form des gleichnamigen Comic-Bandes folgt dabei parallel dem Geschehen und wurde vom Künstler Andi Papelitzky in Szene gesetzt, die wie das Leben Kleinmanns in Grautönen dargestellt wird. Die Figuren und die dazu passende Umgebung wirken der Erzählung (von apRon-Drummer Andreas „Medusa“ Kuhn getextet) entsprechend recht bizarr und werden nur durch vereinzelte Farbtupfer in Form des „Mr. Punch“ und bestimmter Körperflüssigkeiten aufgebrochen. Wie aber die Puppe dorthin gelangt ist, wo sie gefunden wurde und ob es eine Vorgeschichte zum bösartigen Innenlebens des Punch gibt, wurde nie geklärt.

Um diese Rätsel zu lösen hat das bestehende Kreativteam sich eines Prequels angenommen, welches vor kurzem als „Der Punch beginnt“ beim nun jährlichen „Punchfest“ (Konzert mit lokalen Bands im Münchner Backstage) Premiere feiern durfte. Während visuell fast alles beim gleichen bleibt (Papilitzkys Strich erscheint nur etwas weniger rau), begleiten wir zwei tragische Figuren in Person eines Professoren (Kleinmann ) der Literaturwissenschaften (Der Punch stammt ursprünglich aus einer britischen Erzählung) und einer Studentin, deren Wege sich einem Kreislauf gleich, am Anfang und am Ende der Geschichte kreuzen und dabei einen Übergang zum ursprünglichen Strang der Geschichte markieren. Garniert werden die Panels dabei mit allerlei Anspielungen auf die Münchner Alternativ-Szene und deren Protagonisten, wobei es einem „Außenstehenden“ nicht negativ auffallen sollte.

Alles in allem bleibt auch diese Ausgabe dem Underground treu und genießt dadurch sowohl auf Seiten der Story als auch auf künstlerischer Ebene Freiheiten, die im Mainstream unmöglich erscheinen. Trotzdem wirkt das Ergebnis sowohl von der Aufmachung als auch vom Inhalt her professionell genug, um auch die „Laufkundschaft“ in Comic-Läden anzusprechen. Der Stil erinnert mehr an einen Burton als an die Comix-Verfechter, die mehr durch Provokation als sicheren Umgang mit ihrem Werkzeug glänzten. Dementsprechend lege ich euch ans Herz das gesamte „apRon“-Package in Form der CD, des ursprünglichen Comics und des Prequels zuzulegen. Neben dem Genuss fürs Auge und Ohr, unterstützt ihr hierbei nämlich den Underground gleich zweier Szenen, die beweisen, dass dickes Budget und große Plattenfirma/Verlag noch lange nicht der einzige Garant für Qualität sind.

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Das Album findet ihr hier. Hier wäre der passende Comic und dort das Prequel.

Gotham Central – Band 2: Doppeltes Spiel

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Nach der ersten, von mir schon hochgelobten und mit dem Eisner Award ausgezeichneten Geschichte um eine Gruppe von Polizisten aus Gotham, erscheint nun endlich der zweite Band und lässt in Sachen Qualität in keinster Weise nach.

Wieder einmal dreht sich die Story um die uns schon bekannten Charaktere, wobei insbesondere Renee Montoya in den Mittelpunkt gerückt wird. Um den übergreifenden Zusammenhang zum Hauptstrang des Bandes zu verstehen, wird jedoch eine Art Prolog vorangestellt, der wiederum aus zwei weiteren Batman-Reihen (Detective Comics & Batman Chronicles) zusammengesetzt wurde.

In diesen kurzen Geschichten wird erklärt wie der erste Kontakt zwischen Montoya und Two-Face, dem Haupt-Antagonisten der aktuellsten Ausgabe, zustande kommt. Dieser bleibt nämlich nicht ohne Folgen, denn der Ex-Anwalt fühlt sich von der Polizistin „verstanden“ und entwickelt ihr gegenüber langsam aber sicher amouröse Gefühle, verschwindet jedoch irgendwann von der Bildfläche.

Doch plötzlich taucht ein zuvor freigesprochener Vergewaltiger auf, gegen den einer der wenigen ehrlichen Polizisten in Form unserer Heldin ausgesagt hat. Es kommt zu Gewaltandrohungen, Psychoterror und Zerstörung des privaten als auch beruflichen Umfelds. Es scheint jedoch mehr dahinter zu stecken, als der zunächst angenommene Rachefeldzug eines Verbrechers…

Wie schon beim Erstling, schaffen es Greg Rucka und Michael Lark einen lupenreinen Thriller mit Drama-Bezug in die Welt des dunklen Ritters zu platzieren und damit ein weiteres Kapitel der Erwachsenenunterhaltung in das immer noch misstrauisch beäugte Comic-Format einzufügen. Themen wie Familienprobleme, Homosexualität, sowie die damit durch gewisse Milieus verbundene Abneigung, Polizeigewalt und fragile zwischenmenschliche Beziehungen finden alle ihren Platz ohne überflüssig zu wirken. In dieser moralisch in sich zusammengefallenen Stadt ist dieses Gefüge erschreckend alltäglich,  während die Gegenwehr der Gesetzeshüter dadurch eine noch größere Bedeutung erfährt. All diese Elemente machen das Gesamtkonstrukt dieser Geschichte ungeheuer spannend und erzeugen das für Krimi-Fans nur allzu bekannte Gefühl nicht mehr mit dem lesen aufhören zu können, bis man das Ende der Geschichte erfahren hat.

