[Rezension] Batman: Damned – Bd. 2 (Panini Comics)

BatmanDamned282von32_996

Ihr könnt euch noch an den kleinen Skandal um Batmans bestes Stück im Kontext der Veröffentlichung des DC Black Label-Titels „Damned“ erinnern? Die künstliche Empörung (und damit auch der Preis für die unzensierte Ausgabe) ist glücklicherweise abgefallen und gibt nun endlich den Blick auf die erzählerische und künstlerische Qaulität der Reihe frei, die bei Panini Comics endlich in die zweite Runde geht.

Wie schon beim Erstling, wird dem Leser recht schnell bewusst gemacht, dass es sich nicht um eine übliche Batman-Erzählung handelt. So war schon der Beginn mit Jokers Ermordung(?) ein spannender und außergewöhnlicher Einstieg, der mit okkulten Elementen, basierend auf Figuren wie John Constantine und Deadman, in eine Handlung floß, die man sich mit Konzentration, aber mit viel Spaß erschließen musste. Letzterer fußte aber primär nicht auf der schwer zu greifenden Handlung, sondern dem schier unfassbar guten Artwork von Lee Bermejo („Joker„, „Luther„, „Batman: Nöel„). Dieses bewegt sich de facto auf einem für sich stehenden Level, welches im Hinblick auf den malerischen, bisweilen ultrarealistischen Stil nur von Kollegen wie Alex Ross geteilt wird. Eins kann man in dem Zusammenhang schonmal vorweg nehmen: auf der visuellen Seite wird dieses Niveau gehalten und in Teilen sogar übertroffen. Hier saß wahrlich ein Meister seines Fachs am Zeichentisch.

Inhaltlich schließt Band 2 nahtlos an den Vorgänger an. Batman versucht Licht in den Fall des ermordeten Jokers zu bringen, stößt dabei auf Hinweise, die ihn als Mörder ausweisen und wittert darauf basierend eine Verschwörung gegen ihn, der er aus nachvollziehbaren Gründen auf den Grund gehen möchte.

Dafür muss er sich in die düstersten Ecken Gothams bewegen und seine Detektivfähigkeiten ausspielen, die jedoch nicht immer zum Erfolg führen. So trifft er zum Beispiel in einem Nachtclub auf den Dämon Etrigan aka Jason Blood, der in der Fassung von Brian Azzarello wie das Original in Reimen spricht, aber in einem Twist des Autoren passend zu einem Underground-Rapper umgestaltet wird. Ein netter Gag für Comic-Enthusiasten, aber für Batman selbst keine Hilfe, da der Laden im Verlauf der Konforntation mitsamt den Hoffnungen des dunklen Ritters in Flammen aufgeht.

Neben dieser Suche erfährt der Leser durch Rückblenden auch Stück für Stück ein wenig mehr über die Vergangenheit von Bruce Wayne und seine Eltern. Diese ist dabei bei weitem nicht die harmonische Beziehung, die wir aus den üblichen Origin-Geschichten kennen, sondern in ihrem Kern, zumindest zwischen Thomas und Martha, so disfunktional, wie es leider zu oft in der Realität anzutreffen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Bruce versucht hat über Jahre hinweg familiäre Probleme zu verdrängen oder ob das Trauma der Ermordung seiner Eltern diese einfach überschrieben hat und zu einer Überhöhung des Bildes geführt hat, dass er seit dem in sich trägt.

Leider wären das schon im Kern alle greifbaren Story-Elemente, neben denen wenige verquere Stränge auftauchen, die sich wahrscheinlich erst im großen Bogen der drei Teile der Geschichte zusammenführen lassen.  Wäre da nicht Bermejos umwerfende Arbeit, würde Azzarellos Geschichte realistisch Gefahr laufen recht blass auszusehen. Da es jedoch offensichtlich nicht der Fall ist, trägt dieses Team „Batman: Damned“ auch im zweiten Teil gut über die Ziellinie. Zwar deutet die Story aufgrund der genannten Elemente eine reale Tiefe über gewisse Strecken nur an, aber eine düster-stimmige Atosphäre wird trotz allem über alle Seiten hinweg erzeugt und hält damit den Leser ohne Probleme bei der Stange.