Unterstützt wird die Story durch Larks immer noch schön groben Stil, der mit seiner realistischen Darstellung der Figuren fast so etwas wie eine Film-Atmosphäre zu erzeugen weiß. Ein perfektes Zusammenspiel mit der vorgegebenen Erzählung und damit Anreiz sich auch die nächste Ausgabe zu besorgen.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Handlung auch ohne DC-Kontext auf eigenen Beinen hätte stehen können, in ihrer Form aber der Welt von Batman einen realistischen Anstrich verpasst, der ihr schon seit Frank Millers Revolution am besten zu stehen scheint. Im Gegensatz zur TV-Serie, die zum Teil auf dem vorliegenden Band beruht, zieht die Geschichte ihre Faszination allein aus ihrer starken Komposition und verschont den Leser mit künstlich eingefügten Origin-Storys, die Fanboys bei der Stange halten sollen. Dementsprechend gibt es von mir eine persönliche Empfehlung, wenn das Genre einem zusagt!

Spawn: Blood Feud – Blutfehde

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Als langjähriger Fan der Spawn-Comics freue ich mich immer wie ein Schnitzel, wenn Mini-Serien neu aufgelegt werden, um einer neuen Generation an Lesern den Spaß zu bringen, den andere schon vor vielen Jahren hatten.

Nun kommt nach „Violator“ das nächste Paperback, welches eine vierteilige Geschichte in einem Sammelband vereint. Zwar erschien im Jahr 1999 „Blood Feud“ schon einmal als Gesamtausgabe, aber in der Zwischenzeit ist eine ganze Armada an Fans herangewachsen, die zum einen vielleicht von solchen Auskopplungen nichts weiß oder zum anderen nicht die Möglichkeit besitzt, diese zu erwerben.

Wer die Entstehungsgeschichte hinter der Figur kennt, der weiß welch große Namen einst hinter den Storys standen, die einen regelrechten Kult ausgelöst haben. So hat zum Beispiel die Comic-Legende Alan Moore (Watchmen, V wie Vendetta, From Hell) sowohl etwas zur Handlung der Kontinuität um Al Simmons (bürgerlicher Name des (Anti-)Helden) beigetragen, als auch die Story zur vorliegenden Ausgabe geschrieben. In dieser konnte sich der bärtige Autor austoben, um etwas zu erschaffen, was er vermutlich als reine Parodie auf die etablierten Superhelden sah, denen er auch in seinen größten Werken kritisch gegenüber stand. Bewusst und vollkommen übertrieben, lässt er hier „Spawn“ an zwei Fronten kämpfen. Zum einen gegen den Symbionten, der sein Kostüm darstellt und von dem er sicher ist, dass dieser die endgültige Kontrolle über ihn erlangen möchte, um schreckliche Taten zu begehen. Zum anderen gegen den mysteriösen als auch brutalen Vampir-Jäger John Sansker, der nicht der zu scheint für den ihn alle halten.

In diesem Gemenge finden sich natürlich auch die beliebten Cops Sam und Twitch wieder, die sowohl versuchen die bestialischen Morde in der Stadt als auch die die Herkunft des seltsamen Neuankömmlings zu entschlüsseln. Die Konstellation gelingt erstaunlich gut, obwohl alles typisch für die Reihe vollkommen Over-The-Top ist. Sogar die Auflösung so mancher Frage ist überraschend und das ist bei Comics in diesem Genre wirklich nicht oft der Fall. An solchen Punkten merkt man, wenn ein erfahrener und begabter Autor an der Entwicklung der Story tüftelt.

Mit dem Bleistift ist diesmal der nicht minder prominente Tony S. Daniel bewaffnet, den die meisten vermutlich aus dem „R.I.P.“-Run der „Batman“-Reihe von Grant Morrison kennen sollten. Im vorliegenden Werk hält er sich zwar sehr nah an Todd McFarlanes Stil, der im Laufe der Zeit zu einer Art Markenzeichen avanciert ist, lässt aber oft genug seinen fast schon explosiven Strich durchscheinen. Dieser kommt in den kaum ohne Bewegung auskommenden Panels extrem gut zur Geltung und erzeugt ein durchgehend dynamisches Gefühl, dass den Leser sprichwörtlich von Seite zu Seite treibt.