Selbst wenn die Handlung nicht jeden vollends überzeugen sollte, lohnt sich der Griff in das Regal des Comicladens eures Vertrauens, allein schon wegen des opulenten Artworks. Dieses für sich steigert schon die Vorfreude und Neugier auf den bald erscheinenden Abschluss der Story im Dezember.

Batman: Damned - Bd. 2 
Verlag: Panini Comics
 
Autor: Brian Azzarello 
Zeichner: Lee Bermejo 
Erschienen am: 11.06.2019 
 
Format: Hardcover

Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR

[Rezension] Batman: Damned Bd. 1 (Panini Comics)

1552380778_DBLACK002_min

Die Comicszene war in großen Teilen neugierig und verzückt, als DC ein Sub-Label mit dem Titel „DC Black Label“ ankündigte. Es sollte Autoren und Zeichnern die Möglichkeit bieten, sich außerhalb vorgegebener Normen und Kontinuitäten entfalten zu können und erwachsenen Lesern einen Zugang zu bekannten Helden geben, der durch einen großteiligen Verzicht auf Themen wie explizite Gewalt, Sex und reale menschliche Abgründe versperrt wurde. Natürlich gab es spätestens seit den 80ern Ausnahmen in Form von Releases wie „The Dark Knight Returns„, „The Long Halloween“ usw. Diese werden im Übrigen nun ebenfalls mit dem prägnanten schwarzen Logo neu in die Regale gebracht. Trotzdem blieben solche Mini-Serien die große Ausnahme, während nun Kreativteams dazu ermuntert werden, sich nach belieben auszuprobieren.

Eine der ersten Ankündigungen war „Batman: Damned“ von Brian Azzarello und Lee Bermejo, die sich schon vor geraumer Zeit für den modernen Klassiker „Joker“ zusammengetan hatten, der bezüglich des Storytellings zwar gut, aber nicht brilliant war, optisch jedoch in einer ganz eigenen Liga spielte. Umso gespannter waren die Fans, was dieses Team erneut zaubern würde. Doch bevor ich auf den Inhalt der dreiteiligen Serie eingehe, möchte ich das in dem Kontext hochgekochte Thema der Zensur ansprechen.

Als das Veröffentlichungsdatum der Geschichte fest stand, blies DC in alle Marketing-Rohre und heizte damit den Hype unter Fans und in den Medien ordentlich an. Als dann die Hefte ihren Weg in die Läden fanden, folgte jedoch etwas, was man im Kontext eines an erwachsene Leser gerichteten Bandes nicht erwarten würde. Aufgrund von zwei Panels, in denen der Penis von Bruce Wayne schemenhaft zu erkennen war, beschloss der Verlag keinen Nachdruck mehr zu veröffentlichen, die digitale Fassung zu retuschieren und bei einer Trade-Paperback-Veröffentlichung nur eine zensierte Version zuzulassen. Da der ausländische Markt außerdem nur mit den Lizenzen operieren kann, die der Konzern zur Verfügung stellt, können deutsche Leser ebenfalls nur auf eine zensierte Fassung zugreifen.

1552380778_DBLACK002_pages-to-jpg-0002

©Panini Comics

Das führte dazu, dass die erste und bis dato einzige Auflage des ersten Heftes in den Tagen und Wochen nach dem Release für Mondpreise gehandelt wurde. Ein unrühmliches Beispiel war ein „Fan“, der bei einer im selben Zeitraum stattfindenden Con in Irland sein Heft von Lee Bermejo hat signieren und graden lassen. Kurz danach stellte er es auf eBay ein und ließ es für einen stolzen Preis von 1000$ den Besitzer wechseln. Auch im kleineren Rahmen gab es kaum eine Möglichkeit unter einem dreistelligen Betrag an die begehrte Fassung zu kommen. Inzwischen ist der Hype zum Glück etwas abgeflaut und die Preise haben sich für ein vergriffenes Heft durchaus normalisiert. Nichtsdestotrotz bleibt zum einen ein fader Beigeschmack, da DC die eigene Zielsetzung außer acht ließ und die Kunstfreiheit aufgrund einer überzogenen Prüderie opferte. Zum anderen geriet damit die eigentliche Geschichte gewaltig in den Hintergrund und wurde ausschließlich auf den „Skandal“ reduziert.