Zusammengenommen lässt sich die Kooperation der zwei Meister ihres Fachs als vollen Erfolg bezeichnen und ist damit für Fans eine Pflichtanschaffung, während Neulinge zumindest einen Blick in das düstere Universum um „Spawn“ riskieren sollten.

Hier könnt ihr euch die Ausgabe besorgen!

Batman Sonderband 46 -Todesspiel

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Mit dem Auftauchen des Jokers, nachdem dieser spurlos verschwand, begann das DC-Event „Todesspiel“, welches eine Brücke über mehrere Serien hinweg schlug und den „Clownprinzen des Verbrechens“ in den Mittelpunkt stellte.

Ganz der jahrelangen Tradition ergeben, erscheint am 22.12. der passende Sonderband, der in vier Geschichten unterschiedliche Blickwinkel nach dem Gas-Anschlag auf die Gothamer Innenstadt und die unmittelbaren Ereignisse davor bietet.

Dabei trumpft das Format wie so oft durch die unabhängigen Kreativteams auf, die sowohl inhaltlich als auch visuell einen bunten Strauß an Unterhaltung bereit halten. Zunächst fängt alles mit einer Story aus dem US-Heft „Batman – Annual“ an, welche den Begriff der Freundschaft aus der Sicht unseres Lieblingspsychopathen aufzeigt und uns nochmals vor Augen führt, dass es kein Entkommen gibt, wenn der Joker einen Narren (höhö) an einem gefressen hat. Erzählt wird die Geschichte hierbei von einem Polizisten, dem die Ehre zuteil wurde von Mr. J als Freund bezeichnet zu werden. Das erfrischende an der Perspektive ist, dass es sich um einen „normalen“ Charakter handelt, der nicht wie Batman und Konsorten an die Eskapaden rund um die Figur gewöhnt ist.

Natürlich wurden schon in der Vergangenheit Personen außerhalb der Kontinuität der Storys gequält, aber es erscheint trotzdem als frisches Element, eine Beziehung zwischen einem normalen Bürger von Gotham mit dem dauergrinsenden Albtraum zu verkuppeln. Vor allem fügt sich das Geschehen wunderbar als Rahmenhandlung zur primären Geschichte in den moantlich erscheinenden Heften ein! Auch von der visuellen Seite ist der Einstieg in den Sonderband sehr gelungen. An einen realistischen Stil angelehnt, wird die Seriösität der Handlung nochmals unterstrichen.

Als Kontrastprogramm finden wir als nächstes eine Geschichte um Batgirl, die sich an einer Brücke durchschlägt, als das Gas in der Stadt freigesetzt und die Bewohner in lachende Zombies verwandelt werden. Neben dem obligatorischen Kampf gegen Horden an Feinden muss sie zusätzlich ein kleines Mädchen retten, welches mitten im Getümmel steckt und nicht voran kommt. Die Handlung kommt dabei gänzlich ohne Sprechblasen aus und konzentriert sich gänzlich auf Mimik und Gestik der Figuren, die mit einem leichten Manga-Touch und passender Farbgebung viel „fröhlicher“ Wirken als die Charaktere der übrigen Geschichten. Nur der gelegentliche Einsatz von „Emojis“ (Smartphones gehören nun scheinbar auch für Helden zum Standard-Repertoire) ersetzt so manche Unterhaltung. Da dieser Umstand auch für witzige Situationen genutzt wird, fügt sich dieses Element sogar ganz natürlich ein. In meinen Augen ein netter „Ice-Breaker“ und thematisch natürlich in der Zeit des titelgebenden Events angesiedelt, aber abgesehen von der ungewöhnlichen Ezählweise nichts für die Ewigkeit.

Im eher kindlichen Stil geht es auch in der dritten Geschichte aus der „Gotham Academy“ weiter. Die malerisch und ebenfalls leicht Manga-typisch dargestellten Figuren in Form von drei Mädchen erzählen, um sich gegenseitig zu übertrumpfen, Gruselgeschichten die sich auf die ein oder andere Weise um den Joker drehen. Dabei werden die teils makaberen Panels durch die schon erwähnte Optik noch verstörender (Leichenteile jonglieren!?) und erzeugen eine viel intensivere Wirkung als ein von vornherein auf Schock ausgelegter Stil. Alles in allem ein schöner Eye-Catcher, auf den man sich jedoch erst einlassen muss.

Die letzte Erzählung im Bunde dreht sich um das Verhör eines Arkham Security-Mannes, der den Ausbruch der Gefangenen im vom Joker erzeugten Chaos überlebte und nun von seiner Flucht berichtet. Diese wird ihm durch einige Prominente Insassen erleichtert, die aus unterschiedlichsten Gründen immun gegen das Joker-Gas zu sein scheinen und auf die Gebäude-Kenntnis des Wachmanns angewiesen sind. Ein interessanter Aspekt ist zwar wieder der Bericht einer Nebenfigur, aber das Gesamtkonstrukt kommt leider nicht über das Prädikat „nett“ hinaus. Visuell wird sich wieder an klassisches Material angelehnt und damit die düstere Bedrohung durch den Clown auch durch die Panels hervor gehoben.

Wenn man nun alle gebotenen Geschichten zusammen nimmt, ist der Batman Sonderband 46 zwar definitiv kein Must-Have aber auf jeden Fall eine unterhaltsame Ergänzung zum DC-Event „Todesspiel“, welches sich allein schon wegen des Haupt-Antagonisten als Anschaffung über die vorhandenen Serien hinweg lohnt.

 

Buzzonaut – Store Opening

 

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Gestern durften sich die Münchner über die Eröffnung eines weiteren Geek-Tempels in Form des „Buzzonaut“ freuen! Der Laden liegt sehr Zentral in einer Gasse gegenüber vom Hofbräuhaus (Am Platzl 2) und lädt mit seiner gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre und dem bunten Sortiment zum stöbern ein.

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Trotz dessen, dass es sich primär um einen Comic-Shop handelt, hebt sich die Location deutlich von den Mitbewerbern in Form der alteingesessenen „Comic Company“ und dem „Comicdealer“ ab, da das Konzept eine ganz eigene Richtung einschlägt.

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Während andere die gesamte Bandbreite, die der Markt hergibt bedienen, richtet sich der „Buzzonaut“ primär an Fans des Superhelden-Genres und des Star Wars-Franchise. Um dabei nicht nur durch die Masse an Veröffentlichungen aufzufallen, bietet der Laden auch eine große Auswahl an Merchandise in Form von Shirts, Action-Figuren, Modellen und Accessoires an. Damit erinnert das Ganze leicht an die US-amerikanische Definition der Comic-Verkäufer und bringt damit frischen Wind in die Szene der bayerischen Landeshauptstadt. Und sollte der Einkauf einen arg erschöpfen, gibt es sogar eine Zocker-Ecke, die mit einer PS4 und passenden Spielen mit Comic- und Filmbezug ausgestattet ist.

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Der familiäre Start-Up-Touch wurde bei meinem ersten (und bestimmt nicht letzten) Besuch durch die herzliche Eröffnungsfeier samt nerdigen Gebäck in Form von „Stormtrooper“-Cupcakes, viel Bier, netten Gesprächen und einem offenen Ohr für Fragen unterstrichen. Der Laden wird des Weiteren in den nächsten Monaten noch öfter von sich hören lassen, nachdem vor kurzem der Besuch des ultimativen Comic-Schaffenden in Form des einzigartigen Stan Lee angekündigt wurde! Sollte dieser nicht aufgrund von gesundheitlichen Problemen (der Mann ist schon über 90) oder anderweitigen Widrigkeiten absagen, dürfte der Andrang aus ganz Deutschland und dem europäischen Umland gewaltig werden. Sie werden sich zwar an der Umsetzung dieser Ansage messen lassen müssen, doch sollte alles klappen, steht einer Etablierung nach sehr kurzer Zeit nichts mehr im Wege!

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Fight Club 2

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Tyler Durden lebt – Wer erinnert sich nicht an den sympathischen Anarchisten, der die Welt durch den „Fight Club“ (Moment mal…die erste Regel!) aus den Angeln hob, jegliche sozialen Konventionen fahren und den Zuschauer des Films mit offener Kinnlade zurück ließ?

Was jedoch wenige Leute wußten und zum teil wissen ist, dass diese unglaubliche Geschichte auf einem Roman von Chuck Palahniuk basiert, der sich nun das vermutlich beste Medium ausgesucht hat um die bekannten Ereignisse fortzusetzen: Die Graphic Novel! Insbesondere nach der Leinwandumsetzung lag es durchaus nahe, die Handlung auch auf visueller Ebene weiter zu treiben. Das Ergebnis ist eine der besten Geschichten, die ich dieses Jahr lesen durfte.

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10 Jahre nach den Geschehnissen in Bezug auf das „Projekt Chaos“ und den finalen Showdown, lebt der einst namenlose Sebastian vollgepumpt mit Drogen, die seine dunkle Seite unterdrücken sollen, in einem Einfamilienhaus mit seiner uns bekannten Frau Marla Singer, die sich jedoch mit den Jahren kaum verändert hat. Immer noch gehören Selbsthilfegruppen, Zynismus und Zigaretten zu ihrem klassischen Repertoire. Das jedoch einschneidendste Erlebnis, dass beide Personen auf einer gänzlich neuen Ebene beeinflusst, ist der gemeinsame 9-jährige Sohn. Wie wir uns dabei aber alle lebhaft erinnern können, ist nicht Sebastian das Objekt der Begierde für seine Frau, sondern der dominante Tyler, der jedoch (scheinbar) verschwunden ist. Um diesem Umstand entgegen zu wirken, vertauscht sie seine Pillen mit Zuckerpräparaten und die Apokalypse kann ihren Lauf nehmen. Mr. Durden übernimmt mehr und mehr die Kontrolle und kriegt hierbei kräftige Unterstützung durch die immer noch aktiven Mitglieder seiner Clubs. Dementsprechend ist es nur eine Frage der Zeit bis die Situation gänzlich eskaliert und ihren Höhepunkt in der Entführung des eigenen Sohns mündet. Da die Persönlichkeiten des Hauptprotagonisten jedoch strikt getrennt sind, gibt es keine andere Möglichkeit an das Kind zu kommen, als in den „Fight Club“ nach langer Zeit wieder als Sebastian einzutreten und die Handlung nimmt ihren unwiderruflichen Gang nehmen zu lassen.