Daher soll es nun um die eigentliche Essenz von „Batman: Damned“ gehen: Die Story und Optik. Den Beginn markiert bedeutungsschwanger ein blinkender EKG, der von einem Monolog begleitet wird, der sofort einen Querverweis auf einen Batman-Klassiker in Form von „The Killing Joke“ verweist. Ein anderes, düsteres und in sich abgeschlossenes Kapitel um den dunklen Ritten und ein Einstieg, der den Ton der folgenden Seiten vorgibt.

Schon auf der nächsten Seite verstehen wir, wem der unregelmäßige Pulsschlag gehört: einem schwer verletzen, an eine Krankenwagen-Barre geschnallten Batman. Noch weiß der Leser nicht, wie er so zugerichtet werden, geschweige denn, wie er umringt von Sanitätern und Polizisten in den Wagen kommen konnte. Als diese dann tatsächlich versuchen die Maske des Vigilanten zu entfernen, setzen seine Instinkte ein und katapultieren ihn und einige seiner Mitreisenden kurzerhand aus dem Wagen auf die Straßen Gothams. Halb im Delirium stürzt sich Batman daraufhin in eine nahegelegne Gasse und bekommt von einem unerwarteten Gast die Hilfe, die er benötigt: John Constantine. Ab diesem Zeitpunkt wird auch klar, dass er der Erzähler der Handlung ist und aufgrund seiner Charakterzüge auch der Leser vorsichtig sein sollte, wenn es um die Frage geht, was hier wahr und erlogen ist.

1552380778_DBLACK002_pages-to-jpg-0003

©Panini Comics

Noch seltsamer wird alles, als Batman in Constantines Versteck, samt Deadman als Mitbewohner, aufwacht und eröffnet bekommt, dass niemand Geringeres als der Joker tot aus einem Fluss geborgen wurde. Daher auch der prägnante Satz auf dem Buchrücken, der alles ins Rollen bringt: „Der Joker ist tot.“

Inhaltlich bleiben die 60 Seiten jedoch im weiteren Verlauf erstaunlich wage. Während der Leser in Rückblenden angedeutet bekommt, dass Thomas Wayne scheinbar ein Ehebrecher war und Enchantress schon in der Kindheit von Bruce eine Rolle spielte, werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Daher kann man den ersten Band von „Batman: Damned“ durchaus als Prolog für das betrachten, was in den kommenden zwei Veröffentlichungen kommen wird. Der letzte Teil ist im Übrigen auch auf Englisch noch nicht erschienen.

Trotz der doch übersichtlichen Handlung bleibt man sehr lange an den einzelnen Seiten hängen. Der offensichtliche Grund sind die meisterhaft gestalteten Seiten durch den Ausnahmekünstler Lee Bermejo. Die deutsche Fassung eignet sich sogar noch mehr als die englische, um den Leser mit den düsteren Kompositionen zu verzücken. Durch das Albenformat in Übergröße wirken die einzelnen Panels noch um einiges einnehmender und genialer, als man es vom Original kennen könnte. Hinzu kommen neue Techniken, die Bermejo bis dato nicht für sich zu eigen machte und nun besonders hervortreten lässt. Dazu gehören wunderschöne Unschärfeeffekte und Spiegelungen, die die Szenen fast schon übernatürlich erscheinen lassen. Alles in allem nichts anderes, als eine wahre Augenweide.

1552380778_DBLACK002_pages-to-jpg-0004

©Panini Comics

Als Fazit kann man ziehen, dass hier inhaltlich eher eine Art Vorgeschmack auf das geliefert wird, was in den übrigen Bänden erzählt werden soll. Durch das unfassbar schöne Artwork, zieht „Batman: Damned“ einen nichtsdestotrotz unweigerlich in seinen Bann und beweist, dass sich eine Anschaffung trotz der Zensur allemal lohnt. Man darf gespannt sein ob Azzarello und Bermejo das Ganze zu einem runden Abschluss führen werden, doch bei diesem Team habe ich keine Zweifel, dass es gelingt.

Batman: Damned Bd. 1 
Verlag: Panini Comics 
 
Autor: Brian Azzarello
Zeichner: Lee Bermejo
Erschienen am: 26.03.2018 
 
Format: Hardcover 
 
Seitenzahl: 60
Preis: 12,99 EUR