Dabei sind die Szenen durchsetzt von allerlei Anspielungen auf das aktuelle politische/soziale Weltgeschehen (ISIS, Spenden, Obdachlosigkeit, Drogensucht,…), Popkultur (Slipknot, Lizenzprodukte,…) sowie das genutzte Medium in Form der eigenen Geschichte. Des weiteren wird auch hier wieder gekonnt mit Meta-Ebenen gespielt, die sogar explizit benannt werden. Wir kennen ja noch die direkte Ansprache des Zuschauers im Film. In diesem Fall wird zwar auch der Leser mit einbezogen, indem Panels sprichwörtlich gesprengt werden, aber die genialsten Momente sehen wir, wenn der Schöpfer dieses Konstrukts plötzlich Teil des Geschehens wird. Alles in allem gibt es viel zu viele Details, überraschende Elemente und Wendungen als, dass es möglich wäre sie alle in einem vernünftigen Rahmen zu besprechen. Die Erwartungen waren hoch und die Skepsis vorhanden, aber nachdem man einmal die erste Seite aufgeschlagen hat, befindet man sich in dem Sog, der uns auch im ersten Teil erfasst hat.

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Visuell wird das Treiben durch den kanadischen Eisner-Award-Gewinner Cameron Stewart in Szene gesetzt. Zunächst hatte ich Bedenken, dass mich die Geschichte in der Form nicht so packen könnte wie der Vorgänger auf Zelluloid und Gott sei Dank lag ich mehr als falsch. Nachdem man sich daran gewöhnt hat, dass altbekannte Charaktere nicht der Optik aus dem Film entsprechen (ich erinnere gerne nochmals: Der Ursprung ist ein Buch!), stellt sich ein Gefühl ein, als ob man nach langer Zeit wieder nach Hause kommen würde. Es ist schier unglaublich wie das Ganze als Graphic Novel funktioniert und dabei wie die Faust aufs Auge passt (pun intended)! Selbst Elemente wie die Liste der Klamotten für den Einzug in Tylers Haus aus dem Erstling werden auf diese erfrischend neue Art eigeführt und demonstrieren damit deutlich, dass das Medium Comic zu weit mehr fähig ist, als es der Mainstream eventuell vermuten würde.

Man sollte als Rezensent vielleicht nicht zu euphorisch über ein zu besprechende Werk berichten, aber nach der Lektüre von „Fight Club 2“ kann ich nicht anders als ausnahmslos jedem ans Herz zu legen diesen Band zu besorgen oder ganz dick auf dem Wunschzettel für den Weihnachtsmann zu markieren! Und wisst ihr was das beste ist? Es handelt sich hier nur um den ersten Teil der Fortsetzung, der nur umso mehr Appetit auf den mit Sicherheit genialen Abschluss der Story macht! Ihr habt dementsprechend nur noch ein To-Do nachdem ihr meine Lobeshymne gelesen habt: Kaufen! Kaufen! Kaufen!

The Little Books of Batman, Superman & Wonder Woman

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Der TASCHEN-Verlag fand vor kurzem schon Erwähnung auf meinem Blog, als er endlich die Aufarbeitung der Historie von DC Comics mit „The Bronze Age Of DC Comics“ fortführte. Dieser und die zwei zuvor erschienenen Bände zur „Golden“ und „Silver Age“ beleuchteten die prägendsten Epochen bis in die 70er Jahre. Die noch kommenden Sammlungen „The Dark Age“ und „The Modern Age Of DC Comics“, werden zusammen ein Konvolut ergeben, welches ganze 75 Jahre an Comic-Literatur abdecken wird.

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In gesammelter Form erschien vor ein paar Jahren schon die Gesamtausgabe, die jedoch mit einem enormen Überformat und entsprechendem Preis zu Buche schlug, dabei aber sowohl inhaltlich als auch visuell seines gleichen suchte. Die Vielzahl an Auszeichnungen, mit denen „75 Years Of DC Comics“ dekoriert wurde, sprechen hierbei für sich selbst. Entsprechend dem gigantischen Umfang wurden Unmengen an Figuren beleuchtet, die entweder im Laufe der Zeit einen kleinen aber stabilen Fankreis vorzeigen konnten, gänzlich von der Bildfläche verschwanden oder zur unvergleichlichen Größe aufstiegen. Diese Bandbreite an Informationen ist selbstverständlich primär für Kenner der Materie interessant und klammert dabei den Mainstream an Lesern aus. Das ist jedoch nicht negativ zu bewerten, denn es spricht für Paul Levitz und sein Team, dass sie sich nicht auf ohnehin schon bekannte Themen stürzen und diese langatmig präsentieren, nur um eine Illusion von Fülle zu erzeugen.

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Um jedoch die Leser, die sich vielleicht nur für die größten Helden die der Verlag vorzuweisen hat  interessieren, davon zu überzeugen, dass es sich lohnt auch die Entstehungsgeschichte von Batman, Superman und Wonder Woman zu entdecken, wurden ihnen nun die „Little Books Of…“ in die Regale gelegt.

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Diese sind jeweils um die 200 Seiten lang und mit 17×12 cm perfekt für die Jacken- oder Hosentasche geeignet. In allen drei Bänden wird die gesamte Geschichte von den Anfangstagen bis kurz vor Beginn der „New 52“ dargestellt und repräsentativ durch die wichtigsten Storys und Titelbilder der letzten Jahrzehnte unterstrichen. Diese werden mit einem kurzen Begleittext versehen, der auf den Zeichner, Autor und die Besonderheit der Geschichte hinweist. So wird die visuelle Reise durch die Bilder der letzten Jahrzehnte informativ aufgewertet ohne aufdringlich zu sein oder den Kunstwerken den Raum zu nehmen, den sie dringend brauchen um zu wirken.

Eingeleitet werden die Bücher durch ein kleines Essay, welches die Frage stellt, warum wir die jeweilige Figur so lieben und teilweise über mehrere Generationen hinweg begleiten. Darauf finden sich teils sehr pointierte Antworten, überlassen aber dem Leser selbst zu entscheiden, warum er eine solche Begeisterung für den jeweiligen Charakter hegt. Allein wenn man sich die Evolution im Bereich der Erzählstruktur und der damit einhergehenden optischen Veränderung ansieht, kann man sich eine schier unendliche Liste an Gründen vorstellen, eine Liebe für Superhelden zu entwickeln.

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Angefangen beim rohen Charme der ersten Ausgaben, die stark an Comicstrips und den kurzen, abgeschlossenen Abenteuern in den Zeitungsausgaben orientiert waren, über die gegenseitige Beeinflussung von Film und Comic, die sich wohl am deutlichsten bei Batman in den 60ern und der Serie mit Adam West niederschlug, bis hin zur brutalen Realität der Gegenwart, die auch weltpolitische Themen nicht ausklammert, ist wirklich alles dabei. Dementsprechend sind die drei Ausgaben nicht nur Einstiegsliteratur für interessierte oder angehende Comic-Fans, sondern auch interessante Nachschlagewerke für langjährige Leser.

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Auch für Cineasten könnten diese Veröffentlichungen eine lohnende Angelegenheit sein. Wie den meisten schon bekannt sein sollte, werden exakt diese drei Superhelden in wenigen Monaten auf der Leinwand aufeinander treffen und in „Batman v. Superman“ epische Kämpfe austragen. Zusätzlich sind für die nächsten Jahre Spielfilme angekündigt worden, die sich gänzlich auf die einzelnen Figuren konzentrieren wollen. Zum Beispiel dürfen wir uns auf Wonder Woman mit Gal Gardot im Jahr 2017 freuen. Die kleinen Büchlein könnten hierfür als die perfekte Vorbereitung auf potentielle Easter-Eggs und Verweise aus der Historie der jeweiligen Charaktere dienen. Ich persönlich besitze alle Teile der DC-Veröffentlichungen bei TASCHEN und kann trotzdem die neuen Ausgaben als perfekte Ergänzung und wunderbare Zusammenfassung mit voller Überzeugung weiterempfehlen. Wer sich schon immer eine Art Enzyklopädie für zum Beispiel Batman gewünscht hat (wie ich), dessen Gebete wurden nun erhört!

Joker Anthologie – Die größten Schurkenstücke des Verbrecherclowns

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Nach der vor einiger Zeit erschienenen „Batman Anthologie“ zum 75. Geburtstag des „Dunklen Ritters“, machten Gerüchte die Runde, dass auch sein bekanntester und vor allem beliebtester Widersacher ebenfalls einen Rückblick spendiert bekommen soll. Als die Veröffentlichung für die USA bestätigt wurde, rieben sich natürlich auch Fans hierzulande die Hände und konnten es kaum erwarten bis „Panini Comics“ auch für den lokalen Release grünes Licht geben würde.

Nun ist es endlich soweit und wir dürfen uns über einen ausführlichen Überblick, angefangen bei Jokers erstem Auftritt in den 40er Jahren bis heute freuen. Dabei werden die letzten 75 Jahre in drei Epochen eingeteilt, in denen der Verbrecherclown seine größten Veränderungen durchlebte. Von einem nach Chaos gierenden Räuber und Dieb in den ersten Geschichten, über einen von der TV-Serie mit Adam West inspirierten Comedian, zu einem wahllos mordenden Psychopathen in den 70ern, bis hin zum nihilistischen Lügner, der sich immer wieder neu erfindet, ist jede Entwicklungsstufe vertreten.

Zusätzlich wird jede Story mit einem einleitenden Text versehen, der das Besondere der nachfolgenden Seiten in den Vordergrund stellt und die zahlreichen Künstler präsentiert, die die Veränderungen des Harlekin des Hasses zu verantworten haben. Desto weiter man in diesem Band vorankommt, umso mehr wird deutlich warum die Figur auch heute noch eine solche Relevanz besitzt.

Während Bösewichte aus anderen Comics und Büchern oft eine sehr eingeschränkte Weltsicht besitzen und dementsprechend in ihrer Handlungs- und Denkfähigkeit limitiert sind, reicht beim Joker beides fast ins Unendliche. Mir persönlich ist kein Antagonist bekannt, der über einen so langen Zeitraum die ihm eigenen Merkmale beibehalten aber trotz allem eine Evolution sondergleichen durchlebt hat. Dementsprechend wirkt auch jede einzelne der vorliegenden Geschichten wie in einem in sich geschlossenem Universum, welches durch die sich wandelnde Inkarnation des Jokers mit den anderen verbunden bleibt.

Trotz der teils enorm prägenden Momente für die Kontinuität des Batman-Universums (Stichwort: Red Hood in den 60er Jahren!) muss ich trotzdem darauf hinweisen, dass hier primär repräsentative Geschichten, die in einem Heft abgehandelt werden konnten, präsentiert werden. Die Meisterwerke „Arkham Asylum“, „The Killing Joke“ oder moderne Klassiker von Jim Lee finden sich nicht darunter. Das ist sicherlich bei dem parallelen Vertrieb der erwähnten Titel und der Länge der Ausgaben nachvollziehbar, aber Einsteiger sollten sich in der Auseinandersetzung mit dem Joker die erwähnten legendären Bände auf jeden Fall zulegen, um diese komplexe Figur in seiner größtmöglichen Bandbreite durchdringen zu können. Die „Joker Anthologie“ kann in diesem Zusammenhang als appetitanregende Sammlung gesehen werden, die neben Neulingen auch langjährigen Lesern wie mir wieder Lust macht, die alten Schinken hervor zu holen und in die zeitlosen Geschichten einzutauchen.

Wer den Clownprinzen des Verbrechens wirklich kennen lernen möchte, der kommt an diesem Band nicht vorbei!

Deadpool – Return Of The Living Deadpool

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Was soll man zu Deadpool und seinen Abenteuern sagen? Wie schon bei meiner letzten Besprechung in Bezug auf den Söldner mit der großen Klappe, braucht man auch diesmal nicht nach dem großen Sinn hinter der vorliegenden Geschichte zu fragen. Trotz allem wird man durch die vorliegende Story, die keinen Respekt vor dem Genre, geschweige denn vor der immer wieder porträtierten Popkultur hat oder zu haben braucht, von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend unterhalten.

Nun aber eins nach dem anderen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Vorgänger-Band „Night Of The Living Deadpool“ nie gelesen habe. Trotzdem ist es möglich „Return Of The Living Deadpool“ als eigenständige Erzählung zu genießen, deren Titel im Übrigen nicht per Zufall gewählt wurde. Hier liegt nämlich eine astreine Parodie des „Zombie“-Genres vor, die immer wieder eine Brücke zu den Filmen als auch Comic-Reihen (The Walking Dead lässt grüßen) schlägt, die jeder Fan kennen sollte. Sogar die schwarz-weiße Optik der eben erwähnten Erfolgsserie wurde übernommen um keine Zweifel an der vorgegeben Richtung aufkommen zu lassen. Den einzigen Farbtupfer den wir finden, ist entweder der Hauptcharakter oder die mit ihm zusammenhängenden Gegenstände, wie Karten, Waffen etc..

Was die Story anbelangt, ist sie ungefähr so abgedreht wie Deadpool selbst. Nachdem die unvermeidliche Zombie-Apokalypse eingetreten ist, steht die Menschheit einem noch viel größerem Problem gegenüber: Jeder Zombie, der es schafft Deadpool zu beißen, verwandelt sich in einen weiteren Deadpool. Das Ganze hat zur Folge, dass sich diese zu Horden zusammenschließen und große Landstriche und Städte unter ihre Kontrolle bringen. Was kann es schlimmeres geben als wandelnde Untote? Richtig. Wandelnde Untote, die nicht aufhören können wirres Zeug von sich zu geben. Die Geschichte trieft dabei wie gewohnt vor Wortwitz und Anspielungen für die Eingeweihten. Allein folgendes Zitat bringt es mehr als deutlich auf den Punkt: „Das ist das Ende der Welt, oder? Die Gesellschaft ist im Eimer. Aber Campingbusse überleben? Sie sind die Kakerlaken der Behausungen.“

Verantwortlich für das irre Spektakel ist der Autor Cullen Bunn. Dieser kann auf eine lange Geschichte im Schaffensprozess von Deadpool zurück blicken und hat des Weiteren die Ehre den „Helden“ in das kommende Event „Secret Wars“ einzuführen, welches ungeahnte Folgen für das gesamte Marvel-Universum nach sich ziehen wird.

Mit dem Stift bewaffnet ist diesmal ein Neuling im Marvel-Lager. Die Künstlerin Nik Virella feiert ihren Einstand und meistert diesen mit Bravour. Ihr Stil zeichnet sich durch klare Linien, eindeutige Mimik und ausdrucksstarke Kompositionen aus und lässt den Leser auf viele weitere Werke hoffen. Man darf sich in diesem Zusammenhang schon auf eine angekündigte Mini-Serie freuen, die sich in einem Western-Alternativ-Universum der Marvel-Welt abspielt und mit dem Deadpool-Autor Gerry Duggan realisiert wird.

Zusammengefasst lässt sich mal wieder eine Empfehlung für all jene aussprechen, die wie ich auf einen gewollt trashigen Touch stehen und natürlich für Leser, die das Wort Popkultur nicht als Fremdwort betrachten. Hier geben sich Gewalt und Humor wieder mal die Klinke in die Hand und damit dem Fan Unterhaltung in seiner reinsten Form.

„Return Of The Living Deadpool“ erscheint am 24.11.2015.

Asterix – Der Papyrus des Cäsar

©2015 Les Éditions Albert René

©2015 Les Éditions Albert René

Zwei ganze Jahre mussten die Fans auf ein weiteres Abenteuer um Asterix und Obelix aus der Feder des neuen Kreativteams um den Autor Jean-Yves Ferri und den Zeichner Didier Conrad warten. Nun ist es seit dem 22.10. endlich soweit und „Der Papyrus des Cäsar“ hat als Band 36 seinen Weg ich die Regale und vor allem in die Hände der Leser gefunden. Wer hat in den letzten Wochen nicht mindestens einmal täglich jemanden (egal welchen Alters) die Ausgabe lesend gesehen?

Man muss zwar sagen, dass man durchaus merkt, dass neue Künstler am Werk sind, aber das wohlige Gefühl ein Original in den Händen zu halten verblasst nicht. Vor allem der Raum, der so gut wie allen bekannten Charakteren eingeräumt wird tut sein übriges und vermittelt das typische „Asterix“-Feeling, welches wir seit bestehen der Serie kennen und lieben. Trotzdem ist vor allem durch den Aufhänger der Story ein sehr deutlicher Bezug zum Zeitgeist zu spüren, der in der Form vermutlich nicht in Originalbesetzung gelungen wäre. Zum Beispiel wurden sehr deutliche Anspielungen auf soziale Netzwerke und die Whistleblower-Affären eingebaut und damit ein bemerkenswerter Spagat geschlagen, der Kinder und Erwachsene zwar gleichermaßen unterhält, dafür aber komplett unterschiedliche Verständnis-Ebenen bedient.

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Im Detail geht es darum, dass Cäsar in seinem Werk „Kommentare zum gallischen Krieg“ seine Erfahrungen mit dem unbezwingbaren gallischen Dorf auf Empfehlung seines Beraters Rufus Syndicus unterschlägt und damit die Geschichtsschreibung verfälscht. Dieses Kapitel gerät jedoch in die Hände des Aktivisten Polemix, der in eben genanntes Dorf aufbricht und die Niederschrift über diesen Weg veröffentlicht und damit das römische Reich erschüttert sehen will. Edward Snowden bzw. Julian Assange lassen dabei mehr als deutlich grüßen.

Als Ganzes liegt hier eine wirklich runde Geschichte vor, die durch den unkonventionellen Ansatz an Relevanz gewinnt und einen schön pointierten Schluss findet, der einen Bogen zu den Ursprüngen der Reihe schlägt und damit eine kleine Verneigung vor den Erfindern vollführt. Zeichnerisch wird man glücklicherweise nicht überrascht, denn die Optik der Figuren ist doch neben den tollen Geschichten das, was wir in gewohnter Form erwarten und auch in diesem Fall geliefert bekommen.

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Alles in allem ein Pflichtkauf für Fans und für die, die es noch werden wollen. Denn wie alle anderen Storys, lässt sich auch diese Ausgabe für sich genießen, hat aber für alteingesessene Leser genug Anspielungen auf alte Abenteuer im petto. Wir dürfen uns zurecht auf weitere Veröffentlichungen von Ferri und Conrad freuen!

Weiterführende Informationen findet ihr unter www.asterix.com.